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Rezensionen verfasst von
moerky "moerkymoerx"

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Der dritte Antichrist: Thriller
Der dritte Antichrist: Thriller
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Konfus konfus, 29. Juni 2015
Im Regelfall beginne ich Rezensionen mit einer kurzen Wiedergabe des Inhalts, hier allerdings wüsste ich nicht, was ich schreiben sollte, denn ich habe nicht verstanden, worum es hier eigentlich geht. Ich brach das Buch bei Seite 70 ab, weil es ich satthatte, nicht zu wissen, was mir der Autor eigentlich erzählen will. Meiner Meinung nach werden Sprünge in der --ohnehin völlig konfusen-- Handlung gemacht, die einem die Lust am weiterlesen rauben.

Eins vorab: ich kenne die beiden Vorgängerromane nicht und habe von Reading noch nie etwas gehört.

Das erste Kapitel zum Auftakt in Moldawien fand ich noch okay; als es dann im zweiten Kapitel nach Mexiko ging, konnte ich jedoch nicht mehr so ganz folgen. „Irgendwie“ ist der Protagonist des zweiten Kapitels (Abi) in einem Loch und hat Angst vor dem Ertrinken. Dann sind da noch ganz viele andere Tote. Und ein Auto voller weiterer Toter ist auch noch da, natürlich im Wasser versunken. Und dann tauchen auf einmal noch mehrere lebende Geschwister von ihm auf (ich dachte, da wären nur Leichen in dem Loch? Schacht? Wie groß ist das Dingen eigentlich?), die schwimmen da rum. Und andere Geschwister sind tot; die müssten auch da irgendwo rumliegen. Naja, jedenfalls bauen die ein Floß aus Leichen, das irgendwann zu sinken droht. Nun taucht Abi nach dem Wagen und holt einen Wagenheber, Abschleppseil, Feuerlöscher und zwei Montiereisen herauf. „Irgendwie“ kraxelt er damit die Wand hoch – ich hab echt nicht verstanden, wie er das konkret gemacht hat - und kaum oben angekommen macht er was? Hilft er seinen Geschwistern, die unten weiter rumschwimmen und auf ihn angewiesen sind? Nee, er steigt in ein Auto und haut anscheinend ab. Hä?

Nächste Szene/Szenenwechsel. Alter Steinbruch Samois, Samois-sur-Seine, Frankreich. „Weniger als einen Tag nachdem Abi aus dem Zenote entkommen war [wie kam er nach Frankreich?], sah Joris Calque [wer ist das denn jetzt?], wie sich die Lebensfäden seines besten Freundes [Abi?] vor seinen Augen auflösten. Hätte Abi erfahren wollen, was aus seinen restlichen drei Geschwistern geworden war [das hätte ich auch gern gewusst...], hätte er hier, an diesem Ort, nachsehen müssen [in einem Steinbruch in Frankreich? Wir waren doch gerade in Mexiko...!?]. Einige Meter von Calque entfernt lag Adam Sabir [und wer ist das?] zusammengekrümmt neben der Leiche der Frau, die er liebte. Lamia de Bale [und wer ist das jetzt? Abis Schwester?] hatte während ihrer gemeinsamen Reise durch Mexiko nicht nur Sabirs Herz gewonnen – sie hatte sich auch in Calques Herz gestohlen und den Platz der Tochter eingenommen, die seine verbitterte Exfrau ihm geraubt hatte, als das Mädchen noch klein gewesen war. [Relevanz??]“.

Innerhalb der nächsten paar Sätze folgen nun fünf neue Namen (Aldinach, Athame, Alexi, Radu und Yola) und ich habe keinen Schimmer, was das eigentlich soll, wer wer ist und wie das alles zusammengeht. Ein paar Seiten habe ich --ohne zu verstehen, was ich da lese-- noch gekämpft und mich für geschlagen erklärt. Ich habe bis hierhin ein Siebtel des Buches gelesen und bin so verwirrt, dass ich nicht beschreiben kann, was ich da eigentlich gelesen habe.

Ich habe hunderte Bücher gelesen, todlangweilige --aber großartig geschriebene--, anspruchsvolle, hochspannende --wenngleich seichte--, doch der „Dritte Antichrist“ liegt --meiner Meinung nach-- wohl am unteren Ende der Skala: Das Thema „Nostradamus-Prophezeiung“ klingt zunächst sehr interessant, die Umsetzung ist es hier leider nicht. Ob sich das Stück im späteren Lauf fängt und die Verwirrung auflöst, vermag ich allerdings nicht zu beantworten, denn die einzige zweite Chance, die ich dem Buch gebe, besteht darin, Rohstoff für ein neues Buch zu werden (d.h.: ab ins Altpapier).
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 27, 2015 10:46 PM CET


Helix - Die komplette erste Season [3 DVDs]
Helix - Die komplette erste Season [3 DVDs]
DVD ~ Billy Campbell
Preis: EUR 16,99

17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Mischung aus Lost und Walking Dead – nur eine schlechte!, 31. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
An sich finde ich die Idee zur Serie gut: In einer abgeschotteten, arktischen Forschungsstation arbeitet ein Team von Wissenschaftlern an Virenstämmen, ohne zu wissen, dass der Leiter der Station seine ganz eigenen Zwecke verfolgt (--und manch anderes Geheimnis hütet--). Die Sache gerät außer Kontrolle, als Mitarbeiter der Station sich infizieren, so dass schließlich ein Team der Seuchenbekämpfungsbehörde zur Eindämmung angefordert wird. Doch damit fangen die eigentlichen Probleme erst an, weil bestimmte Parteien ein größeres Interesse am Besitz des Virus als an dessen Bekämpfung haben. Ein mörderischer Kampf um die Kontrolle über die Station und das Virus beginnt.

Tja, da könnte man schon einiges draus machen, allerdings ist die Inszenierung immer wieder so auffallend schlecht bzw. unglaubwürdig, dass ich mich frage, was in Ronald Moore (--ich kenne ihn vor allem von der Sci-Fi-Serie Battlestar Galactica, die im Gegensatz zu Helix sehr gut umgesetzt ist--) gefahren ist!?

Angefangen bei der wohl schlechtesten, unpassendsten „Musik“, die ich je in einer Serie gehört habe, die prima im Zirkus vor einer Clown-Show oder bei einer "Ferrero-Raffaello"-Werbung gespielt werden könnte aber nichts in einem düsteren Sci-Fi-Thriller verloren hat, bei dem man etwas Ernstes und nicht etwas Lustiges erwartet. Es kommen noch andere völlig unpassende Musikstücke zum Einsatz, die mich spontan an Twin Peaks erinnerten, dort aber zu ebenso bizarren Bildern gehörten (--z.B. mit dem tanzenden Zwerg im roten Raum--): hier stören sie einfach völlig die Atmosphäre.

Das gleiche gilt für die Cuts. Es kommt immer wieder vor, dass ohne jedweden Übergang mitten in der Musik abgebrochen und die Szene gewechselt wird, als hätte man irgendetwas herausgeschnitten!? Was soll denn das?

Zum Thema Glaubwürdigkeit der Umsetzung (--für mich sehr wichtig, damit ich mich auf eine Geschichte, wie schwachsinnig sie auch ansonsten sein mag, überhaupt einlassen kann--) sei kritisiert, dass man keine Geschichte in der Aktis ansiedeln sollte, wenn man nicht auch in der Kälte (draußen) dreht. Zwar soll man in Montreal gedreht haben, der „Schnee“ wirkt jedoch schockierend unecht, hinzutritt, dass es im Studio anscheinend wohltemperiert war, denn obschon minus 50 Grad herrschen sollen, zeigt sich kein einziges Atemwölkchen, man trägt die Jacke gerne auch mal offen, von Eis erst recht keine Spur. Selbst Rambo 1 war da vor 32 Jahren schon realistischer. Man merkt, dass man sich mit der Kulisse kaum Mühe gegeben hat.

Eine andere Beispielszene mag jeder selbst beurteilen: S01E09, Min 18.44: Dr. Hatakes Uhr piepst, weil die Zeit abgelaufen ist (man hat die Heizung ausgestellt und die Temperatur soll nach dieser Zeit unter ein für Menschen kritisches Niveau gesunken sein), und genau in dem Moment, da die Uhr piepst, kollabiert wie auf ein Zeichen hin seine Gesprächspartnerin!?!? (--ok, in Anbetracht des Unfugs, den sie zuvor monologartig von sich gab, war ich Gott für das Zwangsende ihres larmoyanten Sermons auf Knien dankbar--)

Mir ist bewusst, dass man noch zahlreiche andere Punkte zur unglaubwürdigen Umsetzung anführen könnte, aber dann würde diese Rezension gar kein Ende mehr nehmen. Ich beschränke mich daher lediglich auf einen weiteren Punkt, den ich in der Überschrift andeutete (--d.h. die schlechte Adaption von The Walking Dead--) und der mir sauer aufstößt: Die Infizierten mutieren zu einer Art von „Zombies“, die mit ihrem Schleim wiederum andere infizieren wollen; sie erlangen übermenschliche Kräfte/Fähigkeiten (--woher?--) und brüllen wie Tiger im Dschungel (--was auch immer dieses Zombie-Balzgehabe soll--). Die ersten Folgen hindurch tauchen sie überall auf, verbreiten sie Angst und Schrecken, dann aber soll es ihnen angeblich zu kalt geworden sein und sie versammeln sich vor einer Tür im untersten Geschoss – natürlich just vor dem Raum, in den man als Nächstes hinein möchte, weil sich darin das Lager aller Virenstämme befindet. Ach ja, und zwischendurch haben sie einen von ihnen durch Speichelspende zum Oberzombie gekürt und der klettert auf ne erhöhte Position und brüllt danach so richtig schön oberzombietigermäßig. Herrjeeeeeeeeeeeeeeeee. Das ist Walking Dead für ganz Arme! Eigentlich müsste man es doch mit eigenen Augen gesehen haben.

Mein Fazit jedenfalls wäre dies: zu Beginn, wo alles noch im Dunklen liegt, echt spannend gemacht, so dass man über Unzulänglichkeiten in der Inszenierung hinwegsehen mag, dann aber gleitet das Ganze ins Trashige ab... und man könnte auch getrost ausschalten.


Blue Bloods - Die erste Season [6 DVDs]
Blue Bloods - Die erste Season [6 DVDs]
DVD ~ Tom Selleck
Preis: EUR 35,19

16 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schwache Serie..., 20. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blue Bloods - Die erste Season [6 DVDs] (DVD)
Wenn sich die Rezensentenriege in einer Jubelorgie ergeht, wird es umso wichtiger, kritische Stimmen zu Papier zu geben, um ein differenzierteres Bild zu vermitteln. Auch ich ließ mich nämlich --wieder einmal-- vom Gros der 5-Sterne-Wertungen blenden und fiel auf „Blue Bloods“ herein, dabei kann von einer 5-Sterne-Wertung und mithin dem Urteil „top!“ wahrlich keine Rede sein.

Es geht in dieser Serie --kurz zusammengefasst-- um Kriminalfälle verschiedenster Art, in deren Aufarbeitung die in dritter Generation für die New Yorker Polizeibehörde (bzw. die Staatsanwaltschaft) tätige Familie Reagan verwickelt ist/wird und die die einzelnen Familienmitglieder zwingt/veranlasst, mitunter konträre moralische oder rechtliche Positionen einzunehmen – Familienzwist inklusive. Daneben gibt es einen episodenübergreifenden Plot --die verschwörerischen Umstände des Todes eines Familienmitglieds--, der allerdings lediglich beiläufig verfolgt wird.

Das Hauptaugenmerk wird auf die tägliche Arbeit gerichtet, die Alltagsfälle, mit denen der Polizei- oder Justizapparat konfrontiert wird. Und diese Alltagsfälle werden --was meinen Hauptkritikpunkt ausmacht-- auf allzu durchsichtige und unglaubwürdige Art gelöst. Denn insoweit folgt jede Episode demselben Schema: was auch immer zu lösen ist, der Fall wird stets innerhalb der 40 Minuten Sendezeit gelöst und es ist immer ein Reagan (bzw. Anverwandter), der als „Held“ hervorgeht. Versagen gibt es grundsätzlich nicht, Verzögerung (also das Lösen eines Alltagsfalles über mehrere Episoden hinweg) auch nicht.

Vielleicht bin ich zu verwöhnt von wirklich guten Serien wie The Wire, aber glaubwürdig und mithin fesselnd sind für mich nur realistische Geschichten, alles Unrealistische weckt in mir Befremden, das schnell umschlägt in Langeweile oder Wut auf die Produzenten. Realistisch aber ist nicht, dass ein Fall am Ende des Tages gelöst ist, realistisch ist auch nicht, dass immer ein Reagan der „hero of the day“ ist. Kriminalarbeit ist die Sisyphosarbeit eines Teams, ist Ermitteln, ist Enttäuschung, Frustration, mitunter Erfolg, allzu oft jedoch auch eine Sackgasse, ein einstweilen unerledigter (später wiederaufzunehmender) oder endgültig fehlgeschlagener Fall. So etwas gibt es hier nicht; man kann sich darauf verlassen, dass Det. Danny Reagan immer richtig kombiniert und/oder der Zufall zur Stelle ist (z.B. weil die zurückgelassene Puppe an einem Entführungstatort noch gar nicht im Handel war und nur drei Personen Zugriff drauf hatten, oder weil --natürlich-- eine Überwachungskamera am Ausgang des Tatorts war, die mit zig fps und in einer hohen Auflösung aufzeichnet, wie der Täter --direkt vor ebendieser Kamera-- extra für Det. Danny unbewusst sein Hemd lupft und die in seinem Hosenbund steckende charakteristische Tatwaffe entblößt [S01E07, Minute 25.28]).

Hat Danny richtig kombiniert oder ihm der Zufall in die Karten gespielt, geht es hoppla-hopp: wusste man bis gerade noch nicht, was überhaupt los ist, tritt man in der nächsten Szene bereits die Tür ein. Diese überhastete Aneinanderreihung ist dem Umstand geschuldet, dass man auf Biegen und Brechen den Fall in 40 Minuten gelöst haben muss. Wie ich es schon zur Serie „Person of Interest“ schrieb, frag ich mich auch hier, weshalb man seine --nicht unbedingt schlechten-- Ideen derart degradiert und zur Massenware abstempelt; wenn man schon das Format der Serie benutzt, das Raum für Entwicklung (eines Falls, eines Charakters usw.) bietet, warum diese Überhast? Letztendlich ist diese „Serie“ in Wahrheit bloß eine Aneinanderreihung simpler --beliebig austauschbarer-- Kriminalfälle ohne jeden wirklichen Tiefgang*** (s.u.), die durch die Aufdeckung der Todesumstände des verstorbenen Familienmitglieds (d.h. den ominösen „Blauen Templern“) nur scheinbar zu einer Serie verklammert werden.

Kriminalserien leben darüber hinaus sehr stark von ihren Antagonisten. In Blue Bloods sind dies --soweit es sich um Personen aus dem Gang-Milieu handelt-- durchweg unglaubwürdig wirkende Schauspieler, bei denen ich mehrfach aus einem Impuls heraus auf Pause drücken und zunächst einmal den Wutknubbel herunterschlucken musste. Es ist schwer zu beschreiben, man muss es selbst gesehen haben, um zu verstehen, was ich meine. Sibyllinisch ausgedrückt mag ein Zitat aus dem Song „Shook Ones“ meinem Empfinden Ausdruck verleihen: „There ain’t no such things as halfway-crooks!“ Schwarze Hautfarbe, frisch gewaschene Kapuzenpullis, fleckenfreie baggy-pants und eine „Yo, homes!“-Attitüde machen keinen Gangster, auch wenn er eine auf Hochglanz polierte Handfeuerwaffe im Hosenbund trägt.

Der Serie gebricht es --wie erwähnt-- durchweg an Glaubwürdigkeit. Wenn z.B. in S01E03 bei Minute 14.31 Det. Danny einen am Bein verletzten Verdächtigen verfolgt, bei strahlendem Sonnenschein (!) einer Passantin ihren mitgeführten Regenschirm entreißt, ihn dem Flüchtenden hinterherwirft und so zu Fall bringt und verhaftet, ohne dass die soeben „bestohlene“ Passantin --was zu erwarten wäre-- irgendwie reagiert (sie läuft einfach weiter, Minute 14.44), frag ich mich, was das eigentlich soll. Es sind kleine Szenen wie diese, die sich häufen und zu den grundlegenden Misstönen, die diese Serie leider durchziehen, hinzutreten. Oder man nehme z.B. die Verhaftung des Schlafenden „Grumpy“ in S01E07; offenkundig liegt er auf dem Rücken (Min. 25.52), trägt aber eine 45er in seinem Hosenbund auf dem Rücken (Min. 26.19): hat schon einmal wer versucht, mit einer 45er in der Lendenwirbelsäule zu schlafen oder auch nur auf ihr zu liegen?

Tom Selleck (natürlich habe ich ihn in Magnum lieben gelernt) kommt m.E. in der Serie zu kurz, so dass ich mich frage, ob er nicht eher ein Aushängeschild zur Vermarktung ist; die eigentliche Handlung ist auf der Ebene der jüngeren Familiengeneration der Reagans angesiedelt. Der hohen Position, die Commissioner Reagan einnimmt, wird sein Beitrag im Plot m.E. nicht gerecht. Für mich blieb seine Figur blass, das Vorgehen seiner Sprösslinge stets duldend, mehr Vater denn Vorgesetzter. Nur wenn das hohe moralische Ross öffentlich durchs Dorf gepeitscht werden muss, schwingt er sich hinauf und beruhigt mit seinem einnehmenden, besonnenen, staatsmännischem Wesen die erhitzten Gemüter der New Yorker Bürger. Das lässt zwar nostalgische Erinnerungen an den ebenso besonnenen Thomas Magnum aufkommen, genügt aber m.E. nicht, um die übrigen Unzulänglichkeiten der Serie aufzuwiegen.

Positiv zu erwähnen ist, dass es relativ viele Folgen gibt (22; dies ist im Hinblick auf das, was sonst so als Staffel verkauft wird [10-12 Folgen] erfrischend viel Sendezeit); negativ ist der m.E. dennoch viel zu happige Preis (37 €): ein „Schnapper“ ist das nicht gerade.

Mein Fazit: wer Serien wie The Shield, Southland, Breaking Bad oder The Wire gut findet, in denen Charaktere und Fälle sich entwickeln, in denen nicht sicher ist, ob der Fall gelöst wird oder ob die liebgewonnenen Akteure überhaupt überleben, wer Lust auf episodenübergreifende Plots hat, die es nicht zulassen, dass man auch nur eine einzige Folge verpasst, der sollte sich genau überlegen, ob er für Blue Bloods 37 € auszugeben bereit ist; denn es könnte sehr gut sein, dass seine Hoffnungen ziemlich enttäuscht werden.

*** Zum oben angesprochenen Thema Tiefgang: wenn in S01E01 das entführte Kind an Diabetes leidet und dringend seine Medizin braucht, dann ist die schon zigfach in Serien behandelte Anwendung von Gewalt gegen den mutmaßlichen Kidnapper --und also die Frage „wie weit würde ich unter welchen Umständen gehen?“-- kein Tiefgang; denn Det. Danny wälzt hier keinen Stein in seiner Seele, ihn quält kein tiefes inneres Zerwürfnis, wenn Recht und Gerechtigkeit auseinanderzudriften scheinen, sein Charakter ist tatsächlich so flach, dass für ihn keine abweichende Meinung zählt („bla bla bla bla“, Min. 30.19) und alles damit gerechtfertigt ist, dass jeder seiner Meinung sein müsse, wenn es ihn nur selbst beträfe („wenn jemand Nicky entführt und es um Leben und Tod für sie geht, was darf ich dann tun?“, Min. 31.44). Das ist m.E. kein Tiefgang, sondern Eindimensionalität, oder mit den Worten Ecos: er lebt von Oberflächen und wenn er mal tief scheint, dann nur weil er viele davon verklammert und so den Anschein eines Festkörpers erzeugt – eines Festkörpers, der, wenn er fest wäre, nicht stehen könnte (aus: Das Foucaultsche Pendel, Kap. 7).
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2014 10:34 PM CET


Person of Interest - Die komplette erste Staffel [6 DVDs]
Person of Interest - Die komplette erste Staffel [6 DVDs]
DVD ~ James Caviezel
Preis: EUR 9,99

43 von 107 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen für Serienfans ungeeignet, 3. Juni 2013
Zum Inhalt der Serie möchte ich eigentlich nicht viel sagen, der mag an anderer Stelle nachgelesen werden. Mein Hauptkritikpunkt nach einigen Folgen --der sich aber bereits in der zweiten Episode abzeichnete-- ist die unnötige Überhast in der Inszenierung und die damit einhergehende Unglaubwürdigkeit des Gesehenen. Jede Folge ist für sich ein mehr oder weniger abgeschlossener Fall, in dem ein "oberböses Verbrechen" verhindert wird, mal mit Gewalt, mal mit gutem Zureden. Die Handlung will in 40 Minuten abgehandelt sein, inklusive Kennenlernen (Beschaffung der Hintergrundinfos) des neuen Kandidaten, Überwachung (ist es ein Opfer oder ein Täter?) und Verhinderung des Verbrechens. Aufgrund der Kürze der Zeit liegt es auf der Hand, dass hier vieles hopplahopp geschieht und dadurch einfach völlig unglaubwürdig wirkt. Ein Beispiel: die Kandidatin, zu der noch kein Kontakt hergestellt wurde, arbeitet in einem Cafe. Der Protagonist setzt sich, sagt zwei Sätze und sie breitet ihre ganze Lebens- und Leidensgeschichte vor ihm aus. Warum, ist klar: es stehen nur 40 Minuten zur Verfügung, die wollen mit Action angefüllt sein, nicht mit Gerede. Schade nur, dass für so etwas das Genre der Serie missbraucht wird. Die Regeln der Serie wollen etwas weiterentwickeln, wollen weiterfunktionieren, sie bieten Raum für ein glaubwürdiges Herantasten an das, was dem Zuschauer hier im Schnelldurchlauf aufgepropft wird. Vermag man als Zuschauer aus einer latent-verklärten Heldenvorstellung heraus noch zu glauben, dass es einen gibt, der aus jeder Actionsequenz als strahlender, souveräner, unverwundeter Sieger hervorgeht, so gelingt dies nicht bei der Annahme, ein Mensch würde einem anderen in Serie derart schnell Vertrauen schenken, wie es hier der Fall ist. Und weil ich dies nicht glauben kann, kann ich mich unbewusst nicht auf die Handlung einlassen, m.a.W. die Serie wird extrem schnell langweilig - da hilft die Action nicht weiter.

Weil die Bilder an sich nicht schlecht sind, gibts nicht bloß einen Stern. Für Serienfans wie mich jedoch ist diese "Serie" ungeeignet, da kein wirklicher episodenübergreifender "epischer" Plot angegangen wird. Dem Thema hätte es besser angestanden, sich auf einzelne Verbrechen zu beschränken, und ihm einen längeren Actionfilm zu widmen...
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 12, 2014 12:27 PM MEST


Die Goldspinnerin: Historischer Roman
Die Goldspinnerin: Historischer Roman
von Gerit Bertram
  Broschiert

52 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Oh je, oh je..., 30. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Cristin, die schwangere Gattin des Goldspinners Lukas Bremer, führt mit diesem ein unbeschwertes Bürgersleben in Lübeck, bis nach der Geburt ihrer Tochter ihr Ehemann ganz plötzlich einen qualvollen Tod stirbt, der die Ärzte rätseln lässt. Cristin wird beschuldigt, ihren Mann durch Hexerei aus dem Wege geräumt geräumt zu haben, wird vor Gericht gestellt und aufgrund übler Verleumdungen zum Tode durch Begraben bei lebendigem Leibe verurteilt. Das Urteil wird vollstreckt - doch der Sohn des Henkers, Baldo, der Zweifel an Cristins Schuld hegte, befreit sie und zieht mit ihr ins Ungewisse auf der Suche nach ihrem Schicksal und den wahrhaft Schuldigen...

So weit so gut, doch wie in dieser Geschichte fortan Kommissar Zufall mitspielt, ist schon ernüchternd und schockierend. Die Handlung nimmt des öfteren dermaßen unglaubwürdige und durchschaubar konstruierte Wendungen bzw. Entwicklungen, um die Geschichte "am Laufen zu halten", dass ich den Satz nicht zuende lesen konnte, das Buch erstmal weglegen und den Wutknubbel hinunterschlucken musste und für mich dachte "nein, das ist jetzt nicht euer Ernst...". Hier nur ein paar Beispiele:
- Cristin --soeben befreit-- und Baldo --der ein verschwörerisches Gespräch belauscht hatte, das Cristins Unschuld bezeugen und die Geschichte schnell auflösen könnte-- flüchten Hals über Kopf; auf der Flucht begegnet Baldo einem Wildschwein, wird angegriffen, überlebt nur knapp und verliert dabei seine Erinnerung. Pech.
- Cristin streift mit Baldo auf der Flucht nach Hamburg durch das Land, sie treffen auf eine Gauklertruppe und der Narr ist wer? Natürlich der unbekannte Zwillingsbruder, der --von einer mysteriösen seelischen Verbindung geleitet-- auf der Suche nach der in Gefahr gewähnten Schwester just in dem Moment auftaucht, da die Handlung ansonsten ins Stocken geriete... Deus ex machina?
- Auf dem Weg nach Polen, um einer Mädchenschieberbande das Handwerk zu legen, finden die Freunde am Strand zwei Bernsteine und prompt kommt der gute Bernsteinhändler, der ihnen die Steine für ein kleines Vermögen abkauft. Ohne Geld ginge es nämlich nicht weiter.
- Man nächtigt in einem polnischen "Armenhaus" in Slupsk --wofür das Geld des Bernsteinhändlers benötigt wird--, dem einzigen, das auch durchreisende Fremde aufnimmt, und am anderen Tage kommt wer genau dorthin? - die schöne Königin von Polen, und die will mit niemand anderem reden, als mit Cristin über das Schicksal des kleinen Janek, den die Freunde unterwegs noch aus einem von Deutschrittern verheerten Dorf aufgelesen hatten. Damit nicht genug: die Schöne kippt um --schon länger von einem unbekannten Leiden gepeinigt--, schickt alle Diener und Wächter hinaus bis auf Cristin, die legt mal flugs ihre Hand auf --nebenbei ist sie ja noch Wunderheilerin-- und abrakadabra ist Jadwyga wieder gesund und die beiden werden ein Herz und eine Seele. Hach ja, schön.
- Cristin und Baldo entschließen sich letztlich doch, nach Hause zurückzukehren, um dem Unwesen der Mädchenschieber dort weiter nachzuforschen, was passiert? Das Schiff wird von den Vitalienbrüdern geentert --soweit okay--, sie werden auf deren Schiff verschleppt --auch noch ok--, die Piraten finden an Bord ihres eigenen (!) Schiffs geschmuggelte Mädchen --*schock*, wie kommen die denn dahin?-- und der plötzlich philantrope Piratenkapitän stellt an Deck ein öffentliches Verhör eines seiner Mannschaftsmitglieder an, der natürlich munter auspackt und den Freunden auf die Art all das verrät, was sie eigentlich ermitteln wollten. Der Piratenkapitän als Kämpfer für Gerechtigkeit, oh man, oh man...

An sich ist die Idee der Story ja gar nicht mal schlecht, aber die Art, wie sie sich entwickelt, ist einfach zu oft durchschaubar konstruiert und haarsträubend unglaubwürdig. Zwei Sterne, keinesfalls mehr.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 3, 2014 8:41 PM MEST


Die Akte Tristan: Ein historischer Kriminalfall aus der NS-Zeit
Die Akte Tristan: Ein historischer Kriminalfall aus der NS-Zeit
von Horst Seidenfaden
  Broschiert
Preis: EUR 14,80

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "schwierig, schwierig...", 10. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
schwierig, schwierig, dieses Buch hochleben zu lassen...
Anke Dankelmann, die Kasseler Kommissarin, wird von einem sehr alten Herrn kontaktiert, der ihr eine brisante Enthüllung über ein ungeheuerliches Verbrechen machen müsse; er hat nur eine Bedingung: sie müsse ihn in seiner Seniorenresidenz aufsuchen und seiner Geschichte zuhören. Und was er zu erzählen hat, führt den Leser zurück ins Vorkriegsdeutschland des Jahres 1933, als die Nazis gerade an die Macht gelangten und sich anschickten, die heimische Welt nach ihren eigenen Vorstellungen umzugestalten. Ein Teil dieser Welt ist auch der alte Mann einst gewesen, der --durch eine Erbschaft zu Geld und Verbindungen gekommen-- als ein begüterter Günstling der SA eine steile Karriere vor sich hatte, der fasziniert war von plötzlicher Teilhabe an einer größeren Macht, von Korpsgeist, von Geltungsbewusstsein, der bereitwillig mitmischte bei den Pogromen - und der sich unrettbar in eine "falsche" Frau verliebte, in "eine von jenen", eine Halbjüdin, die ihn vor die Wahl stellen sollte. Doch nicht nur er hat ein Auge auf Martha geworfen: auch Tristan, ein Auftragskiller in Diensten der GeStaPo, ist dem Liebreiz der Schönen verfallen und es entbrennt ein mörderischer subtiler Zweikampf, der eine lebenslange Feindschaft nach sich ziehen wird...

Mmmh. An sich keine schlechte Vorlage, für mich ist die Umsetzung der Geschichte jedoch zu aufgesetzt. Der Kommissarin wird Stück für Stück aus dem Leben des alten Mannes erzählt - klar, das will der Autor so, aber es wirkt auf mich einfach zu befremdlich, dass eine vielbeschäftigte Kommissarin sich regelmäßig in die Seniorenresidenz begibt, um sich Opa Heinrichs Märchenstunde anzuhören, ohne nachzuhaken, wohin die Reise eigentlich gehen soll.

Das führt direkt zu einer anderen Kuriosität: das ungeheuerliche Verbrechen, das der alte Mann schließlich zu enthüllen gedenkt, verkommt zur absoluten Nebensächlichkeit. Meiner Meinung nach hätte es dieses "Reißers" auch überhaupt nicht bedurft, das Leben des alten Mannes wäre auch so eine Erzählung wert gewesen und spannend ist dieses allemal (und auch spannend erzählt)! Ich kann nachvollziehen, dass der Autor einen Sprung zurück in die Gegenwart benötigt, da sonst die Frage im Raum stünde: na und?, was macht es, dass der alte Mann solche Dinge erlebt hatte, die man --so oder so ähnlich-- schon aus anderen Erzählungen kennt? Die Antwort: der lebendige Zweikampf GeStaPo gegen SA, zwei angsteinflößende, gleich gefährliche Mächte, zwei Tiger, die in der beklemmenden Arena unserer Vorstellung einander umkreisen. Die Geschichte hätte nach meinem Geschmack auf den glaubwürdigen kahlen Betonböden der Keller des Schreckens zum Finale kommen müssen, nicht auf den unspektakulären PVC-Fluren einer Seniorenresidenz.

Sieht man von diesen beiden Punkten --zu sehr erkünstelte Märchenstunde, in der sich alle ihrer Rolle gemäß brav auf die Couch setzen und zuhören, sowie die Nebensächlichkeit des eigentlichen "Verbrechens"-- ab, so bleibt unterm Strich doch eine ganz spannend geschriebene, glaubhafte Geschichte, die wegen der morbiden Fremdartigkeit ihrer damaligen Zeit zu fesseln vermag. (Gänzlich aus diesem Rahmen indes fallen die mehr als weltlichen Beziehungsprobleme, die unsere Kommissarin mit ihrem Lebensgefährten nebenbei auszutragen hat und die in der Geschichte einfach nichts zu suchen haben). Alles in allem: lesenswerte Kurzweil, die nicht durchweg überzeugt - drei Sterne.


Kean: Nach Alexandre Dumas d. Ä. - Stück in fünf Akten
Kean: Nach Alexandre Dumas d. Ä. - Stück in fünf Akten
von Jean-Paul Sartre
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen über einen Schauspieler in der Rolle seines Lebens, 20. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Edmund Kean ist der begnadetste Shakespeare-Darsteller im England des 19. Jahrhunderts. Als solchem liegt ihm die adlige Welt zu Füßen; doch als Kean entstammt er der bürgerlichen Unterschicht, der es verwehrt wird, gesellschaftlich aufzusteigen. Auch bei Kean macht man keine Ausnahme: er bleibt, was er war, ein Niemand, der davon träumt, eine vornehme Dame zu heiraten und den ihm durch Leistung und Genie gebührenden Rang einzunehmen. Kean verzweifelt an den Mauern, vor die er läuft, die nicht vorhanden sind, solange er spielt, die aber unüberwindbar sind, solange er Kean-selbst ist. Durch öffentliche Skandale versucht Kean ein ums andere Mal, aus der ihm aufoktroyierten Rolle als Schauspieler auszubrechen und sich selbst neu zu erfinden, was ihm letztlich jedoch nicht gelingt: von seinen Gläubigern verfolgt, entflieht Kean -nach einer öffentlichen Majestätsbeleidigung- in Richtung Amerika in der Hoffnung auf ein besseres Leben, das er nicht finden wird.

Sartre war von der Person des Kean zeitlebens fasziniert und widmete sich ihm ausführlich in den Charakterstudien "Der Idiot der Familie - Gustave Flaubert"; seiner Meinung nach ist ein Individuum -wie Kean- nicht das, was es ist, und es kann auch niemals mit seiner Rolle übereinstimmen, da es sie ständig neu zu erfinden hat. "Man spielt nicht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Man spielt, um zu lügen, um sich zu belügen, um das zu sein, was man nicht sein kann und weil man es satt hat, das zu sein, was man ist. Man spielt, um sich nicht zu kennen und weil man sich zu gut kennt. Man spielt Helden, weil man feige ist, und Heilige, weil man böse ist, man spielt Mörder, weil man danach lechzt, seinen Nächsten zu töten, man spielt, weil man ein gebürtiger Lügner ist. Man spielt, weil man die Wahrheit liebt und weil man sie hasst. Man spielt, weil man verrückt würde, wenn man nicht spielte." (Kean, 2. Akt, 3. Szene) "Das ist der Mythos des Schauspielers schlechthin. Der Schauspieler, der nicht aufhört zu spielen, der sogar sein Leben spielt, der sich nicht mehr kennt, nicht mehr weiß, wer er ist. Und der schließlich niemand ist." (Sartre über Kean)

Das Werk wartet mit espritvollen, schlagfertigen Dialogen in den ersten beiden Akten auf, die wahrlich ein Hochgenuss sind, im späteren Verlauf flacht das Stück meiner Meinung nach ein wenig ab, ohne jemals seine Spannung zu verlieren. Sartre legt seinem -von Alexandre Dumas adaptierten- Kean Phrasen in den Mund, die einen hochintelligenten, verzweifelten Charakter entstehen lassen, dem der Leser das tiefe Zerwürfnis seiner leidenden Seele und das Dilemma, vor dem er steht, abnimmt: denn letztlich steht Kean für jedermann, der nicht das sein kann, was er will, sondern der ständig Rollen zu spielen hat, die er fortwährend neu erfindet, der sein Gedächtnis ausradieren muss, um auf dem Palimpsest seiner zerschundenen Erinnerungen ein neues Ich zu erschaffen, mit dem er sich nicht identifizieren kann, das ihn quält, und das er doch gleichzeitig ist.

Für den nachdenklichen, melancholischen Leser im Spannungsfeld zwischen seinen Rollen und seinem "Ich" mag es ein Trost sein, dass seine "Leere" keineswegs ein einmaliges Charakteristikum seines Selbst ist, sondern im Wesen des Menschen und seiner gesellschaftlichen Normen angelegt ist. Und gerade weil er sich in Kean wiederfinden kann, ist dieses Stück für solche Leser auf jeden Fall bedingungslos empfehlenswert.


House of God
House of God
von Samuel Shem
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ultrakomisches Bild der "modernen Medizin", 30. März 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: House of God (Taschenbuch)
Nach dem Abschluss seines Medizinstudiums beginnt der jüdische Arzt Roy Basch seine Facharztausbildung (Internship) an dem elitären Lehrkrankenhaus "House of God". Voller Elan und getrieben von der hehren Ideologie, der Arzt sei zur Heilung der Patienten da, muss Basch sehr schnell merken, dass die Wirklichkeit anders aussieht und dass die moderne Medizin nach ganz anderen Regeln aufgebaut ist: da gibt es ein Gruppe von Menschen, die Gomers (für: Get Out of My Emergency-Room!), die -oft durch Alter- all das verloren haben, was einen Menschen ausmacht, demente, inkontinente Patienten, die einfach nicht sterben wollen (oder können) und einem jungen überbelasteten Intern jeden Nerv und jeden Glauben an das Wesen der Medizin rauben. Denn daneben gibt es die normalen Patienten, junge Menschen mit einem als lebenswert dargestelltem Leben, für die Basch trotz all medizinischer Weisheit einfach nichts tun kann, die ihm unter den Händen wegsterben. Basch gerät in den Strudel dieser absurden Wirklichkeit, verliert seinen Halt, lässt sich mitreißen und flüchtet sich in gnadenlosen Zynismus und ausschweifende Sexabenteuer, um irgendwie das eine Jahr Internship am House of God zu überleben...

Ultrakomisch! Ich habe Dutzende Male Tränen gelacht, so sehr versteht der Autor es, ein überzeichnetes, skurriles Bild von der modernen Medizin -deren oberste Doktrin ist, eben nichts zu tun, Patienten abzuschieben, die Akten so zu frisieren, als hätte man etwas getan, und Unmengen Geld damit zu schaufeln- zu entwerfen. Es ist eine trockene, morbide Art von Humor, die Szenen wollen nicht unbedingt lustig sein; das Thema ist eigentlich traurig, aber gerade weil es so traurig ist, ist Sarkasmus der einzige Ausweg, damit fertig zu werden. Wer keinen dunklen Humor hat und aus falsch verstandener Pietät meint, nicht über Leid lachen zu dürfen, wer eher Mitleid als Ekel empfindet, wenn ein Gomer sich "in Ruhe den Weg zur Unsterblichkeit vollscheißt" (S.188), der wird dieses Buch als geschmacklos empfinden; alle anderen werden mit diesem Buch ihre helle Freude erfahren.

Absolut empfehlenswert!

"Ich bin dabei, meinen 6. Herzstillstand aufzunehmen, und da kriege ich diesen Anruf von der Notaufnahme. [...] Da unten hatte einer einen Herzstillstand, und du wolltest ihn zu mir schicken, wenn er überlebt. Ich häng den Hörer ein, geh auf die Knie und bete: Bitte, lieber Gott, bring diesen Kerl um! Ich lag auf den Knien, ich meine- wirklich auf den Knien!!!" (S.168)

"Es war schwer, in jener Nacht in Gomer-City cool zu bleiben. Es passierten die gewohnten Schrecklichkeiten mit den Gomers. Gegen Mitternacht stand ich über eine Rosenzimmer-Rose (= Patientin) gebeugt, boxte mit den Fäusten in das Bett und fauchte immer und immer wieder: ich hasse es ich hasse es." (S.330)


Der Inquisitor
Der Inquisitor
von Wolfgang Hohlbein
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen kirchliches Thema ohne göttliche Offenbarung, 15. März 2008
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Rezension bezieht sich auf: Der Inquisitor (Taschenbuch)
Verkolt, der vergiftete Apotheker des Dorfes Buchenfeld, schickt -in seinen letzten Zügen liegend- einen Appell an die Inquisition, sich der teuflischen Umtriebe in seinem Dorf anzunehmen: das Korn verfault, Kinder und Tiere kommen verkrüppelt auf die Welt und über allem liegt ein bestialischer Gestank. Schuld gibt er seiner Frau Katrin, die er der Hexerei bezichtigt. Tobias, ein junger Dominikanermönch, wird ausgesandt, der Hexe den Prozess zu bereiten, erkennt in ihr aber jene Frau wieder, die er als Kind einmal unsterblich geliebt hat. In seinem Bemühen, die Unschuld seiner früheren Kameradin ans Tageslicht zu bringen, verstrickt er sich mehr und mehr in den geheimnisvollen, üblen Dingen, die in Buchenfeld tatsächlich vonstatten gehen. Mehr als einmal muss er seine Ermittlungen fast mit dem Leben bezahlen und seine ursprüngliche Mission, über nur die Hexe zu richten, verkommt zusehends zu einem Kampf um ihr beider Überleben...

Das Buch ist ziemlich spannend geschrieben und ob seiner relativen Kürze ist es auch sehr schnell ausgelesen, vermag allerdings mit keinem überzeugenden Ende aufzuwarten. Dabei sind es weniger die überzeichneten, makabren Szenarien der "Aufmärsche der Knochenreiter", die an erkünstelten, unglaubwürdigen Hokuspokus erinnern, es ist eher das klassische Finale, in dem sich alle Parteien am entzauberten Ort des Schreckens versammeln, worin nahezu jede -ausser natürlich die Protagonisten, die auf unglaubwürdige Weise entkommen- in Hollywood-manier ihr Ende findet.

Auch die Erklärung für die rätselhaften Vorkommnisse ist meiner Meinung nach nur eine unbefriedigende Lösung dritter Klasse, naheliegender wären andere Ursachen (z.B. Phosphorexperimente eines verwirrten Alchimisten?!? würde sowohl das Leuchten sowie die Vergiftungserscheinungen als auch als Phosphanausgasung den Gestank erklären); die Story wirkt -wenn man erst das offizielle Ende kennt- umso konfuser und unlogischer, was sich einfach nicht mehr mit einem "geistigen Rückschritt" der Menschen des Mittelalters hinwegdiskutieren lässt.

Sprachlich legt der Autor viel Wert auf die innere Gefühlswelt des Protagonisten. Dialoge schleppen sich so oft seitenweise hin, ohne dass wirklich viel gesagt würde. Das nervt. Und stößt ebenso sauer auf, wie die nicht nachvollziehbare Geheimniskrämerei, für die bestimmte Personen der Geschichte doch eigentlich gar keinen Grund haben, die sich aber trotzdem jedes Wort aus der Nase ziehen lassen, was -wie schon gesagt- bei der Schreibweise des Autors etliche -zu viele!- Seiten in Anspruch nimmt.

Fazit : durchaus lesbar, da z.T. wirklich spannend, aber sicherlich keine Epiphanie.


Q: Roman
Q: Roman
von Luther Blissett
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eines meiner besten..., 12. März 2008
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Rezension bezieht sich auf: Q: Roman (Taschenbuch)
Ein Buch, dessen Handlung zur Zeit der Reformation spielt, einem Thema, das mich gar nicht interessiert... was kann man davon erwarten?

Sicherlich das übliche und -welch Wunder- so beginnt es dann auch: "...Am 31. Oktober 1517 schlägt der Mönch fünfundneunzig mit eigener Hand geschriebene Thesen gegen den Ablasshandel an das Nordportal der Schlosskirche zu Wittenberg. Er heisst Martin Luther. Mit dieser Tat nimmt die Reformation ihren Anfang." *Schnarch*, doch dann: "Ein Ausgangspunkt. Erinnerungen, Bruchstücke, die eine Epoche bilden. Meine. Und die meines Feindes. Q." Welch grandiose Eröffnung! Ein Prolog, der auf diese Art beginnt, lässt inhaltlich und stilistisch viel erwarten.

Unser Protagonist, dessen Name nichts zur Sache tut, der seine zahlreichen Namen nach etlichen Meilen immer wieder ablegt wie ein Paar ausgetretene Schuhe, um seinen Häschern zu entfliehen und seine Spuren zu verwischen, lebt am Puls der damaligen Zeit. Die Namen sind Namen von Toten, der seinen und derer, die diese verschlungenen Pfade durchlaufen haben: er ist mit Luther in Wittenberg, mit Müntzer erlebt er die Gräuel Frankenhausens, geht mit den Wiedertäufern in Münster auf die Barrikaden und flieht zu Pruystinck nach Antwerpen, einem scheinbar sicheren Hafen. Doch unstetes Blut wallt auch in der Fremde; seinem inneren Drang nach Rebellion folgend, legt er sich mit den Fuggern an, bestiehlt sie Jahr um Jahr und muss schließlich -reich geworden- in die Schweiz flüchten, einer Zwischenstation auf dem Weg nach Venedig, wo er -alt aber noch nicht träge- die einst geglaubten Wahrheiten erneut unters Volk bringt. Doch was damals Ausdruck des Glaubens war, ist nunmehr Mittel zum Zweck: er kommt dahinter, dass die Bewegungen, denen er sein Leben lang nachhing, ein ums andere Mal von einem Topspion unterwandert wurden, dem Erzrivalen Q, dem besten und geheimsten Spitzel der Heiligen Inquisition. Seine Mitstreiter sind in den Flammen der Inquisition oder den Schwertern und Arkebusen der Zeloten untergangen; und so bleibt es an ihm, dem letzten Überlebenden, Vergeltung zu üben. Er stellt jenem Phantom Q eine Falle, in die dieser sich langsam verfängt und nicht merkt, wie die Schlinge sich immer enger zuzieht...

Anfangs noch recht verwirrend, da die Autoren zu Beginn immer wieder die Zeitebene wechseln und sogar innerhalb derselben Ebene vor- und zurückspringen, stellt sich spätestens nach dem ersten Viertel des Buches eine Konstanz ein und die Geschichte entwickelt sich, gewinnt an Fahrt. Die Sprache der Autoren, die oftmals abgehackten Sätze eines mal resignierenden, mal erkennenden Geistes, der keine langen Sätze macht, sind ein Genuss höchster Güte. Hinzutreten oft subtile/philosophische, sprachlich wundervoll ausgedrückte Einsichten, die den Leser versichern, ein wirklich gutes Buch gelesen zu haben ("...bei genauem Hinsehen ist die günstigste Lage für den jungen Finanzier die des Unentschiedens oder eines fortwährenden Krieges, der niemals Sieger oder Besiegte kennt und die gekrönten Häupter der ganzen Welt an den Bändeln seiner Börse hängen lässt", "...Ich glaube ich habe sie geliebt. Wie man eben liebt, wenn man keine Vergangenheit mehr hat, nur eine ewige Gegenwart, die nichts verspricht. Gott hatte mit unser beider Leben nichts mehr zu tun. Ihres wie das meine waren tief gezeichnet, vielleicht lastete auch auf ihr die Erinnerung an eine Katastrophe, ein entsetzliches Unglück. Vielleicht war auch sie schon einmal gestorben... Vom ersten Moment an haben wir es gewusst. Eines Tages würden wir woanders erwachen, fern voneinander, ohne zwingenden Grund, nur weil wir dem gewundenen Lauf unseres Lebens folgen. Ursula war eine Jahreszeit, eine zusätzliche Jahreszeit des Geistes, halb Herbst und halb Frühling" usw.)

Ich freue mich schon darauf, das Buch in ein paar Jahren erneut zur Hand zu nehmen; für jetzt ist mein Fazit jedenfalls dies: absolut empfehlenswert.


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