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Rezensionen verfasst von
H. Trümpener "Corsicana" (Köln)
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Sonnenberg, Heimflug
Sonnenberg, Heimflug
von Brittani Sonnenberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4.0 von 5 Sternen Nomadenleben modern, 18. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sonnenberg, Heimflug (Gebundene Ausgabe)
Brittani Sonnenberg erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte der Familie Kriegstein, die als "Expats" rund um den Globus ziehen, immer dem jeweiligen Einsatzort des Vaters und Ehemanns hinterher. Eine Art modernes Nomadenleben - bei dem sich die Frage stellt, welche Bedeutung, Heimat, Freunde, Familie und Bindungen an bestimmte Orte haben.

Die Geschichte wird aus wechselnden, teilweise sehr außergewöhnlichen Perspektiven erzählt (so "erzählt" einmal z.B. ein Haus). Es gibt diverse Rückblenden und Zeitenwechsel und insgesamt ist das Buch eher in Episoden geschrieben.

Die einzelnen Familienmitglieder erzählen von ihrem Leben in verschiedenen Orten rund um den Globus und von ihrer Sehnsucht, irgendwo dazuzugehören. Auch die "daheimgebliebenen" Eltern und Großeltern bekommen ihre Kapitel - und es zeigt sich, dass auch Heimat verloren gehen kann, wenn man Zuhause bleibt. Und sogar eine aus Deutschland nach Amerika ausgewanderte Vorfahrin erzählt ihre Geschichte - vielleicht ein Hinweis darauf, woher die Unruhe und die Reiselust des Ehemannes und Vaters kommen.

Mir hat der Stil und der Aufbau des Buches sehr gut gefallen - ich hatte allerdings auch vorher London NW von Zadie Smith gelesen und war quasi an das Episodenhafte und assoziative gewöhnt. Für ein Debüt fand ich den Stil und die Sprache des Buches schon sehr gut und ausgereift. Die Handlung des Romans (der wohl teilweise autobiographisch geprägt ist) ist sehr modern - dazu passt der Stil des Buches.

Da ich selbst einige Zeit im Ausland gelebt habt (aber nicht als Kind von Expats), selbst einige Expats kenne und mich daher schon oft mit dem Thema "Heimat und Herkunft" beschäftigt habe, war das Thema des Romans sehr interessant für mich. Und die Umsetzung hat mich geradezu begeistert.


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Wird angeboten von Membrane Store
Preis: EUR 5,95

5.0 von 5 Sternen Schöne Farbe, 14. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
mir gefällt die sehr spezielle Farbe dieser Hülle - und praktisch ist sie natürlich auch. Außerdem recht unempfindlich, auch bei Nässe und leichten Cremespuren..


London NW: Roman
London NW: Roman
von Zadie Smith
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

4.0 von 5 Sternen Multikulti und die moderne harte Realität, 14. August 2014
Rezension bezieht sich auf: London NW: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der neue Roman von Zadie Smith spielt im Nordwesten Londons, kurz London NW, wie es postalisch bezeichnet wird. Dort wachsen Leah, Nathalie (die früher Keisha hieß), Felix und Nathan in einer sozial eher schwierigen Umgebung auf. Soziale Brennpunkte und halbwegs bürgerliche Gegenden liegen recht nah beieinander, die Bevölkerung ist bunt gemischt aus Menschen mit afrikanischen, Jamaikanischen, irischen, britischen, nordafrikanischen und weiteren internationalen Wurzeln. Der Schwerpunkt des Romans liegt jedoch nicht in der Problematik der Hautfarbe oder Rasse für die Lebensgestaltung der Protagonisten - sondern eher in der Bedeutung der Herkunft aus sozialer Sicht. Die Frage ist: Wie wirken sich das Bildungsniveau der Herkunftsfamilie, deren Wertvorstellungen, das Behütetsein oder die Vernachlässigung auf das zukünftige Leben aus.

Diese Frage beantwortet jeder der vier Hauptprotagonisten anders.

Da ist zunächst Leah, die von der Herkunft her (Irisch, rothaarig, weiß, Eltern eher kleinbürgerlich und mit großen Plänen für die Zukunft des einzigen Kindes) eigentlich die besten Voraussetzungen gehabt hätte. Aber Leah gleitet - begleitet vom Dope-Rauchen - einfach so vor sich hin: Ohne Ehrgeiz, ohne Ziele - außer dem Ziel, immer 18 bleiben zu wollen und keine Kinder bekommen zu müssen. Leah ist mit Michel verheiratet - der aus einer afrikanischen Einwandererfamilie stammt. Er träumt den Traum vom Weiterkommen, vom Hauskauf in einer "besseren" Gegend, von Kindern und Familie. Leah will sich diesen Plänen nicht anschließen - äußert dies jedoch nicht konkret sondern entzieht sich der Verantwortung durch Abtreibungen und durch geheime Einnahme der Pille.

Das Gegenmodel zu Leah ist ihr langjährige Freundin Keisha, die sich inzwischen Nathalie nennt. Keisha stammt aus einer Familie mit jamaikanischen Wurzeln, eher arm, bildungsfern - aber streng religiös. Keisha schafft es durch Lernen, viel Arbeit und viel Ehrgeiz ins Studium und zu einem erfolgreichen Job als Juristin. Sie heiratet Frank, den unehelichen Spross einer reichen Adelsfamilie und sie bekommen zwei Töchter und beziehen ein Haus am Park in einer "besseren" Gegend von NW. Und Keisha benennt sich selbst um in Nathalie. Auch bei Nathalie ist nicht alles so glanzvoll, wie es nach außen scheint, auch sie hat ihre Geheimnisse.

Eine Episode ist Felix gewidmet, der in der selben Siedlung wie Keisha in eher ungeordneten Verhältnissen aufgewachsen ist. Felix hat sich nach Jahren im Drogensumpf endlich befreit und möchte mit seiner neuen Liebe ein neues Leben beginnen - vorher besucht er jedoch noch seine bisherige Geliebte - eine sehr schön beschriebene Szene (hart und poetisch zugleich) über den Dächern von London. Felix ("Der Glückliche" - ja das hat Zadie Smith wirklich auf der litcologne gesagt - für sie Felix der Glückliche in diesem Buch) stirbt am Ende dieses Tages .....

Nathan, ein weiterer inzwischen Erwachsener Mann aus der Siedlung, hat es dagegen nie geschafft, sich aus dem Drogensumpf zu befreien und ist immer weiter abgerutscht, Nathan zieht in einem der Kapitel mit Keisha/Nathalie durch die Nacht. Und im Endeffekt führt er zum letzten Kapitel des Buches, in dem die Fäden zusammenlaufen...

Insgesamt hat mir die Lektüre des Buches gut gefallen - ich persönlich mag Episodenfilme und Episodenromane und ich konnte auch gut mit den verschiedenen Erzählstilen umgehen. Jedem Protagonisten ist quasi ein Kapitel gewidmet, wobei es keinen direkten Erzähler gibt und jedes Kapitel sprachlich komplett anders gestaltet ist. Erzählungen, Beschreibungen, Assoziationen, Absätze wie in der Juristensprache - die Stilmittel sind vielfältig. Dies macht die Lektüre abwechslungsreich - aber auch teilweise schwierig. Nicht alles wird genau beschrieben - vieles ist nur anhand einer Art "Flow of Consciousness" zu erahnen.

Es wird eine ganz eigene Atmosphäre in diesem Buch erzeugt - man taucht ein, erschreckt zwischendurch, freut sich zwischendurch - und hat das Gefühl, ein wenig selbst durch London gestreift zu sein. Und ein wenig vom Lebensgefühl der heutigen Großstadtmenschen mitbekommen zu haben - die Chancen und auch die vielen Risiken, die ein Mensch heutzutage erleben kann. Ich kann Zadie Smiths Einschätzung, dass Felix der " Glückliche" im Buch ist, zwar nicht teilen - fand die Figurenzeichnungen jedoch sehr interessant. Ich persönlich mochte am liebsten Keisha/Nathalie, weil sie sich durch Mühe und Arbeit selbst durchgekämpft hat - und Leah mochte ich am wenigsten, weil sie so lethargisch und wenig zielgerichtet war - aber dies ist im Endeffekt wohl nur meine persönlich gefärbte Reaktion, die sicherlich auch von meiner persönlich erlebten Sozialisation geprägt ist.

Im Endeffekt ist das Leben bunt - nicht durch Hauptfarben bunt - sondern durch die vielen Möglichkeiten und Einschränkungen bedingt, die den Werdegang eines Menschen beeinflussen können.


Als wir unsterblich waren: Roman
Als wir unsterblich waren: Roman
von Charlotte Roth
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geschichte der Demokratie in Deutschland in Romanform, 4. Juni 2014
Der Roman "Als wir unsterblich waren" erzählt die Geschichte der deutschen Demokratie und Sozialdemokratie am Anfang und am Ende des letzten Jahrhunderts anhand einer Familiengeschichte in informativer, emotionaler, spannender und berührender Form.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Einmal ab 9. November 1989, als die Mauer fiel und die junge Ostberlinerin Alex den jungen Westberliner Oliver kennen- und lieben lernt. Alex stellt Oliver ihrer Großmutter vor, bei der sie aufgewachsen ist - und diese erleidet einen Herzinfarkt. Danach springt die Geschichte ins Jahr 1912 und wir lernen die junge Paula und ihre Familie und ihre Freunde kennen. Obwohl eher aus gutsituiertem Hause, kämpfen sie alle für Gleichberechtigung und Demokratie. Wir erleben so das Ende des Deutschen Kaiserreiches, den Beginn und das Ende des 1. Weltkrieges, die goldenen 20er Jahre und den Beginn der Naziherrschaft. Und zwischendurch springt die Geschichte immer wieder ins Jahr 1989, in dem Alex und Oliver versuchen herauszufinden, wie ihre Familiengeschichten zusammenhängen - denn sie hängen irgendwie zusammen - wie, das wird hier nicht verraten. Denn es sei jedem empfohlen, dass Buch zu lesen, mit zu fiebern, mit zu leiden, mit zu feiern. Es ist spannend, es ist berührend, es ist traurig und es ist schön - wie das Leben so ist. Dies wird in wunderbarer Form erzählt - und es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Mir persönlich hat das Buch einen Eindruck davon verschafft, wie viel Demokratie es in Deutschland Anfang des letzten Jahrhunderts und während der Weimarer Republik schon gab. Das war mir nicht so sehr bewusst, da die Weimarer Republik in erster Linie als gescheitert dargestellt wird und für mich Demokratie in Deutschland erst nach dem 2. Weltkrieg begann. Es war anders - diesen Blick auf Deutsche Geschichte vermittelt dieser Roman in wunderbarer und unterhaltsamer Weise.

Danke dafür!


Mein Sommer mit Kalaschnikow
Mein Sommer mit Kalaschnikow
von André Aciman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwei Jungs und ein heißer Sommer in Harvard, 13. Mai 2014
Das Buch beginnt zwar mit einem Prolog in der heutigen Zeit - spielt aber eigentlich im Jahre 1977 in Harvard.

Es sind Semesterferien und der Erzähler muss sich auf die Wiederholung einer nicht bestandenen Prüfung vorbereiten. Alle Kommilitonen sind auf Reisen, der Erzähler verbringt daher seine Tage meist alleine und lesend - und seine Lebenskrise wird ihm immer bewusster, er fühlt sich als Außenseiter und einsam und er zweifelt daran, jemals irgendwo dazuzugehören.

Dann lernt er (als aus Ägypten stammender Jude, der als Jugendlicher aus Ägypten ausgewiesen wurde), einen Taxifahrer kennen, der auch aus Nordafrika stammt - und schon sind die beiden in Kontakt und verbringen den Sommer zusammen. Ihre Gemeinsamkeiten sind die Französische Sprache, die Sehnsucht nach dem Mittelmeer und die Heimatlosigkeit, die sie verspüren, seitdem sie ihre Heimat verlassen haben. Ansonsten sind die beiden nach Außen hin grundverschieden - Kalasch, der Taxifahrer, redet schnell wie ein Maschinengewehr - daher der Titel des Buches, Der Erzähler ist eher ruhig. Kalasch sagt immer und jederzeit seine Meinung - der Erzähler hält sich eher zurück, Aber innerlich fühlt sich der Erzähler sehr zu Kalasch hingezogen - da er denkt, er wäre genauso geworden, wenn er noch in seiner Heimat leben würde. Heimatlosigkeit spielt insgesamt eine große Rolle in diesem Buch.

Inzwischen sind beide in Amerika gelandet - jedoch mit komplett unterschiedlichen Voraussetzungen. Der Erzähler hat eine Greencard, Kalasch droht die Abschiebung. Die Zusammengehörigkeit ist also brüchig.

Gemeinsam mit Kalasch erlebt der Erzähler eine späte Pubertät, mit vielen Ausgeh-Abenden, viel Wein und vielen Frauen. Aber irgendwann ist der Sommer zu Ende.....

Das Buch lässt mich persönlich etwas ratlos zurück. Einerseits ist es ein wunderschön geschriebenes Buch - die Beschreibungen des Sommers, der Hitze, der Cafes, der Menschen im Cafe - ich konnte es fast spüren. Dazu die vielen eingeflochtenen französischen Sätze, die Schilderungen der mediteranen Lebensart - das hat mir sehr gefallen und viele schöne Stimmungen im Buch erzeugt.

Was mich nicht überzeugt hat, waren die Charaktere der Protagonisten. Zum einen, weil sie nicht sehr positiv waren. Nun müssen Protagonisten nicht zwangsläufig nur positiv sein - aber es erleichtert in der Regel doch den Zugang. Zum anderen passten für mich viele der recht analytisch ausgedrückten Personenbeschreibungen nicht zu den Handlungen der Personen. Und manches am Inhalt erschien mir auch übertrieben und nicht notwendig für die Geschichte - es waren mir etwas zu viele Frauen in die beiden verliebt und die Tatsache, dass ein Taxifahrer plötzlich Sprachlehrer in Harvard wird, war mir auch zu unglaubwürdig.

Am Ende läuft das Buch für mich etwas zu flach aus - auch wenn der Erzähler wohl im Endeffekt dann den Weg ins Leben findet, was sich jedoch eher aus dem Prolog aus als dem Buch erschließt . Also vielleicht ein Buch übers Studentenleben? Irgendwie auch nicht richtig.....

Daher vergebe ich für den Inhalt 3 Sterne - aber da die Sprache so schön war, sind es dann doch 4 Sterne geworden


Sehnsucht ist ein Notfall: Roman
Sehnsucht ist ein Notfall: Roman
von Sabine Heinrich
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwei Frauen, zwei Generationen, ein Problem und eine Fahrt nach Italien, 8. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Sehnsucht ist ein Notfall: Roman (Broschiert)
.. mit diesen Begriffen könnte man den Debütroman von Sabine Heinrich bezeichnen. Damit würde man dem Buch aber nur zum Teil gerecht. Es geht tatsächlich um zwei Frauen, nämlich um Eva und um ihr Oma. Und die beiden gehen auch gemeinsam auf eine Reise nach Italien. Was daran liegt, dass Oma sich mit 79 von Opa getrennt hat und Eva gerade zwischen ihrem langjährigen Lebenspartner und einer Affäre steht.

Das hört sich nach Herz-Schmerz-Liebesroman und leichter Unterhaltung an. Ist es auch teilweise. Das Buch ist wirklich gut lesbar und hat auch viel Witz und Situationskomnik. Aber die Geschichte geht tiefer. Die beiden Frauen kommen sich während der Reise sehr nah. Und sie erkennen, dass bestimmte Probleme und Lebensfragen generationenübergreifend sind, wenn auch die Rahmenbedingungen für ein Frauenleben inzwischen anders geworden sind.

Es geht um Lebensentscheidungen: Gehen oder bleiben, Liebe und Ehe, Kinder oder nicht, Gefühl oder Verstand. Und als Leser kann man sich immer wieder gut in die Situation hineindenken - und die Geschichte nimmt gefangen.

Und die Geschichte bietet keine einfache Lösung - die liegt nämlich in jedem selbst. Der letzte Satz zeigt dies - ohne jetzt zu viel zu verraten -
"... daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist".

Das Buch hat mich sehr berührt und ich habe über vieles nachgedacht. Und das ist für mich ein Kompliment an ein Buch.


Frauen am Rande des Strandes: Ein Scout-Davis-Roman
Frauen am Rande des Strandes: Ein Scout-Davis-Roman
von Maggie Groff
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Sommer-Sonne-Hippie-Detektiv-Roman, 31. März 2014
Der deutsche Titel dieses Buches ist recht nichtssagend - der Original-Titel ist wesentlich witziger und passt besser zur Geschichte - aber trotzdem handelt es sich um eine sehr nette Strand-Sommer-Geschichte mit einer sehr liebenswerten Protagonistin, daher passt der Titel irgendwie schon.

Die Geschichte spielt in Byron Bay, einer kleinen Stadt an der Ostküste Australiens. Dieser Ort war früher ein typischer Hippie- und Aussteigerort und immer noch ist die Atmosphäre sehr speziell - das wird auch sehr gut im Buch beschrieben. Vielleicht hat mir der Roman auch so gut gefallen, weil ich vor vielen Jahren einmal in Byron Bay war und mir die Stimmung dort damals sehr gut gefallen hat. Ich habe also in Erinnerungen geschwelgt und ansonsten die nette, humorvolle und teilweise spannende Geschichte verfolgt. Es handelt sich um eine Art Detektiv-Geschichte rund um die Journalistin Scout Davis, diese ist ca. Mitte 40 (wirkt aber jünger - auch mental) ist geschieden, hat zwei bereits erwachsenen Töchter und sie ist mit einem Kriegsberichterstatter liiert, der fast nie Zuhause ist. Dies führt dazu, dass sich auch eine sehr nette und spannende Liebesbeziehung anbahnen kann... aber hier sei nicht zu viel verraten. Ansonsten kümmert sich Scout um ihre Schwester, deren Kinder und Mobbing an der Schule ihrer Schwester und dann noch um eine Sekte, die sich angeblich in Australien niedergelassen hat. Dies wird nett, humorvoll und recht spannend erzählt - und weitere Bände mit Scout Davis als Protagonistin sind geplant. Und ich werde sie gerne lesen - immer dann, wenn ich Lust auf nette Unterhaltung und auf Flair aus Byron Bay habe.


Die Springflut: Roman
Die Springflut: Roman
von Cilla Börjlind
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein starkes Debut!, 15. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Springflut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Können Drehbuchautoren auch Romane schreiben? Ich war ehrlich gesagt recht skeptisch. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Ja - sie können - zumindest ist dies bei Cilla und Rolf Börjlind so.

Die beiden schreiben normalerweise Drehbücher für die neuen Kommissar Beck Folgen (die Originale waren von Sjöwahl/Wahlöö, quasi den Erfindern des sozialkritischen schwedischen Kriminalromans). Und nun schreiben sie selbst Krimis - in der Tradition des sozialkritischen Kriminalromans. Ihr Debüt heißt "Die Springflut" und es beginnt tatsächlich damit, dass eine junge schwangere Frau mit Hilfe einer Springflug ermordet wird. Und 23 Jahre später versucht eine junge Polizeianwärterin, diesen nie geklärten Mordfall zu lösen.

Dies wird spannend erzählt, mit einer Fülle von Handlungssträngen und sehr vielen Figuren, die bis in die Nebenfiguren hinein sehr liebevoll gezeichnet sind. Dies könnte anstrengend für den Leser werden - ist es aber nicht, da die Handlung so spannend ist, die Szenenwechsel so rasant - das man als Leser kaum zum Luftholen kommt. Man will nur eins: Weiterlesen, Weiterlesen.

Was kann man Besseres über einen Krimi sagen?

Ich persönlich bin jetzt schon gespannt auf weiteren Krimis des Autorenduos.


immeer
immeer
von Henriette Vásárhelyi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Meer und eine große Traurigkeit, 24. September 2013
Rezension bezieht sich auf: immeer (Gebundene Ausgabe)
Der Debütroman von Henriette Vasarhelyi "Immeer" beschreibt in sehr poetischer Form die Trauer um einen geliebten Menschen - und die Nichtbewältigung der Trauer. Es ist ein trauriges Buch - und fast eher ein Gedicht als ein Prosatext - so habe ich es empfunden. Die Sprache ist sehr schön, es wird auf verschiedenen Ebenen erzählt - was die Lektüre nicht erleichtert - aber schöner macht.
Das Buch beginnt am Meer auf Elba, wo Eva an der Trauer um Jan leidet, den sie auch am Meer kennengelernt hat, an der Ostsee. Jan ist gestorben - langsam und grausam - und Eva kommt damit nicht zurecht, sie kann nicht ins Lebens zurückfinden. Sie erinnert sich an Jan, an die WG in Berlin, in der sie zusammenlebten, an Heiner, den Mitbewohner in der WG und an das komplizierte Verhältnis der Drei zueinander. Und sie erinnert sich an Jans Krankheit und an Jans Sterben. Jans Asche wurde ins Meer geschüttet. Und nun ist Eva auf Elba am Meer, mit Monn, einem Freund, den sie über Jans Telefonnummer kennengelernt hat. Monn versucht, Eva ins Leben zurück zu begleiten - wie es viele versuchen. Aber Eva sperrt sich, kommt nicht heraus aus ihrer Trauer. Und so endet die Geschichte am Meer und im Meer.
Die Geschichte ist traurig - auch wenn es zwischendurch einzelne Lichtblicke gibt. Dieses Buch ist nicht für jeden und nicht für jede Stimmung zu empfehlen - und es lässt einen etwas ratlos oder auch traurig zurück. Zu bedrückend ist die Stimmung, die Trauer - aber realistisch. So poetisch und gleichzeitig hart hat noch niemand Trauer beschrieben. Beeindruckend!


Wer morgens lacht: Roman
Wer morgens lacht: Roman
von Mirjam Pressler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschwisterliebe und Geschwisterhass, 12. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Wer morgens lacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie das Geschwisterliebe und Geschwisterhass das spätere Leben bestimmen

Mirjam Pressler schreibt sehr schön - die Sprache ist gleichzeitig klar und kraftvoll aber auch feinfühlig und poetisch. Die Geschichten sind aber nicht unbedingt "schön" im klassischen Sinne - meist geht es um schwierige Familienverhältnisse und um Kinder, die darunter leiden. So ist es auch in diesem Buch. Es wird die Geschichte einer schwierigen Beziehung zwischen zwei Schwestern erzählt: Marie und Anne. Marie ist laut und fordernd, Anne sehr still und sensibel und Anne steht daher stets im Schatten ihrer älteren Schwester. Die Geschwister wachsen in erster Linie unter der Obhut ihrer Oma auf, die zwar irgendwie liebevoll ist, jedoch eine sehr pessimistische Lebenseinstellung hat. Von ihr stammt der Spruch "Wer morgens lacht ,,,, am Abend in die Hölle springt" und dies wirkt sich auf die Geschwister aus, vor allem, da die Eltern mehr mit sich selbst beschäftigt sind und den Kindern kaum Halt geben.
Marie verschwindet als Jugendliche spurlos und Anne belastet dies schwer - bis in die Studienzeit hinein. Aber irgendwann beginnt sie, sich der Erinnerung zu stellen, schreibt die Geschichten aus ihrer Kindheit auf und merkt, wie unterschiedlich Erinnerungen sein können - und wie sie daher auch trügerisch sein können - und aus diesen Rückblenden wird die Geschichte erzählt. Es gibt viele Geschichten, die nur andeutungsweise erzählt werden, es werden einige Themen gestreift und einige auch eingehender beschrieben (Vertreibung, ungewollte Kinder..) und erst zum Schluss wird klar, wie unterschiedlich die beteiligten Personen die Situation damals gesehen haben wie sich daraus ein Teil der Dramatik entwickelt hat. Es ist also auch ein Buch über Erinnerungen und über die Bedeutung von Erinnerungen. Und natürlich über Konstellationen in einer Familie.

Sicherlich kennt jeder irgendeine der Gegebenheiten aus dem Buch, sei es die Konkurrenz zwischen den "lauten" und den "leisen" Kindern, sei es die Oma, die Beeren einkocht, sei es der Vater, der sich den Konflikten entzieht, in dem er sich seinen Hobbies widmet, sei es eine Tochter, die unter der Lieblosigkeit der Mutter leidet - dies erleichtert den Zugang zum Buch. Und die Art, wie Mirjam Pressler dies alles beschreibt, erleichtert auch den Zugang - die Geschichte selbst macht es aber nicht leichter - die ist nicht leicht - wie alle Geschichten von Mrijam Pressler - aber irgendwie realistisch. Und dieses Buch hat auch noch ein recht versöhnliches Ende - zumindest kann man es so sehen - ein kitschiges Happy End kann es nicht geben - aber einen Ausblick darauf, wie man mit den Erlebnissen weiter leben kann.


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