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Ossiwan "ossiwan"

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Der Ball ist rund
Der Ball ist rund
von Eduardo Galeano
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fußballgeschichte literarisch erfasst, 2. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Ball ist rund (Broschiert)
Mit Galeano hat sich endlich ein Schriftsteller getraut die Faszination des Fußballs literarisch zu verwirklichen zu versuchen. Und zwar nicht in doppeldeutiger oder -bödiger Weise, mit Lesen zwischen den Zeilen und der Benutzung des Fußballes als Motiv, sondern so, wie das Spiel und alles darum nun mal so ist. Galeano beschreibt, Weltmeisterschaften als Gesamtereignisse, stößt dann eine Ebene tiefer und schildert Spiele und Mannschaften, die die Welt auf ihre unnachahmliche Weise fasziniert haben und gibt schließlich kurze Gedankenlichter über einzelne Spieler, die mehr Charakter haben als viele fiktionale Romanfiguren. Und dieses Ganze Projekt gestaltet er in einer anschaulichen Sprache, die es schafft, die Atmosphäre eines Spieles oder Platzes wiederzugeben. Galeano schafft mit „Der Ball ist rund" einen literarischen Spiegel einer Beschäftigung die doch mehr ist als 22 Männer, die einem Ball hinterherlaufen. Denn spätestens nach der Lektüre, die auch allen Verweigerern des Fußballs ans Herz gelegt sei, wird man diesen Sport mit anderen Augen betrachten.


Deutschlandreise im Strafraum
Deutschlandreise im Strafraum
von Péter Esterházy
  Gebundene Ausgabe

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Überflüssiges im WM-Jahr, 2. April 2006
Esterházy, der neben Terezia Mora und Laszlo Darvasi, wohl bekannteste lebende ungarische Schriftsteller, bekommt von einer deutschen Zeitung den Auftrag, über die Deutschen mit den Augen eines Fremden zu schreiben. Er nimmt den Auftrag an und entscheidet sich dieses Unterfangen zu lösen indem er sich unterklassige Fußballspiele in Deutschland ansieht. Darauf geht er aber in diesem Bändchen nur peripher ein. Vielmehr verbringt er Seiten damit zu schildern, dass sein Bruder ein großer Fußballstar war, der bei AEK Athen gespielt hat und auch im ungarischen Nationalteam. Außerdem wird immer wieder erwähnt, dass Esterházy ja den deutschen Friedenspreis gewonnen hat, dass seine gesamte Familie adelig oder zumindest einflussreich ist und er selbst auch mal ein passabler Fußballspieler war. Über das Ganze darüber gestreut Verweise über Bücher die er liest, Zitate von Autoren die er sich gemerkt hat und lateinische Sinnsprüche, die in die jeweiligen Sätze passen soll. Und nach spätestens 100 Seiten, wenn man also schon bei der Hälfte des Büchleins ist, fragt man sich, was das Ganze eigentlich soll.
Hat Esterházy so ein intelligentes Buch geschrieben, dass er den Leser im Stile Vonneguts darüber hinwegtäuscht, dass er der eigentliche Erzähler ist und dem Leser das genau glauben machen will? Aber wozu? Oder hat Esterházy vielleicht nur ein lukratives Angebot angenommen, von deutschen Medien, die im Jahr der Fußballweltmeisterschaft händeringend Literaten suchen, die ein wenig Ahnung von dem Spiel haben, um einen neuen überraschenden Aspekt zu präsentieren? Letzteres ist leider zu befürchten, worauf auch die zeitweisen katastrophalen und dilettantischen Fehler des Lektorats hinweisen könnten. Schnell zusammengestoppelt vom Autor, so finden sich mehrere Kurzgeschichten darin, die vorher, aus welchem Grund auch immer, noch nicht veröffentlicht worden sind, schnell abgesegnet und auf den Markt geworfen.
Trotz Fußballfieber und Begeisterung, man kann es auch übertreiben und schade, dass sich ein renommierter Autor wie Esterházy dafür hergegeben hat und es bleibt nur die Hoffnung, dass es sich für ihn zumindest finanziell gelohnt hat und die literarische Szene das Buch als Ausrutscher toleriert und bald vergisst.


Nullkommafünfzunull: Die wundersamsten Fußballirrtümer und -legenden
Nullkommafünfzunull: Die wundersamsten Fußballirrtümer und -legenden
von Wolfgang Hars
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zuviel Bekanntes abgeschrieben, 19. März 2006
Im Zuge der WM 06 hat auch Wolfgang Hars, bekannt wegen seiner Gesellschaftsstudien „Schicken ist Fön“ und anderen, sich bemüßigt gefühlt sich einem seiner Ansicht nach ähnlich skurrilem Thema zu widmen. In diesem Fall sind es „Fußballlegenden“, Geschichten, die man kennt und wegen denen man immer wieder streitet. So wird ein weiteres Mal geklärt, ob das „Wembleytor“ vor oder hinter der Linie war, Uwe Seeler in der Pause oder nach dem Spiel photographiert wurde oder wie viele Elfmeter Uli Hoeneß verschossen hat.
Das ist alles recht nett und auch spannendes Material, aber jeder, der sich auch nur ein wenig mit Fußball beschäftigt hat, sei gewarnt. Hars schreibt wortwörtlich von renommierten Lexikas ab, allen voran dem „Lexikon der Fußballmythen“ von Christian Eichler. Wer dieses also bereits gelesen hat, der wird von Hars’ Buch eher enttäuscht sein, da es nur wenig Neues bietet. Das einzig wirklich neue, das auch dem Buch den Titel gegeben hat (wahrscheinlich weil es die einzige von Hars selbst recherchierte Begebenheit ist), ist der Spielstand 0,5:0, aus einer brasilianischen Landesliga.
Fazit: wer einen Überblick über Kuriositäten des Fußballs haben möchte um im Büro mitzureden greife zu, wer sich für das Thema interessiert greife zu anderen.


Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann: Wie moderner Fussball funktioniert
Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann: Wie moderner Fussball funktioniert
von Christoph Biermann
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Strategie und Taktik anschaulich erklärt, 19. März 2006
Wer noch von den Weltmeisterschaften `98 und `02 die „Viererkette“ in der Abwehr und den „Tod des Liberos“ in den Ohren hat und nur vage etwas mit diesen Metaphern anfangen kann, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Die Autoren versuchen in verständlicher Sprache und mit anschaulichen Beispielen Strategie und Taktik im Fußball dem Interessierten näher zu bringen. Nach einem ausführlichen geschichtlichen Abriss über Spielsysteme und bekannte Mannschaften, die diese praktiziert haben, folgt ein ausführlicher Teil über den momentan gespielten Fußball.
Und hier ist die Kehrseite der Medaille. Die Autoren entwerfen ein Konzept des Fußballs ohne System, ohne Manndeckung und Libero, so wie es von den Mannschaften Frankreichs, der Niederlande und Tschechiens ´98 oder ´02 gespielt wurde. Allerdings wurde dieses Buch 1999 geschrieben und 2002 aktualisiert, womit die neuesten Einflüsse keine Berücksichtigung mehr finden. Die Wiederentdeckung des Liberos und der Manndeckung Griechenlands ´04 sind somit in der hier beschriebenen zukünftigen Version des Fußballs nicht integriert, genauso wenig, wie die Umstellungen der Brasilianer `02. Außerdem muss man anfügen, dass ein Buch von deutschen Autoren ist, die sich auf das „Tore verhindern“ anstatt auf das „Tore schießen“ kaprizieren. So ist in ihrer Version eines neuen „Fußball Total“ zwar ausführlich die Raumverengung auf dem ganzen Platz beschrieben, allerdings wird neue Art des Stürmens mit einem lapidaren Verweis auf „Personenüberschuss“ abgehakt. Ein brasilianischer oder niederländischer Autor hätte wahrscheinlich anders gedacht.
Alles in allem aber ein kompakter Abriss über Strategien des Fußballs und somit empfehlenswert für alle, die sich außerhalb der Presseberichte auch einmal mit den Fragen der Trainer beschäftigen wollen.


Lexikon der Fußballmythen
Lexikon der Fußballmythen
von Christian Eichler
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk, 19. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Lexikon der Fußballmythen (Taschenbuch)
Eichler liefert hier ein Standardwerk, das jeder zu Hause haben sollte, der sich nur ein bisschen für Fußball interessiert. Über mehr als 400 Seiten listet Eichler alles rund um das Spiel auf und das mit einer Detailverliebtheit, die ihresgleichen sucht. Egal, ob es Fußballsysteme sind, kuriose Tore, Trainer, Spieler oder Funktionäre, alles hat Platz in diesem Buch, das aber sicher nicht nur als Nachschlagewerk dienen soll. Vielmehr kann man darin lesen wie in einem Roman, es ist bis zur letzten Seite spannend und gibt neue Einblicke, auch für die, die schon alles zu wissen glaubten. Und dabei bleibt Eichler immer objektiv. Seine Analyse des Krux’ Fußball und Fernsehen oder Fußball und Wirtschaft sind tiefgründig und realistisch und keine Herumheulerei, dass alles immer schlechter wird. So sind auch seine Anekdoten zu Spielen und Spielern immer neutral, auch zu deutschen, und geben das wieder, was war und nicht, was hätte gewesen sein können.
Ein Muss für alle Fans, zur Einstimmung vor der WM nun auch neu in der aktualisierten Auflage.


Fast alles über Fußball
Fast alles über Fußball
von Christoph Biermann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Viel Wissen kompakt verpackt, 19. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Fast alles über Fußball (Taschenbuch)
Aus der Fülle von Büchern, die angesichts der WM auf den Markt geworfen werden, sticht dieses in vielerlei Hinsicht heraus. Zum ersten ist es einmal etwas anderes als ein tröger Fortlauf von Geschichtchen, die schon hundertmal erzählt wurden, sondern präsentiert sich in kompakten Tabellen, Verweisen und Auflistungen. Um diese zu finden hängt ein ausführlicher Glossar hinten dran, der nach allen möglichen Kriterien unterteilt ist. Zum zweiten hat Biermann Sachen aufgenommen, die normalerweise in solchen Sammlungen fehlen oder wusste man vorher, das Péle Schuhgröße 38 hat, Günther Netzer hingegen 47? Oder was „Arminia" übersetzt bedeutet.
So hat man hier ein Sammelwerk aus Kuriositäten, Fachkenntnissen und Tatsachen, dass sich praktisch überall anwenden lässt und zur WM ein maßgebliches Kompendium des Wissens über Fußball darstellt.


Fever Pitch: Ballfieber - Die Geschichte eines Fans
Fever Pitch: Ballfieber - Die Geschichte eines Fans
von Nick Hornby
  Taschenbuch

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Fan und Arsenal, 19. März 2006
Aus der Not des geschiedenen Vaters, der seinem Sohn an den Besuchstagen nichts recht machen kann, entsteht eine lebenslange Leidenschaft des Autors für den Fußballklub Arsenal. Hornby, der gar nicht die Absicht hat sich hinter einem Erzähler zu verstecken, schildert anhand von Spielen Arsenals, wie auch ein paar anderer Mannschaften seine Geschichte und auch die Analyse seines Fan-Daseins. Und wie es scheint, lässt er dabei keine Facetten aus. Egal ob es der paranoide Zusammenhang zwischen Arsenals Leistungen und den persönlichen Erlebnissen oder die Überlappung der Fußballgeschichte mit der eigenen sind, Hornby schneidet alle Themen, die das Leben und den Fußball in England betreffen an und gibt ein detailreiches Bild seiner Seele wieder. Ganz nebenbei liefert er auch neuartige Erklärungsversuche für den Hooliganismus oder den Ausverkauf der Klubs, der Sucht des Rauchens oder die Stereotypen des Menschen, abgeleitet immer von Ergebnissen, die Arsenal erreicht.
Wem das nun seltsam, naiv oder literarisch abgeschmackt vorkommen mag, sollte dieses Buche erst recht lesen, da Hornby, abseits aller Dünkel der deutschsprachigen Literaturszene, einen Seelenstriptease hinlegt, der seinesgleichen sucht. Er findet nicht nur Erklärung für die gesellschaftliche Situation in Großbritannien, sondern schafft es auf kluge und unprätentiöse Weise auch die Menschen an sich zu charakterisieren. Dazu braucht er keine künstlich – fiktionale Erzählweise, ihm reichen die Momente, die er während seines Fan – Seins beobachten konnte. Was aber so locker dahingeschrieben wirkt, ist die eigentliche Kunst Hornbys. Wie auch in den anderen Romanen, lässt er auch in diesem seine Figuren realistisch und ohne Überzeichnung auftreten und entwaffnet dann einen „Bösewicht“ mit neutraler Beschreibung seiner Situation. Seine Überlegungen zu dem erfolglosen Stürmer Gus Caesar, sind eine Charakterstudie, wie man sie in anderen Romanen vergeblich sucht, obwohl dieser Charakter nur auf drei Seiten wichtig ist.
Und für alle, die sich für Fußball interessieren, gibt er einen prächtigen Einblick in die englische Liga. Für alle, die sich nicht für Fußball interessieren, einen prächtigen Einblick in das Innere von Menschen.


Die gelbe Tapete
Die gelbe Tapete
von Charlotte Perkins Gilman
  Gebundene Ausgabe

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Suspense und Kritik in einem, 27. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Die gelbe Tapete (Gebundene Ausgabe)
Einer Frau wird aus unbekannten Gründen von ihrem Mann, der Arzt ist, Ruhe auf dem Land verordnet. Sie beugt sich seinem Willen und verbringt die Tage, während er seine Patienten besucht untätig in dem extra angemieteten Gut. Doch immer mehr merkt sie, dass sich ihr Zustand nicht bessert, sie möchte etwas tun und die Tapete in dem Zimmer, in welchem sie schläft und das ihr Mann wegen der guten Luftqualität ausgewählt hat, macht ihr Angst. Sie sieht Frauengestalten hinter der Tapete, die versuchen in das Zimmer zu kommen und phantasiert Phantome in das Muster hinein. Je länger sie bleiben muss, desto größer wird ihre Angst, doch desto mehr möchte sie auch hinter das Geheimnis der Tapete kommen und liefert sich ihren Vorstellungen aus.
Gilman hat eine Geschichte in dem Stil eines E. A. Poe geschrieben, in der eine Figur aus ihrer Umwelt herausgerissen und dem neuen schutzlos ausgeliefert wird. Diese kurze Geschichte wirkt alleine in ihrer reinen Beschreibung, liefert aber noch tiefere Einsichten in das eigentliche Empfinden der Autorin und der gesellschaftlichen Position einer Frau Ende des 19. Jahrhunderts im angelsächsischen Raum. Mit scheinbar einfachsten Mitteln beschreibt Gilman eine ganze Facette von psychologischen Eindrücken und Problemen, die sie in eine schon für sich unheimliche Szenerie bettet. Man muss daher größten Respekt für diesem kurzen Stück Text haben und möchte es gar nicht zu sehr rezensieren, da man sonst zuviel vorwegnimmt und den möglichen Leser die eindringliche Erfahrung mit Ende der Geschichte nimmt.


Im Herzen der See
Im Herzen der See
von Nathaniel Philbrick
  Taschenbuch

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannender Tatsachenbericht, 19. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Im Herzen der See (Taschenbuch)
1819 geht die „Essex“, ein Walfänger aus Nantucket auf die Reise, um zwei Jahre später mit einer Schiffsladung voller Walöl zurückzukehren. Doch dazu sollte es nie kommen, da westlich der Galapagosinseln, in den Hochseegebieten, das Schiff von einem Wal gerammt und versenkt wird. Die 20 Besatzungsmitglieder retten sich in die kleinen Walfangboote und versuchen über mehrere Monate hinweg die Küste Südamerikas zu erreichen. Dort kommen jedoch nur mehr fünf von ihnen in einem erbarmungswürdigen Zustand an.
Das Schicksal der „Essex“ hatte einst Hermann Melville zu „Moby Dick“ inspiriert und wird in diesem Buch von Nathaniel Philbrick auf spannende Weise aufgearbeitet. Ein Fachbuch, dass sich wie ein Roman liest, das Philbrick locker erzählen kann und es versteht, trotz der Tatsächlichkeit dieses Unglücks Spannung zu schaffen, als wäre es ein fiktives Geschehen. So wird dem Leser jedes Detail ausführlich gezeigt, und zwar wirklich jedes. Angefangen von dem heuern von Matrosen, über die Entstehung von Inseln bis hin zu Exkursen über Walfang, Kannibalismus oder Tod durch Verdursten, erfährt der Leser alles, was für die Besatzungsmitglieder der „Essex“ eine Rolle gespielt hat. Manchmal neigt der Autor leider aber auch zu sehr gewagten Analysen, zum Beispiel, wenn er das Schicksal der schwarzen Besatzungsmitglieder mit ethnischen Formeln, die er nicht absichern kann, erklären möchte.
Anders als bei „Moby Dick“, der viele wegen seiner oft langatmigen Abhandlungen zum Walfang und der konstruierten Sprache abschreckt, ist „Im Herzen der See“ nicht nur ein äußerst spannendes und schockierendes Buch, sondern bietet auch Informationen zu einem Thema, das heute aus ganz anderen Augen gesehen wird. Man sollte sich also weder von dem Titel, noch von den manchmal etwas exzessiven Gebrauch von Seemannsvokabeln nicht abschrecken lassen, sondern die Möglichkeit nutzen in eine fremde und vergangene Welt abzutauchen.


Der Leopard: Roman
Der Leopard: Roman
von Giuseppe Tomasi di Lampedusa
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sizilien am Wendepunkt, 14. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Leopard: Roman (Taschenbuch)
Don Fabrizio ist das letzte Glied einer langen Reihe von Sizilianischen Fürsten. Sein ältester Sohn Giovanni ist nach England gegangen um dort Kumpel im Bergbau zu werden. Sein zweiter Sohn Paolo ist ein linkischer Schwächling. Und obendrein schickt sich Garibaldi an, die politische Tradition in Italien über den Haufen zu werfen. Nur Tancredi, Don Fabrizios Neffe, macht ihm Freude, mit seiner Jugend, seinem Mut, seiner weitsichtigen politischen Einstellung. Als sich Tancredi dann aber ausgerechnet in Anglica verliebt, die Tochter eines plebejischen Großgrundbesitzers, der in einer der Ländereien Don Fabrizios zu Reichtum und Ansehen gelangt ist, bricht die feudale Welt des Fürsten endgültig zusammen. Er muss einsehen, dass seine Zeit abgelaufen ist und eine neue heranbricht, in der er nur mehr als übriggebliebenes Kuriosum gilt.
Tomasi di Lampedusa schildert in diesem dichten, metaphorischen und anspielungsreichen Roman den Untergang der Monarchie in Sizilien. Der Sympathieträger Don Fabrizio wird mit all seinen Facetten und Angewohnheiten gezeichnet. Dank vieler Vergleiche und treffenden Beschreibungen, die so einfach sind und trotzdem nie platt wirken, gelingt es di Lampedusa einen stimmungsvollen Roman des Siziliens im 19. Jahrhundert vorzulegen. Alle Figuren sind getreu und realistisch gezeichnet und keine ist überflüssig oder schablonenhaft. Selbst der Hund Don Fabrizios hat seine gewichtige Rolle und manche Nebenrollen, die wie nur nebenbei eingefügt wirken, entpuppen sich mit Fortgang der Handlung als Schicksalsträger. Aber auch Räumlichkeiten, wie der weitläufige Palast des Fürsten im Landsitz Donnafugata, der denn Liebenden zu Scharade und Spielplatz wird, prägen nicht nur die Handlung, sondern den Stil und den Gehalt des Romans im Allgemeinen. Das Weltbild des Fürstengeschlechts der Salina bleibt jedoch bis deren Erlöschen eines des Pessimismus und der Enttäuschung, da sie am eigenen Leib erfahren müssen, dass sich die von ihnen geglaubte statische Welt Siziliens sehr wohl ändern kann. Die letzten Gedanken Don Fabrizios und hier wird nichts verraten, da das Buch ein Inhaltsverzeichnis besitzt, gehören zu den gelungensten Szenen der Literaturgeschichte.
Der ruhige, unaufgeregte Ton des Erzählers, eine Unzahl von Recherche und Wissen und ein geübt eingesetzter Gebrauch von Metaphern und Vergleichen sollten dieses Buch für alle Zeiten in den Literaturgeschichten überleben lassen.


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