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JKH

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Als wir träumten: Roman
Als wir träumten: Roman
von Clemens Meyer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen Drama und Einöde, 3. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Als wir träumten: Roman (Taschenbuch)
Was für ein Debüt! Clemens Meyer ist mit "Als wir träumten" ein hervorragendes Poträt einer verlorenen Jugend gelungen, die in Leipzig vor und nach der Wende ein tristes Dasein fristet. Der Roman strotzt vor Authentizität, die er aus einer Vielzahl von Eigenschaften bezieht: Zum einen wäre da die episodenartige Anordnung, ständige Zeitsprünge inklusive. Der Autor versetzt sich in den Schuljungen Daniel, der in der DDR aufwächst, sowie in den späteren Rebellen in den Teenagerjahren. Was dem Roman dabei seinen unvergleichlichen Realismus mitgibt, ist der Wechsel des Sprachstils: Naiv-simple Sprache hier, cooler Jugendslang dort - Meyer schafft es dabei, dass letzterer nie aufgesetzt oder peinlich überzeichnet wirkt. Ein anderer Grund für die Glaubwürdigkeit des Werks ist, dass Meyer - wie man aus sekundärer Hand weiß - selbst in Leipzig aufgewachsen ist, selbst Jugenknasterfahrung hat und das Mileu kennt. Das liegt auch nahe, wenn man den Roman gelesen hat, denn die Behauptung scheint gerechtfertigt, dass viele der Details des Romans nicht recherchiert werden können, sondern selbst erlebt werden müssen.

Der Titel "Als wir träumten" ist dabei doppelt treffend: Nicht nur die Protagonisten des Romans träumen, wie an nachdenklichen Stellen der Handlung durchklingt, von einem Leben in der Legalität und im Wohlstand mit den damit verbundenen Zielen, Hoffnungen und Chancen. Der träumerische Ausbruch aus der eigenen Lebenswelt funktioniert auch andersherum: So manch wohl situierer, behütet und mit Regeln aufgewachsener Leser wird sich - so paradox es klingt - angezogen fühlen von dieser fremdartigen Parallelwelt, in der man Gesetze und Vorschriften missachtet, seine Wut direkt und unverblümt an den Glasscheiben Leipzigs auslässt, planlos in den Tag hineinlebt und anarchisch und betont maskulin Respekt zu erlangen versucht. Denn trotz aller abscheulicher und von Meyer ungefiltert brutal geschilderter Gewalt gibt es ein gewisses Sympathie- und Identifikationspotential mit den Figuren des Buchs. Bei aller Härte und Feindlichkeit, die das Leben in den damaligen Problemvierteln ausmachen, gibt es duchaus Züge von Hifsbereitschaft, Ehrgefühl und einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn, der an die Menschlichkeit der Charaktere glauben lässt.

Gelungen ist der unprätentiöse Erzählstil auch in anderer Hinsicht: Da Meyer die Schauplätze nur zurückhaltend beschreibt, ist das dunkle, graue Fanatasiebild Leipzigs beim Leser umso vielschichtiger und nachdrücklicher, als wenn der Autor seiner Leserschaft aus falscher Eitelkeit die Spielorte mit ausufernden Beschreibungen mundgerecht vorgesetzt hätte. Überhaupt hält sich Meyer angenehm mit wertenden Kommentaren zurück, moralisch verherrlicht er die Taten seines Ich-Erzählers und dessen Gang nicht, genauso wenig verurteilt er sie.

Trotzdem lässt die Erzählung eine Vielzahl verschiedener Erklärungsansätze zu. Letztlich ist es wohl das Zusammenspiel aller wesentlichen Faktoren, von der hilflosen DDR-Erziehung, die sich hinter inhaltsleeren Worthülsen, vorgeben vom "System", aus der Verantwortung stiehlt und die Individualität ihrer Schutzbefohlenen nicht erkennen will bis zu den zerütteten Familienverhältnissen, aus denen Jugendliche hervorgehen, die mit permanenter Überforderung aufgewachsen sind und mehr von den oft zitierten falschen Freunden beeinflusst werden als vom eigenen Elternhaus.

Meyer ist ein großartiges Debüt gelungen, ein Roman, dessen Episoden wie Mosaiksteine nach und nach ein sinnvolles Bild vom Charakter des Ich-Erzählers und dessen Entwicklung ergeben. Eine realistische Mileustudie ohne moralischen Zeigefinger, die die ganze Bandbreite zwischen packender Alltagsdramatik und bemitleidenswerter Einöde abdeckt.


So viel Zeit: Roman
So viel Zeit: Roman
von Frank Goosen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen So viel Zeit, so wenig Leben, 25. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: So viel Zeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nein, die Thematik des Buches erweckt nicht gerade den Eindruck, dass es um die ganz großen Dinge des Lebens geht: Fünf ehemalige Schulfreunde gründen gealtert und frustriert spontan eine Band '- verzweifelter Eskapismus aus der einsetzenden Midlife-Crisis. Dieses Konzept hätte zu einem ziemlich banalen und zutiefst peinlichen Versuch einer Komödie werden können oder wäre bestenfalls in der Sackgasse schwelgerischer Altherrenromantik stecken geblieben.

Doch Frank Goosen vollbringt es, aus diesem Plot, an dem man sich eigentlich nur die Finger verbrennen kann, ein angenehm melancholisches und nachdenkliches Buch zu machen. Dazu trägt auch die wohltuend bescheidene und simple Sprache bei, die minimalistisch die sprunghaften Lebenswege der Protagonisten für sich sprechen lässt, statt diese durch pseudo-philosophische Ergüsse zu verwässern.

Bulle, Thomas, Rainer, Ole und Konni sind weder Helden noch Anti-Helden, sondern einfach ganz normale Durchschnittsmenschen, bei denen sich Erfolg und Misserfolg periodisch abwechseln. Sie alle mussten irgendwann auch peinliches und beschämendes erleben, doch alle brechen auch gelegentlich aus ihrer resignativen Stagnation aus und zeigen sich selbst neue Perspektiven auf. Das Quintett eint, profan formuliert, die Erkenntnis, dass das bisher Erlebte noch nicht alles gewesen sein darf. Auch wenn alle Fünf im Grunde romantische Nostalgiker sind, wollen sie Erinnerungen produzieren, statt in alten zu schwelgen.

Die Beobachtung, dass der Alltagstrott die Lebensweise diktiert und nicht umgekehrt, mag weder besonders originell noch bahnbrechend sein, aber so ruhig und facettenreich wie Frank Goosen sie beleuchtet, ist sie es wert, auf Romanlänge erzählt zu werden. Dass der Plot hier und da unglaubwürdig daherkommt und Goosen stilistisch einzelne Aussetzer hat, täuscht nicht darüber hinweg, dass die Lektüre dieses Buches selbst ein Stück weit Alltagsflucht sein kann.

"So viel Zeit" macht nachdenklich, trotz oder gerade weil es nicht besserwisserisch ist. Es macht deutlich, wie begrenzt die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten sind, aber ermutigt dennoch dazu, Veränderungen vorzunehmen. Das Buch legt nahe, dass die meisten Menschen trotz aller rebellischen Vorsätze doch irgendwann in den vorgefertigten Schablonen landen. Aber "So viel Zeit" hilft insofern dadurch, als dass es durch die Zerstörung von Illusionen beim Leser ein Bewusstsein für Problematik schafft. Und so behandelt dieser unscheinbare Roman irgendwie doch die großen Dinge des Lebens, und zwar auf wohltuend zurückhaltende Weise.


PES 2009 - Pro Evolution Soccer
PES 2009 - Pro Evolution Soccer
Wird angeboten von Buecher-Topshop
Preis: EUR 3,39

40 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gameplay-Gala 2009, 21. Oktober 2008
Von der Fachpresse wird gern bemängelt, Pro Evolution Soccer 2009 sei zu wenig innovativ und böte kaum Kaufanreize für Besitzer des Vorgängers. Tatsächlich ist die Fußball-Simulation alles andere als revolutionär - Neuerungen, die ins Auge springen, gibt es kaum. Allerdings haben für die echten PES-Kenner schon kleinere Anpassungen in der Gameplay-Feinmechanik immense Auswirkungen. Auch wenn PES 2009 nicht alle Prinzipien der Serie über Bord wirft, so merkt man mit fortschreitender Spieldauer, dass man seinen eigenen Spielstil bereits bedingungslos den veränderten Gegebenheiten angepasst hat. PES 2009 spielt sich viel kontrollierter und abwartender. Während man beim Vorgänger mühelos das Mittelfeld überbrücken konnte und schnell den Abschluss fand, sind freie Einschussmöglichkeiten insbesondere gegen stärkere Teams echte Raritäten. Der tödliche Pass jedoch, zum optimalen Zeitpunkt gespielt, eröffnet ganz neue Spielsituationen und gewinnt extrem an Bedeutung - genau so muss ein Fußballspiel sein. Dieses defensivere Gameplay hat aber noch einen anderen, vielleicht den Kritikpunkt schlechthin an PES 2008 ausgemerzt: Torfestivals sind auch bei hoher Spieldauer endlich wieder die Ausnahme. Allgemein ist das Spiel bedeutend realistischer - und auch nachvollziehbarer und weniger frustrierend. Bei PES 2008 fielen oft unvermeidliche Gegentore nach Eckbällen, da insbesondere die indiskutable Strafraumbeherrschung der Torwart-KI keinerlei Möglichkeit zur Verhinderung bot. Insofern: Wer PES 2009 als mickriges Update abstempelt, kann sich kaum ernsthaft über einen längeren Zeitraum mit dem Produkt auseinander gesetzt haben. PES 2009 ist nicht von Grund auf, aber an den entscheidenden Stellen sinnvoll verbessert worden. Die Balance und das Gameplay einer ohnehin schon sehr guten Serie sind mit diesem Teil fast perfektioniert worden. Oft wird Gamedesignern vorgeworfen, mit überzogenen und unsinnigen Änderungen das Flair einer Serie zu zerstören und diese zu "verschlimmbessern". PES 2009 ist das Paradebeispiel dafür, wie man ein Spiel Jahr für Jahr behutsam besser macht.

Es gibt noch Schwächen, zweifellos: Die KI ist besser geworden, aber immer noch ausbaufähig. Das Lizenzpaket ist - auch wenn man das angekündigte Update mit einbezieht - nach wie vor nicht ausreichend. Klar ist es möglich, mit einiger Verzögerung eventuell auch noch fehlerbehaftete oder unvollständige Fan-Updates aus der rechtlichen Grauzone zu laden, aber nichts ersetzt die offizielle Lizenz, die sich zum Verkaufsstart auf dem Datenträger befindet. Die neu erworbenen Champions League Rechte wurden allerdings liebevoll umgesetzt und verströmen Festtags-Atmosphäre, die man sich allerdings auch von der Soundausgabe gewünscht hätte. Bei jedem Stadionbesuch sind Fangesänge und Jubel die zentralen Elemente des Spektakels. Unbegreiflich, wie Konami und EA diesen stimmungstragenden Aspekt seit Jahren vernachlässigen. Die immer gleichen Fangesänge dudeln über die gesamte Spieldauer in Endlosschleife, das Publikum geht noch nicht mal mit, wenn der eigene Spieler im Sechzehnmeterraum zum Torschuss ansetzt, die Unterschiede zwischen Heim- und Auswärtsspiele sind akustisch nur marginal. Hier liegt noch viel Potenzial brach. Ärgerlich sind auch die häufigen Abstürze.

Trotzdem: Dieses Jahr gilt wie jedes Jahr, dass das Gameplay von Pro Evolution Soccer über jeden Zweifel erhaben ist. In der Königsdisziplin, dem Fußballspiel an sich, ist das Game aufgrund der Variabilität der Spielzüge und des noch höheren Realismus nach wie vor unschlagbar. Dem Fußball-Fan geht regelmäßig das Herz auf, so dramatisch verlaufen einzelne Matches, so überraschend sind einige Tore herausgespielt. Die kleinen Kritikpunkte sind zu vernachlässigen angesichts der spielerischen Wucht, die Konamis Flagschiff auch 2009 entfaltet.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 24, 2008 1:59 PM MEST


Freiheit
Freiheit

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Curse hat sich sein eigenes "Be" geschaffen, 27. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Audio CD)
Die Vorab-Single "Freiheit" hat einiges für das fünfte Studioalbum des Rap-Dauerbrenners Curse erhoffen lassen - doch das war bei dem zwar gelungenen, aber etwas überambitionierten Vorgängeralbum "Sinnflut" ähnlich. Insofern war die Erwartungshaltung bei vielen Fans im Vorfeld des Releases vorsichtig-optimistisch. Dass Curse das in der Single angedeutete warm-soulige Klangbild so homogen auf Albumlänge durchziehen würde, war allerdings kaum zu erwarten. Man glaubt, die Einflüsse eines Kanye Wests und Commons, mit dessen Album "Be" "Freiheit" am ehesten vergleichbar ist, beim Hören zu spüren - und das ist als Kompliment gemeint, denn in Deutschland wurde bis dato noch kein so fein ausproduzierter und stimmiger Klangteppich gewoben. Curse hat in Zusammenarbeit mit seinen Beat-Bastlern einen musikalischen Unterbau geschaffen, der perfekt zu ihm passt, da dieser seinen inhaltsreichen Songtexten etwas die Schwere nimmt - ein Gewinn an Zugänglichkeit ist die Folge. Zu vielen deutschen Rappern mangelte es bislang an der angemessenen musikalischen Unterstützung ihrer über jeden Zweifel erhabenen Texte (Siehe beispielsweise Casper und Dendemann) - Curse hat sich spätestens mit "Freiheit" von dieser Gruppe emanzipiert. Während auf "Sinnflut" gesellschaftskritische Botschaften teilweise noch etwas dogmatisch und moralinsauer daherkamen, ist der Vibe von "Freiheit" herrlich entspannt, positiv und unbeschwert - der moralische Zeigefinger bleibt also angewinkelt.

Vor Erscheinen des Albums konnte man noch die Befürchtung hegen, das als Single ausgekoppelte Westernhagen-Cover sei der einzige Hit, dem das restliche Werk nicht gerecht werden könne. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das Album ist frei von verzichtbaren Lückenfüllern, eine ganze Reihe von Titeln befindet sich mindestens auf Augenhöhe zum Titeltrack. Hierbei ist vor allem das glückliche Händchen des Mindeners bei der Feature-Auswahl hervorzuheben: Statt auf Rap-Kollegen zu setzen, bezieht das Album sein Abwechslungsreichtum aus Feature-Partnern aller Genres, die ausnahmslos traumhafte Refrains beisteuern und den souligen Grundton der LP mühelos treffen. Bei Patrice, Xavier Naidoo und Chima war das vielleicht zu erwarten. Doch auch die gewagte Zusammenarbeit mit Silbermond fällt nicht negativ aus dem Rahmen: Wer hier Kommerz wittert und die "Credibility" von Curse in Gefahr sieht, macht es sich zu einfach und bringt sich selbst um den Genuss eines reizvoll-kontrastreichen Songs, der neben "Nur Ein ganz Kleines Bisschen" und "Baby" zu den gesanglichen Höhepunkten des Albums zählt. Textlich stechen vor allem "Lila", "100 Jahre" und "Wenn Ich Die Welt Aus Dir Erschaffen Könnte" heraus. Während "Lila" und "100 Jahre" Evidenz dafür sind, dass Curse zu den besten Storytellern im Lande zählt, ist der letztgenannte Titel ein gelungenes Lyrik-Experiment, das mit treffenden rhetorischen Figuren die Schönheit einer Frau preist. Ein riskanter Versuch, der leicht in einem peinlichen Fiasko hätte enden können, hier aber auf ganzer Linie funktioniert.

Ja, man kann tatsächlich auch Kritikpunkte an "Freiheit" finden - nur wird man dabei kaum über irrelevante Haarspalterei hinauskommen. Die Texte (Wie z.B. bei "Schöne Wahrheit" und "Nur Ein Ganz Kleines Bisschen") bleiben stellenweise etwas diffus und abstrakt, der Opener "Der Lange Weg Zur..." schockt mit einer Zeile, die auch von Oskar Lafontaine stammen könnte ("Hartz IV ist vom Staat gesponserte Armut") und Curse reizt sein gesammtes Reimtalent an keiner Stelle des Albums so konsequent aus wie noch beim Vorgängerwerk auf dem monströsen "Broken Language Reloaded" mit Samy Deluxe.

Trotzdem: Wer wird sich schon von den eben akzentuierten Kritteleien das Gesamtkunstwerk "Freiheit" vermiesen lassen? "Freiheit" wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon bald als Klassiker gelten und einige verloren gegangene Hip Hop Fans, die sich in den letzten Jahren ernüchtert und desillusioniert von ihrer Musikrichtung abgewandt haben, wenigstens für eine kurze Zeit als Anhänger zurückholen. Curse ist und bleibt ein Trendsetter in der deutschen Raplandschaft, denn wie auch bei "Innere Sicherheit", wo er auf unnachahmliche Weise als Erster live eingespielte Instrumentalbeats verwandte, setzt "Freiheit" neue Standards.


Freiheit/Premium
Freiheit/Premium
Wird angeboten von Good Buy Music
Preis: EUR 1,79

16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Hip Hop Hymne 2008, 4. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Freiheit/Premium (Audio CD)
Curse - das ist einer der einflussreichsten, eigenwilligsten und besten Rapper Deutschlands. Kaum einer hat dem Deutschen Hip Hop so viele frische Impulse verliehen wie der Mindener. Vor allem mit seinem dritten Album "Innere Sicherheit" (Für mich sein Bestes), indem so viele "echte" Instrumente wie in kaum einem anderen deutschen Rap-Album Verwendung fanden und das zeitlose Klassiker wie "Und was ist jetzt" und "Widerstand" enthält, setzte Curse neue Maßstäbe. "Sinnflut" ist ebenfalls ein imposantes Werk, das mit Songs wie "Gangsta Rap" oder "Links, Rechts" glänzen kann, aber nicht die atmosphärische Dichte des Albums "Innere Sicherheit" aufweist, da das mit bedeutungsschweren Botschaften, kühlen Beats und einer Vielzahl völlig verschiedener Songs überfrachtete Werk auf Albumlänge nicht so recht harmonieren will. Man hat das Gefühl, Curse nahm sich und seine Musik etwas zu wichtig, und wollte sich noch einmal selbst auf Biegen und Brechen beweisen.

Diese von Erfolgsdruck gekennzeichnete Herangehensweise hat Curse offenbar bei seinen Arbeiten zu "Freiheit" durch eine gelassenere und entspanntere Haltung ersetzt. Obwohl er mit seiner ersten Single ein gewohnt großes Thema anpackt, erdrücken die Lyrics den Hörer nicht, sondern schlagen angenehm zurückhaltende Töne an. Gleiches gilt für den nahezu perfekten Beat, der zwar stimmig, aber nicht zu soft geraten ist und in seiner Wärme und Harmonie fast schon Kanye Wests Produktionen auf Commons Album "Be" ähnelt, das Curse ja bekanntermaßen sehr schätzt. Wer erwartet, Curse wäre mit dem Cover des Westernhagen-Songs "Freiheit", dessen Refrain sich leicht modifiziert auf dem Curse-Track wiederfindet, einzig auf billige Aufmerksamkeit aus, täuscht sich. Dass Westernhagens Mitwirken an der Single natürlich eine gewisse mediale Präsenz mit sich zieht, ist natürlich unbestritten und sicher auch so von Curse beabsichtigt. Trotzdem kann man nicht verleugnen, dass die von Curse verwendete Stadion-Version des Refrains die perfekte Ergänzung zu dem vielschichtigen Songtext darstellt und keineswegs wie ein unförmiger Fremdkörper wirkt. "Freiheit" ist ein textlicher wie musikalischer Geniestreich, ein Song, der das Prädikat "Hymne" ohne Abstriche verdient. Jetzt darf man gespannt auf das dazugehörige Album sein, wenngleich eine zu hohe Erwartungshaltung das Hörerlebnis trüben könnte. Trotzdem muss man kein Prophet sein, um zu ahnen, dass ein ganz großer Wurf im schwächelnden Deutschrap-Genre bevorsteht, sofern Curse seine neue Herangehensweise auch auf das gesamte Album angewandt hat.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 11, 2008 2:31 PM MEST


Freiheit/Basic
Freiheit/Basic
Wird angeboten von cdfever
Preis: EUR 0,75

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Hip Hop Hymne 2008, 21. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Freiheit/Basic (Audio CD)
Curse - das ist einer der einflussreichsten, eigenwilligsten und besten Rapper Deutschlands. Kaum einer hat dem Deutschen Hip Hop so viele frische Impulse verliehen wie der Mindener. Vor allem mit seinem dritten Album "Innere Sicherheit" (Für mich sein Bestes), indem so viele "echte" Instrumente wie in kaum einem anderen deutschen Rap-Album Verwendung fanden und das zeitlose Klassiker wie "Und was ist jetzt" und "Widerstand" enthält, setzte Curse neue Maßstäbe. "Sinnflut" ist ebenfalls ein imposantes Werk, das mit Songs wie "Gangsta Rap" oder "Links, Rechts" glänzen kann, aber nicht die atmosphärische Dichte des Albums "Innere Sicherheit" aufweist, da das mit bedeutungsschweren Botschaften, kühlen Beats und einer Vielzahl völlig verschiedener Songs überfrachtete Werk auf Albumlänge nicht so recht harmonieren will. Man hat das Gefühl, Curse nahm sich und seine Musik etwas zu wichtig, und wollte sich noch einmal selbst auf Biegen und Brechen beweisen.

Diese von Erfolgsdruck gekennzeichnete Herangehensweise hat Curse offenbar bei seinen Arbeiten zu "Freiheit" durch eine gelassenere und entspanntere Haltung ersetzt. Obwohl er mit seiner ersten Single ein gewohnt großes Thema anpackt, erdrücken die Lyrics den Hörer nicht, sondern schlagen angenehm zurückhaltende Töne an. Gleiches gilt für den nahezu perfekten Beat, der zwar stimmig, aber nicht zu soft geraten ist und in seiner Wärme und Harmonie fast schon Kanye Wests Produktionen auf Commons Album "Be" ähnelt, das Curse ja bekanntermaßen sehr schätzt. Wer erwartet, Curse wäre mit dem Cover des Westernhagen-Songs "Freiheit", dessen Refrain sich leicht modifiziert auf dem Curse-Track wiederfindet, einzig auf billige Aufmerksamkeit aus, täuscht sich. Dass Westernhagens Mitwirken an der Single natürlich eine gewisse mediale Präsenz mit sich zieht, ist natürlich unbestritten und sicher auch so von Curse beabsichtigt. Trotzdem kann man nicht verleugnen, dass die von Curse verwendete Stadion-Version des Refrains die perfekte Ergänzung zu dem vielschichtigen Songtext darstellt und keineswegs wie ein unförmiger Fremdkörper wirkt. "Freiheit" ist ein textlicher wie musikalischer Geniestreich, ein Song, der das Prädikat "Hymne" ohne Abstriche verdient. Jetzt darf man gespannt auf das dazugehörige Album sein, wenngleich eine zu hohe Erwartungshaltung das Hörerlebnis trüben könnte. Trotzdem muss man kein Prophet sein, um zu ahnen, dass ein ganz großer Wurf im schwächelnden Deutschrap-Genre bevorsteht, sofern Curse seine neue Herangehensweise auch auf das gesamte Album angewandt hat.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 9, 2008 11:01 PM MEST


Ich & meine Maske 1CD im Jewel-Case
Ich & meine Maske 1CD im Jewel-Case

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der deutsche Eminem?, 18. August 2008
Sido, den man früher mit seinen hirnlos-provokanten Spaßtracks eher zusammen in eine Ecke mit tumben (Pseudo-)Gangstarappern wie Fler stellte, wird seit seinen beiden Alben "Ich" und "Ich & meine Maske" plötzlich sogar mit Eminem verglichen. Wie konnte das passieren? Man könnte schlicht sagen: Sido ist erwachsen geworden, schreibt gesellschaftskritische und selbstreflektierende Texte. Auf der anderen Seite finden sich auch auf "Ich & meine Maske" Tracks wie "Strip für mich" oder "Pack schlägt sich". Eigentlich tut er also genau das, was normalerweise den künstlerischen Tod bedeutet: Er versucht es, allen recht zu machen und spricht neben seinen alten Fans, die ihn als ehrlichen "Jungen von der Straße" schätzen, auch eine intellektuellere Zielgruppe an. Diesen scheinbar unmöglichen Spagat zwischen ehrlichen Rüpel-Songs der Marke "straight forward" und pointierter Gesellschaftsanalyse, zwischen beißender Ironie und bitterer Wahrheit, schafft Sido ohne sich zu verbiegen oder Gefahr zu laufen, an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Und dabei sind gerade die gesellschaftskritischen Stücke wie "Augen Auf" oder "Halt dein Maul" deutlich treffender, als die verkrampft und pseudo-intellektuell daherkommenden Tracks so mancher seiner Kollegen, die sich selbst als "conscious rapper" betiteln, mit US-Größen wie Common auf einer Stufe sehen wollen und jeden ihrer noch so trivialen Texte als "deep" ettiketieren. Sido verpackt seine Botschaften dankenswerterweise etwas entspannter und humorvoller, ohne dass sein eigentliches Anliegen zur Nebensache verkommt. Des weiteren stimmt auch die musikalische Komponente, die mit markigen Hooklines, unverbrauchtem Flow und satten Beats zu überzeugen weiß - reimtechnisch ist Sido mit einwandfreien Doppelreimen mittlerweile auch auf der Höhe der Zeit. Tatsächlich ist Sido also auf dem Weg, so etwas wie ein deutscher Eminem zu werden, auch wenn er ihm hinsichtlich der Rap-Skills nicht das Wasser reichen kann. Doch der Berliner ist mittlerweile zu einem universellen Entertainer geworden, der sich von seinem eindimensionalen Umfeld emanzipiert hat und nun ein breites Publikum mit Tracks jeglicher inhaltlicher und musikalischer Ausrichtung authentisch beliefert.


Nicht mein Tag
Nicht mein Tag
von Ralf Husmann
  Taschenbuch

17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Debüt-Debakel, 10. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Nicht mein Tag (Taschenbuch)
Ralf Husmann, das ist der TV-Autor, der Harald Schmidt und Anke Engelke mit seinen Witzen erfolgreich machte und in der Kult-Serie "Stromberg" mit seinen Dialogen genau den richtigen Ton trifft und einen Eckpfeiler des Erfolgsgeheimnisses ausmacht. Keine Frage - das TV-Segment beherrscht er. Warum sollte Ralf Husmann es Tommy Jaud also nicht gleich tun und eine ähnliche Buchidee erfolgreich und lustig umsetzen können?

Zunächst einmal: Auch Tommy Jaud hat nach dem zugegebenermaßen sehr komischen "Vollidiot" mit "Resturlaub" ein eher zweitklassiges Buch veröffentlicht. Doch Husmann kann mit "Nicht mein Tag" selbst diese Messlatte kaum überspringen. Die Buchidee - ein ungelenker Loser bricht unfreiwillig aus seiner Alltagstristesse aus und tritt auf seiner absurden Odyssee in das ein oder andere Fettnäpfchen - ist leidlich originell, aber bei guter Umsetzung noch vertretbar. Doch auch die kann die Erwartungen nicht erfüllen.

Husmann hat zwei Probleme: Um "Nicht mein Tag" zu einem urkomischen Buch zu machen, fährt er nicht die nötigen humoristischen Geschütze auf, die für die ganz großen Lacher sorgen könnten. Bis auf bei zwei, drei Sprüchen zu Beginn des Romans musste ich nicht ein einziges Mal laut auflachen - enttäuschend für ein Buch, das vom Verlag auf dem Klappentext mit dem Prädikat "Hoffnungslos lustig" beworben wirbt. Wo Husmanns überbordende Kreativität, die bei "Stromberg" noch ein Gagfeuerwerk abbrennen konnte, geblieben ist, darüber kann nur spekuliert werden. Husmanns zweites, verständlicheres Problem: Um aus dem Buch trotzdem noch einen guten Roman zu machen, fehlt ihm das schriftstellerische Talent oder der Wille, mit einer atmosphärischen Inszenierung Stimmung zu erzeugen und "Nicht mein Tag" wenigstens zu einem hintersinnigen, sympathischen Roman werden zu lassen, dessen Geschichte ein bisschen zum Nachdenken anregt. Doch dafür ist die Story zu unglaubwürdig, zu absurd, zu banal, zu langweilig und zu unoriginell. Auch das 08/15-Ende könnte aus dem Anfängerkurs "Kreatives Schreiben" entnommen sein und ist dementsprechend einfallsreich. Husmann hatte weder den Mut, den Schluss wirklich überraschend oder offen zu gestalten, noch die Ausdauer, die Story zu einem vollends abgerundeten Ende zu führen, das alle Fragen beantwortet.

Normalerweise gehöre ich nicht zu der Zunft derjenigen, die bei einem unbefriedigenden Werk (Egal, ob Musikalbum oder Roman) "Kommerz" rufen und hinter einer schlechten Umsetzung einen unmotivierten Künstler vermuten, der auf den schnellen Euro aus ist. Ich kenne Ralf Husmann nicht und weiß nichts über seine Intention bei dem Schreiben von "Nicht mein Tag". Doch anders, als dass Tommy Jauds Überraschungs-Erfolg mit einer ähnlichen Buchidee wiederholt werden sollte und dabei weder Sorgfalt noch Motivation auf ihrem Höchststand waren, lässt sich das literarische Debüt-Debakel kaum erklären.

"Nicht mein Tag" kann man nur zugute halten, dass es schnell und unkompliziert zu lesen ist und mit einer handvoll lustigen Sprüchen aufwartet. Der Rest des Romankonzeptes ist zu belanglos, unkomisch und einfallsarm, als dass eine weitere Auseinandersetzung lohnen würde.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 18, 2013 1:04 AM MEST


Hindenburg
Hindenburg
von Wolfram Pyta
  Gebundene Ausgabe

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hindenburg - Selbstdarsteller von historischer Tragweite, 10. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Hindenburg (Gebundene Ausgabe)
Wolfram Pyta, Geschichtsprofessor aus Stuttgart, ist eine Biographie von höchster Qualität geglückt, die sich in nächster Zeit zu dem Standardwerk über das Leben Hindenburgs entwickeln dürfte. Doch sein Sachbuch ist weitaus mehr als die Lebensbeschreibung eines Mannes, dessen anpassungsfähige politische und militärische Linie ihn in drei verschiedenen Herrschaftssystemen Führungspositionen einnehmen ließ und die ihn als historische Figur so reizvoll macht: Das Buch "Hindenburg" gibt Aufschluss über eine ganze Epoche und zeigt auf, wie das Denken und Handeln prägender Menschen in Führungspositionen vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg strukturiert war.

Vor allem aber entlarvt Pyta, dass Hindenburg kein militärischer Stratege ersten Ranges war, sondern viel mehr ein gewiefter Selbstvermarkter - und das bevor TV, Radio oder Internet berühmten Menschen die PR erleichterte. Genau diese clevere Selbstdarstellung Hindenburgs war es, die bei seinen Zeitgenossen den "Held von Tannenberg"-Mythos schuf, während heute vor allem seine Verstrickungen in Hitlers Nazi-Regime kurz vor seinem Tod in den Fokus rücken. Pyta gibt beiden Facetten - vermeintlich glanzvoller Feldherr und der mit dem Nationalsozialismus überforderte Politiker - Raum und setzt sie einer kritischen Betrachtung aus. Doch die äußerst umfangreiche Biographie beleuchtet noch viele weitere Aspekte der vielseitigen historischen Figur Hindenburg.

Ein anderer Amazon-Rezensent urteilte in seiner Besprechung sinngemäß, das mehr als 800 Seiten umfassende Werk (plus Anhang) würde den Leser mit seiner kleinschrittigen Fülle von Details überfrachten und ihn ohne angemessene Einordnung Hindenburgs in die Historie zurücklassen; dieser Umstand wurde in der Rezension absolut nachvollziehbar als Schwäche ausgelegt. Doch man kann auch einen anderen Eindruck gewinnen: Pyta nimmt sich als Meinungsbildner angenehmerweise soweit wie möglich zurück, um dem Leser anhand des vorliegenden historischen Materials ein eigenes Urteil zu ermöglichen, statt ihm ein vorgefertigte Meinung aufzuzwängen. Andere Historiker verfolgen den Ansatz, mit ihrem Buch eine eigens aufgestellte These zu verifizieren oder zu widerlegen und nehmen eine wertende Einordnung vor, womit allerdings die Gefahr der Einseitigkeit anwächst. Welche der beiden Herangehensweise man bevorzugt, ist einfach Geschmackssache - beide Ansätze können zweifelsohne zu einem historisch korrekten, guten Buch führen, doch Pyta hat sich bei seiner Hindenburg-Biographie offenbar dazu entschieden, seinen Hauptprotagonisten möglichst universell abzubilden.

Die Biographie "Hindenburg: Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler" hat zwei hohe Hemmschwellen, die es für potentielle Käufer zu überwinden gilt: Der hohe Preis von rund 50€ und der vielleicht abschreckend große Umfang. Doch Bedenken, der Autor kann sich bei einer derart hohen Seitenzahl nicht selbst zusammenreißen und gerät ins Schwätzen ohne nennenswerten historischen Erkenntnisgewinn, werden früh zerstreut: Jedes Kapitel, jede einzelne Seite hat seine Daseinsberechtigung und kleidet wissenswerte historische Zusammenhänge in eine präzise, aber nicht unnötig verknöcherte, geschmeidige, aber nicht blumige Sprache, die den richtigen Ton trifft und den Balanceakt zwischen seriöser Wissenschaftlichkeit und unterhaltsamer Lesbarkeit meistert. Die 871 Seiten sind wider Erwarten für den ansatzweise interessierten Leser keine Geduldsprobe und kein Gewaltakt, sondern bei entsprechendem Zeitkontingent sogar ein Genuss. Wer dieses Buch gelesen hat, kann guten Gewissens behaupten, nicht nur eine Menge über Hindenburg, sondern nebenbei auch über die Geschichte Deutschlands im frühen 20.Jahrhundert viel Wissenswertes erfahren zu haben. Man hat wirklich den Eindruck, das lückenlose Universalwerk über Hindenburg in den Händen zu halten, in das alle relevanten Quellen eingeflossen sind. Mehr kann ein Biograph historischer Figuren eigentlich nicht leisten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2010 12:42 PM CET


Nicht die ganze Wahrheit
Nicht die ganze Wahrheit
von Dirk Kurbjuweit
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Detektiv-Roman mit kleinen Schwächen und großem Finale, 8. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Nicht die ganze Wahrheit (Gebundene Ausgabe)
Das Feuilleton stürtzte sich raubtierartig auf diesen kleinen, eigentlich sehr zurückhaltenden und unauffälligen Roman, weil die Kombination aus populärem Spiegel-Reporter, der sein Alter Ego als Schriftsteller auslebt, und dem Themenfeld Politik, das er auch im Journalisten-Alltag beackert, Brisanz versprach. Schon wurde eher darüber diskutiert, ob diese oder jene Figur vielleicht realen Politiker-Vorbildern wie Gerhard Schröder oder Joschka Fischer nachempfunden wären, statt auf den eigentlichen Roman einzugehen. Abgesehen davon ist schon die Kategorisierung in das Genre politischer Roman anfechtbar; im ersten Teil wäre auch die profane Bezeichnung Detektivroman zu vertreten, im weiteren Handlungsverlauf wird aus "Nicht die ganze Wahrheit" dann allerdings schon fast ein Briefroman mit politischem Inhalt.

Sehr spannend zu verfolgen ist dabei die Entwicklung und der Gedankengang des Hauptprotagonisten Arthur Koenen, ein einsamer Profi-Spürhund, aus dessen Ich-Perspektive Autor Kurbjuweit die Geschichte schildert. Zunächst gewinnt der Leser den Eindruck, der Detektiv ginge mit geradezu medizinisch distanziertem Blick den intimen Inhalten seiner Arbeit nach - ein Bild, das vom Verfasser später im Roman jäh zerstört wird. Beinahe tiefenpsychologisch wird es dann, wenn der sonst so professionelle Beschatter seine "Mappen komponiert", indem die Indizien und Beweise, die dem jeweiligen Auftragsgeber übermittelt werden, festgehalten sind. Nicht selten entscheidet der Detektiv ganz bewusst, welche Materialien den Weg in die Mappe finden, um beispielsweise zu beeinflussen, ob eine betrogene Frau ihrem untreuen Ehemann noch eine zweite Chance gibt. Koenen redet sich in diesen Augenblicken gerne ein, sein Beruf würde die Familie stärken. Steht seine persönliche Auffassung jedoch im Widerspruch zu seinem Handeln, löst Koenen diese Diskrepanz auf, indem er sich daran erinnert, einen Auftrag und damit eine Pflicht zu haben, die es zu erfüllen gilt - das ähnelt fast schon dem guten Vater von Briest aus Theodor Fontanes Werk "Effi Briest", der jegliche Hinterfragung bedeutenderer Dinge mit der floskelhaften Sentenz "Das ist ein weites Feld" abblockte. Überhaupt versteht es Kurbjuweit blendend, dem Beruf des Detektivs Leben einzuhauchen, und entwickelt einen äußerst nachvollziehbaren, aber auch originellen Einblick in das Innenleben eines solchen Ermittlers - so abgegriffen, verbraucht und einfallslos die Handlungen auch sind, die Kurbjuweit ihn ausführen lässt. In jedem Fall war die Entscheidung, den Roman aus der Ich-Perspektive des Detektivs zu erzählen, eine gute: Den ersten Abschnitt des Romans sollte man trotz allen politischen Facetten des Werkes nicht unterschätzen oder gar ignorieren.

Im weiteren Verlauf von "Nicht die ganze Wahrheit" dominiert der E-Mail-Wechsel zwischen dem geheimen Liebespaar. Einige wenige dieser Mails sind hochinteressant und eignen sich ideal, Persönlichkeit und Denken der beiden Fremdgänger und Parteikollegen zu erspüren. Doch mit der Dosierung der elektronischen Botschaften hat es Kurbjuweit etwas zu gut gemeint. Ferner ist der Schriftwechsel auch nur teilweise authentisch: Die Art wie Leo Schilf und Anna Tauert, zwei intelligente Verliebte im stetigen Gewissenskonflikt, fühlen und handeln ist glaubwürdig, der Stil, in dem sie sich schreiben, ist es nicht.

Zum Schluss des Romans erbringt Kurbjuweit den Beweis, dass er seine Figuren nicht nur zielsicher mit vielschichtigen Persönlichkeiten ausstatten kann, sondern auch ein souveräner Entertainer ist: "Nicht die ganze Wahrheit" endet dynamisch, unterhaltsam und wendungsreich im Stile eines gepflegten Krimis. Dirk Kurbjuweit ist damit ein kluges, sommerlich leichtes Buch gelungen, welches das Prädikat "lesenswert" ohne Abstriche verdient.


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