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Rezensionen verfasst von
Ossiwan "ossiwan"

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Zonenkinder
Zonenkinder
von Jana Hensel
  Gebundene Ausgabe

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DDR - Jugend, 22. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Zonenkinder (Gebundene Ausgabe)
Der Nostalgieboom bezüglich der DDR ist zwar bereits wieder abgeklungen, das Buch, das ein wenig Anteil an diesem Boom jedoch hat, ist weiterhin zu lesen. In diesem „Wir" - Roman schildert Jana Hensel ihre Jugend in der DDR. Was Ilies bereits mit der „Generation Golf" oder in Österreich mit „Wickie, Slime & Paiper" tituliert wurde, bekommt jetzt für die DDR den Begriff der „Zonenkinder", jene Generation, die beim Fall der Mauer um einen Deut zu jung war um begreifen zu können, was eigentlich passierte.
Für sie ist es bloß eine völlige Umstellung des Lebens, eine plötzliche Identitätslosigkeit, eine fehlende Definierung gegenüber andere. In vielen Beispielen versucht Hensel zu zeigen, wie sich der Bürger der ehemaligen DDR plötzlich hilflos als „Deutscher" definieren muss, der er nicht ist. Obwohl sie versucht das Buch zu strukturieren und auf verschiedenen Themenbreichen aufzubauen, kommt sie doch immer wieder auf das Gleiche zurück, dass alles plötzlich anders war.
Für Leute, die mit der DDR wenig am Hut hatten, ist es ein interessantes Stück Zeitgeschichte, von einer Naivität der Autorin geprägt, die auch das gesamte Gefüge des Staates naiv erscheinen lassen. Die Welt des „Friede, Freude, Eierkuchen" ist vorbei, nun ist man endgültig im guten Westen angelangt, der früher böse war und so manche Versprechungen nicht halten kann. In einer Passage erklärt die Autorin, dass sie sich bei einem Aufenthalt in Marseille am besten mit den Österreichern verstand. Vielleicht ist deshalb auch für einen österreichischen Leser, der Inhalt des Buches nicht so fremd wie für einen deutschen, da man Gemeinsamkeiten findet, die ob der völlig konträren Geschichte der beiden Staaten eigentlich nicht sein sollten. Aber...


Das Land ohne Eigenschaften
Das Land ohne Eigenschaften
von Robert Menasse
  Taschenbuch

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Österreich anders, 18. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Land ohne Eigenschaften (Taschenbuch)
In diesem weiteren Essay über Österreich beleuchtet Menasse kritisch die Grundpfeiler des österreichischen Staates, die Verfassung, die Neutralität, das Wappen, die Hymne. Er kommt auf viele Ungereimtheiten und Abstrusitäten, die ein interessantes Bild der österreichischen Seele nach 1945 widerspiegeln. Dass, zum Beispiel die Wappenfarben von Deutschland sich im österreichischen Wappentier wiederfinden, dass die erste Schillingmünze den Tod als Emblem hatte oder die Hymne von einem ehemaligen Nationalsozialisten komponiert wurde, sind Skurrilitäten, bei denen einem Fassungslosigkeit im Gesicht steht. Menasse beschreibt diese und andere Tatsachen in einem nüchtern-lockeren Stil, der keine Anprangerungen enthält, sondern lediglich die Inkompetenz, Fahrlässigkeit und den Dilettantismus der österreichischen Politiker einst und jetzt aufzeigt.


Sinnliche Gewißheit: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Sinnliche Gewißheit: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Robert Menasse
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Phänomenologie der Entgeisterung, 18. Juli 2005
Robert Gilanian ist Lektor an der Universität in Sao Paolo. Der gebürtige Wiener fristet eine unspektakulären Job und füllt sein Leben mit Besuchen in der „Bar jeder Hoffnung", verschiedenen Frauenbekanntschaften du der Suche nach dem Sinn hinter dem allen. Sein Leben in Brasilien ist eine einzige Aneinaderreihung von Frauen, mit denen er ins Bett möchte oder geht und wie er diese Beziehungen aufrechterhält oder wieder fallen lässt oder selbst fallen gelassen wird. Dabei geht es ihm nicht um den Akt an sich, da er bei jeder neuen Bekanntschaft zu sehen versucht, was hinter dieser Frau steckt, wie sie den anderen gegenüber anders ist. In der „Bar jeder Hoffnung" relativiert er dann seine Erfahrungen mit Gesprächen der dort verkehrenden Exil-Österreicher und kommt so letztlich nie zu einem Schluss. Gilanian ist ein ewig Suchender, aber nicht im Sinne des Geistes, sondern des Lebens an sich.
Menasse schließt mit diesem Roman an „Selige Zeiten, Brüchige Welt" an. Wer diesen Roman bereits gelesen hat, erkennt viele Figuren wieder, erkennt auch die verschiedenen Ansichten, die sie haben und wie sie in den Anschauungen wechseln. Damit ist er leider nicht so unterhaltsam wie „Selige Zeiten, brüchige Welt", sondern schwerere Kost, die manchmal auch zu Längen neigt. Menasse verfolgt weiter seine „Phänomenalisierung der Entgeisterung", was aber bei Nichtkundigen zeitweise dann etwas mühsam wird.


Selige Zeiten, brüchige Welt: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Selige Zeiten, brüchige Welt: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Robert Menasse
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hegel im Romanstil, 18. Juli 2005
Leo Singer ist der ewige Philosophiestudent, wie er im Buche steht. Das eigentliche Leben im Wien der 60er - Jahre zieht an ihm vorbei, er ist voll und ganz der „Phänomenologie des Geistes" von Hegel ergeben. Mit seiner Familie steht er auf Kriegsfuß, bezeichnet sie als Spießer, glaubt von sich selbst, sich älter geben zu müssen als er ist und versucht in zahlreichen Anwandlungen ein „Werk" nach dem anderen der Menschheit zu hinterlassen. Als er Judith Katz kennen lernt kommt jedoch sein vergeistigtes Leben in Unruhe. Er verliebt sich in sie, ohne es sich einzugestehen, ihm wird bewusst wie weltfremd er ist und zwischen Liebespaar, alte Freundin, Muße und Fastehefrau nimmt Judith jeden nur erdenklichen Platz an seiner Seit ein.
Dann jedoch muss Leo nach dem Tod seines Vaters nach Brasilien um sich um die dortigen Liegenschaften zu kümmern. Dank verschiedener Protegés gelingt es ihm ein Leben nach seinen Anforderungen zu führen, er schreibt besessen an seinem Werk über Hegel, bis ihn der übermittelte Selbstmord von Judith ein weiteres mal aus der Bahn wirft. Doch als er glaubt auch diesen Schicksalsschlag verdaut zu haben, steht Jahre später plötzlich Judith vor der Tür.
Menasse schreibt einen bunten Roman über eine gescheiterte Existenz, der es eigentlich an nichts fehlt, die jedoch mit der Gesellschaft an sich nichts anfangen kann. Leo Singer ist ein ewiger Außenseiter, der in seiner Welt lebt und nicht akzeptieren will, dass es etwas anderes gibt. Er verzweifelt an der Gesellschaft seiner Zeit und ist völlig lebensunfähig, steigert sich in Nichtigkeiten und vernachlässigt das, was er eigentlich tun müsste. Nur dank seiner Herkunft und seiner Freunde ist seine Existenz gesichert. Judith Katz hingegen ist der Fremdkörper in seinem Leben, zeigt seine Fehler, seine Uneigenständigkeit auf. Menasse macht diese mit Hilfe von Hegel und „Tristram Shandy", die er zusammenstoßen lässt und durch Singer und Katz symbolisch in Personen verpackt hat. Allerdings ist der Roman auch gut lesbar, wenn man sich bei diesen Werken nicht auskennt, für Leute, die sich dafür interessieren, birgt er natürlich noch eine weitere Ebene. Menasse aber setzt das nicht voraus, was es zu einem sympathischen und gut lesbaren Buch macht.


Der Gebrauch des Menschen: Roman
Der Gebrauch des Menschen: Roman
von Aleksandar Tisma
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,50

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefgehendes Werk, 17. Juli 2005
Eine Handvoll Familien in Novi Sad werden vom zweiten Weltkrieg aus den Gefügen ihrer Welt geworfen und finden sich in der danach neu entstandenen nicht mehr zurecht. Während die einen in der Brutalität des Krieges ausgelöscht werden, müssen die anderen sich damit zurecht finden überlebt zu haben und nun keine Zukunft mehr zu sehen. Die Hauptfiguren, Vera, die Tochter eines jüdischen Kaufmannes und Sredoje, halbstarker Sohn eines nationalistischen Serben, finden über dem Tagebuch ihrer alten Lehrerin wieder zusammen. Beide sind gezeichnet von den Erfahrungen, Vera überlebte das Konzentrationslager, in dem sie als „Lagerhure" misshandelt wurde, nur mit Glück, während Sredoje sich irgendwie durch den Krieg wurstelt ohne in Kampfhandlungen verwickelt zu werden. Stattdessen versucht er diese für einen richtigen Mann bedeutende Langeweile mit einer Ansammlung von Geliebten und der Auslebung seiner privaten Machtallüren wieder Herr zu werden.
Die anderen Figuren gehen im Krieg unter, fallen im Kampf, sterben in den KZ's oder bleiben schwer verwundet in den Händen des Feindes. Doch scheinen sie, verglichen mit den Überlebenden, das bessere Los gezogen zu haben. Den Vera und Sredoje sind seelisch so verkrüppelt, dass sie kein normales Leben mehr führen können. Erst durch die naiven Kommentare zur Liebe, die sie in dem Tagebuch ihrer Lehrerin finden, wird ihnen bewusst, dass sie nicht mehr fähig sind Gefühle zu empfangen oder zu geben und ihnen das Leben fortan nur mehr Qual bereiten wird.
Was wie starker Tobak klingt, wird von Tišma in unnachahmlicher in einen Roman verpackt, der einen nicht mehr los lässt. Tišma vermeidet es gekonnt sich nicht auf philosophische, religiöse oder ethnische Fragen einzulassen, er kokketiert spielerisch mit dem Verbotenen und beschreibt grauenhaftes wie ein Abenteuer. Seine Figuren sind leicht gezeichnet und voller Sympathie und ihrer Schwere wird sich während des Lesens nur langsam bewusst. Allerdings verfällt er auch nicht darin, alles mit Naivität zu tarnen, sondern ist seinen Figuren sehr wohl schuldig, dass sie immer wissen was mit ihnen passiert. Eine seltene Symbiose zwischen Erzähler und Figur wird hier eingegangen, als spielte ein es gut meinender Vater mit seinen Söhnen, von welchen er weiß, dass er sie früher oder später ins Verderben schicken muss. Einmaliges Leseerlebnis!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 10, 2009 10:37 AM CET


Irrgarten des Todes: Roman
Irrgarten des Todes: Roman
von Philip K. Dick
  Taschenbuch

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Düsteres Werk, 17. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Irrgarten des Todes: Roman (Taschenbuch)
12 Menschen verschiedener Herkunft, verschiedener Berufe und verschiedenens Geschlecht treffen auf einem einsamen Planeten aufeinander, den sie erforschen sollen. Sie alle haben sich freiwillig dafür entschieden, um aus dem Trott ihres alten Jobs herauszukommen und neuen Verantwortungen gestellt zu sein. Doch geht es auf diesem Planeten nicht mit rechten Dingen zu, ein riesiges Gebäude verschwindet und taucht an neuen Orten wieder auf, Insekten sind mit Kameras versehen, Landschaften Hologramme. Außerdem weiß nimeand von den 12, was sie eigentlich hier machen sollen und bald ist auch der letzte Funkkontakt zusammengebrochen und sie sind völlig von der Außenwelt abgeschnitten. In dieser Situation versuchen sie sich selbst zu organisieren, aber bald geschieht der erste Mord und das Misstrauen den anderen gegenüber wächst stündlich...
Neben Kant wird Dick hier auch maßgeblich von Freud beeinflusst und schildert eine drastische Gruppendynamik. Seine Charaktere werden gezwungen miteinander auszukommen und bemühen sich darum auch redlich, doch ist ihnen nur fragwürdiger Erfolg beschieden. Auch die Stütze eines Gottes mit dem man direkten Kontakt aufnehmen kann, nützt ihnen letztlich ur wenig und sie begreifen immer mehr, dass sie ihr eigener Feind sind und nicht die Umgebung.
Ein sehr düsterer und tiefer Roman, der die Schwäche und Abhängigkeit des Menschen aufzeigt. Wahrscheinlich auch der Roman von Dick in dem er die meisten Grundfragen unseres Daseins in komprimiertster Form abzuhandeln versuchte, unterstützt vom massiven gebrauch diverser Drogen. Somit entstand ein visionäres Buch mit einer unabdingbaren Aussichtslosigkeit.


Zeit aus den Fugen. Roman
Zeit aus den Fugen. Roman
von Philip K. Dick
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trau schau wem, 17. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Zeit aus den Fugen. Roman (Taschenbuch)
Ragle Gumm verbringt seine Zeit damit zu erraten, in welchem Kästchen, bei einer Auswahl von mehreren Hunderten sich ein grünes Männchen am nächsten Tag zeigen wird. Diese doch sehr seltsame Beschäftigung wird von einer Tageszeitung vorgegeben und ist ein Gewinnspile, in dem Ragle Gumm der ungekrönte Meister ist und das schon seit Jahren. Er bekommt für sein richtiges Erraten von der Zeitung immer wieder einen gewissen Geldbetrag, so dass er ein situiertes Leben im Haus seiner Schwester führen kann. Doch wird das Erraten des Kästchens immer mehr zu einer ausgefeilten Strategie, Gumm bedient sich Tabellen, Statistiken und Berechnungen um dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Bis er irgendwann merkt, dass es auch eine Welt außerhalb von seinem Haus gibt mit Menschen, die er kaum kennt. Zusammen mit seinem Schwager fallen ihm in dieser Welt dann vermehrt Merkwürdigkeiten auf, Sachen die verschwinden, Telephonbücher aus unbekannten Zeiten oder Zeitschriften, die er zufällig findet mit unbekannten Stars. Als er sich dann entschließt die Stadt zu verlassen, wird ihm das eigentliche Rätsel offenbar.
Dick legt einen hervorragenden Roman vor in dem er ein Wechselspiel zwischen Realität und Schein, Gedankenspiel und Taten betreibt. In der Welt von Gumm ist nichts das, was es vorgibt zu sein und Gumm selbst kann das auch nicht beeinflussen. Obwohl er sich wohlfühlt, bohrt in ihm etwas, das er aus einer anderen Zeit kennt und solange er diese Gefühl im Hinterkopf hat, kann er in seiner Welt, die ihm das eigentlich das perfekte Leben bietet, nicht glücklich sein.
Doch auch andere Personen empfinden diesen Frieden als unheimlich und trauen ihm nicht und dank dieser Bestätigung von anderer Seite kann Gumm den Mut aufnehmen um das Geheimnis zu ergründen.
Ein locker geschriebener Roman, in dem sich Dick nahe an die Metaphysik heranwagt und ganz gezielt auf die Vorgaukelung von Tatsachen abzielt, wie sie einen jeden in seiner kleinen Welt treffen können.


Starfish Rules
Starfish Rules
von Tobias O Meissner
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Geschichte, gewöhnungsbedürftiges Äußeres, 17. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Starfish Rules (Gebundene Ausgabe)
Tondorf, ein deutscher Student wird wie Indiana Jones in die USA geschickt, um dort den Schlauch des Äolus abzuliefern. Das ganze spielt in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und die USA gleichen einer Mischung aus „Blade Runner", „Sin City" und „Pulp Ficiton". Kopfjäger sind hintereinander her, unterdrückte Schwarze proben den Aufstand, Mafiabosse kontrollieren ganze Städte und über dem allen stehen ein paar Geschäftsmänner die a la „Pinkie and the brain" die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Neben vielen Parallelhandlungen und Nebenfiguren, verfolgt man aber die Odyssee Tondorfs durch das Land, bis er sich in den ganzen Verstrickungen, in die er gerät zurechtgefunden hat und den Klimax ansteuert.
Meißner legt einen apokalyptischen Roman hin, dessen größte Herausforderung der durchgehende Wechsel von Schriftarten ist. Kein Kapitel hat die Schriftart des vorhergehenden, es ist ein ständiger Wechsel von Anschauungen, sprechenden Stimmen, inneren Monologen, Zeitungsberichten, Romanausschnitten. Meißner nimmt dabei auch keine Rücksicht auf die Lesbarkeit des Textes, sodass man sich bei manchen Schriftarten, die verkrümmt und bis zum Rand der Seite gehend ein gehöriges Maß an Konzentration vornehmen muss. Auch gibt es keine gewohnten Inhaltsangaben, Absätze oder Zeilenvorschriften, die Geschichte beginnt an der Rückseite des vorderen Buchdeckels und endet an der des hitneren.
Die Geschichte selbst lebt von ihrer eigenen Mystifizierung, Meißner bedient sich einer Unzahl von Legenden, wenn auch neueren Datums. Er schafft eine anarchische Welt , in der der Mensch ein Wolf unter Wölfen ist und es kein Gesetz gibt. Männer und nur wenige Frauen setzen ihre Dinge und Gedanken durch, notfalls auch mit gröbster Gewalt.
Ein ambitioniertes Buch, jedoch nur schwer zu lesen und dass vor allem, wegen der unkonventionellen Machart.


Ein Held unserer Zeit: Roman (insel taschenbuch)
Ein Held unserer Zeit: Roman (insel taschenbuch)
von Michail Lermontow
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gesellschaft einst und jetzt, 14. Juli 2005
Offizier Petschorin, die Hauptfigur des Romans, wird vom Erzähler in mehreren Fassonen dargestellt. Einmal in der Erzählung des Maxim Maximytsch, einem ehemaligen Gefährten Petschorins, dann bei einer direkten Begegnung des Erzählers mit Petschorin selbst und schließlich mittels seiner Tagebücher, die der Autor nach dem Tode Petschorins in diesem Buch auszugsweise veröffentlicht.
Wer aber ist nun dieser Petschorin? Der Leser wird es am Ende immer noch nicht wissen, den viel erfährt man nicht über ihn, außer, dass er nach außen hin ein kaltblütiger, lethargischer Mensch ist, der sich nicht um die Meinungen der anderen kümmert und nur seinen eigenen Vorteil verfolgt, im Innersten aber zerrissen ist, nicht mehr fähig sich wahre Regungen und Gefühle einzugestehen.
Lermontow ist in seinem einzigen Roman ein Charakterbild gelungen, das Allgemeingültigkeit hatte, hat und haben wird. Ein Mann in seiner Einsamkeit gefangen, weil er sich nicht mit den gesellschaftlichen Konventionen abfinden kann, die von ihm verlangt werden. Zwar erfüllt er diese und ist dank seiner Abstammung und seiner finanziellen Lage wegen auch ein gern gesehener Gast bei allen Veranstaltungen, doch, zermürbt ihn diese Maskerade bis ins Tiefste und zerbricht ihn schließlich auch.
Petschorin ist ein tragischer Held, der sich in allen seinen Äußerungen und Erscheinungen ganz der Welt, in der er lebt angepasst hat, die er aber hasst und verdammt. Da er, zeigte er seine wahren Gefühle und Stimmungen, verlacht und ausgestoßen würde, trägt er eine dauernde Maske um nicht sein wahres Ich zu zeigen.
Doch verschwindet er hinter dieser Maske mehr und mehr, je mehr sie von den anderen akzeptiert, ja geachtet wird. Somit wird er zum ewig Suchenden, der in der Welt nicht mehr glücklich werden kann und nur mehr versucht, wie auch immer Frieden zu finden.


Butterfly Blues: Ein Theaterstück
Butterfly Blues: Ein Theaterstück
von Henning Mankell
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Platt, 14. Juli 2005
Zwei Frauen in einem Schlepperschiff auf dem Weg nach Europa. Erniedrigung, Misshandlung, Fatalismus ziehen sich durch das ganze Stück, verbunden mit Klischees und Plattheiten.
Entweder man mag Mankell oder nicht. Butterfly Blues ist jedoch ganz ersichtlich ein Auftragswerk, gedacht für ein Publikum, dem man nicht allzu viel zutrauen darf. Jeden Regisseur, der nicht Mankell heißt, muss die Aufteilung der Personen, der nicht ersichtliche Szenenwechsel und die Lethargie auf der Bühne in den Wahnsinn treiben.
Dünnes Drama, schnell gelesen, schnell vergessen.


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