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Rezensionen verfasst von
Ossiwan "ossiwan"

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Die Vermessung der Welt. Roman
Die Vermessung der Welt. Roman
von Daniel Kehlmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

12 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gar nicht vermessen..., 23. Dezember 2005
Kehlmann macht es einem mit diesem Buch nicht leicht eine Rezension zu schreiben. Sie könnte ganz banal lauten: Der schrullige Gauß und der pingelige Humboldt treffen aufeinander und daraus entstehen viele interessante und lustige Szenen. So leicht ist das aber nicht. Denn Kehlmann verfolgt die Lebensläufe dieser beiden mit aller schriftstellerischer Freiheit, erfindet und gibt genau Recherchiertes wieder. Er bringt neben Gauß und Humboldt noch viele andere prominente Namen ein, da parliert ein Goethe, philosophiert ein Kant und zwischendurch schauen auch Schiller und Wieland neben vielen anderen vorbei. In Südamerika wandelt Kehlmann dann zeitweise im Erbe Karl Mays und irgendwann wird dem Leser klar, dass er niemanden mehr vertrauen darf. Weder in diesem Roman, noch den Werken Gauß und Humboldts selbst und schon gar nicht Daniel Kehlmann.
Um vielleicht doch eine Reminiszenz dieses Buches zu ziehen. Humboldt schreibt nur das auf, was er sieht, Gauß nur das, was er erkennt und Kehlmann vermischt das fröhlich und auf Kosten der beiden, wie es ihm sein Erzähler auch des Öfteren vorwirft. Und der Erzähler, der eigentliche Angelpunkt dieser drei Genies, ist der, der am meisten Spaß hat und genauso viel Spaß hat auch der Leser, wenn er sich auf seine Schabernacke einlässt.
Ein spannendes, stilistisch hervorragendes und von der Strukturierung völlig neues Buch, dass sicher noch lange für Gesprächsstoff sorgen wird.


Aber wo ist das Leben
Aber wo ist das Leben
von Paul Nizon
  Broschiert

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Reflexionen, 20. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Aber wo ist das Leben (Broschiert)
Bern, Paris, ein toskanisches Städtchen oder einfach ein Museum in Zürich – Nizon beobachtet in seinen autobiographischen Essays das Leben, saugt es auf und reflektiert gleichzeitig über die eigene Sprachlosigkeit. Die Geschichten sind keine solchen, vielmehr sind sie Versuche zu beschreiben, was man sieht und was man darinnen spürt, um dann zu begreifen, dass man das nicht kann. Nizon geht als Erzähler nahe ans Detail heran und wieder weit weg und versucht sich selbst dabei zu beobachten.
Das mag für den Leser oft mühsam sein, die Texte entbehren jeder Handlung und wegen der geschliffenen, experimentellen Sprache Nizons oft auch nur schwer verfolgbar. Aber auch interessant zu lesen und das offenbaren der Nöte eines Schriftstellers zu verfolgen.


Liebe in einer kleinen Stadt: Jüdische Geschichten aus Bosnien
Liebe in einer kleinen Stadt: Jüdische Geschichten aus Bosnien
von Ivo Andric
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sammlung von Texten, 16. Dezember 2005
In diesem schmalen Bändchen wurden Geschichten des jugoslawischen Nobelpreisträgers gesammelt, die sich mit dem Schicksal der sephradischen Juden in Bosnien Herzegowina beschäftigen. Kenner der Literatur Andriæs werden ein wenig enttäuscht sein, da zwei Geschichten dem Roman „Wesire und Konsuln“ entnommen wurden und eine dem Roman „Die Brücke über die Drina“ und nun stehen sie ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen in dieser Kollektion. Auch sonst sind die Geschichten zwar gut erzählt und bergen auch viel Informationsgehalt, regen zum Nachdenken an, aber bei weitem nicht wie Andriæs Romane. Zwar rechtfertigt sich der Herausgeber damit, dass man eine Sammlung der Geschichten machen wollte, die die Juden betreffen, doch wirkt es beim Lesen ein wenig zu gewollt. Wer also wirklich Andriæs große Literatur kennen lernen möchte, der sollte zu den Romanen greifen, dieses Büchlein, könnte auch abschreckend wirken.


Simulacra: Roman
Simulacra: Roman
von Philip K Dick
  Taschenbuch

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Noch mehr Metaphysik, 16. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Simulacra: Roman (Taschenbuch)
In der mittlerweile schon nahen Zukunft ist Deutschland den USA beigetreten, Frankreich beherrscht Resteuropa und neben der mächtigen Sowjetunion gibt es auch ein erstarktes Asien. Die USA werden jedoch von einem alten Präsidenten, der alle Jahre wechselt regiert oder vielmehr von seiner ewig jungen und schönen First Lady Nicole. Die Gesellschaft ist in zwei Klassen eingeteilt, der normale Bürger geht einem geregelten und überwachten Alltag nach. Doch die Schicksale verschiedener Personen verstricken sich und führen zu einer Revolution, die das bisherige Machtgefüge ins Wanken bringt.
Dick hat eine abstruse Zukunftssituation gezeichnet, ein totalitärer Staat, eine nach einem dritten Weltkrieg verseuchte Erde, Kolonien auf Mars und Mond. Das mag heute hanebüchen klingen und ist auch literarisch nur fragmenthaft ausgebildet, viel mehr fasziniert an diesem Buch aber die andauernde Beeinflussung der Mächtigen auf das Volk. Psychiatrie wird auf Regierungsbeschluss verboten, Werbung und Propaganda ist allgegenwärtig und Politik basiert nur mehr auf Täuschung. Ein erschreckendes Szenario, das von allen seltsamen anderen Ideen des Autors (so wird Hermann Göring mittels Zeitmaschine in die Zukunft gebracht) sehr auf unsere Gesellschaft abzielt. Dick nun bloße Paranoia vorwerfen zu wollen, wäre billig, er schafft es wie auch in vielen anderen seiner Romane eine Welt aufzubauen, in der man nichts trauen kann. Verglichen mit „Ubik“ oder „Die drei Stigmata des Robert Palmer“ ist aber „Simulacra“ zu wenig ausgegoren. Es gibt eine Fülle von Protagonisten, die nur wenig Charakter bekommen, viele Themen werden angeschnitten und nicht zu Ende geführt (so zum Beispiel die beiden Musiker Al und Duncan, die als Symbol für die Täuschung der Regierung stehen). Und letztlich passiert das, was bei vielen Dick-Romanen enttäuscht, es wird zu banal erklärt, als hätte der Autor am Ende ein schlechtes Gewissen bekommen, was er dem Leser zumutet. Trotz allem ist auch „Simulacra“ ein lesenswertes Buch.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 17, 2012 1:15 PM MEST


Wesire und Konsuln
Wesire und Konsuln
von Ivo Andric
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bosnien einst und jetzt, 11. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Wesire und Konsuln (Taschenbuch)
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts dringen die Wirren der napoleonischen Kriege auch bis in das kleine Städtchen Travnik in Bosnien. Der Franzose Daville wird als Konsul ausgesandt um in diesem, für Frankreich strategisch wichtigen Land unter osmanischer Herrschaft, Kontakte zu knüpfen und Berichte zu erstatten. Der große Gegner Frankreichs, Österreich, denkt aber genauso und sendet ebenso einen Konsul nach Travnik, der die Interessen Österreichs vertritt und dem französischen das Leben schwer machen soll. Und dann ist da noch der osmanische Wesir unter den Vorgaben Stambuls und ein russischer Konsul, der laufend erwartet wird. In Travnik bleibt anscheinend nichts so, wie es zuvor einmal war, doch das, was sich wirklich ändert sind nur die Gesinnungen der Fremden, ihr Wirken und Handeln in dieser für sie so fremden Gegend.
Was Andriæ auszeichnet sind seine Personenbeschreibungen, detailliert bis ins letzte und aus jeder Figur versteht er eine eigene Geschichte zu machen. Er fügt dem ganzen je nach Notwendigkeit neue Figuren ein und lässt alte Verschwinden und beschreibt dabei doch nur die ganze Zeit seine Hauptfigur, die Stadt Travnik. Andriæ, selbst aus Travnik gebürtig, zeichnet ein Sitten- und Gesellschaftsbild seiner Heimatstadt und bedient sich dabei der Fremden, die es dorthin verschlagen hat und die sich bis zu ihrem Abschied nicht zurechtfinden können. Andriæ greift den Geschehnissen in Bosnien, die in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die Welt schockierten, voraus und macht dem Leser bewusst, warum man dort so lebt und warum es zu Ereignissen kommt, die für Fremde unverständlich sind und immer bleiben werden.
Doch nicht nur die Franzosen und Österreicher, die temporär stationiert sind, verzweifeln an dieser Fremde, auch die osmanischen Invasoren, die Franziskanermönche, die sephardischen Juden und manchmal auch die Bevölkerung an sich selbst. Dem Bosnier Andriæ ist sein eigenes Land ein Rätsel und auch er selbst kann es nur literarisch versuchen zu erklären, macht dies aber auf so charmante und geistvolle Art und Weise, dass man nach dieser Lektüre mehr Zugang hat als nach allen Zeitungs- und Kriegsberichten.


St. Petri-Schnee: Roman (dtv Literatur)
St. Petri-Schnee: Roman (dtv Literatur)
von Hans-Harald Müller
  Taschenbuch

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drogenrausch?, 8. Dezember 2005
Dr. Amberg, Mediziner auf Wunsch des Vaters geworden, bewirbt sich mehr durch Zufall als Dorfarzt in einem abgelegenen Dorf in Westfalen. Und was ihm dort widerfährt, übersteigt seine kühnsten Vorstellungen. Vom Dorfschullehrer ob der Seltsamkeit des Baron Malchin, seines Arbeitgebers und der Mentalität der Dorfbewohner gewarnt, wird er immer stärker in einen Wirbel aus historischem Wahn, medizinischer Experimentierlust und revolutionärer Umbruchsstimmung hineingesogen. Und um dem Ganzen noch eines draufzusetzen, begegnet er seiner unerfüllten Liebe aus seinen Studentenzeiten, die nun auch seine Gefühle erwidert. Das ganze gipfelt in einem, von Drogenkonsum herbeigeführten, Bauernaufstand in welchem Dr. Amberg seine Geliebte vor dem sicheren Tod rettet.
Dumm aber nur, dass er diesen ganzen Geschehnisse retrospektiv erlebt, gefesselt an ein Krankenbett im Spital von Osnabrück, wo ihm die Ärzte immer wieder darauf hinweisen, dass er deliriert und im Fieber mit sich selbst spricht.
Was soll der Leser nun glauben, die Abenteuer, die Dr. Amberg in einem fast ausschließlichen inneren Monolog zu rekonstruieren versucht oder dem Fachwissen der Ärzte, die das als Wahnvorstellungen eines Kranken abtun. Wie auch in dem realen Fall des Dr. Schreber, wird der Leser in Parallelwelten hineingeführt, von denen der Erzähler sehr wohl behauptet, dass seine Version die richtige sei. Aber ist dem auch so? Perutz versteht es ein weiteres Mal famos eine Schliche nach der anderen zu legen und den Leser im Unglauben zu lassen. Aber nicht so wie bei „Zwischen Neun und Neun“ oder „Der Meister des jüngsten Tages“ wird dann eine Auflösung angeboten, diesmal wird auch das Ende keine Lösung bringen, es nützt also nichts die letzten Seiten zuerst zu lesen. Wer Perutz dann immer noch unterstellen mag, dass er reine Unterhaltungsliteratur schreibt, der soll gerade bei diesem Werk sich Zeit nehmen. Die eingehenden Beschreibungen, Personencharakterisierungen, Gefühl für Syntax und Semantik, zeigen schnell, was für ein großer Literat Perutz war und dass er völlig zu Unrecht so wenig bekannt ist.


Reigen der Verdammten
Reigen der Verdammten
von António Lobo Antunes
  Taschenbuch

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein außergewöhnliches Werk, 5. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Reigen der Verdammten (Taschenbuch)
Eine Rezension über Antunes ist immer ein Wagnis, da man mit dem eigenen, normalen Sprachgebrauch nie das beschreiben kann, was Antunes mit Sprache zu tun vermag. So sehr auch das Thema des Buches, der Streit der Hinterbliebenen um das Erbe eines alten, für wohlhabend geglaubten Stammvaters kurz nach dem kommunistischen Putsch in Portugal, spannend und interessant ist, besticht vor allem Antunes Sprache.
Mit einer Fülle von Metaphern, Tautologien, Vergleichen und Synonymen lässt Antunes seine Figuren sprechen, dass man schon sehr bald in der Lektüre ob dieser Vielfalt an Möglichkeiten des Ausdruckes beeindruckt ist. Und dabei handelt es sich nicht nur um Natur- oder Daseinsbeschreibungen, sondern auch genauso um Gefühle, trockene Tatsachen, denen Antunes zuvor noch nie gelesene Umschreibungen gibt und neue Seelen einhaucht.
Dazu kommt seine Vorliebe in der Erzählerstimme von einer Figur zur nächsten zu springen, sodass der Leser am Anfang jedes Kapitels nie gleich weiß, wer nun spricht, sondern erst durch ein paar Hinweise dorthin geführt wird. Das mag verwirrend sein, wer aber mit Antunes Stil bereits vertraut ist, der wird keine Probleme damit haben, weil es in diesem Werk von ihm sehr zurückhaltend und schnell erlesbar ist.
Deshalb, wie jedes Buch des Portugiesen, ist auch dieses eine absolute Empfehlung, ach wenn man glaubt sich für den Inhalt nicht zu interessieren. Danach tut man es auf jeden Fall!


Gebrauchsanweisung für Polen
Gebrauchsanweisung für Polen
von Radek Knapp
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

56 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Besuchen Sie Polen!, 24. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Gebrauchsanweisung für Polen (Taschenbuch)
„Fahren Sie nach Polen. Ihre Seele ist schon dort“. Dieser verfremdete Witz über das polnische Klischee den Deutschen die Autos zu klauen, bestimmt dieses Bändchen Knapps, das ein literarischer Reiseführer durch Polen sein soll. Man wird darin aber kein Tipps zum Ausgehen, Essen oder Übernachten finden, sondern vielmehr kleine Geschichten über das Leben in Polen und über Dinge, die der deutschsprachige Leser von Polen kennt und die von Knapp aufgeschlüsselt, analysiert und dann bestätigt oder widerlegt werden. Und Knapp kommt auch nicht daran vorbei, dass er einige Klischees bestätigen muss, trotz seiner differenzierenden Herangehensweise, was dem Lesevergnügen jedoch nicht schadet, sondern dem Land und dem Autor weitere Pluspunkte einbringt.
Von der Sprache, die nicht zu erlernen ist, über den Glauben bis hin zur Schönheit polnischer Frauen, packt Knapp alle Vorstellungen über Land und Leute hinein und verfeinert sie mit Anekdoten, Geschichten und Überlegungen, die dem Leser ein umfassendes Bild von Knapps Heimatland geben.
Ein nettes Büchlein, das man nicht nur lesen sollte, wenn man vorhat nach Polen zu reisen.


Treue und Verrat: Roman
Treue und Verrat: Roman
von Aleksandar Tisma
  Taschenbuch

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pragmatismus bis er weh tut, 16. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Treue und Verrat: Roman (Taschenbuch)
Sergije pendelt zwischen Novi Sad und Belgrad, seinen Eltern und seiner zerbrochenen, eigenen Familie, irgendwann in den 60er Jahren. Erst als ihm wegen einer Wohnungsrückgabe und Ausgleichforderung die deutsche Inge aus seiner Jugend wieder begegnet, kommt das Leben zurück. Aber Sergijes Charakter ist auch hier wieder impulsiv und berechnend und zusammen mit seinem seit Jugendtagen Vertrauten Eugen, schlittert er ungebremst auf eine kommen müssende Katastrophe zu.
Tišma ist ein Sprachkünstler, der seinesgleichen sucht. Ohne Poetik, Polemik und Pathos, erzählt er die haarsträubensten Geschichten in einem trockenen Ton, der dem Leser erst bewusst wird, wenn man das Buch zur Seite gelegt, eine Nacht darüber geschlafen und mit einem Kloß im Hals aufwacht. Es sind die Katastrophen, die der Mensch sich selbst macht, aus Egoismus und Opportunismus. Tišma lässt seine Figuren selbst sich rechtfertigen, er springt von einem zum nächsten, versetzt den Leser in immer neue Personen und zeigt die Welt aus deren Augen. Der Erzähler selbst ist so nahe am Geschehen, dass er in den Figuren verschwindet und man alles aus der Perspektive des gerade behandelten liest und diesem auch in genau diesem Moment zustimmt. Nur baut sich so der Konflikt von Seite zu Seite immer mehr auf, da man glaubt alle Figuren zu verstehen, die sich selbst aber nicht verstehen. Dass diese Situation in einer Katastrophe enden muss, ist dann nur mehr die logische Konsequenz. Und das nebenbei auch noch die politischen Verwicklungen Jugoslawiens während des zweiten Weltkriegs und zu Zeiten des Sozialismus mit einfließen, macht den Kloß im Hals nur größer.
Natürlich kann man Tišmas Buch auch als Metapher der Gesellschaftsschichten des jugoslawischen Sozialismus lesen, aber dann würde man dem Autor Unrecht tun und über vieles hinweglesen, was dieses Buch birgt. Ein ganz großer Autor, ein ganz großes Buch.


Ich dachte an die goldenen Zeiten: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ich dachte an die goldenen Zeiten: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Bohumil Hrabal
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Autobiographie mal anders, 12. November 2005
Mit den Augen seiner Frau beschreibt Bohumil Hrabal sein eigenes Leben und nimmt dabei auf sich keine Rücksicht. Er erscheint dem Leser als bäurischer, martialischer Mann, der mehr durch Zufall Schriftsteller geworden ist. Und doch bekennt Hrabal darin seine Art zu schreiben, seine Art zu erzählen. Man versteht seine Verliebtheit in die Natur und den Augenblick. Was in den Augen seiner Frau manchmal wie Wahnsinn erscheint, offenbart sich als Möglichkeit Gefühle und Stimmungen zu verschriftlichen.
Und nebenbei lernt der Leser auch die Ängste der Bevölkerung während des Prager Frühlings kennen, die Sinnlosigkeit und pure Machtdemonstration, die er gebracht hat. Hrabal gelingt dies aber auf eine subtile und sympathische Weise, er prangert nicht an, er stellt nicht einmal in Frage sondern baut es in sein eigenes Leben als schlichte Tatsache ein, die in ihrer Aberwitzigkeit auch zu seiner eigenen literarischen Gestalt passt.
Wer Hrabal nur von seinen Romanen her kennt, sollte sich diese andere Art von Autobiographie nicht entgehen lassen.


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