Profil für Arttu > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Arttu
Top-Rezensenten Rang: 339.369
Hilfreiche Bewertungen: 68

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Arttu (Berlin)

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Maschine
Maschine
Preis: EUR 9,99

23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wie aber lebt man, dass man wirklich lebt...", 17. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Maschine (Audio CD)
Da hatte man schon ungläubig den Kopf geschüttelt, als bekannt wurde, der Frontmann der Puhdys macht nach 28 Jahren sein zweites SOLO-Album, und dann besteht es zu drei Vierteln aus - PUHDYS-Songs! Überwiegend weniger bekannte, aber immerhin auch drei der größten Hits aus den Anfangsjahren in den 70ern, von denen es teilweise sogar schon mehrere Neuaufnahmen jüngeren Datums gibt. Kann das gut gehen?
Zu meiner eigenen Verblüffung muss ich sagen: Ja, es kann!
Der Beweis liegt vor uns: Ein Album aus einem Guss, auf dem alles stimmig ineinander greift, als wären die Lieder von Anfang an nur dafür geschrieben worden, und zwar hier und heute und nicht schon vor 20, 30, 40 Jahren. Was einerseits für ihre zeitlose Qualität spricht, andererseits aber auch für die einheitliche Herangehensweise an die Produktion, die ein bisschen dem Konzept von Rick Rubins "American Recordings" zu folgen scheint: Konzentration aufs Wesentliche, auf den Kern, die Aussage, die Stimme, Verzicht auf jeglichen modischen Schnickschnack, mit allen Unebenheiten, die im formatradiotauglich zurecht gebügelten Mainstream gerne dezent übertüncht werden, aber der Musik eigentlich erst Charakter, Persönlichkeit und Tiefe geben, wie die Falten in einem Gesicht.
Von den Vorlagen aus dem Puhdys-Katalog unterscheiden sie sich schon deshalb, weil den Musikern viel Raum gegeben wurde, ihre eigenen Vorstellungen, Ideen und völlig anderen Spielweisen einzubringen, und natürlich durch ein Instrumentarium, das neben dem üblichen Band-Setting wahlweise auch mit Geige, Mandoline, Maultrommel, Akkordeon, hier Bläsern, dort Background-Sängerinnen oder (kitschfreien!) Streichersounds angereichert ist, die jeweils passende Farbtupfer beisteuern und zuweilen eher an Vorbilder aus dem Folkrock-Bereich erinnern. Da gibt es eine Menge zu entdecken, für Puhdys-Kenner ebenso wie für "Neueinsteiger", die den Puhdys bisher vielleicht skeptisch gegenüber standen oder sie gar nicht so richtig auf dem Schirm hatten.
Die Gänsehaut-Momente liegen wahrscheinlich bei Jedem woanders, aber die beiden gemeinsamen Nummern mit BAP-Mastermind Niedecken dürften sicher für die Meisten dazugehören. Zwei Männer, die nach gesundheitlichen Grenzerfahrungen das Leben auf ihre (sorry, Jungs) alten Tage nochmal ganz neu entdeckt haben, und für die "Leben ist kurz" deshalb auch nicht einfach nur ne schlechte Nachricht ist, sondern im Gegenteil die einmalige Chance beschreibt, eben konsequent das Beste draus zu machen. Zwei Vollblut-Rocker von verschiedenen Seiten des Eisernen Vorhangs, die sich zu Zeiten des Kalten Krieges mal Gegeneinander haben ausspielen lassen und vor diesem Hintergrund heute sehen, dass es zwischen ihnen doch viel mehr Verbindendes als Trennendes gibt. Damit sind sie 25 Jahre nach dem Mauerfall schon einen entscheidenden Schritt weiter als der Großteil ihrer Landsleute, die immer noch in umgekehrter Richtung unterwegs sind.
"Was wussten wir denn schon vom Leben vor dem Tod?" Darum geht's, das Leben VOR dem Tod, und deshalb ist MASCHINE ein Album geworden, das bewegt, aber auch einfach Spaß macht.
Klare Kaufempfehlung!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 4, 2015 5:01 PM CET


Live - The 50th Anniversary Tour
Live - The 50th Anniversary Tour
Preis: EUR 20,64

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tolle Show - lahme Produktion, 27. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Live - The 50th Anniversary Tour (Audio CD)
In anderen Rezensionen wird ja bereits mit Brian Wilsons "Live At The Roxy"-Album verglichen, und obwohl natürlich auch dort nicht ganz auf mehr oder weniger dezente Nachbearbeitung im Studio verzichtet werden konnte, muss ich mich dem Urteil anschließen, dass das Ergebnis doch um einiges wärmer, lebendiger, druckvoller und hinsichtlich des Live-Eindrucks authentischer klang als dieses Dokument der Beach Boys. Der Grund liegt auf der Hand: Anders als bei Brians Solo-Produktionen seit der Jahrtausendwende saß hier leider nicht Mark Linett an den Reglern, der dank seiner Pionierarbeit beim digitalen Remastering des Beach-Boys-Backkatalogs sowie als Restaurator und Remix-Engineer von Archivschätzen wie zuletzt den SMiLE-Sessions als DER professionelle Experte für den spezifischen Wilson-Sound gelten darf. Vielmehr lag auch dieses vielleicht letzte Teilstück des historischen Jubiläums-Reunion-Projektes in den Händen von Joe Thomas, der bereits das vorangegangene Studioalbum, ein TV-Special und die DVD zur Tour produzieren durfte - aus Gründen, die eher mit der bandinternen Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu tun haben dürften als mit künstlerischer Qualifikation. Und so klingen die Aufnahmen dann auch genau so blutleer, steril und kraftlos wie schon das 2012er Studiowerk und Brians "Imagination"-Album von 1998. Bei den flotteren Surf- und Car-Oldies vermisst man jegliche Rock'n'Roll-Energie (die bei den Konzerten durchaus beeindruckend rüber kam), ein Song wie "Sail On Sailor" hatte selbst in der Halbplayback-Version des TV-Specials zum 25. Bandjubiläum (immerhin mit Stargast Ray Charles) mehr Soul als diese zu Tode frisierte Autotuning-Orgie, und bei "Heroes & Villains" glaubt man gar, statt Brians immer leicht angeschrägter Live-Performance die Gesangsspur seiner Studioeinspielung von 2004 zu hören. Überhaupt die Stimmen: Wer die Shows gesehen hat, wird staunen, wie oft Brian in dieser Audiobearbeitung plötzlich vom ganz links nach ganz rechts und über die Mitte wieder zurück wandert, als wäre er unermüdlich über die Bühne geflitzt wie ein Wiesel. Auch alle anderen Beteiligten wechseln ständig ihre Positionen im Stereospektrum, je nach Belieben der Tonregie. Ein realistisches Abbild des Live-Settings sieht anders aus. Von Live-ATMOSPHÄRE will ich erst gar nicht anfangen. So etwas glaubwürdig einzufangen gehört zu den schwersten Herausforderungen für jeden Toningenieur und gelingt nur selten halbwegs überzeugend. Überflüssig also zu erwähnen, dass es hier erst recht gründlich in die Hose geht. Und trotzdem: weniger als drei Punkte verbieten sich schon aus Respekt vor der Leistung der Herren, die nicht nur mutig über ihre diversen Schatten gesprungen sind, um sich überhaupt wieder gemeinsam zu zeigen, sondern dabei sowohl qualitativ als auch quantitativ alle Erwartungen übertroffen haben. Selbst wenn das vorliegende Produkt nur einen sehr matten Abglanz davon wiedergibt - für das Zustandekommen des Ausgangs-"Rohmaterials" kann man als bekennender Fan nichts als Dankbarkeit empfinden. Und zwar mehr, als ein unterm Strich nicht ganz befriedigendes Souvenir dieses aufregenden Jubiläumsjahres je zerstören könnte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 31, 2013 11:50 PM MEST


Die Gunst der Stunde
Die Gunst der Stunde
Preis: EUR 5,55

35 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen KUNZtgewerbe, 22. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Gunst der Stunde (Audio CD)
Ja, man hört es diesem Album an, dass es in der Hamburger "Tonschneiderei" entstanden ist - maßgefertigt nach "Schnittmustern" aus der Welt der Radio- und TV-Reklame, der verkaufsfördernd ausgeklügelten Überredungsmusik. Die kalkulierte Mehrheitsfähigkeit, mit der das Studio es zu einer beeindruckenden Liste von Referenzen aus der werbetreibenden Wirtschaft gebracht hat, ist denn auch Kern der Firmenphilosophie: "Wir wissen, wie Musik zu klingen hat, um Massen mitzureißen."
Heinz Rudolf Kunze wusste das noch nie so richtig. Wäre auch gar nicht schlimm, könnte sogar für ihn sprechen, wenn er sich irgendwann damit abgefunden hätte, dass sein zuweilen elitärer künstlerischer Anspruch auf Dauer unvereinbar ist mit der Art von Popularität, wie sie ihm in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre für eine Weile vergönnt war.
Schon damals brauchte er für den Erfolg einen kreativen Mitstreiter, der Single-Hits komponieren und radiotauglich produzieren konnte. Kommerziell riskante Hakenschläge wie das 1996er Album "Richter-Skala" wurden vom breiten Publikum nicht honoriert, die reumütige Rückkehr zum eingängigen Mainstream-Pop-Rock mit dem Nachfolger "alter ego" vergrätzte dann auch noch jene, die gerade den neugierigen, provokanten und experimentierfreudigen Kunze liebten, und so wuchs mit den Jahren der Abstand zum "vorderen Drittel der ersten Liga", wo er doch seiner ehrgeizigen Selbsteinschätzung nach hingehört. Band, Plattenfirma und Management wurden ausgewechselt, doch die nachhaltige Trendwende ließ auf sich warten.
Nun also ein neuer Versuch, ein neues Konzept: kein richtungsloser Gemischtwarenladen mehr wie noch die Vorgänger-Produktion "Protest", bewusster Verzicht auf alles Sperrige, damit leider auch auf jegliche Originalität, stattdessen kantenfreier Stromlinien-Pop aus der Muzak-Retorte, austauschbare Stangenware. Das Spektrum reicht von banal bis geradezu peinlich banal, wobei man für die Peinlichkeiten fast schon dankbar ist, weil sie inmitten all der watteweichen Ödnis wenigstens für ein wenig unfreiwillige Komik sorgen. Lässt man jeglichen Galgenhumor beiseite, bleibt eigentlich nur Fassungslosigkeit über die bestürzende Einfalt, die sich der einst so begnadete "Rockpoet" da ausgerechnet zum 30-jährigen Bühnenjubiläum auf den in Ehren ergrauten Leib hat "tonschneidern" lassen.
Dabei ist es ja keineswegs so, dass ihm nichts mehr einfallen würde. Was bei der Songauswahl für seine CDs aussortiert wird, füllt ganze Bücher, die in regelmäßigen Abständen erscheinen und auf musikalisch-literarischen Lesereisen präsentiert werden. Material mit echter Substanz hätte da ganz sicher überreichlich zur Verfügung gestanden. Leider gibt es aber noch immer kein Grundrecht auf Unversehrtheit der künstlerischen Integrität, und verkaufsstrategische Überlegungen sind immer starke Argumente, wenn man seine Lieder auch weiterhin mit einem erfolgsbewährten Vertriebspartner wie dem Schlager-Label Ariola unters Volk bringen möchte. Aber sind das wirklich noch "seine" Lieder, wird die Albenproduktion nicht allmählich zum bloßen Selbstzweck?
Eine gewisse Altersmilde sei Herrn Kunze gerne zugestanden, aber gerade er als erklärter Gegner von Künstlersozialkassen und staatlicher Kultursubventionierung sollte auch wissen, dass eine vor der vermeintlichen Übermacht des Marktes kapitulierende Kunst unweigerlich ihre Relevanz verliert. In diesem Sinne wünschen wir für die nächsten 30 Jahre vor allem natürlich Gesundheit, Durchhaltevermögen und - ganz viel Mut!
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 13, 2013 5:42 PM MEST


Seite: 1