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Rezensionen verfasst von
Ossiwan "ossiwan"

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Mein Studium ferner Welten
Mein Studium ferner Welten
von Alex Capus
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ferne Welten ganz nah, 18. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Mein Studium ferner Welten (Taschenbuch)
Die einzigen fernen Welten im geographischen Sinne sind die Orte an denen der Konditorsohn Johnny Türler während seiner Zeit als Matrose war. Alles andere spielt sich, wie meist bei Capus in und um Olten ab. Fern sind vielmehr die Begebenheiten, die in diesem Roman, besteht aus 14 Geschichte, erzählt werden.
Da wird der komatöse Großvater gegen seinen Willen mit Pralinen gefüttert, die er ausspuckt und mit Flüchen begleitet. Die Wahl der passenden Tatoos für den besten Freund wird zur Schicksalsfrage, das Sanitätertraining bei der Bundeswehr lebensbedrohlich und die alte Nachbarin zur Femme fatale. Und durch alles hindurch zieht sich die nostalgische Trostlosigkeit einer Kleinstadt in der global gesehen nie etwas passiert, im mikroskopischen Blick des Erzählers aber sehr wohl. Da nimmt es auch nicht Wunder, wenn der Teufel erscheint, die Schamhaftigkeit Existenzbestimmend wird und die Liebe zu einer Frau in einen Psychothriller endet.
Die fernen Welten sind so phantastisch, dass sie real sein müssen, das Unglaubhafte, was beschrieben wird, kann nur wirklich geschehen sein und die Einfachheit, mit der simple Situationen in ein Desaster führen kann nur das Leben schreiben.
Wahrscheinlich der Roman von Capus mit dem meisten historischen Hintergrund und doch auch derjenige, der sich in keinster Weise eines solchen Vorbildes bedient.
Ein Wunderwerk!


Munzinger Pascha: Roman
Munzinger Pascha: Roman
von Alex Capus
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach Afrika und zurück, 18. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Munzinger Pascha: Roman (Taschenbuch)
Die Geschichte von Werner Munzinger, einem gutbürgerlichen Ministersohn im 19. Jahrhundert, den die Langweile und Dekadenz in den heutigen Sudan treibt, verwoben mit der Geschichte von Max Mohn, einem ziellosen Journalisten in der Schweizer Kleinstadt Olten. In seinem Debutroman beweist Capus bereits mit großer Raffinesse sein Talent dafür Reales mit Fiktionalem zu verweben.
Detailverliebt wird die Geschichte von Werner Munzinger erzählt, der, von einer französischen Handelsfirma eingestellt, deren Geschäfte am Horn von Afrika optimieren soll. Im Zuge dieses Berufs verliebt er sich in eine Eingeborene und steigt stetig immer mehr zum Vertrauensmann für Europäer und Afrikaner auf, bis er vom ägyptischen König zum Pascha über die Provinz Abessinien ernannt wird.
Ganz anders hingegen Max Mohn, der in einer zerrütteten Ehe lebt, mit seinem Job unzufrieden ist und dessen Höhepunkte im Leben die nächtlichen Besuche in der Stammkneipe und die dort ewiggleichen Gespräche sind. Auch er ist verliebt, allerdings in die geheimnisvolle Polja, von der man nichts Genaues weiß und die mit dem Motorrad die friedlichen Bürger des Ortes aus dem Schlaf weckt. Dann aber entdeckt Mohn die Geschichte von Munzinger, entschließt sich kurzerhand nach Kairo zu fliegen und entdeckt dort die Korrespondenz von Munzinger und dem Kaiser Ismael. Diese Briefe werden zu einem tragenden Bestandteil der gesamten Geschichte, Munzingers Leben wird von dritter Hand weitererzählt, der Erzähler fügt zu diesem Mosaik fehlende Stellen hilfreich hinzu, bis am Ende sowohl für Munzinger Pascha, als auch für Max Mohn alles einen anderen Weg einschlägt, in den weder sie, noch der Erzähler einzugreifen vermag.
Der Roman ist durchsetzt mit real anmutenden Passagen, die wirklichkeitsgetreu erzählt werden und ebensolchen, die zwar vorgeben real zu sein, aber klingen, als wären sie aus einer Legendensammlung entnommen. Munzinger, und ihn hat es tatsächlich gegeben, wird mit fortlaufender Handlung immer abenteuerlicher, immer unwirklicher, mutiert zu einem Kinohelden, während der fiktionale Mohn in seiner Welt gefangen ist, von der man Traum und Wirklichkeit nur schwer unterscheiden kann.
Am Ende zieht Alex Capus sein Resümee, schildert die Schwierigkeiten der Recherche, die Zwiespältigkeit der Angaben, die mühsame Arbeit alle Mosaiksteine zusammenzufügen und gesteht, dass manche dann auch unter den Tisch gefallen sind. Diese Ehrlichkeit zur Unvollständigkeit gibt dem Buch einen besonderen Glanz, den es aber auch so schon gehabt hätte.


Was werd ich tun, wenn alles brennt?: Roman
Was werd ich tun, wenn alles brennt?: Roman
von António Lobo Antunes
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nur für wirkliche Fans, 15. März 2005
Antunes macht es in diesem Roman selbst seinen eingefleischtesten Fans nicht leicht. Er hat seine Erzählkunst verfeinert und perfektioniert und wer nicht schon seine anderen Bücher geliebt und genossen hat, wird bei diesem verzweifelt sein.
Die Geschichte des Transvestiten Carlos aus Lissabon, hauptsächlich erzählt von seinem drogensüchtigen Sohn Paulo, der bei Pflegeeltern aufwuchs, ist ein schillerndes Sammelsurium an Eindrücken, Visionen, Pamphleten, Anschuldigungen, Träumen und Utopien. Wie immer ist alles in direkter Rede erzählt, in ziffern- und namenlosen Kapiteln von im Durchschnitt 20 Seiten. Während Antunes in früheren Werken aber meist einen Erzähler pro Kapitel oder deren zwei zu Wort kommen lässt, so löst er diese Stringenz hier völlig auf. Die Erzähler wechseln sich fortwährend ab, meist noch im gleichen Satz und lassen dem Leser nur wenig Anhaltspunkte darauf, wer gerade spricht.
So entsteht ein Wirbelwind an Eindrücken und man ist oft dazu bewegt, einfach aufzugeben und nicht mehr nach der Geschichte zu suchen, da diese Wortgewalt an Symbolen einen niederwirft. Aber mit kleinen versteckten Pfaden weiß Antunes den Leser wieder zurückzuführen in die Handlung und je länger die Handlung fortschreitet (und das Buch hat 700 Seiten), desto mehr lässt man sich in Carlos' Welt dies- und jenseits des Tejos fallen. Auch hier werden Gegenstände; Sätze und Orte so oft wiederholt, dass sich ihre ursprüngliche Bedeutung schnell ändert. Eine Pflanze wird zum Symbol der Erinnerung, ein Plastikzwerg zum Schreckmittel und der Gruß „Guten Abend" zur Bedrohung.
Die Paranoia Paulos, der seinen Vater und dessen Arbeitskollegen als „Clowns" bezeichnet und die Beschäftigung verschwiegen bekommt und sie später vor sich selbst leugnet, befällt auch den Leser und trotz der andauernden Wirrnisse der Erzählstimmen fühlt man sich plötzlich ganz in dieses Lissabon hineinversetzt und empfindet, was Paulo plagt.
Man muss nicht nur die ersten 100 Seiten überstehen, um dieses Buch zu mögen, sondern sich bis zum Ende führen lassen, wie schwer es auch sein mag. Am Ende aber dann wird man es nicht bereuen.


Fast ein bißchen Frühling
Fast ein bißchen Frühling
von Alex Capus
  Gebundene Ausgabe

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das ist eine wahre Geschichte..., 15. März 2005
Die Geschichte von zwei Bankräubern und Mördern aus Nazideutschland wird von Alex Capus mit der Geschichte der Großeltern des Ich - Erzählers Max Waldner aus einem Schweizer Dorf verbunden. Trifft man auf der einen Seite auf die Gegensätzlichkeit eines Ehepaares, das immer füreinander bestimmt, aber nie füreinander geschaffen war, so wird dieses mit der verzweifelten Liebe und Zuneigung von zwei fatalistischen Verbrechern konterkariert.
Es ist fast minutiöse Genauigkeit, mit der Capus die Nachforschungen an diesem real geschehenen Fall in die Erzählung hineinfließen lässt. Neben zitierten Zeitungsberichten, Aussagen von Überlebenden, Polizeiprotokollen und Gerichtsakten, bekommt der Leser auch Kinoprogramme und Werbungen in die Geschichte eingebettet serviert. Die 30er Jahre in Basel werden mit der Hilfe eines fiktiven Erzählerpaares nachempfunden, direkt in ihrer Präsenz, aber augenzwinkernd in ihrem Inhalt.
So wirken die Bankräuber Kurt Sandweg und Waldemar Velte immer wie zwei Träumer, die verloren sind in einer Welt, die sie nicht verstehen und die sie nicht versteht, bis man wieder mit den blutigen Tatsachen ihrer Morde konfrontiert wird. Zwei liebenswerte Halbstarke, die nächtelang zu Tangoplatten tanzen und mit Verkäuferinnen am Rheinufer spazieren gehen, aber auch ohne Skrupel mehrere Menschenleben auf ihrem Gewissen haben. Capus lässt dem Leser in Bezug auf die Gefühle der beiden stets im Dunkeln. Sie zeigen nie Reue oder Einsicht, leben in einer Schizophrenie zwischen Schein und Sein und rechtfertigen sich noch mit einer pathetischen Weltanschauung, die aus purem Selbstmitleid und Pseudophilosophie besteht.
Alle Figuren bei Capus, so genau sie auch nachgezeichnet sind, lassen den Leser im Ungewissen ob ihrer tatsächlichen Motivationen. Nur das fiktive Großelternpaar des Erzählers glänzt durch Menschlichkeit und Nähe. Somit vollzieht Capus einen fabelhaften Umkehrschwung. Während die realen Figuren irreal werden, erwachen die fiktiven zum Leben, obwohl sie vorgaukeln bloß als Instrument des Erzählers für den Wahrheitsgehalt der Geschichte eingesetzt worden zu sein.
Mit „Das ist die wahre Geschichte von..." beginnt das Buch und endet mit den Lebensgeschichten der Beteiligten nach den Vorfällen in den 30ern. Und dazwischen eine feinfühlige Erzählung die Leser umschmiegt und begleitet und doch ihre dauernde Ironie nicht verbergen kann.


Das Handbuch der Inquisitoren: Roman
Das Handbuch der Inquisitoren: Roman
von António Lobo Antunes
  Taschenbuch

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiger Roman, 7. März 2005
Portugal vor, während und nach dem Umsturz in den 60er Jahren. Ein namenloser Minister, aber stets erkennbar an Hut, Zigarillo und Hosenträger ist der Protagonist des Romans, allerdings aus den Augen der anderen. Streng gegliedert in „Bericht" und „Kommentar" lässt Antunes die im weitesten Sinne mit dem Minister bekannten Menschen über diesen erzählen, in durchgehenden Monologen, unterbrochen nur Aussagen in direkter Rede, die sich wiederholen und mit der Zeit fast zu Aphorismen werden.
Die Erzählenden, das können sowohl der Sohn, die Geliebte, bis hin zum Chauffeur Salazars geben ihre Eindrücke über den Minister in einer Ausdruckskraft wieder, die ihresgleichen sucht. Und je mehr sie über ihn erzählen, oder nicht erzählen wollen, desto mehr driften sie in ihr eigenes Leben ab, erzählen von Eindrücken, Wahrnehmungen ganz Abseits des Geschehens, verarbeiten so ihr Traumata und fügen für den Leser mit der Zeit ein Mosaiksteinchen neben das andere von dem Leben in Portugal. Manche Eindrücke kehren immer wieder, so wird das Grundstück des Ministers und dessen Angestellten für den Leser bald vertraut und man geht mit dem Niedergang der Macht mit. War er zu Zeiten Salazars noch ein von allen respektierter und gefürchteter Mann, so ist er am Ende nur mehr ein hilfloser Greis, der von den Altenpflegern schikaniert wird. Die Erzähler geben Kunde wie vor einem Gericht, das eine widerspricht dem anderen und so mancher wird einer Lüge, einem Schön- oder Schlechtreden überführt.
Antunes hält sich genauestens an sein Schema, die Monologe verwischen Vergangenheit und Gegenwart, privates und allgemein Bekanntes noch im gleichen Satz. Es entsteht ein Mikrokosmos an Meinungen und Gerüchten die sich die Hand geben und trotzdem bleibt das Gesamtbildnis dem Leser immer klar vor Augen. Bis der Minister selbst sich zu Wort meldet.
Ein wort- und bildergewaltiger Roman, mit einer Lust am Erzählen geschrieben und mit einer Phantasie und Beobachtungsgabe kombiniert, die man nur selten findet. Pflichtbuch!


Warten auf die Barbaren: Roman
Warten auf die Barbaren: Roman
von J.M. Coetzee
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Muss man wollen oder nicht, 27. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Warten auf die Barbaren: Roman (Taschenbuch)
Das Leben eines alternden Magistraten in einem entlegenen Grenzdistrikt eines ungenannten Reiches wird durch die Ankunft des Militärs und dessen Behauptung, dass die Barbaren, ein Nomadenstamm in der Nähe des Distrikts, zum Überfall rüsten, in den Grundfesten erschüttert.
Der namenlose Magistrat, der bis zu diesem Tag ein langjähriges, müßiges Leben mit Sammlungen alter Steine, gelegentlichen Liebschaften, Hobbyausgrabungen und Lesen von Klassikern geführt hat, wird nun plötzlich zum einzigen Verteidiger der Barbaren, versucht ihre Verhaltensweisen zu erklären und gegen die Instruktionen der Armee anzurennen. Er nimmt ein gefangenes Barbarenmädchen bei sich auf und in dieser Beziehung offenbart sich die ganze Hilflosigkeit des Magistrats. Er ist von Selbstzweifeln zerfressen, bezüglich sich und seines Lebens, seine einzige Lust ist es das Mädchen zu waschen und einzuölen. Er zweifelt an sich, seiner Männlichkeit, seinem Beruf, seiner Daseinsberechtigung. Als er wegen „unerlaubten Feindkontakt" selbst ins Visier des Militärs gerät, windet sich sein Schicksal immer mehr.
Coetzee schafft es mit einem eher stillen, ruhigen Buch Dinge anzusprechen, für die andere philosophische Abhandlungen brauchen. Es geht ihm um die Zirkel der Gesellschaft, um die Funktionen von Macht und die Stellung des Individuums darinnen. Die Beeinflussbarkeit der Menge ist zentrales Thema in seinem Roman. Gleichzeitig zieht er Schlüsse über das „Tier" im Menschen, über die Monster die in jedem von uns lauern und wie es möglich ist, dass sie ausbrechen, in Folter, Betrug, Verachtung.
Da sein Ich - Erzähler nicht unfehlbar ist, sondern vielmehr einer durchgehenden, erzwungenen Metamorphose unterworfen ist, gibt dem Leser Raum sich von dem Geschehen zu distanzieren, alle Figuren als das zu betrachten, was sie tatsächlich sind.
Ein ruhiges Buch mit viel Tiefgang, wegen seiner Langsamkeit und Unaufgeregtheit sicher nicht jedermanns Sache.


Alles ist erleuchtet: Roman
Alles ist erleuchtet: Roman
von Jonathan Safran Foer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Komplex, aber gut, 25. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Alles ist erleuchtet: Roman (Taschenbuch)
Was man Foer vorwerfen kann: Eine weitere amerikanische Familiengeschichte im Zuge von Franzen und Eugenides, nur diesmal in der Ukraine. Ein Plagiat von Marquez' „Hundert Jahre Einsamkeit". Eine Aufarbeitung der Holocaustverbrechen der Nazis, wie bei Kertéz. Alles das mag stimmen. Aber trotzdem ist „Alles ist erleuchtet" anders.
Zuerst einmal der Aufbau der Erzählstruktur. Es sind drei Erzählstile, der Briefroman des ukrainischen Übersetzers Alex, der Familienroman des Hauptdarstellers Jonathan und die Reisebeschreibung ebenfalls von Alex. Diese drei Stile prägen von Anfang an das Buch und sind auch bis zum Ende stilistisch konsequent getrennt.
Alex schreibt in einer Sprache, die vielleicht im englischen Original sehr originell sein mag, in der deutschen Übertragung aber oft sehr gekünstelt wird und bereits zu Beginn abschreckt. Man sollte sich aber eben nicht abschrecken lassen, da man sich mit der Zeit daran gewöhnt und auch die Fremdsprache für Alex leichter wird, je mehr er schreibt. Hier findet Foer einen interessanten Weg. Die Sprachen der beiden Erzähler werden sich mit Fortgang des Romans immer ähnlicher, vermischen sich mehr und mehr.
Ebenso werden die Gedankengänge der Erzähler einander ähnlicher. Ist Alex zu Beginn hauptsächlich daran interessiert sich selbst im besten Licht und seine hervorragende Männlichkeit zu beschreiben, so wird er mit der Zeit immer offener, immer nachdenklicher, seine eigene Geschichte fließt immer mehr in die fiktionale mit ein. Jonathan hingegen beschreibt 300 Jahre in einem ukrainischen Dorf aus dem seine Vorfahren stammen, bevor sie vor den Nazis in die USA flüchteten. Dieses Schtetl wird mit sehr viel Phantasie geschildert und es passieren alle erdenklichen Unmöglichkeiten darinnen.
Dieser Aufbau steuert auf einen Klimax hin, der unvermeidlich ist und dann auch eintritt. Die zunehmende Nähe der Erzähler vermengt sich und löst dann alle Fäden der Handlung auf.
Was man Foer trotz allem vorwerfen kann. Er packt alle Arten an literarischem Schreiben in diesen Roman. Nichts wird ausgelassen, egal ob Schriftgrößen, eingesprenkelte dramatische Dialoge, Tagebucheintragungen, Lautsprache, experimentelles Schreiben. Das mag sehr erfrischend sein, aber auch sehr nervend (um mit Alex' Sprache zu reden). Alles in allem aber ein durchwegs interessantes und packendes Debüt, vielleicht zu sehr in den Himmel gelobt.


Die Pendragon-Legende: Roman
Die Pendragon-Legende: Roman
von Antal Szerb
  Taschenbuch

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vor Eco und Rushdie war Szerb!, 22. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Pendragon-Legende: Roman (Taschenbuch)
Ein ungarischer Philosophiedoktor in einem walisischen Schloss, das von den mystischen Rosenkreuzern heimgesucht wird. Was sich anhört wie eine Gespenstergeschichte von vielen birgt in Wahrheit viel mehr.
Antal Szerb hat es vor 70 Jahren geschafft mehrere Gattungen der Literatur zu einer zu vereinen. Steht am Beginn des Buches die klassische Gruselgeschichte, so vermengt sie sich schon bald mit dem essayistischen Roman, den Eco oder Rushdie groß gemacht haben. Und um dem ganzen noch eines drauf zu setzen, bringt Szerb ebenso eine Detektivgeschichte unter, ganz nach den Vorbildern von Christie oder Wallace, letzterer findet sogar Erwähnung. Fortan springt der Roman von einer Geschichte zur nächsten und man muss sich ganz dem süffisanten Erzählton von János Bátky, dem Ich-Erzähler hingeben um durch die Wirrnisse von Schloss Pendragon zu finden. Doch vertrauen darf man dem Erzähler auch nicht, egal welche Haken der Roman schlägt, die Nonchalance des Erzählers ist gleichbleibend, seine Ironie konstant. Sogar dann, wenn er die Ursprünge des Geheimordens der Rosenkreuzer aus einer alten Handschrift übersetzt. Der Erzähler vereinnahmt den Leser komplett, man ist ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, weiß nie mehr und meistens viel weniger. Egal ob es sich um Spukgestalten, Erbschaftsbetrügereien oder Liebesaffären handelt, nie kann man sich sicher sein, was Real und was Irreal ist.
Das macht das Buch zu einer virtuosen Achterbahnfahrt durch einen zweiwöchigen Aufenthalt im tiefsten Wales und wäre das nicht genug, bekommt man auch noch intensive Landschaftsbeschreibungen gratis dazu.


Sommerhaus, später: Erzählungen
Sommerhaus, später: Erzählungen
von Judith Hermann
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Menschliche Beziehungen, jetzt, 21. Februar 2005
9 kurze und längere Geschichten sind es, mit denen Judith Hermann 1998 den Literaturbetrieb zu bewundernden Kritiken veranlasste. Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen, egal ob im Haus um die Ecke oder in den exotischen Gefilden der Karibik. Die Handelnden strotzen meist vor Selbstbewusstsein, doch weiß der Leser immer mehr als sie, sieht ihre Zweifel, ihre Ängste, ihre Missverständnisse. Konventionelle Partnerschaften werden aufgerissen, immer sind es Künstler oder zumindest Lebenskünstler, die bei Hermann von Bedeutung sind. Ein Maler, ein Computerkünstler, Aussteiger und Schriftsteller werden gezeigt, wie sie ihren Alltag glauben zu meistern oder über die ultimative Liebe stolpern ohne es zu merken. „Hunter - Tompson - Musik" erzählt mit einfachen Bildern von einem verlassenen, alten Mann, der sich nicht mehr mit der Gesellschaft zurechtfindet, ohne dabei jetzt den sozialkritischen Zeigefinger zu erheben. Hermanns Geschichten beschreiben genau und deuten noch mehr an, besitzen eine inhaltliche Tiefe, für die manche über 1000 Seiten brauchen und doch nicht erreichen.


Am kürzeren Ende der Sonnenallee
Am kürzeren Ende der Sonnenallee
von Thomas Brussig
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen DDR - Nostalgie klug aufgearbeitet, 21. Februar 2005
Brussig legt vor, was später in einer gehypten DDR - Nostalgie tatsächlich geschehen ist. Banale Vorkommnisse werden zu Legenden stylisiert und der Zuhörer oder in diesem Fall Leser, erwischt sich dabei etwas nachzutrauern, was zum Glück nicht mehr ist.
In einer gewandten Sprache und einer durchdachten Erzählstruktur deutet Brussig Sensationen an, die dann als nichtig verpuffen ohne dass der Leser es merkt. Alle Klischees Ostberlins werden gefüttert, ebenso die Klischees des Pubertierens. Da retten auf einmal geschmuggelte Rolling - Stones - Platten Leben, wachsen Stasi - Agenten aus dem Boden, wird eine stinknormale Liebesgeschichte zu einem Romeo und Julia Szenario. Was harmlos und langweilig beginnt wird schnell zu einem Ereignis der Extraklasse, was eigentlich nichtig war, ist in der Erinnerung ein denkwürdiges Ereignis. Der zu Besuch kommende West - Onkel, wird im Nachhinein zum Helden und das Regime zu einem kauzigen Altmännerverein. Gescheites Buch über die noch nicht allzu lange vergangene Vergangenheit.


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