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Rezensionen verfasst von
S. Hammelrath "Textasy" (Bonn)
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Feuchtgebiete
Feuchtgebiete
von Charlotte Roche
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

379 von 448 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ach Gottchen, Lottchen, oder "Vom Banalen des Analen", 23. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Feuchtgebiete (Broschiert)
"Pecunia non olet". Das ist nichts Neues. Aber dass man mit Exkrementen und deren Produktionsumgebung dermaßen viele Sesterze machen kann, hätte sich auch Kaiser Augustus nicht träumen lassen.

Auf alle Fälle hat es die Autorin mit ihrem Buch zur Kleenex-Packung (das die literarische Qualität einer "Made in Taiwan"-Betriebsanleitung hat und so erotisierend wirkt wie ein Bruderkuss zwischen Honecker und Breschnew) auf Dauer in den Olymp der Berufsjugendlichen geschafft; sitzend zur Rechten von Thommy Gottschalk und zur Linken von Bohlen. Hunderttausende Leser spielen mit dem Schmuddelkinde, und dabei fänden sie das Ekelerregende sprachlich viel faszinierender aufbereitet in der "Blechtrommel" oder der "Mittagsfrau". Aber weder Herr Grass noch Frau Franck haben eben bei Viva moderiert.

Was hat sie der Öffentlichkeit an Neuem mitgeteilt? Dass Frauen sich höchst kreativ der Libido-it-yourself widmen? Schon Cleopatra hat Bienen in eine Papyrustüte gesteckt und sie zwecks Lustgewinnung an ihre Klitoris gehalten.
Dass Frauen ein neugierig-freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Körper haben können? Schon in den Frauengesundheitszentren der bewegten 70er haben Frauen die Selbstuntersuchung gelernt, um sich in ihrer ureigenen Weiblichkeit besser zu verstehen und unabhängig zu sein von einer männlich geprägten Gynäkologie.
Dass es cool ist, bei promiskem Sexverhalten auf das Kondom zu verzichten wie Luderchen Helen, die mit Gummi auf den Spaß verzichten müsste, die Spermareste ihrer Parttime-Lover als Kaugummi-Ersatz unter den Fingernägeln zu bunkern? Das ist zynisch angesichts steigender HIV-Neuinfektionszahlen.
Dass es revolutionär und avangardistisch ist, wenn Frauen durch praktizierte Antihygiene ihre Gesundheit nicht nur fahrlässig, sondern vorsätzlich aufs Spiel setzen? Das ist ignorant angesichts der Tatsache, dass täglich Tausende an Hygienemangelkrankheiten sterben.

Die Autorin gibt vor, einem frischen, lustbetonten Feminismus den Weg zu ebnen, und tut doch in Wahrheit das Gegenteil, nämlich ein von männlichen Interessen geprägtes und männlichen Interessen dienendes Frauenbild zu protegieren, das in ihrem Romänchen nur die zeittypische Interpretation erfährt. In der NS-Zeit war die Idealfrau die Mutter, die dem Führer möglichst viele Söhne als Kanonenfutter schenkt. In der Adenauer-Ära war es die Hausfrau, die unter Verzicht auf eigene Karriereansprüche dem Manne den Rücken freihält. Und heute ist es eben die geile kleine Sau, die den Vorgaben einer durchpornoisierten Kultur folgend ihren Körper als menschlichen Golfplatz zur Verfügung stellt: in sämtliche Löcher gepflegt einputten.

Ich bin auf die Fortsetzung gespannt und hätte auch Vorschläge: Die Autorin lässt die P(r)otagonistin Helen ein Baby bekommen. Was lässt sich alles Appetitliches anstellen mit Nachgeburt, Fruchtwasser, Kindspech und Käseschmiere!

Wirklich, verehrter Leser, da ist mir Erich Kästners "Doppeltes Lottchen" 1000mal lieber als das Poppende Lottchen Roche.
Kommentar Kommentare (21) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 20, 2013 1:31 PM MEST


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