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castorp

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Arbeit und Struktur
Arbeit und Struktur
Preis: EUR 16,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Hoellenfahrt des Wolfgang Herrndorf, 3. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arbeit und Struktur (Kindle Edition)
Arbeit und Struktur ist der Internetblog des Autoren Wolfgang Herrndorf in Buchform mit dem er von Anfang 2010 bis fast zu seinem Freitod am 26.08.2013 seine Krebserkrankung und die Auswirkungen auf sein Leben und seine unmittelbare Umgebung beschreibt.
Wolfgang Herrndorf war ein vielversprechender deutschsprachiger Autor, mit einer eigenen Stimme, die leider viel zu frueh verstummt ist. Seine Werke sind u. a. ein Kurzgeschichtenband, ein Berlinroman, ein Roman mit einer herrlichen Irrfahrt zweier Jugendlicher durch Ostdeutschland, ein Agententhriller in der nordafrikanischen Wueste, die letzten beiden wurden nach der Krebsdiagnose veroeffentlicht; schliesslich war ein Science Fiction Roman laut Blog in der Vorbereitung,
Arbeit und Struktur ist ein recht schonungsloses Potrait eines Menschen nach einer hoffnungslosen Diagnose; diese Art des Gehirntumors fuehrt im Durchschnitt nach 17.1 Monaten zum Tod, laut einer anderen Statistik fuer einen 45-jaehrigen nach 698 Tagen. Es besteht keine Hoffnung auf Heilung und der Tod ist eine Frage der Zeit.
Man kann sich auch nicht nach der Lektuere dieses Buchs vorstellen, was dies fuer den Menschen und sein direktes Umfeld bedeutet. Es ist teilweise sehr schmerzvoll zu lesen, wie der Autor mit sich und der Krankheit kaempft; dabei spart er auch nicht aus, dass ihn sein Weg zweimal in eine psychiatrische Klinik fuehrte.
Manche Wegbegleiter werden mit Vornamen erwaehnt, andere nur mit einem Buchstaben, wieder andere nur umschrieben. Schon bald kristallisiert sich heraus, dass der Autor einen Freitod waehlen wird, das Ende selbst bestimmen will, solange er noch dazu in der Lage ist. Die Umstaende werden im Nachwort auf Wunsch des Autoren praezise beschrieben. Wohl dem, der solche Freunde hat...
Ich hatte beim Lesen das staerker werdene Gefuehl, dass ich die sehr persoenliche Reise zum Ende nicht miterleben sollte, der Kampf des Autoren mit dem Todesurteil sehr schmerzhaft und sehr persoenlich ist.
Waehrend ich die Beweggruende des Autoren fuer den Blog zu verstehen glaube, halte ich den literarischen Wert von Arbeit und Struktur fuer begrenzt.
Ich habe den Blog nicht zeitgleich gelesen und wurde auf Wolfgang Herrndorf auch erst sehr spaet aufmerksam. Man fraegt sich wieso ein talentierter und humorvoller Autor, der aussergewoehnliche und interessante Buecher schreibt, dabei nicht oder nicht nur auf die Bestenlisten schaut, seinen Weg nur so schwierig in das Licht der Aufmerksamkeit und somit auch zum kommerziellen Erfolg findet. Es kann nicht daran liegen, dass es im Moment ein Ueberangebot an guten deutschsprachigen Autoren gibt.
Leider werden wir nun nicht mit Spannung jedes Jahr oder alle zwei Jahre ein neues Buch von Wolfgang Herrndorf erwarten duerfen.
Wolfgang Herrndorf haette fuer die deutschsprachige Literatur werden koennen, was Haruki Murakami seit laengerer Zeit fuer die japanische ist.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 4, 2014 7:41 PM MEST


Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki: Roman
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki: Roman
Preis: EUR 18,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein geeignetes Einstiegsbuch fuer Haruki Murakami, 15. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ist auf der einen Seite ein typischer Roman von Haruki Murakami, mit den meisten Elementen, die sich durch das Werk des Autors ziehen, auf der anderen Seite ist er mit 323 Seiten ein eher duennes Buch, vor allem im Vergleich mit dem unmittelbar vorher in zwei Buechern (drei Teile) erschienenen Mammutwerk 1Q84, mit 1021 bzw. 578 Seiten. Vielleicht benoetigte Haruki Murakami ein deutlich schmaleres Werk nach seinem grossen Erfolg und Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki enttaeuschen sicher nicht.
Es kommen also der maennliche, ledige Hauptakteur vor, Tsukuru Tazaki, auf der Suche nach seinem Platz im Leben, verloren, aber unabhaengig, desillusioniert, aber zielstrebig im Beruf, und auch auf der Suche nach der Frau in seinem Leben.
Tsukuru Tazaki wurde in Nagoya geboren und zog zum Studium nach Tokio, wo er nach Verlassen der Universitaet eine Stelle als Architekt bei einer Eisenbahngesellschaft angenommen hat und Bahnhoefe baut. Die Rolle des Zugezogenen ist eine Parallele zum Autor, der in Kyoto geboren wurde und dann in Tokio lebte.
In Nagoya gehoerte Tsukuru Tazaki zu einem sehr engen Kreis von fuenf Freunden, ausser ihm zwei Maedchen und zwei Jungen, die ueber wenige Jahre sehr viel Zeit miteinander verbracht haben, ohne dass sich dabei ein Paar gebildet haette. Diese Fuenferbande wird nach dem ersten Studienjahr Tsukuru Tazakis schmerzvoll auseinander gerissen, dieses Trauma hat sein Leben massgeblich bestimmt und ist auch das Kernthema des Buchs. Die im Titel beschriebene Pilgerreise, man wuerde sehr gerne wissen, wie genau die deutsche Uebersetzung hier ist, bei den deutschen Film- und Buchtiteln ist vom englischen Originaltitel oft nichts mehr uebrig, ich werde japanische Freunde bei Gelegenheit fragen, ist eine Suche und Reise nach den Ursachen der Trennung von den fuenf Freunden.
Es kommen auch wieder sehr interessante Frauenfiguren vor, etwas, das Haruki Murakami versteht und kann wie wenige andere Autoren, der mit der starken Aomame in 1Q84 nichts weniger als eine der herausragenden Frauenfiguren der modernen Literaturgeschichte geschaffen hat; es ist mir schleierhaft wieso Haruki Murakami hierfuer nicht ausdruecklicher gelobt wird. Dass sich Das Literarische Quartett ueber einen seiner vergleichsweise weniger wichtigen Romane verstritten hat, war voellig unnoetig und sollte den Blick auf sein Werk nicht verstellen.
Es begegenen uns Shiru, die sensible, schoene, am Klavier Liszt spielende, aber irgendwie unglueckliche, Eri, ihre beste Freundin und Stuetze, aber in deren Schatten bleibende und Sara, die zwei Jahre aeltere, kluge Freundin von Tsukuru Tazaki, gerade kennengelernt und noch nicht fest an ihn gebunden.
Shiru und Eri bilden den weiblichen Teil der Fuenfergruppe in Nagoya, waehrend Ako und Ao mit Tsukuru Tazaki den maennlichen Teil bilden.
Ako und Ao bleiben in der Nebendarstellerrolle und die Handlung laeuft bis zum Ende ueberwiegend ueber die Frauenfiguren ab.
Ueberraschenderweise spielt ein Teil des Buches ausserhalb Japans, es ist eben eine Pilgerreise, was man bei Haruki Murakami durchaus anmerken sollte.
Wer nach Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki Lust auf mehr Haruki Murakami hat kann sich dem Durchbruchsroman Norwegian Wood (deutsch: Naokos Laecheln) widmen, der englische Titel hat tatsaechlich etwas mit der Handlung zu tun, der deutsche dagegen nicht, dann dem Schluesselroman The Wind-up Bird Cronicle (deutsch: Mr Aufziehvogel) und schliesslich dem komplexen Grosswerk 1Q84.


Nachspielzeit: Eine unvollendete Fußballkarriere
Nachspielzeit: Eine unvollendete Fußballkarriere
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Der andere Blick auf den professionellen Fussball, 15. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Timo Heinze bietet mit seinem Buch "Nachspielzeit: Eine unvollendete Fussballkarriere" einen anderen Blick auf den professionellen Fussball, aus der Sicht eines jungen Menschen, der den letzten Schritt vom hoffnungsvollen Nachwuchsfussballer beim prominentesten deutschen Fussballverein zum bekannten Star der Bundesliga und der Nationalmannschaft, nicht geschafft hat.
Dabei begegnen einem bekannte Namen, Weggenossen von Timo Heinze, die jetzt die Bundesliga und teilweise die Nationalmannschaft praegen.
Beschreibt Timo Heinze negative Erlebnisse, dann hat er bewusst Namen weggelassen, es ist also kein Abrechnungsbuch mit der Branche, allerdings weis der Fussballfan natuerlich wer sich hinter dem Trainer der zweiten Mannschaft verbirgt, der Timo Heinze aus seiner Sicht ploetzlich und unerwartet auf das Abstellgleis geschoben und somit den Schritt zum Erst- oder zumindest Zweitligaspieler massgebend behindert hat.
Dies ist aus meiner Sicht auch die Hauptschwaeche des Buches: Timo Heinze sucht die Gruende fuer sein Scheitern als Profifussballer zu sehr bei anderen. Es waren die anderen, ueberwiegend die Trainer, aber auch teilweise die Vereinsverantwortlichen, die ihm im entscheidenden Moment die Unterstuetzung versagt haben, die ihm jene Foerderung vorenthalten haben, die anderen Spielern, mit weniger oder zumindest nicht mehr Talent als Timo Heinze, den entscheidenden Sprung zum Profifussball ermoeglicht haben. Ohne diese Unterstuetzung geraet er in einen Abwaertstrend, einhergehend mit mangelnden Selbstbewusstsein, aus dem er sich nicht befreien kann und der ihn schliesslich zur Aufgabe des professionellen Fussballs bewegt.
Hier macht es sich Timo Heinze etwas zu einfach. Es ist eben kein Zufall, wenn es jemand schafft 10 und mehr Jahre den Lebensunterhalt mit Fussball zu verdienen, sondern dann hat er eben Eigenschaften, die viele, viele Fussballer, auch solche mit Talent, eben nicht haben. Wenn man bereits das Trikot der deutschen Jugendauswahlmannschaften getragen hat, dann ist das sicher eine sehr schwere Erkenntnis.
Alles in allem ist das ein sehr lesenswertes Buches eines intelligenten jungen Menschen, der auch ohne professionellen Fussball seinen Weg gehen wird.


Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben
Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben
von Ronald Reng
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Depressionen und Nationaltorhueter, 23. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ronald Reng, einer der besten Sportjournalisten Deutschlands, ist ein sehr gutes Buch gelungen, welches fuer mich zu den besten Buechern 2011 gehoert.
Sein einfuehlsames Portrait, dabei nie dramatisch oder gar sentimental, zeichnet den Lebensweg des Torhueters Robert Enke nach, von den Anfangszeiten in Jena bis zum Selbstmord in Hannover im November 2009.
Dabei gelingt es dem Autor die Krankheit Depression mit ihren vielen Facetten dem Leser naeherzubringen; er beschreibt anschaulich die Auswirkungen fuer den Patienten, der Einfluss auf Familienangehoerigen, Freunde, Nachbarn, dem weiteren Umfeld. Dabei wird deutlich, dass Robert Enke einen Klinikaufenthalt vorall darum abgelehnt hat, um einem Oeffentlichwerden seiner psychischen Erkrankung und dem damit verbundenen Karriereknick zu entgehen.
Die seit Ende 2009 mit ihren psychischen Erkrankungen an die Oeffentlichkeit getretenen Fussballer, darunter mit Ralf Rangick ein prominenter Bundesligatrainer, sprechen fuer ein Umdenken, welches leider erst durch das tragische Ende der damaligen aktuellen Nummer Eins unter den deutschen Torhuetern stattgefunden hat.
Aus meiner Sicht als Fußballfan war Robert Enke ein äußerst zuverlässiger, unaufgeregter Torhüter mit einer sehr geringen Fehlerquote. Er war eben kein Schauflieger wie Kamps, Weidenfeller, Wiese, und auch kein aggressiver Sonderling wie Kahn, auch kein egoistischer Einzelgänger wie Lehmann.
Ich hatte den Karriereknick in Barcelona und Istanbul wahrgenommen und auch das Timo Hildebrandt Zitat mit dem zu frühen Auslandswechsel hatte ich gelesen.
Abseits der Krankheit Depression bietet Ronald Reng einen sehr interessanten Einblick in das komplizierte Wirken eines Fussballvereins, das Handeln der Vereinsverantwortlichen, die teilweise fragwuerdigen Spielerberater, das fragile Gebilde innerhalb einer Mannschaft, das Handeln der Trainer, unter anderem Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Ewald Lienen, dem es zu Verdanken ist, dass Robert Enke aus der zweiten spanischen Liga doch noch eine grosse Karriere gelungen ist.
Die Unterstuetzung, die Robert Enke fuer juengere Mitspieler hatte, in denen er die Kaempfe zu Anfang seiner eigenen Karriere sah, zeichnet ihn als grossen Sportler aus. Es gibt zu diesem Thema eine wundervolle Episode mit der heutigen Nummer eins des VfB Stuttgart, Sven Ulreich.
Da sich Robert Reng nicht scheut Namen der handelnden Personen zu nennen, fragt man sich als Leser, ob der eine oder andere im Rueckblick nicht gerne anders gehandelt haette, oder zumindest zu Lebzeiten Robert Enkes zum Telefon gegriffen haette.
Diese Buch wurde in Großbritannien mit dem William Hill Sportbuchpreis 2011 ausgezeichnet, das erste Mal, dass ein uebersetztes Buch diesen Preis erhielt, und voellig zurecht.


Waltenberg
Waltenberg
von Hédi Kaddour
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Zauberberg, Zweiter Teil? Ja und Nein!, 29. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Waltenberg (Gebundene Ausgabe)
Hedi Kaddour hat sich mit '"Waltenberg'" vorgenommen eine Fortsetzung von Thomas Manns Meisterwerk '"Der Zauberberg"' zu schreiben, das ist entweder genial oder groessenwahnsinnig, je nach Sichtweise und Standpunkt, in etwa so, als wuerde ein zeitgenoessischer Komponist sich vornehmen Beethovens Neunte Sinfonie fortzuschreiben.
Trotzdem ist es Hedi Kaddour gelungen zumindest teilweise seinem grossen Vorhaben gerecht zu werden.
Fuer alle die mit Begeisterung 'Der Zauberberg' gelesen haben und mit Bedauern am Schluss Hans Castorp auf dem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs verschwinden haben sehen, bietet 'Waltenberg' durchaus einige interessante neue Ansaetze.
Es tauchen am Beginn des genannten Ersten Weltkriegs die beiden zentralen Figuren auf, Hans Kappler, ein deutscher Schrittsteller, und Max Goffard, ein franzoesischer Journalist, die sich auf nicht beschriebene Weise am Rande des Krieges begegnen und eine wunderbare Freundschaft schliessen, die auch der Zweite Weltkrieg nicht zerstoeren kann. Schon dies alleine ist eine wunderbare Idee, die Aussoehnung Frankreich-Deutschland anhand dieser beiden Figuren.
Dazu kommt Michael Lilstein, der wohl, und man traut es sich beinahe nicht zu schreiben, symmpatischste Stasimitarbeiter der Literaturgeschichte bis heute, Ueberlebender der Lager unter den Nazis und dann der Gulags bei Stalin, trotzdem ungebrochen, dann karrieremachend in der DDR, an der Guillomeauffaehre beteiligt, schliesslich Devisenbeschaffer, also eine Mischung aus Mischa Wolf und Alexander Schalck Golodkowski, beides nur gestreift, mit der Hauptaufgabe ueber Spitzel im Westen Einfluss auf die Politik zu nehmen, vor allem Frankreichs Politik.
Die maennlichen Hauptfiguren finden ihren Schnittpunkt in der amerikanischen Saengerin Lena Hotspur, die zwischen den Systemen wandert, nicht ganz eindeutig in der Ausrichtung, nicht nur die Koepfe der genannten drei Charaktaere verdreht.
Obendrein hat sich Hedi Kaddour vorgenommen einen Schluesselroman der Jahre 1914 bis 1991 zu schreiben und an der Fuelle dieses geschichtlichen Stoffes musste er und ist er auch gescheitert, in grossen Teilen.
Es gibt keine eigentliche Handlung, die sich wie ein roter Faden ueber die 734 Seiten zieht, sondern ein staendiges Hin-und-Her ueber die Jahre, welches auch Kennern und Anhaengern dieser nichtlinearen Erzaehlweise schwer macht, den Ueberblick zu behalten.
Hauptkritikpunkt ist allerdings Hedi Kaddour oft allzu eigensinnige, komplizierte, stilisierte, ja ueberkandidelte Erzaehlweise, bei der Dinge nur angedeutet, verklausuliert, uebergangslos von Ereignis zu Ereignis vor und zurueck gegangen, im fiktiven Werk der Romanfiguren verharrt, dann wieder zurueck zur eigentlichen Handlung des Romans gegangen wird, dann wieder wirkliche oder erfundene Geschichtsereignisse zitiert werden, teilweise mit verfremdeten Personen der Geschichte etc., und das teilweise in einem ueber viele Seiten gehenden Gespraech zweier Figuren bei einem Spaziergang oder bei einer nicht endenwollende Zusammenkunft im Haus des Botschafters in Singapur, bei der die Handlung nie auf einen gruenen Zweig kommt. Es geht um Philosophie, Geschichte, Physik, Politik, Gesellschaft, Macht, dazu das komplizierte Leben der Figuren. Das alles resultiert in einem schon sehr komplizierten Text.
Kurz, man braucht einen sehr langen Atem fuer diesen Roman, fast wie ein Langstreckenlaeufer, und ich musste mehrmals meinen Impuls unterdruecken, "'Waltenberg"' wegzulegen und mein naechstes Buch anzufangen.
Es wird ein Buch bleiben, bei dem sich die Geister scheiden, allerdings besteht auch die Moeglichkeit, dass es wie ein guter Wein ueber die Jahre reifen und in den Augen einiger doch noch zum Meisterwerk und, naja, zum anerkannten "'Der Zauberberg, Zweiter Teil"' wird.
Der Figur des Max Goffard kann man, wenn man denn moechte, in Hedi Kaddours naechsten Roman 'Savoir-vivre' wieder begegnen.


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