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Modus "Modus" (München, Deutschland)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Eiskalt - Die dunklen Fälle des Harry Dresden 14: Die dunklen Fälle des Harry Dresden Band 14
Eiskalt - Die dunklen Fälle des Harry Dresden 14: Die dunklen Fälle des Harry Dresden Band 14
von Jim Butcher
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,99

5.0 von 5 Sternen Zurück in Hochform, 25. März 2014
Nachdem Harry Dresden am Ende von 'Changes' von einem mysteriösen Killer erschossen wurde und im vorletzten Band, 'Ghost Story', eine Existenz als Geist fristen musste, dem es oblag, seinen eigenen Mord aufzuklären, holte ihn ausgerechnet Mab, die Königin der Winterfeen, die Herrin von Luft und Dunkelheit, ins Leben zurück. Damit kann er sich seinem Versprechen, ihr als neuer Ritter des Winters zu dienen, nicht länger entziehen - und stürzt direkt hinein in die tödlichen Intrigen des Winterhofs. Mabs erster Auftrag an ihn lautet, Maeve zu töten, ihre eigene Tochter. Doch als Harry versucht, den Grund dafür herauszufinden, stößt er auf Schichten und Schichten eines viel größeren Übels, das das Potential hat, die halbe Welt zu vernichten. Wieder einmal ist bis zum Schluss nicht klar, wer Freund und wer Feind ist, und ob scheinbare Verbündete sich nicht doch zu einer tödlichen Bedrohung wandeln, oder umgekehrt.
Harry, der nun wieder in menschlicher Gestalt, doch mit den Kräften des Winters ausgestattet, in Chicago wandelt, ist auf die Hilfe alter Freunde angewiesen: Molly, seine ehemalige Novizin, die erwachsen geworden ist. Karrin Murphy, nunmehr suspendierter Police Officer und seine ewig unerfüllte Liebe. Sein Bruder Thomas, der unwiderstehlich attraktive Vampir des Weißen Hofs. Und noch einige andere, nach dem letzten Buch schon verloren geglaubte Allianzen, die wiederzusehen eine Freude ist.
Wie immer geht es mörderisch zur Sache, eine Überraschung jagt die andere, vor lauter Action kommt man kaum zum Atmen und Harry weiß mit seinen lakonischen Sprüchen das Geschehen mit jeder Menge schwarzem Humor zu würzen.
Mit seiner Rückkehr in Fleisch und Blut beweist Harry Dresden, dass er immer noch der Beste ist. Und sein Schöpfer, Jim Butcher, dass seine Serie nach wie vor ein Leuchtturm in der Landschaft der UrbanFantasy ist. Selbst noch im vierzehnten Band. Und das können nun wirklich nur wenige Serien von sich sagen.

Alle Fans von Harry Dresden: LESEN! Was sonst?
Und alle, die es noch werden wollen: Fangt mit Sturmnacht an, dem ersten Band, neu aufgelegt in guter Übersetzung vom Feder und Schwert Verlag, und lasst euch mitreißen von einer der besten UrbanFantasy-Serien, die es auf dem Markt zu kaufen gibt.


A Wanted Man: (Jack Reacher 17)
A Wanted Man: (Jack Reacher 17)
Preis: EUR 5,70

3.0 von 5 Sternen Schwächer als die anderen Jack Reacher Romane - aber immer noch recht unterhaltsam, 24. März 2014
'A wanted man' hat grundsätzlich die klassischen Zutaten aller Jack-Reacher-Thriller: Reacher, der brillante Ex-Militärpolizist ohne Hemmungen, wenn's ans Grobe geht, wird irgendwo im Nirgendwo des mittleren Westens in einen Kriminalfall hineingezogen, der harmlos beginnt und in einer Beinahe-Katastrophe endet. Das Buch beginnt damit, dass Reacher versucht, mitten in der Nacht nahe einer einsamen Kleinstadt ein Auto anzuhalten, das ihn in Richtung Chicago mitnimmt. Dank einer gebrochenen Nase sieht er furchteinflößend aus, so dass es ihn fast selbst überrascht, als ein Wagen mit zwei Typen und einer Frau anhält - die drei scheinen dienstlich unterwegs zu sein, vielleicht auf dem Rückweg von einem Firmenevent. Doch nach kurzer Zeit entdeckt er Unstimmigkeiten und als sie eine Polizeisperre passieren, die alle Fahrzeuge checkt, fragt er sich, ob er womöglich nur deshalb mitgenommen wurde, um einem Suchprofil zu entgehen. In der gleichen Kleinstadt wird währenddessen nach den Mördern eines unbekannten Mannes in einer Pumpstation gefahndet, die mit einem gestohlenen Wagen geflohen sind. Und während die Nacht weiter fortschreitet, kalkuliert Reacher, ob es machbar wäre, in einem fahrenden Wagen zwei Ziele auszuschalten... aber das ist natürlich nur der Anfang.

'A wanted man' ist stellenweise spannend und unterhaltsam, hat aber auch ein paar Längen. Man muss es dem Autor einerseits anrechnen, dass er es auch im 17. Roman der Jack Reacher Serie noch schafft, eine aufregende, überraschende und einigermaßen neue Story zu erzählen. Dennoch fällt das Buch gegenüber anderen Reacher-Romanen im Niveau ab: Die Handlung ist weniger stringent und packend, die Wendungen wirken teils konstruiert und aufgesetzt, das Finale kommt dann als kompletter Bruch daher, so nach dem Motto - wenn uns nichts mehr einfällt, jagen wir halt alles in die Luft. Der Story fehlt die zwingende Logik, die andere Reacher-Romane auszeichnet, dieses sorgfältige Aufeinander aufbauen von Details durch den gesamten Handlungsverlauf, wo Kleinigkeiten vom Anfang am Ende plötzlich großes Gewicht bekommen und alles in neuem Licht erscheinen lassen.
Für Leser, die die vorherigen Reacher-Romane nicht kennen, ist es allerdings immer noch ein sehr solider Thriller und kann wie alle anderen Reacher-Romane auch gelesen werden, ohne dass man die Vorgänger kennt.


Der Herr der Unterstadt: Roman
Der Herr der Unterstadt: Roman
von Daniel Polansky
  Broschiert
Preis: EUR 15,99

3.0 von 5 Sternen Ziemlich durchschnittliche Schurkenstory, 22. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Herr der Unterstadt: Roman (Broschiert)
'Der Herr der Unterstadt' ist eine typische Diebsgesindel-Fantasy-Story: Der (Anti-)Held eine so schnoddrige wie verkrachte, aber unter der rauen Schale irgendwie gutherzige Unterwelts-Existenz, der Schauplatz die Slums einer nicht näher charakterisierten Fantasy-Stadt, Mord und Totschlag und wildes Gefluche gibt's reichlich.
In dieser Art von Setup spielen ein paar wirklich erstklassige Fantasy-Romane (z.B. recht unterhaltsam - 'Unter Dieben' von Douglas Hulick, die großartigen Locke Lamora Romane von Scott Lynch oder die atemberaubend gute Schatten-Trilogie von Brent Weeks). 'Der Herr der Unterstadt' schafft es leider nicht mal ansatzweise in diese Liga, so sehr er sich auch bemüht.
Es ist im Gegenteil ein ziemlich vorhersehbares Kabinettstück mit einem großmäuligen Helden, der vergeblich versucht, cool und witzig zu sein, aber doch nur wie ein Sprücheklopfer wirkt, der sich immer mit mehr Glück als Verstand und vor allem dank seiner zahlreichen Freunde durch die Story hangelt. Obwohl der Autor ihn mit einer durchaus spannenden Vergangenheit ausgestattet hat, nimmt man ihm die behauptete Coolness leider nie ab. Die bemüht schnoddrige Gossensprache (das Buch ist aus der ICH-Perspektive erzählt) wirkt da auch eher kontraproduktiv und fängt ab der Hälfte an, gewaltig zu nerven.
Unser Held also ist nach eigener Darstellung ein hässlicher, von seinem eigenen Stoff abhängiger, durchschnittlich wehrhafter Drogenhändler, der früher mal Ermittler bei einer Polizei-Spezialeinheit war und noch früher Offizier in der Armee. Als ein kleines Mädchen misshandelt und tot aufgefunden wird, lässt er sich mehr oder weniger aus Gutherzigkeit darauf ein, nach dem Mörder zu suchen und kann bald nicht mehr zurück, weil ihm sonst alle möglichen Unerquicklichkeiten drohen. Auf den ersten Kindesmord folgen bald noch mehr, es scheint besonders gefährliche schwarze Magie im Spiel und die Spur führt ganz nach oben. Unser Held pöbelt und torkelt und lügt und flüchtet sich also durch die Geschichte, ist dabei so eloquent wie ein Kühlschrank und tappt in ziemlich jede Falle, was ihn nicht übermäßig intelligent dastehen lässt. Die Auflösung des Falls ist dann auch keine Überraschung, auch da ist die Luft also schon sehr früh im Buch raus.
Leider kann es auch die Kulisse nicht reißen - von der im Klappentext viel beschworenen Faszination der Stadt Rigus ist im Text wenig zu spüren. Tatsächlich habe ich selten einen Fantasyroman gelesen, der so ausgesprochen atmosphärelos daherkam. Man ahnt vage, dass das Ganze eine Art Steampunk-Setting ist, eine Mischung aus Mittelalter und früher industrieller Revolution plus Magie. Aber wirklich vorstellen konnte ich es mir nie.

Fazit - noch ein farbloser Titel im Fantasy-Regal, den man lesen kann oder auch nicht. Wenn gerade nichts anderes zur Hand ist, erfüllt er wohl seinen Zweck, denn handwerklich ist er solide gemacht und es gibt sehr viel Schlimmeres zu kaufen. Aber sollte das ein Kriterium für die Auswahl des Lesestoffs sein? Dass es Schlimmeres gibt? Also, die, die nach Schurken-Fantasy sucht: Lest lieber Scott Lynch, oder Brent Weeks, oder Douglas Hulick, da habt ihr mit Sicherheit mehr davon.


Graveyard of Memories (John Rain Thrillers)
Graveyard of Memories (John Rain Thrillers)
von Barry Eisler
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider ein Ausreißer nach unten, 7. März 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Graveyard of Memories erzählt, wie Barry Eislers charismatischer Profi-Killer John Rain zu dem wurde, was er später ist. Es ist die Story eines jungen Mannes mit viel Temperament und wenig Erfahrung, der als Kurier für den CIA in Tokio arbeitet und der sich durch verschiedene Umstände gedrängt sieht, einen hochrangigen Politiker so auszuschalten, dass es aussieht wie ein natürlicher Tod - die spätere Spezialität des 'erwachsenen' John Rain.
Vorgetragen wird die Geschichte in der ICH-Form aus der Perspektive eines älteren und erfahrenen Alter Egos, der entsprechend die Fehler seiner jüngeren Ausgabe kommentiert - es liest sich also wie die Erinnerungen eines Mannes, der zwanzig oder vierzig Jahre zurückblickt, bringt aber leider einen schulmeisterlichen Tonfall rein, der dem Erzählton die sonst gewohnte Leichtigkeit nimmt.
Tja, gute Idee, durchwachsene Umsetzung. Leider kann dieser Roman nicht mal ansatzweise mit der explosiven Spannung und den großartigen Charakterzeichnungen mithalten, die Eislers sonstige Romane auszeichnen. Stattdessen lesen sich die Abenteuer des jungen Hitzkopfs, der auf seinem Motorrad durch die Stadt braust und sich nebenbei noch in eine junge Frau verliebt, überwiegend langweilig und sehr zäh. Auch die bis zum Überquellen detaillierten Beschreibungen sämtlicher Details der Handlungsorte vermögen keine rechte Atmosphäre aufzubauen, ich habe mich jedenfalls zu keiner Zeit in ein Tokio der Siebziger Jahre versetzt gefühlt.
Alles in allem ist das Buch leider eine ziemliche Enttäuschung, die sich anfühlt, als hätte man ein Prime Steak bestellt, aber bekommt stattdessen ungewürzte Gerstengrütze. Don't get me wrong - ich bin ein riesiger Fan des Autors und liebe seine Bücher, aber dieses hier ist einfach ein ganz böser Ausrutscher.
Ich kann nur empfehlen, dieses Buch auszusetzen und zu hoffen, dass er im Nächsten zu seiner alten Form zurückfindet.


Unter Dieben: Roman
Unter Dieben: Roman
von Douglas Hulick
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Spannendes, unterhaltsam geschriebenes Unterwelts-Abenteuer, 7. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Unter Dieben: Roman (Taschenbuch)
Drothe lebt in Ildrecca, der Hauptstadt eines Imperiums, das von einem quasi-unsterblichen Kaiser regiert wird - der sich durch Wiedergeburt in drei möglichen Personen immer wieder erneuert. Seine Schwester geht als Baroness am Hofe ein und aus, Drothe aber ist ein Mitglied der Unterwelt; als Informationsbroker fängt er Gerüchte, Neuigkeiten und Geheimnisse auf und verkauft sie weiter, hat aber nebenher auch den einen oder anderen Deal mit dem Schmuggel von Artefakten am Laufen. Er ist gerissen und kann sich, wenn es sein muss, auch mit der Klinge seiner Feinde erwehren, aber wenn's hart auf hart kommt, verlässt er sich auf die Hilfe seines Freundes Bronze Degan, einem exzellenten Schwertkämpfer und Mitglied des ältesten und angesehensten Söldnerordens der Stadt.
Drothe ist gerade hinter einem imperialen Artefakt her, das ihm ein eigentlich verbündeter Schmuggler aus unbekannten Gründen vorenthalten will. Die Suche katapultiert ihn binnen kürzester Zeit in eine Verschwörung, deren Ausmaße sich nicht einmal ansatzweise abschätzen lassen. Plötzlich trachten ihm mehrere Assassinen nach dem Leben, sein Artefakt weckt nicht nur in der gesamten Unterwelt Begehrlichkeiten, sondern auch bei den Elitetruppen des Kaisers und zu allem Überfluss braut sich auch noch ein Krieg zwischen zwei Unterweltbossen zusammen, in den er mitten zwischen die Fronten gerät.

Ich habe die englische Fassung gelesen, und nach einem kurzen Blick in die deutsche Version fürchte ich, dass leider viel von der Leichtigkeit und dem Sprachwitz des Originals in der Übersetzung verloren geht. Eine Empfehlung also gleich zu Beginn: Wer kann, sollte sich das englische Original zu Gemüte führen.
'Among Thieves' ist auf jeden Fall ein sehr unterhaltsames Abenteuer, eine Mischung aus Mantel-und-Degen-Action, Schatzsuche und Rätselraten um uralte Legenden und jeder Menge Galgenhumor, wie man sie eben nur in Unterwelt-Stories findet. Ich würde das Buch am ehesten mit Scott Lynchs hervorragenden 'Lügen des Locke Lamora' vergleichen, auch wenn es da nicht ganz herankommt. Trotzdem ist es deutlich besser als das mittelmäßige Fantasy-Grundrauschen, das seit Jahren die Regale beherrscht - und ein durchaus empfehlenswertes Lesevergnügen.

Das Buch ist wirklich spannend geschrieben, und zwar buchstäblich ab der ersten Seite. Immer neue Desaster lenken den Weg des Helden wieder und wieder in andere Richtungen. Die Handlung bleibt stets unvorhersehbar und hält einen als Leser bei der Stange.
Die Story wird in der ICH-Perspektive aus Sicht von Drothe erzählt, amüsant und mit viel Augenzwinkern, auch wenn es oft rau zur Sache geht. Vor allem die Actionszenen sind wirklich gut und spannend geschrieben. Ich persönlich hätte mir einen Tick mehr Heldenhaftigkeit vom Protagonisten erhofft - in den zahlreichen Scharmützeln kommt er eigentlich immer nur deshalb mit heiler Haut davon (und oft nur reichlich angekratzt), weil er entweder Glück hat, oder jemand wie sein Freund Bronze Degan zur Stelle ist, um ihn rauszuhauen. Das ist ein kleiner Nervfaktor, der zwar die Spannung erhöht (ab der Hälfte des Buches ist man sich wirklich bei keinem einzigen Zusammenstoß mehr sicher, ob der Held den überhaupt noch überlebt), aber einen auch händeringend wünschen lässt, dass Drothe doch ausnahmsweise auch mal ein Messerwurf gelingen möge.
Ein großer Pluspunkt sind die Schatzjagd und die sich schrittweise entwickelnde Hintergrund-Story, die immer größere und immer schattenhaftere Player enthüllt, die die Fäden zu ziehen scheinen, sich dann aber wiederum als Marionetten einer noch höheren Macht entpuppen. Man fühlt sich unwillkürlich zum Miträtseln angehalten.

'Among Thieves' ist leichte und unkomplizierte, nichtsdesdotrotz aber sehr spannende Fantasy-Kost. Kein episches Meisterwerk, aber mit so lockerer Feder geschrieben, dass das Lesen einfach Spaß macht und ausgezeichnet unterhält.


Among Thieves: A Tale of the Kin
Among Thieves: A Tale of the Kin
Preis: EUR 4,15

4.0 von 5 Sternen Spannendes und locker-unterhaltsam geschriebenes Unterwelts-Abenteuer, 7. Februar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Drothe lebt in Ildrecca, der Hauptstadt eines Imperiums, das von einem quasi-unsterblichen Kaiser regiert wird - der sich durch Wiedergeburt in drei möglichen Personen immer wieder erneuert. Seine Schwester geht als Baroness am Hofe ein und aus, Drothe aber ist ein Mitglied der Unterwelt; als Informationsbroker fängt er Gerüchte, Neuigkeiten und Geheimnisse auf und verkauft sie weiter, hat aber nebenher auch den einen oder anderen Deal mit dem Schmuggel von Artefakten am Laufen. Er ist gerissen und kann sich, wenn es sein muss, auch mit der Klinge seiner Feinde erwehren, aber wenn's hart auf hart kommt, verlässt er sich auf die Hilfe seines Freundes Bronze Degan, einem exzellenten Schwertkämpfer und Mitglied des ältesten und angesehensten Söldnerordens der Stadt.
Drothe ist gerade hinter einem imperialen Artefakt her, das ihm ein eigentlich verbündeter Schmuggler aus unbekannten Gründen vorenthalten will. Die Suche katapultiert ihn binnen kürzester Zeit in eine Verschwörung, deren Ausmaße sich nicht einmal ansatzweise abschätzen lassen. Plötzlich trachten ihm mehrere Assassinen nach dem Leben, sein Artefakt weckt nicht nur in der gesamten Unterwelt Begehrlichkeiten, sondern auch bei den Elitetruppen des Kaisers und zu allem Überfluss braut sich auch noch ein Krieg zwischen zwei Unterweltbossen zusammen, in den er mitten zwischen die Fronten gerät.

Ich habe die englische Fassung gelesen, und nach einem kurzen Blick in die deutsche Version fürchte ich, dass leider viel von der Leichtigkeit und dem Sprachwitz des Originals in der Übersetzung verloren geht. Eine Empfehlung also gleich zu Beginn: Wer kann, sollte sich das englische Original zu Gemüte führen.
'Among Thieves' ist auf jeden Fall ein sehr unterhaltsames Abenteuer, eine Mischung aus Mantel-und-Degen-Action, Schatzsuche und Rätselraten um uralte Legenden und jeder Menge Galgenhumor, wie man sie eben nur in Unterwelt-Stories findet. Ich würde das Buch am ehesten mit Scott Lynchs hervorragenden 'Lügen des Locke Lamora' vergleichen, auch wenn es da nicht ganz herankommt. Trotzdem ist es deutlich besser als das mittelmäßige Fantasy-Grundrauschen, das seit Jahren die Regale beherrscht - und ein durchaus empfehlenswertes Lesevergnügen.

Das Buch ist wirklich spannend geschrieben, und zwar buchstäblich ab der ersten Seite. Immer neue Desaster lenken den Weg des Helden wieder und wieder in andere Richtungen. Die Handlung bleibt stets unvorhersehbar und hält einen als Leser bei der Stange.
Die Story wird in der ICH-Perspektive aus Sicht von Drothe erzählt, amüsant und mit viel Augenzwinkern, auch wenn es oft rau zur Sache geht. Vor allem die Actionszenen sind wirklich gut und spannend geschrieben. Ich persönlich hätte mir einen Tick mehr Heldenhaftigkeit vom Protagonisten erhofft - in den zahlreichen Scharmützeln kommt er eigentlich immer nur deshalb mit heiler Haut davon (und oft nur reichlich angekratzt), weil er entweder Glück hat, oder jemand wie sein Freund Bronze Degan zur Stelle ist, um ihn rauszuhauen. Das ist ein kleiner Nervfaktor, der zwar die Spannung erhöht (ab der Hälfte des Buches ist man sich wirklich bei keinem einzigen Zusammenstoß mehr sicher, ob der Held den überhaupt noch überlebt), aber einen auch händeringend wünschen lässt, dass Drothe doch ausnahmsweise auch mal ein Messerwurf gelingen möge.
Ein großer Pluspunkt sind die Schatzjagd und die sich schrittweise entwickelnde Hintergrund-Story, die immer größere und immer schattenhaftere Player enthüllt, die die Fäden zu ziehen scheinen, sich dann aber wiederum als Marionetten einer noch höheren Macht entpuppen. Man fühlt sich unwillkürlich zum Miträtseln angehalten.

'Among Thieves' ist leichte und unkomplizierte, nichtsdesdotrotz aber sehr spannende Fantasy-Kost. Kein episches Meisterwerk, aber mit so lockerer Feder geschrieben, dass das Lesen einfach Spaß macht und ausgezeichnet unterhält.


Die Brücke der Gezeiten 1: Ein Sturm zieht auf
Die Brücke der Gezeiten 1: Ein Sturm zieht auf
von David Hair
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein episches Abenteuer beginnt..., 29. Januar 2014
'Ein Sturm zieht auf' - der 1. Band der 'Brücke der Gezeiten' ist der Einstand zu einem neuen Fantasy-Epos, das zwar hier und da Schwächen aufweist, aber auf eine Epik und Größe skaliert ist, wie ich sie zuletzt vor vielen Jahren beim Lesen der ersten Game of Thrones - Bände erlebt habe.
Die Story ist in einer fiktiven Welt angesiedelt, deren Kulturen sehr eng nach dem Vorbild unserer Welt modelliert sind. Zwei Kontinente sind von einem schier unpassierbaren Ozean getrennt. Yuros, beherrscht von dem mächtigen rondelmarischen Kaiserreich, ist dem christlichen Abendland nachempfunden, nur dass der Heilsbringer der dortigen Religion Corineus heißt. Auf ihn geht die Erschaffung einer Elite mächtiger Magier zurück, auf die sich praktisch die gesamte kaiserliche Macht stützt, vor allem ihr militärischer Arm.
Der andere Kontinent, Antiopia, ist morgenländisch gefärbt und erinnert an die Schilderungen orientalischer Städte zu Kreuzfahrerzeiten. Hier leben an islamische und indische Kultur angelehnte Völker, dazwischen finden sich ein paar rondelmarische Händler und Soldaten. Die Passage zwischen den Kontinenten kann nur durch Windschiffe überbrückt werden, eine Reise, die mehrere Wochen dauert. Doch alle 12 Jahre taucht für kurze Zeit eine magische Brücke aus dem Wasser, die die Landmassen miteinander verbindet. Und jedesmal bedeutet dieses Ereignis Krieg, denn die rondelmarischen Armeen nutzen die Gelegenheit, um auf die andere Seite zu marschieren und die Grenzen des Kaiserreichs mit Blut und Feuer auszuweiten. Um sicherzustellen, dass dieser Feldzug nach den zwei vorhergehenden Fehlschlägen ein Erfolg wird, brüten die Berater der Kaiserinmutter eine Intrige aus, die damit beginnen soll, dass ein einflussreicher gemäßigter König auf Antiopia samt seiner Familie ermordet wird.
In diese Welt setzt der Autor eine Reihe großer Konflikte zwischen Herrscherhäusern, Volksgruppen und ganzen Reichen, die das Leben der Protagonisten beeinflussen.

Da haben wir zuerst Alaron, Student an einer Magierschule in einer ehemals aufständigen Provinz von Yuros, der nicht nur von seinen arroganten Mitstudenten getriezt wird, sondern sich mit der These seiner Abschlussarbeit um Kopf und Kragen zu bringen droht. Dann Elena, eine erfahrene Assassinin und Magierin, die von ihrem rondelmarischen Meister und Ex-Liebhaber als Leibwächterin in der Familie des besagten antiopischen Königs platziert wurde. Als sie den Befehl erhält, ihre Schutzbefohlenen zu töten, wird sie stattdessen abtrünnig und entscheidet, sie zu beschützen, um einen hohen Preis. Und schließlich gibt es noch Ramita, ein Mädchen vom anderen Ende des antiopischen Kontinents, die gegen ihren Willen an einen uralten Magier verheiratet wird - den Mann, der die Gezeitenbrücke über den Ozean einst erschaffen hat und der dringend Nachkommen braucht, um ein schreckliches Unheil zu verhindern. In diesem ersten Band wird um jede dieser Personen her eine eigene Story erzählt; sie haben noch nichts oder nur wenig miteinander zu tun. Und hier kommen wir zu einem kleinen Problem dieses Buches: Es ist so überbordend voll gestopft mit Informationen, Orten, Namen und Legenden, dass man tatsächlich sehr konzentriert lesen muss, um nicht alles durcheinanderzubringen - und letztlich wohl am besten damit fährt, sich einfach treiben zu lassen und zu hoffen, dass die entscheidenden Details bei Gelegenheit noch mal aufgefrischt werden. Da Ramita, Alaron und Elena jeweils im Herzen einer der drei unterschiedlichen Kulturen beginnen, kommt jeder mit seinem ganz eigenen Satz an Namen, Städten, Herrscherhäusern, Göttern, Historie und kulturellen Feinheiten. Zudem wird die Handlung oft nicht nur aus Sicht der Protagonisten erzählt, sondern noch aus einem Dutzend weiterer Perspektiven. So schlüpfen wir beispielsweise bei Ramita für ein paar Kapitel zusätzlich noch in die Sichtweisen ihres Vater, ihres Bräutigams und ihrer besten Freundin. Jeder einzelne der Hauptfigurenstränge bringt genug Details und Personen mit, dass er für ein eigenes Buch ausgereicht hätte. Dennoch schreitet die eigentliche Handlung eher schleppend heran, da der Autor wirklich viel Erzählzeit auf die Ausschmückung seiner Welten verwendet. Das führt dazu, dass man mitunter fünf oder zehn Seiten einfach schräg überblättert, wenn zum Beispiel in minutiösen Details die Hochzeitsvorbereitungen Ramitas beschrieben werden. Dagegen fällt achtzigseitiger Tolkiens Anfang aus dem Herr der Ringe mit epischen Beschreibungen der Knöpfe auf Hobbitgewändern fast schon rasant aus ;)

Nichtsdesdotrotz ist die Story aber spannend, und nachdem sie ab der Hälfte des Buches an Fahrt aufnimmt, weiß sie wirklich zu fesseln. Der Autor (bzw. sein Übersetzer) hat außerdem eine schöne Sprache, die sich angenehm lesen lässt und die Längen wieder verzeihlich macht. Man ahnt auch, dass die Geschichte episch angelegt ist und wirklich gut durchdacht - und wenn sich das, was sich hier andeutet, in den Folgebänden erfüllt, könnte es eine große und kraftvolle Saga werden, in der die Geschicke einzelner Menschen mit denen ganzer Welten geschickt und emotional verwoben werden. Hier haben wir wieder einmal Protagonisten, bei denen über die Story hinweg eine wirkliche Entwicklung stattfindet und mit denen man fiebern kann (oder ihnen manchmal eine reinhauen möchte - aber das gehört ja auch irgendwie dazu). Vor allem die Magierin Elena ist eine aufregende und charismatische Gestalt, die zu faszinieren weiß. Alaron ist der Prototyp des anfangs lieben und naiven Burschen, der Ungerechtigkeit von der Welt erfährt und sich irgendwann erhebt, weil es genug ist. Und Ramita ... tja, ein liebes, duldsames Mädchen, aber ich hoffe auf Überraschungen.
Hat man sich einmal darauf eingelassen, macht die Lektüre wirklich viel Spaß. Die Tiefe und Vielschichtigkeit der Hintergrundstory entfaltet nach und nach ihren Zauber und macht viel Lust auf den zweiten Band (bei dem es sich offenbar um die zweite Hälfte des englischen Originals handelt - das Buch wurde bei der Übersetzung geteilt).

Diskutieren kann man über die Art und Weise, wie das Fantasy-Universum realweltlichen Vorlagen nachempfunden ist. Die Namensschöpfungen liegen oft nahe beim Klang tatsächlicher Orte, Götter usw., das wirkt mitunter irritierend. Vor allem bei den Vorlagen für die Kulturen auf dem Kontinent Antiopia wird schnell klar, dass es sich dabei um Indien mit seinen hinduistischen Tradditionen und um islamisch geprägte Gesellschaften wie im mediterranen Raum handelt. Details wie dieses, dass ein verschmähter Bräutigam sich daraufhin von den örtlichen Fudamentalisten als heiliger Krieger anwerben lässt, um in die Intifada, ähm ich meinte, Blutfehde einzutreten und zur Not als Märtyrer zu sterben, auf den im Jenseits singende Jungfrauen warten, erscheinen zu offensichtlich klischeehaft.

Im Gesamteindruck wirkt das Buch aber sehr positiv auf mich. Es hat Potential, ist spannend und sorgfältig durchdacht, es ist intelligent und trotzdem unterhaltsam geschrieben. Angesichts der traurigen Wüste, die man in den Fantasyregalen der letzten 2 oder 3 Jahre oft vorfindet, ist es ein echter Sonnenstrahl. Es schürt in jedem Fall Vorfreude auf die Fortsetzungen und ich würde es jedem Fantasy-Fan empfehlen, jedoch unter dem Vorbehalt, dass er er für die ersten dreihundert Seiten Geduld mitbringen sollte. Aber es lohnt sich.


Die Säulen der Macht
Die Säulen der Macht
von Maja Winter
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3.0 von 5 Sternen Fantasy-Epos mit interessantem Weltenentwurf und dramaturgischen Schwächen, 1. Januar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Säulen der Macht (Taschenbuch)
Tahan ist der arrogante und vergnügungssüchtige jüngere Sohn des Königs, ein begnadeter Harfenspieler, der nichts im Kopf hat außer Drogen, Parties und Mädchen.
Ausgerechnet er erweist sich als der seit Jahrhunderten gesuchte Erbe, der eine besondere Magie im Blut trägt, welche das von Kriegen zerrüttete Reich zu neuer Blüte führen kann. Dafür müsste er sich mit einem heiligen Baum verbinden, der seit langer Zeit verdorrt ist - doch die geheime Mönchsbruderschaft, die über den Baum und die alten Legenden wacht, hält Tahan für charakterlich ungeeignet.
Als Tahan dem Meister der Bruderschaft gegenüber respektlos auftritt, belegt dieser ihn mit einem Fluch: Als 'brennendes Schwert' soll er zum größten Kriegshelden werden, den die Welt je gesehen hat, doch niemand wird je davon erfahren. Der Fluch zwingt ihn, sich als Söldner dem edelmütigen jungen Truppenkommandeur Noan unterzuordnen und seine Identität als Prinz geheim zu halten. Für lange Jahre wird niemand erfahren, dass er es ist, der sich Tag um Tag in der Schlacht in den legendären Helden verwandelt, der die Truppen siegreich gegen ihre Feinde führt...

Vorab: Der Klappentext verrät leider ein ganz wichtiges Handlungselement, das erst im letzten Drittel des Buches aufgedeckt wird. Glücklicherweise hatte ich das Buch nach dem Kauf eine Weile im SUB herumliegen und erst gelesen, als ich die Kurzbeschreibung schon wieder verdrängt habe; deshalb hat es mir die Überraschung nicht verdorben.

'Die Säulen der Macht' ist reinrassige Fantasy, angesiedelt in einer durchaus spannenden, eigenständigen Welt. Ein Großteil des Buches widmet sich Prinz Tahans Anstrengungen, erst mit dem Fluch zu leben und dann, ihn loszuwerden. Der Mönch, der ihn damit belegte, forderte ihn auf, sich dafür zur Stadt Rajalan zu begeben, wo der heilige Baum wächst. Doch das erweist sich als schier unlösbare Aufgabe, da sich immer wieder Hindernisse und fremde Interessen zwischen Tahan und diesen Ort stellen und ihn zuerst auf gänzlich andere Missionen zwingen.
Das Buch ist angenehm geschrieben und lässt sich gut lesen, vor allem weckt es emotionale Bindungen zu den Figuren, auch wenn diese - für mich - bestenfalls zwiespältig sind. Vieles dreht sich um die Charakterentwicklung von Tahan, der zu Beginn des Buches ein grenzenlos egoistischer Protagonist ohne jede Verantwortung, Loyalität oder Vertrauenswürdigkeit ist - und der auf diesen fünfhundert Seiten eine mehrere Jahre andauernde Entwicklung durchläuft, aus der er gehärtet und gewandelt hervorgehen soll.
Auf seiner Reise begleiten ihn der edelmütige Fürst Noan, ein wahrhaft selbstloser Freund, der Tahan noch die schlimmsten Vertrauensbrüche verzeiht. Und Jalimey, eine geflohene Leibeigene auf der Suche nach ihrer Schwester und deren Sohn, die von Feindestruppen in eine weit entfernte Stadt verschleppt worden sind. Sowohl Tahan als auch Noan begehren Jalimey, die jedoch ganz eigene Pläne hat und sich als die Figur mit dem größten Überraschungspotential innerhalb des Buches entpuppt.
Eine große Stärke des Romans sind denn auch die überraschenden Wendungen, die sich so oft nicht hervorsagen lassen und die wirklich gut gemacht sind, weil sie im Nachhinein Motivationen und die Bedeutung von Taten oft in ganz neuem Licht erscheinen lassen.

Trotzdem hat 'Die Säulen der Macht' auch ein paar sehr ärgerliche Schwächen, die die positiven Eindrücke trüben:
Tahan ist als Antiheld ein echter Unsympath - was kein Problem wäre, wenn es ihm gelänge, im Verlauf der Handlung so etwas wie Charisma zu entwickeln, oder wenigstens einen Funken von etwas, das man gut an ihm finden könnte. Man erwartet, dass er im Verlauf seiner Abenteuer wächst, dass er nach der fünften oder sechsten selbstlosen Aktion seines Freundes Noan wenigstens ein klein wenig Loyalität für ihn entwickelt. Aber das tut er nicht. Seine Motive bleiben bis fast zum Ende kleinlich, selbstsüchtig, manchmal geradezu niederträchtig und ohne größere Vision. Das hätte so nicht sein müssen - es gibt Beispiele für grandiose Fantasy-Antihelden wie z.B. Prinz Jorg von Ancrath (Prinz der Dunkelheit), bei denen Amoralität und Verstoß gegen gängige ethische Konventionen jedoch durch ein starkes Charisma ausgeglichen werden (der Held schafft es, mit seiner Rücksichtslosigkeit wahrhaft etwas zu bewirken) und es in der Dunkelheit immer auch einen Schimmer Licht gibt. Bei Tahan fehlt mir beides. Zum einen hat seine Rücksichtslosigkeit kaum Konsequenzen (weder gute noch schlechte), zum anderen mangelt es ihm leider eklatant an Größe. Groß ist nur sein Talent, die Gutherzigkeit seiner Freunde auszunutzen.
Das zweite große Problem ist für mich die Art und Weise, wie die Handlung strukturiert ist. Achtzig Prozent der echten Handlung spielen sich leider in den letzten fünfzig Seiten des Buches ab - während sich die ersten 450 Seiten teilweise ärgerlich lang ziehen, da im Vergleich wenig Aufregendes passiert. Kurz vor Ende dagegen gibt die Autorin noch mal richtig Gas und entfaltet eine Story, die man gut und gern in ein zweites Buch hätte packen können. Da der Platz jedoch nicht reicht, wird die viel zu kurz und knapp erzählt. Geschehnisse von epischer Tragweite passieren im Zwei-Seiten-Takt und werden jeweils mit ein paar Sätzen abgehandelt, während zuvor jeder winzigen Rast auf dem Wege zehn Seiten gewidmet wurden. Das gibt dem Buch ein Ungleichgewicht. Zum Ende hin ist es dadurch zwar deutlich spannender, aber man möchte sich die Haare raufen ob des verschenkten Potentials, während die Erzählzeit zuvor mit Nichtigkeiten verplempert wurde.

Zusammengefasst ist 'Die Säulen der Macht' durchaus unterhaltsame Fantasy, jedoch mit ein paar Scharten, die den Gesamteindruck trüben und einen das Buch am Ende zumindest mit einem leicht bitteren Geschmack im Mund zuklappen lassen. An die 'Großen' des Genres kommt es nicht heran, ist aber als Lektüre zwischendurch besser als vieles andere aus der Fantasy-Einheitskost-Ecke, die seit ein paar Jahren serviert wird. Zumindest kommen hier zur Abwechslung mal keine Orks und Elfen vor, was ich persönlich als sehr wohltuend empfinde. Der durchaus gut erdachten Fantasy-Welt zolle ich Respekt - allein, ich werde nicht warm mit den Figuren. Dass sie ganz zum Ende versuchen, sich doch irgendwie loyal und heldenmütig zu benehmen, rettet es leider auch nicht - im Gegenteil, es wirkt nur inkonsistent.


Versunkene Gräber: Kriminalroman
Versunkene Gräber: Kriminalroman
von Elisabeth Herrmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein charmanter Joachim-Vernau-Krimi: Atmosphärisch, äußerst spannend, exzellent recherchiert, 14. Dezember 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Elisabeth Herrmann ist eine der wenigen AutorInnen, deren Bücher ich, einmal in die Hand genommen, am Stück durchschmökern muss, koste es, was es wolle. Einfach weil sie einen nach dem ersten Drittel so sehr gefangen nehmen, dass man unbedingt wissen muss, wie die Geschichte sich auflöst. 'Versunkene Gräber' - der vierte, in sich abgeschlossene Krimi um den unkonventionellen, notorisch in Geldnöten steckenden Anwalt Joachim Vernau macht da keine Ausnahme.
Leise und unspektakulär beginnt er mit den Briefen eines deutschen Deserteurs kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs, der in die Trümmer seines schlesischen Weinbergs zurückkehrt und sich verstecken muss, während um ihn alle Deutschen entweder erschlagen oder vertrieben werden.
Dann, im Hier und Heute, taucht eine junge polnische Frau bei Joachim Vernau auf, der sich in der Anwaltskanzlei eines Studienfreundes mehr schlecht als recht mit durchschlägt. Sie teilt ihm mit, dass sie die Pflichtverteidigerin seines alten Freundes Jazek sei, der in Polen wegen Mordverdacht einsitzt, und ist auf der frenetischen Suche nach Marie-Louise, Vernaus und Jazeks gemeinsamer Freundin, ihres Zeichens ebenfalls Anwältin, schwer linksradikal und seit etlichen Monaten von der Bildfläche verschwunden.
Als Vernau nachhakt, stellt sich etliches an der Tat als mehr als mysteriös heraus. Die Suche nach einem Motiv führt weit in die Vergangenheit und in ein immer undurchdringlicheres Geflecht von Intrigen. Jeder scheint etwas zu verbergen, die Spuren sind siebzig Jahre alt. Bei seiner Recherche reißt er alte Wunden wieder auf, die zu den Kriegsverheerungen '45 zurückreichen und tief in das Leid, das unzählige Vertriebene beider Seiten - Polen wie Deutsche - ereilte.
Ganz in der Tradition der ersten Joachim-Vernau-Romane setzt auch dieses Buch nicht auf vordergründige Schock- und Splattereffekte, sondern auf eine ungeheuer gut recherchierte und vielfach ineinander verschlungene Geschichte mit zahlreichen falschen Spuren, in denen immer ein Körnchen Wahrheit ruht und die zum Spekulieren einladen. Wunderbar glaubwürdige und lebendige Figuren bevölkern Schauplätze, die so authentisch geschrieben sind, dass man sich sofort dorthin versetzt fühlt: In ein trotz Sommer regnerisch-kühles Berlin, in polnische Dörfer im Morgennebel, in das schlesische Kaff Johannishagen mit seinem Weinberg, den versunkenen Gräbern eines alten deutschen Friedhofs und den halb verfallenen Gebäuden, in denen einem der Schleifstaub von den aufzuarbeitenden Türen in die Nase steigt.
Und mittendrin der Berliner Anwalt Vernau, geradlinig und sympathisch unverschämt, arm aber sexy, stur und wenn's sein muss hart am Rande der Legalität.
"Versunkene Gräber' ist ein gelungener Ermittlerkrimi, der nicht nur unterhaltsam und atmosphärisch ist, sondern nach dem ersten Drittel auch so rasend spannend wird, dass man ihn am besten mit Zeit nach hinten zu lesen beginnen sollte. Einmal angefangen, ist er nämlich schwer wieder aus der Hand zu legen. Ganz nebenbei führt der Roman durch ein aufwühlendes Stück deutsch-polnischer Geschichte - und an faszinierende Schauplätze, die viel näher liegen, als man gemeinhin glaubt.
Unbedingt empfehlenswert!


Bridge of Dreams (Ephemera)
Bridge of Dreams (Ephemera)
von Anne Bishop
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,80

5.0 von 5 Sternen Wunderschöne, atmosphärische und hochspannende Fantasy, 12. Dezember 2013
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Rezension bezieht sich auf: Bridge of Dreams (Ephemera) (Taschenbuch)
'Bridge of Dreams' ist der dritte Teil der Ephemera-Trilogie von Anne Bishop, der leider bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Wer aber die ersten beiden Bände um die faszinierende Welt Ephemera mochte, der wird auch von diesem Buch sicher begeistert sein - zumal es in einem sehr angenehm zu lesenden Englisch geschrieben ist.
Ephemera ist der Name der Welt, in der das Buch spielt - einer aus zahllosen Bruchstücken bestehenden Welt, die lebendig ist und eine eigene Stimme hat und die sich an die Herzen ihrer Bewohner anpasst. Auf Ephemera gibt es Menschen mit der besonderen Gabe, direkt zu Ephemera zu sprechen und sie zu verändern - die Landformerinnen. Und es gibt andere Menschen, sogenannte Brücken, die in der Lage sind, Verbindungen zwischen den Landschaften Ephemeras zu erschaffen.
Lee ist eine solche Brücke und der Bruder der machtvollsten Landformerin aller Zeiten - Glorianna Belladonna, die sowohl Dunkel als auch Licht in sich trägt. Lee hadert mit sich selbst und mit seiner Familie, und sein innerer Konflikt führt ihn in eine dunkle Landschaft, in der er in die Hände von Zauberern fällt, die dem Dunkel dienen. Sie entführen ihn in eine ferne Stadt - die City of Vision, foltern ihn und rauben ihm das Augenlicht, um einen Zugang zu seiner Schwester zu erpressen.
Doch der Shamane Danyal, der einer Nervenheilanstalt vorsteht, rettet ihn. Dort begegnet er auch dem Mädchen Zahar, die aus dem Volk der Tryaden stammt - drei, die eine sind. Mit ihren zwei Schwestern teilt sie sich einen Körper und verbirgt ihre wahre Natur vor der Welt, um nicht als Dämon geächtet zu werden. Lee verliebt sich in Zahar, doch ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt werden.
Alle drei müssen sie herausfinden, was hinter dem wachsenden Einfluss der dunklen Zauberer steckt, die nicht nur die Heilanstalt bedrohen, sondern immer größere Teile der City of Vision ins Dunkel stürzen. Die einzige, die ihnen dabei helfen kann, ist Glorianna Belladonna - doch die befindet sich am anderen Ende der Welt, und niemand weiß, wie der Abgrund zwischen ihnen überbrückt werden kann...

Anne Bishop schreibt wunderschöne und auf ihre Weise wirklich einzigartige Fantasy. Mit wenigen Pinselstrichen malt sie großartige, gefühlvolle Charaktere von enormer Tiefe und mit heftigen emotionalen Verstrickungen, die einen als Leser sofort in ihren Bann schlagen. Ihre Weltenschöpfungen sind aufregend und bizarr und gleichen nichts, das man sonst in der Fantasy findet. Die Welt Ephemera, in sich ein lebender, unberechenbarer Charakter, ist allein die Lektüre des Buches wert. Aus zuerst scheinbar einfachen, zwischenmenschlichen Verstrickungen entsteht ein enormes Spannungspotential, so dass man zeitweise meint, einen Psychothriller in der Hand zu halten. Auf der anderen Seite verbirgt sich in den Handlungen und Gedanken der Protagonisten wieder so viel Lebensklugheit und eine Art heitere Freude, dass die Lektüre wirklich die Stimmung hebt und einen sich einfach gut fühlen lässt.

Ich kann dieses Buch nur ganz warm empfehlen - man sollte jedoch mit dem ersten Band der Ephemera-Trilogie beginnen, Sebastian.


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