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Rezensionen verfasst von
Michael Höfel (Media-Mania)

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The Gothic King - Stephen King und die Tradition der Schauerliteratur
The Gothic King - Stephen King und die Tradition der Schauerliteratur
von Thorsten Wilms
  Taschenbuch
Preis: EUR 44,99

1.0 von 5 Sternen Vielversprechende These, ungenügende Umsetzung, 5. April 2014
Wilms' Hausarbeit wurde nach Verlagsangaben "als eine der erfolgreichsten und thematisch ungewöhnlichsten Arbeiten des Jahres auf der offiziellen Zeugnis-Verleihung der Universität hervorgehoben". Thematisch ungewöhnlich ist sie freilich, mehr, als ihr Titel zunächst vermuten lässt. Die Belege, mit denen Wilms die These von der Wiederkehr des Verdrängten als genuines Merkmal der amerikanischen Schauerliteratur mit Blick auf Stephen King unterlegt, lassen sich mehrheitlich nicht so einfach abtun und motivieren zu einer Neu-Lektüre zumindest ausgewählter King'scher Werke.

Doch thematische Originalität allein macht noch keine gute wissenschaftliche Arbeit aus; eine solche sollte eine nachvollziehbare argumentative Struktur besitzen und methodisch einwandfrei sein - umso mehr, wenn sie publiziert, sprich: an die Öffentlichkeit getragen wird. Und genau hier liegt im Falle von Wilms' Arbeit der Hund begraben: Qualitativ wie auch quantitativ besteht im textanalytischen Teil eine auffallende Imbalance, die sich besonders im Kapitel zu "Shining" bemerkbar macht. Während Wilms einige Thesen mit deutlichen Belegen aus dem Text untermauert, bleiben andere Ausführungen an der Oberfläche, wirken pauschalisierend und dürftig und kommen zuweilen sogar ohne jedwede Bezugnahme auf konkrete Stellen im Primärtext daher. Gerade in seiner "Shining"-Untersuchung wiederholt er sich zudem immerfort, wodurch die Arbeit mehrmals in einen Leerlauf gerät und nur unnötig aufgebläht wird. Hinzu kommen mehrere Ungenauigkeiten und Fehlinformationen, die einfach nicht passieren dürften: So bezeichnet Wilms E. T. A. Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann" irrtümlich als Schauerroman (S. 21), und in Bezug auf die Watergate-Affäre heißt es fälschlicherweise, ein "Team des White House" (S. 37) sei in das Watergate-Hotel eingebrochen (tatsächlich sind es Männer im Auftrag von Nixons Committee to Re-elect the President gewesen). Sorgfältiges wissenschaftliches Arbeiten sieht anders aus. Auch kränkelt die Arbeit an einigen ungeschickten Formulierungen, unter denen folgende schlichtweg lächerliche wie sinnfreie Aussage aber eindeutig den Vogel abschießt: "Die [US-amerikanische] Regierung benutzt jedoch typische Gothic-Stilmittel, um die Bevölkerung auf eine Linie mit ihren Entscheidungen einzuschwören; Ronald Reagan betitelt die UDSSR später beispielsweise als 'Empire of Evil'" (S. 62). Hier wird suggeriert, ein US-Präsident hätte in den frühen Achtziger Jahren bewusst auf die literarische Tradition der amerikanischen Gothic Fiction zurückgegriffen, wenn er von einem "Reich des Bösen" sprach!

Darüber hinaus scheint der Autor so seine Schwierigkeiten mit dem wissenschaftlichen Arbeiten zu haben: Zum einen verärgert ein unvollständiges Literaturverzeichnis, zum anderen übernimmt Wilms einige Zitate aus zweiter Hand - und dabei handelt es sich nicht etwa um schwer aufzutreibende Werke, für deren Beschaffung man sein Sparschwein auf dem Altar der hiesigen Fernleihe hätte opfern müssen, sondern um Schriften von C. G. Jung und Julia Kristeva, die in jeder halbwegs gut ausgestatteten Universitätsbibliothek zu finden sein sollten.

Zu den inhaltlichen Abstrichen gesellen sich ferner formale Mängel: Die Hausarbeit ist ein Sammelsurium an Flüchtigkeits- und Beistrichfehlern, die jede Lektüre zu einem zähen Unterfangen machen, das abwesende Lektorat ist angesichts des saftigen Preises ebenso blanker Hohn wie das lieblose Design des Taschenbuchs.

Die These, die Thorsten Wilms in seiner Hausarbeit verfolgt - die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Unterbewusstsein als grundlegendes Charakteristikum der amerikanischen Schauerliteratur und seiner Ausprägung im Werk Stephen Kings -, verspricht viel, und hier und da gelingt es dem Autor sogar, durchaus interessante Belege zu präsentieren. Doch fehlende argumentative Stringenz, methodische Imbalance, vor allem aber die Pauschalisierungen, Fehlinformationen sowie der vermehrte Leerlaufmodus machen aus seiner Arbeit ein entbehrliches Büchlein, das sich dank schleißigem Lektorat und sprachlichen Mängeln nicht einmal sonderlich gut liest. Damit versäumt es Wilms, der seriösen wissenschaftlichen Debatte um den "King of Horror" wertvolle Impulse zu geben.


Phantastik: Ein interdisziplinäres Handbuch
Phantastik: Ein interdisziplinäres Handbuch
von Hans Richard Brittnacher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 64,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kompetenter Kompass durch eine spannende Materie, 1. März 2014
Die Struktur des Handbuches ist klug durchdacht und klar strukturiert: Nach einleitenden Worten der Herausgeber übernimmt ein historischer Teil die Aufgabe, die Entwicklung des Phantastischen in den Literaturen und Traditionen verschiedener Sprachen von der Antike bis ins junge 21. Jahrhundert darzustellen. Dabei beschränkt sich das vorliegende Nachschlagewerk nicht allein auf die traditionell untersuchten Sprachräume des Englischen, Französischen und Deutschen, sondern rückt auch die iberischen, skandinavischen und slawischen Traditionen in den Blickpunkt. Der darauf folgende systematische Teil – vom Umfang her der Mammutbrocken des Handbuches – liefert einen Überblick über die Vielfalt theoretischer Konzeptionen und medialer Ausprägungen des Phantastischen, wobei neben der "traditionellen" medialen Manifestation (Erwachsenen-)Literatur auch die Bildende Kunst, die Architektur, Musik, Film, Kinder- und Jugendliteratur sowie Ausformungen moderner "phantastischer Alltagskultur" (Rollen- und Videospiele, Internet, Fandom, Design und Mode) Behandlung finden. Es folgt ein enzyklopädischer Teil, der sich in 45 Artikeln phantastischen Genres (Fantasy, Science Fiction, Schauerroman etc.), phantastiktypischen Themen und Motiven (Geister, Vampir, künstlicher Mensch etc.) sowie poetologischen Schlüsselkonzepten des Phantastischen (Horror, Manierismus etc.) annimmt. Abgerundet wird der Band durch eine Auswahlbibliografie sowie ein umfangreiches Personen-, Sach- und Figurenregister.

Das Unterfangen hinter diesem Handbuch, einerseits den aktuellen Forschungsstand zu diesem vielschichtigen Gegenstand abzubilden und gleichzeitig der Komplexität der Phantastik gerecht zu werden, ohne Abstriche in der Tauglichkeit des Bandes als wissenschaftliches Nachschlagewerk hinzunehmen, kann als geglückt angesehen werden. Dafür sorgt das hohe qualitative Niveau der einzelnen Beiträge ebenso wie die kluge Struktur des Werkes. Die Informationen sind allgemein gut aufbereitet und halten die Balance zwischen Informationsreichtum und Übersichtlichkeit. Querverweise vernetzen die einzelnen Beiträge sinnvoll, sodass der Leser über das bloße Nachschlagen eines einzelnen bestimmten Themas hinaus zum Schmökern eingeladen wird. Der erweiterte Blick im historischen Teil holt, wie bereits erwähnt, erfreulicherweise neben der englischen, französischen und deutschen auch weitere europäische Traditionen ins Blickfeld, womit sich der Band freilich selbst einen größeren Kreis potenzieller Nutzer eröffnet und so beispielsweise auch für Skandinavisten attraktiv wird. Auch wird der interessierte Leser bibliografisch gleich doppelt beglückt: Zum einen findet sich am Ende eines jeden Artikels weiterführende Literatur zum jeweiligen Thema, zum anderen schließt der Band mit einer bereits erwähnten Auswahlbibliografie zum Phantastischen ab. Damit erfüllt das Handbuch seinen – angesichts des behandelten Gegenstandes alles andere als niedrig angesetzten – Anspruch, seinem Nutzer fundiertes wie anwendbares Wissen zu offerieren und eine brauchbare Basis für weitere Recherchen zu bilden. Das Handbuch "Phantastik" wird der Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit des Phantastischen vollauf gerecht.

Damit einher geht freilich ein bestimmter Aspekt, der nicht unerwähnt bleiben sollte: Das vorliegende Handbuch – und hier ganz besonders Brittnachers Beitrag über die unterschiedlichen Phantastik-Theorien – legt die Vielfalt an methodischen Konzeptionalisierungen des Phantastischen offen; es liefert keine eigene Theorie der Phantastik ab – was es, wie betont werden muss, auch gar nicht will. Ein solches Unterfangen wäre schon allein angesichts des erweiterten Fokus bei den medialen Ausprägungen des Phantastischen zum Scheitern verurteilt gewesen. Der vorliegende Band will keine allein gültige phantastiktheoretische "Weltformel" abliefern, sondern den betreffenden Forschungsgegenstand samt aktuellem Forschungsstand und Problematiken abbilden. Und das ist den Herausgebern und Beiträgern zweifelsfrei gelungen.

Gänzlich ohne Kritik kommt zumindest die Auswahlbibliografie am Ende des Bandes aber nicht aus: So sind zwar viele bekannte theoretische Texte und Standardwerke zum Phantastischen aufgelistet – die Studien von Louis Vax und Roger Caillois, die strukturalistischen Arbeiten von Tzvetan Todorov und Uwe Durst, die im Corian-Verlag herausgegebenen Loseblattsammlungen zur phantastischen Literatur usw. –, allerdings vermisst gerade der Kenner der Materie dann doch den einen oder anderen Titel, der in dieser Bibliografie durchaus seinen Platz verdient hätte – seien es nun Untersuchungen älteren Jahrgangs wie Thomas Wörtches Dissertation "Phantastik und Unschlüssigkeit" oder Marcel Schneiders Untersuchung "Histoire de la littérature fantastique en France", aber auch jüngeren Datums wie etwa Dursts bemerkenswerte Habilitationsschrift "Das begrenzte Wunderbare" (alle drei genannten Titel findet man lediglich in den Bibliografien bestimmter Beiträge). Dies sind aber nur minimale Abstriche, die den positiven Gesamteindruck nicht nennenswert beeinträchtigen können.

Nicht nur die Arbeit der einzelnen Beiträger und der Herausgeber soll Lob finden, auch der Verlag hat gute Arbeit geleistet: Das gebundene Hardcover ist stabil und darüber hinaus auch optisch schmuck, und auch Lektorat und Layout kann man nichts vorwerfen. Der Preis von 64,95 Euro mag vielleicht ein wenig happig erscheinen, ist angesichts der damit verbundenen Leistung aber alles andere als überzogen.

Keine Frage, was der Metzler mit seinem Handbuch zur Phantastik auf den Markt geworfen hat, ist ein kompetenter Kompass durch das wild wuchernde Gestrüpp des phantastikdiskursiven Dschungels, das sein Geld wert ist.


Mai in geheimer Mission Teil 1 - Mais Entscheidung
Mai in geheimer Mission Teil 1 - Mais Entscheidung
DVD ~ Takeshi Masui
Wird angeboten von Handel mit DVDs
Preis: EUR 6,99

1.0 von 5 Sternen Zensierte Fassung einer enttäuschenden Erotik-OVA, 1. Januar 2014
Kritik zum Film:

Fällt das Wort "Hentai", denkt der versierte Liebhaber schlüpfriger Anime-Kost nicht selten an brünstige Highschool-Girls und wohlgeformte Küchenfeen, an Schwert und Schwengel schwingende Fantasy-Heroes und freizügige Sailor-Moon-Look-alikes. Die dreiteilige Hentai-OVA "Mai in geheimer Mission" bemüht jedoch nichts von alledem und überrascht mit inhaltlicher Frische: Die Prämisse um kommerziellen Samenraub und speziell dafür geschulte Agentinnen ist gleichermaßen originell und viel versprechend – Letzteres freilich im Hinblick auf die für das Genre zentralen Inhalte, deretwegen Hentais überhaupt gesichtet werden.

Zumindest die erste Episode von "Mai in geheimer Mission" ist in dieser Hinsicht aber alles andere als geglückt: Zum einen nimmt der dramatische Part (Youjis Tod, Mais Kinderwunsch usw.) zuviel Raum ein, die inhaltliche Ebene droht die Liebesspielszenen mehrmals zu verdrängen. Gleichzeitig – und das ist der eigentliche Todesstoß für die OVA oder zumindest für deren deutsche DVD-Veröffentlichung – wird der Genuss der genrerelevanten Szenen durch Zensurmaßnahmen erheblich gestört: Explizite Darstellungen primärer Geschlechtsmerkmale sind rar gesät, und wo ein erigiertes Wunderhorn aufblitzt, gelangt der Mosaikfilter zum Einsatz. Hinzu kommt ein mieses Editing, das zuweilen irritiert, wenn sich etwa eine Kamerabewegung wiederholt und man einen Ferialpraktikanten hinter dem Schnitt vermutet.

Die Prämisse verspricht viel, doch kann zumindest die erste Episode von "Mai in geheimer Mission" das unausgesprochene Versprechen nicht halten – erst recht nicht in der vorliegenden zensierten Version, die dank Mosaikfilter jedwede erregende Wirkung einbüßt. Da fällt die schwache deutsche Synchronisation kaum noch ins Gewicht ...

Kritik zur DVD:

Das Bild, das im Format 4:3 vorliegt, wirkt aufgrund schwächelnder Schärfe über die gesamte Laufzeit hinweg weich und kränkelt an zahlreichen Kompressionsartefakten. Sämtliche Tonspuren (Deutsch, Englisch, Japanisch) liegen in Dolby Digital 2.0 vor und lassen folglich jede Räumlichkeit vermissen, warten aber (und das gilt vor allem für die deutsche und die englische Tonspur) im Gegenzug mit einer soliden Dialogverständlichkeit auf. Bonusmaterial sucht man vergebens, lediglich ein Wendecover liegt der DVD bei.
Darf man den Informationen auf dem Backcover Glauben schenken, enthält die vorliegende DVD die japanische Originalfassung. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob die erwähnten Zensurmaßnahmen bereits in der japanischen Fassung vorhanden oder dem deutschen Publisher zu verdanken sind ...


E-Mail für Eve - Vol. 1
E-Mail für Eve - Vol. 1
DVD ~ Shinichi Masaki
Wird angeboten von Handel mit DVDs
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zuviel Figurenzeichnung und Handlung, Hentai-Elemente nicht sehr explizit, 16. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: E-Mail für Eve - Vol. 1 (DVD)
Kritik zum Film:

Egal, ob nun Fantasy-Helden mehr als nur ihre Schwerter schwingen, freizügige Sailor-Moon-Look-alikes gegen die versauten Mächte des Bösen ankämpfen oder ein Volleyball-Trainer seine gut geformten Schützlinge zur intimen Mannschaftsbesprechung einlädt – eines zeichnet das Gros der Hentais aus: Die Handlung ist zweit-, wenn nicht gar drittrangig und in der Regel ungefähr so anspruchsvoll wie ein Michael-Bay-Streifen. Schließlich lenkt eine Story, die dicker als ein Blatt Papier ist, ja doch nur vom Wesentlichen ab, womit die Sichtung eines solchen Filmes ungefähr so viel Sinn hätte wie die Eröffnung eines Kühlschrankgeschäfts am Nordpol.

Gerade in dieser Hinsicht überrascht "E-Mail für Eve" (oder zumindest die erste Episode der zweiteiligen OVA): Entgegen allen Erwartungen, mit welchen der Hentai-Freund an solche filmische Kost herangeht, zimmert die OVA nicht bloß ein Size-Zero-Handlungsgerüst zusammen, an dem sich der Protagonist fröhlich von einem Liebesspiel zum nächsten hangelt, sondern serviert eine Exposition, die einen glauben machen lässt, man habe sich im Anime-Laden seines Vertrauens beim Regal geirrt und anstelle herzhafter Hentai-Kost ein Romantic Drama erwischt. Statt mit notgeilen Jungs und brünstigen Highschool-Girls wird der Zuschauer mit schüchternen Außenseiterinnen und schweigsamen Schülern mit Kindheitstraumen konfrontiert. Außerdem werden (zumindest am Rande) häusliche Gewalt, die Anonymität im Chatroom als Kompensationsbereich für introvertierte Menschen sowie ungeschützter Sex thematisiert – wer anspruchsloses Etchi-Fastfood sucht, den stößt "E-Mail für Eve" schnell vor den Kopf.

Gerade darin liegt das Problem dieser OVA, an deren Charakterdesigns unter anderem Takuji Yoshimoto ("Gilgamesh", "Ghost in the Shell: S.A.C. Solid State Society") mitgewirkt hat: "E-Mail für Eve" erfüllt die Erwartungshaltung des potenziellen Publikums nicht. Die Exposition, die Chatdialoge, banale Gespräche und die Flashbacks in Keis Kindheit nehmen einen gewichtigen Anteil der mit 27 Minuten ohnehin knapp bemessenen Laufzeit ein, so dass für genrerelevante Inhalte nur wenig Zeit bleibt. Bilanz der ersten der beiden OVA-Episoden sind ein kurzer Liebesakt, der durch mehrere Stellungswechsel ein wenig gehetzt wirkt, sowie ein Beinahe-Beischlaf, bei dem eine unbedeckte Oberweite das Stimulierendste ist. Auch ist die Darstellung des Koitus nicht gerade als explizit zu bezeichnen – ganze zwei Mal blitzt Keis erigiertes Gemächt für Sekunden auf, ansonsten muss der Zuschauer mit unverhüllten Brüsten, behutsam zensiertem Beischlaf und dem Gestöhne der Intimverkehrenden vorliebnehmen.

Stichwort Gestöhne: Das größte Defizit ist nicht der OVA selbst, sondern der deutschen Synchronfassung anzukreiden. Wie so oft bei Hentais präsentiert sich diese als Totalausfall vor dem Herrn, für den dem Zuschauer im Grunde Schmerzensgeld zusteht. Besonders die Kommentare während der Liebesspiele klingen dermaßen monoton und unengagiert, dass man die Tonwiedergabe gleich abstellen und im Hintergrund TomTom-Anweisungen in Dauerschleife abspielen kann. Da auf die deutsche DVD-Veröffentlichung die japanische Synchro leider nicht draufgepackt worden ist, gelangt man schnell in Versuchung, diese Idee in die Praxis umzusetzen ...

Zumindest in der ersten Folge zäumt "E-Mail für Eve" das Hentai-Pferd von der völlig falschen Seite auf: Statt sich auf genrerelevante Inhalte zu konzentrieren, versucht der Anime, sich selbst und seinen Figuren mehr Tiefe zu verleihen – womit er dem Publikum stimulierende Szenen überwiegend vorenthält und der Hentai-Fan als potentieller Zuschauer vergrault wird. Tatsächlich hätten Handlung und Figurenzeichnungen durchaus zu funktionieren gewusst, wenn sie nicht gerade in einem Hentai eingefügt worden wären. Herausgekommen ist ein Highschool-Liebesdrama mit Fleischbeschau – und diese hält sich ebenso in Grenzen wie die Liebesspiele.

Kritik zur DVD:

Wie die meisten DVDs, die im Erotik-Label "Pink Lemon" von Anime House erscheinen, kann auch der Silberling zur ersten Episode von "E-Mail für Eve" auf technischer Ebene nicht überzeugen: Aufgrund durchgehender Unschärfe wirkt das Bild ziemlich weich, und auch die Farbwiedergabe ist nicht optimal. Außerdem ruckelt das Bild sichtbar bei schnelleren Bewegungen und weist stellenweise horizontale Schlieren auf, die das Bild eher an eine (bessere) VHS-Aufnahme erinnern lassen. Der deutsche Ton liegt in Linear PCM 2.0 vor und bietet eine ordentliche Dialogwiedergabe, hätte aber mehr Dynamik vertragen können. Eine japanische Tonspur sucht man bedauerlicherweise ebenso vergeblich wie deutsche Untertitel oder Bonusmaterial – lediglich ein Wendecover liegt der DVD bei.


Angels in the Court - Teil 2: Schmetterling - Uncut
Angels in the Court - Teil 2: Schmetterling - Uncut
DVD ~ Satoru Sumisaki
Wird angeboten von Handel mit DVDs
Preis: EUR 6,99

3.0 von 5 Sternen Kurzwillig, schlüpfrig, nicht allzu explizit, 30. November 2013
Kritik zum Film:

Wenn Motoura und seine Volleyball-Engel sich abseits des Spielfeldes einem zusätzlichem Workout hingeben, dann bleibt kein Höschen an seinem Platz. Ob intime Gespräche zu zweit oder lustvolle Mannschaftsbesprechungen – der Trainer steht immer und überall seinen Mann und sorgt dafür, dass keiner seiner Schützlinge zu kurz kommt. Dabei behält der zweite Teil der Original Video Animation (OVA) das Hentai-Niveau des Vorgängers bei: kurzweilig im Mix aus Liebesspielen und Humor, mehr als bloße lustlose Fleischbeschau à la "Wiedersehen bei Pia Carrot", aber im Hinblick auf die Darstellung der Geschlechtsteile nicht allzu explizit. Wer es auch gerne etwas härter hat und auf knallig in Szene gesetzte Wunderhörner besteht, der wird mit "Angels in the Court" hingegen nur leidlich warm werden.

Einmal mehr eine Enttäuschung und ein Schlag ins Gesicht eines jeden zahlenden Anime-Fans ist die deutsche Synchro, die nicht nur aus Witzen Zoten macht, sondern auch emotionale und lustvolle Kommentare beim Liebesakt durch plumpe und ohne jede Leidenschaft heruntergebetete Phrasen ersetzt, die jede anregende Atmosphäre unnachgiebig ersticken. Wer diese OVA genießen möchte, dem bleibt folglich nur der Griff zur japanischen Sprachfassung.

Ein Schmetterball ist zwar auch das Finale von "Angels in the Court" nicht geworden, aber dennoch wird kurzweilige Hentai-Sportcomedy-Kost geboten, die den geneigten Erotikanime-Freund gewiss anzusprechen dürfte – sofern die Erwartungen nicht zu hoch angesetzt werden und allzu explizite Darstellungen nicht als das alleinige Bewertungskriterium herangezogen werden.

Kritik zur DVD:

Wie im Falle des Vorgängers kann auch die DVD zum schlüpfrigen Finale auf technischer Ebene keinen Blumentopf gewinnen: Das Bild, das im Format 4:3 vorliegt, wirkt aufgrund schwacher Schärfewerte und matter Farben weich; hinzu kommt unangenehm auffallendes Flimmern an den vertikalen Bildrändern sowie horizontale Schlieren, die das Bild eher an eine VHS-Aufnahme erinnern lassen. Der deutsche Stereo-Ton präsentiert sich recht schwachbrüstig, zumindest sind die Dialoge recht gut verständlich. Bonusmaterial sucht man vergeblich, lediglich ein Wendecover liegt dem Silberling bei.
Darf man den Informationen auf dem Backcover Glauben schenken, enthält die vorliegende DVD die ungekürzte japanische Originalfassung. Neben dieser DVD-Edition, für die "Kein Verkauf an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren" vorgesehen ist, gibt es auch noch eine von der FSK ab 18 Jahren freigegebene Fassung, die aller Wahrscheinlichkeit nach gekürzt ist.


Angels in the Court - Teil 1: Aufschlag - Uncut
Angels in the Court - Teil 1: Aufschlag - Uncut
DVD ~ Satoru Sumisaki
Wird angeboten von Handel mit DVDs
Preis: EUR 6,99

3.0 von 5 Sternen Kurzweiliger, nicht allzu expliziter Sportcomedy-Hentai, 16. November 2013
Kritik zum Film:

Mila Ayuhara würde die Schamesröte ins Gesicht steigen, wüsste sie, welch zügelloses Treiben auf dem Volleyball-Platz herrschen kann. Denn so schüchtern wie der Volleyball-Superstar mit den großen dunklen Augen und der gelben Haarschleife geben sich die Mädels in "Angels in the Court" ganz und gar nicht, stattdessen frönen sie in der Sporthalle munter der Sünde, wenn der Coach zu intimen Trainingseinheiten einlädt. Dabei hält sich die erste Episode der zweiteiligen Hentai-OVA mit Charakterdesigns von Seiji Kishimoto ("Elfen Lied") auch erst gar nicht lange mit Expositionen und Vorgeschichten auf, sondern geht gleich in medias res. Ob Liebesspiele zu zweit oder handfeste Mannschaftsbesprechungen im größeren Stil – bei Trainer Motoura bleibt keiner seiner Spielfeldengel außen vor. Aufgelockert wird das lustvolle Workout durch eine Handvoll Witze, die nicht deplatziert wirken. Hentai-Liebhaber kommen dabei durchaus auf ihre Kosten – mit gewissen Einschränkungen: Zwar sorgen "Stellungswechsel" für Variation und Kurzweil, doch wer auf explizite Darstellungen der Geschlechtsteile hofft, den enttäuscht "Angels in the Court".

Den größten Minuspunkt kassiert aber nicht die OVA selbst, sondern die deutsche Synchronisation: Kommen die Dialoge in der japanischen Sprachfassung noch witzig, weil emotional aufgeladen herüber, so klingen in der deutschen Synchro gerade die Kommentare bei den Geschlechtsakten nicht nur monoton, sondern geradezu bescheuert (Kostprobe gefällig? "Hm, ist die eng. Hoffentlich hoble ich mir hier nichts ab.").

Unterm Strich serviert der erste Teil von "Angels in the Court" dem Freund schlüpfriger Hentais durchaus ansprechende Kost. Wer es jedoch härter oder expliziter haben will, der wird mit "Angels in the Court" nicht wirklich warm werden.

Kritik zur DVD:

Die DVD, die im Erotik-Label "Pink Lemon" von Anime House erschienen ist, enttäuscht auf technischer Ebene: Das Bild, das im Format 4:3 vorliegt, hat nicht nur mit matten Farben und Unschärfen, die es weich erscheinen lassen, zu kämpfen, sondern auch mit unangenehm auffallendem Flimmern an den vertikalen Bildrändern. Dem deutschen Stereo-Ton fehlt es an Kraft und Dynamik, mit dem Originalton verhält es sich kaum besser. Bonusmaterial sucht man vergeblich, lediglich ein Wendecover liegt der DVD bei.
Darf man den Informationen auf dem Backcover Glauben schenken, enthält die vorliegende DVD die ungekürzte japanische Originalfassung. Neben dieser DVD-Edition, für die "Kein Verkauf an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren" vorgesehen ist, gibt es auch noch eine von der FSK ab 18 Jahren freigegebene Fassung, die aller Wahrscheinlichkeit nach gekürzt ist.


Scary Movie 5 [Blu-ray]
Scary Movie 5 [Blu-ray]
DVD ~ Charlie Sheen
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Qualitatives Schlusslicht des "Scary Movie"-Franchises, 12. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Scary Movie 5 [Blu-ray] (Blu-ray)
Seit "Scary Movie" die "Scream"-Reihe aufs Korn genommen hat, werden die Kinoleinwände in leidlicher Regelmäßigkeit von Spoof-Comedies heimgesucht – vorrangig von Rohrkrepierern, die gerüchteweise humorig und unterhaltsam sein wollen, tatsächlich aber das Publikum doch nur mit unlustigen Pseudo-Gags wie mit Exkrementen bewerfen. Wie reibungslos die Spoof-Maschinerie trotz teilweise vernichtender Kritiken läuft, zeigt allein ein Blick auf das (aus)laufende Kinojahr: "Ghost Movie" nimmt das Found-Footage-Genre auf die Schippe, "30 Nights of Paranormal Activity with the Devil Inside the Girl with the Dragon Tattoo" macht schon im Titel klar, welche Filme zum Handkuss kommen, und mit "Die Pute von Panem – The Starving Games" steht bereits der nächste niveaulose Rundumschlag in den Startlöchern. Und als wäre der Topf damit noch nicht voll, ging das "Scary Movie"-Franchise heuer auch noch in die von den Fans lange erwartete fünfte Runde. Mit allerlei Namen wie Charlie Sheen, Lindsay Lohan, Snoop Dogg, Usher, Mike Tyson und vielen mehr versucht der jüngste Aufguss der Reihe zu übertünchen, dass diese längst das Ende der Fahnenstange erreicht hat und besser spätestens nach dem dritten Teil eingestellt worden wäre.

Ähnlich wie etwa "Mega Monster Movie", "Meine Frau, die Spartaner und ich" oder "Beilight – Bis(s) zum Abendbrot" begeht auch "Scary Movie 5" den simplen, aber kapitalen Fehler, sämtliche Kräfte auf eine möglichst hohe Dichte an Kalauern und Anspielungen auf diverse Hollywood-Filme zu konzentrieren und dabei völlig jede Form von Dramaturgie zu vernachlässigen. Herausgekommen ist dabei eine episodenhafte Aneinanderreihung von infantilem Klamauk, plumpem Brachial-Humor und dümmlichen Slapstick-Einlagen, die zudem nur selten wirklich zünden. Zwar orientiert sich das dürre dramaturgische Gestell namens Rahmenhandlung vorrangig an dem spanisch-kanadischen Gruselstreifen "Mama", entpuppt sich dabei aber als dermaßen zusammengezimmert, dass der Zuschauer schnell das Interesse am Geschehen und damit auch an der Zotenparade verliert. Freilich erwartet man bei einem Spoof-Movie wie "Scary Movie 5" keine raffiniert arrangierte Handlung mit Tiefgang und vielschichtigen Charakteren – das wäre der Intention des Films ungefähr ebenso zuträglich wie ein Charaktermime vom Schlag eines Marlon Brando in der Hauptrolle des nächsten "Transformers"-Bombastspektakels oder die Böhsen Onkelz als Soundtrack-Lieferanten für Lasse Hallströms "Hachiko". Aber wenn ein Film nur noch aus einer bloßen Aneinanderreihung von Gags und Slapstick-Momenten besteht, ohne einen nachvollziehbaren roten Faden anzubieten (und sei es nur eine Size-Zero-Story à la "Battleship"), dann hat er ein Problem – nämlich, sein Publikum nicht bei der Stange halten zu können.

Umso mehr noch, wenn das Gros der dargebotenen Gags kaum zündet, wirkungslos verpufft oder gar im Ansatz verreckt. Die Kalauerdichte in "Scary Movie 5" mag recht hoch sein, der Unterhaltungslevel fällt dabei jedoch mehr als ernüchternd aus. Auch der Wille der Macher, möglichst viele Filmparodien einzubeziehen, geht nach hinten los, da augenscheinlich planlos alles durch den Kakao gezogen wurde, was sich in die Finger kriegen ließ: Nicht nur Horrorstreifen wie "Mama", "Evil Dead", "The Cabin in the Woods" oder das gesamte "Paranormal Activity"-Franchise werden aufs parodistische Korn genommen, auch in anderen Genres wurde rücksichtslos gewildert – von "Inception" über "Black Swan" bis hin zum noch nicht einmal verfilmten "Shades of Grey" wird alles auf die Schippe genommen. Viele Anspielungen gehen in der Gagflut wirkungslos unter oder verschenken ihr Potenzial.

Die gute Nachricht ist: "Scary Movie 5" ist beileibe keine grenzdebile Darmspiegelung wie "Meine Frau, die Spartaner und ich" oder gar ein filmischer Skrotalbruch à la "Mega Monster Movie". Doch der fünfte Aufwasch der Reihe präsentiert sich schlichtweg langweilig – was bedauerlich ist, da vereinzelt Gags durchaus zünden und Ideen mit Potenzial durchblitzen, aber da spricht die reine Wahrscheinlichkeitsrechnung ein Wörtchen mit. So bildet "Scary Movie 5" auch qualitativ das Schlusslicht des Franchises – ein bitteres Armutszeugnis, bedenkt man, dass bereits "Scary Movie 4" schon nicht mehr wirklich lustig war. Schade, denn allein wegen Ben Cornish als Doppelgänger von Leonardo DiCaprios Rolle aus "Inception" ist "Scary Movie 5" fast schon einen Blick wert ...

Kritik zur Blu-ray Disc:

Der Film mag enttäuschen, die Blu-ray Disc hingegen weiß zu überzeugen: Das AVC-kodierte Bild liegt im 16:9-Vollbild-Format 1,78:1 vor und wartet mit überzeugenden Schärfewerten, kräftigen Farben, einem erstklassigen Schwarzwert sowie einem ausgewogenen Kontrast auf. Zwar macht sich stellenweise leichtes Bildrauschen bemerkbar, aber das trübt das HD-Feeling in keiner nennenswerten Weise. Der deutsche Ton liegt in DTS-HD High Resolution 5.1 vor und steht dem O-Ton in puncto glasklarer Dialogverständlichkeit, ausgewogener Abmischung und räumlicher Dynamik in nichts nach. Daneben liegt der deutsche Ton zusätzlich in einer (ebenfalls sehr gut abgemischten) Dolby-Digital-2.0-Tonspur vor.
Der Bonus-Content präsentiert sich sehr überschaubar: Interviews mit den Hauptdarstellern, deleted scenes, zusätzlich einen "Blick hinter die Kulissen" auf die Dreharbeiten sowie der deutsche und englische Trailer zum Film. Der Blu-ray Disc liegen ferner ein Wendecover sowie ein sechsseitiges Inlay bei, das neben Werbung auch technische Angaben zur Blu-ray, eine Kapitelübersicht des Films sowie Kurz-Filmografien einiger Darsteller beinhaltet.


Die nackte Kanone -  Box-Set [Blu-ray]
Die nackte Kanone - Box-Set [Blu-ray]
DVD ~ Leslie Nielsen
Preis: EUR 24,18

17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solide Blu-ray-Umsetzung einer kultigen Filmtrilogie, 3. November 2013
Leslie Nielsen war in mehreren Genres unterwegs – von Science Fiction ("Alarm im Weltall") über Horror ("Prom Night", "Creepshow") bis hin zum Katastrophenfilm ("Stadt in Flammen", "Die Höllenfahrt der Poseidon") –, doch internationalen Ruhm erntete er als Komiker. Bereits 1980 glänzte der Kanadier in einer größeren Nebenrolle in der turbulenten Spoof-Comedy "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug", bevor er acht Jahre später mit der Slapstick-Komödie "Die nackte Kanone" – ein Kino-Spin-off zur TV-Serie "Die nackte Pistole" – einen Welterfolg landete und sein Name fortan mit der Figur des trotteligen Unterweltschrecks Frank Drebin unauflösbar verbunden war. Den ungebrochenen Kultstatus, den Drebins Abenteuer bis heute genießen, verdanken sie hierbei nicht zuletzt Nielsens grandiosem Spiel: Selbst in den aberwitzigsten Slapstick-Momenten und komischsten Dialogen bleibt er ungerührt und trocken, und seine unnachahmliche Mimik setzt nicht selten noch einen drauf. Dabei kippt seine Darstellung nie ins Überzogene über, sondern sitzt gekonnt und bearbeitet das Zwerchfell des Zuschauers in der Folge umso treffsicherer. Tatsächlich zählen gerade die ersten beiden Teile der Trilogie zu den stärksten Filmen des kanadischen Blödelbarden.

Mag die Filmreihe aber auch vorwiegend von Nielsens Spiel leben, so ist das nur die halbe Miete. Das ZAZ-Trio (David Zucker, Jim Abrahams, Jerry Zucker), das bereits in "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" zur humorigen Höchstform aufgelaufen ist, brennt auch hier wieder ein dichtes Gag-Feuerwerk ab, in dem sich gelungene Slapstick-Einlagen, kultverdächtiger Wortwitz und einfallsreiche Dialoge ("Das ist im Rotlichtbezirk. Ich frage mich, was Savage in so einer Gegend zu suchen hat." – "Sex, Frank?" – "Äh, nein, im Moment lieber nicht, Ed. Wir haben zuviel Arbeit.") die Klinke in die Hand geben. Darüber hinaus werden besonders in Teil zwei und drei zahlreiche Hollywood-Filme (von "Casablanca" über "Gesprengte Ketten" bis hin zu "The Untouchables") durch den Kakao gezogen, womit Filmfans zusätzlich auf ihre Kosten kommen. Auch wenn nicht immer jeder einzelne Kalauer zündet und mehrere Gags aus der TV-Vorlage recycelt worden sind, so hat das humorige Gemisch nichtsdestotrotz auch fünfundzwanzig Jahre nach der Premiere des ersten Films nichts von seiner Wirkung verloren.

Qualitativ herrscht innerhalb der Trilogie jedoch ein ziemliches Gefälle: Wird der Zuschauer in den ersten beiden Teilen noch von einer wahren Gag-Lawine überrollt, so bemüht "Die nackte Kanone 33⅓" vermehrt Witze aus dem ersten Film, wodurch der dritte Teil über weite Strecken abgeschmackt wirkt. Auch steht die Dichte zündender Kalauer und Slapstick-Momente deutlich hinter jener der beiden Vorgänger zurück, so dass sich die eine oder andere Länge einschleicht. Somit ist "Die nackte Kanone 33⅓", bei dem David Zucker den Regiestuhl für Peter Segal ("50 erste Dates", "Spiel ohne Regeln") geräumt hat, ein weitgehend überflüssiger Anhang, der lediglich den einen oder anderen humorigen Treffer landet, ansonsten aber nicht an das Zwerchfellbombardement der beiden Vorgänger heranreicht.

Freilich sind die Abenteuer des trotteligen Lieutenant Frank Drebin alles andere als anspruchsvolle Komödienkost, aber das wollen sie auch nicht sein. Stattdessen liefern Zucker, Abrahams und Zucker kurzweiligsten Artilleriebeschuss auf die Lachmuskeln ab, der zu keinem Zeitpunkt ernst genommen werden will und der dank Leslie Nielsens herrlich ernstem, ja fast stoischem Spiel selten sein Ziel verfehlt (sieht man einmal von der erhöhten Blindgängerdichte in "Die nackte Kanone 33⅓" ab). So ist die absurde Komik der Filmreihe gut gealtert und lädt auch ein knappes Vierteljahrhundert später zu mehrmaligem Sehen ein.

Kritik zur Blu-ray Disc:

Die HD-Veröffentlichung der Trilogie wartet mit einer ziemlich wechselhaften Bildpräsentation auf. Der erste Film schneidet hierbei am besten ab, denn er liefert einen überwiegend ausgewogenen Kontrast, satte Farben und eine gute Detailwiedergabe gerade in Nahaufnahmen ab. Darüber hinaus weist das Bild in mehreren Szenen eine gute Plastizität auf und ist fast durchgehend frei von Verschmutzungen – was man von der visuellen Präsentation der beiden Nachfolger nicht behaupten kann. Darüber hinaus kränkelt Teil zwei vorwiegend an inkonsistenter Schärfe, das Bild des dritten Films wiederum wirkt irgendwie hart und unnatürlich. Insgesamt ein recht wechselhaftes Ergebnis, im direkten Vergleich zur DVD jedoch ein sichtbarer Schritt nach vorne, besonders beim ersten Film.
Beim Ton hat sich gegenüber der DVD-Veröffentlichung hingegen nichts geändert: Anstelle restaurierter HD-Tonspuren hat Paramount den Stereo-Ton der DVDs auf die Blu-ray gepresst – zumindest was den deutschen Ton angeht. Alters- und quellbedingt macht dieser zwar eine recht unspektakuläre, aber doch solide Figur. So ist die Dialogverständlichkeit jederzeit gewahrt, Störgeräusche lassen sich nicht feststellen. Ein wenig räumlicher präsentiert sich der Originalton, der unkomprimiert und in HD vorliegt.
Beim Bonusmaterial zeigt sich Paramount bedauerlicherweise knauserig, denn Extras sucht man vergebens. Der Blu-ray liegt ein Wendecover bei – das war's auch schon wieder! Weshalb Paramount den (ohnehin bescheidenen) Bonus-Content der DVD-Veröffentlichungen nicht übernommen hat, wird wohl auf ewig ein Mysterium bleiben ...


Star Trek: Into Darkness
Star Trek: Into Darkness
DVD ~ Chris Pine
Preis: EUR 7,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Explosionen, Lens Flares und Benedict Cumberbatch, 6. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Star Trek: Into Darkness (DVD)
Kritik zum Film:

Als 2009 J. J. Abrams, der Kopf hinter den Serien-Erfolgen "Lost" und "Fringe", das Star-Trek-Franchise einer radikalen Frischzellenkur unterzogen hat, ist er damit nicht nur auf Zuspruch gestoßen. Gerade eingefleischte Trekkies haben es Abrams ziemlich übel genommen, dass er den bestehenden Kanon durch Etablierung einer alternativen Timeline kurzerhand aufgehoben hat. Auch der Umstand, dass die philosophische Dimension von Roddenberrys Original hinter lens-flare-geschwängerten CGI-Feuerwerken zurücktreten musste, hat ihm nicht gerade Sympathiepunkte unter der Anhängerschaft der originalen TV-Serie eingebracht. Doch wohlgesonnene Kritiken und beachtliche Einspielergebnisse ließen keinen Zweifel: Die Reboot-Initiierung war geglückt, ein Sequel die logische Konsequenz.

Wurde in "Star Trek XI" die Mannschaft der Enterprise zusammengeführt und das Roddenberry'sche Universum für tot erklärt (lediglich Leonard Nimoy als alter Botschafter Spock hat sich dank Zeitsprung in die Abrams-Dimension retten können), liegt es an "Star Trek Into Darkness", Kirk und seine Crew in ihr erstes großes Abenteuer in der alternativen Zeitlinie zu stürzen. Dabei schlagen Abrams und sein Team in ihrem zweiten Ausflug in die unendlichen Weiten des Weltraums den naheliegendsten Weg ein: Auch wenn der Star-Trek-Reboot den originalen Kanon ins cineastische Leichenschauhaus überführt hat, kann er zugleich aus diesem schöpfen. Denn: Nur weil Vulkan in einem schwarzen Loch verschwunden ist und es plötzlich zwei Spocks in ein und derselben Zeitebene gibt, bedeutet dies noch lange nicht, dass andere aus dem Original bekannte Planeten, Kulturen und auch Schurken nicht mehr abrufbereit sind. Somit war die Entscheidung, Kirks Intimfeind Khan in "Star Trek Into Darkness" zu bemühen, eine gleichermaßen clevere wie naheliegende Resteverwertung des originalen Universums.

Wenn auch beileibe nicht so clever wie der Coup, den Staatsfeind Nr. 1 der Föderation mit Benedict Cumberbatch zu besetzen. Er verleiht der Erznemesis der Enterprise eine fast greifbare Präsenz, dank der er jede Dialogszene mit Kirk oder Spock dominiert, und bringt die berechnende Kaltblütigkeit und die physische Übermächtigkeit des gentechnisch optimierten Kriegers hervorragend zur Darstellung – ein perfekter Kontrast zum schlaksigen Meisterdetektiven, als welcher Cumberbatch in "Sherlock" begeistert. Auch der übrige Cast – besonders jener der Enterprise-Crew – weiß wie schon im Vorgänger zu überzeugen: Anton Yelchin ("Der Bieber") macht als leicht überforderter Navigator eine sympathische Figur, Simon Pegg ("Shaun of the Dead", "Hot Fuzz") sorgt für einige Schmunzler, und Zachary Quinto ("Heroes") tritt einmal mehr den Beweis an, weshalb er getrost als legitimer Nachfolger Leonard Nimoys bezeichnet werden darf. Und die Verpflichtung von SF-Veteran Peter Weller ("RoboCop", "Odyssey 5") als undurchsichtiger Flottenkommandant ist für Genrefans älterer Jahrgänge sicherlich ein süßes Schmankerl.

Die Handlung selbst gibt sich – wie könnte es denn anders sein? – ausgesprochen banal: In "Star Trek Into Darkness" steht der War on Terror im Mittelpunkt, dementsprechend düster fallen Story und Inszenierung im Vergleich zum Vorgänger aus. Das Drehbuch entpuppt sich dabei als zweischneidiges Schwert: Zum einen nähert sich der Film der humanistischen Botschaft des Originals ein wenig an, zugleich aber gelingt es ihm nicht, das Unterhaltungsniveau von "Star Trek XI" zu erreichen: Hatte der Reboot-Initiator dank der Zeitreisethematik, dem damit verbundenen Canon-Crushing und natürlich den unverbrauchten Gesichtern im Cast etwas Neues, Frisches und auch Turbulentes, so wird die doch recht dünne Geschichte in "Star Trek Into Darkness" mit einigen netten, aber wenig einfallsreichen Twists vorangetrieben. Über die inhaltlichen Mängel und die teils herben Logiklücken tröstet aber Abrams' Können als Erzähler spektakulärer Blockbuster-Action hinweg: Wie der Vorgänger springt die Handlung regelrecht in eine eindrucksvolle Eröffnungssequenz hinein und hält – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sein hohes Tempo bis zum Ende durch. Die beeindruckenden Bilder, die Industrial Light & Magic auf den Schirm zaubert, halten den Zuschauer dabei ebenso bei der Stange wie der dazu passend bombastische Score von Michael Giacchino ("Ratatouille", "The Incredibles") und die amüsanten Zänkereien zwischen Kirk und Spock, die über die fehlende Charakterentwicklung der beiden hinwegtäuschen. Darüber hinaus hält der Streifen einige Anspielungen an "Star Trek II: Der Fluch des Khan" bereit, die belegen, wie sehr sich Abrams und seine Crew mit dem Original auseinandergesetzt haben – was sie, nebenbei bemerkt, schon in "Star Trek XI" unter Beweis gestellt haben (Stichwort "Kobayashi-Maru-Test").

Auch wenn er dem direkten Vergleich mit dem Vorgänger nicht völlig standhalten kann, so überzeugt J. J. Abrams' zweiter Star-Trek-Streich doch als launiges Blockbuster-Kino, das dank gelungener Action-Momente, beeindruckender Effekte, eines hervorragenden Bösewichtes sowie des nötigen Quäntchens Humor zwei Stunden unbeschwerte Popcorn-Unterhaltung bietet.

Kritik zur DVD:

Die DVD kann sich sehen und hören lassen: Dank knackigem Kontrast, kräftiger Farben und einem satten Schwarzwert bietet das Bild eine ordentliche Portion Plastizität, die freilich niemals an eine HD-Präsentation herankommt, sich aber dennoch sehen lassen kann. Einziger Wermutstropfen sind vereinzelt schlechter fokussierte Shots, in denen die generell tadellose Detailschärfe ein wenig leidet. Alles in allem jedoch eine erstklassige Präsentation, die knapp die Höchstwertung verpasst. Der Ton in Dolby Digital 5.1 wartet mit einer exzellenten Abmischung auf, die nur in verlustfreiem HD-Sound besser klingen mag. Gerade in den Action-Momenten wird der Zuschauer regelrecht ins Geschehen hineingeschleudert und mit einer vollmundigen Räumlichkeit sowie einer hervorragenden Direktionalität verwöhnt.
Beim Bonusmaterial zeigt sich Paramount knauserig und speist die DVD-Kunden mit zwei (zugegebenermaßen nicht uninteressanten) Featurettes über Khan ("Der Feind meines Feindes") und die Produktion einer ausgewählten Action-Szene ("Schiff zu Schiff") ab. Käufer der Blu-ray Disc bzw. der 3D-Blu-ray kommen hingegen nicht nur in den Genuss weiterer Features sowie einer Digital Copy des Hauptfilms, sondern auch eines Wendecovers, welches man bei der DVD vergeblich sucht. Ein weiteres Indiz dafür, dass die großen Publisher ihr Hauptaugenmerk längst auf die blaue Scheibe gelegt haben und das Medium DVD am liebsten schon vom Markt verschwunden wissen wollen ...


Hänsel und Gretel: Hexenjäger (+ Blu-ray + DVD) [Blu-ray 3D]
Hänsel und Gretel: Hexenjäger (+ Blu-ray + DVD) [Blu-ray 3D]
DVD ~ Jeremy Renner
Preis: EUR 20,43

12 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grimm-Sequel als trashig-funsplattriges Guilty Pleasure, 30. August 2013
Kritik zum Film:

Was geschah eigentlich mit Hänsel und Gretel, nachdem die Hexe im Ofen gelandet ist? Wer die Grimm'schen "Kinder- und Hausmärchen" gelesen hat, der weiß, dass die Geschwister – die Taschen voller Schätze aus dem Hexenhaus – dem Wald entkommen und nach Hause zurückgekehrt sind. Doch die Filmindustrie weiß es wie so oft besser und liefert seit Jahrzehnten unterschiedliche Fortführungen und Neuinterpretationen des klassischen Märchens ab; sogar in Südkorea trieben diesbezüglich schon wilde Blüten ("Hansel & Gretel"). Der norwegische Filmemacher Tommy Wirkola, der 2009 mit seinem Nazi-Zombie-Funsplatter "Dead Snow" auf sich aufmerksam gemacht hat, macht aus den beiden Märchenhelden kurzerhand in schwarzes Leder gekleidete Kopfgeldjäger und rüstet sie mit Hightech-Gadgets à la James Bond aus, um ihre Opfer reihenweise zum Aderlass zu bitten. Obwohl der Film anfänglich um seinen Kino-Release zittern musste, entpuppte sich "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" schnell als einer der Gewinner des Kinojahres 2013: Mit rund 225 Millionen US-Dollar spielte er an den Kinokassen mehr als das Vierfache seines Budgets wieder ein, in Deutschland knackte er sogar die Ein-Million-Besucher-Marke.

Ein Kunststück, auf den ersten Blick, kränkelt Wirkolas blutig-rasantes Horror-Action-Märchen doch gleich an mehreren Fronten: Das Drehbuch erzählt im Grunde nichts Neues und gleitet öfters mal ins Abstrus-Lächerliche ab, die Performance der beiden Hauptdarsteller präsentiert sich eher bescheiden, und vor allem im direkten Vergleich zu den saftig-derben Gore-Gelagen in "Dead Snow" geht Wirkola vom Gas; an ironisch in Szene gesetztem Splatter mangelt es "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" zwar nicht, aber gegen das makabere Blutfontänen-Feuerwerk des Nazi-Zombie-Splatsticks zieht das Quasi-Sequel zum Grimm'schen Märchen doch gehörig den Kürzeren. Was genau so unterhaltsam an "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" sein soll, darauf lässt sich nur schwer mit dem Finger deuten.

Und dennoch: Auf absurde Weise funktioniert der Streifen und das nicht mal schlecht. Möglicherweise auch deshalb, weil der Film zu keiner Zeit Gefahr läuft, seine Handlung und seine Figuren zu ernst zu nehmen, und stattdessen sein aberwitziges Konzept stur und konsequent durchzieht. Zwar lässt Wirkola, der auch beim Drehbuch seine Finger mit im Spiel hatte, viel Potential brachliegen, während der Film unbeirrt auf ein mehr als vorhersehbares Ende (das – wie könnte es denn anders sein – die Möglichkeit eines Sequels bewusst offen lässt) zusteuert. Andererseits will "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" auch nichts anderes sein als rasantes und überzeichnendes Popcorn-Kino, in dem blutige 3D-Action und coole One-Liner im Mittelpunkt stehen, nicht schauspielerische Höhenflüge mit Oscar-Ambitionen. Nicht zuletzt deswegen füllen Jeremy Renner ("The Hurt Locker") und Gemma Arterton ("Kampf der Titanen") die Titelrollen ziemlich gut aus – ja mehr noch: Mit ihren monotonen Mimiken und ihrem bemerkenswerten Charismavakuum haben sich tatsächlich zwei Schauspieler gefunden, denen man ihre geschwisterlichen Bande tatsächlich abkauft! Ob Zufall beim Casting oder wohlüberlegte Taktik, die Besetzung mit Renner und Arterton kann so betrachtet fast schon als cleverer Clou verstanden werden. Darüber hinaus gefallen Peter Stormare ("Constantine", "The Big Lebowski") als herrlich rachsüchtiger Amtsrichter sowie Famke Janssen ("X-Men", "The Faculty"), die sich als verführerisch-fiese Oberhexe so richtig austoben darf.

Unterm Strich liefert Tommy Wirkola mit "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" trashiges Guilty Pleasure in Form einer Kreuzung aus "Van Helsing" und "Brothers Grimm" ab, das dank eines gut aufgelegten Casts, einer Handvoll sitzender One-Liner, temporeich inszenierter 3D-Action und mit schwarzem Humor garnierten gore events zu unterhalten weiß – vorausgesetzt, man kann sich auf das schräge Szenario einlassen, lässt sich nicht von dem platten Drehbuch abschrecken und weint nicht tränenreich dem verschenkten Potential nach. Denn eines muss gesagt werden: "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" hätte tatsächlich das Zeug zu mehr gehabt.

Kritik zur Blu-ray Disc:

"Hänsel und Gretel: Hexenjäger" wurde nach Aussagen des Regisseurs zur Hälfte in 3D gedreht, während das übrige Bildmaterial in 2D produziert worden ist und später eine Konvertierung durchlaufen hat. Das Ergebnis ist ein erstaunlich homogenes und (mit wenigen Abstrichen) gelungenes 3D-Bild, das eine ausgezeichnete Tiefenwirkung sowie zielsicher eingestreute Pop-Out-Effekte abliefert – wobei letztere in der zweiten Filmhälfte doch deutlich abnehmen. Beeinträchtigt wird die saubere 3D-Präsentation allenfalls durch Wirkolas Stil: In Nachtszenen sowie in den hastig inszenierten Actionszenen, in denen Schnittgewitter und schnelle Kamerabewegungen regieren, büßt das Bild zuweilen ein wenig an seiner Räumlichkeit ein.
Das 2D-Bild steht hinter seinem 3D-Pendant in nichts nach: Knackige Schärfewerte, eine gelungene Detailwiedergabe, ein hervorragender Kontrast sowie ein satter Schwarzwert ergeben ein frisches Bild von durchgehend hoher Plastizität.
Tonmäßig steht einmal mehr Paramounts Unwille, eine deutsche HD-Tonspur abzuliefern, einer Höchstwertung im Weg: Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 erzeugt zwar eine satte und lebendige Surround-Kulisse, die in Actionszenen ordentlich ihre Bass-Muskeln spielen lässt, zieht aber im direkten Vergleich mit dem unkomprimierten HD-Originalton den Kürzeren. Dieser besitzt einfach die deutlich dynamischere und räumlichere Abmischung.
Das Bonusmaterial ist ausschließlich auf der 2D-Blu-ray untergebracht und präsentiert sich recht überschaubar: Die drei Features mit einer Gesamtlaufzeit von rund 30 Minuten beschäftigen sich mit der Produktion, den Hexen sowie der Erschaffung des Trolls Edward (dem im Film eine nicht unwesentliche Rolle zukommt) – nicht uninteressant, zuweilen aber auch, damit die obligatorische Lobhudelei nicht zu kurz kommt. Darüber hinaus liegt dem 2D-/3D-BD-Bundle auch eine DVD mit der Kinofassung des Films sowie ein Wendecover bei. Extras in 3D sucht man bedauerlicherweise vergebens – nicht einmal ein lausiger 3D-Trailer lässt sich finden.
Stichwort Kinofassung: Das vorliegende Bundle von "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" folgt einer merkwürdigen Veröffentlichungspolitik. In 3D liegt der Film lediglich in der Kinofassung vor, während der Extended Cut ausschließlich in 2D enthalten ist. Das ist gerade für Anhänger der dritten Dimension umso bedauerlicher, als die härtere Langfassung dem zehn Minuten kürzeren Theatrical Cut eindeutig vorzuziehen ist. Bleibt zu hoffen, dass diese eigenartige Veröffentlichungspolitik ein einmaliger Ausrutscher gewesen ist ...


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