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Ossiwan "ossiwan"

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Harlekins Millionen: Ein Märchen (suhrkamp taschenbuch);
Harlekins Millionen: Ein Märchen (suhrkamp taschenbuch);
von Bohumil Hrabal
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ist das Leben?, 12. November 2005
„Harlekins Millionen“ ist ein Musikstück, das als Dauerberieselung in einem Altersheim irgendwo in Tschechien Tag für Tag gespielt wird. Die Erzählerin, Hrablas Mutter, wandelt durch eben dieses Altersheim als eine der Rentner und entdeckt jedes Mal Neues als der Gegenwart und der Vergangenheit. Drei alte Männer stehen ihr zur Seite, die ihr von den alten Zeiten des kleinen tschechischen Dorfes erzählen, in dem ihr Mann vor dem Kommunismus Brauereiverwalter war. Sie lässt in diesen Reflektionen die Geschichte passieren, erzählt über die Familiegeschichte des Landes und der Bevölkerung.
Hrabal verbindet in seinem „Märchen“ viele Ebenen, die des Jungseins und des Alterns bis hin zum Sterben. Seine Vergleiche einer alternden Frau mit den ewig jungen Statuen im Park des Heimes, wie auch die Stärke seiner Charaktere, die sich von nichts, was um sie herum passiert ändern lassen, sind unerreicht und machen das Buch zu einer spannenden und zum Nachdenken anregenden Lektüre. Den Mittelpunkt steht immer die Fragen: Was ist das Leben? Was ist die Liebe?, dies jedoch so unaufdringlich und frei von jeglichem Pathos, dass es ein reines Lesevergnügen ist.


Hundertneunundneunzig Stufen
Hundertneunundneunzig Stufen
von Michel Faber
  Gebundene Ausgabe

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Geld nicht wert, 11. September 2005
Eine einbeinige Archäologin wird seit dem Unfall, bei dem sie das Bein verlor jede Nacht von einen immer wiederkehrenden Alptraum verfolgt; ein Mann mit großen Händen streichelt sie und schneidet ihr dann den Hals durch. Während der Ausgrabungen in Whitby, an denen sie teilnimmt, begegnet sie einem solchen Mann, der obendrein einen zutraulichen Hund hat und ihr eine Schriftrolle aus dem 18. Jahrhundert übergibt, in der ein gläubiger Familienvater einen Mord gesteht.
Soviel zum Inhalt der Geschichte. Die Ausführung ist jedoch, gelinde gesagt, misslungen. Ohne Logik und Stil werden verschiedene Handlungselemente beschrieben, dann lose zu verbinden versucht, doch ohne Konsequenz oder erkennbarer Absicht. Völlig abstruse Handlungselemente werden eingeführt, die nichts mit der Geschichte zu tun haben, andere, die wichtig sein könnten dann wiederum nicht erklärt. Ganz davon abgesehen die teilweise haarsträubenden Dialoge, die den Unterschied zwischen verbitterter aber weltkluger Frau und lebenslustigen und hedonistischen Mann aufzeigen soll. Beide Figuren sind furchtbar realitätsfremd und unrealistisch und unsympathisch, dass man sehr schnell das Interesse verliert.
Aber was soll das Ganze eigentlich? Will Faber uns erklären, dass wir in einer Konsumgesellschaft leben, die überlieferte Traditionen nicht mehr versteht? Dann muss er sich selbst darin einreihen, da die geschichtlichen Themen, die er anschneidet selbst für Laien nicht nachvollziehbar sind. Der transkribierte Brief aus der Flasche ist von dilettantischer Machart, die glaubt mit ein paar altertümlichen Wörtern auch tatsächliche Originalität vorspiegeln zu können.
Oder will er mit seinen moralinsauren Ausschweifungen über Religion und Glauben den Leser vor Augen führen, wie illusionslos wir geworden sind? Wozu dann aber die Anspielungen auf Dracula und Zombies und Erscheinungen bei Vollmondnacht am Friedhof?
Als Fazit auf das dünne Bändchen: das Geld in keinster Weise wert.


Katastrophen mit Seeblick
Katastrophen mit Seeblick
von Bodo Kirchhoff
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurze, gute Geschichten, 11. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Katastrophen mit Seeblick (Taschenbuch)
Sechs Kurzgeschichten, die sich um den Gardasee lagern wie ein undurchsichtiger Nebel. In ihnen ist nichts schön und touristisch sondern vielmehr undeutlich, geheimnisvoll, zeitweise auch furchterregend.
Egal, ob es sich um die Erinnerungen eines 5-jährigen Buben handelt, der mit seinen Eltern der 68er - Generation den Urlaub dort verbringt oder um einen Mann der 50 wird und von einer 14-jährigen Lolita verführt wird oder um einen Bootsausflug, der mitten im See endet; alles bei Kirchhoff hat von Anfang an einen Geschmack, bei dem man sich nicht sicher ist, worauf es hinausläuft. Und ist dabei so nüchtern und unspektakulär geschrieben, dass man sich fragt, warum man eigentlich so ein komisches Gefühl beim Lesen hat.
Kirchhoff gelingt es wie immer auf subtile Weise den Leser vom sicheren Ufer in den - hier - offenen See zu locken und ihn dort dann mit seinen Gedanken alleine zu lassen. Seine Geschichten führen eine parallele Existenz zur Realität, aber so knapp, dass man glaubt diese Parallelen berühren sich zeitweise. Was sie rein mathematisch gar nicht können, bringt ihnen Kirchhoff bei.
Einziges Manko: zwei der Geschichten wurden bereits vor Jahren in „Ferne Frauen" veröffentlicht, weshalb ein paar Dutzend Seiten weniger Neues vor sich hat.


Das Halsband der Königin
Das Halsband der Königin
von Antal Szerb
  Taschenbuch

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Marie Antoinette mal anders, 11. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Halsband der Königin (Taschenbuch)
In diesem essayistischen Roman führt uns Szerb in das Frankreich des 18. Jahrhunderts zur Zeit von Ludwig XVI und Marie Antoinette. Die eigentliche Geschichte, ein unglaublich wertvolles und protziges Halsband, das veruntreut und nie bezahlt wird, bildet aber nur den Rahmen seiner Ausführungen. Vielmehr bietet er dem Leser einen Einblick in das Leben der Franzosen kurz vor der Revolution, sowohl des Adels, als auch des Bürgertums.
Mit einer gewaltigen Recherchearbeit und einer Liebe zum Detail stellt uns Szerb die wichtigen Personen dieser Zeit vor und man erfährt vieles über heute schon mystische Namen wie Cagliostro oder Marie Antoinette, was man sich nie in diesem Ausmaß gedacht hätte. Man erfährt aber auch viel über den Niedergang des Hofes in Frankreich und es wird nicht einfach mit dem Aufstand des Bürgertums abgetan, wie man es in der Schule gelernt hat. Szerb blickt vielmehr in die Tiefe, holt sich Unterstützung von Tocqueville und Verlaine und anderen und dröselt eine Zeit auf, von der man glaubte alles mit dem einfachsten Wissen erklären zu können. Doch mit Fortgang des Buches wird immer mehr klar, dass Geschichte nicht nur von einer Seite betrachtet werden kann und Szerb versucht so viele Sichtweisen wie möglich zu bieten.
Trotz dieser eigentlich wissenschaftlich-historischen Arbeit vergisst jedoch Szerb dabei nie, seinen lockeren und leichten Stil beizubehalten. Er versucht gar nicht durch komplizierte Satzkonstellationen oder nie gebrauchte Fremdwörter seine Ansichten wissenschaftlich zu legitimieren, sondern schreibt frisch und verständlich über etwas, was eigentlich jeder kennt, nur plötzlich mit ganz anderen Augen sieht. Und genau das macht dieses Buch so ungemein spannend, ein Krimi der Weltgeschichte. Wer „Reise im Mondlicht" und „Die Pendragon-legende" bereits gelesen hat, wird anfangs in wenig von der Andersartigkeit des Stils verwundert sein, aber bald merken, dass man auch dieses Buch Szerbs nicht mehr aus der Hand legen kann.


Ferne Frauen
Ferne Frauen
von Bodo Kirchhoff
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillante Erzählungen, 9. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Ferne Frauen (Broschiert)
11 verschiedene Ich- Erzähler sammelt dieser Kurzgeschichtenband Kirchhoffs und jeder von diesen gibt eine andere Sichtweise auf Frauen. Wie der Titel bereits aussagt sind diese für den Erzähler fern, sowohl im räumlichen, wie auch im geistigen Sinne. Da ist es ganz egal, ob es sich um die eigene Ehefrau oder eine engagierte Hure handelt, um einen sterbenden Teenager oder die Arbeitskollegin am FKK-Strand. Keine dieser Personen können den Erzähler sich nahe kommen lassen, so vergeblich er das auch versucht.
Was leicht und locker hinerzählt wirkt ist ein gespenstisches Spiel mit Distanz und eigenem Verschlossensein. Kirchhoffs Erzähler kommen wegen ihres Begehrens, ihren unerfüllten Wünschen in gruselige Situationen, die zwar dem Alltag ähneln mögen, aber doch das genaue Gegenteil davon sind. So bekommt das Kind in „Der Badeanzug" eine metaphysische Rolle, wenn es dem Paar praktisch auflauert als nie verwirklichte Möglichkeit und die Leere aufzeigt indem sich die Menschen befinden. Die Geschichte „Die Frau hinter der Tür" ist demhingegen vielmehr eine Heinsuchung, die schon nach ein paar Sätzen das Gruseln leert und es mit Verfilmungen wie „Ring" locker aufnehmen kann.
Kirchhoff ist ein Meister der subtilen Spannung, dem Aufzeigen von menschlichen Schwächen und Großmäulertum, das sich in seinen eigenen Grenzen versteckt und aus diesen niemals ausbrechen kann.
Verwirrende Geschichten, brillant erzählt.


Die drei Stigmata des Palmer Eldritch
Die drei Stigmata des Palmer Eldritch
von Philip K. Dick
  Taschenbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verwirrung pur!, 9. September 2005
Die Welt des 21. Jahrhunderts ist nicht mehr lebensfähig, der Kontinent hat sich so stark erhitzt, dass man ohne Schutz nicht mehr auf die Straße gehen kann. Die UN schickt Menschen auf die Kolonien des Mars oder der Jupitermonde, wo sie ihr restliches Leben ein kümmerliches Dasein fristen müssen, nur belebt von der Droge Can-D, die ihnen eine Wirklichkeit vorspielt, wie sie vor Jahrzehnten einmal auf der Erde war. Und Palmer Eldritch, ein Großindustrieller der mit außerirdischen Rassen in Kontakt ist, strandet mit seinem Schiff auf einem Mond und bringt mit einer neuen, bewusstseinsverändernden Droge das notdürftig zusammengesetzte Gefüge der Gesellschaft endgültig ins Wanken.
Dick hat in diesen Roman so viele Sachen und Anschauungen eingearbeitet, dass es eigentlich sinnlos ist ihn zu rezensieren, da man mit Sicherheit Sachen nicht erwähnt, die andere Leser für maßgeblich halten. Angefangen bei Paralleluniversen, Zeitsprüngen, Realitätsebenen, Religion, Psychologie, Evolutionstheorie bis hin zu sozialen Gefügen, Weltsicherheit, Politik oder Kriegswissenschaft ist in diesem Buch alles verpackt, worüber andere Autoren mehrbändige Werke schreiben müssten. Dick macht das aber nicht, gibt dem Leser eine Welt vor, von der man bis zuletzt nicht weiß was Lug und Trug und was nicht ist und füllt diese dann einfach mit Sachen an, die nur schwer zu verdauen sind. Und das alles auf nicht einmal 300 Seiten, sodass plötzlich alles vorbei ist und einen ziemlichen Schwindel im Kopf zurücklässt.
Ein Buch, über das viel diskutiert wurde, viel diskutiert werden wird und diskutiert werden muss, aber nicht fassbar in 1000 Wörtern.


Die sieben Säulen der Weisheit. Lawrence von Arabien.
Die sieben Säulen der Weisheit. Lawrence von Arabien.
von T. E. Lawrence
  Taschenbuch

25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannende Beschreibung des Araberaufstandes, 7. September 2005
T.E. Lawrence, besser bekannt als Peter O'Toole und Lawrence von Arabien gab es wirklich und er hat seine Erlebnisse über 800 Seiten niedergeschrieben.
Man soll sich aber von dem emphatischen Titel des Buches und der enormen Seitenanzahl nicht abschrecken lassen, ebenso nicht von der ersten 100 Seiten in denen sich Lawrence in einer sehr subjektiven Erklärung seiner Sicht über die Araber und die arabische Halbinsel sowie ihrer Geschichte ergeht.
Doch lässt man das alles beiseite, dann liest man ein spannendes und informatives Buch über den Araberaufstand, aufgestachelt von den Engländern gegen die Türken während des ersten Weltkrieges. Lawrence bietet eine enorme Fülle an Details, sowohl kriegerischer, technischer sozialer, geologischer und geographischer Natur. In seiner sehr zurückhaltenden und beschreibenden Sichtweise kann der Leser in eine Welt eintauchen, die vor allem im deutschsprachigen Raum eher weniger bekannt ist. Besonders seine Ausführungen im kriegstechnischen Bereich zeugen von einer mittlerweile längst versunkenen Zeit, in denen Taktik, Manöver und Diplomatie noch große Rollen spielten. Aber auch im sozialen Bereich bergen die Aufzeichnungen Lawrences viele Überraschungen, wie die Fehden zwischen den arabischen Stämmen, homosexuelle Beziehungen unter den Kriegern oder katastrophale sanitäre Zustände, die für uns praktisch nicht vorstellbar sind.
Verzeihen muss man ihm seine voreingenommene Sichtweise auf die Türken, die seine Gegner darstellen und dementsprechend schlecht wegkommen. Aber das die eigene Seite bevorzugt behandelt wird, obwohl Lawrence gleichfalls nicht viel Gutes über die Engländer kommen lässt, ist bei Beschreibungen einer Zeit, in die man selbst involviert ist, nichts Schreckendes.
Alles in allem ein Buch, das es verdient gelesen zu werden.


Jordanien: Reisen zwischen Jordan, Wüste und Rotem Meer
Jordanien: Reisen zwischen Jordan, Wüste und Rotem Meer
von Wil Tondok
  Taschenbuch

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Tipps, schlechter Stil, 1. September 2005
ReiseKnowhow bemüht sich auch in diesem Führer um ein allumfassendes Angebot für den Reisenden. Dies gelingt auch ziemlich gut, vor allem was Reisen innerhalb des Landes, Hotelempfehlungen und Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten betrifft.
Vor allem die Mosaikbeschreibungen von Madaba und den Wüstenschlössern sind detailiert und informativ. Eine kleine Schwäche ergibt sich bei der Beschreibung von Petra. In höchsten Tönen gepriesen, was diese Stadt auch natürlich verdient hat, vergisst man vor lauter Enthusiasmus eine konkrete Berschreibung der Pfade und Routen innerhalb der Stadt selbst. Und diese Schwäche zieht sich durch den gesamten Band.
Natürlich mag man von dem Land begeistert und jeder, der dort war wird es auch sein, aber wenn man andauernd von fleißigen Bauern, listigen Nabatäern, freundlichen Beduinen und lustigen Arabern im Allgemeinen liest, dann vermisst man doch die nüchterne Objektivität, die man manchmal gerne hätte. Die Begeisterung hat das Land natürlich verdient, ein bisschen weniger verschriftlich hätte dem Buch aber gut getan.
Nichts desto trotz aber ein sehr hilfreiches Buch für jeden, egal wie man Jordanien bereisen möchte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 9, 2010 4:48 PM MEST


Baedeker Allianz Reiseführer Jordanien
Baedeker Allianz Reiseführer Jordanien

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewohnt ungenau, 1. September 2005
Wenn man beste Baedeker-Tradition gewöhnt ist und davon ausgeht, dass man zu jedem Stein, der zu sehen ist, dessen Geschichte im Führer nachlesen kann, so wird bei dieser Ausgabe zu Jordanien etwas enttäuscht sein.
Zu vielen Sehenswürdigkeiten, vor allem den Wüstenschlössern im Osten von Amman, gibt der Baedeker nur ungenaue Informationen. Dies betrifft sowohl Mosaike, die nur äußerst allgemein abgehandelt werden, wie auch Entstehungs- und Erbauungszeiten.
Besonders schade ist der, sonst doch so ausführliche, geschichtliche Überblick, bei dem verabsäumt wird, die genaue Besiedlung des Landes zu schildern.
Ein Plus dafür die gute Beschreibung von Petra, inklusiver detailierter und verständlicher Karte.
Trotz allen Schwächen immer noch derzuverlässigste Begleiter für den wissbegierigen Reisenden.


Zwischenstationen: Roman
Zwischenstationen: Roman
von Vladimir Vertlib
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hmmmm...., 16. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Zwischenstationen: Roman (Taschenbuch)
In einer eher zusammenhanglosen Aneinanderreihung, die nur durch das fortschreitende Alter des Ich- erzählers bestimmt wird, wird der Leser Zeuge einer Reise durch verschiedene Länder der Welt, angefangen von Russland, über Israel, Österreich, Italien, bis hin zur USA.
All das ereignet sich während der Kindheit eines russischen Judenkindes, dessen Eltern sich aus der Enge der Sowjetunion befreien wollen, um in Israel ihr Glück zu finden. Bald zeichnet sich, aus den Augen des Jungen gesehen das stereotypische Immi- und Emmigrantenschicksal ab.
Ein hochqualifiziertes und gebildetes Ehepaar kann im Ausland keine entsprechende Arbeit bekommen, der Vater wird mit der Zeit zu faul oder zu frustriert um überhaupt auf die Suche zu gehen und treibt zum wiederholten Standortwechsel an. Die Mutter geht auch putzen und hat logistisch und organisatorisch das Heft in der Hand, fügt sich aber letztlich doch immer den Wünschen ihres Mannes. Und der Sohn, wächst in verschiedenen Ländern auf, in denen er dann wieder gehen muss, wenn er rudimentär die Sprache beherrscht. Er verliert seine Freunde immer und immer wieder, sieht Tode und lernt ehemalige Nazis kennen, ist in der Schule der Außenseiter und Sonderling und so fern.
Nur dank seiner naiven Erzählweise, die sehr an Imre Kertesz erinnert, kann dieser Roman eine Atmosphäre erzeugen. Obwohl hochgelobt, wird er mit der Anzahl der Seiten doch etwas tröge und stereotypisch und ist viel weniger Roman, als vielmehr eine Aneinaderreihung von Kurzgeschichten. Netter erzähltechnischer Ansatz, wenig Inhalt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 18, 2010 9:18 AM MEST


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