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Rezensionen verfasst von
Schwameis

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The Rolling Stones - Crossfire Hurricane
The Rolling Stones - Crossfire Hurricane
DVD ~ The Rolling Stones
Preis: EUR 18,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Offenbarung, kein Reinfall, 14. Januar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Zukünftige Käufer dieser DVD haben natürlich ein Recht darauf, zu erfahren, was sie NICHT zu erwarten haben.
Nicht zu erwarten haben sie eine vollständige Dokumentation aller relevanten und interessanten Aspekte der Stones. Nichts erfährt man über die musikalischen Einflüsse der Band, wenig über die Entwicklung ihrer eigenen Musik (angesprochen wird lediglich, wie sich die Stones vom reinen Covern auf Songwriting durch Jagger und Richards verlegten - dem Songwriting ist immerhin eine schöne Szene gewidmet, wo Jagger und Richards singend und Gitarre spielend beieinander sitzen) von den unglaublich vielfältigen 60ern bis zum Besinnen auf die Wurzeln 1968 mit Beggars Banquet, den nächsten vier Jahren voller Klassiker (immerhin wird Midnight-Rambler als typisches gemeinsames Produkt der beiden angesprochen), natürlich nichts über den langsamen musikalischen Niedergang ab Mitte der 70er. Sehr wenig ist auch über das Verhältnis der Mitglieder untereinander zu hören, gerade über die Beziehung zwischen Jagger und Richards: Hierbei scheint der Film regelrecht verzerrend zu sein, denn dass die Band mit Woods Eintritt für immer harmonisch geblieben wäre, ist schlichtweg falsch: Gerade dann begann der Konflikt zwischen Sänger und Leadgitarrist richtig gefährlich zu werden. Gar nichts auch über die für die Gruppe wichtigen Frauen, Faithfull, Pallenberg etc. Auch von Vollständigkeit ist der Film weit entfernt: So erfahren wir kaum etwas über das Zusammenfinden und die Gründung der Band, das Ende stellt die Some-Girls-Tour 1978 dar, als Abspann hören wir "All Down The Line" aus Scorseses "Shine a Light" und die neuesten Songs von "GRRR", "One More Shot" und "Doom and Gloom".

Dass all dies nicht in zwei Stunden zur Sprache kommen kann, ist jedoch kaum überraschend, weswegen die herbe Kritik und große Enttäuschung einiger Rezensenten kaum verständlich scheint. Es ist zu betonen, dass der Film weniger einer Dokumentation als einem Spielfilm entspricht. Richards bezeichnet die Geschichte als "Fairy Tale" und der Regisseur spricht von einer "Heldengeschichte". Und als "Held" wird die Band auch dargestellt, als junge, unerfahrene Typen, die von der Wucht, die ihre Konzerte, auslösen mitgerissen werden, die aus marketingtechnischen Gründen zu den "bösen, gefährlichen Beatles" stilisiert werden, diese Rolle des Outlaws schließlich nicht mehr nur spielen, sondern tatsächlich annehmen und damit, welche Ironie, endlich eine ungefährliche Mainstream-Band werden, mit der jeder irgendwie etwas anfangen kann.

Man könnte also sagen, dass es weniger um das Innere der Band (Musik, Beziehungen untereinander und zu Frauen) geht, als um das Äußere, d. h. ihre gesellschaftliche Relevanz, von einer Bedrohung in den 60ern zu einer Institution ab den 70ern.
Gerade die Darstellung der 60er, der kreischenden, die Bühne stürmenden Mädchen und mit der Polizei kämpfenden Burschen, gelingt dem Regisseur ausgezeichnet, und ist, wie er selbst sagt, sicherlich für Jüngere, die mit den Stones als Selbstverständlichkeit aufgewachsen sind, hochinteressant und neu. Hervorzuheben sind weiters erstaunlich rührselige Bemerkungen zu Brian Jones' Tod (die insbesondere für Jagger unerwartet sind) sowie die Schilderung der eigenen Sicht auf Altamont, die eine hervorragende Ergänzung zum berühmten "Gimme Shelter" ist.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Regisseur mit seiner Heldengeschichte zwar eine unzureichende und teilweise verzerrende Perspektive eingenommen hat, aber doch den für einen Kinofilm wohl fruchtbringendsten und gesellschaftlich interessantesten Aspekt ins Zentrum gestellt hat. Weniger ein Film für alte Stones-Fans also, als für jene, die es noch werden wollen


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