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Rezensionen verfasst von
Wirtshausberater (Dresden)

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Der Brenner und der liebe Gott: Roman
Der Brenner und der liebe Gott: Roman
von Wolf Haas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hinterfotzig Hilfsausdruck, 14. September 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Jetzt hat er doch wieder einen Brenner geschrieben, der Haas. Einfach, weil ihm was eingefallen, wie er dem FM4 verraten hat. Du wirst jetzt sagen, in "Das ewige Leben" ist der Erzähler gestorben, aber symbolischer Titel Hilfsausdruck. Weil der erste Satz im neuen Brenner: "Meine Großmutter hat immer zu mir gesagt, wenn du einmal stirbst, muss man das Maul extra erschlagen." Und Erzähler eher Geist, das hat der Haas dem FM4 auch gesteckt.

Hör zu. Der Herr Simon kutschiert seelig die zweijährige Helena zwischen Wien, Kitzbühel und München hin und her, weil die Eltern Kressdorf 500 Kilometer auseinandergewohnt, und Büro noch mal woanders. Quasi Autokind. Sie die Chefin von einer Abtreibungsklinik, wo die Embryoschützer wie der Knoll aus und eingeschlichen sind, und er der Baulöwe, gerade den Auftrag bekommen, den Wiener Prater umzubauen. Sprich Las Vegas. Und ob du's glaubst oder nicht, jetzt verschwindet plötzlich die Helena aus dem Auto, weil zwei Espresso an der Tankstelle zwei Espresso zuviel. Und der Herr Simon natürlich seinen Job los und Verdächtiger Nummer 1. Jetzt hat der Knoll ihn als Detektiv engagieren wollen wegen der Abtreibung von einer Zwölfjährigen, und die Kressdorf dann erledigt. Weil natürlich der Herr Simon nicht der Herr Simon, sondern der Brenner, der Simon Brenner, Ex-Polizist und Ex-Detektiv. Und ein Gewissen wie ein Kinderschänder, frag nicht, und also lieber in der Entführungssache von der Helena ermittelt. So schnell, wie dann die Menschen zu Leichen verblasst sind, hat er dann erstmal das Entscheidende übersehen, als ihm die fesche Südtirolerin, der Oberregierungsrat, der Bankdirektor und und und begegnet sind.

Weil der Erzähler immer am übererklären und -psychologisieren. Hätte der Brenner jetzt und wenn nicht, was dann? Wie kann sich das Unbewusste äußern, wenn's eine Idee hat, wo's doch eines ist? Und was tust du, wenn du der Brenner bist, und dir der liebe Gott auf einmal in die Pupille leuchtet? Der Haas dabei ein Wortwitz, dass du glaubst, der Bankdirektor kriegt zur Thaimassage noch eine Darmspülung. Hinterfotzig Hilfsausdruck. Permanentes Augenzwinkern, quasi Augen zu.


Berlin - Moskau: Eine Reise zu Fuß
Berlin - Moskau: Eine Reise zu Fuß
von Wolfgang Büscher
  Gebundene Ausgabe

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gepflegte Reiseerzählung für Impressionisten, 10. September 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Reiseerzählungen funktionieren über Exotik, Skurrilität oder Komik, die fremde Orte zu bieten haben, über die Spannung, die sich aus dem Zweck einer Reise oder deren Brisanz ergibt - oder über literarische Sprache. Wolfgang Büscher hat sich in seinem Bestseller "Berlin - Moskau, eine Reise zu Fuß" eindeutig für Letztere entschieden. Zum Inhalt gibt es kaum mehr zu sagen als der Titel verrät. Büscher legt innerhalb von drei Monaten tausende Kilometer per Pedes zurück, ehe er vor Einbruch des Winters Moskau erreicht. Davor hat er einige interessante Begegnungen, bei denen er tragische wie anrührende Geschichten hört. Er durchlebt diverse Stimmungen und kämpft mit der Unbill von Wetter und Mitmensch. Oft ist es eine Reise zu den noch immer präsenten Spuren des zweiten Weltkriegs.

So wenig, wie der Leser vom Innnenleben des Erzählers erfährt, so sehr fungiert dieser auf der Reise als bloße Videokamera, durch die der Leser die Eindrücke der Reise präsentiert bekommt - jedoch gefiltert durch Büschers flüssige, gepflegte Sprache. Der fehlt allerdings ein wenig die Originalität, vor allem bei der Wortwahl. So hat man selten wirklich Bilder vor Augen, dabei muss die Weite Polens, Belo- und Westrusslands einen Blumenstrauß an optischen, audivisuellen und olfaktorischen Besonderheiten zu bieten haben. Dafür gelingt es Büscher schön, Stimmungen einzufangen. Wenn das Buch Malerei wäre, würden es die Anhänger impressionistischer Gemälde lieben, die Fans von Expressionismus, Handlung und Detail würde es dagegen langweilen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 14, 2009 4:21 PM MEST


Zeitbeben: Roman
Zeitbeben: Roman
von Kurt Vonnegut
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sarkastisches Mosaik, 5. September 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zeitbeben: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Jahr 2001 verheddert sich das Universum beim Versuch, sich weiter auszudehnen. Es kommt zu einem Zeitbeben, bei dem die Zeit um zehn Jahre zurückspringt. Die Menschen erleben sie exakt so noch einmal - freilich ohne, denn sonst wäre dies nicht möglich, einen freien Willen zu haben. Zum zweiten mal im Jahr 2001 angekommen, verfallen sie in tiefe Apathie, weil sie nicht damit umgehen können, dass "der freie Wille wieder voll reinhaut."

Soweit die Grundidee von Kurt Vonneguts (2007 gestorben) letztem Roman aus dem Jahr 1997. Darum gruppieren sich Versatzstücke aus einer ersten Version der Geschichte, der weltfremde Science Fiction-Autor Kilgore Trout, der bereits in früheren Werken Vonneguts auftritt, Vonnegut selbst, seine Verwandten und diverse Figuren der Zeitgeschichte. Man muss es gleich sagen: "Zeitbeben" ist überhaupt kein Roman, sondern ein Mosaik aus Begebenheiten, mit denen Vonnegut die böse Welt zeichnet, in die man unfreiwillig geworfen wird, über die sich allerdings wunderbar sarkastisch herziehen lässt. Dabei nerven jedoch die allzu abseitigen unter den oft nur schwach zusammengekitteten Versatzstücke.

Vonneguts wie immer trocken und pointiert vorgetragene Propaganda hätte die Mogelpackung des Romanrahmens nicht benötigt, wäre in einer Sammlung von Essay oder einer Autobiographie besser aufgehoben gewesen. Vielleicht hätte er, wie bei "Schlachthaus 5" zwei Jahrzehnte gebraucht, um aus der starken Grundidee einen Roman zu machen. Die waren ihm leider nicht mehr vergönnt. Immerhin hat Harry Rowohlt das Buch bewährtermaßen schön übersetzt.


Inside Titanic: Meine 10.757 Tage als Gefangener der Redaktion
Inside Titanic: Meine 10.757 Tage als Gefangener der Redaktion
von Hans Mentz
  Taschenbuch

9 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Satire verquer, 2. September 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Angesichts von dreißig Jahren Titanic mutet es als Euphemismus an, die Länge dieses Büchleins von 94 Seiten als bescheiden zu bezeichnen. Hans Mentz soll es geschrieben haben. Jener Hans Mentz, der in Eckhard Henscheids formidabler Schwachmatentrilogie "Die Vollidioten" usw. den Bierschwemmenwirt gab, in den Henscheid wie in die anderen Akteure fröhlich hineinpsychologisierte, was nicht drin war. Jener Mentz auch, der mit Adorno-Konterfei und Hornbrille seit Menschengedenken als Autor der "Humorkritik" der Titanic herhalten muss. Doch das Büchlein stammt gar nicht aus der Titanic-Redaktion, aber davon später.

Hier nun bekommt der vermeintliche Mentz Gelegenheit, sich zu artikulieren, erklärt wie's gekommen sei, nämlich sein Aufstieg zum Redaktionstrottel vom Dienst mit Aufgaben wie "Kalauer aussortieren". Und wie er überhaupt 10,957 Tage lang die Regimes diverser Chefredakteure überstanden habe. Aufhänger, um nicht nur abzurechnen, sondern auch die schönsten Satirestreiche um aromafreien Buntstifte bei "Wetten, dass ...??" und Bestechungsfaxe zur Ausrichtung der Fußball WM 2006 zu verdrehen und mit historischen Fakten in Uneinklang zu bringen.

Die "Satiresatire" (Buchrückseite) persifliert die Titanic manchmal täuschend gut wie in einer Henscheid zugedachten, mit blödsinnigen Einwortzitaten gespickten Buchbesprechung: "Der Titel fällt mir gerade nicht ein, gefällt mir sowieso nicht, tut auch nichts zur Sache." Oder in den Berufe-Kreuzreimen im Stile des Dichtungsbeauftragten Thomas Gsella, diesem selber gewidmet ("Zum 75. Geburtstag"): "Große Töne spuckt er, sowieso \ Die Lacher stets auf seiner Seite \ Zieht jeden durch den Kakao \ Und sucht dann schnell das Weite." Auch Robert Gernhardts wird gedacht: "Der Elefant von Sossenheim, dem leuchten die Genossen heim." F.K. Waechter (auf S. 63 mit "ä" geschrieben, äh) ist die Auflösung eines Portraiträtsels, das einen spiralbelockten Pudel zeigt. Zwischen all den Portraits und Anekdotenfälschungen finden sich oft nicht so gute Dokumente "aus dem Papierkorb der Redaktion" und lustige "Tiere, die zurecht ausgestorben sind."

Verantwortlich für diesen weitgehend kurzweiligen Spaß zeichnen die mir bis dato unbekannten Steffen Haubner und Oliver Thomas Domzalski. Eine oberflächliche Internetrecherche hat bei letzterem einen herrlich blödsinnigen Mailwechsel mit zwei Lektoren des Eichborn-Verlags ergeben.

Abgesehen vom etwas willkürlich wirkenden Duktus der Erzählers Hans Mentz eine teils gelungene Selbstverarschung der Titanic, wenn es denn eine wäre. Und da nicht "selbst", hätten sie Gernhardt zufolge dennoch ein Recht darauf - wenn auch auf eine noch bessere.


Ausgebrannt: Thriller (Allgemeine Reihe. Bastei Lübbe Taschenbücher)
Ausgebrannt: Thriller (Allgemeine Reihe. Bastei Lübbe Taschenbücher)
von Andreas Eschbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brisanter Roman um Öl und Macht, 30. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was sähe die Welt aus, wenn auf einmal ungeheure neue Ölreichtümer gefunden würden, wenn sich Öl plötzlich als erneuerbare Energiequelle herausstellte? Das ist die Frage, die Andreas Eschbach in "Ausgebrannt" sehr konsequent verfolgt. Scheinbar.

Computerfachmann Markus Westermann ist in den USA, um Karriere zu machen. Ihm begegnet der österreichische Ölexperte Block, der zwar keine wissenschatlichen Meriten, aber angeblich eine neue Methode hat, um Öl zu entdecken. Öl, das auf gewisse Weise aus Bakterien entstehe und an vielen Orten der Welt in ungeheurem Ausmaß vorkomme. Markus treibt Investoren auf, wird Blocks Kompagnion. Als eine Testborung an einem Ort, wo Öl scheinbar so unwahrscheinlich ist wie ein Eisloch in der Wüste, ein Vorkommen zutage bringt, wird Markus auf einmal zum Spieler im weltweiten Poker um Geld und Macht. Eine schicke Frau, Koks und diverse Mit- wie Gegenspieler ergeben einen Strudel, in dem sich leicht versinken lässt.

Andreas Eschbachs 750 Seiten-Werk liest sich erstaunlich kurzweilig, weil es zwischen Szenen und Hintergrundgeschichten wechselt, den globalen Wahnsinn anhand einzelner Figuren zeichnet und eine schöne Balance zwischen erzählerischer Nüchternheit und inhaltlicher Brisanz findet. Eschborn dringt fundiert und tief ein in die Thematik der Abhängigkeit vom Öl, die weit über puren Energiebedarf hinausgeht. Mal ein deutscher Autor, der erzählen kann und v.a. wirklich was zu erzählen hat. Trotz des etwas indifferenten Endes Hut ab. Solange es noch Haaröl gibt.


Brüno
Brüno
DVD ~ Gustaf Hammarsten
Preis: EUR 6,66

20 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intimhaarsträubend, 21. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Brüno (DVD)
Drei Jahre nachdem er als Kasache Borat die halbe USA als Rassisten enttarnt hat, widmet sich Sacha Baron Cohen einem weiteren heißen Eisen: der Homophobie. Als "Brüno" gibt er einen überschwulen österreichischen Lifestyle-Reporter, der sich nach Verlust seines Jobs nach L.A. aufmacht, um berühmt zu werden. Es klingt unwahrscheinlich, aber gegenüber dem, was Cohen hier treibt, wirkt "Borat" wie ein lockerer Aufgalopp.

Hofft man, dass die rasant zusammengeschnittenen Toysex-Szenen in Wien von Brüno und seinem jungen asiatischen Lover nur gestellt sind, lädt er eine Überdosis Sex und schlechten Geschmacks über das prüde Amerika aus, bei denen an der Echtheit kein Zweifel besteht. So muss bei einer Interviewaufzeichnung Paula Abdul auf einem Sessel in Form des Rückens eines lebenden Menschen Platz nehmen. Brüno tritt mit einem scharzen Kleinkind, das er angeblich in Afrika gegen einen Ipod eingetauscht hat, in einer Talkshow auf, hat bei einem Wahrsager virtuellen Sex mit einem (toten) Milly Vanilli-Mitglied, besucht religiöse Homosexualitäts-"Heiler" und schockiert als angeblicher, starkbehaarter "Straight Dave" den gröhlenden Mob, der eigentlich Kickboxen erwartet, indem er mit seinem Manager Sex simuliert.

Sacha Baron Cohen hat zahlreiche Scheinfirmen gegründet, um all die haarsträubenden Szenen von "Brüno" zu realisieren. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Dokumentation, Komödie und Fiktion; so irrsinnig wie das alles anmutet, so realistisch ist, was die hier entlarvte Homophobie der US-amerikanischen Gesellschaft und das imageträchtige Charity-Gebahren der Promis angeht. Die Bilder sind gleichzeitig zum schreien komisch und über die Maßen abstoßend, wodurch man das Kino mit einem Grinsen verlässt, das für Außenstehende schwer einzuordnen sein dürfte.

Unschön jedoch, dass man dem Zuschauer offenbar nicht zutraut, die herrlichen wienerischen Originaldialoge zu verstehen; ärgerlich die teilweise grob falschen Übersetzungen ("Hau di über die Heiser" hat z.B. nichts mit sterben zu tun). Dafür gibt es aber immer wieder verblüffende Details wie den unfreiwillig komischen Auftritt von Bono, Sting, Lionel Richie und Elton John in dem Musikvideo am Ende.

Insgesamt ein unglaublich rasantes und böses Kinovergnügen, aber nichts für schwache Gemüter.


Jerichow
Jerichow
DVD ~ Benno Fürmann
Preis: EUR 8,99

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gestrecktes, aber gut gespieltes Beziehungsdrama, 21. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Jerichow (DVD)
Thomas (Benno Fürmann) kehrt aus Afghanistan ins norddeutsche Kaff Jerichow heim, steckt in Geldschwierigkeiten. Nach einem Unfall hilft er dem Betreiber türkischer Imbissbuden Ali (muss mal keine Ulkrolle spielen: Hilmi Sözer). Ali macht Thomas zu seinem Fahrer und Verbündeten im Kampf gegen Ladenpächter, die ihn übers Ohr hauen wollen; betrunken am Strand zwingt er ihn, mit seiner deutlich jüngeren Frau Laura (Nina Hoss) zu tanzen. Zwischen Laura und Thomas beginnt das erwartete Verhältnis - ein Verhältnis ohne Zukunft, da Laura hohe Schulden hat und ein Ehevertrag sie an Ali bindet. Nur ohne Ali gäbe es für sie beide ein Morgen.

Das Drehbuch enthält am Anfang zuviel Exposition, z.B. leuchtet nicht ein, warum Thomas seine Mutter verloren haben muss. Außerdem werden nicht zuendeerzählte Handlungsstränge aufgewickelt wie Thomas' unehrenhafte Entlassung aus Afghanistan. "Jerichow" ist ein langsamer Film mit sparsamen Dialogen, der von der subtilen Spannung zwischen den drei Akteuren lebt. Der Thriller, der sich am Ende entwickelt, schöpft sein Potential nicht aus, endet aber dennoch konsequent. V.a. die schauspielerischen Leistungen von Benno Fürmann (kann unschlagbar ernsthaft gucken) und Nina Hoss, deren Mimenspiel ganze Geschichten erzählt, machen das Beziehungsdrama von Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold sehenswert.


Der fremde Sohn
Der fremde Sohn
DVD ~ Angelina Jolie
Preis: EUR 6,80

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Glaubwürdige Umsetzung einer unglaublichen Geschichte, 14. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Der fremde Sohn (DVD)
Los Angeles, 1928. Die alleinerziehende Christine Collins (Angelina Jolie) vermisst ihren siebenjährigen Sohn Walter, als sie abends nachhause kommt. Fünf Monate später steht sie mit Polizei und Presse am Bahnhof, um ihn in die Arme zu schließen. Doch aus dem Zug steigt ein Anderer. Damit es zu den erwünschten Fotos für die Presse kommt, redet die Polizei in Person des skrupellosen Captain J.J. Jones (Jeffrey Donovan) Christine ein, sie sei nur aufgeregt, Walter habe sich in der Zwischenzeit verändert. Sie sucht Jones wiederholt auf, will den Irrtum korrigiert wissen, doch die korrupte, gar willkürlich tötende Polizei hat ein Interesse daran, die Sache aufzuklären.

Reverend Briegleb (John Malkovich) kämpft als Prediger und Radiosprecher gegen die Verbrechen der Polizei. Nachdem er Christine überredet hat, an die Presse zu gehen, lässt Jones sie in die Psychiatrie bringen. Dort werden Frauen festgehalten, deren einziger Fehler es ist, den Machenschaften der Polizei im Weg zu sein. Ein Junge, der ein schreckliches Geständnis macht und ein Polizist, der sich Jones widersetzt, bringen den Kampf um die Wahrheit schließlich ins Rollen.

Angelina Jolie ist als Christine Collins optisch kaum zu erkennen, so raffiniert ist sie geschminkt. Ihre Rolle interpretiert sie mit einem wohldosiertem Wechselspiel aus Angst, Wut, Apathie und Kämpferherz. Die Handlung dieser wahren Geschichte ist teilweise so abstrus, dass es schwierig ist, sie glaubwürdig ins Bild zu setzen. Regisseur Clint Eastwood gelingt das recht gut; Lücken im Plot werden rechtzeitig gekittet. Die übergroße cineastische Gerechtigkeit im zweiten Teil des Films würde stören, wüsste man nicht, dass die Geschichte authentisch ist. Die Gerechtigkeit wird jedoch zu lange ausgebreitet, und am Ende verliert sich die Dramaturgie.

Insgesamt sehenswertes, bewegendes Kino mit überzeugenden Darstellern.


Models
Models
DVD ~ Ulrich Seidl
Preis: EUR 7,49

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wohltuend verstörend, 10. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Models (DVD)
Lisa hat schon mit Mitte zwanzig ein so kaputtoperiertes Leopardengesicht wie manche Mittvierzigerin, kommt vom Koks nicht mehr runter, das sie die Nächte durchstehen lässt. Vivian stellt die müde Beziehung zu ihrem Freund nicht nur eloquent in Frage, bewegt sich mit Ironie und Lebenshunger durchs Nachtleben, fordert das Leben und ihre nächtlich wechselnden Liebhaber heraus, glaubt an die naheliegenden Dinge, die eine Wahrsagerin ihr prophezeit. Tanja ist die Mitläuferin von den dreien, gibt vergleichsweise die Melancholikerin.

Die "Models" in Ulrich Seidls dokumentarischem Film legen sich auf Maschinen, die ihre Körper automatisch trimmen, diskutieren auf der Sonnenbank, welcher ihrer Freunde für einen Dreier in Frage käme, lügen wie gedruckt, schleppen vorsichtshalber ihre Fotografen ab. Beim Casting halten sie Nummern hoch, während sie ihre Körperparameter aufsagen, demütigen sich vor chauvinistischen Fotografen, die ihren Job hedonistisch auskosten ("Das sieht jetzt wie a 92ger Glockerl aus"), verschlingen das Leben und verzehren ihre Jugend und sich selbst. - Ein schleichender Prozess, der, während das Karussell des Geschäfts beschleunigt, das Bewusstsein tötet.

Das Modeln ist bei Ulrich Seidel nur Mittel zu Ruhm und Spaß. Dass es, wie es auf der Coverrückseite heißt, schwierig gewesen sein soll, Models zu finden, die gerne reden, merkt man dem Film nicht an, so authentisch kommt einem vor, was man sieht. Seidel zeigt mal wieder die Realität, bis es wehtut. Gleichzeitig schwingt in "Models" eine Lebensfreude und Erotik mit, die in diesem Kontext verstört und auch mit dem Wiener Schmäh zu tun hat, der das Ganze um Längen harmloser macht, als es ist. Der Film hinterlässt das seltsame Gefühl, etwas im Leben noch nicht richtig verstanden zu haben. Und das ist gut so.


C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben
C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben
DVD ~ Jacques Gamblin
Preis: EUR 7,99

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes Alltags-Potpourrie, 8. August 2009
Eine Familie mit Eltern, Großvater, zwei Söhnen und einer Tochter wird zu sechs Zeitpunkten aus gut zehn Jahren gefilmt. Vater Robert (Jacques Gablin) hängt gerne melancholisch seinen Rauchwolken nach, droht die Fehler seines Vaters Pierre (Roger Dumas) zu imitieren. Mutter Marie-Jeanne (Zabou Breitman) kann es nicht ertragen, dass die Kinder ihr entwachsen, sie selbst alt wird. Der älteste, Albert (Pio Marmai), wird zielstrebig und dennoch entspannt zum Mediziner, der mittlere (Marc-Andre Grondin) verschwendet konsequent seine jugendliche Energie, während die jüngste, Fleur (Deborah Francois), zwischen Aufbegehren und Herzschmerz hin- und hergerissen ist.

Soweit, so uninteressant, wie auch der Titel "C'est la vie" (im französischen Original interessanterweise "Le premier jour du reste de ta vie") vermuten lässt. Eigentlich. Doch die Geschichte entsteht durch die melancholisch-heitere Lebensanschauung, die die unterschiedlichen, sympathischen Figuren verbindet, den Film zusammenhält. Neben den durchweg guten schauspielerischen Leistungen trägt die exquisit zusammengestellte Musik (u.a. Lou Reed, David Bowie, sowie schöne, mir aber unbekannte Chansons) einen guten Teil der Stimmung, von der der Film von Remi Bezancon (Drehbuch und Regie) lebt, selbst wenn er oft zwischen energetischen und nachdenklichen, tragischen und komischen Szenen wechselt. Szenen, die originell Vergangenheit und Gegenwart zusammenmontieren. Nur die Maske hätte den Alterungssprozess ein wenig besser hinschminken können. Insgesamt ein erfreulicher, überraschend unfranzösischer Filmabend.


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