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Rezensionen verfasst von
Eleanor Rigby

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Omagh - Das Attentat
Omagh - Das Attentat
DVD ~ Gerard McSorley

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen We will not be forgotten., 6. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Omagh - Das Attentat (DVD)
In diesem vermutlich eher unbekannten Film wird der Bombenanschlag in Omagh (Nordirland) thematisiert. Dabei stehen jedoch nicht die politischen Konflikte im Vordergrund, sondern eher das Leid der Familien, die bei diesem Anschlag Mitglieder verloren haben.
Es wird uns die Familie Gallagher zu Anfang des Films vorgestellt. Die Eltern haben drei erwachsene Kinder, alle verstehen sich sehr gut und der Sohn eifert seinem Vater nach und arbeitet mit diesem zusammen in der Autowerkstatt. Es scheint, wie so oft, als könnte nichts dieses Familienidyll stören, doch noch bevor wir es kennenlernen, sehen wir (während die Namen noch durchlaufen) Ausschnitte einer Szene, in der eine Bombe in einem Auto platziert wird. So können wir nicht umhin, schon zu vermuten, dass diese Bombe in irgendeinem Zusammenhang mit dieser Familie stehen muss. Und dann kommt’s wie es kommen muss, der Sohn geht früher von der Arbeit, um mit einem Freund eine Jeans in der Stadt zu kaufen. Während beide shoppen, wird die Bombe platziert. Zwar informiert ein Unbekannter die Polizei, die daraufhin die Straße absperrt. Doch es gab offensichtlich Missverständnisse beim Durchgeben der Informationen, und plötzlich geht die Bombe genau dort hoch, wohin die Polizisten die irritierten Bürger zu ihrer Sicherheit eigentlich geschickt haben, darunter auch den Gallagher-Spross, der dabei getötet wird. Daraufhin engagiert sich die Familie in einer Vereinigung von Menschen, die ebenfalls Angehörige verloren haben. Ihr Anliegen ist, die Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen und von der Polizei bzw. auch anderen Behörden zu erfahren, wie es zu einem solchen Anschlag kommen konnte. Dabei steigert sich vor allem Mr. Gallagher sehr in diese Arbeit hinein und scheint den Tod seines Sohnes nicht hinter sich lassen zu können. Während seiner Arbeit für die Organisation trifft er sich immer wieder mit verschiedensten Leuten wie Informanten, die bei der Real IRA für die Regierung spioniert haben oder dem Sinn-Fein-Führer. Dabei erhält er Informationen, die besagen, dass die Behörden Bescheid wussten und die ganze Situation verbockt hätten bzw. sogar die Bombe haben absichtlich hochgehen lassen. Doch trotz solcher Informationen scheint die Organisation auf der Stelle zu treten und keinen Einfluss nehmen zu können.
Wie schon angesprochen geht es aber eben in diesem Film vor allem um diese Familie Gallagher, die durch den tragischen und unsinnigen Tod ihres Sohnes zu zerbrechen droht. Dabei wird vor allem der Konflikt zwischen dem Vater und der Mutter immer größer, da der Vater sich in die Öffentlichkeitsarbeit für die Gruppe vertieft, während die Mutter nach geraumer Zeit nach vorne schauen und weitermachen will. Dies wird sehr schön bildlich von der Kamera eingefangen in einer Szene, in der sich die beiden gegenüberstehen und eine verbale Auseinandersetzung haben. Von beiden sehen wir nur die Profile der Gesichter, er links im Schatten, sie rechts im Licht. Während sie sich unterhalten, klingelt zum x-ten Mal das Telefon, wie schon in den Szenen zuvor, da eine Unmenge an Reportern etc. an Aussagen Mr. Gallaghers interessiert ist. Anstatt die Auseinandersetzung mit seiner Frau zu beenden, dreht er sich nun weg und nimmt ab, verschwindet aus dem Bild. Offensichtlich ist ihm das wichtiger als seine Familie.
Neben den individuellen Spannungen in dieser Familie vermag es der Film sehr gut den Scherz und auch die Verzweiflung aller Angehörigen der Opfer dazustellen. Das Gefühl der Hilflosigkeit und Verzweiflung zieht sich durch alle Phasen des Films, denn es beginnt schon damit, dass direkt nach dem Anschlag Mr. Gallagher versucht seinen Sohn im Chaos am Anschlagsort zu finden. Dann im Krankenhaus und später resigniert an einem Sammelplatz an dem er einfach nur noch warten kann, bis endlich Informationen über den Verbleib und das Wohl seinen Sohnes an ihn herangetragen werden.
Durch die verschiedenen Mitglieder der Organisation und die Angehörigen der Familie Gallaghers wird ein ausgewogenes Bild an Trauerarbeit gezeigt. Auch wird sehr deutlich, wie furchtbar es sein muss, nicht zu wissen wer denn für den Tod des geliebten Menschen verantwortlich ist bzw. sehen zu müssen, wie die Behörden offenbar nicht in der Lage sind die Täter zu überführen und man selber auch nichts weiter tun kann als dem britischen Premierminister zu schreiben (wie einer aus der Gruppe) oder vor einem Treffpunkt der Real IRA mit Plakaten der toten Angehörigen zu protestieren. Das Gefühl, völlig von Leuten abhängig zu sein, die die Aufklärung des Anschlags schon nach kurzer Zeit nicht mehr zu ihrer Priorität machen, ist auch für den Zuschauer kaum zu ertragen, denn es scheint völlig ausweglos, weder die Wahrheit zu erfahren noch die Gerechtigkeit triumphieren zu sehen.
Rein inhaltlich ist dieser Film also sehr interessant und bietet einen guten Einblick nicht nur in den Nordirlandkonflikt an sich, sondern auch in das Leben derer, die durch solche Gewaltakte betroffen wurden.
Mir ist nur zum Ende hin ein wenig aufgestoßen, dass der Film zu sehr versucht alle Probleme und offenen Fragen aufzulösen und ein wenig zu plump die Gesamtaussage in einer letzten Stellungnahme Mr. Gallaghers zusammenzufassen, damit auch der letzte Zuschauer verstanden hat, dass man die Angehörigen der Opfer nicht vergessen darf und so weiter und so fort.
Zudem fand ich des Öfteren die Kameraführung ein wenig aufdringlich. Mir ist selten so sehr bei einem Film aufgefallen, dass es eine Kamera gibt. Dabei hat sie die Aufmerksamkeit der Zuschauer sehr stark gelenkt und wenig Möglichkeiten gelassen, eine Einstellung auf sich wirken zu lassen. So schwenkt die Kamera, in einer Szene als Mr. Gallagher seit dem Tod seines Sohnes zum ersten Mal wieder seine Werkstatt betritt und vor dem Auto steht, welches am Tag des Attentats noch von seinem Sohn bearbeitet wurde, merklich zu der Jacke des Sohnes, die noch aus dem offenen Fenster hängt. Als hätten wir ohne diesen nicht besonders dezenten Hinweis nicht auch schon begriffen, dass diese Atmosphäre und die Gegenstände die Erinnerung an den toten Sohn wachrufen.
Aber das sind nur einige Kritikpunkte, die nicht den ganzen Film schlecht machen sollen, denn der ist durchaus zu empfehlen.


Django Unchained
Django Unchained
DVD ~ Jamie Foxx
Preis: EUR 5,00

3 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dr. Schultz macht sich nichts aus Süßem, 22. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Django Unchained (DVD)
Ein Jahr lang habe ich auf das nächste Meisterwerk Tarantinos gewartet und ich habe definitiv ein Werk des Meisters zu sehen bekommen. Meine Erwartungen wurden im Großen und Ganzen nicht enttäuscht und doch kann ich mich nicht dazu bewegen seinen neuesten Film so zu schätzen wie beispielsweise Pulp Fiction oder Inglourious Basterds.
Das liegt vermutlich vor allem daran, dass es nach ca. 90 Minuten einen rapiden Qualitätsabfall in der Story gibt, der schlussendlich zu einem Stern Abzug führt. Denn nachdem alle Charaktere hinreichend eingeführt sind und es endlich daran geht Djangos Frau zu befreien, artet der Film in ein wildes und sinnloses Blutbad aus. Leitmotiv ist hier die Farbkombination Rot auf Weiß – rot auf weißen Menschen, rot auf weißen Blumen, rot auf weißen Wänden, rot auf Weißen Baumwollblüten etc. Anders als viele andere, die den Film deshalb vielleicht verteufeln werden, stört mich dabei die sinnlose Gewalt nicht, weil es Gewalt ist oder weil es total übertrieben daherkommt. Nein, was mich stört ist, dass Tarantino in zwei (!! - Warum reicht nicht eine große Schießerei??) riesig aufgeplusterten, einseitigen Schießereien die ganze Atmosphäre, die er davor aufgebaut hat, zunichte macht. Er macht es sich zu leicht. Einfach ein riesiges Blutbad anzurichten ist für mich zwar ein fulminantes, aber kein besonders erfüllendes Ende.
Ein weiterer Punkt, der mir nicht gefallen hat, war, dass die Hauptfigur Django neben all den großartigen Nebencharakteren furchtbar blass bleibt. Erst als er beginnt alles was sich bewegt niederzuschießen kristallisiert sich heraus, dass doch er die Hauptfigur des Films sein muss. Das einzige, was mir an diesem Charakter gefällt, ist, dass es einem schwer fällt ihn zu mögen. Für mich war Django in keiner Form ein Held, sondern nur ein rachsüchtiger Mann mit sadistischen Zügen, der seine Frau zurückhaben will. Ich finde, in vielerlei Hinsicht ist er nicht besser als Mr. Candy oder Steven. Es ist nur eine Frage, wer gerade am Drücker ist.
Wie schon angedeutet sind es die Nebenfiguren, die es mir angetan haben und weswegen ich dem Film 4 Sterne gebe. Dr. Schultz wird von Waltz mit einer erfrischenden Leichtigkeit gespielt (ok, wie zu erwarten macht er eigentlich das gleiche wie bei IB auch schon, aber das einfach hervorragend!) und ist mir die sympathischste Figur im Film. DiCaprio verpasst Candy eines der fiesesten und widerlichsten bösen Grinsen, die ich je gesehen habe und Jackson als Steven ist wohl der coolste zeternde alte Bock, den es je gab. Und alle drei Charaktere sind auf ihre Weise so wunderschön ambivalent. Schultz beispielsweise ist ein Kopfgeldjäger, der es aber aus Sentimentalität auf sich nimmt, Django beim Retten seiner Frau helfen und von allen Figuren noch am ehesten ein Gewissen zu haben scheint. Candy ist ein einziger Widerspruch in sich – er liebt Frankreich, kann aber kein Französisch, er benennt einen Sklaven nach einer Romanfigur, scheint aber in keinster weise literarisch gebildet zu sein und er hat ein inniges Verhältnis zu Steven und wurde von Schwarzen erzogen, hat aber im im Großen und Ganzen keine Achtung vor diesen Menschen. Und Steven ist ein Sklave, der sich aufführt wie ein weißer Master und als Sklave wohl die größtmögliche Freiheit genießt, die man haben kann, dabei aber einzig solidarisch gegenüber den Candys ist. Interessant ist auch, dass er Django nicht etwa verachtet, weil er als schwarzer Sklavenhändler in Candyland ankommt, wie die anderen Sklaven. Steven verachtet Django, weil er die größtmögliche Freiheit für einen Schwarzen erlangt hat und das, ohne den Weißen Honig um den Bart zu schmieren und ihnen loyal zu sein.
Diese Figuren, ihre Dynamik und das Zusammenspiel der drei Figuren miteinander (Candy mit Steven und Schultz mit Candy) sind einfach schön anzusehen und anzuhören. Und ich bin mir sicher, es ist kein Zufall, dass Schultz ein Zahnarzt ist, der Süßes nicht ausstehen kann und Candy Candy heißt!
Neben diesem großen Plus gibt es noch einige Einzelszenen, die den Film noch amüsanter machen. Beispielsweise ist da eine Szene in der sich Mitglieder eines KKK-Vorläufers über schlecht gefertigte Kapuzen unterhalten und sich lauthals darüber beschweren, dass man nichts sehen könne. Bei dieser Diskussion fühlte ich mich leicht an andere berühmte Diskussionen wie die über Trinkgeld oder Fußmassagen erinnert. Auf jeden Fall eine Szene mit Kultcharakter, was man wohl für den Film als ganzes nicht sagen kann. Es sind aber die Details, die einem das Zugucken nicht langweilig machen. So sieht man in einer Szene Stadtbewohner vor Dr. Schultz, der gerade den Sheriff erschossen hat, davonlaufen und eine der Personen ist eine Dame mit Krücke.
Neben den betörenden Figuren trumpft der Film auch mit einem sehr ausgewogenen und eigenwilligen Soundtrack auf, der so manchen Western zitiert wie z.B. Two Mules.
Alles in allem kann ich also nicht behaupten, dass mich Django Unchained nicht unterhalten hätte. Er hat wie jeder Tarantino seine großartigen Momente und fügt sich schön in Tarantinos Gesamtwerk ein (ähnelt im Aufbau etc. tatsächlich sehr IB – die beiden Filme sollen ja auch zu einer losen Trilogie gehören, die Tarantino im Sinne hat), aber sticht nicht übermäßig daraus hervor.

Das einzige was jetzt noch zu sagen bzw. eher zu fragen bleibt, ist: Wer ist die mysteriöse Treckerin und welche Geschichte verbirgt sich wohl hinter ihr?
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 30, 2013 5:19 PM CET


The Siege of Krishnapur
The Siege of Krishnapur
von J. G. Farrell
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,50

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Please yourself!", 22. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Siege of Krishnapur (Taschenbuch)
Die Geschichte, die uns J.G. Farrell hier ausbreitet, gründet lose auf der realen Belagerung Lucknows während des Sepoy-Aufstands 1857/8 in Indien und zeichnet ein eindrucksvolles Bild davon, wie Menschen sich in Ausnahmesituationen verändern können.
Zu Anfang der Lektüre scheint die Welt allerdings noch in feinster britischer Ordnung zu sein und die Protagonisten werden uns als kultivierte, zivilisierte Exemplare der Britischen Upper-Middle-Class vorgestellt. Der verweichlichte, dem Romantizismus anhängende Fleury, der Collector, der von der Great Exhibition schwärmt, Dr. Dunstaple, der noch der alten medizinischen Schule angehört und der Padre sind nur einige der Figuren, die uns in diesem Buch begegnen und eine unabdingbare Rolle spielen.
Auf den Inhalt möchte ich an dieser Stelle allerdings gar nicht weiter eingehen (den können Sie auch anderswo lesen), sondern ich möchte lieber darauf hinweisen, dass Farrell hier mit kleineren Abzügen ein ähnlich interessantes Buch gelungen ist wie William Golding mit Herr der Fliegen". Farrell allerdings kombiniert die Beschreibung individueller Personenentwicklungen mit dem Zeichnen und kritisch-unter-die-Lupe-Nehmen verschiedener Denkmuster der damaligen, aber auch heutigen Zeit.
Farrell gelingt ein ausgewogener Querschnitt durch die britische Gesellschaft das 19. Jh. und lässt uns die Denkmuster der einzelnen Charaktere sehr gut nachvollziehen. Dies gelingt ihm oftmals mit einem leicht ironischen Unterton, der einen immer wieder schmunzeln lässt. Interessant ist hierbei auch, dass Farrell einen größtenteils viktorianischen Schreibstil nachahmt und Themen wie sexuelle Erregung dementsprechend verpackt, was für den heutigen Leser sehr amüsant ist. Gleichzeitig kommentiert er unterschwellig die Meinungen der Figuren aus unserer heutigen Weltanschauung.
Es werden Themen und Diskussionen verarbeitet, die zu der damaligen Zeit auch thematisiert wurden. Z.B. spielt die Great Exhibition eine wichtige Rolle und nachdem im Lager die Cholera ausgebrochen ist, diskutieren Dr. Dunstaple (der an eine Cholerawolke glaubt) und Dr. McNab, wie die Krankheit verbreitet würde und wie man sie am besten behandeln sollte. Dies wird öffentlich diskutiert, vor den Ohren all der anderen Belagerten, die selber in Furcht leben, angesteckt zu werden, und sich während des hitzigen Schlagabtauschs immer wieder umentscheiden, von welchem Arzt sie behandelt werden wollen, und dies auf kleinen Kärtchen vermerken und verbessern. Farrells Buch bietet einige solcher aberwitzigen Situationen, die sich mit den ernsteren Beschreibungen der Charakterwandlungen und dem Sich-Zuspitzen der Situation vermischen.
Und je mehr die zivilisierte Gesellschaft durch die Belagerung zerbricht, wird einem klar, welch oberflächliche Fassade das doch nur war. Zudem wird einem auch klar, dass diese britische Gesellschaft zu der indischen, die die Briten ständig als minderwertig und hinterwäldlerisch abtun, doch einige Parallelen aufweist. So lässt sich das Kastensystem einfach mit dem Klassensystem vergleichen, das mit der Figur Lucy (einer jungen Frau, die sich mit einem Herren wohl zu sehr vergnügt hat) sogar seine Unantastbare hat.
Mir fallen allerdings auch zwei kleinere Schwächen des Buchs ins Auge. Zum einen habe ich an einigen (wenigen) Stellen das Gefühl, dass Farrell dem Leser nicht zutraut bestimmte Situationen/ Aussagen richtig zu deuten und einem die Interpretationen vorausnimmt. Das passiert nicht am laufenden Band, aber doch oft genug und teils recht auffällig.
Zum anderen finde ich es ab und an ein wenig verwunderlich, wie bestimmte Charaktere plötzlich bestimmte Gefühle für andere entwickeln. Vielleicht erklärt der Autor sowas absichtlich nicht (Farrell scheint sich durchaus sehr genaue Gedanken dazu gemacht zu haben, in welche Personen er uns wann Einblick gewährt und welche wir lange nur durch die Beschreibungen anderer charakterisieren können).
Nichtsdestotrotz würde ich dieses Buch aus vollem Herzen weiterempfehlen. Die Thematik fand ich sehr interessant, genauso wie die Charaktere und ihre Entwicklung und auch den leisen ironischen Humor. Und auch wenn man das Buch wohl als Historien-Roman bezeichnen würde, ist die Geschichte nicht so trocken, wie man glauben könnte, und auch für Leute geeignet, die kein Vorwissen zum Sepoy-Aufstand oder dem Victorianischen England haben (auch wenn ich behaupten möchte, dass sich das volle Potenzial des Buches erst fassen lässt, wenn man die Hintergründe ein wenig besser kennt).
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 24, 2012 11:46 AM CET


Road to Perdition
Road to Perdition
DVD ~ Tom Hanks
Wird angeboten von brandsseller
Preis: EUR 5,40

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn der Vater mit dem Sohne, 21. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Road to Perdition (DVD)
Nachdem Sam Mendes schon mit American Beauty ein herausragendes Meisterwerk gelungen ist, legte er auch mit Road to Perdition einen großartigen Film ab.
Es geht um die Beziehungen von Söhnen zu ihren Vätern. Michael Sullivan Sr. (großartig gespielt von Tom Hanks, der hier meisterlich gegen den Strich besetzt wurde!) arbeitet schon seit seiner Jugend für den irischen Mafiaboss John Rooney (Paul Newman), der für ihn wie ein Vater ist. Als er eines Abends zusammen mit dem Sohn Johns, Connor Rooney (Daniel Craig), einen Geschäftspartner des Mafiabosses aufsuchen soll um ihm ins Gewissen zu reden, kann sich Connor nicht beherrschen und erschießt den Mann kurzerhand. Doch just an diesem Abend hatte sich Michaels Sohn heimlich im Auto versteckt, um zu sehen, was sein Vater bei der Arbeit so treibt und, sieht den Mord mit an. Er wird natürlich von seinem Vater und Connor erwischt, worauf Mike Sr. Versichert, dass sein Sohn dicht halten kann. Connor allerdings ist sich da nicht so sicher und entschließt sich, auf eigene Faust dafür zu sorgen, dass niemand von dem Mord erfährt. Er versucht Mike umbringen zu lassen und geht selber zu Mikes Haus um dort den Rest der Familie zu töten. Dabei erwischt er jedoch nur Mikes Frau und seinen jüngeren Sohn, während Michael Jr. am Leben bleibt und sich bald darauf auf der Flucht mit seinem ihm entfremdeten Vater befindet, gejagt von einem Profi-Killer (Jude Law, der mit Halbglatze, unnatürlich fahlem Gesicht und zu langen Fingernägeln eine erschreckend makabere Figur abgibt, dem als einzigem Charakter jedwede Menschlichkeit zu fehlen scheint).
Aus dieser Ausgangslage bietet sich natürlich eine klassische Rache-Story an, und das ist sie zum Teil auch, denn Mike schwört natürlich Rache an Connor und versucht bald mit seinem Sohn zusammen das ganze Geschäft der Rooneys zu sabotieren, um seine Rache auch zu bekommen. Doch ist das nur Rahmenhandlung, denn eigentlich geht es, wie schon gesagt um das Verhältnis zweier Söhne zu ihren Vätern. Zum einen wären da Mike Sr. und Michael Jr. und zum anderen John und Connor Rooney.
Dabei lässt sich wunderbar beobachten wie unterschiedlich sich diese Beziehungen entwickeln, denn während sich Mike und Michael auf ihrem Road-Trip nach Perdition (Aufgepasst, Symbolik!) endlich näher kommen, kommen die Rooneys nicht auf einen grünen Zweig miteinander.
Doch hat der Film neben einer guten Story vor allem filmisch was zu bieten und harmoniert wunderbar mit der Handlung. So wird beispielsweise durch die Kameraeinstellungen die Beziehung Michaels zu seinem Vater wunderbar deutlich gemacht. Immer wenn sie zusammen im Bild sind, sind sie sehr voneinander distanziert (die erste Berührung der beiden ist erst nach knapp 1 œ Stunden zu sehen), sodass der Zuschauer schon von den ersten Minuten an weiß, wie es um ihre Beziehung steht und sich schon denken kann, dass der Film sich darauf konzentrieren wird.
In einer anderen Szene, zum Ende des Films, werden die beiden dann mit Hilfe von Lichtsymbolik in Szene gesetzt. Wir können in dieser Einstellung einen Querschnitt des gemieteten Hotelzimmers der beiden sehen. Mike kommt auf der linken Seite des Bildes zur Tür rein uns steht im dunklen Flur, während Michael im Zimmer nebenan auf dem Bett sitzt und in gleißendes Licht getaucht wird. Größer könnte der Kontrast nicht sein (und lässt das Ende schon erahnen). Eindeutig sind es die Bilder, die diesen Film tragen und ihn zu einem weiteren Meisterwerk Mendes` machen, denn nicht nur werden die Personen perfekt in Szene gesetzt, sondern auch die weiten Landschaftsaufnahmen machen das Ansehen dieses Films zu einem Hochgenuss für die Augen (und mit dem perfekt harmonierenden Soundtrack auch für die Ohren). Man fühlt sich als Zuschauer so oft verloren, entweder in der Endlosigkeit einer Schneelandschaft oder im Gedränge einer riesigen Menschenmenge, dass es schon erschreckend ist. Nicht umsonst wurde diesem Film der Oscar für die beste Kameraarbeit zugesprochen.
Es ist kein Wunder, dass es kaum Text in diesem mehr als zweistündigen Film gibt, denn Bilder sagen, wie man so schön sagt, mehr als Worte, und der Film nimmt sich ausgiebig Zeit seine Geschichte in Bildern zu erzählen. Wem sowas nicht gefällt, der könnte dementsprechend Gefahr laufen sich zu langweilen, aber ich bin der Meinung, dass sich Geduld und Aufmerksamkeit bei diesem Film mehr als auszahlen. ,Atmosphärisch` ist das Stichwort! Road to Perdition ist eine perfekte Kombination aus atemberaubenden Bildern, stimmungsvoller Musik und einer emotionalen Story, die begeistert. Sieht man sich das Staraufgebot an, so kann es eigentlich kaum einen Zweifel an der hohen Qualität dieses Films geben. Man sollte nur nicht erwarten, einen klassischen Gangsterfilm zu sehen, sondern sich eher auf eine Art Roadmovie einstellen, dann werden die hohen Erwartungen auch nicht enttäuscht.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 26, 2012 4:32 PM MEST


Der Schläfer
Der Schläfer
DVD ~ Diane Keaton
Wird angeboten von STEPFERRIS
Preis: EUR 9,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Chaplin lässt Grüßen, 6. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Schläfer (DVD)
Als Miles (Allen), unserer Held", nach einer missglückten OP 200 Jahre später wieder aufwacht, findet er sich in einer Welt wieder, die auf den ersten Blick der Zeit, aus der er kommt so gar nicht gleichen will, der Zukunft eben. Zudem muss Miles feststellen, dass er in einer Welt aufgewacht ist, die unter der Fuchtel eines Diktators steht und man ihn nun als Mittel zum Umsturz benutzen will. Die Wissenschaftler haben ihn nämlich genau zu diesem Zwecke überhaupt erst wieder aufgetaut, und auch um ein wenig was über seine Zeit zu erfahren (da ist er ihnen allerdings keine große Hilfe, da er zu einem Bild Stalins lediglich sagen kann Oh, das war kein so netter Mann"). Und als wäre das nicht schon genug, verliebt er sich auf der Flucht vor den Schergen des Regimes auch noch in eine Frau, die aber gar nicht in der Lage scheint selber lieben zu können - die Zukunft hat eben erkannt, wie unsinnig das ist. Das ist eine ganze Menge Input, der Miles ausgesetzt wird und mit der er nicht so recht umzugehen weiß, was zu einer Ansammlung skurriler Situationen führt - die bekanntesten Szenen sind womöglich die, in denen Allen sich als Hausroboter verkleidet um unentdeckt zu bleiben.
Allen entwirft hier eine futuristische Dystopie, die eindeutig ihre Vorbilder in der Literatur findet. Er kombiniert Elemente aus Werken wie Brave New World" (beispielsweise stehen Sexspielzeuge hoch im Kurs doch scheint Nähe/Liebe zu anderen Menschen nicht mehr selbstverständlich) und auch 1984", wie z.B. das politische System und auch technische Neuerungen wie den Telescreen". Was ich in diesem Zusammenhang für erwähnenswert halte, ist, dass gerade diese Erfindung des Telescreens als Mittel zu Überwachung im Film Modern Times" (von C. Chaplin) seinen Ursprung hat. Doch ist der Telescreen nicht das Einzige, was Allen von Chaplin übernommen zu haben scheint. Die Komik lebt vor allem von den Slapstick-Einlagen, die Allen immer wieder bringt und sehr an die alten Stummfilm-Komödien, allen voran eben Chaplin, erinnern. Dies kombiniert er geschickt mit zynischem Wortwitz und natürlich auch allerhand skurrilen Ideen wie z.B. der Tatsache, dass fetthaltiges Essen für gesund befunden wurde und Fast-Food-Ketten somit boomen.
Wie so viele Dystopien versucht Allen aber vor allem die eigene Gesellschaft zu kritisieren. Allerdings bin ich der Meinung, dass es Allen nicht gelingt seine Kritik zu bündeln. Er vollführt einen Rundumschlag und streift eine Vielzahl von Themen (auch ganz normale Probleme des Alltagslebens, wie z.B. Beziehungsprobleme und Eifersucht) ohne sich festlegen zu können, worauf er sein Hauptaugenmerk legen soll. So kann er in Bezug auf die Darstellung einer erschreckenden Zukunft seinen literarischen Vorgängern nicht das Wasser reichen. Er übernimmt zum einen die Rolle des Künstlers und übt möglicherweise Kritik an seiner eigenen Garde, da sie im Film absolut regelkonform ist und nicht mehr ihre Umwelt zum Thema macht. Gleichzeitig versucht er sich an einer Kritik an der Politik, wenn er beispielsweise sagt, dass ein Machtwechsel eigentlich nur bedeutet, dass der Kopf an der Spitze ausgetauscht wird, die Grundsituation sich jedoch nicht verändert. Zudem macht er sich in gewisser Weise auf einer Meta-Ebene Gedanken um seine eigene Kunst. So sagt er einmal, dass er aus Selbstschutz Witze mache. Es ist natürlich Miles, der das sagt, doch gehe ich davon aus, dass Allen sich damit auch selber meint. Zum einen sicher auf einer rein persönlichen Ebene, aber man kann es womöglich auch so verstehen, dass er der Meinung ist, dass man all den Problemen auf dieser Welt nur mit Humor begegnen kann, wenn man an dieser Welt nicht zerbrechen will.
Diese Einzelaussagen und kurzen Dialoge sind für mich die Highlights des Films, das geistige Futter, das einem auch nachher noch im Gedächtnis bleibt. Doch finde ich das Gesamtwerk nicht immer so genial, da, wie gesagt, es mir zu wenig fokussiert ist und so einiges an seiner Schärfe einbüßt. Dieser Film ist dann auch eher zum Schmunzeln gedacht als zum Brüllen, obwohl er an einigen Stellen lächerlich absurd ist. Wer also eine zum Schreien komische Komödie erwartet, könnte hiermit enttäuscht werden.


Small Island [UK Import]
Small Island [UK Import]
DVD ~ Naomie Harris
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 14,65

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen " The British Movement Government would Repetriate the immigrant to the tramp of Union Jack boots", 3. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Small Island [UK Import] (DVD)
Bei diesem zweiteiligen Film handelt es sich um eine BBC-Adaption des gleichnamigen Buches Andrea Levys. Da ich das Buch selber nicht gelesen habe, kann ich lediglich über den Film Auskunft geben. Allerdings ist BBC dafür bekannt, sehr werkgetreue Adaptionen zu produzieren und aus einigen englischen Rezensionen zum Film konnte ich entnehmen, dass dies wohl auch bei diesem Werk der Fall zu sein scheint.
Wir befinden uns vornehmlich in den Jahren um den Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vier Personen, deren Existenzen durch den Krieg untrennbar miteinander verwoben werden. Da haben wir zum einen Queenie und ihren Mann Bernard. Kurz vor Ausbruch des Kriegs hatte sie ihn geheiratet, um nicht von ihrer Mutter wieder auf die Schweinefarm zurückgeholt zu werden auf der sie aufwuchs, sondern in London leben bleiben zu können. Während Bernard sie liebt, ist er ihr eigentlich ein wenig zu langweilig und prüde, doch immerhin besser als eine Horde Schweine und ihre Familie. Lange muss sie es vorerst auch nicht mit ihm aushalten, denn während des Kriegs ist Bernard an der Front und sie bleibt mit seinem Vater Arthur zu Hause zurück. Dort stellt sie Zimmer für die stationierten Soldaten zur Verfügung, unter ihnen auch Michael, der aus Jamaika stammt und mit dem sie einen One-Night-Stand hat.
Zum anderen haben wir da noch Hortense und Gilbert, die beide ebenfalls aus Jamaika kommen und deren Wege sich erst nach dem Krieg kreuzen werden. Gilbert meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst, um der Mother Country" aka. England zu dienen, doch muss er bald erkennen, dass seine Englischen Brüder und das Mutterland seine Dienste nicht richtig zu schätzen wissen. Allerdings trifft er auch Queenie in der Stadt, in der er stationiert ist, die im Gegenteil zu vielen ihrer Landsleute keine Probleme mit seiner Hautfarbe hat. Nach dem Krieg kehrt er vorerst nach Jamaika zurück, doch sehnt er sich, jetzt wo er etwas von der Welt gesehen hat, nach mehr und will trotz der ihm bekannten Vorurteile, von denen er weiß, dass sie ihm entgegenschlagen werden, nach England gehen. Immerhin hat er treu dem Mutterland gedient und ist vollwertiger Britischer Staatsbürger. Kurzerhand heiratet er Hortense, die er erst flüchtig kennt, weil sie ihm das Geld zur Verfügung stellen kann, das er braucht, um nach England zu gelangen. Als Gegenleistung soll er sie, die sie schon seit ihrer Kindheit von England träumt, nachholen. Dies tut er auch, nachdem er bei Queenie, die er nach seiner Ankunft in England aufsucht, ein Zimmer bekommen und als Postbote eine Anstellung gefunden hat.
Zentrales Thema dieses Films ist, wie man sich vielleicht schon denken konnte, die Ablehnung, welche die Engländer gegenüber den Jamaikanischen Einwanderern haben, die vermehrt nach England strömen, nachdem der Krieg vorbei ist. Doch durch Rückblenden werden wir auch immer wieder in die Zeit während des Kriegs selbst versetzt, in denen deutlich wird, dass diese Abneigung auch schon vor der massiven Einwanderung gegeben war. Sehr eindringlich wird gezeigt, mit welchen Vorurteilen und Problemen sich Gilbert und auch Hortense, sobald sie erst in England ist, herumschlagen müssen. Vor allem für Hortense, die sehr stolz und auch arrogant ist, ist die Art, wie sie in England behandelt wird, ein herber Schlag, denn daran, dass ihr Rassismus entgegenschlagen würde, hatte sie nie gedacht. Für sie war England ein schöner, perfekter Traum, der Ort auf der anderen Seite des Zauns, wo das Gras viel grüner ist. Doch das Bild, das den Jamaikanern während der Kolonialzeit von England in der Schule vermittelt wurde, ist ein verzerrtes, idealisiertes Bild. Zuerst fällt Hortense auch gar nicht auf, dass man ihr mit Hass und Ablehnung begegnet. So hält sie die Aufforderung eines Verkäufers, das Geld, mit dem sie bezahlen will, auf den Tresen zu legen anstatt es ihm direkt in die Hand zu geben, für eine simple Konvention und denkt nicht daran, dass er sie einfach nicht berühren möchte. Nur sehr zögerlich beginnt ihre rosarote Brille, ihr von der Nase zu rutschen.
Eine andere Szene, die mir auch besonders im Gedächtnis geblieben ist, ereignet sich noch zu Kriegszeiten. Gilbert wird von zwei amerikanischen Soldaten die auch in England stationiert sind, angewiesen, er solle sich gefälligst in einer gesonderten Reihe zu den schwarzen (amerikanischen!) Soldaten gesellen, wenn er ins Kino gelassen werden wolle. Daraufhin empört sich Gilbert, er sei ein britischer Staatsbürger und könne sich anstellen uns sitzen, wo er wolle, da es in England keine Segregation gäbe, woraufhin die Situation in einer Schlägerei endet. De jure hat er natürlich recht, aber de facto muss man leider sagen, dass die Situation in England für Schwarze kaum besser war als in Amerika. Für England ist dies deshalb auch immer noch ein aktuelles Thema bzw. eines, das noch aufgearbeitet werden muss, denn noch immer können sich viele der Migranten aus Jamaika etc. nicht vollends in England integrieren.
Aber neben dieser doch speziellen" Thematik, vermag es der Film auch alltägliche Probleme zu verarbeiten wie Eifersucht, unerwiderte Liebe oder auch die sich zärtlich entwickelnde Beziehung zweier Menschen, die eigentlich nur eine Nutzbeziehung führen wollten. So fällt auf, dass beide Frauen ähnliche Gründe für die Heirat mit diesen Männern hatten, nämlich die Hoffnung auf ein besseres Leben. Dabei gelingt es dem Film, zu den richtigen Momenten ernst, aber auch (schwarz)humorig zu sein, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das liegt jedoch sicherlich auch an den vorzüglichen Leistungen der Hauptdarsteller.
Es gibt für mich nur zwei kleine Wermutstropfen, nämlich zum einen, dass die Figur des Bernard ein wenig vernachlässigt wird. Nachdem er einige Jahre nach Kriegsende plötzlich wieder vor der Tür steht, wird er nicht nur mit dem Tod seines Vaters konfrontiert, sondern eben auch mit der Tatsache, dass Schwarze in seinem Haus leben. Geprägt von alten Werten kann er nicht anders als die Vorurteile seiner Klasse zu teilen und hat gleichzeitig auch noch mit seinem eigenen Kriegstrauma zu kämpfen. All das wird jedoch nur sehr flüchtig angedeutet, dabei wäre das auch eine sehr schöne Charakterstudie gewesen. (Zudem ist Benedict Cumberbatch ein sehr begabter Schauspieler, dem ich einige größere Auftritte gewünscht hätte.) Allerdings hätte man auch all die anderen Charaktere noch viel stärker beleuchten können, bei ihm war es nur am auffälligsten. Zum anderen ist da diese Off-Stimme, die immer mal wieder Einblicke in die Charaktere und Erläuterungen geben soll. Dabei empfand ich sie jedoch eher als störend und unsinnig.
Ansonsten kann ich nur Lob für diesen Film finden, dessen Figuren so schicksalhaft" zusammengewürfelt wurden, so dass wir durch sie einen Teil der britischen Geschichte näher betrachten, der wohl noch für einige Zeit der Betrachtung bedürfen wird.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 25, 2012 10:26 PM MEST


König der Fischer
König der Fischer
DVD ~ Robin Williams
Preis: EUR 4,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Radiomoderator wird bei göttlicher Mission zum Spinner", 24. November 2011
Rezension bezieht sich auf: König der Fischer (DVD)
(leichte Spoiler)

In diesem Gilliam geht es um den ehemaligen Radiomoderator Jack (Jeff Bridges) und den Obdachlosen Parry (Robin Williams), deren Leben auf ihnen zuerst unbekannte Weise miteinander verwoben sind. Jack ist ein egozentrischer Widerling, der sich von einer Freundin aushalten lässt, seit er seinen Job beim Radio verloren hat. Eines Tages trifft er auf der obdachlosen Parry, der ihm aus einer brenzligen Lage hilft und Jack in seine verquere Welt lässt und ihn bald als Freund betrachtet. Jack dagegen hält Parry anfangs lediglich für einen irren alten Kauz und will ihn so schnell wie möglich wieder los werden. Doch Parry besteht darauf, dass Jack ihm auf der Suche nach dem Heiligen Gral hilft, da er meint, dass er ihn nur mit Jacks Hilfe erlangen kann.
Natürlich ist die Suche mach dem Gral symbolisch gemeint und muss für Parry und Jack anders gedeutet werden. Parry ist auf der Suche nach dem Gral um die Gnade Gottes zu erlangen, was eigentlich für ihn bedeutet, endlich den Tod seiner Frau vergessen zu können bzw. nicht mehr von den Erinnerungen an ihren Tod heimgesucht zu werden.
In diesem Zusammenhang ist die Figur des roten Ritters auch von großer Bedeutung, der im Film immer wieder auftaucht und Parry heimsucht. Dabei vermischt Gilliam, wie es für ihn üblich ist, die Ebene der Realität mit der des Traums/der Halluzination, wobei hier die Grenzen nicht so sehr verwischen wie in den meisten seiner anderen Filme. Dieser Ritter treibt Parry buchstäblich in den Wahnsinn und hält ihn davon ab zu vergessen, was vorgefallen ist. Dabei ist der Ritter wohl der personifizierte Tod seiner Frau, eine Bildmetapher, was man aus dem Aussehen des Ritters schleißen kann. Er trägt nämlich ein sehr zerfranstes, rotes Gewand, das zu allen Seiten absteht. Damit gleicht er dem zerfetzten Hirn von Parrys Frau, das an der Wand des Restaurants klebte, in dem sie erschossen wurde. Noch bevor man allerdings den Ritter das erste Mal sieht oder um die tragische Geschichte Parrys weiß, sieht man in seinem Unterschlupf schon ein abstraktes Bild, das lediglich wie ein roter Farbklecks aussieht (vermischt mit grau-schwarz Tönen) der in alle Richtungen spritzt. Erst später wird einem klar, was Parry da gemalt haben könnte.
Sowieso sollte man, wie eigentlich bei allen Gilliam-Filmen, mal darauf achten, was im Hintergrund zu sehen ist. Zum Beispiel hängt in der Videothek, in der Jack nun notgedrungen arbeitet, ein Plakat von Brazil", einem anderen Film Gilliams. Zudem finden sich in Parrys Unterschlupf die altbekannten, symbolischen Rohre, die Gilliam in jedem seiner Filme unterbringt, was in diesem Fall viel über Parrys Psyche aussagt, z.B. dass er eben mit einer schrecklichen Erinnerung leben muss die er nicht verdrängen kann, nicht einfach das Klo runterspülen, wie andere Menschen all das Zeug, welches sie nicht mehr sehen wollen. Durch die Rohre in seiner Behausung bleibt es für ihn immer gegenwärtig.
Es geht sowohl für Parry als auch für Jack um die Suche nach sich selbst. In diesem Zusammenhang ist vor allem die Pinocchio-Figur, die Parry mit sich herumträgt, symbolträchtig. Wobei es im Falle von Jack eher um die Suche nach Menschlichkeit geht, die von Jacks Gefühlskälte und Egoismus überlagert wird und alles Gute in ihm begräbt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir Jack in einer der ersten Szenen in seinem Aufnahmeraum von oben gefilmt sehen. Der Raum ist dunkel (vielleicht so wie seine Seele), und die Schatten die das wenige Licht wirft, gleichen Gitterstäben, die Jacks Gefangenheit deutlich machen.
Möchte man den Film in seiner Gänze verstehen und deuten, so sollte man sich vorher möglicherweise mit der Gralsgeschichte um den Ritter Percival vertraut machen, da natürlich der Plot darauf aufbaut und es sehr viele Verweise auf die Sage gibt, die ich hier nicht weiter ausführen möchte (aber man beachte allein schon die Ähnlichkeit der Namen Parry - Percival).
Aber auch ohne den Hintergrund dieser Geschichte lässt sich der Film in seinen Grundaussagen verstehen und genießen. Man wird, wie bei Gilliam wohl immer der Fall, nicht müde zuzuschauen und zu beobachten, womit der Film sich nahtlos in die anderen Werke Gilliams einreiht, auch wenn er bei weitem nicht so abstrakt und surreal ist wie beispielsweise Brazil". Damit könnte er nicht nur für Gilliam-Fans eine gute Wahl sein, sondern auch für den gemeinen" Filmliebhaber, der sich eben nicht vom Film oder Regisseur verkohlt" vorkommen möchte, aufgrund der Undurchsichtigkeit der Realitätsebenen, die es bei Gilliam sonst so häufig gibt.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 22, 2012 7:49 PM MEST


Mary & Max - oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?
Mary & Max - oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?
DVD ~ OmU-Fassung: Toni Collette
Preis: EUR 6,15

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Freundschaft in Worten, 18. Oktober 2011
Mary ist ein kleines Mädchen in Australien, das von seinen Eltern vernachlässigt wird und keine Freunde hat. Ihr Leben ist trist, alles nur braun in braun, denn ihre Welt hat immer einen Sepia-Stich. Dabei ist es dann auch kaum verwunderlich, dass ihre Lieblingsfarbe braun ist.
Max ist ein Mann in den 50ern, der in New York wohnt und es schwierig findet die Welt zu verstehen. Daher bevorzugt er es lieber in seiner kleinen Wohnung zu sitzen. Auch er hat keine Freunde, gerade mal eine verschrobene Nachbarin und seinen Goldfisch.
Das Leben beider verändert sich jedoch, als Mary aus Neugierde einer zufällig ausgewählten Person einen Brief schreibt um Freundschaft zu schließen. Und diese Person ist eben Max, der erst mit sich hadert, dem kleinen Mädchen mit den vielen Fragen jedoch letztendlich zurück schreibt. Dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Allerdings bleibt sie nicht ohne Rückschläge, denn während ihrer Freundschaft zerstreiten sich Mary und Max auch einige Male, was vor allem damit zu tun hat, dass Max am Asperger-Syndrom leidet" und Mary einige Male Dinge schreibt, die ihn überfordern oder ihn auch verärgern.
Es gab schon viele Filme über Freundschaften, vor allem auch Freundschaften, die trotz der großen Entfernung stärker sind als normale. Unter all diesen Filmen ist Mary and Max" jedoch etwas ganz besonderes. Das liegt jedoch nur zu einem geringen Maße daran, dass wir es mit Mary und Max zwei sehr ungewöhnliche Typen haben, sondern viel mehr am ganzen Stil des Films.
Weder mit Wallace und Gromit" noch mit denen Tim Burtons Knettechnik kann dieser Film jedoch verglichen werden. Er ist etwas völlig eigenes und auch der Humor ist ein ganz anderer. Er ist trocken und pechschwarz, sehr zynisch, sodass einige das womöglich gar nicht mehr als Humor bezeichnen würden. Das passt auch sehr gut zur eigentlich sehr traurigen Grundstimmung des Films.
Der Film spielt damit, dass er als visuelles Medium bestimmte Dinge nicht ausdrücken kann ohne surreal zu wirken oder aus der Erzählwelt auszubrechen. Beispielsweise werden Denkblasen verwendet um, oh Wunder, einen Denkprozess deutlich zu machen, und wenn einer der beiden eine Idee hat erscheint neben dem Kopf eine Glühbirne. Damit wirkt der Film oft auch wie ein Cartoon und vermischt so verschiedene Stile mit einander.
Detailverliebtheit ist ein weiterer großer Pluspunkt bei diesem Film, in Bezug auf die Figuren, aber auch in Bezug auf Details im Hintergrund, sprich Requisiten". Max erzählt zum Beispiel einmal, dass er über eine Reihe von Büchern zum Entschluss kam Atheist zu werden. Während wir ihn erzählen hören wandert die Kamera von unten nach oben über eine Reihe von Buchrücken, unter denen sich auch die Bibel befindet.
Neben den Details spielt Symbolik eine entscheidende Rolle. So auch die nur sehr selten gesetzten Farbakzente, wie ein roter Puschel,den Max von Mary geschenkt bekommt und fortan auf seiner Kippa trägt. Dies zeigt deutlich auf, dass Mary endlich Farbe und Freude in sein Leben bringt. Das einzige, was sonst in seiner Welt noch rot ist, ist seine Zunge (und ich glaube auch die der anderen Figuren). Ich kann mir nicht vorstellen, dass das zufällig ist, habe dafür jedoch auch keine zufriedenstellende Erklärung, außer vielleicht die, das eben durch die Zunge Worte geformt werden und Worte in diesem Film eine überaus wichtige Bedeutung haben.
Was diesen Film aber für mich vor allem besonders macht, ist die interessante und ungewöhnliche Art der Erzählung. Es gibt einen sehr dominanten Erzähler, der uns über den gesamten Film begleitet. Wenn er nicht spricht, so werden die Briefe verbalisiert. Interessant ist dabei, dass der Erzähler eher die Bilder untermalt, während die gelesenen Briefe eher von den Bildern gestützt und verdeutlicht werden. Auch die Art des Schreibens von Max und Mary unterscheiden sich grundlegend. Mary, da zu Anfang erst acht, schreibt sehr kindlich und beschreibt Dinge so, wie ein Kind sie versteht. Die Alkoholkrankheit ihrer Mutter wird erst durch die Bilder eindeutig, nicht jedoch durch ihre Worte. Ihre Briefe sind anfangs auch voller Schreibfehler, was die Detailverliebtheit ein weiteres Mal deutlich macht. Max dagegen schreibt sehr trocken und hört sich oftmals eher an wie eine Enzyklopädie. Dialoge gibt es in diesem Film kaum, es sei denn man wollte den Briefwechsel als Dialog betrachten. Trotzdem spürt man förmlich, so finde ich, diese sich steigernde Intensität zwischen den Charakteren und man beobachtet gespannt, wie sich die Beziehung über mindestens ein Jahrzehnt entwickelt und wie auch die Charaktere sich weiterentwickeln und verändern.
Die Mischung aus der feinen, einfühlsamen Charakterzeichnung und der außergewöhnlichen filmischen Darstellung ist es, was den Film nicht langweilig werden lässt und ihn zu etwas außergewöhnlichem macht. Man weiß auch bis zum Schluss nicht, wie es denn nun enden wird, weil es immer wieder Situationen gibt, in denen die Figuren vor Entscheidungen stehen, die den weiteren Verlauf beeinflussen.
Und so erzählt der Film Mary und Max" die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft mit ungewöhnlichen Mitteln.


Rango
Rango
DVD ~ Gore Verbinski
Wird angeboten von GMFT
Preis: EUR 5,79

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das ist Fledermausland!, 8. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Rango (DVD)
Die Credits, der Film wird sogleich beginnen, der Titel drängt sich ins Bild: "Rango". Vorm Logo vier Vögel mit Sombreros und Instrumenten, die uns berichten vom kommenden Tod Rangos, der Hauptfigur, die wir noch gar nicht kennen. Diese Vögel werden im Verlauf der Story immer wieder auftauchen und uns daran erinnern, dass Rango ja noch sterben wird.
Dann der erste Kontakt mit dem Helden dieser Geschichte, wie er den Helden eines von sich selbst ausgedachten Theaterstücks spielt, zusammen mit seinen "Freunden", einer toten Fliege nämlich, einem Plastikfisch zum Aufziehen und einer halben Barbie-Puppe. Schlaksig und in Hawaiihemd tritt uns Rango entgegen und wirkt so kein bisschen wie ein zukünftiger Held, sondern eher wie ein Möchtegern-Schauspieler. Schon bald wird einem auffallen, dass Rango keine eigene Persönlichkeit besitzt, sondern sich in seine Rollen flüchtet. Dementsprechend ist Rango auch ein Chamäleon, was symbolisch für seine fehlende Persönlichkeit steht und das sich ständige Verstellen. So geht es in diesem Film unter anderem um die Reise Rangos zu sich selbst.
Denn kurz nachdem Rango vorgestellt wurde, zersplittert seine kleine Welt auch schon, denn mitten auf einem Highway mitten in der Wüste bauen seine menschlichen Besitzer einen Unfall und sein Terrarium sowie eine Menge anderes Zeugs fliegt aus dem Auto und das Terrarium zerbricht und Rango findet sich im Nirgendwo wieder.
Auf dem Highway begegnet er dann einem überfahrenen Gürteltier, das ihn anweist, in die Stadt "Dirt" zu gehen. Auf dem Weg dorthin trifft Rango dann Beans, ein Echsen-Weibchen, das auch in der Stadt wohnt und zu dem er sich hingezogen fühlt. In der Stadt angekommen gibt er sich, ganz seiner Natur entsprechend, als jemand aus, der er nicht ist und macht sich zu einem Revolverhelden und Drifter. Die meisten Bewohner, die aussehen wie im wilden Westen, zeigen sich beeindruckt und nehmen ihn langsam in ihre Gemeinschaft auf. Bald muss Rango aber feststellen, dass Dirt, die aussieht wie eine typische Stadt aus den alten Westernfilmen, so seine Probleme hat, nämlich geht ihnen das Wasser aus und ihre Quelle scheint versiegt. Und irgendwie scheint der Bürgermeister in die ganze Sache verwickelt zu sein. Dann werden auch noch die letzten Reserven gestohlen und Rango soll die Diebe schnappen. Dabei beginnt Rango auch dem generellen Verschwinden des Wassers auf den Grund zu gehen, was dem Bürgermeister nicht gefällt. Der Bürgermeister ist übrigens eine Schildkröte, die im Rollstuhl sitzt (da musste ich ungewollt an den großen Mr. Lebowski denken, wobei diese beiden Figuren nur tendenzielle Gemeinsamkeiten haben und wahrscheinlich auch nicht als Anspielung gedacht war). Hier wird die Tiermetapher beispielsweise umgekehrt, denn eigentlich steht eine Schildkröte ja für Weisheit und alte Werte, steht somit eigentlich immer auf der guten Seite. Hier ist die Schildkröte jedoch der Inbegriff kapitalistischen Gedankenguts mit dem Wunsch nach Fortschritt, ohne Rücksicht auf Verluste.
Gore Verbinski gelingt mit Rango" ein wunderbarer Animationsfilm, in dem die Entwicklung Rangos vom hohlen Schauspieler zum echten Helden nachgezeichnet wird. Rango wird dabei hervorragend von Johnny Depp synchronisiert (jedenfalls im Original). Diese Zusammenarbeit der beiden übersteigt meiner Meinung nach "Fluch der Karibik" um einiges, denn Rango ist voll von Symbolik und Detailverliebtheit. Der Humor jedoch ist dem von "Fluch der Karibik" sehr ähnlich (wobei der Humor bei Rango nicht im Vordergrund steht). Wer also Spaß an dem Film hatte (also vor allem dem ersten Teil), der sollte "Rango" schon deswegen mögen. Doch "Rango" bietet eben noch viel mehr.
So kann man beispielsweise den Wassermangel auf zweierlei Weise deuten, finde ich. Zum einen könnte es ein Verweis auf die fortschreitende Zerstörung der Natur und die Verschwendung natürlicher Ressourcen sein, der uns dazu auffordert vorsichtiger mit der Erde und den Gütern, die sie uns bietet, umzugehen. Zum anderen könnte es auch ein Seitenhieb auf die Wirtschaftskrise sein, denn das wenig Wasser wird in der Bank aufbewahrt, sodass es auch mit Geld gleichgesetzt werden könnte. Es werden also auf humorvolle Art ernsthafte Themen angeschnitten.
Aber auch an anderer Stelle, auf einem weniger abstrakten Level kann der Film mit Symbolik auftrumpfen. So ist das überfahrene Gürteltier, das Rango den Weg weist, auf der Suche nach dem Geist des Westens. Wobei ich finde, dass das Gürteltier in gewisser Weise selbst schon der Geist des Westens. Als wir es zum ersten Mal treffen ist es alt und überfahren, ist also angeschlagen. Trotzdem gibt es nicht auf und versucht auf die andere Seite der Straße zu kommen und ist weise. So steht es also um den Geist des Westens, als Rango ihm zum ersten Mal begegnet, und dass Rango ihm beim Umdrehen hilft, damit es seinen Weg weiter gehen, kann ist wie eine Vordeutung.
"Rango" ist eigentlich eine Mischung aus Road Movie, Krimi und vor allem eben Western. Neben der Handlung, die eben klassische Motive dieser Genres aufgreift, finden sich auch viele Hommagen an andere Filme, welche offensichtlich Einfluss auf "Rango" hatten. So ist wohl einer der deutlichsten Verweise zu "Fear and Loathing in Las Vegas". Zum einen fliegt Rango zu Anfang des Films gegen die Fensterscheibe des Cabrios, das auch von Raoul Drake gesteuert wird. Zudem werden im Film auch noch Fledermäuse auftauchen, denn immerhin handelt es sich ja auch um Fledermausland, wenn man Drake glauben darf.
Dann gibt es viele, viele Andeutungen zu Western. Allerdings habe ich nur einige eindeutige erkannt, denn mit Western kenne ich mich nicht so aus. Aber beispielsweise ist Rattlesnake (eine riesige Klapperschlange mit einem Revolverlauf als Schwanzende), einer der Gegner mit denen sich Rango noch auseinander setzen werden muss, eindeutig Lee Van Cleefs Charakter in "The Good, the Bad and the Ugly" nachempfunden, was unschwer an diesem dünnen Bart und dem Hut zu erkennen ist. Und später begegnet uns dann Clint Eastwood als Geist des Westens.
Aber auch Verweise zu Verbinskis eigenen Filmen scheinen sich zu finden. So erinnert diese weiße Wüstenlandschaft in die man Rango zu einem Zeitpunkt des Films bringt und in der nichts weiter ist als ein Bootswrack, sehr an den Ort, an dem sich Jack Sparrow im 3. Teil mit hunderten von Duplikaten eine Zeit lang aufhält. Und der Anführer der Wasserdiebe erinnert mich irgendwie an Barbossa.
"Rango" ist somit ein unterhaltsamer und intelligenter Film, der das mehrmalige Schauen durchaus Wert ist und der vor allem einem erwachsenen Publikum gefallen dürfte, aber meiner Meinung nach auch für Kinder (vielleicht ab 8 oder 9) geeignet ist. Dabei kann man auch einen großen Spaß an diesem Film haben ohne jede Hommage zu verstehen, wobei es den Genuss des Films sicher noch steigert, wenn man dazu in der Lage ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 17, 2011 1:56 PM MEST


Alles koscher!
Alles koscher!
DVD ~ Omid Djalili
Preis: EUR 7,20

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es könnte alles so einfach sein, 7. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Alles koscher! (DVD)
(reine Film-Rezension)

Mahmut, die Hauptfigur des Films, trinkt gerne mal ein Bierchen, schön gemütlich vor seinem Fernseher, ein Fußball-Shirt tragend, und guckt sich alte Videoclips von seinem Lieblings- Popsänger an. Er ist glücklich verheiratet und hat drei Kinder und wenn er sich ins Bett legt, dann schaltet er seine Lampe im Fußballdesign aus und ist zufrieden. Sein Leben läuft gut, bis er eines Tages erfährt, dass er adoptiert wurde. Nun ist dies allerdings nicht die Tatsache, die ihn schockiert, sondern dass er offenbar ursprünglich Jude ist. Pakistani Mahmut ist bis dahin überzeugt gewesen, Moslem zu sein, zwar nicht wirklich gläubig, aber trotzdem stolz darauf. Doch mit dieser neuen Erkenntnis stürzt er in eine tiefe Krise und muss sich die Frage stellen, wer er eigentlich ist.
Das ist ja so schon schlimm genug, doch es würde sich wohl kaum um eine Komödie handeln, wenn es nicht noch dicker käme. Mahmut erfährt sehr bald, wer sein Vater ist und versucht den Mann zu kontaktieren, dabei steht ihm allerdings ein Rabbi im Weg, der ihn auffordert erst ein wenig jüdischer zu werden, weil der alte Mann, der schwer krank ist, beim Anblick eines moslemischen Sohnes womöglich noch schneller das Zeitliche segnen könnte. Also muss Mahmut sich jüdischer machen und bittet dabei den einzigen Juden um Hilfe, den er kennt, nämlich Lenny, den er zufällig beim gegenseitigen Anpöbeln kennengelernt hat. Doch setzt Mahmut sich nicht allein mit seiner jüdischen Herkunft auseinander, sondern muss gleichzeitig den perfekten Moslem mimen. Sein Sohn möchte nämlich heiraten, doch der Stiefvater seiner Zukünftigen ist ein Fundamentalist, der auch öffentlich auftritt, und den gilt es zu überzeugen, damit der Ehe zugestimmt wird.
Das ist im groben die Story und was sich daraus entspinnt, ist eine aberwitzige, manchmal stumpfe, manchmal bissige britische Komödie, die einen Kinobesuch oder den DVD-Kauf auf jeden Fall lohnt.
Es werden natürlich sehr viele Klischees bezüglich Juden und Moslems aufgegriffen und verwurstet. Dabei wird vieles oftmals überspitzt dargestellt. So sehen wir, wie Lenny versucht Mahmut beizubringen Oi" richtig zu betonen und dabei die passende Geste zu machen oder wie er Mahmut Bücher über Krankheiten und deren Symptome gibt, damit dieser sich besser in die Psyche der Juden hineinversetzten kann. Aber es bleibt alles im Rahmen, wenngleich im Film selber oft darüber diskutiert wird, ob es sich bei bestimmten Aussagen um rassistische handelt oder diese einfach der Realität entsprechen. Dabei sind alle Glaubensgruppen übrigens gleich rassistisch veranlagt.
Der Film spricht natürlich ein sehr aktuelles Thema an, nämlich die Auseinandersetzungen zwischen Israeliten und Palästinensern. Er bricht ein Tabu-Thema, vor allem weil er diese Konflikte zwischen Juden und Moslems in einer Komödie verarbeitet. Der Film wird dabei allerdings nicht von dieser Thematik überschattet, sondern schafft es auf einer allgemeineren Ebene lustig zu sein. Natürlich wird diese Thematik im Film auch von den beiden Hauptfiguren Mahmut und Lenny aufgegriffen, da beide ihrer Glaubensrichtung entsprechend Stellung beziehen, doch vermeidet es der Film hierbei selbst Stellung zu beziehen und lässt den Streit, der daraus entbrennt ins Leere laufen, ohne Gewinner (was natürlich auch als klare Aussage gedeutet werden kann).
Immer wieder wird im Film auch deutlich gemacht, dass es zwischen Juden und Moslems kaum Unterschiede, sondern mehr Gemeinsamkeiten gibt und sei es nur, dass sowohl Juden als auch Moslems in diesem Film dazu neigen Gänsefüßchen zu machen.
Die Grundaussage des Films, so würde ich sagen, soll demnach sein, dass man sich einander annähern sollte, denn eigentlich könnte doch alles so einfach sein, wenn man einfach mal über den eigenen Schatten springen und den anderen tolerieren könnte.
Dabei verliert der Film aber nicht seine Hauptfigur aus den Augen. Sehr deutlich wird gezeigt, dass Mahmut nach dieser Hiobsbotschaft zwischen den Stühlen steht und nicht mehr sicher ist, wer er ist. Das wird sehr schön deutlich gemacht, zum Beispiel als er traurig und verstört auf der Straße umherirrt und sich dann am Straßenrand nieder lässt, genau zwischen zwei Geschäften, zum einen ein Dönerladen und zum anderen ein Laden, der vermutlich von Juden betrieben wird (ganz sicher bin ich mir da nicht, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, warum sie es sonst so hätten inszenieren sollen). Da zeigt sehr deutlich, dass er weder zum einen noch zum andern zu gehören scheint, denn er sitzt vor der Tür, geht nicht hinein. Seine Welt ist total aus den Fugen geraten und auch das wird symbolisch unterstützt. Denn nur kurz nachdem er von seiner wahren Identität erfahren hat, sieht er ein Video von seinem Lieblings-Star, der jedoch zum Ende des Clips hin einen seiner Kollegen als dummen Paki" beschimpft. Und als der Haussegen dann auch noch schief hängt, fallen plötzlich Bilder von der Wand.
Dominiert wird die fortschreitende Handlung jedoch vor allem vom witzigen Moment, das fast jeder Szene inne wohnt. Da bleiben dann auch Seitenhiebe auf Hanif Kureishi nicht aus, oder dass der hippe junge Imam die Tatsache, dass dieser Hassprediger der Schwiegervater Mahmuts Sohns werden könnte mit Das ist fubar" kommentiert.
Alles koscher" ist eine sehr ansprechende und unterhaltsame Komödie, die einigen angesichts des doch sehr heiklen Themas vielleicht zu albern daher kommen mag, anderen dagegen zu wenig satirisch. Möglicherweise ist der Film doch etwas blauäugig und die Lösung, die er anbietet zu einfach und realitätsfern. Wie sich am Ende alles auflöst ist dann doch sehr unwahrscheinlich und einigen ganz zufälligen Zufällen geschuldet, aber damit wird man rechnen können, wenn man sich die Grundstimmung des Films ansieht. Ich für meinen Teil habe mich für einen Abend recht gut unterhalten gefühlt, wenngleich ich mir ab und an doch ein paar mehr bissige, provozierende Kommentare gewünscht hätte. Der Film bleibt dann doch noch recht brav und geht fast schon in die Richtung: ein Spaß für die ganze Familie. Trotzdem möchte ich ihn gerne weiterempfehlen, denn unterhaltsam ist er alle Mal.


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