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5.0 von 5 Sternen
Ein moderner Klassiker des asiatischen kinos, 5. Februar 2007
Unter dem Pseudonym Sabu verbirgt sich schon seit einigen Jahren wohl einer der bekanntesten Regisseure Japans, nämlich Hiroyuki Tanaka. Nach dem Hiroyuki Tanaka in den 80ern selbst als Schauspieler aktiv gewesen ist (aus dieser Zeit stammt auch sein Künstlername Sabu (Ein Yakuza, in dessen Rolle er damals geschlüpft ist, trug diesen Namen), nahm er 1996 selbst auf dem Regiestuhl Platz und schuf mit seinem Regiedebüt D.A.N.G.A.N. Runner einen Film, der wegweisend für seine späteren Werke sein sollte, denn schon in seinem ersten Werk verband er gekonnt mehrere Genres miteinander, wobei das Hauptaugenmerk immer auf der Tragödie und der Komödie lag.
Bereits ein Jahr später folgte der Film Postman Blues, der an den Erfolg von D.A. N.G.A.N. Runner anknüpfen konnte, ganz im Gegenteil zu seinem dritten Film Unlucky Monkey, der zwar auf der Berlinale begeistert aufgenommen wurde, bei den Fans jedoch als einer der schlechteren Werke Sabu's gilt.
Im Jahre 2000 stellte er dann ein neues Werk auf der Berlinale vor. Eine rabenschwarze Komödie, die in sich noch einige andere Genres vereint. So lässt sich eine Portion Thriller, Action und sogar ein kleiner Anteil aus dem Genre des Musik- und Tanzfilmes in dem Film wiederfinden.
Der Titel des Filmes lautet Monday und Monday ist der Grund, warum ich mich nach einer längeren Pause mal wieder an Word setzte und eine Filmkritik verfasse.
Zu Beginn ein paar Sätze zu der Story:
Ein Mann, gekleidet in einem schwarzen Anzug, wacht einsam in einem Hotelzimmer auf. Geweckt wurde er durch den Radiowecker, aus dem momentan die Wettervorhersage für die nächsten Tage schallt. Er richtet sich auf dem Bett auf und sieht sich in dem leeren Raum um. Fragen kommen auf. Wie kam er zu diesem Hotelzimmer? Was ist in den vergangen Stunden passiert? Dann findet er ein Päckchen Salz in seiner Jackentasche. Salz, welches für gewöhnlich bei einer Totenwache verwendet wird, um die bösen Geister zu vertreiben. Langsam beginnt er sich zu erinnern. Er erinnert sich an eine Totenwache, an eine Bar, an eine Yakuza-Bande mit der er gefeiert hat. Nur fragmentartig kehrt die Erinnerung zurück, und nach und nach wird dem Mann bewusst, welch grauenhafte Dinge in den letzten Stunden passiert sind. Langsam wird aus der Komödie eine Tragödie.
Hiroyuki Tanakas Film Monday wird auf der DvD mit folgenden Worten beschrieben '[']eine Art ruhiger Tarantino-Film [']' In der Tat sind einige Parallelen zu den Werken von Quentin Tarantino zu erkennen, aber diese sind nur oberflächlich. So zeichnen sich beide Filme durch die Erzählung in Episoden aus und den bitterbösen, schwarzen Humor (auch besitzen sie alle einen genialen Soundtrack). Aber viel wichtiger als die Verpackung ist doch der Inhalt und inhaltlich sind jegliche Versuche, Monday mit Filmen wie Pulp Fiction oder Reservoir Dogs zu vergleichen, zum Scheitern verurteilt.
Sabus Filme sind vielseitiger und der schwarze Humor, der teilweise sehr ins makabere abrutscht (mir gefällt es so), deutlicher für den Zuschauer zu erkennen. So kommt relativ früh am Anfang des Filmes eine Szene mit der wohl ungewöhnlichsten (zugleich katastrophalsten) Totenwache, die man bisher im Kino/Fernsehen gesehen hat, und die mit der Explosion eines Leichnams endet, aber diese außergewöhnliche Szene stellt nur einen kleinen Vorgeschmack dar, was der Zuschauer in den nächsten 100 Minuten zu erwarten hat. In der Mitte des Filmes wechselt der Film dann storytechnisch die Richtung, auch die Charaktere durchlaufen eine Wandlung. Der introvertierte, unsichere, an die Gesellschaft angepasste Protagonist Koichi Takagi wächst plötzlich, unter starkem Alkoholeinfluss, über sich hinaus und zeigt dem Zuschauer eine ganz neue, erschreckende Seite von sich. Dies ist dann der Punkt, an der Komödienanteil langsam zurückgeschraubt wird und dem Drama Platz macht. Sabu hat es aber geschafft, auch in dem Drama-Part des Filmes einige Elemente der Komödie mit zu integrieren, so dass der Film keine Sekunde lang an Unterhaltungswert verliert.
Nun im alkoholisierten Zustand gelingt es dem stets braven Takagi endlich, Mut zu fassen und aus seiner Position als netter, aber unwichtiger Büroangestellter, dem es schwer fällt 'Nein' zu sagen, zu 'entfliehen', doch die Folgen dieser 'Flucht' sind fatal, und die Situation für Takagi verschlimmert sich stetig. Er verliert immer mehr den Halt zur Realität, und seine Taten werden immer radikaler.
Erst am nächsten Morgen, als er den Fernseher anschaltet und ein Photo von sich in der Zeitung findet, erkennt er die Auswirkungen seines Handelns und Fassungslosigkeit überwältigt ihn. In einer solch aussichtslosen Situation kehrt Takagi wieder zu dem Ursprung seiner grauenvollen Wandlung zurück, er greift nämlich wieder zum Alkohol. Sowie die Handlungen des Protagonisten sich in diesem Zustand immer weiter von der Realität entfernen, so wird auch der gesamte Film immer surrealer. Hier und da taucht nun ein Teufelsgesicht auf, denn Takagie gibt dem Teufel die Schuld für seine Taten.
[SPOILER !]
Dann folgt ein Ende, welches absurder kaum sein könnte. Mit einer ergreifenden Rede bewegt Takagi eine Gruppe Polizisten, die das Hotel umstellt haben, in dem er sich befindet, dazu die Waffen niederzulegen. Alle jubeln und freuen sich über den Frieden, der eingekehrt ist. Der Pazifismus hat gesiegt...oder etwa nicht? An dieser Stelle möchte ich nicht mehr über das Ende verraten, nur so viel: Der Schein kann trügen.
[SPOILER ENDE!]
Will dieser Film eine Botschaft vermitteln? Ich glaube nein, aber dafür wirft er viele Fragen auf, die den Zuschauer zum Nachdenken anregen sollen. So befasst sich der Film mit der japanischen Gesellschaft, der Mann ähnelt mehr einer Maschine als einem Menschen und was passiert, wenn solch eine Person durch äußere Einflüsse (in diesem Fall Alkohol) mal aus dem Rahmen der Gesellschaft fällt ? Kann man bzw. darf man jemanden verurteilen, der sich selbst an seine Taten nicht mehr erinnern kann? Darf man etwas Übernatürliches als Sündenbock für seine Taten hernehmen? Ist Pazifismus nur reine Träumerei?
Fazit:
Hiroyuki Tanaka hat mit Monday einen so noch nie da gewesenen Genremix geschaffen. Geschickt vereint er einzelne Elemente aus Komödien, Tragödien, Musik-Tanzfilmen und Actionfilmen so miteinander, dass man zum Ende hin und her gerissen ist, ob man nun weinen, lachen oder einfach nur grinsen soll. Die guten Schauspieler, besonders der sympathische Protagonist Takagi (grandios gespielt von Shin'ichi Tsutsumi), tragen ihr übriges dazu bei, dass Monday zu Recht als ein moderner Klassiker des asiatischen Kinos bezeichnet werden kann.
Wer sich also für anspruchsvolles Kino mit einer ordentlichen Prise schwarzen Humor interessiert und sich nicht von den unbekannten Schauspielern aus den fernöstlichen Ländern abschrecken lässt, der bekommt mit Monday wohl einen der amüsantesten und gleichzeitig interessantesten Filme der vergangen Jahre.