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Michael Höfel (Media-Mania)

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Rasenmäher-Mann 2 - Die Rache
Rasenmäher-Mann 2 - Die Rache
DVD ~ Patrick Bergin

1.0 von 5 Sternen Die Bedienungsanleitung eines Rasenmähers ist spannender ..., 10. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Rasenmäher-Mann 2 - Die Rache (DVD)
Kritik zum Film:

"Der Rasenmähermann" von 1992 nimmt in der langen Liste der Stephen-King-Verfilmungen eine Sonderstellung ein: Das ursprüngliche Skript wurde unter dem Titel "Cyber God" verfasst und entbehrte jeder Verbindung zum Werk des King of Horror. Das Produktionsstudio New Line Cinema besaß zu jener Zeit die Verfilmungsrechte auf Kings Kurzgeschichte "Der Rasenmähermann" und ließ eine Handvoll Alibi-Parallelen zum Text ins Drehbuch einarbeiten, um den Film mit Kings gewinnträchtigem Namen bewerben zu können. Der Autor protestierte gegen diese Entscheidung, forderte die Entfernung seines Namens aus dem Filmtitel und zog schließlich vor Gericht, das ihm nach einigen Rückschlägen auch recht gab. Immerhin entwickelte sich "Der Rasenmähermann" zu keiner Box-Office-Bombe - allein in den USA spielte der Film mehr als das Dreifache seines Budgets von 10 Millionen US-Dollar wieder ein -, sodass 1996 ein Sequel folgte, dem die zweifelhafte Ehre zuteilwurde, zu den überflüssigsten Fortsetzungen der Filmgeschichte gezählt werden zu dürfen.

Das hängt nicht zuletzt mit der chronischen Widersprüchlichkeitssucht des Drehbuchs zusammen, die bereits mit der völlig sinnfreien Ausgangslage des Films einsetzt: Das Ende des Vorgängerstreifens - Jobes erfolgreicher Einzug in den Cyberspace und seine Abspaltung von seinem physischen Körper - wird aus unerfindlichen Gründen komplett ignoriert, obwohl sogar Material aus dem ersten Film, das Jobes Siegeszug in die unendlichen Weiten des Internets zeigt, zu Beginn von "Rasenmäher-Mann 2 - Die Rache" eingefügt worden ist. Aus dem gottgleichen Übermenschen, der dank telekinetischer Kräfte in der außervirtuellen Realität eine tödliche Bedrohung darstellte, wird kurzerhand ein menschliches Wrack, das von heute auf morgen keine übersinnliche Macht außerhalb des Cyberspace mehr besitzt. Auch die Handlungen der Figuren sind nicht immer nachvollziehbar: So versucht der totgeglaubte Jobe, zu Filmbeginn über seinen einzigen Freund aus Rasenmäher-Tagen - den Jungen Peter Parkette - Kontakt mit dem zurückgezogen lebenden Dr. Trace aufzunehmen, dem er wertvolle Informationen über den Computerchip entlocken will; doch kaum stehen Jobe und Trace einander gegenüber, bekundet Ersterer plötzlich, seine Pläne auch ohne Traces Kooperation in die Tat umsetzen zu können.

Damit ist die bunte Parade der hirnrissigen Widersprüche und unbeabsichtigten Dummheiten aber noch lange nicht vorbei - im Gegenteil: "Rasenmäher-Mann 2" ist schludrig zusammengeschusterter und unfertig wirkender Müll, bei dem nichts auch nur ansatzweise zu Ende gedacht worden ist. So ist das einzige bekannte Gesicht aus dem Cast des Vorgängerfilms, das für das Sequel gewonnen werden konnte, Austin O'Brien ("Last Action Hero"), der erneut in die Rolle des jungen computeraffinen Peter Parkette schlüpft. Bloß: Obwohl der Schauspieler, wie auch seine Figur kaum gealtert sind, verfrachtet das von Logikdiarrhöe gepeinigte Drehbuch die Handlung in eine weit entfernt wirkende Zukunft, in der fliegende Autos und Virtual-Reality-Brillen zum Alltag gehören - ein krasser Gegensatz zur Early-Nineties-Handlungszeit des Vorgängers. Ein derartiger technologischer Quantensprung innerhalb weniger Jahre? Selbst bei der Frage nach seiner Zielgruppe verstrickt sich der Streifen in Widersprüche: Mutet "Rasenmäher-Mann 2" vor allem im ersten Filmdrittel mit seinen Teenie-Hackern und den Reisen durch eine bunte virtuelle Realität noch wie ein vornehmlich auf ein jugendliches Publikum zugeschnittener SF-Actioner an, der in puncto Umsetzung auf dem Niveau eines "Power Rangers"-Films dahinvegetiert, streut der Film mit zunehmender Laufzeit einige etwas härtere Szenen ein, während mit Dr. Trace (der aussieht, als hätte sich Ed Harris als Tommy Wiseau verkleidet) ein Erwachsener die jungen Charaktere zunehmend ins Abseits drängt; gleichzeitig aber grenzt die hochgradig naive und selten dumme Handlung jedes halbwegs denkende erwachsene Publikum aus - ein Teufelskreis, dem der Film nicht entkommt.

Technisch blamiert sich der Streifen ebenfalls auf höchstem Niveau: Die dystopisch-futuristische Kulisse ist erbärmlich zusammengewürfelt, die Actioneinlagen sind mehr schlecht als recht in Szene gesetzt, und über die Qualität der Computereffekte sollten überhaupt alle Mäntel des Schweigens dieser Welt ausgebreitet werden. Dass "Rasenmäher-Mann 2" fürs Kino produziert wurde, will man angesichts seiner billigen TV-Optik zu keinem Moment glauben.

Langer Rede kurzer Sinn: "Rasenmäher-Mann 2 - Die Rache" ist lächerlicher, hanebüchen erzählter Low-Budget-SF-Schrott, bei dem von vorn bis hinten nichts stimmt und der unfreiwillige Komik zur olympischen Disziplin erhebt. Dagegen liest sich jede Rasenmäher-Anleitung wie das Drehbuch zu "Matrix".

Kritik zur DVD:

Die Bildqualität ist insgesamt nicht schlecht ausgefallen. Zwar wirken das Bild über weite Strecken ein wenig weich und die Farben etwas matt, aber davon abgesehen gibt es keine gröberen Mängel. Im Gegensatz zur früheren Warner-DVD liegt das Bild bei diesem Release im Originalformat 2,35:1 (16:9) vor.
Der deutsche Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor und reißt dementsprechend keine Bäume aus, bietet aber eine zufriedenstellende Abmischung mit klar verständlichen Dialogen. Der englische Originalton, der sich ebenfalls auf der Disc befindet, ist auf dem Backcover nicht angeführt. Untertitel sind keine vorhanden.
Als Bonusmaterial finden sich lediglich der Originaltrailer zum Film sowie die obligatorische Trailershow auf der Silberscheibe. Der DVD liegt ferner ein Wendecover bei.


Die Rache der Königskobra
Die Rache der Königskobra
DVD ~ Kwankao Savetawimon
Wird angeboten von Nora's DVD Ecke
Preis: EUR 7,99

1.0 von 5 Sternen Lächerlicher Thai-Tierhorror-Trash, 8. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Rache der Königskobra (DVD)
Kritik zum Film:

Mit Tierhorror ist das so eine Sache: Einige Beiträge zu diesem Subgenre sind recht brauchbar ("Lake Placid", "Der Horror-Alligator"), wiederum manche unterhaltsam ("Cujo", "Black Sheep") und nur die wenigsten wirkliche Genre-Perlen, deren verweigerte Sichtung einer Bildungslücke gleichkommt ("Der weiße Hai", "Die Vögel"). Die überwiegende Masse aber besteht aus entbehrlichem und einfallslosem Schund, der im günstigsten Fall lediglich sterbenslangweilig, schlimmstenfalls aber ein berechtigter Anlass für Schmerzensgeldklagen ist. Da freut sich der geplagte Genre-Connaisseur über jede Abwechslung, die er in die Finger kriegen kann – beispielsweise in Gestalt von Horrorstreifen aus Fernost. Thailändisches Tierhorror-Kino etwa ist in unseren Breitengraden de facto unbekannt – wobei ermüdender Trash wie "Die Rache der Königskobra" (Originaltitel: "Khew ar-khard") nicht gerade das beste Aushängeschild ist, sondern am besten ungesehen direkt in die Mülltonne wandert.

Dabei ist "Die Rache der Königskobra" inszenatorisch nicht einmal eine Bankrotterklärung wie andere trashige Genre-Kollegen – zwar in keinster Weise nennenswert, für ein B-Movie aber durchaus solide inszeniert, ohne den Charme einer Darmspiegelung, wie ihn allzu viele filmische Darmkatarrhe, die Hunde, Schlangen, Spinnen, Bienen, Krokodile und Haie auf die Menschheit loslassen, versprühen. Schwerer wiegen da schon die Effekte, die recht durchwachsen ausgefallen sind: Wirken die Schlangen aus dem Rechner in einigen Einstellungen zwar sichtlich billig produziert, aber für ein asiatisches B-Movie doch recht passabel, muss der Zuschauer in anderen Szenen um die Gesundheit seiner Augen bangen.

Das eigentliche Problem des Films ist aber das rundweg missratene Drehbuch, das von Anfang an jede Form von Spannung und Logik brutal stranguliert: Eine Handlung gibt es ebenso wenig wie Charaktere, stattdessen darf man einer Gruppe völlig uninteressanter, weil nicht einmal ansatzweise eingeführter Figuren rund 100 Minuten lang dabei zusehen, wie sie vor derselben monotonen Kulisse auf- und ablaufen, eifrig heulen und jammern, dümmliche Dialoge zum Besten geben und allerlei irrationale Dinge tun – wie etwa die Entscheidung fällen, sich selbst den Schlangen zu opfern. Was genau sie damit zu bezwecken gedenken, bleibt ebenso im Dunklen wie die diversen Sideplots, die meist unmotiviert aus dem Hut gezaubert werden und nicht selten komplett ins Leere laufen: So gibt es etwa eine alte Frau, die mehr über den Ursprung der kriechenden Invasoren zu wissen scheint als sie zugeben will, und wiederholt wird vom eigentlichen Ort des Geschehens zu einer Zeitungsredaktion oder ähnlichem (das gehört zu Dingen, die nicht näher erläutert werden) gewechselt, ohne dass dies irgendeinen Sinn ergibt. Dass der Streifen auf jede Form von Ironie verzichtet und all seiner Lächerlichkeit zum Trotz naive Ernsthaftigkeit zelebriert, bricht dem Ganzen endgültig das Genick. So verwundert es nicht, dass man bereits nach zehn Minuten jegliches Interesse am weiteren Schicksal der Figuren (von denen die meisten namenlos bleiben!) verliert und sich lieber auf wesentlichere Dinge konzentriert – wie etwa die Löcher im Nudelsieb zu zählen. Die Auflösung setzt dann noch einen drauf und wirft zahlreiche neue Fragen auf, ohne eine Antwort auf auch nur eine einzige bereits aufgeworfene zu geben.

"Die Rache der Königskobra" hätte rundum belangloser B-Tierhorror werden können, doch das miserabel zusammengestoppelte Drehbuch und die schwachen darstellerischen Leistungen machen daraus eine ärgerliche Verschwendung unwiederbringlich verlorener Lebenszeit. Da fällt die erbärmliche deutsche Billig-Synchronisation fast nicht mehr ins Gewicht ...

Kritik zur DVD:

Das Bild, das bewusst mit kalten Farben spielt, präsentiert sich recht ordentlich, hätte aber durchaus etwas höhere Schärfewerte vertragen können. Der deutsche wie der thailändische Ton liegen jeweils in Dolby Digital 5.1 vor und reißen in puncto Räumlichkeit keine Bäume aus, aber zumindest bleiben die Dialoge jederzeit verständlich.
Das Bonusmaterial umfasst ein viereinhalbminütiges Behind the Scenes (deutsche Untertitel? Fehlanzeige!), den Originaltrailer sowie Werbung für weitere Filme – das war's auch schon wieder. Der DVD liegt ein Wendecover.


Jules Verne - Herrscher der versunkenen Welt
Jules Verne - Herrscher der versunkenen Welt
DVD ~ Bruce Boxleitner
Wird angeboten von wernernickl
Preis: EUR 6,99

1.0 von 5 Sternen Heillos unterproduzierte King-Kong-Trash-Fehlgeburt, 8. Februar 2015
Kritik zum Film:

Mit filmischem Bodensatz vom Fließband in die Gewinnzone – das ist das Erfolgsrezept der unterhaltungsabtreibenden Kreativköpfe von The Asylum, deren Rohrkrepierer mittlerweile unter Trashophilen Kultstatus genießen. Einen nicht unwesentlichen Anteil im Geschäftsgebaren der US-amerikanischen Schrottschmiede stellen dabei so genannte "Mockbusters" dar – in Rekordzeit heruntergekurbelte Low-Budget-Rip-offs Erfolg versprechender Hollywood-Blockbuster, die möglichst zeitgleich mit dem höher budgetierten Original veröffentlicht werden und durch beabsichtigte Ähnlichkeiten in Titel und Aufmachung zur Vorlage Geld in die Kassen spielen sollen. Dabei muss das Billigheimer-Plagiat inhaltlich nicht zwangsläufig auch Parallelen mit dem geschändeten Big-Budget-Model vorweisen, sondern kann auf dem Mist der Irrenanstalt gewachsen sein. So entstand "King of the Lost World" zwar im Fahrwasser von Peter Jacksons "King Kong"-Remake, wirkt jedoch eher wie der mit gefühlten zehn Dollar Budget realisierte Versuch, Arthur Conan Doyles "The Lost World" mit J. J. Abrams "Lost" zu verquicken – und dem so gezeugten Bastard alibihalber einen Riesengorilla zur Seite zu stellen. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen - zumindest für masochistisch veranlagte Vielgucker auf der Suche nach dem filmischen Äquivalent von Prostatakrebs.

Gerade die frühen Direct-to-Video-Ausscheidungen von Asylum haben es gehörig in sich - und "King of the Lost World" zählt zu diesem hehren Kreis filmischer Darmkatarrhe, neben denen sogar die Machwerke eines Dr. Uwe Boll zum seriös-anspruchsvollen Kulturgut mutieren. So kränkelt das Pseudo-King-Kong-Plagiat an einer Fehlgeburt an Drehbuch, das lächerlicher und konzeptloser kaum sein könnte. Brutal knüppelt es den Zuschauer mit seinen kruden Einfällen und seiner unverhältnismäßigen Geschwätzigkeit, die die Laufzeit krampfhaft strecken soll (angesichts einer Länge von ohnehin lediglich 75 Minuten ein echtes Kunststück!), nieder, während die unsympathischen Figuren mit dem Charme mehrfach gebrauchter Crashtest-Dummies eine irrationale Handlung nach der anderen setzen. Grandios hanebüchene Einfälle wie eine Atombombe mit einem Radius von läppischen 300 Yards (!) bereichern den Affenzirkus ebenso wie plump choreografierte Actioneinlagen oder CGI auf Sparflamme - wobei das optische Highlight zweifellos der No-Budget-Cousin von King Kong darstellt, dessen Konturen in den Effekt-Shots dermaßen verwischt sind, dass man beinahe aus Angst vor bleibenden Augenschäden den Blick von dem computergenerierten Unfall abwenden will. Der Cast rekrutiert sich fast ausschließlich aus zu Recht unbekannten Kandidaten von der hintersten Reservebank, mit SF-Veteran Bruce Boxleitner ("TRON", "Babylon 5") findet sich ein einziges bekanntes Gesicht, dessen krampfhafte Bemühungen, seine Figur als harten Kerl zu spielen, jämmerlich scheitern.

Unterm Strich ist "King of the Lost World" ein in allen nur denkbaren Belangen hoffnungslos unterproduzierter Trittbrettfahrer-Schrott mit dem Charme eines Autounfalls, der sich allenfalls mit Brennspiritus schöntrinken lässt.

Kritik zur DVD:

Das Bild kränkelt an mangelnder Schärfe und stellenweise zu tiefem Kontrast, besonders Effekt-Shots fallen sehr weich aus; ferner wirken die Farben öfters verwaschen und unnatürlich, und auch ein Grieseln macht sich besonders in Tagszenen bemerkbar. Der Ton reißt ebenfalls keine Bäume aus, weder in Stereo noch in einem bescheidenen 5.1-Upmix kann von einer gelungenen Abmischung die Rede sein, zumal die Dialoge stellenweise zu leise daherkommen.
Das Bonusmaterial fällt ausgesprochen bescheiden aus: die obligatorische Trailershow und ein Wendecover - das war's auch schon; weitere Extras früherer deutscher DVD-Auswertungen wurden für die vorliegende Veröffentlichung nicht übernommen. Untertitel sucht man vergebens.


Need for Speed [3D Blu-ray]
Need for Speed [3D Blu-ray]
DVD ~ Aaron Paul
Preis: EUR 14,97

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vorhersehbar dümmliches, aber überraschend kurzweiliges 3D-Rennen, 8. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Need for Speed [3D Blu-ray] (Blu-ray)
Kritik zum Film:

Geht es um illegale Straßenrennen auf der Leinwand, besaßen Dominic Toretto und seine Gang in Hollywood einige Jahre lang mehr oder minder ein Monopol darauf - bevor das "Fast & Furious"-Franchise zunehmend eine Neuausrichtung in Richtung Heist-Movie erfuhr, während das ursprüngliche Thema "Street Racing" ins Abseits rutschte. In diese Lücke auf dem schwarzen Filmasphalt driftet nun DreamWorks hinein - und zwar mit nichts Geringerem als einer Videospielverfilmung: In Kooperation mit Electronic Arts wurde die populäre Rennspiel-Reihe "Need for Speed" auf die Leinwand gebracht. Das macht freilich auf das Ergebnis neugierig. Denn: Zum einen genießen filmische Adaptionen von Videospielen in der Regel keinen guten Ruf - bei Fans der Vorlagen meist noch weniger als bei Filmkritikern - und können rasch zu Kassenflops mutieren. Zum anderen besitzt "Need for Speed" keine nennenswerte Handlung, die sich für die Leinwand adaptieren ließe; ebenso gut hätte Nintendo eine Verfilmung seiner beliebten "Mario Kart"-Reihe in Auftrag geben können. Wozu also "Need for Speed" ins Lichtspielhaus bringen?

Regisseur Scott Waugh ("Act of Valor") und Drehbuchautor George Gatins machten das Naheliegendste aus der Prämisse: Oktanhaltige Actionszenen werden mit einem Fingerhut an Handlung ausgekleidet, die an Banalität kaum zu überbieten ist - flache Figuren, lachhafte Dialoge und Klischees vom Fließband inklusive. Doch während Dominic Toretto und seine Bande die Straße mit immer unrealistischeren Stunts und übertriebener Zerstörung aus dem Rechner unsicher machen (in "Fast & Furious 6" ist lachhafterweise wie auch treffend von "automobiler Kriegsführung" die Rede), setzt "Need for Speed" größtenteils auf handgemachte Spezialeffekte, wie sie im heutigen Blockbusterkino viel zu selten zu bestaunen sind: Echte Wagen rasen über den Asphalt, überschlagen sich auf beeindruckende Weise und gehen in spektakulären Crashs in unförmigem Blech auf. Auch wenn es letztlich nicht ganz ohne CGI ein Auskommen gibt, so gefällt doch Waughs fürs Mainstreamkino überraschendes Bekenntnis zu realistischerer Carsploitation (wobei "realistisch" hier freilich relativ zu verstehen ist).

Darüber hinaus konzentriert sich der Film auf das Wesentliche: Die eindrucksvollen Street-Racing-Sequenzen und Verfolgungsjagden stehen im Mittelpunkt, entsprechend sind die eigentlichen Hauptdarsteller automobiler Natur, während der menschliche Cast fast schon wie ein Fremdkörper wirkt und im Grunde nur vorhanden ist, weil "Need for Speed" nun einmal kein Hasbro- oder Pixar-Streifen ist, in dem Autos selbstständig agieren können. So ist dank des Drehbuchs von den Darstellern auch kein nennenswertes Spiel zu erwarten, wobei Jesse Pinkman (pardon: Aaron Paul) noch am ehesten so etwas wie Präsenz aufweist, während Imogen Poots ("28 Weeks", "Drecksau", "Fright Night 3D") und Dakota Johnson (Anastasia Steele in der kommenden "Fifty Shades of Grey"-Verfilmung) lediglich nett anzusehen sind.

Die furiose und teils in gelungenen Einstellungen festgehaltene Action, die dank der Hochglanz-Optik auch in 3D sehr knackig rüberkommt, ist es letztlich auch, die über das dümmliche Drehbuch hinwegsehen lässt. Dabei ist dessen größtes Manko nicht etwa die personifizierten Klischees, die ach so cool geklopften Sprüche, die wiederholten Momente von Logik-Diarrhöe oder die brutal eindimensionale Story an sich - nein, es ist vielmehr die unnötig aufgeblähte Laufzeit von 131 Minuten, aufgrund der sich schon mal die eine oder andere Länge zwischen den rasanten Action-Einlagen einschleicht. Überflüssige Handlungsstränge wie die obligatorische, aber völlig entbehrliche Lovestory hätten getrost dem Rotstift zum Opfer fallen können, so dass der Fokus noch mehr auf dem geruht hätte, worum sich der Streifen in Wahrheit dreht: optisches Labsal in Form verboten schöner Boliden, deren Verschrottungen auf der Rennstrecke einem beinahe Tränen in die Augen jagen.

Als Verfilmung einer ziemlich handlungsfreien Videospielreihe hätte "Need for Speed" mehr als nur einige Gelegenheiten geboten, im Straßengraben der filmischen Ausschussware zu landen. Dass ein Hochglanz-Carsploitation-Actioner mit B-Note dabei herausgekommen ist, der trotz seiner Schwächen streckenweise zu unterhalten weiß, solange man sein Gehirn im Kofferraum verstaut hält, überrascht dann doch. Gerade weil sich Waugh und Gatins nicht im Geringsten dafür genieren, etwas derart Verpöntes wie eine Videospielverfilmung in Angriff genommen zu haben, sondern im Gegenteil selbstbewusst Referenzen an die Vorlage in den Film einbauen (so etwa die berüchtigt brachialen, geradezu illegalen Versuche der Gesetzeshüter, die Rennwagen zu stoppen), ist der Wiedererkennungswert im Film gegeben und driftige Kurzweil garantiert - vorausgesetzt, man kuppelt rechtzeitig zu Filmbeginn das Gehirn aus, will man keinen zerebralen Motorschaden riskieren ...

Kritik zur Blu-ray Disc:

Das 2D-Bild wartet mit ausgezeichneten Schärfewerte, kräftigen Farben und einem satten Schwarzwert auf, so dass sich in einigen Einstellungen Plastizität und ein regelrechter Tiefeneffekt einstellen. Die 3D-Präsentation basiert auf einer nachträglichen Konvertierung, die sich aber durchaus sehen lassen kann. So gehen in dunklen Bereichen zwar gelegentlich Details verloren, dafür aber sucht man lästiges Ghosting vergeblich. Insgesamt ein homogenes 3D-Bild mit vereinzelten eher misslungenen Shots, sehr plastisch, aber nicht rundum referenzverdächtig - zumal das Bild in 2.40:1 (16:9) und nicht in 3D-freundlicherem Vollbild vorliegt.
Der deutsche HD-Ton punktet mit einer aggressiven, dynamischen Abmischung, die in den Rennszenen gehörig den Subwoofer arbeiten lässt, ohne seine Feindetailwiedergabe oder die Dialogverständlichkeit einzubüßen. Ein rundum vollmundiger Track, der dem Originalton in nichts nachsteht! Ferner liegt der deutsche Ton zusätzlich in Dolby Digital 2.0 vor.
Das Bonusmaterial umfasst einen informativen Audiokommentar von Scott Waugh und Aaron Paul, ein rund 10-minütiges Making-of über die Stunts sowie ein Featurette über eine seit Generationen im Stunt-Business tätige Familie, die auch in "Need for Speed" mitwirkte, ferner deleted scenes, Outtakes, Impressionen vom Set sowie der deutsche und der englische Originaltrailer. Der gesamte Bonuscontent liegt in HD und in 2D vor, Extras in 3D sucht man bedauerlicherweise vergebens. Der Blu-ray liegt ein Wendecover bei.

Anmerkung: Die Blu-ray 3D ist exklusiv bei Müller auch als limitierte Steelbook-Edition erhältlich.


Transformers 4: Ära des Untergangs [Blu-ray]
Transformers 4: Ära des Untergangs [Blu-ray]
DVD ~ Mark Wahlberg
Preis: EUR 9,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Absoluter Tiefpunkt in Michael Bays Filmografie, 5. Januar 2015
Kritik zum Film:

Man nehme eine populäre Action-Spielzeugreihe für Kinder, schreibe um diese herum ein Drehbuch, gewinne eine lebende Regielegende als Produzenten und verpflichte die persönliche Nemesis zahlreicher Filmkritiker für den Regieposten - und heraus kommt eines der finanziell erfolgreichsten Filmfranchises der letzten Jahre: 2007 brachten Michael Bay und Steven Spielberg Hasbros "Transformers" auf die Leinwand und legten damit den Grundstein für eine ausgesprochen profitable Filmreihe, die es auf mittlerweile vier Teile gebracht hat. Das jüngste Sequel versprach dabei in mehrerlei Hinsicht so etwas wie eine Neuausrichtung des Franchise: ein rundum neuer menschlicher Cast, fabrikneue Transformer-Modelle (und alte wie Optimus Prime in neuem Design), und auch der Regiestuhl schien vakant zu werden.

Letzten Endes blieb Bay seinem gestaltwandlerischen Fuhrpark aber doch treu - und sich selbst ebenso: Mit "Transformers: Ära des Untergangs" degradiert Hollywoods Krawallmacher Nummer eins die bisherigen Leinwandkämpfe von Hasbros Blechsoldaten zu mickrigen Sandkastenscharmützeln und legt dank eines üppigen Budgets von 210 Millionen US-Dollar den aktuell technisch machbarsten absoluten Overkill hin: tricktechnisch perfekt, ungezügelt in seinen Einsatz von CGI und zeitgemäß in brillantem 3D. Dabei frönt Bay einmal mehr seinem Lieblingsspiel - umfassende Destruktion: Wie gewohnt werden Roboter am Fließband verschrottet, Städte dem Erdbeben gleichgemacht und jede noch so beiläufige Explosion mit gefühlten drei Dutzend weiteren Feuerbällen unterfüttert. Was will der Liebhaber seelenloser computergenerierter Bild-Orkane mehr?

Das Problem, das sich bereits in den beiden vorangegangenen Sequels unterschiedlich stark bemerkbar gemacht hat und in "Transformers: Ära des Untergangs" vollends zum Ausbruch kommt, ist bloß: Bay scheint sich selbst in jeder neuen Runde des Roboter-Geplänkels um ein Vielfaches übertreffen zu wollen - und verliert dabei definitiv jedes Maß aus den Augen. Was im zweiten Film durch die viel zu lange Laufzeit deutlich, in "Transformers 3" aber vor allem dank knackigem 3D und der unbeabsichtigt belustigenden (weil debilen) Backstory um die 'wahren' Hintergründe des Wettlaufs ins All während des Kalten Krieges abgefangen wurde, verkommt im vierten Film endgültig zu einer hysterischen Dauerejakulation aus nimmer endenden Explosionen und berstendem Blech, ohne Sinn und Verstand, von Unterhaltungswert gar nicht zu sprechen. Der Over-Overkill, den Bay in "Transformers: Ära des Untergangs" dem Zuschauer um die Ohren haut, ödet einfach nur an, zumal die menschlichen Charaktere mehr denn je zuvor in den Hintergrund geschoben werden.

Es wäre nun ein Leichtes (und angesichts von Bays bisheriger Vita auch Naheliegendes), an dieser Stelle einfach einen Strich zu ziehen und fröhlich dem Bay-Bashing zu frönen. Doch damit käme ein weiterer Mittäter dieser filmischen Katastrophe ungestraft davon: Ehren Kruger, der bereits an "Transformers - Die Rache" mitschrieb und seit Teil drei als alleiniger Skriptlieferant der Filmreihe fungiert, hat mit "Transformers: Ära des Untergangs" einen Darmkatarrh von Drehbuch abgeliefert, der im Publikum die Angst vor möglichem Blut im Stuhl weckt. Dabei wirkt der zusammengepfuschte Skript-Torso wie das teuerste Experiment des Mainstreamkinos: als hätte Kruger ursprünglich ein für Blockbuster-Verhältnisse halbwegs konsistentes Drehbuch abgeliefert, aus dem die Produzenten wahllos massenweise Seiten herausgerissen und es anschließend an Bay weitergereicht haben, gespannt, was er denn nun damit anfangen würde - an Bay, der sich auf die riesig klaffenden Lücken keinen Reim machen konnte und sie kurzerhand mit dem ausfüllte, was er beherrscht wie kein Zweiter: Explosionen, umherfliegendem Metall und purer Destruktion in Überlänge.

Gerade weil Kruger für das vierte Transformers-Abenteuer gleich mehrere Plotstränge geflochten hat (unter anderem wird ein alter Bekannter aus der vorangegangenen Trilogie kurzerhand reanimiert), treten diese eklatanten Handlungskrater umso deutlicher - und vor allem ärgerlicher - hervor: An die Stelle einer Alibi-Handlung wie etwa in den Vorgängerfilmen, die Actionmomente aneinanderreiht, treten nun zusammenhangslose Subplots, die urplötzlich ins Nichts münden und nicht weiterverfolgt werden oder im Gegenteil ohne jede Vorwarnung plötzlich im Raum stehen - oder gar nur angedeutet werden; die obligatorischen Materialschlachten dazwischen wirken völlig willkürlich und wie ausgewürfelt platziert. Kruger ist nicht einmal in der Lage, auch nur im Ansatz so etwas wie eine innere Transformers-Universum-Logik durchzuhalten: So nimmt etwa Ratchet, der Chefsanitäter der Autobots, zu Filmbeginn auf der Seite der CIA an der Jagd auf seine eigenen Artgenossen teil; weshalb, wird nicht erläutert - und ist auch vollkommen irrelevant, da er nach dieser Episode ohnedies auf Nimmerwiedersehen in der Versenkung verschwindet. Hinzu kommt erschwerend, dass die Dinobots - mit denen in Trailern und auf Postern immerhin groß geworben wurde - gerade einmal beim Showdown mit von der Partie sein dürfen und in den restlichen zweieinhalb Stunden davor keine Rolle spielen. Dafür wird gleich zu Beginn eine falsche Fährte gelegt, wenn mit Metall überzogene Dinosaurierüberreste in der Arktis gezeigt werden, die entgegen der geschürten Erwartungen nicht das Geringste mit den Dinobots zu tun haben (und mit dem Rest der Handlung ebenso wenig).

Michael Bay hat - und das steht allen negativen Stimmen zum Trotz außer Frage - einige durch und durch kernige Beiträge zum modernen Action-Kino abgeliefert, darunter "Bad Boys", "The Rock" oder auch den ersten "Transformers"-Streifen. "Transformers: Ära des Untergangs" hingegen ist die maximal vorstellbare Konzentration aller Fehler des Bay'schen Kinos: ein zusammenhangsloses Nichts an Handlung, aufgebläht zu einem nicht zu rechtfertigenden Überlänge-Ungetüm mit redundanten Materialschlachten zur Potenz, die selbst dem hartgesottensten Destruktionsliebhaber die Freude an flächendeckender Zerstörung aus dem Rechner vergällen. Keine Frage, mit "Transformers: Ära des Untergangs" hat der einstige Bruckheimer-Lehrling seinen schlechtesten Film abgeliefert. Und Ehren Kruger den idealen Anlass für ein lebenslanges Berufsverbot ...

Kritik zur Blu-ray Disc:

Wie schon die Vorgängerfilme bekommt auch "Transformers: Ära des Untergangs" eine BD-Auswertung spendiert, die technisch erstklassig daherkommt. Das referenzwürdige Bild präsentiert sich gestochen scharf, extrem detailliert und dermaßen plastisch, dass sich häufig ein regelrechter Tiefeneffekt einstellt - hier lässt sich erahnen, welch fantastische Präsentation die Blu-ray 3D erst liefern muss. Zwar sind öfters leicht überhöhte Kontrast- und Farbwerte bemerkbar, doch diese Bay-typischen Stilmittel können das Bild ebenso wenig vom Referenzthron stoßen wie einige körnige Shots. Anders als bei der 3D-Fassung liegt der ursprünglich in unterschiedlichen Bildformaten gedrehte Film in 2D durchgehend in gemattetem 2.40:1 (16:9) vor, wodurch Formatwechsel entfallen, aber auch zuweilen Bildinformation verlorengeht.

Wie das Bild ist auch der Ton referenzwürdig - zumindest der englische Originalton, der in Dolby Atmos vorliegt. Bedauerlicherweise hat Paramount dem deutschen Ton lediglich eine Dolby-Digital-5.1-Spur spendiert, die zwar über eine sehr gute Räumlichkeit und Dynamik verfügt, aber vergleichsweise leise daherkommt und gerade bei der Basswiedergabe eher schwächelt. Der englische Dolby-Atmos-Ton (dank Einbettung in einen Dolby-TrueHD-Track abwärtskompatibel mit 5.1- und 7.1-Systemen) hingegen ist schlichtweg eine Wucht und katapultiert den Zuschauer direkt in die ausufernden Materialschlachten hinein.
Beim Bonuscontent lässt sich Paramount nicht lumpen und spendiert satte 187 Minuten Extras in HD, die ausnahmslos auf der zweiten Disc untergebracht sind - was bedeutet, dass man vergeblich nach einem Audiokommentar zum Hauptfilm sucht.
In "Bay und Action" steht die Arbeitsweise des Radau-Regisseurs im Mittelpunkt, während im zweistündigen Making-of "Evolution des Aussterbens" sehr ausführlich auf die Produktion des Films von Anfang bis Ende eingegangen wird, wobei der Fokus vor allem auf der Technik liegt. Daneben gibt es in weiteren Featurettes Einblicke in die Arbeit der Hasbro-Spielzeugdesigner, amüsante Impressionen aus dem Alltag am Set sowie Kinotrailer zum Hauptfilm. Darüber hinaus liegt der Blu-ray ein 5-Euro-Gutschein für Pizza.de bei. Ein Wendecover fehlt bedauerlicherweise.


Tarzan [3D Blu-ray]
Tarzan [3D Blu-ray]
DVD ~ Reinhard Klooss
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Flache Story, schön in 3D anzusehen, 5. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Tarzan [3D Blu-ray] (Blu-ray)
Kritik zum Film:

Wenn es einer literarischen Figur gelingt, Filmschaffende über hundert Jahre hinweg stets aufs Neue zu beflügeln, dann muss sie das gewisse Etwas haben – wie etwa Tarzan: Edgar Rice Burroughs' Geschichten um das von Affen aufgezogene Findelkind, das im Dschungel zu überleben lernt und als Erwachsener in der Tochter eines britischen Wissenschaftlers seine große Liebe findet, sind bereits mehrfach verfilmt worden - für die Leinwand ebenso wie fürs Fernsehen, als Zeichentrickabenteuer wie auch als Camp-Parodie, in Schwarzweiß ebenso wie in Farbe. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Tarzan den Schritt in Richtung vollständig computergenerierten Film macht oder sich in 3D von Liane zu Liane schwingt. Beide Wege zugleich geht nun Reinhard Klooss, seines Zeichens animationsfilmisch erprobter Regisseur und Produzent ("Urmel aus dem Eis", "Konferenz der Tiere"), in seiner schlicht "Tarzan" übertitelten Interpretation von Burroughs' Erzählungen, die sich gleich in mehrerlei Hinsicht von den vorangegangenen Verfilmungen abheben will. So wurde nicht nur die Handlung aus dem frühen 20. Jahrhundert in die Gegenwart verfrachtet, sondern der Film auch – ähnlich wie "Der Polarexpress" oder "Die Legende von Beowulf" – als erste Tarzan-Verfilmung mittels Motion Capture produziert, ein Verfahren, bei dem die Bewegungen realer Darsteller auf digitale Figuren übertragen werden. Ein Tarzan für das 21. Jahrhundert also?

Dass das Ergebnis nicht so recht überzeugen will, liegt vor allem am Drehbuch, das gleich in mehreren Punkten versagt: Nicht nur wirken die Modernisierung der klassischen Story aufgesetzt und die Science-Fiction-artig angehauchten Plotelemente wie der geheimnisvolle Meteorit seltsam deplatziert, die Erzählung stolpert in ihren durchaus ambitionierten Versuchen, mehrere Subplots parallel zu verfolgen, auch schnell mal über die eigenen Füße. Über dieses Manko soll ein Erzähler hinweghelfen, der die zuweilen recht plötzlichen Sprünge zwischen den Handlungssträngen aber eher hervorstreicht denn abmildert. Einige Neuerungen wie beispielsweise der Tod des Gorillas Kerchak durch den von Klooss eingeführten Konkurrenten Tublat demonstrieren zwar, dass sich die Macher mehr als bloß oberflächlich mit Burroughs' Tarzan-Universum auseinandergesetzt haben (so war einer der Namen, die Burroughs seinem Lianenakrobaten ursprünglich zugedacht hatte, "Tublat-Zan"), wirken aber angesichts dessen, dass sie für die Erzählung keine nennenswerte Relevanz besitzen, entbehrlich. Auch mit der Plausibilität ist es oftmals nicht sehr weit her: Woher besitzen James Porter und Tarzans Vater beispielsweise Kenntnis von dem Meteoriten und dessen geheimnisvollen Kräften, die darüber hinaus auch nicht näher erläutert werden?

Der mangelnde Blick fürs Detail verschont auch die Charaktere nicht. Besonders der Nebencast ist flach und wird schnell uninteressant, manche Figuren wie Tarzans Ziehmutter Kala versinken zu oft in der Versenkung, nur um irgendwann wieder mal ziemlich unmotiviert aus dem Hut hervorgezaubert zu werden, und der profilarme Antagonist William Clayton ist einfach nur schurkisch. Über diese Schwächen kann auch das hohe Erzähltempo kaum hinwegtäuschen, auf das der Film praktisch vom Beginn bis zum Abspann mit rasanten Actioneinlagen und eindrucksvollen 3D-Bildern setzt. Animationstechnisch kann "Tarzan" freilich nicht mit der Hollywood-Konkurrenz mithalten, dennoch sieht gerade die Dschungelumgebung sehr gut aus, während Haut und Kleidung der menschlichen Figuren mehr Feinheiten hätten vertragen können.

Unterm Strich sind Klooss' Bemühungen, dem filmisch bereits zigfach durchgekauten Stoff um den Dschungelhelden im Lendenschurz eine zeitgemäße Adaption zu spendieren und ihm neue Aspekte abzugewinnen, zwar interessant, doch leider kränkelt das Ergebnis an flachen Charakteren und einem holprigen wie löchrigen Drehbuch. So bleiben lediglich einige beeindruckend in Szene gesetzte 3D-Momente im Gedächtnis haften, während man die Geschichte allzu bald wieder vergessen hat.

Kritik zur Blu-ray Disc:

Die 3D-Präsentation wartet mit einer gelungenen Tiefenwirkung und sehr kräftigen Farben auf - beides kommt gerade in Panorama-Shots im Dschungel sehr gut zur Geltung -, für den Referenzthron reicht es aber nicht aus, denn stellenweise machen sich leichte Ghostingeffekte sowie Kantenflimmern bemerkbar; hinzu kommt auch vereinzeltes, jedoch unaufdringliches Banding. Auch wirkt das Bild gelegentlich überstrahlt und weich. Gegenüber dem 2D-Bild, bei dem sich die angesprochenen Mängel interessanterweise stärker bemerkbar machen, hat die dreidimensionale Präsentation aber eindeutig die Nase vorne.
Der deutsche Ton hingegen ist eine echte Wucht und punktet mit einem sehr aktiven Raumklang, der den Zuschauer regelrecht in den Dschungel hineinschleudert. Gelegentlich drängt sich die Filmmusik zwar eine Spur zu sehr in den Vordergrund, aber die Abmischung ist insgesamt hervorragend ausgefallen und die Dialogverständlichkeit jederzeit gegeben. Daneben liegt der deutsche Ton auch in Dolby Digital 2.0 vor.
Das Bonusmaterial liegt vollständig in HD vor und gibt in Form von Making-ofs und Featurettes Einblicke in die wichtigsten Aspekte der Produktion, vor allem dem Arbeiten mit Motion Capture, daneben liegen noch Interviews mit Cast und Crew, der deutsche und englische Trailer (optional in 3D) sowie eine Trailershow (zum Teil ebenfalls in 3D) vor. Ein Audiokommentar zum Film ist nicht vorhanden. Wie von Constantin nicht anders gewohnt, liegt der Blu-ray 3D ein Wendecover bei.


Ninja Kommando (Cinema Treasures) [Blu-ray]
Ninja Kommando (Cinema Treasures) [Blu-ray]
DVD ~ Hiroyuki Sanada
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bescheidener BD-Release eines kultigen 80er-Kung-Fu-Klamauks, 5. Januar 2015
Kritik zum Film:

Unter Liebhabern des Hongkong-Kinos genießt "Long Zhi Ren Zhe" - hierzulande besser unter dem Titel "Ninja Kommando" bekannt - einen respektablen Ruf. Das hat freilich seine Gründe. So versammelt der Film zum einen klingende Namen des Genrefilms: Auf dem Regiestuhl nahm Corey Yuen Platz, der unter anderem für "Karate Tiger", "Shanghai Hero - The Legend" und "DOA: Dead or Alive" verantwortlich zeichnete. Produziert wurde "Ninja Kommando" vom einschlägig umtriebigen Ng See-yuen, der seine Karriere bei den berühmten Shaw Brothers begann und an Martial-Arts-Klassikern wie "Die Schlange im Schatten des Adlers", "Drunken Master" und der Filmreihe "Once Upon a Time in China" mitwirkte. Auch der Cast wartet mit fähigen Namen auf: Besetzt wurden die Hauptrollen mit Conan Lee ("Born Hero 2", "Mad Mission 5"), dem auch in Hollywood erfolgreichen Japaner Hiroyuki Sanada ("Sunshine", "47 Ronin") und Hiroshi Tanaka ("Okami - Die tätowierte Killerin"), daneben agieren Tai Bo, der in zahlreichen älteren Jackie-Chan-Filmen in kleineren Nebenrollen anzutreffen ist, sowie der vornehmlich auf Bösewichte abonnierte Hwang Jang-lee ("Drunken Master", "Karate Tiger 2"), der auch hier den Schurken mimen darf.

Renommierte Namen allein machen noch keinen guten Film, doch tragen sie im Falle von "Ninja Kommando" ihr nicht unbeträchtliches Scherflein dazu bei, dass der Streifen weit über den Durchschnitt des Genrekinos gehoben wird. So stellen Conan Lee (der optisch an den jungen Jackie Chan erinnert) und Hiroyuki Sanada in den Kampfszenen ihr Können unter Beweis, wobei sie von den teils ausgesprochen originellen und einfallsreichen Kampfchoreografien profitieren. Hier werden nicht nur schräge Ideen wie etwa ein Martial-Arts-Duell auf Stelzen umgesetzt oder der jeweilige Kampfschauplatz clever in die Choreografien integriert, sondern auch Kung Fu gegen die Kampfkünste der Ninja ausgespielt und so zusätzlich Kreativität in der ohnehin sehr dynamischen Kampfakrobatik gewährleistet - wobei sich hier und da gerne mal eine trashige Note einschleicht, die dem Unterhaltungswert aber keinen Abbruch tut. Dies alles sorgt dafür, dass der Film des Öfteren mehrere Kämpfe aneinanderreiht, ohne in einen monotonen Leerlauf zu stolpern. Aufgelockert wird das Ganze mit einigen Klamaukelementen wie Jays ewig lüsternen Kumpel und dessen Vorliebe für Schmuddelmagazine sowie in der deutschen Fassung mit einer schnodderigen Synchro, wie sie vielen Eastern aus jener Zeit zuteilwurde. So gelingt es "Ninja Kommando" letztendlich, von seiner im Grunde dünnen und recht abgedroschenen Story abzulenken.

Mit "Ninja Kommando" hat Corey Yuen einen herrlich albernen Eighties-Eastern abgeliefert, dessen abwechslungsreiche und fantasievolle Martial-Arts-Momente für im besten Sinne anspruchslose Unterhaltung sorgen. Langjährigen Connaisseurs des Genres muss der Film nicht ausdrücklich ans Herz gelegt werden, denn diese kennen ihn wohl ohnedies schon. Ansonsten gilt: Wer dem Martial-Arts-Kino aus Hongkong nicht abgeneigt ist und sich an einfallsreicher Kampfakrobatik zu ergötzen versteht, der kann mit "Ninja Kommando" nicht fehlgehen.

Kritik zur Blu-ray Disc:

Ascot Elite Home Entertainment bringt "Ninja Kommando" erstmals ungekürzt auf den einheimischen Markt und spendiert dem Streifen zugleich sein deutsches HD-Debüt. Dieses hinterlässt einen recht zwiespältigen Eindruck. Besonders das AVC-kodierte Bild macht einen sehr mitgenommenen Eindruck: Verschmutzungen, Unschärfen, Markierungen und Kratzer am laufenden Band trüben den Gesamteindruck, die Farben wirken tendenziell blass, sind aber akzeptabel und in einigen Szenen durchaus eine Spur kräftiger. Darüber hinaus stammt eine Szene eindeutig aus einer anderen, qualitativ deutlich schwächeren Quelle, die über VHS-Niveau nicht hinauskommt. Von HD-Feeling kann keine Rede sein, was aber eindeutig dem Ausgangsmaterial zuzuschreiben ist. Hier stellt sich die Frage, ob Ascot Elite tatsächlich die qualitativ bestmögliche Quelle für eine HD-Abtastung vorlag. Im Grunde verdient die Bildqualität nicht mehr als einen Punkt in der Bewertung, unter Berücksichtigung des Alters des Films sowie seines Nischendaseins hierzulande kann guten Gewissens ein zusätzlicher Gnadenpunkt vergeben werden.

Der deutsche, der englische sowie der kantonesische Ton liegen jeweils in DTS-HD Master Audio 2.0 vor. Ersterer präsentiert sich altersbedingt freilich alles andere als kraftvoll und dynamisch, doch die Dialogverständlich ist gegeben. Leider hat es der Publisher verabsäumt, der Blu-ray Untertitel zu spendieren, so dass der kantonesische O-Ton de facto leider unbrauchbar ist.

Das Bonusmaterial präsentiert sich recht bescheiden: Der deutsche, englische, japanische sowie der Originaltrailer haben es auf die blaue Scheibe geschafft, ferner eine Handvoll Deleted Scenes, eine Bildergalerie, biografische Infos zu Ng See-yuen und Hwang Jang-lee sowie die obligatorische Trailershow. Wie nicht anders von Ascot Elite gewohnt, liegt der Blu-ray ein Wendecover bei.


Kara Murat - Der Rächer Anatoliens
Kara Murat - Der Rächer Anatoliens
DVD ~ Cüneyt Arkin

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vergnüglich alberner Martial-Arts-Historien-Turkish-Trash, 5. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Kara Murat - Der Rächer Anatoliens (DVD)
Kritik zum Film:

Das Kino der Siebziger Jahre - was trieb es doch für wilde und bizarre Blüten abseits des Mainstreamfilms! Ob amerikanisches Blaxploitation, deutsche Erotik- und Sexpossen, italienische Poliziotteschi oder eigenwillige Hybride des Genrekinos - überall lassen sich kleine Juwelen finden, die dermaßen exzentrisch inszeniert sind, dass sie schlicht und einfach als Guilty Pleasures bezeichnet werden müssen. Zwar kein funkelndes Bijou, aber doch etwas mehr als glanzloser trashiger Modeschmuck ist "Kara Murat - Der Rächer Anatoliens" von 1976, ein kurioser Mix aus Historienstreifen, Abenteuerfilm und Kung-Fu-Komödie vor orientalischer Kulisse, der dem Gelegenheitsfilmgucker ein bestürztes Kopfschütteln abzwingen mag, dem trashophilen Connaisseur aber vergnügliche achtzig Minuten Kurzweil beschert, bei der dem Hirn für die Dauer des Films ausdrücklich ein Freigang nahegelegt wird.

Und ein solcher Freigang ist bei dieser italienisch-türkischen Koproduktion vonnöten - allein schon angesichts der Regie. Diese teilen sich nämlich Natuk Baytan, der unter anderem für den amüsanten Martial-Arts-Historien-Trash "Lion Man" verantwortlich zeichnet, und der österreichische Filmemacher Ernst Hofbauer, in dessen Vita sich vorwiegend Erotik- und Softpornofilme vom Fließband (mit ulkigen Titeln wie "Gejodelt wird im Unterhöschen" oder "Wenn die prallen Möpse hüpfen") finden lassen und der auch maßgeblich an der beinahe schon legendären "Schulmädchen-Report"-Reihe mitgewirkt hat. Und so wirft "Kara Murat - Der Rächer Anatoliens" (der hierzulande auch unter den Titeln "Kara Murat - Sein Kung Fu ist tödlich" und "Der Rächer des Khan" vermarktet worden ist) fröhlich bunte Kostüme, billige Pappmaché-Kulissen, dümmliche Dialoge und auch eine Prise unbedeckter Oberweiten durcheinander und garniert das schrill-absurde Potpourri mit teils dilettantischen Kung-Fu-Kloppereien, in denen man die Sprungbretter und Trampoline, mit deren Hilfe Kara Murat durch die Lüfte wirbelt, fast schon sehen kann.

Das Ergebnis ist dabei ein nüchtern betrachtet schlechtes, aber doch überraschend spaßiges, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass sich der Film zu keiner Zeit bierernst nimmt. So kann man über den krassen Kontrast zwischen ansehnlich in Szene gesetzten historischen Bauten und Pappe-Kulissen aus dem Sommerschlussverkauf (die Macher des Films haben es sogar geschafft, im Harem des aufmüpfigen Fürsten Lichterketten vom letzten Weihnachtsfest unterzubringen!) ebenso lachen wie über die sinnfreien Martial-Arts-Einlagen vom Fließband oder die schnoddrige deutsche Synchro, aber auch über das Spiel von Hauptdarsteller Cüneyt Arkin, der schon in der Turksploitation-Granate "Dünyayi kurtaran adam" (Trashkundigen besser bekannt als "Turkish Star Wars") mit von der Partie war und stellenweise wie der türkische Cousin von Terence Hill wirkt. Dabei wartet das Drehbuch (sofern überhaupt je eines existiert hat) mit immer neuen Merkwürdigkeiten auf, zaubert einen albernen Sideplot nach dem anderen aus dem Hut hervor, so dass sich Kara Murat abseits seiner eigentlichen Mission mit chinesischen Drogenlieferanten ebenso herumschlagen darf wie mit Ali Baba und seinen Räuberscharen. Dass dabei kaum etwas wirklich Sinn macht, versteht sich freilich von selbst ...

Keine Frage, der normalsterbliche Filmkonsument wird angesichts dieses albernen Martial-Arts-Klamauk sein Gesicht in den Händen vergraben und seinem Glauben an die Menschheit endgültig entsagen - und das ist ihm nicht einmal übel zu nehmen, denn nüchtern betrachtet ist "Kara Murat - Der Rächer Anatoliens" ein schlechter Film. Davon abgesehen präsentiert sich der Streifen aber als spaßiges Futter für promilleschwangere Trash-Abende unter Gleichgesinnten, die mit dem speziellen Touch einschlägiger türkischer Low-Budget-Produktionen älterer Jahrgänge auch etwas anzufangen wissen. Zwar schlittert der Streifen trotz seiner komprimierten Laufzeit mehr als einmal in gepflegte Fadesse ab, doch die vorsätzliche zerebraldiarrhöische Wirkung von "Turkish Star Wars" erreicht er zu keiner Zeit.

Kritik zur DVD:

Das Bild der beim Label Voulez Vous erschienenen DVD liegt im Format 1,33:1 vor und hat erwartungsgemäß mit allerlei Mängeln zu kämpfen - mangelnde Schärfewerte, ausgewaschene Farben, dürftiger Schwarzwert und mehr -, ist über weite Strecken aber halbwegs annehmbar, wenn man sich das Alter und Low-Budget-Herkunft des Films in Erinnerung ruft. Nur an einigen Stellen wurde auf anderes, weitaus schlechteres Bildmaterial zurückgegriffen, die entsprechenden Szenen fallen bildqualitativ katastrophal aus.
Der deutsche Ton präsentiert sich in einem verrauschten Mono, das mit dumpfen, aber zumindest verständlichen Dialogen aufwartet. Auf den Originalton verzichtet die DVD bedauerlicherweise ebenso wie auf deutsche Untertitel.
Auch das Bonusmaterial ist recht dürftig ausgefallen, enthält aber mit "Kara Murat - Der heilige Krieg" (aka "Karamurat - Seine Rache bringt den Tod" aka "Karamurat - Das Geheimnis der ewigen Rache") von 1973 einen weiteren Kung-Fu-Historien-Trashstreifen von Baytan und Hofbauer mit Cüneyt Arkin in der Hauptrolle; folglich erwirbt man mit der DVD gleich zwei Filme zum Preis von einem, auch wenn der Bonusfilm mit einer weitaus schlechteren Bild- und Tonqualität daherkommt. Ansonsten hält die Silberscheibe eine Bildergalerie sowie ein Wendecover bereit.


Prinzessin Aline und die Groblins
Prinzessin Aline und die Groblins
DVD ~ Prinzessin Aline
Preis: EUR 6,97

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lahmes und klischeebeladenes Zeichentrickmärchen aus Ungarn, 3. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Prinzessin Aline und die Groblins (DVD)
Kritik zum Film:

Mit dem Genre des Zeichentrickfilms werden vornehmlich der einzigartige Charme der Disney-Klassiker, das düster gehaltene Kino eines Don Bluth, der Zauber des "Jonas und der verschwundene Schatz" hervorgebracht hat.

Nun ist freilich nicht alles, was animiert ist, gleich eine filmische Offenbarung - das gilt für Hollywood ebenso wie für Ungarn. So ist etwa das Zeichentrickmärchen "Prinzessin Aline und die Groblins" aus dem Jahr 1991, das auf dem hierzulande relativ unbekannten Kinderbuch "The Princess and the Goblin" des schottischen Schriftstellers und Pfarrers George MacDonald (1824-1905) basiert, kein animiertes Meisterwerk, sondern laue Zeichentrickkost, der es an Charme und Spannung mangelt. Das liegt zum einen an den flachen Charakteren: Diesen fehlt es an Profil und Leben, stattdessen wirken sie wie mit Schablonen ausgestanzt. Auch glückt der Spagat, den die Groblins - allen voran der übertrieben lispelnde Prinz Froschlippe und seine schrill herumzeternde Mutter - zwischen Bösewichtern und comic reliefs hinlegen müssen, nicht wirklich, so dass sie weder einen sonderlich bedrohlichen noch sonderlich witzigen Eindruck hinterlassen - was in der Folge auch Spannung und Unterhaltung nicht unbedingt in die Hände spielt. Zum anderen ist die Geschichte selbst recht hausbacken und klischeeschwanger, gleitet gerne mal ins unfreiwillig Komische ab und schlägt stellenweise etwas über die Stränge, wenn es darum geht, die Handlung mit vielen phantastischen Elementen wie einem magischen Garn oder Liedern als wirksamste Waffe gegen die griesgrämigen Groblins zu unterfüttern.

Animationstechnisch kann sich "Prinzessin Aline und die Groblins" freilich nicht mit dem Hollywood'schen Zeichentrickkino jener Zeit messen und erinnert überwiegend qualitativ an damalige Zeichentrickserien. Einige Szenen stechen jedoch sichtbar hervor, etwa jene zu Filmbeginn, in der Curdie Aline mit seinem Gesang vor den Groblins rettet. Diesen Momenten ist deutlich anzusehen, wohin das meiste Budget geflossen zu sein scheint.

Unterm Strich weiß "Prinzessin Aline und die Groblins" nur mäßig zu überzeugen. Zwar werden die Kleinen, an die sich der Film in erster Linie richtet, mit dem Film gewiss ihren Spaß haben, doch Unterhaltung für die gesamte Familie - also auch für die Erwachsenen - wird hier leider kaum geboten.

Kritik zur DVD:

Das Bild liegt im Format 1,33:1 vor. Der Kontrast geht alters- und produktionsbedingt durchaus in Ordnung, die Farben wirken aber überwiegend blass, stellenweise wie ausgewaschen; lediglich in den bereits erwähnten aufwändigeren Szenen erfreuen die Figuren mit deutlich lebendigeren Farben. Allerdings hat das Bild durchgehend mit Filmkorn, Verschmutzungen und extrem auffälligen Kompressionsartefakten zu kämpfen.
Der deutsche Ton präsentiert sich überwiegend dumpf und verrauscht, dennoch sind die Dialoge jederzeit verständlich. Dennoch: Im Vergleich zu den ebenfalls auf die Silberscheibe gebannten englischen und französischen Tonspuren (wie der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0) schneidet das deutsche Pendant am schlechtesten ab.
Bonusmaterial sucht man leider vergebens, nicht einmal ein lausiger Trailer findet sich auf der Disc. Lediglich ein Wendecover liegt der DVD bei.


Small Soldiers [Blu-ray]
Small Soldiers [Blu-ray]
DVD ~ Kirsten Dunst
Preis: EUR 9,81

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Temporeich, intelligent, voller Insider, 14. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Small Soldiers [Blu-ray] (Blu-ray)
Kritik zum Film:

Wenn Joe Dante eines kann, dann ist es, sich eingefahrenen Genrekonventionen zu verweigern und seine Filme mit seiner ganz persönlichen Handschrift zu signieren: Humor geht nicht selten mit Schrecken einher, bissige Gesellschaftskritik mit cinephilem Augenzwinkern, ausgefeilte Tricktechnik mit originellen Geschichten. So variierte und ironisierte der Regie-Altmeister in "The Howling" nicht nur den traditionellen Werwolf-Film und lieferte mit dem herrlich schrägen Spielberg-Klassiker "Gremlins" den etwas anderen Weihnachtsfilm ab, sondern inszenierte ferner mit "Small Soldiers" Antikriegskino, wie man es so noch nicht gesehen hatte. Bei den Kritikern stieß die Geschichte um die sich verselbstständigenden Actionfiguren, die eine US-amerikanische Vorstadt in ein Schlachtfeld verwandeln, seinerzeit auf wenig Gegenliebe, und auch an den Kinokassen war dem Film kein großer Erfolg beschieden – unverständlicherweise, sprüht "Small Soldiers" doch geradezu vor all dem, was das Dante'sche Kino ausmacht.

Es ist einfach eine Freude zu sehen, wie geradezu mühelos Dante das ranzige militaristische Gebaren, den unfreiwillig komischen Stars-and-Stripes-Fetisch und die hurrapatriotische Waffenpornografie einschlägiger amerikanischer Kriegsfilme und Action-Blockbuster bloßstellt und das Schema vom guten amerikanischen Soldaten umdreht, indem er die äußerlich nicht gerade Vertrauen einflößenden Monsterfiguren zu den Sympathieträgern macht. Und wenn Major Chip Hazard – vor versammelter Truppe und einer US-Flagge im Hintergrund – unermüdlich pathetische Phrasen drischt, die Plastikkämpfer als muskelbepackte Zerrbilder von Schwarzenegger und Konsorten daherkommen und "kein Mann zurückgelassen wird", bleibt nicht zuletzt bei all jenen, denen das 80er-Jahre-Actionkino und die Uncle-Sam-Masturbationsvorlagen eines Michael Bay nicht unbekannt sind, kein Auge trocken. Doch nicht nur das Pentagon-freundliche Blockbusterkino, das Bodybuilder-Actiongenre und die Hersteller von Kriegsspielzeug kommen zum Handkuss, auch das im US-Kino gerne zelebrierte Bild der idyllischen amerikanischen suburbs und ihrer glückstrahlenden Einwohner nimmt Dante nach "Meine teuflischen Nachbarn" einmal mehr aufs Korn.

Bei aller Gesellschafts- und Medienkritik verzichtet Dante aber auf den aufdringlich erhobenen Zeigefinger und verpackt seine message in einem familienfreundlichen All-Ages-Actioner, der mit Referenzen auf diverse Kriegsfilmklassiker ebenso aufwartet wie mit Inside-Jokes auf das klassische Horrorkino, dessen Einfluss auf Dantes Schaffen unübersehbar ist. Die Action-Momente sind erstklassig in Szene gesetzt, das Drehbuch punktet mit witzigen und originellen Einfällen, und die Spezialeffekte, für die ILM sowie Tricktechnik-Veteran Stan Winston ("Terminator", "Aliens", Jurassic Park") verantwortlich zeichnen, können sich auch heute durchaus noch sehen lassen.

Was "Small Soldiers" damals wie heute zu einem aus der Masse hervorstechenden Spaß für Groß und Klein macht, ist seine Vielschichtigkeit und die Balance, die Joe Dante zwischen den unterschiedlichen Momenten fast durchgehend gelingt: Die Geschichte wird actiongeladen und temporeich erzählt, gleitet aber nie ins Oberflächliche ab, die gesellschaftskritische Botschaft ist klar, mutiert aber zu keinem Zeitpunkt zum enervierenden erhobenen Zeigefinger, das Bombardement an popkulturellen Referenzen und cinephilen Insidern ist großflächig, läuft aber nur selten ernsthaft Gefahr, über die Stränge zu schlagen. Ob Alt oder Jung, das Publikum wird stets bei der Stange gehalten – das erwachsene vielleicht sogar etwas mehr als das jüngere. Die Ähnlichkeiten zu "Gremlins" sind nicht von der Hand zu weisen, doch besitzt "Small Soldiers" genug Eigenständigkeit, um sich nicht hinter Gizmos turbulenten Abenteuern verstecken zu müssen.

Kritik zur Blu-ray Disc:

Koch Media hat "Small Soldiers" eine HD-Zellenkur spendiert, die sich sehen und hören lassen kann: Das Bild wartet mit natürlichen und kräftigen Farben sowie einem ordentlichen Kontrast auf; Verschmutzungen sind nur selten auszumachen. Der bildqualitative Sprung, den "Small Soldiers" von der DVD hin zur Blu-ray hinlegt, ist wirklich beachtlich, lediglich beim Einsatz von Rauschfiltern hätte man sich eine Spur mehr zurückhalten können.
Die deutsche und die englische Tonspur liegen jeweils in DTS-HD Master Audio 5.1 vor und erfreuen mit einer ausgewogenen Abmischung. Die Dialoge sind gelegentlich ein wenig dumpf, aber jederzeit deutlich verständlich, und die Action-Szenen beziehen sämtliche Kanäle mit ein, hätten aber durchaus eine Spur mehr Dynamik vertragen können.
Das Bonusmaterial fällt überschaubar aus, ist aber nicht uninteressant. Nach Starten der Blu-ray wird ein Vorwort von Joe Dante geladen, das während einer Retrospektive seines Schaffens im Wiener Filmmuseum 2013 aufgenommen wurde. Die blaue Scheibe wartet ferner mit einem Making-of und einem Interview mit dem Regisseur auf, daneben gibt es verpatzte und gelöschte Szenen, eine Bildergalerie sowie den deutschen und den englischen Kinotrailer. Sämtliche Extras liegen ausschließlich in SD vor. Der Blu-ray Disc liegt – wie bei Koch Media nicht anders zu erwarten – ein Wendecover bei.


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