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Wirtshausberater (Dresden)

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Jubiläum, Audio-CD
Jubiläum, Audio-CD
von Gerhard Polt
  Audio CD
Preis: EUR 18,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weitgehend guter Überblick mit ein paar neuen Sachen, 14. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jubiläum, Audio-CD (Audio CD)
Dreißig Jahre Gerhard Polt und die Biermösl Blosn sind wirklich ein Grund zum Feiern. Die Zusammenarbeit zwischen dem wohl größten lebenden deutschen Komiker und den drei vielinstrumentigen und hinterfotzigen Volksmusikinterpreten Hans, Christoph und Michael Well aus dem Biermoos zwischen München und Augsburg begann mit Kurzauftritten der Biermösl in Polts Fernsehserie "Fast wia im richtigen" Leben. Sie führte dann bald auf die Bühne und kulminierte um '90 in legendären Theaterstücken wie "Diridari" und "Tschurangrati" sowie den darauffolgenden Kabarettprogrammen.

Die Doppel-CD "Jubiläum" enthält mehrheitlich altes Material. Die wiederaufgenommenen Nummern, Live-Aufnahmen an zwei Orten, klingen größtenteils der jeweils erstveröffentlichten Version sehr ähnlich. Manche Aufnahmen wurden gar einfach wiederverwendet ("Democracy", "Wo samma?").

An neuem gibt's hauptsächlich Polt-Nummern. "Kreissparkasse meets Art" ist eine hübsch schwachsinnige Schwadronie über Kultur-Sponsoring , bei der Christoph Well als kleinlaut mitschreibenden Journalisten assistiert, Hans den beleidigten Künstler gibt, und Michael als Kostprobe der geförderten Kunst intonationsfrei in eine Tuba pustet. Gut auch Polt als bayrischer Adventsnihilist und Trinker aus Berufung in "de expectatorione" ("Warum soll i ma a Diabetes ofressn, wenn i's mir osauf ko?"). Dabei verwurstet er zwar die altbekannte Begebenheit um den Fremdschleim im Bier, verpasst ihr aber ein neues Vokabular ("Lungenhering", "Auster des kleinen Mannes") und weitet sie schön aus. "Ein Responsibialist" basiert auf einer legendären Szene aus "Fast wia im richtigen Leben". Bereits in den frühen '80ern hatte Polt zusammen mit dem Regisseur der Serie Hanns-Christian Müller die visionäre Idee zu einer Firma, die die Marktlücke füllt, für jede Art von Schweinerei die ideelle Verantwortung zu übernehmen (in der Adaption die Rechtschreibreform, ärztliche Kunstfehler, das Landesbankfiasko und die Johannes-Apokalypse). Hier klingt's leider ein klein wenig müde, obwohl Polt schöne Bösartigkeiten einstreut. Außerdem gibt es herrliche Nonsens-Einsprecher Polts (z.B. multilingual in "Introduzione"), und er trägt den "Kormoran" gutgelaunt und ein wenig besser als in der Originalversion vor.

Die Biermösl interpretieren "Bist aa do" mit weitgehend neuem, aber nicht sonderlich originellem Text über Jungle-Camp und Manager in Dubai. "Hey, Madonna" klingt frecher und rhythmisch zugespitzter als im Original. Immer wieder schön der gregorianische Choral um finanzielle Abgründe, hier "Banco Rotta" genannt und das endlos und fein blödsinnig angekündigte (hier von Polt mit schwedischen Anekdoten und Sprachbrocken) und dann sehr überhörbare Harfenabschiedslied "Was wolln wir auf den Abend tun?". Besonders erwähnenswert sind noch die feinen neuen Klassikerinterpretationen der Biermösl: Bei "Aria Tiroliata" jodelt Polt stimmgewaltig hinein, bei "Allendrio vandalucio" gleitet der Flamenco wunderschön ins Andenflair wie Oberbayrische ab, ehe Polt inbrünstig den andalusisch-arabischen Sängerstier gibt, und das Publikum begeistert und sogar taktsicher mitklatscht.

"Jubiläum" ist insgesamt ein schöner Überblick für Einsteiger, die eine essentielle Bildungslücke schließen wollen, unter den Fans ist die CD eher etwas für die eingefleischten.


Schwimmer im dunklen Strom.
Schwimmer im dunklen Strom.

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurz und eindringlich, 11. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schwimmer im dunklen Strom. (Broschiert)
Laski und seine Frau Diane haben sich in die kanadischen Wälder zurückgezogen, als Diane meint, ihre Fruchtblase sei geplatzt. Sofort fährt Laski sie über schlechte Straßen ins weit entfernte Krankenhaus. Während die Geburt sich anschickt, macht Laski alle Gefühlslagen des werdenden Vaters durch, leidet bei den Schmerzen seiner Frau mit, bangt, als sich herausstellt, dass das Baby Steißlage hat. - Und verabeitet die sich anschließende Tragödie.

William Kotzwinkel hat diese Novelle 1975 äußert eindringlich geschrieben, ist nahe und schnörkellos an Laskis Erleben, packt in die gerade mal ca. 14.000 Wörter vieles über das Leben, das kommt und das geht. Schön zu lesen, aber sehr schnell vorbei.


Imidiwan: Companions
Imidiwan: Companions
Preis: EUR 17,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wüsten-Blues, 9. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Imidiwan: Companions (Audio CD)
Eine sehnsüchtige tiefe Stimme (Ibrahim Ag Alhabib alias Abaraybone), ein bisschen Perkussion (u.a. Said Ag Ayad), der Klang einer sparsam verstärkten und verzerrten Slide-Gitarre (Abin Abin) und heller, mehrstimmiger Hintergrundgesang, viel mehr braucht die Gruppe Tinariwen nicht, um die Sahara-Region Nord-Malis, in dem ein Teil des Nomadenvolks der Touareg lebt, akustisch zu zeichnen. Beim Hören der CD sitzt man förmlich bei Abenddämmerung an einem kleinen Feuer und lässt den Blick über flache Bäume, Dörrbüsche und eine endlose Ebene schweifen; die Silhouetten der kargen Landschaft mischen sich mit dem Rauch und den Schlieren des Himmels.

Verzierungen wie vibrierende Kehllaute und schnarrende Saiten setzen Tinariwen sparsam ein. Ganz bemerkenswert der superschnelle, fast rap-artige, aber ungleich klarere Strophengesang in "Tenhert", der mithilfe der Hintergrundstimmen in einen Refrain aus fast nur einem Vokal mündet. Ansonsten fallen nur das unruhige "Kel Tamashek" und das zuerst beschleunigte und dann minutenlang im elektrischen Nachhall der Gitarre versandende Schlusslied "Ere Tasfata Adounia" aus der Reihe von dreizehn erdigen wie gefühlvollen Liedern.

Zur visuellen Veranschaulichung der Klänge und ihrer Herkunft bräuchte es eigentlich den halbstündigen Film in diesem Doppelpack gar nicht. Wobei die Bilder der sparsamen Landschaften eine klarere Sprache sprechen als die Dialoge über das einfache Leben der Touareg, ihrer Herkunft, Sehnsüchte und Ausdrucksform - der Musik.

Das vierte Album von Tinariwen von 2009 (die Gruppe gibt es in loser Zusammensetzung schon seit 1979) ist freilich etwas nahe an Ali Farka Touré und Ry Cooders Album "Talking Timbuktu" komponiert und arrangiert, wobei Tinariwen das Konzept noch etwas weiter in die Wüste und die Tiefe des sich entspannenden Geistes ausdehnen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 28, 2010 11:57 PM MEST


Mit dem Rücken Gegen die Wand
Mit dem Rücken Gegen die Wand
Preis: EUR 14,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitlos böse Lieder, 5. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Mit dem Rücken Gegen die Wand (Audio CD)
Achtzehn Lieder aus dem Jahr 1979 von Georg Kreisler, in diesem ersten gemeinsamen Album abwechselnd von ihm und seiner späteren Ehefrau Barbara Peters intoniert.

Zu dynamischem Klavierspiel bringt Kreisler viel Pathos und Ausdruck in seine bösen Texte. "Mit dem Rücken gegen die Wand" handelt von der Wehrhaftigkeit des kleinen Mannes gegen seinen Frust des Alltags, was in der Forderung der Todesstrafe bis hin zu nicht totzukriegendem Judenhass kulminiert. "Professor Doktor med." zeigt den Sinn von irreführenden und gleichwohl Renommee-bildenden Titeln. "Schieß mit mir" ist eine bizarr-dramatische Anklage über Gewalt und Krieg, während "Von Beruf" die Zerrissenheit zwischen Alltagsversehrtheit und Vergnügungssucht vertont. Außerdem natürlich der Smashhit "Tauben vergiften im Park", der hier noch "Frühlingslied" heißt.

Barbara Peters singt mädchenhaft-unschuldig, wenn sie z.B. in "Das neue Spiel" die Welt in die Dichotomie anständige Menschen versus Terroristen einteilt ("Denn du weißt nicht, wer du bist, also bist du Terrorist!"). Mitunter klingt sie frech wie Helen Vita, etwa einer verpassten Karriere als Ehefrau hinterherlamentierend in "Frau Schmidt" oder in dem weltanschaulich-sarkastischem "Amen". Andermal gibt sie die sprechsingende Kabarettistin wie in "Die kleinen Männer mit der riesengroßen Macht" oder dem anklagenden "Begräbnis der Macht".

In der Mitte klimpern die Kompositionen etwas vorhersehbar dahin, und auch die Texte werden minimal schwächer. Dafür gibt es zum Abschluss das anrührend-melancholische Duett "Wo soll die Reise hingehen", eine wunderschöne Melodie mit einem Text zwischen Ist-Lamento und tiefer Sehnsucht nach Besserem. Wo man bei vielem, was um 1980 in der BRD so an Kabarett und Liedern gemacht wurde, peinlich berührt ist und es der Zeit attribuiert, sind hier zwei wirklich böse Zungen am Werk, die auseinandernehmen, was die österreichische Welt damals an Heimeligem, Spießigem und Abgründigem zusammengehalten hat.


Louise Hires a Contract Killer
Louise Hires a Contract Killer
DVD ~ Yolande Moreau
Preis: EUR 11,16

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hinreißende Rache der Armen und Ungebildeten, 5. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Louise Hires a Contract Killer (DVD)
In einer Fabrik irgendwo in der belgischen Provinz nähen schlechtgekleidete Frauen Textilien zusammen. Das klapprige Interieur mutet bestenfalls nach den '70er Jahren an, doch der Film spielt in der Gegenwart. Die Fabrik wird geschlossen, ein knappes Dutzend Frauen, die dort z.T. jahrzehntelang genäht haben, mit insgesamt 20,000 Euro abgefunden. In einer Kneipe beschließen sie, ihr Geld zusammenzulegen, um etwas Gemeinsames damit anzufangen. Was läge da näher als dem Vorschlag der grobschlächtigen, krummrückigen Louise mit schütterem langem Haar (fast schon beängstigend trocken: Yolande Moreau) zu folgen, die Knete in einen Profikiller zu investieren, der auf den Fabrikboss angesetzt wird? Lousie lernt den Tagelöhner und Überwachungsparanoiker Michel (Bouli Lanners) kennen, als diesem eine Pistole aus dem Mantel fällt. Sie ist gleichwohl beeindruckt von diesem "Profi", dabei kann der in Wirklichkeit -im Gegensatz zu Louise - keiner Taube etwas zuleibe tun. So zerrt Michel seine Kusine mit Leukämie im Endstadium aus dem Sterbehospiz, um sie im rosa Bonbonkleid den Boss umlegen zu lassen. Freilich befördert sie anschließend den falschen Geldhai in den Hades. Nachdem der Wohnblock, in dem Louise gehaust hat, buchstäblich hinter ihrem Rücken gesprengt wird (sie konnte als Analphabetin die entspr. Ankündigung nicht lesen), macht sie sich mit Michel Richtung Brüssel auf, wo der Fabrikboss sein soll.

Mit "Lousie hires a contract killer" ist Gustave de Kervern und Benoît Delépine (Regie und Drehbuch) eine hinreißende Attacke auf den Kapitalismus gelungen. Sie greifen das System konsequent mit Figuren an, deren IQ knapp über dem Schwachsinn liegt, die aber, so wenig sie auch nachdenken, sehr sympathisch und schlüssig rüberkommen. Daneben sind viele Szenen so skurril, bizarr, anrührend, verstörend, böse, komisch, dass sie sich beinahe der Beschreibung entziehen. So lebt auf dem Campingplatz, für dessen Sicherheit Michel sorgen soll, ein Exzentriker, der unter seinen wortreichen Hirngespinsten über eine Art Tarzanbahn den Angriff aufs World Trade Center pyromanisch nachspielt. In einer anderen Szene versucht ein ohnehin todgeweihter Rentner im Rollstuhl mit Trichterhalskrause, einen Finanzhai zu erschießen, wobei ihn der Rückstoß des Gewehrs auf die Straße zurückrollen lässt, wo ihn seinerseits eine Straßenbahn überrollt.

Zwar kommt "Lousie hires a contract killer" fast so schwerfällig in Gang wie seine Helden es sind, und manchmal hakt ein Detail im Plot, dennoch bleibt unter dem Strich großes anarchistisches Kino, ein Aufstand der Armen und Ungebildeten wie in "Eat the rich", so detailreich und bei aller Groteske in sich stimmig, wie man es nur selten zu sehen bekommt.


Salami Aleikum
Salami Aleikum
DVD ~ Navid Navid

14 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Peinlich dumm, 5. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Salami Aleikum (DVD)
Der Iraner Mohsen (Navid Akhavan) enttäuscht die Erwartungen seines traditionsbewussten Vaters Taheri (Michael Niavarani) nach Kräften. Als Taheri deshalb zusammenbricht, muss Mohsen die väterliche Schlachterei übernehmen. Doch leider ist er so sensibel, dass er noch nie ein Tier getötet hat. Den Ausweg verspricht ein zwielichtiger Geschäftsmann - in Polen, wo es angeblich günstige Schafe bzw. deren Fleisch gibt. Unterwegs in Ostdeutschland lernt Taheri freilich die Automechanikerin und zu DDR-Zeiten zum Kugelstoßchampion gedopte Ana (Anna Böger) kennen. Deren Vater (der unvermeidliche Kuschelsachse Wolfgang Stumph) besitzt ein heruntergewirtschaftetes Lokal und eine noch viel ruinösere Kleidungsfabrik. Als auch noch Mohsens Eltern dem Sohn hinterher reisen, lernen sich die Schwiegereltern in spe kennen, sind begeistert voneinander - allerdings ob der falschen Annahme, die jew. Gegenseite sei reich.

Die Komödie von Regisseur Ali Samadi Ahadi (Drehbuch mit Arne Nolting) schöpft neben diesem altbekannten Täuschungsstoff ihre Komikabsicht aus tumben Klischees über persische Traditionen. Die handwerkliche Umsetzung ist dabei derart misraten, dass das Ganze bereits fast schon als Trash durchgeht. Aber eben nur fast, weil der versenkte Humor ernstgemeint wirkt. Bereits die Zusammenfassung des Plots fällt schwer, so hirnrissig wurde der zusammengeschustert. Die obendrein schlecht geschnittenen Szenen werden unterbrochen von grellen Animationssequenzen, die beinahe grünen Star verursachen. Andere sind ein müder Abklatsch des streckenweise hinreißenden Animationsfilms "Persepolis". Eine der vielen Spitzen des Eisbergs des nett betitelten "Salami Aleikum" ist der Versuch, mit Kameraeinstellungen die schlanke und normalgroße Anna Böger zum riesenhaften Kraftweib zu machen. Damit nicht genug sind die Figuren und Dialoge oft so einfältig, wie es sonst nur im ZDF. Zuschlechterletzt liegt die Tonspur haarscharf neben der des Films. Gegen Ende entwickelt man immerhin ein wenig Sympathie mit den provinziellen Schauplätzen, in denen diese Komödie konsequent angesiedelt ist.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 19, 2011 10:41 AM MEST


Ambros Singt Waits-Nach Mir die Sintflut
Ambros Singt Waits-Nach Mir die Sintflut
Preis: EUR 7,49

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weicharrangierte Kehlenklänge, 4. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
An Tom Waits mag ich das Erdige in der Stimmfarbe, den Klang von tausend Fässern Whiskey und einer Zigarettenfabrik im kehligen Timbre. Wolfgang Ambros wiederum ist ein Sänger, bei dem das Rauchige nur eine Facette ist im melancholischen Ausdruck seiner bodenständig-morbid-philosophischen Lieder. Was kommt nun dabei heraus, wenn Ambros Waits-Lieder übersetzt und intoniert?

Die Übersetzungen, eher Adaptionen der Songs ins Wienerische sind originell, klingen gar authentisch, doch bei vielen Liedern versinkt Ambros' Ausdruck in übergefälligen, oft banalen Streicher-Arrangements, so dass das Ergebnis mehr nach Ö3 als nach Blues-Kneipe klingt. Besser wird es, wenn es originalgetreu bei Klavierbegleitung bleibt wie bei "Weichnachtsgrüße einer Hur' aus Floridsdorf" (im Original: "Christmas Card From A Hooker"). Ausreißer nach oben sind außerdem das Titellied ("Shiver Me Timbers") und "Romeo verliert Bluat" ("Romeo Is Bleeding"). Die übrigen acht Songs plätschern folgenlos dahin. So zeigt die CD, wie sehr die Qualität von Waits Liedern, zumindest in dieser Auswahl, an seine Überdosis Erde in der Stimme gebunden ist.


Attwengerfilm / Attwenger Adventures
Attwengerfilm / Attwenger Adventures
DVD ~ Markus Binder
Wird angeboten von herr_der_filme
Preis: EUR 11,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Doppeldoku einer Superband, 3. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Attwengerfilm / Attwenger Adventures (DVD)
Kaum zu glauben, dass ich von Attwenger bisher nur eine Handvoll Lieder ("Sunnseit'n", "Kreuzpolka", "Sun" ...) kannte, diese zwar exzellent fand, mich aber nie mit ihrem Gesamtwerk beschäftigt habe. Einen hervorragenden Einstieg bieten die beiden Filme "Attwengerfilm" und "Attwenger Adventure", in der DVD-Edition der Wiener Zeitung "Der Standart" im Doppelpack.

Attwenger, das sind zwei optisch völlig unauffällige Männer aus Linz an Schlagzeug bzw. Quetsche - Markus Binder und Hans-Peter Falkner - die sich 1990 unter diesem einem Gstanzl entnommenen Nachnamen zusammengetan haben. Anfangs reichte es den beiden, Volksmusik beschleunigt, härter, rhythmischer zu spielen und mit frechen Texten zu versehen. Im Laufe der `90er-Jahre experimentierten sie dann zunehmend mit Versatzstücken aus Hip-Hop, Elektronik, Drum & Bass usf. Attribute der Kritiker für die beiden und ihre Musik reichen laut DVD-Hülle von "Quentschnpunkdadaisten", "Folkloreelektronikrocker" , "Mentalitätskritiker" bis hin zu "räudige Sounds", "radikal ratternde Zieharmonika", "brutales Schlagzeug" und "großartige Texte".

Alles richtig, aber unvollständig. "Attwengerfilm" folgt Markus Binder und Hans-Peter Falkner auf einer langen Autofahrt, bei der sie sich so witzig, philosophisch, normal über die Fragen des Daseins und die Banalitäten des Alltags unterhalten, wie man es von geistreichen Österreichern kennt. Dazwischen sieht man Konzertausschnitte, bei denen die beiden mit furiosem Trommelspiel bzw. steirisch-ska-artigen Quetschenlauten das Publikum zum Hüpfen bringen. Daneben gibt es grellbunte, hektische Animationsvideos, die den Sound des Duos schön untermalen und die Kommentarstimmen einiger Branchengrößen. Erstaunlich, dass bei dem Film von 1995 mehrere Regisseure um Wolfgang Murnberger (später durch die Verfilmung der Wolf-Haas-Krimis bekannt geworden) am Werk waren, so stimmig ist die Komposition aus schnödem Alltag und Ekstase auf der Bühne.

Für "Attwenger Adventure" von 2007 zeichnet alleine der Linzer Regisseur Markus Kaiser-Mühlecker verantwortlich. Es ist ein weitaus uneinheitlicheres, nicht mehr chronologisches Puzzle, bei dem auch familiäre Eindrücke (z.B. Falkners Mutter, die die Hoffnung auf einen bürgerlichen Beruf für ihren Sohn noch nicht aufgegeben zu haben scheint) und seltenes Archivmaterial (z.B. ein Auftritt in einer RTL-Sendung, bei der sie erstmal den Unterschied zwischen Volksmusik und volkstümlicher Verblödung erklären mussten) hinzukommen. So uneinheitlich die Form, so klar die Aussage: Hier sind zwei Musiker am Werk, die sich nie vom Mainstream haben vereinnahmen lassen, nicht am Anfang, wo Hubert von Goisern wesentlich mehr Platten verkauft haben dürfte, nicht später, wo sie bei Preisverleihungen die Musikauswahl des Fernsehens geißelten. In "Attwenger Adventure" wird auch Binders Sprachtalent ausreichend gewürdigt, wie reduktionistisch und lautmalerisch er den Dialekt kanalisiert, Wörter einwirft, verdreht und Botschaften vermittelt, die irgendwo zwischen Haltung demonstrieren, Ironie und Dadaismus liegen.

Beide Filme zeigen, wie die beiden dauerhaften Erfolg - wenn auch nur im mittleren Bereich - hatten, weil sie sich immer selbst hinterfragt haben und nie, was vielen Musikern nicht gelingt, für etwas oder irgendwen soz. instrumentalisieren ließen. Und wie normal ein Leben sein kann, wenn man es schafft, 16- bis 60jährige mit seiner Energie auf der Bühne mitzureißen. Inspirierende, begeisternde Dokumente einer sensationell guten Band.


Die Praktikantin: Roman
Die Praktikantin: Roman
von Yannik Mahr
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anstand versus Liebe, 2. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Praktikantin: Roman (Taschenbuch)
Mit der Liebe am Arbeitsplatz ist es so eine Sache. Denn wer sich drauf einlässt, macht sich vielseitig angreifbar, vor allem, wenn es sich um eine Liaison zwischen Chef und Mitarbeiterin (oder umgekehrt) handelt. Wie wiederum das Wissen und die Geschichten um diese Problematik einer solchen Verbindung im Wege stehen können, thematisiert Yannik Mahr in "Der Praktikantin".

Als Anlernkraft wählt er die Journalisten-Anfängerin Elisabeth, die zunächst ihren Chef Johann Walder durch ihre Leistungen beeindruckt. Dieser wurde nämlich statt zum Chefredakteur einer großen Münchner Zeitung nur zum Chef des defizitären Ablegers in Würzen, Westfalen, einer Stadt mit 70,000 Einwohnern, befördert. Hinzu kommt, dass ihm seine geltungsorientierte Verlobte deshalb den Laufpass gegeben hat, und die Wützener Zeitung von stinkfaulen Altredakteuren und einer Dame, die gleichzeitig Feminismus- und Gewerkschafts-Parodie ist, beherrscht wird. Gegen alle Widerstände geht es durch Elisabeths Talent und Engagement mit dem Käseblatt voran, doch Johann unterdrückt seine Gefühle für sie angesichts der vielen schlechten Branchenbeispiele von Redakteuren, die die Lage der jungen Frauen aus der Generation Praktikum ausnutzen. Umgekehrt liegen Elisabeth spätestens, als es mit ihrem Freund aus ist, die Freundinnen mit solchen Geschichten in den Ohren.

Diese Zwickmühle verengt Yannik Mahr weiter entlang einer Geschichte um ein ausgesetztes Baby, die die Wützener Zeitung in die Öffentlichkeit bringt. So unterhaltsam und rund wie der Roman beginnt, die mit dem Baby verbundenen Verwicklungen sind ein wenig konstruiert, münden dann aber in ein Finale mit ein paar schönen Ideen. Als Mediensatire taugt "Die Praktikantin" wenig, dafür ist der Roman zu harmlos (beispielsweise bleiben die Motive, warum Johann nach Wülzen verbannt wird, etwas unklar). Dafür denkt Mahr Johanns Konflikt zwischen professioneller Distanz, falschverstandener Bewunderung durch eine junge Kollegin und Liebe ziemlich weit, wobei Erzählstimme und Perspektive von Ich-Erzählerin Elisabeth erst zum Schluss überzeugen. Insgesamt aber unterhaltsam und gelungen.


Wie schön, dass wir die Doofen sind
Wie schön, dass wir die Doofen sind
von Mathias Wedel
  Broschiert

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leichthändig komisch statt albern, 27. Januar 2010
Der Eulenspiegel-Verlag kann ja normalerweise albern nicht von lustig unterscheiden. So verwundern der beliebige Titel und der eher doofe Buchrückentext ("Doof zu sein kann herrlich sein!") erstmal nicht. Doofheit ist nämlich seit langem nicht mehr komisch, wo die zur Schau gestellte und pseudoironisch exponierte eigene Beschränkheit zur Attitüde einer ganzen Generation von Promis und Komikern geworden ist.

So besteht auch Matthias Wedels Trick in "Wie schön, dass wir die Doofen sind" darin, die Erwartungen an die Naivität der Ostdeutschen nach 1989 überzuerfüllen. Er nimmt jedes Klischee, jedes herablassende Schulterklopfen auf, verdreht es hübsch, bettet es in haarscharf falschen Kontext ein und zeigt, wo das Ganze hinführte, dächte man es zuende. Die durchschnittlich vier- bis fünfseitigen essay-artigen Texte handeln von im Westen falsch verstandener Ostheimat, sprachlich unbeholfen eingeforderter Demut infolge von Transfer-Milliarden, kulinarischen Engpässen, dem "Russen an sich" und "Freiheitszwang & Zwangsfreiheit".

Das Buch liest sich glatt, weil es abwechslungsreich formuliert ist, weil Wedels Humor ihm leicht und flüssig von der Hand geht. Ein paar Beispielsätze aus zufällig aufgeschlagenen Seiten: "Da kriegten wir den Überziehungskredit und lernten, dass der uns nicht nur gerade mal so am Leben, sondern den gesamten Kapitalismus zusammenhält." "In der Kita 'Pelikan' in der berühmten Berliner Friedrichstraße wurden die pädagogischen Mitarbeiter plötzlich prinzipiell." "Sie sagten, dass sie in der Regel trocken Brot und obergährigen Joghurt äßen, selten die Unterwäsche wechselten und Unterschichtler seien." Stilistische Fehlgriffe wie "benamsen" (für nennen) bleiben die Ausnahme.

Matthias Wedel ist mal eine erfrischend freche Stimme aus dem Osten abseits der reichhaltigen, aber meist ungedruckten bzw. ungelesenen Kleinkunstszene. Nur über ein gründlicheres Korrektorat könnte der Eulenspiegel-Verlag mal nachdenken. Aber so ist es eben: Alle Klischees sind dann doch nicht falsch.


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