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Peter Wurst "Peter" (Hamburg)

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Die Bibel nach Martin Luther: Schulausgabe mit Apokryphen
Die Bibel nach Martin Luther: Schulausgabe mit Apokryphen
von Martin Luther
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 10,99

2 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Der eifersüchtige Gott, 31. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Beginnen wir mal mit dem ersten der Zehn Gebote, das ja immer nur in einer verkürzten Version zitiert wird: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ Es wird aber immer weggelassen, dass es einen wichtigen Zusatz gibt, in dem dieser Gott hier von sich selbst wichtige Eigenschaften aussagt: „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“ (2. Buch Mose 20,3). Das ist eine sehr heftige Drohung des angeblich so barmherzigen Gottes! Rache an den Kindern und Kindeskindern!! Sippenhaftung!! Gott gibt also klar zu verstehen, dass er eifersüchtig, rachsüchtig und brutal ist! Wer diese Textstelle übergeht oder weglässt, der ist unredlich. Gott sagt es ja von sich selbst aus, wie könnte man sich als Mensch anmaßen, diese Aussage zu zensieren oder zu verschweigen? Es ist deutlich zu erkennen, dass hinter dem ersten Gebot und dieser harten Drohung letztlich nur eines steht, und zwar Gehorsam! Glaube bedeutet hier nicht „subjektives Fürwahrhalten“, sondern schlicht Gehorsam! (Ebenso in der Geschichte von Abraham und Isaak, da wird ja nichts anderes als Kadavergehorsam vorgeführt!).
Was ist von dem ersten Gebot und dieser massiven Drohung zu halten? Ganz einfach: Moses wollte der Anführer seines Volkes werden, und wie erlangt man am besten Gehorsam und politische Macht? In dem man dem Volk einredet, man sei von Gott beauftragt worden und mit harten Strafen droht!! Der von Gott gesandte Führer! (Genau so wird es ja z.B. in Nordkorea immer noch gemacht). Daher ist es kein Zufall, dass Moses immer allein war, als er Gottes Botschaften erhielt!!
So wird dem Volk auch unter Androhung der Todesstrafe verboten, den Berg Sinai zu betreten: „Und zieh eine Grenze um das Volk und sprich zu ihnen: Hütet euch, auf den Berg zu steigen oder seinen Fuß anzurühren; denn wer den Berg anrührt, der soll des Todes sterben.“(2. Buch Mose, 19,12-13). Na sowas, der angeblich barmherzige Gott ist aber brutal! Dahinter steckt eine ganz leicht zu durchschauende Absicht: Es soll keiner herausfinden, dass auf dem Berg gar kein Gott erscheint! Niemand soll Moses göttliche Autorität anzweifeln!
Sehen wir uns jetzt das bei frommen Christen so beliebte Gebot „Du sollst nicht töten“ an. Wer auch nur ein bisschen weiter liest, stellt sofort fest, dass dieses Tötungsverbot nicht die Todesstrafe ausschließt und ebenso nicht die Tötung von Feinden im Krieg. Das Gebot gilt nur innerhalb der eigenen Volksgruppe; insofern beinhaltet das Gebot nicht Gewaltlosigkeit und Pazifismus, wie oft behauptet. Interessant ist darüber hinaus auch, wer und was alles mit dem Tode bestraft wird. Herausheben möchte ich an dieser Stelle nur die Todesstrafe für Homosexualität (3. Buch Mose 20,13) und für Hexen bzw. Zauberei (3. Buch Mose 22,17). Ja, die furchtbare, grausame Hexenverbrennung, die jahrhundertelang in Europa praktiziert wurde, wird von dem christlichen Gott gefordert! Und diese Gebote sollen von einem barmherzigen Gott stammen? Die Bücher Mose, die Gesetze der Völker aus der Bronzezeit enthalten, sollen für uns heute noch Orientierung bieten? Diese Bibel, die so ein ungeheures Gewaltpotential enthält? Die Bibel als Richtschur für unsere heutiges Leben? Ohne sich in massive Widersprüche zu verwickeln, kann man diesen Gedanken nicht aufrechterhalten.
Häufig wird behauptet, dass das AT zwar Gewalt enthalte, das NT dagegen aber durch Jesus Christus das „Evangelium der Liebe“ sei. Diese Behauptung stimmt einfach nicht, da es sich ja im AT und im NT um den gleichen Gott handelt. Und Jesus sagt selbst: „Ich und der Vater sind eins“(Johannes 10,30) und betont deutlich, dass das Gesetz gelte und er nicht gekommen sei, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.(Matthäus 5,17). Als Jesus nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird, nennt er das oben erläuterte erste Gebot und das Gebot der Nächstenliebe. Dass er das erste Gebot nennt, ist klar, da es (wie oben erläutert) um Gehorsam geht, den Jesus also auch fordert. Auch Jesus droht mit brutaler Gewalt: „Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.“ (Markus 9,42). Das ist das Evangelium der Liebe!

Tja, und die so viel gerühmte Nächstenliebe – was ist von ihr zu halten, wenn Jesus zum Jüngsten Gericht Folgendes erläutert: „Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende der Welt gehen. Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.“ (Matthäus 13,40). Wiederum eine sehr brutale Drohung, die der Einschüchterung dient!! Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Vergebung? Nichts da! Ab in den Feuerofen! Das ist Jesu Botschaft! Diese Brutalität wird häufig wiederholt, z.B. in dem Missionierungsauftrag: „Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ (Markus 16,16). Moderne Religionsfreiheit? Pah, lässt sich nicht mit Jesus vereinbaren! Wer nicht glaubt, wird verdammt werden! Ebenso deutlich an folgender Textstelle, mit der die Verbrennung von Ketzern gerechtfertigt worden ist/werden kann: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.“ (Johannes 15,5). DIE UNGLÄUBIGEN MÜSSEN BRENNEN!!
Es ist deutlich zu sehen, dass Jesus keine friedliche Botschaft verbreitet, sondern mit Androhung von Gewalt und Strafen bzw. mit der Aussicht auf ein Himmelreich Gehorsam fordert. Das von ihm angekündigte Reich Gottes, das seine Jünger noch erleben sollten, ist übrigens nicht gekommen! Würde Gottes Sohn so ein Fauxpas unterlaufen!?
Ach ja, die Prophezeiungen aus dem Buch Jesaja – sind die nicht durch Jesus in Erfüllung gegangen? Nein! Es ist doch ganz einfach: Jesus kannte die Prophezeiungen, insofern konnte er sich ganz einfach als der Messias ausgeben, inklusive Jungfrauengeburt, Wunder usw.! Dem abergläubigen Volk konnte er alles weismachen! Wenn man dann noch einbezieht, dass die Evangelien mindestens 50 Jahre mündlich überliefert wurden, dann auf Griechisch aufgeschrieben wurden, während Jesus Aramäisch sprach... dann ist klar, was hier alles an Fantasie und Wunschdenken mit eingeflossen ist. War Jesus Gottes Sohn? Entweder hat er es sich wahnhaft eingebildet oder er hat es aus unlauteren Motiven behauptet. Tertium non datur.
Kommen wir noch zu der Interpretation von Jesu Tod am Kreuz: Er starb für unsere Sünden. Wenn man sich mal ausbuchstabiert, was das heißt, wird die ganze Absurdität des Christentums deutlich. Gott lässt seinen Sohn von den Menschen grausam zu Tode foltern, um ihnen dafür ihre Sünden zu vergeben! Für den grausamen Gottesmord wird uns vergeben!? Der christliche Gott fordert ein Menschenopfer! Ein Menschenopfer, um den Gott zu besänftigen! Und nach der Trinitätslehre sind Vater und Sohn sogar identisch, d.h. Gott lässt sich selbst von seinen Menschen grausam töten, um ihnen dann zu vergeben!? Was soll der Quatsch? Kann er ihnen nicht einfach so vergeben? Oder sich etwas Humaneres ausdenken? Es geht auf keine Kuhhaut, was hier erzählt wird! Und das Abendmahl, was ist es anderes als ein quasi kannibalistisches Ritual, bei dem das Menschenopfer zelebriert wird? Den Leib Christi verspeisen? Das Blut Christi trinken, um entsündigt zu werden!? Finsterster Aberglaube!
Letzter Gedanke zum Abschluss: Häufig wird von christlichen Werten geredet, christliche Prägung des Abendlandes usw. Was soll das eigentlich heißen? Wenn man in die Geschichte (und in die Bibel) guckt, werden die christlichen Werte deutlich: absolute Monarchie, Gehorsam, keine Gleichberechtigung von Mann und Frau, keine Religionsfreiheit, Verbrennen von Hexen und Ketzern, keine Meinungsfreiheit, keine freie Wissenschaft, Todesstrafe, usw.
Unsere heutigen Werte in den westlichen Demokratien sind allesamt Werte der Aufklärung, die gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Kirche durchgesetzt werden mussten!! Nur den redlichen und furchtlosen Aufklärern wie Meslier, Diderot, d'Holbach, Rousseau, Voltaire, Hume, Kant u.a. ist es zu verdanken, dass die Menschheit einen Humanitätsfortschritt erreicht hat. Ohne die Aufklärung würden in Europa immer noch die Scheiterhaufen brennen! Da auch der christliche Fundamentalismus mit seinem absoluten Wahrheitsanspruch zurückkehrt, sollte sich weiterhin jeder seines eigenen Verstandes bedienen und die christliche Lehre genauestens prüfen! Amen.


Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. Standardausgabe mit Apokryphen
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. Standardausgabe mit Apokryphen
von Martin Luther
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sklave oder Knecht?, 31. Dezember 2014
Über die Übersetzung von Luther ist natürlich schon vieles gesagt worden, es gibt viel Pro und Kontra usw. Trotzdem möchte ich einen Aspekt hier herausheben, über den ich neulich mit ein Christin diskutiert habe. Als ich meinte, im Zehnten Gebot sei ja von Sklaverei die Rede und dass Gott insofern die Sklaverei als gut und normal betrachte, protestierte sie und bestand darauf, dass im Zehnten Gebot nur von Knecht die Rede sei! Also habe ich sie erst einmal über die verschiedenen Übersetzungen aufgeklärt, die da lauten:
"Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat."(Luther) und " Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört."(Einheitsübersetzung, 2. Buch Mose 20,17). Es ist bekannt, dass Luther die bäuerliche Welt seiner Zeit in der Übersetzung abbildet, dass "Sklave" aber die gesellschaftlichen Zustände zur Zeit der 10 Gebote richtig abbildet!
Danach wurde sie nachdenklich...
Ja, jeder Christ sollte sich mal überlegen, ob er die Sklaverei für akzeptabel hält und inwiefern er dem 10. Gebot zustimmen kann! Der (angeblich) barmherzige Gott befürwortet die Sklaverei!! Wer jetzt historisch-kritisch einwenden will "na ja, damals gab es halt Sklaven", der übersieht, dass Gott die Sklaverei also damals gebilligt hat, die aber auch damals sehr grausam und gegen jede Menschlichkeit war!! Und er hat sie in den "göttlichen" 10 Geboten festgeschrieben!! Sklaverei ist immer etwas Grausames, Unmenschliches!!
Nebenbei wird in diesem Gebot die Frau als Besitz des Mannes dargestellt. Hallo, ihr Christen, ist euch das schon mal aufgefallen? Seid ihr wirklich damit einverstanden?
Und das erste Gebot, das die meisten in der ausführlichen Fassung gar nicht kennen, ist höchst problematisch, da der angeblich barmherzige Gott sich selbst als "eifernd"(Luther) bzw. "eifersüchtig"(Einheitsübersetzung) bezeichnet und mit harter Strafe droht: "Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation;"(2. Buch Mose 20,5). Rache an den Kindern und Kindeskindern!!!!!!!!!! Bis in die vierte Generation!!!!!! Liebe Christen, ist euch eigentlich klar, wie brutal und rachsüchtig das ist??? Euer Gott ist eifersüchtig, rachsüchtig und brutal!!!
Wer diese Textstelle weglässt, der ist unredlich und verfälscht die 10 Gebote! Es ist deutlich zu erkennen, dass hinter dem ersten Gebot und dieser harten Drohung letztlich nur eines steht, und zwar Gehorsam! Glaube bedeutet hier nicht „subjektives Fürwahrhalten“, sondern schlicht Gehorsam! (Ebenso in der Geschichte von Abraham und Isaak, da wird ja nichts anderes als Kadavergehorsam vorgeführt!).
Was ist von dem ersten Gebot und dieser massiven Drohung zu halten? Ganz einfach: Moses wollte der Anführer seines Volkes werden, und wie erlangt man am besten Gehorsam und politische Macht? In dem man dem Volk einredet, man sei von Gott beauftragt worden und mit harten Strafen droht! Der von Gott gesandte Führer! (Genau so wird es ja z.B. in Nordkorea immer noch gemacht). Daher ist es kein Zufall, dass Moses immer allein war, als er Gottes Botschaften erhielt! So wird dem Volk auch unter Androhung der Todesstrafe verboten, den Berg Sinai zu betreten: „Und zieh eine Grenze um das Volk und sprich zu ihnen: Hütet euch, auf den Berg zu steigen oder seinen Fuß anzurühren; denn wer den Berg anrührt, der soll des Todes sterben.“(2. Buch Mose, 19,12-13). Na sowas, der angeblich barmherzige Gott ist hier aber brutal! Dahinter steckt eine ganz leicht zu durchschauende Absicht: Es soll keiner herausfinden, dass auf dem Berg gar kein Gott erscheint! Niemand soll Moses „göttliche“ Autorität anzweifeln!
Sehen wir uns jetzt das bei frommen Christen so beliebte Gebot „Du sollst nicht töten“ an. Wer auch nur ein bisschen weiter liest, stellt sofort fest, dass dieses Tötungsverbot nicht die Todesstrafe ausschließt und ebenso nicht die Tötung von Feinden im Krieg. Das Gebot gilt nur innerhalb der eigenen Volksgruppe; insofern beinhaltet das Gebot nicht Gewaltlosigkeit und Pazifismus, wie oft behauptet. Interessant ist darüber hinaus auch, wer und was alles mit dem Tode bestraft wird. Herausheben möchte ich an dieser Stelle nur die Todesstrafe für Homosexualität (3. Buch Mose 20,13) und für Hexen bzw. Zauberei (3. Buch Mose 22,17). Ja, die furchtbare, grausame Hexenverbrennung, die jahrhundertelang in Europa praktiziert wurde, wird von dem christlichen Gott gefordert! Und diese Gebote sollen von einem barmherzigen Gott stammen? Die Bücher Mose, die Stammesregeln eines Volkes aus der Bronzezeit enthalten, sollen für uns heute noch Orientierung bieten? Diese Bibel, die so ein ungeheures Gewaltpotential enthält? Die Bibel als Richtschur für unsere heutiges Leben? Ohne sich in massive Widersprüche zu verwickeln, kann man diesen Gedanken nicht aufrechterhalten.
Häufig wird eingeräumt, dass das AT zwar Gewalt enthalte, das NT dagegen aber durch Jesus Christus das „Evangelium der Liebe“ sei. Diese Behauptung stimmt einfach nicht, da es sich ja im AT und im NT um den gleichen Gott handelt. Und Jesus sagt selbst: „Ich und der Vater sind eins“(Johannes 10,30) und betont deutlich, dass das Gesetz gelte und er nicht gekommen sei, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen (Matthäus 5,17). Als Jesus nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird, nennt er das oben erläuterte erste Gebot und das Gebot der Nächstenliebe. Dass er das erste Gebot nennt, ist klar, da es (wie oben erläutert) um Gehorsam geht, den Jesus also auch fordert. Auch Jesus droht mit brutaler Gewalt: „Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.“ (Markus 9,42). Das ist das Evangelium der Liebe!
Tja, und die so viel gerühmte Nächstenliebe – was ist von ihr zu halten, wenn Jesus zum Jüngsten Gericht Folgendes erläutert: „Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende der Welt gehen. Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.“ (Matthäus 13,40). Wiederum eine sehr brutale Drohung, die der Einschüchterung dient!! Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Vergebung? Nichts da! Ab in den Feuerofen! Das ist Jesu Botschaft! Diese Brutalität wird häufig wiederholt, z.B. in dem Missionierungsauftrag: „Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ (Markus 16,16). Moderne Religionsfreiheit? Pah, lässt sich nicht mit Jesus vereinbaren! Wer nicht glaubt, wird verdammt werden! Ebenso deutlich an folgender Textstelle, mit der die Verbrennung von Ketzern gerechtfertigt worden ist/werden kann: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.“ (Johannes 15,5). DIE UNGLÄUBIGEN MÜSSEN BRENNEN!!
Es ist deutlich zu sehen, dass Jesus keine friedliche Botschaft verbreitet, sondern mit Androhung von Gewalt und Strafen bzw. mit der Aussicht auf ein Himmelreich Gehorsam fordert. Das von ihm angekündigte Reich Gottes, das seine Jünger noch erleben sollten, ist übrigens nicht gekommen! Würde Gottes Sohn so ein Fauxpas unterlaufen!?
Ach ja, die Prophezeiungen aus dem Buch Jesaja – sind die nicht durch Jesus in Erfüllung gegangen? Nein! Es ist doch ganz einfach: Jesus kannte die Prophezeiungen, insofern konnte er sich ganz einfach als der Messias ausgeben, inklusive Jungfrauengeburt, Wunder usw.! Dem abergläubigen Volk konnte er alles weismachen! Wenn man dann noch einbezieht, dass die Evangelien mindestens 50 Jahre mündlich überliefert wurden, dann auf Griechisch aufgeschrieben wurden, während Jesus Aramäisch sprach... dann ist klar, was hier alles an Fantasie und Wunschdenken mit eingeflossen ist. War Jesus Gottes Sohn? Entweder hat er es sich wahnhaft eingebildet oder er hat es aus unlauteren Motiven behauptet. Tertium non datur.
Kommen wir noch zu der Interpretation von Jesu Tod am Kreuz: Er starb für unsere Sünden. Wenn man sich mal ausbuchstabiert, was das heißt, wird die ganze Absurdität des Christentums deutlich. Gott lässt seinen Sohn von den Menschen grausam zu Tode foltern, um ihnen dafür ihre Sünden zu vergeben! Für den grausamen Gottesmord wird uns vergeben!? Der christliche Gott fordert ein Menschenopfer! Ein Menschenopfer, um den Gott zu besänftigen! Und nach der Trinitätslehre sind Vater und Sohn sogar identisch, d.h. Gott lässt sich selbst von seinen Menschen grausam töten, um ihnen dann zu vergeben!? Was soll der Quatsch? Kann er ihnen nicht einfach so vergeben? Oder sich etwas Humaneres ausdenken? Es geht auf keine Kuhhaut, was hier erzählt wird! Und das Abendmahl, was ist es anderes als ein quasi kannibalistisches Ritual, bei dem das Menschenopfer zelebriert wird? Den Leib Christi verspeisen? Das Blut Christi trinken, um entsündigt zu werden!? Finsterster Aberglaube!
Letzter Gedanke zum Abschluss: Häufig wird von christlichen Werten geredet, christliche Prägung des Abendlandes usw. Was soll das eigentlich heißen? Wenn man in die Geschichte (und in die Bibel) guckt, werden die christlichen Werte deutlich: absolute Monarchie, Gehorsam, keine Gleichberechtigung von Mann und Frau, keine Religionsfreiheit, Verbrennen von Hexen und Ketzern, keine Meinungsfreiheit, keine freie Wissenschaft, Todesstrafe, usw.
Unsere heutigen Werte in den westlichen Demokratien sind allesamt Werte der Aufklärung, die gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Kirche durchgesetzt werden mussten!! Nur den redlichen und furchtlosen Aufklärern wie Meslier, Diderot, d'Holbach, Rousseau, Voltaire, Hume, Kant u.a. ist es zu verdanken, dass die Menschheit einen Humanitätsfortschritt erreicht hat. Ohne die Aufklärung würden in Europa immer noch die Scheiterhaufen brennen! Da auch der christliche Fundamentalismus mit seinem absoluten Wahrheitsanspruch zurückkehrt, sollte sich weiterhin jeder seines eigenen Verstandes bedienen und die christliche Lehre genauestens prüfen! Amen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 4, 2016 3:15 PM CET


Die Bibel: Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung
Die Bibel: Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung
von Bischöfe Deutschlands und Österreichs und der Bistümer Bozen-Brixen und Lüttich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,90

24 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gottes Wort oder nicht?, 31. Dezember 2014
Bei dieser Bibel handelt es sich äußerlich zwar nicht um eine besonders schöne Ausgabe, dafür ist sie aber handlich, so dass man sie immer dabei haben kann, um in ihr zu lesen und sich aufzuregen. Die Einheitsübersetzung ist gut gelungen. Interessant und informativ sind auch die Vorworte und die Erläuterungen, z.B. zum Alten Testament. Stutzig wurde ich da, als ich las, dass Gott durch die Verfasser des AT spreche. Das kann ich nicht glauben. Na ja, und zu dem Rest der Bibel, zu dem Inhalt könnte man so viel schreiben, aber beginnen wir mal mit dem ersten der Zehn Gebote, das ja immer nur in einer verkürzten Version zitiert wird: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ Es wird aber immer weggelassen, dass es einen wichtigen Zusatz gibt, in dem dieser Gott hier von sich selbst wichtige Eigenschaften aussagt: „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“ (2. Buch Mose 20,3). Das ist eine sehr heftige Drohung des angeblich so barmherzigen Gottes! Rache an den Kindern und Kindeskindern! Sippenhaftung! Gott gibt also klar zu verstehen, dass er eifersüchtig, rachsüchtig und brutal ist! Wer diese Textstelle übergeht oder weglässt, der ist unredlich. Gott sagt es ja von sich selbst aus, wie könnte man sich als Mensch anmaßen, diese Aussage zu zensieren oder zu verschweigen? Es ist deutlich zu erkennen, dass hinter dem ersten Gebot und dieser harten Drohung letztlich nur eines steht, und zwar Gehorsam! Glaube bedeutet hier nicht „subjektives Fürwahrhalten“, sondern schlicht Gehorsam! (Ebenso in der Geschichte von Abraham und Isaak, da wird ja nichts anderes als Kadavergehorsam vorgeführt!).
Was ist von dem ersten Gebot und dieser massiven Drohung zu halten? Ganz einfach: Moses wollte der Anführer seines Volkes werden, und wie erlangt man am besten Gehorsam und politische Macht? In dem man dem Volk einredet, man sei von Gott beauftragt worden und mit harten Strafen droht! Der von Gott gesandte Führer! (Genau so wird es ja z.B. in Nordkorea immer noch gemacht). Daher ist es kein Zufall, dass Moses immer allein war, als er Gottes Botschaften erhielt! So wird dem Volk auch unter Androhung der Todesstrafe verboten, den Berg Sinai zu betreten: „Und zieh eine Grenze um das Volk und sprich zu ihnen: Hütet euch, auf den Berg zu steigen oder seinen Fuß anzurühren; denn wer den Berg anrührt, der soll des Todes sterben.“(2. Buch Mose, 19,12-13). Na sowas, der angeblich barmherzige Gott ist hier aber brutal! Dahinter steckt eine ganz leicht zu durchschauende Absicht: Es soll keiner herausfinden, dass auf dem Berg gar kein Gott erscheint! Niemand soll Moses „göttliche“ Autorität anzweifeln!
Sehen wir uns jetzt das bei frommen Christen so beliebte Gebot „Du sollst nicht töten“ an. Wer auch nur ein bisschen weiter liest, stellt sofort fest, dass dieses Tötungsverbot nicht die Todesstrafe ausschließt und ebenso nicht die Tötung von Feinden im Krieg. Das Gebot gilt nur innerhalb der eigenen Volksgruppe; insofern beinhaltet das Gebot nicht Gewaltlosigkeit und Pazifismus, wie oft behauptet. Interessant ist darüber hinaus auch, wer und was alles mit dem Tode bestraft wird. Herausheben möchte ich an dieser Stelle nur die Todesstrafe für Homosexualität (3. Buch Mose 20,13) und für Hexen bzw. Zauberei (3. Buch Mose 22,17). Ja, die furchtbare, grausame Hexenverbrennung, die jahrhundertelang in Europa praktiziert wurde, wird von dem christlichen Gott gefordert! Und diese Gebote sollen von einem barmherzigen Gott stammen? Die Bücher Mose, die Stammesregeln eines Volkes aus der Bronzezeit enthalten, sollen für uns heute noch Orientierung bieten? Diese Bibel, die so ein ungeheures Gewaltpotential enthält? Die Bibel als Richtschur für unsere heutiges Leben? Ohne sich in massive Widersprüche zu verwickeln, kann man diesen Gedanken nicht aufrechterhalten.
Häufig wird eingeräumt, dass das AT zwar Gewalt enthalte, das NT dagegen aber durch Jesus Christus das „Evangelium der Liebe“ sei. Diese Behauptung stimmt einfach nicht, da es sich ja im AT und im NT um den gleichen Gott handelt. Und Jesus sagt selbst: „Ich und der Vater sind eins“(Johannes 10,30) und betont deutlich, dass das Gesetz gelte und er nicht gekommen sei, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen (Matthäus 5,17). Als Jesus nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird, nennt er das oben erläuterte erste Gebot und das Gebot der Nächstenliebe. Dass er das erste Gebot nennt, ist klar, da es (wie oben erläutert) um Gehorsam geht, den Jesus also auch fordert. Auch Jesus droht mit brutaler Gewalt: „Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde.“ (Markus 9,42). Das ist das Evangelium der Liebe!
Tja, und die so viel gerühmte Nächstenliebe – was ist von ihr zu halten, wenn Jesus zum Jüngsten Gericht Folgendes erläutert: „Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende der Welt gehen. Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein.“ (Matthäus 13,40). Wiederum eine sehr brutale Drohung, die der Einschüchterung dient!! Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Vergebung? Nichts da! Ab in den Feuerofen! Das ist Jesu Botschaft! Diese Brutalität wird häufig wiederholt, z.B. in dem Missionierungsauftrag: „Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ (Markus 16,16). Moderne Religionsfreiheit? Pah, lässt sich nicht mit Jesus vereinbaren! Wer nicht glaubt, wird verdammt werden! Ebenso deutlich an folgender Textstelle, mit der die Verbrennung von Ketzern gerechtfertigt worden ist/werden kann: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.“ (Johannes 15,5). DIE UNGLÄUBIGEN MÜSSEN BRENNEN!!
Es ist deutlich zu sehen, dass Jesus keine friedliche Botschaft verbreitet, sondern mit Androhung von Gewalt und Strafen bzw. mit der Aussicht auf ein Himmelreich Gehorsam fordert. Das von ihm angekündigte Reich Gottes, das seine Jünger noch erleben sollten, ist übrigens nicht gekommen! Würde Gottes Sohn so ein Fauxpas unterlaufen!?
Ach ja, die Prophezeiungen aus dem Buch Jesaja – sind die nicht durch Jesus in Erfüllung gegangen? Nein! Es ist doch ganz einfach: Jesus kannte die Prophezeiungen, insofern konnte er sich ganz einfach als der Messias ausgeben, inklusive Jungfrauengeburt, Wunder usw.! Dem abergläubigen Volk konnte er alles weismachen! Wenn man dann noch einbezieht, dass die Evangelien mindestens 50 Jahre mündlich überliefert wurden, dann auf Griechisch aufgeschrieben wurden, während Jesus Aramäisch sprach... dann ist klar, was hier alles an Fantasie und Wunschdenken mit eingeflossen ist. War Jesus Gottes Sohn? Entweder hat er es sich wahnhaft eingebildet oder er hat es aus unlauteren Motiven behauptet. Tertium non datur.
Kommen wir noch zu der Interpretation von Jesu Tod am Kreuz: Er starb für unsere Sünden. Wenn man sich mal ausbuchstabiert, was das heißt, wird die ganze Absurdität des Christentums deutlich. Gott lässt seinen Sohn von den Menschen grausam zu Tode foltern, um ihnen dafür ihre Sünden zu vergeben! Für den grausamen Gottesmord wird uns vergeben!? Der christliche Gott fordert ein Menschenopfer! Ein Menschenopfer, um den Gott zu besänftigen! Und nach der Trinitätslehre sind Vater und Sohn sogar identisch, d.h. Gott lässt sich selbst von seinen Menschen grausam töten, um ihnen dann zu vergeben!? Was soll der Quatsch? Kann er ihnen nicht einfach so vergeben? Oder sich etwas Humaneres ausdenken? Es geht auf keine Kuhhaut, was hier erzählt wird! Und das Abendmahl, was ist es anderes als ein quasi kannibalistisches Ritual, bei dem das Menschenopfer zelebriert wird? Den Leib Christi verspeisen? Das Blut Christi trinken, um entsündigt zu werden!? Finsterster Aberglaube!
Letzter Gedanke zum Abschluss: Häufig wird von christlichen Werten geredet, christliche Prägung des Abendlandes usw. Was soll das eigentlich heißen? Wenn man in die Geschichte (und in die Bibel) guckt, werden die christlichen Werte deutlich: absolute Monarchie, Gehorsam, keine Gleichberechtigung von Mann und Frau, keine Religionsfreiheit, Verbrennen von Hexen und Ketzern, keine Meinungsfreiheit, keine freie Wissenschaft, Todesstrafe, usw.
Unsere heutigen Werte in den westlichen Demokratien sind allesamt Werte der Aufklärung, die gegen den erbitterten Widerstand der christlichen Kirche durchgesetzt werden mussten!! Nur den redlichen und furchtlosen Aufklärern wie Meslier, Diderot, d'Holbach, Rousseau, Voltaire, Hume, Kant u.a. ist es zu verdanken, dass die Menschheit einen Humanitätsfortschritt erreicht hat. Ohne die Aufklärung würden in Europa immer noch die Scheiterhaufen brennen! Da auch der christliche Fundamentalismus mit seinem absoluten Wahrheitsanspruch zurückkehrt, sollte sich weiterhin jeder seines eigenen Verstandes bedienen und die christliche Lehre genauestens prüfen! Amen.


Wer bin ich ohne diesen Gedanken? Weisheit für jeden Tag
Wer bin ich ohne diesen Gedanken? Weisheit für jeden Tag
von Byron Katie
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

19 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sexuell missbraucht? Selbst schuld!, 8. Juni 2014
Byron Katie beansprucht mit „The Work“ eine Methode gefunden zu haben, mit der man Probleme lösen und zu einem inneren Glück gelangen kann. Diese Methode besteht im Kern aus vier Fragen, mit denen man einen Gedanken, der einem Kummer bereitet, überprüfen soll. Im Anschluss soll der Gedanke dann mehrfach umgekehrt werden. Angeblich entspringe unser Leid nicht der Realität, sondern nur unseren Gedanken über die Realität! Egal ob ich belogen, geschlagen, betrogen oder sexuell missbraucht worden bin, an meinem Leid sind nur meine „falschen“ Gedanken schuld!

Weiter unten gehe ich auf das Beispiel des sexuellen Missbrauchs ein, das Katie selbst in ihrem Werk „Lieben, was ist“ vorführt (Vgl. Lieben, was ist, S.303f.).

Nehmen wir zu Demonstration der Unsinnigkeit dieser Methode aber zunächst Katies Beispiel aus ihrem Werk „Lieben, was ist.“ Dort (und auf ihrer Homepage) nennt sie den Satz „Paul hört mir nicht zu“ als Beispiel.“(Vgl. S.54f.).

1. Ist das wahr?

Diese Frage dient der Vergewisserung und ist insofern harmlos. Da man sich wahrscheinlich sicher ist, dass Paul wirklich nicht zuhört und einen Pauls Nicht-Zuhören stört, beantwortet man diese Frage mit Ja.

2. Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist?

Diese Frage, die oberflächlich wiederum der Vergewisserung dient, ist eine illegitime Überforderung und bewirkt schlicht und ergreifend eine Verunsicherung: Der Hilfesuchende geht jetzt in sich und denkt „na ja, ganz sicher bin ich mir nicht, neulich hat Paul mir ja zugehört...“, und schon schnappt die Falle zu! Aha, der Ausgangssatz ist vielleicht doch nicht so wahr? (Eine illegitime Überforderung ist diese Frage, da der Mensch nichts mit ABSOLUTER Sicherheit wissen kann!)

3. Wie reagiere ich auf diesen Gedanken?

Achtung, jetzt beginnt der rhetorische Taschenspielertrick!! Jetzt ist nicht mehr von Pauls Verhalten die Rede, sondern nur noch von dem Gedanken an Pauls Verhalten! Das ist eine folgenschwere Verschiebung, da jetzt die reale Ursache des Kummers – Pauls Nicht-Zuhören – nicht mehr thematisiert wird, sondern nur noch der Gedanke an Pauls Nicht-Zuhören. Der Hilfesuchende denkt sich vielleicht: „...hm, ja, stimmt, wenn ich jetzt daran denke, geht es mir nicht so gut...“ Natürlich kann der Gedanke daran auch Kummer bereiten, aber die reale Ursache des Gedankens ist nach wie vor Pauls Nicht-Zuhören! Da Pauls Verhalten ab jetzt nicht mehr in die Ursachenforschung einbezogen wird, kann dem Hilfesuchenden gar nicht geholfen werden. In Verbindung mit der Verunsicherung darüber, ob Paul zuhört oder nicht, beginnt hier die Gehirnwäsche.

4. Wer wärst du ohne diesen Gedanken?

Oha, diese Frage soll nun die tiefe Selbsterkenntnis liefern: „Oh, wenn Paul mir zuhören würde, wäre ich viel glücklicher!“ Ich werde verrückt, Byron Katie hat die Lösung gefunden: Man wäre glücklich, wenn man nicht leiden würden! Oh Katie, ich falle auf die Knie vor dir, dass du mir diese tiefe Einsicht ermöglicht hast!! Übersetzt lautet die Frage doch bloß: Wie ginge es dir, wenn du nicht leiden würdest!! Insofern handelt es sich bei dieser Frage ebenfalls um einen rhetorischen Trick, der eine tiefe Erkenntnis und Erleichterung vorgaukelt. Aber Achtung, wiederum ist nicht von Pauls Verhalten, sondern nur von dem bloßen Gedanken daran die Rede.

Fassen wir das Ergebnis zusammen: Der Hilfesuchende ist jetzt verunsichert, weiß aber, dass er ohne den Gedanken an Pauls Nicht-Zuhören glücklicher wäre. Ob Paul wirklich zuhört/zugehört hat oder nicht, wird nicht mehr thematisiert.

Aber jetzt geht es erst richtig los! Nun soll der Ausgangssatz mehrfach „umgekehrt“ werden. Der verunsicherte Hilfesuchende soll jetzt auf der Suche nach der wahren Ursache seines Leidens folgende Sätze untersuchen:

Ich höre mir nicht zu.
Ich höre Paul nicht zu.
Paul hört mir zu.

Stellen wir uns vor, wie der Verunsicherte Hilfesuchende nun reagiert: „Ach ja, stimmt, neulich habe ich Paul auch einmal nicht zugehört... und ja, ich nehme mir immer Sachen vor, die ich dann nicht einhalte... und ja, neulich hat Paul mir doch einmal zugehört...Hurra, es stimmt, mein Ausgangssatz war falsch, oh, wie konnte ich Paul so etwas unterstellen, ich muss mich bei ihm entschuldigen...oh, danke Katie, dass du mich zur Erleuchtung gebracht hast!“

Die Absicht der Umkehrung ist leicht zu durchschauen: Die Diskussion und Erörterung dieser Sätze ist nicht nur eine Verunsicherung, sondern eine ganz offensichtliche Gehirnwäsche mit dem Ergebnis: Der Hilfesuchende ist nun „umgedreht“ worden, er glaubt jetzt das Gegenteil von dem, was eigentlich sein Leid verursacht.

Sexueller Missbrauch und „The Work“

Besonders deutlich, wie pervers und hinterhältig diese Gehirnwäsche durchgeführt wird, lässt sich gut an einem anderen Beispiel aus Byron Katies Buch „Lieben, was ist“ demonstrieren. Katie gibt dort den Dialog wieder, den sie mit einer Frau namens Diane geführt hat (Vgl. S.303f.). Diane wurde als achtjähriges Mädchen von ihrem Stiefvater jahrelang sexuell missbraucht. Bei diesem Dialog fällt einem wirklich die Kinnlade herunter, wenn man verfolgt, wie Katie durch ihre Fragen und die Umkehrung Diane so schamlos manipuliert, dass Diane am Ende glaubt, sie selbst sei an dem Missbrauch Schuld gewesen, weil sie sich nicht dagegen gewehrt habe und auch niemandem um Hilfe gebeten habe. Die Angst und Hilflosigkeit des achtjährigen Mädchens wird als aktive Mittäterschaft dargestellt:

Diane: Es war mein Geburtstag, und ich wollte einfach nur geliebt werden.
Katie: Ja, mein Schatz, Was tun wir nicht alles, um geliebt zu werden... […] Was ist geschehen? Was hast du gedacht? Er hat dich an sich gezogen. Was war dein Anteil dabei?
Diane: Ich habe es einfach geschehen lassen. (S.311)

Man muss sich ganz klar verdeutlichen, was Katie hier macht: Sie schiebt Diane den Gedanken unter, dass sie durch ihre kindliche Sehnsucht nach Liebe den sexuellen Missbrauch selbst gewollt habe! Am Ende des ungeheuerlichen Dialoges ist Diane 'umgedreht' und gesteht ein, dass der sexuelle Missbrauch durch ihren Stiefvater ihre eigene Schuld war:

Diane: Ich brauche es, dass ich meiner Familie sage, dass ich etwas falsch gemacht habe.
Katie: Wie schön das ist.
Diane: Ich hätte den Missbrauch früher beenden können, wenn ich darüber geredet hätte. Ich habe etwas falsch gemacht. (S.321)

Es fehlen einem die Worte. An dieser Stelle müsste die perfide Gehirnwäschetechnik, die in The Work durchgeführt wird, für jeden deutlich erkennbar sein: Durch die „Umkehrung“ des Satzes werden die Wahrheit und der Sachverhalt verdreht, Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt, Täter und Opfer vertauscht. Ich hoffe, dass deutlich geworden ist, dass es sich bei „The Work“ um eine gefährliche Pseudotherapie handelt, die einem nicht hilft, sondern schadet. Die vier Fragen und die Umkehrung verfolgen eine eindeutige Strategie: Über die Verunsicherung soll man zum Glauben an das Gegenteil gebracht werden! Also, wenn das keine Gehirnwäsche ist, dann weiß ich nicht mehr weiter!!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 28, 2016 9:24 PM CET


Ich brauche deine Liebe - ist das wahr?: Liebe finden, ohne danach zu suchen
Ich brauche deine Liebe - ist das wahr?: Liebe finden, ohne danach zu suchen
von Byron Katie
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

23 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sexuell missbraucht? Selbst schuld!, 8. Juni 2014
Byron Katie beansprucht mit „The Work“ eine Methode gefunden zu haben, mit der man Probleme lösen und zu einem inneren Glück gelangen kann. Diese Methode besteht im Kern aus vier Fragen, mit denen man einen Gedanken, der einem Kummer bereitet, überprüfen soll. Im Anschluss soll der Gedanke dann mehrfach umgekehrt werden. Angeblich entspringe unser Leid nicht der Realität, sondern nur unseren Gedanken über die Realität! Egal ob ich belogen, geschlagen, betrogen oder sexuell missbraucht worden bin, an meinem Leid sind nur meine „falschen“ Gedanken schuld!

Weiter unten gehe ich auf das Beispiel des sexuellen Missbrauchs ein, das Katie selbst in ihrem Werk „Lieben, was ist“ vorführt (Vgl. Lieben, was ist, S.303f.).

Nehmen wir zu Demonstration der Unsinnigkeit dieser Methode aber zunächst Katies Beispiel aus ihrem Werk „Lieben, was ist.“ Dort (und auf ihrer Homepage) nennt sie den Satz „Paul hört mir nicht zu“ als Beispiel.“(Vgl. S.54f.).

1. Ist das wahr?

Diese Frage dient der Vergewisserung und ist insofern harmlos. Da man sich wahrscheinlich sicher ist, dass Paul wirklich nicht zuhört und einen Pauls Nicht-Zuhören stört, beantwortet man diese Frage mit Ja.

2. Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist?

Diese Frage, die oberflächlich wiederum der Vergewisserung dient, ist eine illegitime Überforderung und bewirkt schlicht und ergreifend eine Verunsicherung: Der Hilfesuchende geht jetzt in sich und denkt „na ja, ganz sicher bin ich mir nicht, neulich hat Paul mir ja zugehört...“, und schon schnappt die Falle zu! Aha, der Ausgangssatz ist vielleicht doch nicht so wahr? (Eine illegitime Überforderung ist diese Frage, da der Mensch nichts mit ABSOLUTER Sicherheit wissen kann!)

3. Wie reagiere ich auf diesen Gedanken?

Achtung, jetzt beginnt der rhetorische Taschenspielertrick!! Jetzt ist nicht mehr von Pauls Verhalten die Rede, sondern nur noch von dem Gedanken an Pauls Verhalten! Das ist eine folgenschwere Verschiebung, da jetzt die reale Ursache des Kummers – Pauls Nicht-Zuhören – nicht mehr thematisiert wird, sondern nur noch der Gedanke an Pauls Nicht-Zuhören. Der Hilfesuchende denkt sich vielleicht: „...hm, ja, stimmt, wenn ich jetzt daran denke, geht es mir nicht so gut...“ Natürlich kann der Gedanke daran auch Kummer bereiten, aber die reale Ursache des Gedankens ist nach wie vor Pauls Nicht-Zuhören! Da Pauls Verhalten ab jetzt nicht mehr in die Ursachenforschung einbezogen wird, kann dem Hilfesuchenden gar nicht geholfen werden. In Verbindung mit der Verunsicherung darüber, ob Paul zuhört oder nicht, beginnt hier die Gehirnwäsche.

4. Wer wärst du ohne diesen Gedanken?

Oha, diese Frage soll nun die tiefe Selbsterkenntnis liefern: „Oh, wenn Paul mir zuhören würde, wäre ich viel glücklicher!“ Ich werde verrückt, Byron Katie hat die Lösung gefunden: Man wäre glücklich, wenn man nicht leiden würden! Oh Katie, ich falle auf die Knie vor dir, dass du mir diese tiefe Einsicht ermöglicht hast!! Übersetzt lautet die Frage doch bloß: Wie ginge es dir, wenn du nicht leiden würdest!! Insofern handelt es sich bei dieser Frage ebenfalls um einen rhetorischen Trick, der eine tiefe Erkenntnis und Erleichterung vorgaukelt. Aber Achtung, wiederum ist nicht von Pauls Verhalten, sondern nur von dem bloßen Gedanken daran die Rede.

Fassen wir das Ergebnis zusammen: Der Hilfesuchende ist jetzt verunsichert, weiß aber, dass er ohne den Gedanken an Pauls Nicht-Zuhören glücklicher wäre. Ob Paul wirklich zuhört/zugehört hat oder nicht, wird nicht mehr thematisiert.

Aber jetzt geht es erst richtig los! Nun soll der Ausgangssatz mehrfach „umgekehrt“ werden. Der verunsicherte Hilfesuchende soll jetzt auf der Suche nach der wahren Ursache seines Leidens folgende Sätze untersuchen:

Ich höre mir nicht zu.
Ich höre Paul nicht zu.
Paul hört mir zu.

Stellen wir uns vor, wie der Verunsicherte Hilfesuchende nun reagiert: „Ach ja, stimmt, neulich habe ich Paul auch einmal nicht zugehört... und ja, ich nehme mir immer Sachen vor, die ich dann nicht einhalte... und ja, neulich hat Paul mir doch einmal zugehört...Hurra, es stimmt, mein Ausgangssatz war falsch, oh, wie konnte ich Paul so etwas unterstellen, ich muss mich bei ihm entschuldigen...oh, danke Katie, dass du mich zur Erleuchtung gebracht hast!“

Die Absicht der Umkehrung ist leicht zu durchschauen: Die Diskussion und Erörterung dieser Sätze ist nicht nur eine Verunsicherung, sondern eine ganz offensichtliche Gehirnwäsche mit dem Ergebnis: Der Hilfesuchende ist nun „umgedreht“ worden, er glaubt jetzt das Gegenteil von dem, was eigentlich sein Leid verursacht.

Sexueller Missbrauch und „The Work“

Besonders deutlich, wie pervers und hinterhältig diese Gehirnwäsche durchgeführt wird, lässt sich gut an einem anderen Beispiel aus Byron Katies Buch „Lieben, was ist“ demonstrieren. Katie gibt dort den Dialog wieder, den sie mit einer Frau namens Diane geführt hat (Vgl. S.303f.). Diane wurde als achtjähriges Mädchen von ihrem Stiefvater jahrelang sexuell missbraucht. Bei diesem Dialog fällt einem wirklich die Kinnlade herunter, wenn man verfolgt, wie Katie durch ihre Fragen und die Umkehrung Diane so schamlos manipuliert, dass Diane am Ende glaubt, sie selbst sei an dem Missbrauch Schuld gewesen, weil sie sich nicht dagegen gewehrt habe und auch niemandem um Hilfe gebeten habe. Die Angst und Hilflosigkeit des achtjährigen Mädchens wird als aktive Mittäterschaft dargestellt:

Diane: Es war mein Geburtstag, und ich wollte einfach nur geliebt werden.
Katie: Ja, mein Schatz, Was tun wir nicht alles, um geliebt zu werden... […] Was ist geschehen? Was hast du gedacht? Er hat dich an sich gezogen. Was war dein Anteil dabei?
Diane: Ich habe es einfach geschehen lassen. (S.311)

Man muss sich ganz klar verdeutlichen, was Katie hier macht: Sie schiebt Diane den Gedanken unter, dass sie durch ihre kindliche Sehnsucht nach Liebe den sexuellen Missbrauch selbst gewollt habe! Am Ende des ungeheuerlichen Dialoges ist Diane 'umgedreht' und gesteht ein, dass der sexuelle Missbrauch durch ihren Stiefvater ihre eigene Schuld war:

Diane: Ich brauche es, dass ich meiner Familie sage, dass ich etwas falsch gemacht habe.
Katie: Wie schön das ist.
Diane: Ich hätte den Missbrauch früher beenden können, wenn ich darüber geredet hätte. Ich habe etwas falsch gemacht. (S.321)

Es fehlen einem die Worte. An dieser Stelle müsste die perfide Gehirnwäschetechnik, die in The Work durchgeführt wird, für jeden deutlich erkennbar sein: Durch die „Umkehrung“ des Satzes werden die Wahrheit und der Sachverhalt verdreht, Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt, Täter und Opfer vertauscht. Ich hoffe, dass deutlich geworden ist, dass es sich bei „The Work“ um eine gefährliche Pseudotherapie handelt, die einem nicht hilft, sondern schadet. Die vier Fragen und die Umkehrung verfolgen eine eindeutige Strategie: Über die Verunsicherung soll man zum Glauben an das Gegenteil gebracht werden! Also, wenn das keine Gehirnwäsche ist, dann weiß ich nicht mehr weiter!!
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 21, 2015 12:41 PM MEST


Tiger-Tiger, ist es wahr? Vier Fragen, die dich wieder lächeln lassen
Tiger-Tiger, ist es wahr? Vier Fragen, die dich wieder lächeln lassen
von Byron Katie
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

19 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vorsicht liebe Eltern, Gefahr für ihr Kind! Eine Kritik der Methode, 18. Mai 2014
Vor der Methode "The Work", die hier in diesem KInderbuch angewendet und als Weg zum Glück angepriesen wird, muss eindringlich gewarnt werden. Besonders gefährlich ist es, wenn diese perfide Gehirnwäsche bei Kindern angewendet wird, die noch nicht in der Lage sind, die rhetorischen Tricks zu durchschauen. Damit die Kritik an der Methode nachvollziehbar wird, beziehe ich mich in den folgenden Ausführungen auf Katies Hauptwerk "Lieben, was ist." Es wird gezeigt, dass es sich bei The Work um eine perfide Methode handelt, dem Leidenden die Ursache für sein Leiden selbst zuzuschieben. Alle Seitenangaben beziehen sich dabei auf die Ausgabe: Byron Katie: Lieben, was ist. München, 14. Aufl. 2002.

Byron Katie beansprucht mit „The Work“ eine Möglichkeit zu präsentieren, „der Verwirrung ein Ende zu machen und inneren Frieden zu erleben, [...]“(S.42). Ihr Buch soll allen, die aus irgendwelchen Gründen leiden oder unglücklich sind, helfen und dem „Glück dienen.“(S.29).
Wenn man mit The Work arbeite, „beginnt sich unser Leiden von selbst aufzulösen.“(S.42).

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die These, dass alles Leid dann entstehe, wenn unsere Gedanken der Realität widersprechen: „Wir leiden nur dann, wenn unsere Überzeugung mit dem, was ist, im Widerstreit liegt.“(S.32). Zu diesem Ausgangspunkt gehört eine zweite These, die besagt, dass man die Realität nicht ändern könne: „Wenn Sie sich wünschen, dass die Realität anders wäre, als sie ist, könnten Sie genauso gut versuchen, einer Katze das Bellen beizubringen.“(S.32). Beide Thesen sind schlichtweg falsch, und zwar aus folgenden Gründen:
Katie benutzt hier einen etwas schwammigen Realitätsbegriff; aus ihren Beispielen wird deutlich, dass sie unter Realität so in etwa die allgemeinsten Umweltbedingungen (z.B. Wind, S.33), konkrete Lebensbedingungen und andere Menschen und deren Verhalten meint. Dieser Realitätsbegriff ist zwar akzeptabel, allerdings ist es nicht nachvollziehbar, warum alles Leid aus dem 'Widerspruch eines Gedanken mit der Realität' entspringen soll. Wenn ein Kind von seinem Vater geschlagen wird, dann ist der prügelnde Vater die Ursache des Leids, d.h. die Ursache liegt in der Wirklichkeit. Insofern ist Katie bei dieser Ausgangsthese zu widersprechen, da unser Leiden meistens eine Ursache in der Realität bzw. in dem Verhalten anderer Menschen hat.
Dass wir die Realität nicht ändern können, ist ebenso eine unhaltbare Behauptung. Die Unhaltbarkeit der These liegt darin begründet, dass Katie hier wiederum verschiedene Dinge unter dem Begriff Realität subsumiert, ohne zu differenzieren. Zwar ist es richtig, dass man die allgemeinsten physikalischen Lebensbedingungen (Vgl. Katies Wind-Beispiel S. 33) nicht ändern kann, aber um diese Faktoren geht es überhaupt nicht. Die eigenen Lebensumstände kann man ändern: Ich kann in eine andere Wohnung/Stadt ziehen, eine andere Arbeit suchen, mich von meinem Partner trennen, ein neues Hobby suchen, usw.
Andere Menschen bzw. ihr Verhalten kann man ebenfalls ändern, indem man sie z.B. auf ihr Verhalten anspricht, mit ihnen Konflikte diskutiert, mit ihnen Einsichten erarbeitet, neue Perspektiven sucht, ihnen beisteht oder hilft, usw. Natürlich ist es nicht einfach und es klappt nicht immer, aber prinzipiell kann man das Verhalten von Menschen ändern. Insofern ist auch diese Ausgangsthese falsch.
Dieser völlig verkorkste „Theorieansatz“ lautet zusammengefasst also: Die Realität ist unveränderlich, aber unser Leiden entspringt auch nicht aus der Realität, sondern nur unseren 'unwahren Gedanken' über die Realität – egal ob wir belogen, betrogen, geschlagen oder missbraucht worden sind, Katie behauptet felsenfest, sie „habe nie ein belastendes Gefühl erlebt, das nicht durch das Festhalten an einem unwahren Gedanken verursacht gewesen wäre.“(S.40).
Mit diesem falschen Ansatz stellt Katie geschickt die Weichen für die vermeintliche Lösung aller Konflikte: Wenn man die Realität nicht ändern kann, dann bleibt natürlich als einziger Ausweg sich selbst bzw. die eigenen Gedanken zu ändern.
Die Erkenntnis und Änderung der eigenen Gedanken soll über vier Fragen und eine anschließende 'Umkehrung' geschehen. In dieser Prozedur besteht nach Katie der Kern von The Work.
Bei der nun folgenden Kritik der vier Fragen wird hier Katies eigenes Beispiel, das im Buch und auf ihrer Homepage zu finden ist, aufgegriffen, damit der Leser es gut verfolgen und nachlesen kann.
Der Hilfesuchende wird zu Beginn aufgefordert, etwas aufzuschreiben, was ihn in seinem Leben stört, ihn unglücklich macht bzw. was an dem Verhalten anderer ihn unglücklich macht („Beurteile deinen Nächsten“). Katie nennt hier als Beispiel den Satz „Paul hört mir nicht zu“(Vgl. S.54f., Paul ist Katies Ehemann).
Die erste Frage ist zunächst harmlos und lautet: Ist das wahr? und dient offensichtlich der Vergewisserung des Sachverhaltes. Da es sich ja um etwas handelt, das den Hilfesuchenden belastet, kommt als Antwort quasi immer ein „Ja.“
Der rhetorische Taschenspielertrick beginnt mit der zweiten Frage, die lautet: Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist? Diese Frage ist eine hinterlistige Falle, da sie der Verunsicherung des Hilfesuchenden dient. Die Frage ist hinterlistig und illegitim, da der Mensch nichts mit absoluter Sicherheit wissen kann. Unser Wissen hat immer nur einen bestimmten Grad von Gewissheit. Wie die Wissenschaftsgeschichte zeigt, können sich sogar die am besten belegten wissenschaftlichen Theorien eines Tages als falsch oder ungenau erweisen.
Dass man aber nichts mit absoluter Sicherheit wissen kann, heißt nicht automatisch, dass man gar nichts wissen kann und schon gar nicht, dass der Satz „Paul hört mir nicht zu“ falsch ist. Je mehr man nun aber, angeregt durch die zweite Frage, über Pauls Verhalten nachdenkt, desto unsicherer wird man. Daher ist es klar, dass diese Frage so gut wie immer mit „Nein“ beantwortet wird, sodass es Katie gelingt, die Hilfesuchenden zu verunsichern und man zur nächsten Frage übergeleitet wird.
Die Sinnlosigkeit der zweiten Frage entlarvt Katie interessanterweise selbst, indem sie erklärt: „Wenn Ihre Antwort auf die zweite Frage „Ja“ lautet, können Sie einfach zur nächsten Frage weitergehen.“(S.59). Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Es ist also völlig egal, wie man die zweite Frage beantwortet, man soll so oder so mit der dritten Frage weitermachen!

Bei der dritten Frage wird nun eine fatale Verschiebung von Pauls Verhalten (Paul hört mir nicht zu) zu dem bloßen Gedanken daran vollzogen, wodurch Ursache und Wirkung hinterlistig vertauscht werden. Die Frage lautet: Wie reagiere ich auf diesen Gedanken? Es geht jetzt also nicht mehr um Pauls Verhalten, sondern um den bloßen Gedanken, der angeblich das Leid hervorrufe. Dagegen muss eingewendet werden, dass der Gedanke „Paul hört mir nicht zu“ doch gerade eine Wirkung von Pauls Verhalten ist! Pauls Nicht-Zuhören ist die Ursache des Gedankens „Paul hört mir nicht zu“, und nicht umgekehrt. Daher ist diese Verschiebung so fatal und folgenschwer, da ab jetzt die reale Ursache des Leidens (Pauls Nicht-Zuhören) nicht weiter thematisiert wird und die ganze Ursachenforschung allein auf die Gedanken des Hilfesuchenden verlegt wird. Dadurch kann die reale Ursache des Leidens nie gefunden werden – dem Hilfesuchenden wird nicht geholfen.

Die vierte Frage führt den Taschenspielertrick fort, indem gefragt wird: Wer wärst du ohne diesen Gedanken? Man beachte, es wird nicht gefragt, wer wärst du, wenn Paul sich anders verhielte und dir zuhören würde, sondern es bleibt bei der Verschiebung auf den bloßen Gedanken. Dass die meisten Hilfesuchenden nun mit großer Freude so etwas äußern wie „Oh, ich wäre viel glücklicher“ oder „Mein Leben mit Paul wäre schöner“ liegt auf der Hand, da es sich bei dieser Frage wiederum um einen listigen Trick handelt, denn einfach übersetzt lautet die Frage bloß: Wer wärst du, wenn du nicht leiden würdest? Insofern ist die Antwort auch hier klar und durch die Art der Frage schon festgelegt. Die Freude und Erleichterung, die der Hilfesuchende nach der vierten Frage empfindet, ist daher eine völlig triviale Einsicht und nicht das Ergebnis einer tiefen Selbsterkenntnis.

Mit diesen Fragen und der Verschiebung auf seine Gedanken wird der Hilfesuchende also um die Erkenntnis der wahren Ursache seines Leidens betrogen und am Ende mit einer absoluten Banalität beglückt: Dass es ihm besser ginge, wenn er nicht leiden würde. Diese vier Fragen sind insofern ein gefährliches Blendwerk, das eine Ursachenforschung nur vorgaukelt und den Hilfesuchenden auf einen Weg führt, der ihm nicht helfen wird.
Der Gipfel der Scharlatanerie kommt aber erst noch. Nach den vier Fragen soll nämlich die sogenannte „Umkehrung“ durchgeführt werden. Hierbei handelt es sich um eine eine mehrfache Verdrehung des Ausgangssatzes „Paul hört mir nicht zu“, z.B. zu dem Satz „Ich höre Paul nicht zu.“ Die Überprüfung des Satzes soll laut Katie „in Verbindung mit der Umkehrung sehr schnell zur Selbsterkenntnis“(S.136) führen. Der Hilfesuchende wird nun allen Ernstes aufgefordert, den Wahrheitsgehalt des umgedrehten Satzes („Ich höre Paul nicht zu“) zu untersuchen: „Überlegen Sie, ob der umgekehrte Satz genauso wahr oder wahrer klingt als Ihre ursprüngliche Aussage.“(S.61). Mit dem Hinweis 'wahrer als die ursprüngliche Aussage' wird die Richtung jetzt vorgegeben – es gibt eine andere, wahrere Wahrheit! Da jeder Mensch irgendwo, irgendwann einmal einem anderen nicht richtig zugehört hat, räumt der verunsicherte Hilfesuchende vielleicht ein, dass es mal geschehen sein könnte, dass er Paul nicht zugehört hat. Durch diese weitere Verunsicherung beginnt die Gehirnwäsche, der Glaube an das Gegenteil wird dem Hilfesuchenden jetzt untergeschoben, er beginnt zu glauben, er höre Paul nicht zu und er selbst sei dadurch die Ursache seines Leidens, und nicht Pauls Verhalten. Erstaunlicherweise wird diese Gehirnwäsche gar nicht verschleiert, sondern ganz offen als „Umkehrung“ bezeichnet. Ergebnis: Ob Paul zuhört, jemals zugehört hat oder nicht, ist nicht mehr relevant, wenn der Hilfesuchende jetzt glaubt, er höre Paul nicht zu.
Mann könnte jetzt einwenden, dass menschliche Konflikte häufig komplex sind und das eigene Verhalten immer auch einen Anteil an den Konflikten haben kann usw. Das ist richtig, aber in The Work wird ja – da man angeblich andere Menschen nicht ändern kann (s.o.) - das Fehlverhalten und die Schuld einseitig dem Hilfesuchenden angelastet.
Ein anderes Beispiel, welches Katie in ihrem Buch gibt, zeigt sehr gut, wie pervers und hinterhältig diese Gehirnwäsche durchgeführt wird. Katie gibt dort den Dialog wieder, den sie mit einer Frau namens Diane geführt hat (Vgl. S.303f.). Diane wurde als achtjähriges Mädchen von ihrem Stiefvater jahrelang sexuell missbraucht. Bei diesem Dialog fällt einem wirklich die Kinnlade herunter, wenn man verfolgt, wie Katie durch ihre Fragen und die Umkehrung Diane so schamlos manipuliert, dass Diane am Ende glaubt, sie selbst sei an dem Missbrauch Schuld gewesen, weil sie sich nicht dagegen gewehrt habe und auch niemandem um Hilfe gebeten habe. Die Angst und Hilflosigkeit des achtjährigen Mädchens wird als aktive Mittäterschaft dargestellt:

Diane: Es war mein Geburtstag, und ich wollte einfach nur geliebt werden.
Katie: Ja, mein Schatz, Was tun wir nicht alles, um geliebt zu werden... […] Was ist geschehen? Was hast du gedacht? Er hat dich an sich gezogen. Was war dein Anteil dabei?
Diane: Ich habe es einfach geschehen lassen. (S.311)

Man muss sich ganz klar verdeutlichen, was Katie hier macht: Sie schiebt Diane den Gedanken unter, dass sie durch ihre kindliche Sehnsucht nach Liebe den sexuellen Missbrauch selbst gewollt habe! Am Ende des ungeheuerlichen Dialoges ist Diane 'umgedreht' und gesteht ein, dass der sexuelle Missbrauch durch ihren Stiefvater ihre eigene Schuld war:

Diane: Ich brauche es, dass ich meiner Familie sage, dass ich etwas falsch gemacht habe.
Katie: Wie schön das ist.
Diane: Ich hätte den Missbrauch früher beenden können, wenn ich darüber geredet hätte. Ich habe etwas falsch gemacht. (S.321)

Es fehlen einem die Worte. An dieser Stelle müsste die perfide Gehirnwäschetechnik, die in The Work durchgeführt wird, für jeden deutlich erkennbar sein: Durch die „Umkehrung“ des Satzes werden die Wahrheit und der Sachverhalt verdreht, Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt, Täter und Opfer vertauscht. Man fühlt sich direkt an die Parolen aus Orwells „1984“ erinnert: „Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke“, die das Bewusstsein der Menschen vernebeln und sie zu gegenteiligen Überzeugungen bringen sollen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich bei The Work um eine ganz hinterhältige Form der Pseudotherapie handelt, die Menschen absichtlich verblendet und sie daran hindert, die wirklichen Ursachen ihres Leidens zu erkennen. Wer die Methode The Work gutheißt oder verteidigt ist der Meinung, dass ein achtjähriges Mädchen selbst an sexuellem Missbrauch Schuld ist.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 3, 2015 9:34 PM MEST


Lieben was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können
Lieben was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können
von Byron Katie
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

94 von 110 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hinterhältige Gehirnwäsche - Eine Kritik an "The Work", 23. März 2014
In den folgenden Ausführungen wird Byron Katies Methode „The Work“, wie sie in ihrem Werk „Leben, was ist“ erläutert wird, einer ausführlichen Kritik unterzogen. Es wird gezeigt, dass es sich bei The Work um eine perfide Methode handelt, dem Leidenden die Ursache für sein Leiden selbst zuzuschieben. Alle Seitenangaben beziehen sich dabei auf die Ausgabe: Byron Katie: Lieben, was ist. München, 14. Aufl. 2002.

Byron Katie beansprucht mit „The Work“ eine Möglichkeit zu präsentieren, „der Verwirrung ein Ende zu machen und inneren Frieden zu erleben, [...]“(S.42). Ihr Buch soll allen, die aus irgendwelchen Gründen leiden oder unglücklich sind, helfen und dem „Glück dienen.“(S.29).
Wenn man mit The Work arbeite, „beginnt sich unser Leiden von selbst aufzulösen.“(S.42).

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist die These, dass alles Leid dann entstehe, wenn unsere Gedanken der Realität widersprechen: „Wir leiden nur dann, wenn unsere Überzeugung mit dem, was ist, im Widerstreit liegt.“(S.32). Zu diesem Ausgangspunkt gehört eine zweite These, die besagt, dass man die Realität nicht ändern könne: „Wenn Sie sich wünschen, dass die Realität anders wäre, als sie ist, könnten Sie genauso gut versuchen, einer Katze das Bellen beizubringen.“(S.32). Beide Thesen sind schlichtweg falsch, und zwar aus folgenden Gründen:
Katie benutzt hier einen etwas schwammigen Realitätsbegriff; aus ihren Beispielen wird deutlich, dass sie unter Realität so in etwa die allgemeinsten Umweltbedingungen (z.B. Wind, S.33), konkrete Lebensbedingungen und andere Menschen und deren Verhalten meint. Dieser Realitätsbegriff ist zwar akzeptabel, allerdings ist es nicht nachvollziehbar, warum alles Leid aus dem 'Widerspruch eines Gedanken mit der Realität' entspringen soll. Wenn ein Kind von seinem Vater geschlagen wird, dann ist der prügelnde Vater die Ursache des Leids, d.h. die Ursache liegt in der Wirklichkeit. Insofern ist Katie bei dieser Ausgangsthese zu widersprechen, da unser Leiden meistens eine Ursache in der Realität bzw. in dem Verhalten anderer Menschen hat.
Dass wir die Realität nicht ändern können, ist ebenso eine unhaltbare Behauptung. Die Unhaltbarkeit der These liegt darin begründet, dass Katie hier wiederum verschiedene Dinge unter dem Begriff Realität subsumiert, ohne zu differenzieren. Zwar ist es richtig, dass man die allgemeinsten physikalischen Lebensbedingungen (Vgl. Katies Wind-Beispiel S. 33) nicht ändern kann, aber um diese Faktoren geht es überhaupt nicht. Die eigenen Lebensumstände kann man ändern: Ich kann in eine andere Wohnung/Stadt ziehen, eine andere Arbeit suchen, mich von meinem Partner trennen, ein neues Hobby suchen, usw.
Andere Menschen bzw. ihr Verhalten kann man ebenfalls ändern, indem man sie z.B. auf ihr Verhalten anspricht, mit ihnen Konflikte diskutiert, mit ihnen Einsichten erarbeitet, neue Perspektiven sucht, ihnen beisteht oder hilft, usw. Natürlich ist es nicht einfach und es klappt nicht immer, aber prinzipiell kann man das Verhalten von Menschen ändern. Insofern ist auch diese Ausgangsthese falsch.
Dieser völlig verkorkste „Theorieansatz“ lautet zusammengefasst also: Die Realität ist unveränderlich, aber unser Leiden entspringt auch nicht aus der Realität, sondern nur unseren 'unwahren Gedanken' über die Realität – egal ob wir belogen, betrogen, geschlagen oder missbraucht worden sind, Katie behauptet felsenfest, sie „habe nie ein belastendes Gefühl erlebt, das nicht durch das Festhalten an einem unwahren Gedanken verursacht gewesen wäre.“(S.40).
Mit diesem falschen Ansatz stellt Katie geschickt die Weichen für die vermeintliche Lösung aller Konflikte: Wenn man die Realität nicht ändern kann, dann bleibt natürlich als einziger Ausweg sich selbst bzw. die eigenen Gedanken zu ändern.
Die Erkenntnis und Änderung der eigenen Gedanken soll über vier Fragen und eine anschließende 'Umkehrung' geschehen. In dieser Prozedur besteht nach Katie der Kern von The Work.
Bei der nun folgenden Kritik der vier Fragen wird hier Katies eigenes Beispiel, das im Buch und auf ihrer Homepage zu finden ist, aufgegriffen, damit der Leser es gut verfolgen und nachlesen kann.
Der Hilfesuchende wird zu Beginn aufgefordert, etwas aufzuschreiben, was ihn in seinem Leben stört, ihn unglücklich macht bzw. was an dem Verhalten anderer ihn unglücklich macht („Beurteile deinen Nächsten“). Katie nennt hier als Beispiel den Satz „Paul hört mir nicht zu“(Vgl. S.54f., Paul ist Katies Ehemann).
Die erste Frage ist zunächst harmlos und lautet: Ist das wahr? und dient offensichtlich der Vergewisserung des Sachverhaltes. Da es sich ja um etwas handelt, das den Hilfesuchenden belastet, kommt als Antwort quasi immer ein „Ja.“
Der rhetorische Taschenspielertrick beginnt mit der zweiten Frage, die lautet: Kann ich absolut sicher wissen, dass das wahr ist? Diese Frage ist eine hinterlistige Falle, da sie der Verunsicherung des Hilfesuchenden dient. Die Frage ist hinterlistig und illegitim, da der Mensch nichts mit absoluter Sicherheit wissen kann. Unser Wissen hat immer nur einen bestimmten Grad von Gewissheit. Wie die Wissenschaftsgeschichte zeigt, können sich sogar die am besten belegten wissenschaftlichen Theorien eines Tages als falsch oder ungenau erweisen.
Dass man aber nichts mit absoluter Sicherheit wissen kann, heißt nicht automatisch, dass man gar nichts wissen kann und schon gar nicht, dass der Satz „Paul hört mir nicht zu“ falsch ist. Je mehr man nun aber, angeregt durch die zweite Frage, über Pauls Verhalten nachdenkt, desto unsicherer wird man. Daher ist es klar, dass diese Frage so gut wie immer mit „Nein“ beantwortet wird, sodass es Katie gelingt, die Hilfesuchenden zu verunsichern und man zur nächsten Frage übergeleitet wird.
Die Sinnlosigkeit der zweiten Frage entlarvt Katie interessanterweise selbst, indem sie erklärt: „Wenn Ihre Antwort auf die zweite Frage „Ja“ lautet, können Sie einfach zur nächsten Frage weitergehen.“(S.59). Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Es ist also völlig egal, wie man die zweite Frage beantwortet, man soll so oder so mit der dritten Frage weitermachen!

Bei der dritten Frage wird nun eine fatale Verschiebung von Pauls Verhalten (Paul hört mir nicht zu) zu dem bloßen Gedanken daran vollzogen, wodurch Ursache und Wirkung hinterlistig vertauscht werden. Die Frage lautet: Wie reagiere ich auf diesen Gedanken? Es geht jetzt also nicht mehr um Pauls Verhalten, sondern um den bloßen Gedanken, der angeblich das Leid hervorrufe. Dagegen muss eingewendet werden, dass der Gedanke „Paul hört mir nicht zu“ doch gerade eine Wirkung von Pauls Verhalten ist! Pauls Nicht-Zuhören ist die Ursache des Gedankens „Paul hört mir nicht zu“, und nicht umgekehrt. Daher ist diese Verschiebung so fatal und folgenschwer, da ab jetzt die reale Ursache des Leidens (Pauls Nicht-Zuhören) nicht weiter thematisiert wird und die ganze Ursachenforschung allein auf die Gedanken des Hilfesuchenden verlegt wird. Dadurch kann die reale Ursache des Leidens nie gefunden werden – dem Hilfesuchenden wird nicht geholfen.

Die vierte Frage führt den Taschenspielertrick fort, indem gefragt wird: Wer wärst du ohne diesen Gedanken? Man beachte, es wird nicht gefragt, wer wärst du, wenn Paul sich anders verhielte und dir zuhören würde, sondern es bleibt bei der Verschiebung auf den bloßen Gedanken. Dass die meisten Hilfesuchenden nun mit großer Freude so etwas äußern wie „Oh, ich wäre viel glücklicher“ oder „Mein Leben mit Paul wäre schöner“ liegt auf der Hand, da es sich bei dieser Frage wiederum um einen listigen Trick handelt, denn einfach übersetzt lautet die Frage bloß: Wer wärst du, wenn du nicht leiden würdest? Insofern ist die Antwort auch hier klar und durch die Art der Frage schon festgelegt. Die Freude und Erleichterung, die der Hilfesuchende nach der vierten Frage empfindet, ist daher eine völlig triviale Einsicht und nicht das Ergebnis einer tiefen Selbsterkenntnis.

Mit diesen Fragen und der Verschiebung auf seine Gedanken wird der Hilfesuchende also um die Erkenntnis der wahren Ursache seines Leidens betrogen und am Ende mit einer absoluten Banalität beglückt: Dass es ihm besser ginge, wenn er nicht leiden würde. Diese vier Fragen sind insofern ein gefährliches Blendwerk, das eine Ursachenforschung nur vorgaukelt und den Hilfesuchenden auf einen Weg führt, der ihm nicht helfen wird.
Der Gipfel der Scharlatanerie kommt aber erst noch. Nach den vier Fragen soll nämlich die sogenannte „Umkehrung“ durchgeführt werden. Hierbei handelt es sich um eine eine mehrfache Verdrehung des Ausgangssatzes „Paul hört mir nicht zu“, z.B. zu dem Satz „Ich höre Paul nicht zu.“ Die Überprüfung des Satzes soll laut Katie „in Verbindung mit der Umkehrung sehr schnell zur Selbsterkenntnis“(S.136) führen. Der Hilfesuchende wird nun allen Ernstes aufgefordert, den Wahrheitsgehalt des umgedrehten Satzes („Ich höre Paul nicht zu“) zu untersuchen: „Überlegen Sie, ob der umgekehrte Satz genauso wahr oder wahrer klingt als Ihre ursprüngliche Aussage.“(S.61). Mit dem Hinweis 'wahrer als die ursprüngliche Aussage' wird die Richtung jetzt vorgegeben – es gibt eine andere, wahrere Wahrheit! Da jeder Mensch irgendwo, irgendwann einmal einem anderen nicht richtig zugehört hat, räumt der verunsicherte Hilfesuchende vielleicht ein, dass es mal geschehen sein könnte, dass er Paul nicht zugehört hat. Durch diese weitere Verunsicherung beginnt die Gehirnwäsche, der Glaube an das Gegenteil wird dem Hilfesuchenden jetzt untergeschoben, er beginnt zu glauben, er höre Paul nicht zu und er selbst sei dadurch die Ursache seines Leidens, und nicht Pauls Verhalten. Erstaunlicherweise wird diese Gehirnwäsche gar nicht verschleiert, sondern ganz offen als „Umkehrung“ bezeichnet. Ergebnis: Ob Paul zuhört, jemals zugehört hat oder nicht, ist nicht mehr relevant, wenn der Hilfesuchende jetzt glaubt, er höre Paul nicht zu.
Mann könnte jetzt einwenden, dass menschliche Konflikte häufig komplex sind und das eigene Verhalten immer auch einen Anteil an den Konflikten haben kann usw. Das ist richtig, aber in The Work wird ja – da man angeblich andere Menschen nicht ändern kann (s.o.) - das Fehlverhalten und die Schuld einseitig dem Hilfesuchenden angelastet.
Ein anderes Beispiel, welches Katie in ihrem Buch gibt, zeigt sehr gut, wie pervers und hinterhältig diese Gehirnwäsche durchgeführt wird. Katie gibt dort den Dialog wieder, den sie mit einer Frau namens Diane geführt hat (Vgl. S.303f.). Diane wurde als achtjähriges Mädchen von ihrem Stiefvater jahrelang sexuell missbraucht. Bei diesem Dialog fällt einem wirklich die Kinnlade herunter, wenn man verfolgt, wie Katie durch ihre Fragen und die Umkehrung Diane so schamlos manipuliert, dass Diane am Ende glaubt, sie selbst sei an dem Missbrauch Schuld gewesen, weil sie sich nicht dagegen gewehrt habe und auch niemandem um Hilfe gebeten habe. Die Angst und Hilflosigkeit des achtjährigen Mädchens wird als aktive Mittäterschaft dargestellt:

Diane: Es war mein Geburtstag, und ich wollte einfach nur geliebt werden.
Katie: Ja, mein Schatz, Was tun wir nicht alles, um geliebt zu werden... […] Was ist geschehen? Was hast du gedacht? Er hat dich an sich gezogen. Was war dein Anteil dabei?
Diane: Ich habe es einfach geschehen lassen. (S.311)

Man muss sich ganz klar verdeutlichen, was Katie hier macht: Sie schiebt Diane den Gedanken unter, dass sie durch ihre kindliche Sehnsucht nach Liebe den sexuellen Missbrauch selbst gewollt habe! Am Ende des ungeheuerlichen Dialoges ist Diane 'umgedreht' und gesteht ein, dass der sexuelle Missbrauch durch ihren Stiefvater ihre eigene Schuld war:

Diane: Ich brauche es, dass ich meiner Familie sage, dass ich etwas falsch gemacht habe.
Katie: Wie schön das ist.
Diane: Ich hätte den Missbrauch früher beenden können, wenn ich darüber geredet hätte. Ich habe etwas falsch gemacht. (S.321)

Es fehlen einem die Worte. An dieser Stelle müsste die perfide Gehirnwäschetechnik, die in The Work durchgeführt wird, für jeden deutlich erkennbar sein: Durch die „Umkehrung“ des Satzes werden die Wahrheit und der Sachverhalt verdreht, Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt, Täter und Opfer vertauscht. Man fühlt sich direkt an die Parolen aus Orwells „1984“ erinnert: „Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke“, die das Bewusstsein der Menschen vernebeln und sie zu gegenteiligen Überzeugungen bringen sollen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich bei The Work um eine ganz hinterhältige Form der Pseudotherapie handelt, die Menschen absichtlich verblendet und sie daran hindert, die wirklichen Ursachen ihres Leidens zu erkennen. Wer die Methode The Work gutheißt oder verteidigt ist der Meinung, dass ein achtjähriges Mädchen selbst an sexuellem Missbrauch Schuld ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 13, 2015 5:12 PM MEST


Ich hab' die ganze Nacht von mir geträumt
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Preis: EUR 2,89

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der neue Messias !!, 24. Februar 2013
Christian Steiffen ist der neue Messias! Er bringt Licht in die Dunkelheit! Wir haben Christian letzte Woche live gesehen: es war eine groÃYartige Show und Party!! Wirklich, meiner Meinung nach liefert Christian eine perfekte, liebevolle Parodie auf die Schlagerwelt, man sehe sich einfach mal seine Videos auf Youtube an, groÃYartig bis ins kleinste Detail! Seine Lieder und Texte machen nicht nur Spass, sondern sind intelligent und ironisch, voller Leidenschaft, Welt- und Liebesschmerz! Insofern handelt es sich m.M. nach nicht um "Blödelsongs". Alleine der Text von "Ich habe die ganze Nacht von mir geträumt": es ist eine so einfache, aber geniale Idee, in einem Schlagertext "dich/dir" durch "mich/mir" zu ersetzen! Der Effekt ist gewaltig: Wer kann denn solchen tiefen Weisheiten wie "ohne mich hat mein Leben keinen Sinn" widersprechen?
Hört und seht Christian Steiffen, und lasset euch bekehren!
Christian, danke, dass es dich gibt!


Tschick
Tschick
von Wolfgang Herrndorf
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nette Geschichte, aber nicht mehr., 15. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
So, jetzt habe ich gerade eben Tschick zuende gelesen und bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Sagen wir es mal so: Es ist kein schlechtes Werk und wer eine amüsante Jugendgeschichte in überzeugender Jugendsprache lesen möchte, der sollte Tschick lesen. Allerdings fehlt dem Roman leider sehr viel, um wirklich interessant zu sein: Kaum Reflexionen über das Erwachsenwerden, kaum Gedanken über die Eltern, kaum über die Liebe oder Freundschaft - solche Aspekte werden zwar erwähnt, aber nicht wirklich thematisiert. Alles, was einem Jugendroman einen gedanklichen Tiefgang gegeben hätte, findet man leider nicht in Tschick. Ebenso hätte es sich doch angeboten, Reflexionen über (die) Menschen, denen die beiden auf ihrer Tour durch die deutsche Provinz begegnen, anzustellen, um so z.B. ein kritisch-amüsantes "Deutschlandpanorama" zu entwerfen. Aber auch das fehlt bzw. ist es nur ansatzweise vorhanden. So begegnen sie einmal einem Mann, der (offensichtlich) in einem verlassenen Dorf lebt und zunächst auf die Jungs schießt, aber man erfährt überhaupt nicht, warum der Mann dort lebt und warum er auf die Jungs schießt. Unbefriedigend.
Insofern fing ich mich schon nach hundert Seiten an zu langweilen, weil sich die ganze Zeit eigentlich nur verschiedene Episoden und "Abenteuer" aneinanderreihen, die ziemlich belanglos sind.


Faserland: Roman
Faserland: Roman
von Christian Kracht
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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ..auf der Suche nach dem Ich im Fatherland... großartig, herausragend !, 12. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Faserland: Roman (Taschenbuch)
Faserland ist ein Werk, bei dem man zwischen den Zeilen lesen und auf die leisen Töne achten muss, um es in seiner Vielschichtigkeit angemessen zu verstehen. Im ersten Moment ist jeder sicherlich irritiert von diesem namenlosen Ich-Erzähler, der arrogant und selbstgefällig durch Deutschland reist, säuft und raucht von Party zu Party; eine Welt, die nur aus Markenartikeln besteht. Wer das Werk nur auf dieser Ebene versteht, dem entgeht, dass in Faserland gerade die Flucht aus diesem snobistischen Milieu, in dem es keine echten Freundschaften gibt und die Menschen innerlich leer und einsam sind, dargestellt wird. Daher verbrennt der Ich-Erzähler ja auch die symbolträchtige Barbourjacke auf dem Frankfurter Flughafen. Ebenso im Gespräch mit seinem Freund Rollo, der kurz darauf mit Drogen vollgepumpt in einem See ertrinkt, ist dem Ich-Erzähler völlig klar, was echte Freundschaft wäre und er weiß, dass er selbst nicht fähig ist, ein solcher Freund zu sein. Insofern entpuppt sich die Reise des ich-Erzählers als Suche nach sich selbst und als Kritik an einem bestimmten Lebensstil; letztlich als Flucht.
Bei dieser Reise beschreibt der Ich-Erzähler wunderbar ironisch-sarkastisch Deutschland und seine Menschen: eine ehrliche und schön politisch unkorrekte Kritik: Faserland - Fatherland - Vaterland. Jedesmal, wenn ich mit einem ICE fahre, muss ich z.B. an die Textstelle denken, in der der Ich-Erzähler sich über den Ausdruck "Bordtreff" aufregt und sich überlegt, welche Designer mit bunten Brillen und Armani-Sakkos sich den blöden Begriff ausgedacht, dafür Millionen kassiert haben und jetzt Rotwein in der Toskana trinken!

Insofern halte ich Faserland wirklich für ein großartiges, vielschichtiges Werk und ich kann alle nur bitten, auch zwischen den Zeilen zu lesen und das Buch nicht voreilig wegzulegen!


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