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"gfreund"

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Socrates' Welt
Socrates' Welt
von Walter Mosley
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exhäftling versucht wieder auf die Beine zu kommen, 26. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Socrates' Welt (Gebundene Ausgabe)
Socrates Fortlow ist arm und schwarz und wohnt mit seinem zweibeinigen Hund namens Killer in einem illegalen Schlupfwinkel im Stadtteil Watts, einem heruntergekommenen Viertel von Los Angeles. Der sanfte Hüne, der bereits auf die 60 zugeht, aber mit seinen riesigen Händen immer noch gewaltig zulangen kann, hat einen anstrengenden Job in einem Supermarkt am anderen Ende der Stadt, zu dem er jeden Tag über 2 Stunden mit dem Bus unterwegs ist. Aber Socrates ist dankbar, daß er überhaupt eine Arbeit hat, denn er ist ein vorbestrafter Mörder und war fast 30 Jahre im Knast. Seit der Haftentlassung ringt der „Sokrates von Watts" um einen anständigen Lebensweg und jetzt scheint er endlich Erfolg zu haben, denn seine Arbeit wird geschätzt. Socrates hat auch eine gute Beziehung zu Iula vom Soulfood-Restaurant und zu seinem Freund Darryl, den er versucht auf den rechten Weg zu bringen und aus dem Schlamassel zu helfen, in das der Junge durch eine unglückliche Gewalttat gekommen war. Wie sein antiker Namensvetter sucht Socrates im Dialog mit seinen ebenfalls sich durch ihre kleine Welt kämpfenden sozial geschädigten und daher extrem wertlabilen Slumgenossen unermüdlich nach Sinn, Wahrheit, Moral und Menschenwürde. Aber niemand macht es Socrates leicht, ein guter Mensch zu werden, am allerwenigsten die Polizei, die ihn immer als ersten verdächtigt, wenn in der Gegend etwas passiert. So lebt er, geplagt von vielerlei Selbstzweifeln, unter seinen schwarzen, oft recht selbstgerechten und in Selbstmitleid versinkenden Freunden und ständig bedrängt von anmaßenden Weißen in einer rassistischen Gesellschaft. - Der 1952 in Los Angeles geborene und heute in New York City lebende Walter Mosley kreiert nach dem Welterfolg seiner Romane um den schwarzen Privatdetektiv Easy Rawlins mit seinem originellen und glaubwürdigen Protagonisten Socrates Fortlow eine stark beachtete neue Romanfigur. Der Autor, ein Erzähler von Format, besticht mit glänzenden Dialogen und einer atmosphärisch dichten Milieudarstellung. Er hat Gespür für die Brüchigkeit der Grenze zwischen Ordnung und Chaos und versteht es zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte seiner vom Schicksal wenig begünstigten Menschen mit ihrer Wut und ihren Ängsten, ihren kleinen Glücksmomenten und ihren Träumen, zu übermitteln und den Leser zu berühren. Ein wunderbarer, zum Nachdenken motivierender, manchmal auch desillusionierender Episodenroman, sehr zu empfehlen.


Schwemmholz
Schwemmholz
von Ulrich Ritzel
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Krimi um dubiose Machenschaften im Ulmer Baugewerbe, 26. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Schwemmholz (Gebundene Ausgabe)
Kommissar Berndorf von der Ulmer Kripo geht schon auf die 60 zu und träumt vom Ruhestand in einem Häuschen draußen auf dem Land. Nur alter Jazz, Lichtenberg-Bücher und die Telefonate mit seiner Freundin Barbara, Politologie-Professorin im fernen Berlin, trösten ihn noch über den Frust bei seinem Dienst im "Neuen Bau" hinweg. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin, der grünäugigen, lesbischen Tamar Wegenast, ermittelt der Kommissar, der wegen seiner bissigen Zunge gerne auch einmal bei den Vorgesetzten und bei den Politikern aneckt, wegen eines Brandanschlags auf einen Wohncontainer italienischer Bauarbeiter. Die Täter werden anfangs in rechtsradikalen Kreisen vermutet. Die von Berndorf festgenommenen Neonazis werden jedoch vom Gericht freigesprochen. Einer der beiden wird kurz nach der Freilassung ermordet. Das Ulmer Kripo-Team findet Spuren, die darauf hindeuten, daß Machtkämpfe Ulmer Bauunternehmer, für die es immer schwerer wird an lukrative Aufträge heranzukommen, hinter den Vorkommnissen stecken könnten. Er dehnt seine Ermittlungen daher aus und dringt damit bis in höchste Ulmer gesellschaftliche Kreise vor, obwohl sein nach dem Posten des Polizeipräsidenten strebender Chef ihn auf politischen Druck hin immer wieder zu bremsen versucht. - Nach dem erfolgreichen Debüt mit "Der Schatten des Schwans" präsentiert Ulrich Ritzel, als ehemaliger Ulmer Chefreporter bestens gesegnet mit örtlichem Herrschaftswissen, mit seinem zweiten Roman um Kommissar Berndorf wieder einen überzeugenden Krimi. Die spannende, aus mehreren Handlungssträngen geschickt verknüpfte Story, ist nahe am Leben und die Hauptfiguren sind, vom sympathischen Kommissar bis zum brutalen Mörder und Vergewaltiger, gut gezeichnet. Empfehlenswert für Leser gesellschaftskritischer Stoffe.


Im Wald der gehenkten Füchse: Roman
Im Wald der gehenkten Füchse: Roman
von Arto Paasilinna
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwei Männer auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit treffen s, 26. Mai 2002
Oiva Juntunen, Junggeselle aus dem finnischen Vehmersalmi, macht zusammen mit zwei anderen Gaunern den Coup seines Lebens. Dabei - einem Überfall auf einen Goldtransport - steht von vorne herein fest, wer der Gewinner sein wird, da die beiden Komplizen sich bereit erklären, freiwillig ins Gefängnis zu gehen, um das geraubte Gold zu retten. Das Unternehmen glückt, die Komplizen landen im Gefängnis und Juntunen macht sich in Stockholm ein schönes Leben. Als die Entlassung der Kollegen aus dem Gefängnis bevorsteht und Juntunen damit rechnen muß, daß diese bei ihm aufkreuzen, um ihren Anteil von der Beute abhzuholen, macht er sich aus dem Staub, denn er will nicht teilen. Er flüchtet nach Nordfinnland und vergräbt dort das Gold im "Wald der gehenkten Füchse". Dabei trifft er Major Remes, einen frustierten, versoffenen Bataillons-Kommandeur, der sich eine Auszeit genommen hat, weil Frau und Job ihn genervt haben. Die beiden tun sich zusammen und richten sich in einer Blockhütte in der Einöde ein. Unter dem Kommando von Juntunen, der selbst keinen Finger rührt, baut der Major die Hütte zu einer luxuriösen Unterkunft aus. An Geld fehlt es ja nicht. Die beiden verbringen einen Herbst und einen Winter in ihrer komfortablen Holzfällerhütte, in der es manchmal auch ganz schön hoch her geht, denn die langweiligen Wintertage versüßen sich die beiden mit dem Import von Stockholmer Freudenmädchen. - Die brillante Satire des vielgelesenen finnischen Autors ist amüsant, hintergründig und voll trockenen Humors. Paasilinna nimmt in seiner doppelbödigen Geschichte von der Armee bis zum Strafvollzug alle möglichen gesellschaftlichen Institutionen aufs Korn. Ein ansprechendes, leicht konsumierbares Buch, sehr empfehlenswert.


Hellas Channel: Ein Fall für Kostas Charitos
Hellas Channel: Ein Fall für Kostas Charitos
von Petros Markaris
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Athener Kommissar sucht den Mörder einer Fernsehreporterin, 26. Mai 2002
Hellas Channel ist ein ebenso faszinierender wie erschreckender Fall für die originelle neue Detektivfigur Kostas Charitos. Janna Karajorgi, Reporterin des Senders Hellas Channel kündigt an, in ihrem nächsten Auftritt im Nachtjournal eine sensationelle Enthüllung zu veröffentlichen. Doch kurz vor Beginn der Sendung wird sie ermordet. Kommissar Kostas Charitos, seit dem Wegzug der Tochter immer wieder in kleinere Probleme mit seiner Frau verstrickt, wird mit den Ermittlungen beauftragt. Der liebenswerte Kommissar, der von seiner Frau dann letztlich doch immer wieder den Rücken gestärkt bekommt, ist nicht unbedingt ein Freund der Journalisten, da die sensationslüsterne Presse die Athener Polizei gerne lächerlich macht. Jetzt besteht die Gefahr, daß er mit seinen Ermittlungen in Pressekreisen die guten Beziehungen seines Vorgesetzten zu dieser zerstört, denn es fällt dem unbeirrten Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit nicht immer leicht im Leben, die gesellschaftlich gebotenen diskreten Vorgangsweisen zu beachten - besonders wenn dann auch noch politische Einflußnahme eine Rolle spielt. - Mit seinem ersten Roman weckt der in Athen lebende Dramatiker und Drehbuchautor Appetit auf mehr aus seiner Feder. Das sensible Sozialporträt ist immer nah am Leben und gleichzeitig ein farbiges Spiegelbild der verkrusteten Athener Gesellschaft. Ein vielschichtiger, packender literarischer Krimi, sehr empfehlenswert.


Studio 6: Roman
Studio 6: Roman
von Liza Marklund
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stockholmer Journalistin recherchiert wegen Sexualmord, 26. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Studio 6: Roman (Taschenbuch)
Die ehrgeizige Journalistin Annika bekommt einen Job als Urlaubsvertretung beim Stockholmer Abendblatt, einer Zeitung, die ständig auf der Grenze zur moralisch und ethisch nicht mehr vertretbaren Berichterstattung balanciert. Annika bekommt den Auftrag, eine Reportage über einen Mord an einer im Sexclub Studio 6 arbeitenden Stripperin zu machen. In den Fall ist auch der Minister für Außenhandel verwickelt. Sie sieht darin die große Chance, sich zu profilieren und vielleicht sogar einen festen Vertrag zu bekommen. Gegen die Konkurrenz der beim Abendblatt etablierten sensationslüsternen männlichen Kollegen, die um ihrer Karriere willen auch nicht vor der Verbreitung falscher Gerüchte zurückscheuen, kommt die für Glaubwürdigkeit eintretende Journalistin, die immer für das was sie schreibt geradestehen will, jedoch nicht an. Als der Konkurrent die Stelle bekommt, schmerzt sie dies so sehr, daß sie am liebsten ihren geliebten Beruf an den Nagel hängen würde. Sie überwindet sich jedoch, recherchiert auf eigene Faust weiter und bekommt tiefe Einblicke hinter die Kulissen der Politik und der Medienwelt. - Marklund präsentiert mit ihrem neuesten Roman über die Journalistin Annika einen spannenden Krimi und gleichzeitig eine realistische, atmosphärisch dichte Gesellschaftsstudie voller lebensechter Figuren. Sehr emotionell verknüpft die Autorin, die eine gute Beobachtungsgabe und ein Auge fürs Detail hat, ihre Geschichte mit feministischen Themen und verschafft dem Leser dabei tiefe Einblicke in die Seele der Protagonistin. Ein überzeugender Psycho-Thriller für Leser anspruchsvoller Kriminalliteratur.


Das Dorf der verschwundenen Kinder
Das Dorf der verschwundenen Kinder
von Reginald Hill
  Gebundene Ausgabe

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In einem Dorf in Yorkshire verschwinden Kinder spurlos, 4. Mai 2002
Der Roman um das bereits aus früheren Büchern des Autors bekannte ambitionierte Polizisten-Duo gewährt tiefe Blicke hinter die Fassaden. Hill versteht es als brillanter Erzähler auch blendend Milieu-Beobachtung und spannungsreiche Dramaturgie miteinander zu verbinden. Ein empfehlenswerter Psychokrimi.


Zirkuskind
Zirkuskind
von John Irving
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Virtuoses indisches Zeit- und Sittengemälde, 1. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Zirkuskind (Taschenbuch)
Der Arzt Dr.Daruwalla, die Hauptfigur des epischen Romanes dessen Schauplatz Bombay ist, führt ein Mehrfachleben. Daruwalla, ein mit einer Wienerin verheirateter Kanadier, der in Toronto als Orthopäde praktiziert, ist ein gebürtiger Parse, der zum Christentum übergetreten ist. Er kehrt immer wieder in sein Geburtsland Indien zurück, um dort bei verkrüppelten Kindern die ursprüngliche Funktionsfähigkeit der Gelenke wiederherzustellen. Besonders interessiert er sich auch für das Studium des Zwergenwuchses, wofür ihm die vielen Zirkusse in Indien eine breite Basis bieten. Ein weiterer Teil des Lebens des Arztes besteht aus dem Schreiben von Drehbüchern. Das zentrale Thema des Romans ist der Verlust des Heimatgefühls: Daruwalla ist überall ein Fremder. Auch in Indien fühlt er sich immer nur als Besucher. Er funktioniert nicht als Inder, kann die Irrationalität dieses Landes nicht begreifen. Daruwalla hat keine emotionale Bindung zu irgendeinem Ort oder Land, außer zum Zirkus oder zum Duckworth Club, in dem er den größten Teil seiner Freizeit in Bombay ver-bringt. Obwohl Daruwalla im Rahmen seines medizinischen Engagements ausschließlich wohltätig wirkt, befriedigt ihn seine berufliche Karriere nicht, da er aus dem Schatten seines berühmten Vaters, ebenfalls eines orthopädischen Chirurgen, nicht herauszutreten vermag. Aber auch als Drehbuchautor fühlt sich Daruwalla als Versager, obwohl die Kriminalfilme, die er für die indische Filmproduktion schreibt, im ganzen Land bekannt und beliebt sind. Die Filme, deren Held, Inspektor Dhar, von John, dem Daruwalla ein väterlicher Freund ist, gespielt wird, entsprechen letztlich nicht seinen Qualitätsvorstellungen. Auch die Konfrontation mit sozialen Problemen und immer wieder mit spezifisch indischen Problemstellungen (ein perverser Massenmörder, der Prostituierte umbringt, kommt vor und ein Kommissar, der ein Hippie - Mädchen aus Iowa heiratet, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in dem Roman) sind eine schwere Last für Daruwalla. - Mit seinem äußerst umfangreichen Werk über den Antihelden Daruwalla präsentiert der Bestellerautor ein virtuoses Zeit- und Sittengemälde. Skurrile Clowns, Transsexuelle und kastrierte Transvestiten-Prostituierte bevölkern die turbulente Story. Irving arbeitet mit Schnitten, Blenden und Rückerinnerungen und zeichnet pralles Leben in vielfarbigen Bildern, atmosphärisch dicht und bestechend in der Kunst der Personenschilderung. Die mitreißende Mischung aus Komik und Tragik ist ein Meisterwerk - ausufernd, wahnwitzig, manchmal irrsinnig und dann doch wieder diszipliniert, gefühlvoll und bewegend. Der radikale Realismus, mit dem Irving versucht die wirkliche Welt zu beschreiben, wird wohl manchen Leser schockieren. Aber seine Charaktere mit ihren Lastern und Leidenschaften, auch wenn sie noch so exzentrisch sind, sind irgendwie doch sympathisch und der Blick hinter die Fassaden, den der Autor gewährt, weckt die Neugier des Lesers und kann diesen berühren.


Die Brandmauer: Roman
Die Brandmauer: Roman
von Henning Mankell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kommissar Wallander verfolgt Computerspezialisten, die einen, 1. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Die Brandmauer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Kommissar Wallander und sein Team im südschwedischen Ystad sehen sich wieder einmal mit einem äußerst komplizierten Fall konfrontiert. Genauer genommen sind es mehrere Fälle, zwischen denen sich jedoch ein Zusammenhang ergibt. Eine toter Finanzexperte vor einem Geldautomaten, dessen Leiche später aus der Pathologie gestohlen wird, ein von zwei jungen Mädchen scheinbar aus Geldgier ermordeter Taxifahrer und ein Einbruch in eine Transformatorstation, bei dem die Beamten eine verkohlte Leiche finden, stellen sich im Laufe der Ermittlungen als miteinander verknüpft heraus. Anfangs denkt aber keiner aus Wallanders Team bei dem scheinbar eines natürlichen Todes gestorbenen Finanzexperten Tynnes Falk an einen Mord, ebensowenig wie der Raubmord der beiden Mädchen erkennen läßt, daß etwas anderes dahintersteckt. Nur der Einbruch in die Trafostation macht Wallander sofort stutzig und veranlaßt ihn, seine gesamte Fahnungsmaschinerie anlaufen zu lassen. Akribisch, wie immer von Selbstzweifeln geplagt, verfolgt der eigenwillige, nach Jahren des Raubbaus mit seiner Gesundheit angeschlagene Mann wieder jede Spur und findet dabei kaum mehr Zeit zum Schlafen. Zeitweise mißmutige Stimmungen - noch nie stand er so desorientiert und konzeptlos vor einer Ermittlung- machen ihm dabei ebenso zu schaffen, wie das Fehlen einer Lebensgefährtin und die Angst, seine Kollegen nicht mehr zu verstehen. Sein ganzes Dasein besteht nur noch aus Mauern und Zäunen, hinter denen er sich bewegt. Der Polizeiberuf macht dem bald 50-Jährigen keinen rechten Spaß mehr und das Mißtrauen seiner Vorgesetzten, die wegen eines Presseartikels ein Disziplinarverfahren gegen ihn einleiten will und das Mobbing eines Kollegen läßt ihn gar überlegen, seinen Beruf ganz an den Nagel zu hängen. Doch Wallander gibt schließlich doch nicht auf. Er läßt seine Ermittlungsgruppe weiter die brüchigen Verbindungsglieder der drei Fälle verfolgen. Vor allem der PC des Tynnes Falk - eines in einer elektronischen Datenwelt lebenden und arbeitenden Computerspezialisten - verspricht den Schlüssel zur Lösung zu liefern. Welcher Art war das weltweite Computer-Netzwerk dieses Mannes? Eine heiße Spur führt sogar bis nach Angola. Den Durchbruch bringt schließlich der etwas unbürokratische Einsatz eines jungen Computerfreaks, der schon einmal mit einem Hackerangriff auf den Rechner des Weißen Hauses erfolgreich war und der die scheinbar unüberwindliche Firewall, die die Dateien auf Tynnes Falks Festplatte schützt, knacken soll.
Der schwedische Bestsellerautor präsentiert mit diesem Kommissar-Wallander-Roman wieder einen überzeugenden gesellschaftskritischen Krimi. Mit den bedrohlichen Visionen der Verwundbarkeit der Cyberspace-Gesellschaft belegt er dabei ein hochaktuelles Thema. Sachlich und mit knapper Sprache erzählt der Autor seine verwickelte Story, verschafft dabei dem Leser tiefe Einblicke in die unterkühlten Charaktere seiner südschwedischen Mitmenschen und in eine Gesellschaft, in der einzelne privilegierte Gruppen unsichtbare Firewalls um sich errichten, um sich vor den sozialen Verlierern zu schützen. Der sehr empfehlenswerte, hochspannende und nur am Ende etwas nachlassende Roman ist natürlich wieder ein absolutes Muss für jeden Wallander-Fan.


"Autolaridio"
"Autolaridio"
von Wolfgang Zöhrer
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein wundersames Auto-Bilderbuch., 1. April 2002
Rezension bezieht sich auf: "Autolaridio" (Gebundene Ausgabe)
"Autolaridio" zeigt des Menschen Lieblingsfreund Automobil in einem Steifdeckelbuch mit vielfarbigen Zeichnungen und lustigen Versen. In seinen skurrilen Zeichnungen modifiziert Zöhrer seine Fahrzeuge u.a. zur "Überkopflimousine", zum "Kirchmobil" oder gar zum "Weitspringerauto". Garniert sind die bizarren Bilder mit ergötzlichen Gstanzl-Texten. Zwei Klavierseiten einer Hymne an die Zöhrer'sche "Fahrkredenz" in "Andante con Autopuffo" runden das Werk musikalisch ab. -
Wolfgang Zöhrer ist ein Querdenker. In kräftiger Farbgebung und mit beißender zeichnerischer Ironie nimmt er mit seinen exzentrischen Zeichnungen und surrealen Holperversen das Statussymbol Auto aufs Korn. Das attraktiv gestaltete Bilderbuch wird vor allem Lesern, die Sinn für einen etwas schrägen Humor haben, gefallen.


Mittsommermord
Mittsommermord
von Henning Mankell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,50

22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wallander sucht einen psychopathischen Serienmörder, 29. März 2002
Rezension bezieht sich auf: Mittsommermord (Gebundene Ausgabe)
Der grüblerische Kommissar Wallander und sein Dauer-Kaffetrinker-Team im südschwedischen Ystad sehen sich mit dem schwierigsten Fall, den sie je hatten, konfrontiert. Nach einer Mittsommernachtsfeier verschwinden drei Jugendliche. Als Monate später Wallanders enger Mitarbeiter Svedberg brutal ermordet wird, finden sich Spuren, die auf eine Verbindung zu den Vermißten hindeuten. Der über hohe analytische und methodische Fähigkeiten verfügende Kommissar ahnt schreckliches: Sind die drei tot? War der Kollege in ein gräßliches Verbrechen verwickelt? Wallander setzt seine intensive Fahndungsmaschinerie in Bewegung und es stellt sich bald heraus, daß er mit seiner Ahnung recht hatte. Aber warum hatte Svedberg nicht über seine heimlichen Ermittlungen gesprochen? Wußte er wer der Mörder war? Und warum schaffte der Mörder die Leichen der drei Vermißten in den vielbesuchten Naturpark, damit man sie dort auf makabre Weise finde? Wallander kann sich keinen Reim auf das Ganze machen. Akribisch, aber immer wieder von Selbstzweifeln geplagt, verfolgt der melancholische Mann jede Spur und findet dabei kaum mehr Zeit zum Schlafen. Dabei ist er nach Jahren des Raubbaus mit seiner Gesundheit angeschlagen und eine von einer beginnenden Diabetes herrührende allgemeine Mattigkeit macht ihm ebenso zu schaffen, wie Depressionen, die ihn von Zeit zu Zeit überfallen, weil ihn seine Freundin verlassen hat, sein Umgang mit Menschen sich zur Zeit auf die Arbeitskollegen beschränkt und der Polizeiberuf allgemein keinen Spaß mehr macht in der heutigen schwedischen Gesellschaft, in der die Kriminalität blüht wie nie zuvor. Bei seinen komplizierten Ermittlungen hofft Wallander vor allem auf Isa, die ebenfalls an dem Mittsommernachtfest hätte teilnehmen sollen. Als auch diese ermordet wird, geht die Polizei auf breiter Front vor und der Fall spitzt sich dramatisch zu . - Mankell präsentiert einen spannenden literarischen Krimi und gleichzeitig eine subtile Gesellschaftsstudie voller psychologischer Raffinesse und lebensechter Figuren. Sachlich und nüchtern thematisiert der Autor die Problematik der Verbrechensbekämpfung in der heutigen Gesellschaft und verschafft dem Leser tiefe Einblicke in die kranke Täterseele. Ein brillanter Psycho-Thriller, sehr empfehlenswert.


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