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Rezensionen verfasst von
Frank Manuel Schimmel "manuel_schimmel" (Dortmund)
(REAL NAME)   

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Klavierkonzerte 3/2
Klavierkonzerte 3/2
Preis: EUR 19,98

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überwältigend!, 22. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Klavierkonzerte 3/2 (Audio CD)
Yuja Wang veröffentlicht mit dieser CD ihr fünftes Album, das den Erwartungen nach den vier vorangegangenen mehr als gerecht wird. Die beiden Klavierkonzerte dieses Livemitschnittes sind nicht eben durch die Tatsache bekannt, daß sie einfach zu spielen wären, ganz im Gegenteil!
Das bekanntere der beiden Werke dürfte sicherlich das 3. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow sein. Der Komponist nannte es selbst ein "Konzert für Elefanten", in Anspielung auf den kräftezehrenden Solopart, der nicht nur mit technischen Höchstschwierigkeiten gespickt ist, der außerdem bei der ungewöhnlichen Länge des Konzertes (rund eine Dreiviertelstunde!) dem Solisten so gut wie keine Pausen läßt.
Yuja Wang, sicherlich einer der funkelnsten Sterne am Pianistenfirmament, meistert dieses Werk scheinbar mühelos, im Gegensatz zu ihrem Landsmann Lang Lang ist sie in der Lage, mit äußerster Hingabe und feinstem musikalischen Ausdruck zu spielen. Selbst eine bekennende Verehrerin des großen Wladimir Horowitz, wählt Yuja Wang im ersten Satz nicht etwa die spektakuläre "große" Kadenz, sondern wie Horowitz (und übrigens Rachmaninow selbst) die "kleine", die Nebenstimmen arbeitet sie ebenso sorgfältig heraus wie der große Ukrainer.
Das Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela unter Gustavo Dudamel begleitet beide Werke kongenial, Dudamel achtet sorgfältig darauf, die Solistin nicht "zuzudecken", gleichwohl gestattet er dem Orchester im Tutti die nötige Kraftentfaltung.

Das 2. Klavierkonzert von Sergej Prokoffiew, leider nicht so bekannt wie das dritte, ist ebenfalls ein unverschämt schweres Werk, nach meinem Dafürhalten eine der faszinierendsten Kompositionen des Autors. Wilde Motorik, klangliche Rauheiten und äußerste Kraftentladungen stehen hier im Kontrast zueinander.
Der erste Satz enthält eine extrem schwere Kadenz, die größtenteils auf drei Systemen notiert ist und zeitlich rund ein Drittel des Satzes einnimmt.
Überhaupt ist dieses Konzert eine der kühnsten Kompositionen von Prokoffiew, Yuja Wang hat offensichtlich (oder besser: unüberhörbar) großen Spaß an der Aufführung dieses Werkes. Auch hier versteht sie es auf überaus überzeugende Weise, technisch schwierigste Passagen mühelos zu bewältigen, wie sie ebenfalls in der Lage ist, lyrische Stellen mit zutiefst empfundenen Ausdruck zu spielen.
Ich selbst bin äußerst beeindruckt von dieser jungen Ausnahmekünstlerin, unlängst habe ich eines ihrer Konzerte besucht, eines der wenigen Male, daß ich ein Konzert wegen eines bestimmten Künstlers gehört habe.
Yuja Wang hat mir mit dieser CD einen heimlichen Wunsch erfüllt, eben genau mit diesen beiden Werken.
Unbedingte Kaufempfehlung!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 22, 2013 10:38 PM CET


Amy Winehouse - I Told You I Was Trouble
Amy Winehouse - I Told You I Was Trouble
DVD ~ Amy Winehouse
Preis: EUR 12,56

44 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Live-Mitschnitt von 2007, 25. Dezember 2007
Ich habe erst vor kurzem die Sängerin Amy Winehouse erstmalig gehört und war auf der Stelle hin und weg. Was für eine Stimme, dazu diese außergewöhnliche Musik jenseits jedes Mainstreamgedudels!
Ich war anderntags sofort im Laden und habe mir ihre zwei bisher veröffentlichten Alben zugelegt; und als kurze Zeit später diese DVD herauskam, mußte ich mir diese ebenfalls sofort kaufen.
Der Mitschnitt des Konzertes im Londoner "Shepherd's Bush Empire" im Jahr 2007 ist leider etwas kurz ausgefallen, Amy hat einen Auftritt von ungefähr 55 Minuten Länge hingelegt, aber DER hat es wirklich in sich. Sie singt einige Lieder ihrer beiden Alben "Frank" und "Back To Black", wobei das letztgenannte mittlerweile jedem geläufig sein dürfte.
Hier zeigt sich überdeutlich, daß Amy Winehouse völlig zu recht als ein wirklich außergewöhnliches Talent gehandelt wird. Sie singt ihre Songs nicht exakt so wie auf CD, sie versucht es auch nicht, vielmehr variiert sie ihre eigenen Lieder ein klein wenig mit einer Souveränität, an die, so glaube ich zumindest, keine andere Sängerin ihres Alters auch nur annäherungsweise heranzureichen vermag.
Zwischen den Songs wird erstmal die Kehle befeuchtet (der Klügere kippt nach!) und dann gehts weiter.
Nein, um Mißverständnissen vorzubeugen, sie haut sich nicht den Schädel weg, sie bleibt souverän bis zum leider viel zu frühen Schluß.
Außer den hinlänglich bekannten Songs wie "Rehab", "Back To Black", "Love Is A Losing Game" usw. gibt es auch einige, die auf ihren Alben nicht zu finden sind: "He Can Only Hold Her", "Valerie", "Hey Little Rich Girl" und "Monkey Man".
Ein sehr umfangreiches Bonusmaterial, in dem man den Werdegang Amys erzählt bekommt, teilweise erzählt von ihrem Vater, der als Taxifahrer in London arbeitet, hier den Zuschauer auf eine Taxirundfahrt einlädt und dabei über seine Tochter spricht, unterlegt mit vielen Photos und Videos, rundet diese DVD ab und macht sie unbedingt sehenswert.


40 Voices
40 Voices
Preis: EUR 20,71

18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 9 Meisterweke der Renaissance, 22. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: 40 Voices (Audio CD)
Diese überaus schöne CD stellt dem Hörer neun hochartifizielle a-capella-Chorwerke vor, die allesamt einer Zeit entstammen (Mitte des 15. Jahrhunderts), als sich die Kirchenmusik auf ihrem kompositionstechnischen Höhepunkt befand.
Ihren Titel "40 Voices" verdankt die CD zwei Aufnahmen, zum ersten der Motette "Ecce beatam lucem" à 40 von Alessandro Striggio, zum zweiten der ebenfalls 40-stimmigen berühmten Motette "Spem in alium" von Thomas Tallis.
Einen weiteren Höhepunkt stellt das "Nomen mortis infame" von Willem Ceuleers dar, nicht umsonst waren es die Niederländische und die Franko-Flämische Schule, die den Kontrapunkt in der Kirchenmusik derart kunstvoll zu behandeln wußten, daß es schließlich in den Jahren 1545 - 1563 während des Konzils von Trient fraglich wurde, ob die Musik aus der Kirche wegen ihrer mangelnden Textverständlichkeit hinfort verbannt werden sollte.
Der Rest ist Geschichte, der große Palestrina komponierte die "Missa Papae Marcelli" und sicherte somit den Fortbestand der Kirchenmusik für die nachfolgenden Jahrhunderte.
Zurück zur vorliegenden Aufnahme:
Wir finden hier sowohl Stücke kontemplativen als auch ekstatischen (bewegten) Charakters, wobei die 40-stimmige Motette "Spem in alium" von Thomas Tallis sicherlich den Höhepunkt darstellt. Das Stück ist für 8 Chöre à 5 Stimmen geschrieben, wenngleich alle 40 Stimmen nicht ständig erklingen, hören wir hier eine (weit über 400 Jahre alte) Komposition, die in ihrer Kunstfertigkeit kaum zu übertreffen ist.
Ich selbst, der ich Komposition studiert habe, stehe in fassungsloser Ehrfurcht vor dieser Musik (und ich weiß, wie Kontrapunkt geschrieben wird!), und kann nur eines sagen:
Es gibt einige wenige Stücke, die vom Himmel gefallen zu sein scheinen, dazu gehören das "Ave verum" von Mozart, der letzte Satz des Quartetts "Auf das Ende der Zeit" von Messiaen und einige ganz wenige weitere.
Das "Spem in alium" von Thomas Tallis gehört dazu, die Musik scheint unendlich dahinzufließen, bis dann irgendwann der Schlußakkord erklingt und wir aus dem mittleren 16. Jahrhundert geradewegs wieder in die Jetztzeit zurückgeworfen werden.


The Cell - Director's Cut [2 DVDs]
The Cell - Director's Cut [2 DVDs]
DVD ~ Jennifer Lopez
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 14,99

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Matrix" trifft "Das Schweigen der Lämmer", 12. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: The Cell - Director's Cut [2 DVDs] (DVD)
Der Serienmörder Carl Stargher (Vincent D'Onofrio) beschäftigt das FBI seit geraumer Zeit durch die Ermordung junger Frauen, die er zunächst gefangen hält, um sie einige Zeit später zu ertränken. Als den Beamten eines Tages die Gefangennahme des Serienmörders gelingt, fällt dieser ins Koma. Eines seiner Opfer ist jedoch mutmaßlich noch am Leben, und so wendet sich das FBI an die junge Psychologin Catherine Deane (Jennifer Lopez), die mit autistischen Kindern arbeitet, um den Aufenthaltsort der Frau zu erfahren. Die Idee: Catherine soll mittels einer Apparatur, die es ermöglicht in die Gedankenwelt eines Patienten einzutauchen, Kontakt mit Stargher aufnehmen, um ihm die nötigen Informationen zu entlocken. Der FBI-Agent Peter Novak (Vince Vaughn) soll ihr dabei zur Seite stehen. So beginnt ein albtraumhafter Trip in die bizarre Seele eines psychopathischen Killers, in dem sich allmählich die Grenzen zwischen Realität und geistiger Welt (lebens)gefährlich aufzulösen beginnen...

Dieser Film aus dem Jahr 2000 fesselt den Zuschauer von Anfang an durch eine sprichwörtlich mörderische Spannung, die dem "Schweigen der Lämmer" vergleichbar ist. Zudem bedient sich der Regisseur Tarsem Singh einer Bildsprache, die von überwältigender Wucht ist und in ihrem fast surrealen Ausdruck mitunter an die Bilder des katalanischen Malers Salvador Dalí erinnert, so daß dieser Streifen zu den visuell umwerfendsten gehört, die ich jemals gesehen habe.
Überaus umfangreiches Bonusmaterial auf der Extra-DVD rundet den ohnedies schon positiven Gesamteindruck ab. Als "Dreingabe" befindet sich ebenfalls auf der 2. DVD ein ganz besonders fieser (nein, kein blutiger!) deutscher Kurzfilm.
UNBEDINGT kaufen, UNBEDINGT anschauen, allerdings nur diejenigen, die auch über ein entsprechendes Nervenkostüm verfügen!


Marlon - meine Liebe, mein Leid
Marlon - meine Liebe, mein Leid
von Tarita Teriipaia
  Taschenbuch

18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Lebensgeschichte voller Tiefen, 26. Dezember 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Marlon - meine Liebe, mein Leid (Taschenbuch)
Tarita (eigentlich: Taritatumi) Teriipaia war eben gerade 19 Jahre alt, als sie bei den Dreharbeiten zu "Meuterei auf der Bounty" ihren späteren Mann Marlon Brando kennenlernte.

Ihre Erinnerungen an eine Liebe, die in einzigartiger Weise von Leid geprägt sind, liegen dem Leser hier erstmals vor.

Tarita Teriipaia schildert ihre (nicht immer unbeschwerte) Kindheit als Tochter eines Maori-Fischers und einer Chinesin, die nie ihre Heimatinsel Bora-Bora verlassen hatte bis zu dem Zeitpunkt, als sie glaubte, das Glück wartete auf sie auf Tahiti.

Dort angekommen übte sie mehrere Berufe aus, bis sie zufällig von den Verantwortlichen von MGM als Hauptdarstellerin des obengenannten Films auserkoren wurde.

Damit nahm das Verhängnis seinen Lauf: Der Hauptdarsteller Marlon Brando verliebte sich in sie, sie, die sie anfänglich nichts in ihm sah, geschweige denn etwas für ihn empfand, gab seinem Werben schließlich nach, bis die beiden heirateten und sie ihm in den darauffolgenden Jahren zwei Kinder gebar.

Die folgenden Jahre müssen schrecklich für die junge Maori gewesen sein. Er schlug sie, übte Psychoterror auf sie aus, und als sie es endlich schaffte, sich von ihm zu trennen, gelang es Brando, der sie zu jeder Gelegenheit betrog, alle seine Rivalen in die Flucht zu schlagen.

Als die beiden sich kennenlernten und schon ein Paar waren, sagte sie einmal:"Ich liebe dich." Brando fuhr aus der Haut und schrie sie an: "Das soll keine Frau zu mir sagen!" und so vermied sie 40 Jahre lang diesen Satz.

Kurz vor seinem Tod, die beiden trafen sich wieder regelmäßig, saßen sie zusammen auf seinem Sofa, er hielt ihre Hand, und sagte zum ersten Mal in seinem Leben: "Weißt du, Tarita, ich liebe dich noch immer."

Und sie durchbrach zum ersten Mal seit 40 Jahren ihr Versprechen und antwortete: "Ich liebe dich auch noch immer."

Taritatumi Teriipaia hat dieses Buch, das sie zu Lebzeiten Brandos zu schreiben begann, verfaßt, um selbst zu verstehen, wie sie in eine solche Situation geraten konnte, die ihr so viel Leid und Unglück zufügte.

Sie teilte Marlon Brando ihr Vorhaben mit ein Buch zu schreiben, wider Erwarten lachte er sie nicht aus, wie er es sonst tat, sondern ermutigte sie sogar mit den Worten: "Wenn du meinst, Tarita, schreibe dein Buch. Wenn du willst, helfe ich dir dabei."

Danach, so berichtet sie zumindest, mußte sie lachen...


Sämtliche Gedichte
Sämtliche Gedichte
von Else Lasker-Schüler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die größte deutsche Dichterin, 1. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Else Lasker-Schüler (1869 - 1945) wurde als Kind jüdischer Eltern in Elberfeld geboren. Um die Jahrhundertwende verfasste sie erste Gedichte, ihr erster Gedichtband "Styx" erschien 1902, in dem sich von Anfang an ihr eigener Stil offenbart, welcher seine Herkunft aus der Romantik zwar nicht verleugnet, dennoch deutlich expressionistische Züge trägt.
Ihr lyrisches Schaffen ist von der Auseinandersetzung mit der eigenen jüdischen Identität geprägt, sie entwickelt Welten und Figuren, die einer eigenartigen Mischung aus alttestamentarischer und imaginärer Mythologie zu entstammen scheinen. Weiterhin kreisen ihre Gedichte thematisch um ihre Mutter und um ihren Sohn, den sie 1927 verlor.
Der größte Teil ihres lyrischen Werkes jedoch befaßt sich mit der Liebe, die dauerhaft zu finden ihr zeitlebens versagt blieb. So sind die meisten ihrer Liebesgedichte von einem Ausdruck tiefster Sehnsucht und Trauer geprägt, in den glücklicheren Momenten nimmt ihre Sprache fast kindliche Züge (im positivsten Sinne) an, die den Leser in ihrer Unmittelbarkeit einfach anrühren muß.
Else Lasker-Schülers tiefe Gefühlswelt spiegelt sich in einer Sprache wider, die ihresgleichen sucht; stets auf der Suche nach dem eindringlichsten Ausdruck, bedient sie sich häufig Wortneuschöpfungen wie etwa: "..., Um zu entfliehn Meinwärts!"
Meiner Meinung nach gehört ihre Lyrik, speziell ihre Liebeslyrik, zum Schönsten, was die deutsche Sprache je hervorgebracht hat. Wer Gedichte liebt und Else Lasker-Schüler nicht kennt (was vorzustellen mir aber fast unmöglich erscheint), sollte sich alsbald diesen Band zulegen. Ich selbst nehme mir immer wieder dieses Buch zur Hand und vergesse für eine ganze Zeit alles andere um mich herum!


The Classical Album Vol. 2 (China Girl)
The Classical Album Vol. 2 (China Girl)
Wird angeboten von Musikhaus Müller
Preis: EUR 9,50

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vanessa EINMAL anders, 18. Juli 2006
Ok, als klassisch ausgebildeter Musiker hatte (und habe ich immer noch) nicht unerhebliche Vorbehalte gegenüber Vanessa Mae. Der Erstkauf einer CD von ihr vermag das eher zu bestätigen, ist sie doch eine Geigerin (nicht: Violinistin!), die sich stilistische Unmöglichkeiten wie den übermäßigen Gebrauch von Portamenti erlaubt.
Um es dem der fachterminologischen Sprache unkenntlichen Leser zu erklären:
Portamento (Singular) bedeutet in der Sprache der Musiker das "Ziehen" eines Tones bei Streichern durch Rutschen des Fingers von einem zum anderen Ton. Das ist soweit in Ordnung, wenn es ein-, höchstens zweimal pro Stück angewandt wird (sofern nicht vom Komponisten anders vorgeschrieben).
Vanessa Mae allerdings erhebt dieses Stilmittel zum Programm, wofür sie von mir mindestens schon mal einen Punktabzug bekommt.
An dieser Stelle muß ich mich jetzt outen:
Ich bin ein wahnsinnig großer Eiskunstlauf-Fan. Meine absolute Favoritin der letzten Jahre ist eine japanische Läuferin namens Shizuka Arakawa. Diese Ausnahmesportlerin wurde völlig überraschend im Jahre 2004 Weltmeisterin und 2006 völlig verdient Olympiasiegerin in der Disziplin im Damen-Einzellauf, beide Male auf die Musik der Violin-Fantasie auf Themen von Puccinis "Turandot", die dieser CD entstammt.
So war es für mich also eher eine Pflicht, diese CD zu kaufen, denn eine Kür.
Aber:
Das erste Stück dieser Aufnahme ist die Einspielung eines Ende der 50er Jahre von zwei chinesischen Komponisten (2?, wie kurios!) geschriebenen Violinkonzerts mit dem Beinamen "Butterfly Lovers Violin Concerto", das inhaltlich auf eine uralte chinesische Legende zurückgeht, deren Inhalt ich mir wiederzugeben untersage.
Es mag sein, daß Violinisten eines anderen Schlages dieses Werk anders und besser spielen als Vanessa Mae, aber ich muß konzedieren: Sie macht es wirklich hübsch. Diese Aufnahme hat etwas so zauberhaft-anrührendes an sich, dem selbst mein klassisch ausgebildeter Geschmack sich nicht entziehen kann.
Das zweite Stück dieser CD, die Violin-Fantasie über Themen aus "Turandot", kommt rein äußerlich im Gewande eines Virtuosenstücks des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts daher. Man vermeint FAST die Transkription eines Fritz Kreisler zu vernehmen, aber der erste Eindruck täuscht. Es sind einige wenige Themen der Oper, die verarbeitet sind, Vanessa Mae begeht hier den nahezu unverzeihlichen Fehler, sich als Virtuosin (die sie nicht ist) darstellen zu wollen, der übermäßige Gebrauch von Portamenti (s.o.) trübt das Bild zusätzlich ein. Dennoch ist das ganze Stück größtenteils nett gemacht, wenngleich ich möglicherweise nicht objektiv zu sein in der Lage bin (erwähnte ich bereits Shizuka Arakawa?)
Das letzte Werk der vorliegenden CD ist eine Ouverture mit dem Namen "Happy Valley", geschrieben auf die Wiedereingliederung der bis dato englischen Kolonie Hongkong 1997 ins Reich der Mitte. Dieses kleine Werk, das übrigens tatsächlich an jenem geschichtsträchtigen Tag in Hongkong aufgeführt wurde, bewegt sich irgendwo zwischen "Folk" und "Pop goes Classic". Nachdem ich es einige Male gehört habe, kann ich mich seiner ursprünglichen Frische nicht mehr entziehen, der von einem chinesischen Mädchen(?)chor gesungene Text trägt sein Übriges dazu bei.
Unterm Strich:
Man muß sich auf die gewöhnungsbedürftige Art des Spiels Vanessa Maes einlassen. Wenn man diesen Schritt nicht nur gewagt, sondern auch getan hat, wird einem diese CD langsam aber sicher ans Herz wachsen, und da gehört Musik, egal von wem sie kommt oder gemacht ist, auch schließlich hin!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 28, 2009 11:34 AM CET


Sinfonie 6 / Poeme de l'Extase
Sinfonie 6 / Poeme de l'Extase

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 2 russische Meisterwerke meisterhaft gespielt, 11. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Sinfonie 6 / Poeme de l'Extase (Audio CD)
Die 6. Sinfonie mit dem Beinamen "Pathétique" von Tschaikowsky kenne und liebe ich seit langer Zeit, und so ergab es sich, daß sich im Laufe der Jahre etliche Aufnahmen auf Schallplatte bei mir angesammelt haben. Eher zufällig stieß ich vor einiger Zeit auf diese Aufnahme, die ich eigentlich nur deshalb kaufte, weil ich die Pathétique endlich einmal auf CD besitzen wollte. Als angenehmen Nebeneffekt empfand ich, daß ein weiteres von mir geliebtes Werk, das "Poème de l'extase" von Alexander Skrjabin hier mitveröffentlicht ist.
Zu Hause angekommen, setzte ich mich also aufs Sofa und hörte mir die Sinfonie an. Von den ersten Takten an stellte sich heraus, daß ich mir eine außergewöhnliche, von ausgesuchtem Klangsinn geprägte Interpretation dieses späten Werkes zugelegt hatte. Ich war schlichtweg beglückt!
Als der letzte Satz der Pathétique begann, trieb es mir wahrhaftig die Tränen in die Augen, so hatte ich dieses Stück noch nie gehört! Ricardo Muti dirigiert diese an sich schon so schmerzvolle, von unendlichem Leid zeugende Musik mit einer solchen Hingabe und derart starken Rubati, daß es mir, wann immer ich diese Aufnahme höre, schier das Herz zerreißt.
Dem zweiten Werk, dem vielleicht bekanntesten von Alexander Skrjabin, wohnt ein verborgenes außermusikalisches Programm inne. Der Komponist beschreibt die Sehnsüchte, Träume und Leidenschaften des Menschen, den Kampf auf dem Weg zu ihrer Verwirklichung und schließlich den Triumph über das Schicksal, der sich musikalisch in einer fulminanten klanglichen Entladung ausdrückt.
Das Philadelphia Orchestra, das immer schon von Dirigenten der absoluten Weltspitze geleitet wurde, leistet auch hier Außergewöhnliches.
Wenngleich ich von diesem letztgenannten Werk noch mehr Aufnahmen besitze als von der Tschaikowsky-Sinfonie, bin ich doch ausgesprochen dankbar dafür, daß mich der Zufall auf diese CD aufmerksam gemacht hat.


The Originals - Lulu (Gesamtaufnahme)
The Originals - Lulu (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 28,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die erste Gesamtaufnahme der Lulu, 11. Juli 2006
1979 wurde Bergs zweite Oper "Lulu" erstmals vollständig in Paris uraufgeführt. Dem Komponisten war es nicht mehr möglich, die Partitur fertigzustellen, da eine Blutvergiftung seinem Leben im Jahr 1935 ein jähes Ende setzte. Lediglich den ersten und zweiten Akt konnte Berg fertig der Nachwelt hinterlassen, der dritte Akt existierte zum Zeitpunkt seines Todes nahezu vollständig als Particell. Das bedeutet, die Musik war schon geschrieben, mit zahlreichen Hinweisen zur Instrumentation, aber eben in dieser Form noch nicht aufführbar. Helene Berg, die Witwe des Komponisten trat mit der Bitte um Fertigstellung der Partitur an Arnold Schönberg, Alban Bergs ehemaligen Lehrer, heran, der jedoch ablehnte mit der Begründung, er wolle sich nicht an der Produktion mit einer Prostituierten als Hauptperson beteiligen. Daraufhin erklärte Helene Berg, das Werk dürfe von niemand anderem komplettiert werden, und damit verschwand das umfangreiche Material für Jahrzehnte bis zum Tode Frau Bergs in irgendeiner häuslichen Schublade.
So blieb die Oper, die neben Bergs "Wozzeck" und Zimmermanns "Die Soldaten" einen der ganz großen Meilensteine in der Geschichte der Oper im 20. Jahrhundert darstellt, über vierzig Jahre hinweg ein Torso, dessen Akte 1 - 2 aufgeführt wurden, der 3. Akt mitunter von Schauspielern dargestellt angehängt wurde.
Diesem unbefriedigendem Zustand setzte der österreichische Komponist Friedrich Cerha, ein ausgezeichneter Kenner des bergschen Œuvres, in den späten 1970er Jahren ein Ende, das Werk wurde komplettiert 1979 in Paris unter der Leitung von Pierre Boulez mit Teresa Stratas in der Titelrolle uraufgeführt. Im Anschluß an diese Produktion nahm die Deutsche Grammophon das Werk mit der Originalbesetzung im Studio auf, deren Ergebnis uns hier vorliegt.
Als großer Liebhaber der Musik Alban Bergs darf ich gleich vorwegschicken: Diese Oper gehört in den engsten Kreis meiner Lieblingswerke.
In den Bereich der dramatischen Oper anzusiedeln, gehört die "Lulu" zum ergreifendsten, das ich je gehört habe.
Achtung: Es handelt sich hier keinesfalls um eine romantische oder spätromantische Oper, wer (zu Recht) Puccini liebt und die Musik der klassischen Moderne verabscheut, sollte sich genau überlegen, ob er sich die "Lulu" antun möchte.
Die Musik ist durchweg zwölftönig organisiert, allerdings im gewohnt bergschen Stil, der Komponist scheut, im Gegensatz zu seinem Lehrer Arnold Schönberg, nicht die Verwendung dur-molltonaler Klänge, eben das macht seine Musik auch dem ungeübten Hörer durchaus zugänglich, man muß eben nur willens sein, sich darauf einzulassen.
Wem dies gelingt, dem wird gerade die vorliegende Aufnahme mit einer schier unglaublichen Teresa Stratas, die ihrem wirklich schweren Part Leben verleiht, dreieinhalb Stunden lang alles andere vergessen machen, garantiert!


The Complete Recordings
The Complete Recordings

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein überwältigendes Zeugnis, 16. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: The Complete Recordings (Audio CD)
Sergej Rachmaninow war einer der letzten einer langen Reihe von Musikern, die gleichermaßen als Interpreten und Komponisten gewirkt haben und sich damit gleich in doppelter Hinsicht einen Namen machten. Zeitgenossen wie etwa Gustav Mahler starben zu früh, als daß sie noch in der Lage hätten sein können ihr interpretatorisches Wirken der Nachwelt zu erhalten, oder es sind nur vereinzelte Aufnahmen erhalten (Richard Strauss), die man keinesfalls als repräsentativen Schnitt werten kann.
Einzig Rachmaninow bildet hier eine Ausnahme. Er hat als Pianist eine beachtliche Menge an Aufnahmen hinterlassen, die, nicht zuletzt aufgrund der stilistischen Vielfalt, ein gutes Bild rachmaninowscher Klavierkunst vermitteln.
Vergleicht man seine Aufnahmen mit denen seiner Zeitgenossen, so fällt eines sofort auf: Rachmaninow verweigerte sich der zu seiner Zeit völlig üblichen Weise romantisierender (um nicht zu sagen: manirierter) Auffassung. Er war, und das aus der Sicht heutiger Zeit, mehr als 60 Jahre nach seinem Tod, ein erstaunlich "moderner" Pianist. Die Struktur eines Werkes herauszuarbeiten war ihm oberstes Gebot, die pianistischen Mittel, die ihm dabei zur Verfügung standen, waren phänomenal. Auch wenn die vorliegenden Aufnahmen mehr oder weniger verrauscht sind (immerhin entstanden seine Einspielungen von 1919 bis 1942), so kann man doch erkennen, was damals der große Arthur Rubinstein meinte, als der über Rachmaninow sagte: "Er besaß das Geheimnis des goldenen Tons".
An dieser Stelle sei angemerkt: Die Aufnahmen Rachmaninows sind digital überarbeitet, aber dankenswerterweise nicht zu sehr. Das Rauschen des Originals ist nur insoweit abgemildert worden, daß bei der Überarbeitung der volle Frequenzgang erhalten ist.
Ich persönlich bin überglücklich diese CD-Sammlung zu besitzen und kann sie jedem allerwärmstens ans Herz legen, der wie ich ein Freund der Musik Rachmaninows ist. Ich lehne mich, so glaube ich zumindest, nicht zu weit aus dem sprichwörtlichen Fenster, wenn ich behaupte, daß, wer ihn selbst spielen und dirigieren gehört hat, hernach seine Kompositionen mit ganz anderen Ohren hört. Garantiert!!!


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