Fashion Sale Hier klicken Kinderfahrzeuge studentsignup Cloud Drive Photos Learn More sommer2016 HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16
Profil für Helen Maier > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Helen Maier
Top-Rezensenten Rang: 41.378
Hilfreiche Bewertungen: 83

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Helen Maier

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2
pixel
Vegan kochen ohne Tiere: Vegan genießen mit vielfältigen Rezepten in diesem liebevoll illustrierten Kochbuch. Die Fundgrube für alle, die sich vegetarisch oder vegan ernähren möchten
Vegan kochen ohne Tiere: Vegan genießen mit vielfältigen Rezepten in diesem liebevoll illustrierten Kochbuch. Die Fundgrube für alle, die sich vegetarisch oder vegan ernähren möchten
von Katharina Bretsch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

2.0 von 5 Sternen Illustrationen top, Rezepte flop.., 8. Februar 2016
Grafik und Aussehen:
"Kochen ohne Tiere" ist sehr massiv. Mehr als zwei Zentimeter dick, die Seiten in der Grösse eines A4-Blattes und gut ein Kilogramm schwer bewegt sich das Kochbuch von Katharina Bretsch im Bereich der eher massiveren, unhandlicheren Kochbücher. Für den Urlaub im gemieteten Ferienhäuschen steckt man lieber andere Kochbücher ins Gepäck. Für den Alltagsgebrauch eignet sich das Kochbuch aber durchaus - durch das gute Gewicht braucht es keine zusätzliche Hilfe, um das Buch an einer aufgeschlagenen Seite an Ort und Stelle zu halten. Ein Stofffaden/-lesezeichen wird im Buch miteingebunden, mit dem man Rezepte auch markieren und so schnell wiederfinden kann.

Grafisch ist das Buch eine reine Augenweide. Das liegt nicht unbedingt am Design des Rezeptes selber, sondern in den zahlreichen und ausführlichen, das Buch überall durchdringenden Illustrationen der Autorin. So tummelt sich beispielsweise eine pinkelnde Spargelstange beim Rezept zu einer Spargelsuppe, eine vielarmige indische weibliche Gottheit bringt Mangos für eine Mangosuppe und ein etwas gruseliger veganer Bodybuilder saugt ein Risotto in sein Hirn (siehe Beispielfotos). Die Illustriationen sind teils informativ, teils innovativ und teilweise sogar ziemlich gruselig - stehen aber immer in einem Bezug mit dem Rezept, dass sie präsentieren. Eine Doppelseite ist einer ausfürhlichen Illustration um das Foto des Gerichts gewidmet. Einzelne Ausschnitte oder Ergänzungen werden dem tatsächlichen Rezept auf der nächsten Doppelseite hinzugefügt. Jedes der Rezepte ist so ausfürhlich illustriert. Für die Kategorientrenner gibts nochmal weitere ausfürhliche Illustrationen. Das Buch ist also ein Kunstwerk an sich. Dies verwundert nicht, wenn man die Hintergründe weiss: "Kochen ohne Tiere" war eine grafische Abschlussarbeit der Künstlerin/Grafikerin Katharina Bretsch. Der grafische Aspekt überzeugt vollends. Man spürt viele Details und viel Kreativität in jedem Bild.

Die Rezepte sind von der Gestaltung her relativ schlicht und unaufgeregt gehalten. Auf der ersten Seite der Rezeptdoppelseite befindet sich jeweils der Rezeptname, meistens unter einer Illustration, sowie manchmal auch unten an dieser Seite noch ein Hinweis zur Illustration oder zu gewissen Fakten (zb. warum manche Menschen von Spargel einen geruchsintensiven Urin bekommen und andere nicht.)
Auf der anderen Doppelseite befindet sich dann in der Mitte des Buches die Zutatenliste als Aufzählung, meistens in zwei Spalten, und darunter die Arbeitsschritte, ebenfalls in zwei Spalten, in nummerierten Schritten. Zutatenlisten, Hinweise und Arbeitsschritte sind immer in schwarz gehalten, die Zutaten sind fett gestaltet. Die Schrift der Arbeitsanleitungen ist - für die Grösse des Buches und dem restlichen Platz auf den meisten Doppelseiten - relativ klein gehalten. Das wird grad bei etwas schlechtem Licht etwas mühsam zum Lesen.
Die Titel der Rezepte, das Wort "Zutaten", die Aufzählungszeichen und die Nummern der Arbeitsschritte sind jeweils farbig, aber für jedes Rezept wieder in einer anderen Farbe. Manchmal sind die Farben etwas gar hell gewählt.
Auf welcher Seite man sich gerade befindet, ist etwas schwer herauszufinden. Es ist jeweils nur die Rezeptseite der zwei Doppelseiten pro Rezept mit der tatsächlichen Seitenzahl angeschrieben. Auch beim Vorwort fehlt eine Seitenzahlangabe, so dass die erste Seitenzahl erst auf S. 19 erscheint. Das finde ich gerade bei Kochbüchern etwas mühsam für die Orientierung.

Ein Wort möchte ich noch zu den Fotografien verlieren. Jedes Rezept ist mit einer Fotografie des Gerichts bebildert. Die Fotografien wirken in einigen Fällen etwas amateurhaft. Man merkt schon, dass die Autorin die Fotos selber geschossen hat. Dass die Rezeptfotos in die Illustrationen eingebettet sind, ist etwas schade, denn: Die Illustrationen sind so gut, dass die Fotos daneben blass wirken.

Angaben zu Allergenen wie Glutenfrei und Sojafrei fehlen, ebenso die Angaben zur Zeit, die man zum Kochen benötigt. Gemäss dem Vorwort (Ich würde ja die Seitenzahl angeben, aber dann müsste ich ewig zurückrechnen) ist dies Absicht. Die Autorin schreibt, dass sie explizit darauf verzichtet habe, dies zu notieren, denn "keine abgedruckte Zahl, sondern die individuelle Geschwindigkeit [soll] den Takt vorgeben". Zeitangaben in Kochbüchern sind immer nur Schätzwerte und die individuelle Zeit kann variieren. Es ist dennoch hilfreich zu wissen, wieviel die Autorin vorschlägt, vor allem, wenn man Menüs und Rezepte vorplant und wissen muss, wieviel Zeit man einplanen muss, bis das Abendessen auf dem Tisch steht. Ich kann dieses Argument so nicht stehenlassen. Für mich ist dies - wie ich es konsequent auch bisher rezensiert habe - eher ein Kritikpunkt.

Inhalt:
Ich habe bereits erwähnt, dass pro Rezept im Buch ganze zwei Doppelseiten gebraucht werden. Jede Kategorienvorstellung hat zudem noch eine eigene, ausfürhliche Illustration. Das Buch von Bretsch hat also bei knapp 250 Seiten, bei mehr als 2cm Dicke nur 55 Rezepte zu bieten. Einerseits ist das verständlich, wenn man bedenkt, dass das Buch nicht nur ein Kochbuch, sondern auch eine grafische Abschlussarbeit ist. Zudem hat Bretsch alle Rezepte selber entwickelt und fotografiert. Dennoch hinterlässt das bei mir ein bisschen das nagende Gefühl, für viel Geld wenig Inhalt bekommen zu haben. Ich zumindest habe das Buch nicht wegen den Illustrationen gekauft, sondern wegen den Rezepten. Das Buch will zwei Zielgruppen ansprechen: an Grafik interessierte und an Kochbuch-Fans. Grad die Kochbuch-Fans dürften etwas enttäuscht werden, bietet das Buch doch eben - eher wenig Inhalt.
Auf eine ausführliche textliche Begründung zu ihrem Projekt eines veganen Kochbuchs verzichtet Bretsch. Im Vorwort, das nur eine knappe Zweidrittel-Seite lang ist, erklärt sie, was Veganismus bedeutet (der Verzicht auf tierische Erzeugnisse). Alternativprodukte, so erläutert sie, werden aus Reis, Soja oder Gluten eingesetzt, um tierische Produkte zu vermeiden. Auf eine weitere Erläuterung des Veganismus verzichtet Bretsch gemäss eigenen Worten "bewusst, [..] da hier das Hauptaugenmerk auf dem Genuss und der Freude an guter Küche liegt." In den weiteren drei Abschnitten spricht Bretsch an, dass immer mehr Menschen wissen wollen, woher das, was auf ihrem Teller liegt, kommt und wie es hergestellt wurde, aber auch, welche Intention hinter den Illustrationen steckt (Auseinandersetzung mit den verwendeten Zutaten und Speisen.) Im letzten Satz wird festgehalten, dass alle Rezepte meistens für vier Personen seien, und eben warum auf Zeitangaben verzichtet wurde. Kurz und bündig ohne Dogmatik, ohne Esoterik und wissenschaftlich unhaltbaren Heilsversprechen - das Vorwort ist durchaus angenehm. Grad für Einsteiger in die vegane Ernährung darf aber gesagt werden, dass zumindets ein Weiterverweis auf Informationsquellen nützlich gewesen wäre. Es gibt bei der veganen Ernährung hatl doch schon manches zu beachten, vor allem die Versorgung mit B12.
Informationen liefert Bretsch auch in den kurzen Texten unter den Rezepttiteln. Ich habe diese Texte noch einmal überflogen - manche erklären nur die Zutaten und ihre Illustrationen, manche erläutern Geschichtliches (Pasta) und in einigen Fällen wird auch wissenschaftliches erwähnt, zb. eben der Spargelurin. Mir ist beim Drüberlesen nichts grob Falsches aufgefallen.

Die 55 Rezepte sind in vier Kategorien gegliedert: Suppen, Salate, Hauptspeisen und Desserts. Die Hauptspeisen überwiegen klar, die Desserts sind mit 13 Rezepten aber auch relativ gut abgedeckt. Die Rezepte bestehen aus einer guten Mischung aus "Nachgebautem", so zb. der Räuchertofu-Wurst-Salat oder das Cordon-Bleu mit Erbsenpüree, aber auch aus kreativen Neu-Innovationen (Kartoffelsalat mit Koriander-Tomaten-Salsa) und internationalen Gerichten (Thai-Curry, Türkische Kohlrouladen). Theoretisch sollte für jeden Geschmack etwas gefunden werden.

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand:
Fangen wir bei den Zutaten an: Die Zutaten, die Bretsch verwendet, sind zum Grossteil recht unaufgeregt. Das meiste sollte in einem gut sortierten Supermarkt zu bekommen sein. In einigen Fällen wird Käseersatz und veganer Aufschnitt benötigt. Hierfür muss man vermutlich dann doch zum Bioladen oder zum Reformhaus. Im Falle von Sojaschlagsahne wird eine Alternative angegeben aus Sahnesteif und normaler Sojasahne. Sowas hätte man durchaus auch für andere Produkte machen können. Nicht überall findet man reguläre Sojasahne im normalen Supermarkt.
Bei einigen Zutaten war mir nicht ganz klar, was das überhaupt sein soll. Ich bin keine Deutsche, was "Knödelbrot" ist, musste ich mir zuerst ergooglen. Es wäre super gewesen, wenn da teilweise auch Erläuterungen kommen, die eine lokale oder regionale Zutat erläutern.
Manche Angaben sind auch etwas ungenau. Mit "2 Blätter Filoteig" kann ich nicht wirklich viel anfangen, denn Filoteige kommen zumindest in meinem Türkenspezialitätenladen in zig Grössen und Formen.
Was ich bei den verwendeten Zutaten in eingen Fällen allerdings kritisieren muss, ist ihr Preis. Manche Gerichte kosten überdurchschnittlich viel. Das wohl krasseste Beispiel ist die Rösti mit Spargel-Morchel-Ragout. Dazu brauche ich 250g grüne, 250g weisse Spargel, die mich zumindest in meinem CH-Supermarkt in der Saison schon deutlich über 10 Franken kosten (9 Euro). Dann benötigt man auch noch 20g getrocknete Morcheln. Ein Päckchen davon kostet 13 Franken, ein 40g-Päckchen kostet 20 Franken. Diese drei Zutaten alleine kosten mich schon 23 Franken (21 Euro). Das finde ich absurd übertrieben. Der Sherry, der da noch mit rein kommt, sowie die Schalotten, das Päckchen Sojasahne und die Cherrytomaten habe ich mal ausgeklammert, sie treiben den Preis aber nochmal hoch. Es mag sein, dass diese Zutaten in Deutschland nicht soviel kosten, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass dieses Gericht in einem normalen Budget in Deutschland möglich ist.

Der Aufwand der Rezepte hält sich in einem Rahmen, den ich noch als einigermassen in Ordnung betrachten würde. Es ist halt auch schwer einzuschätzen, da Zeitangaben fehlen. Grad mehrkomponentige Hauptspeisen dauern durchaus ihre Weile. Die Rezepte sind eher etwas für einen gemütlichen Sonntagabend oder einen freien Nachmittag.

Zur Umsetzbarkeit der Rezepte kann ich nur eins sagen: Gemischt bis mangelhaft. Neben dem Geschmack ist dieser Punkt ein Hauptkritikpunkt an Bretschs Buch. In den von mir getesteten Rezepten hat leider einiges nicht funktioniert. Den Teig für die Spinatravioli konnte ich nicht richtig handhaben. Die Griessklösse wurden viel zu dick und drohten, auseinanderzufallen. Die Cordon-Bleu-Masse liess sich nicht richtig zubereiten, war zu dick, und wo die Panade aussen schon angebrannt war, war die Füllung innen noch kalt und nicht geschmolzen. Ausserdem wird der Seitan hier null im Vorauszubereitet und nach fünf(!) Minuten in der Pfanne schmeckt er demgemäss noch total eklig-gummig. Ich habe die Cordon-Bleus im Ofen mehr als eine Stunde nachgebacken, bis sie gut wurden - da war der Käse dann aber schon wieder zu hart und eklig. Alles so Kleinigkeiten, die mich mehr und mehr genervt haben.

Bei manchen Sachen habe ich mich auch ernsthaft gefragt, ob die Autorin ihre Rezepte überhaupt getestet hat, zb. beim Cordon-Bleu-Debakel, oder auch bei der Tarte Tatin au Citron, wo die gebackenen Zitronenscheiben einfach nur eklig-bitter wurden und das Dessert ruinieren. Da kann ich nur ganz klar sagen: Man merkt, dass die Autorin keine gelernte Köchin ist.

Nachgekochte Rezepte
Ich habe in den letzten Jahren 14 Rezepte nachgekocht, also etwa ein Viertel des Buches.
Problematisch war, dass die Autorin sehr oft mit sehr hochkalorischen Nahrungsmitteln arbeitet. Rezepte mit einem Pack Sojasahne oder mehreren Esslöffeln Öl pro Portion waren keine Seltenheit. Da ich generell eher einer low-fat-Ernährung folge, war ich auch etwas eingeschränkt. Zu sehr abgewandelt ist ein Rezept ja dann auch nicht mehr das Originalrezept.
Bereits beim Punkt der Umsetzbarkeit weiter oben habe ich schon einige technische Fehler bemängelt. Ich muss aber auch ganz klar noch beim Geschmack nachhaken. Das wäre dann mein zweiter grosser Kritikpunkt. Dafür, dass das Buch derart hochwertig gestaltet ist, waren die Rezepte, die ich getestet habe, eher enttäuschend. Die Geschmacksprofile waren eher auf der langweiligen Seite, so war die thailändische Tom-Kha-Suppe für meinen Gaumen viel zu süss - kein Wunder bei einem ganzen Esslöffel Zucker für die Suppe. Ich hab auch noch die Tiefe im Geschmacksprofil vermisst. Tom-Kha ist nun einmal eine Hühnerbrühe im Original, und wird auch noch mit Fischsosse verfeinert. Da muss in der veganen Variante kräftig nachgelegt werden. Koriander hat beispielsweise ganz gefehlt, und statt Champignons hätte ich jetzt schon mindestens Shii-Take verwendet.Das Erbsenpüree und die glasierten Karotten, die zum Cordon-Bleu gehörten, waren auch viel zu süss. Das extrem teure Morchel-Spargelragout war einfach nur langweilig und es war fast schade, dass die geschmacksintensiven Spargeln mit den geschmacksintensiven Morcheln um die Vorherrschaft gekämpft haben.
Manches hat aber auch wirklich einfach nicht funktioniert, zb. das oben erwähnte Cordon-Bleu, oder auch die Tarte Tatin, die unglaublich bitter war. Das Kaffegelee auf Vanilleecken fand ich vom Rezept her sehr innovativ - essen konnte ich es nicht. Geschmackloser, lahme Wabbelstücke auf anderen Wabbelstücken - selten so ein schlimmes Mundgefühl gehabt.

Fazit:
Die Idee, als grafische Abschlussarbeit ein veganes Kochbuch zu erstellen, dafür Kochrezepte zu entwickeln, nachzukochen, zu fotografieren, und dann noch die Masse an Illustrationen zu erstellen, die im Buch vorhanden sind, sowie einzelne Hintergrundinfos zu recherchieren ist ein sehr gewagtes und nahezu gigantisches Unterfangen. Katharina Bretsch hat sich drangewagt und daraus ist "Kochen ohne Tiere" entstanden - und auch von einem Verlag angenommen worden. Für die Augen ist das Buch tatsächlich ein Genuss. Die Illustrationen sind frech, neckisch, lustig und überraschend vielschichtig. Das Buch ist mit viel Liebe gestaltet worden, bis hin zur klaren Gestaltung der Zutatenlisten und der Arbeitsschritte.

Mit dem Augengenuss hört es aber schon auf. Für den Gaumen ist das Buch nicht unbedingt ein Genuss. Die Rezepte enttäuschen in vielen Fällen geschmacklich, enthalten technische Fehler oder verwenden unnötig viel Fett und teilweise auch sehr teure Zutaten zusammengeballt in einem Rezept (welches dann noch geschmacklich enttäuscht.) Das ist umso enttäuschender, da man für das Buch knappe 30 Euro hinblättern muss. Es hätte dem Buch sehr gut getan, wenn der Fokus stärker auf die Rezepte gelegt worden wäre, wenn da noch mehr getestet, entwickelt und probegekocht worden wäre. Da hätte man einiges an Fehlern noch vermeiden können. Dieses Buch ist immer noch ein Kochbuch - und da vermag es leider nicht zu überzeugen. Es will zuviel für ein zu grosses Zielpublikum und fällt deswegen beim Hauptpublikum - den Kochfans - durch. Aus diesem Sinne kann ich für "Kochen ohne Tiere" leider auch keine Kaufempfehlung aussprechen, obwohl es mich fast etwas dauert, da die Illustrationen wiederum wirklich grossartig sind. Aber ja.. Das hier ist eine Kochbuchrezension, keine Illustrationsrezension.

Bewertung: Zwei von fünf Sternen. Aber auch nur wegen den tollen Bildern.


Mieses Karma
Mieses Karma
von David Safier
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1.0 von 5 Sternen Unterirdische Grammatik, miese Klischees und schwache Charakterzeichnungen, 14. Januar 2016
Rezension bezieht sich auf: Mieses Karma (Taschenbuch)
"Mieses Karma" ist das schlechteste Buch, dass ich mir seit langem "zumute" geführt habe. Bis zuletzt hatte ich gehofft, dass es besser werden würde, aber ich wurde enttäuscht.

1. Unterirdische Grammatik: Ich weiss nicht, wer das Lektorat bei rororo durchgeführt hat. Diese Person sollte allerdings schleunigst entlassen werden. Der Autor hat keine Ahnung, wie man literarische Tempi einsetzt. Er mischt wild das Präsens in Nebensätze ein, wo es eigentlich gar nicht hingehört. Man könnte dies ja für ein Stilmittel halten - wenn er es denn konsequent einsetzen würde. Das tut er aber nicht!
Beispiele dafür gibt es unzählige. Eines davon ist folgender Absatz: ""Er checkte an der Rezeption ein, und mein Puls begann zu rasen. Ein Teil von mir hoffte, dass er mich sieht. Ein weiterer Teil betete darum, dass er sich sogar zu mir setzt. Ein anderer Teil fragte sich, wie er die anderen Teile [..] zum Schweigen bringen KONNTE." (Grossschreibung von mir) Zuerst zweimal das unglücklich gewählte Präsens, und im dritten Absatz aber inkonsequenterweise das korrekte Präteritum. Das hat mich beim Zuhören (Hörbuch) wahnsinnig gemacht. Selbst wenn das keine grammatikalische Regel wäre, es entspricht absolut nicht literarischen Standards, die Tempi dermassen oft zu wechseln.

2. Klischees: Ich kam noch keine zwei Minuten weit im Hörbuch, da wurde ich von einer standardisierten Mary-Sue-Charakteristik mit unglaublich miesen Klischees erschlagen. Kim Lange ist erfolgreich, vernachlässigt dafür ihre Familie, ist eine gemeine Kuh zu ihren Kollegen, geht über Leichen, das Warten auf den Schwangerschaftstest war "die längste Minute ihres Lebens", und die Geburt ihrer Tochter "der glücklichste Moment ihres Lebens", und Abtreiben hätte sie auch nicht gekonnt, weil sie mitangesehen hat, wie schwer es ihrer Freundin Nina gefallen war. Nina ist natürlich klischeehaft ihre Rivalin, und Kim und Daniel verlieben sich gekonnt, weil Daniel sie heroisch vor einem grabschenden stereotypen Italiener beschützt. Und das waren nur die ersten paar Minuten.

3. Schwache Charakterzeichnungen: Wäre Kim dermassen charakterlich klischeehaft gezeichnet worden, um ihren Wandel zu einer moralisch und ethisch versierteren Person aufzuzeichnen, hätte ich es ja noch verstanden. Ich habe auch während der Schilderungen ihrer Wiedergeburten immer so ein wenig gehofft, dass sich dieser Wandel abzeichnet. Mit der "Inbesitzname" von Marias Körper schien ein wahrer Durchbruch erreicht, und ich war erleichtert, dass sich das abzeichnete. Bis sie sich als Kindermädchen bei Alex und Nina anstellen lässt, und IMMER NOCH PLANT, die beiden auseinanderzubringen. Mit ziemlich miesen Mitteln. Das macht für mich absolut null Sinn. Buddha wäre soweit gewesen, sie ins Nirvana zu lassen, gibt ihr aber noch eine letzte Chance als Maria. Und das, obwohl die Person Kim immer noch den gehässigen, gemeinen, fiesen Gedanken hat, Alex und Nina auseinanderzubringen. Sie schafft das dann auch mit einem letzten Akt heroischer Karmasammlung, indem sie Nina vor dem Tod rettet, und Nina so irgendwie einsieht, dass Alex sie nie richtig lieben wird. Das ist nicht nur eine miese Charakterzeichnung, das ist auch eine perverse Darstellung des Karma/Buddhismusgedanken, der mit dem echten Buddhismus nichts zu tun hat. Neben Mary-Sue Kim sind auch die anderen Charkatere relativ schwach gezeichnet, und dienen nur als Mittel zum Zweck. Nina dient als Mittel dazu, dass sich Alex und Kim ineinander verlieben (Reise), sich zoffen (Fast-Betrug) und dass sich Kim dermassen auf Alex im Nachtod fixiert (Nina ist Alex eine Hilfe..) Auch Daniel Kohn funktioniert als Charakter auf einer ähnlichen Ebene. Nebencharaktere sind Hilfsmittel oder im schlimmsten Fall wandelnde Klischees (Neonazi in der Wurstbude, Wurstbudenbesitzer, Buddha und das "Deckelchen", um nur einige zu nennen.

Mieses Karma ist vor allem eins: Mies. Dieses Buch würde ich niemandem empehlen - und das ist an und für sich schade, ist die Idee, die dahintersteckt, doch ziemlich brillant. Die Durchführung ist allerdings unterirdisch - wie Kim Lange im Ameisenbau. Haha.. (Ja, so ungefähr ist das Niveau mancher Scherze im Buch. Passt doch..)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 4, 2016 8:29 AM MEST


Junge Vegane Küche: gesund, vielfältig und einfach lecker
Junge Vegane Küche: gesund, vielfältig und einfach lecker
von Philip Hochuli
  Broschiert
Preis: EUR 22,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solide Schweizer Küche, 19. Februar 2015
Grafik, Design und generelles Aussehen
"Junge vegane Küche" geht den sehr schweizerischen Weg der Ringbuch-Bindung nach Art "Betty Bossi". Vielleicht war es für den jungen Autor (und soweit ich weiss auch Selfpublisher) so am günstigsten, oder vielleicht wurde die Nähe zum Betty-Bossy-Kochbuchformat für den Schweizer Markt auch bewusst gewählt - Was immer es war, es funktioniert. Für mich ist eine Ringbuchbindung die beste Methode, ein Kochbuch zu binden. Nichts klappt zu, alles bleibt an Ort und Stelle, das Buch ist in jeder möglichen Position "hälftig" auf dem Tisch hinlegbar. Mit etwas weniger als einem Zentimeter Dicke und dem minimalen Gewicht von etwa 3-4 Schokoladentafeln eignet sich das Buch zudem doppelt und dreifach für die Küche, auch die Mobile Küche oder fürs Mitnehmen in den Urlaub oder zu Besuch oder wo auch immer. Und wer befürchtet, die Ringbuchbindung sei nicht stabil, den kann ich beruhigen - Ringbuch-Bindungen halten sehr, sehr lange, und eignen sich für Kochbücher sehr gut. Meine Mutter hat noch Betty-Bossy-Kochbücher aus den 1970er-Jahren, bei denen noch keine einzige Seite aus der Bindung herausgerissen ist. Auch "Stürze" vom Tisch oder dergleichen halten die Bücher gut aus.
Die Grafische Gestaltung präsentiert sich folgendermassen: Rezepte befinden sich immer auf der linken Seite, die rechte Seite ist für Fotos vorgesehen. Dieses Schema zieht sich (vermutlich auch wiederum der Einfachheit halber und aus Kostengründen) durch das ganze Buch. Erfreulich ist hier zu erwähnen, dass mit Ausnahme einiger weniger Basisrezepte (Salatsossen usw.) alle Rezepte bebildert sind. In den meisten Fällen findet man 2-3 Rezepte pro SEite, und somit auch 2-3 Bilder pro gegenüberliegende Fotografieseite.
Die gewählte Schrift kommt ohne grossen Firlefanz und Schnörkel aus. Titel der Rezepte sind in Grossbuchstaben gehalten, daneben befinden sich kleine Logos, die auf Eigenschaften des Rezept hinweisen (zb. (G) für Glutenfrei). Direkt unter dem Rezepttitel findet man die Portionenangaben. Etwas weiter unter dem Rezepttitel befindet sich dann die Zutatenliste, die in einem dunklen Grau gehalten ist, daneben befinden sich die Zubereitungshinweise wiederum in Schwarz und in einer leicht anderen Schrift als die Zutaten. Die Schriftgrösse schätze ich auf 11 Punkte, sie ist gerade noch angenehm von der Grösse her. Einzig der Wechsel von Grau/Schwarz und den Schriften finde ich manchmal ein wenig mühsam, das könnte man aber als Korinthenk*****rei bezeichnen. Hier wurde vermutlich aus Kostengründen auf Farbe verzichtet, das wäre aber angenehmer gewesen.
Falls das Rezept zwei Komponenten enthält (zb. eine Sauce zu einem Gericht) wird dies sowohl in den Zutatenlisten als auch in den Zubereitungsschritten deutlich abgetrennt vom Restgericht (durch Fettschreibung oder den Hinweis "Sauce"). Dies erleichtert die Zuordnung von Arbeitschritten und Zutaten.
Zuunterst befindet sich mittig bei der Seite die Seitenzahl, und daneben noch der Hinweis, in welchem Kapitel des Buches man sich befindet (zb. "Hauptgänge"). Letzteres ist nötig, da keine Seiten dafür verwendet werden, die Kapitel voneinander abzusondern.

Inhalt
"Junge vegane Küche" kommt für ein deutschsprachiges Kochbuch mit erstaunlich wenigen einführenden Seiten aus. Ein kurzes Vorwort (mit prominent platziertem Ganzkörperofot des Autors), sowie eine "Über-mich"-Seite findet sich noch vor dem Inhaltsverzeichnis. Weitere zwei Seiten sind dann generellen Hinweisen vorbehalten, eine weitere Seite informiert über "Abkürzungen und Erläuterungen" und dann sieht sich der Leser auch schon der ersten Rezeptseite gegenüber. Es geht also ziemlich rasch ans Eingemachte.
Die zwei Seiten Fakten gliedern sich in die Unterpunkte "Ein Plädoyer für pflanzliche Küche" sowie ein "Plädoyer für Bio", auf der zweiten Seite wird über Allergiker-Informationen informiert, Einkaufstipps gegeben und auf Dinge hinwiesen, die wichtig sind, "bevor es losgeht". Gerade bei den beiden Plädoyers fällt angenehm auf, dass Hochuli weiss, wie man zitiert: Er verwendet für die wichtigsten Behauptungen Fussnoten und gibt seine Quellen an. Ein gewisses wissenschaftliches Denken ist also vorausgesetzt, wenngleich er für die Behauptung, man könne mit veganer Kost zahlreiche Zivlisationskrankheiten vorbeugen, leider gerade keine Quelle angibt. Da er vor allem auf den nachhaltigen Aspekt der veganen Ernährung eingeht, scheint der gesundheitliche Aspekt (zum Glück?) nicht seine Hauptmotivation zu sein. Im Plädoyer für Bio erwähnt Hochuli vor allem die Vorteile der Schweizer Biozertifikation im Vergleich zum niedrigeren Eu-Bio-Standard. Hier werden einige Behauptungen gemacht, bei denen sich eine nähere Reflexion unter Umständen noch lohnen würde, zb., dass die Qualität von Bioprodukten höher sei. Unreflektiert bleiben zudem die Aussagen, dass Bio ohne Gentechnik und ohne Zusatzsstoffe wie Farb- und Aromastoffe usw. auskomme. Dies ist faktisch korrekt, allerdings bleibt der Leser ohne eine genauere Einordnung dieser Fakten zurück.
Die Devise ist klar vorgegeben: Hier gehts um Rezepte. Hochuli verliert nicht viele Worte, bis die ersten Rezepte anstehen, und wo er Worte verliert, sind sie durch Fakten und Quellen belegt und haben einen sehr niedrigen Bullshit-Faktor. Für mich ist diese Einstellung erfrischend - für Neuveganer und Interessierte präsentiert sich das Buch diesbezüglich allerdings womöglich lückenhaft. Immerhin einige wenige konkrete Hinweise auf Aspekte der Supplementierung und Versorgung mit wichtigen Nährstoffen (vor allem der Hinweis auf die Supplementierung von B12) hätten durchaus angefügt werden können.
Nach dem dominierenden Rezeptteil findet der Leser noch vier Seiten "Tipps und Hinweise". Dies darf man vor allem als Einführung in den veganen Einkaufsschrank verstehen. Hier erläutert Hochuli zb., wie man Eier in Rezepten ersetzen oder weglassen kann, welche Margarine er verwendet und warum, welche Mehlsorten er verwendet und welchen Mehlsorten dies in Deutschland entspricht, welche Pflanzendrinks es gibt und dergleichen. Hier fällt vor allem auf, wie kompetent und unaufgeregt der Autor mit der Palmöl-Frage umgeht (S. 105). Vermisst wurden hier allerdings noch Hinweise auf Gelatineklärung bei Essigen und Fruchtsäften. Dies ist für Neuveganer oft ein Stolperstein.

Zu den Rezepten: Das Buch enthält mehr als 100 Rezepte, die in vielen Fällen einen klaren Schweiz-Bezug haben. Gegliedert sind die Rezepte in die Kategorien "Basics", "Allerlei", "Gemüse", "Hauptgänge" und "Süsses". Unter "Allerlei" findet der Leser vor allem Salate, Vorspeisen und Snacks, während die anderen Kategorien selbsterklärend sind. Vor allem die Kategorie Hauptgänge empfand ich als Leserin in manchen Fällen etwas willkührlich zusammengewürfelt. In vielen Fällen hätte es sich angeboten, die Kategorie nochmal von "Beilagen"-Rezepten abzugrenzen. Im Falle von reinen Gemüsegerichten wurde dies ja getan. So finden sich zum Beispiel in den Hauptgängen ein Rezept zu "Sellerieschnitzel", dass eigentlich sehr gut in die Gemüsegerichte gepasst hat. Als Leser kann man nur mutmassen, dass es deswegen in den Hauptgängen steht, weil auf derselben Seite noch ein Bild/Rezept zu "Rosmarinpolenta" abgedruckt wird. Es kann also sein, dass die beiden Dinge zusammengehören. Die getrennten Fotos sprechen allerdings wiederum dagegen. In solchen Fällen wäre es manchmal gut gewesen, wenn der Autor seine "Stimme" hätte einfliessen lassen in die Präsentation der Rezepte, und wäre es nur in einer kleinen Zeile mit dem Titel "Dazu passt..." gewesen, oder auch manchmal in kleinen Notizen oder Anekdoten. Platz genug wäre in den meisten Fällen gewesen.

Erwähnenswert ist auch noch der klare Schweiz-Bezug. Es fängt da an, wo Hochuli "Speckwürfeli" schreibt statt "Speckwürfelchen" und setzt sich fort, wenn er traditionelle Schweizer Gerichte veganisiert. Zwiebelwähe, Riz Casimir, Zürcher Geschnetzeltes oder Rösti erfreuen das Schweizer Herz ebenso wie verschiedene süsse Wähen (Obstkuchen im Rundblech), Engadiner Nusstorte und Magenbrot. Damit setzt Hochuli klare Akzente für das Schweizer Publikum, und beweist, dass er Talent hat, wenn es darum geht, Dinge zu veganisieren und Rezepte zu perfektionieren.
Neben der gutbürgerlich-schweizerischen Küche finden sich auch Akzente aus aller Welt im Buch, zb. griechisches Moussaka, italienische Klassiker wie Lasagne und Spaghetti-Sossen, aber auch Falafel aus dem mittleren Osten, französisches Ratatouille und Quiche sowie gutdeutsche "Klassiker" wie Fischstäbchen und Döner. Auch hier lässt sich sagen, dass das ein Querschnitt ist aus Rezepten, die im Verlauf der letzten fünf Jahrzehnten Einzug in die Schweizerische Küche gehalten haben, das Buch aber auch sehr interessant für deutsche oder österreichische Leser machen sollten.

Hinweise zu Soja- oder Glutenfreiheit finden sich, wie bereits erwähnt, bei jedem Rezept gut platziert. Auch die Portionenangaben sind gut positioniert und sichtbar. Vermisst habe ich allerdings grobe Zeitangaben zur Zubereitung der Rezepte. Das ist immer schade, wenn so etwas nicht berücksichtigt wird.

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Dafür, dass Hochuli Autodidakt ist, sind seine Rezepte erstaunlich akkurat. In manchen Fällen habe ich kleine Veränderungen oder Verbesserungen angebracht, aber meistens klappte das ganz gut, wie es im Rezept vorgegeben wurde. Dies hat mich positiv überrascht - es zeugt für mich davon, dass Hochuli wirklich lange daran gearbeitet hat, seine Rezepte zu perfektionieren und sie vermutlich immer und immer wieder gekocht hat.
Dafür spricht auch, dass Hochuli sogar für verschiedene Teigsorten eigene Rezepte entwickelt hat, und darauf immer wieder verweist. Im ganzen Buch kommt Hochuli ohne den Zukauf von Fertigprodukten wie Strudelteig, Kuchenteig, Mayonnaise usw. aus - fast alles wird selber gemacht. Dies ist einerseits förderlich, wenn es um die Betrachtung der Zutaten geht: Ich habe im ganzen Buch kaum Zutaten gefunden, die ich nicht in "meinen" regulären Supermärkten in der Schweiz finden würde. Für manches muss man in den Bioladen (Sojamehl, Tempeh), aber im grossen und ganzen kauft Hochuli vermutlich in denselben Läden ein wie ich - bloss in einem anderen Kanton. Sehr, sehr angenehm. Ebenso verzichtet er komplett auf Fleischalternativprodukte. Fleischalternativen werden selber hergestellt (zb. Meatballs auf Tofu-, oder Linsenkroketten auf Linsenbasis) oder es werden die klassischen pflanzlichen Eiweissträger Tempeh, (Räucher-)Tofu oder Seitan verwendet.
Der Aufwand liegt zwischen normal und hoch. Vor allem bei Rezepten, in denen Hochuli eigene Teige vorsieht, erhöht sich der Aufwand für die Rezepte dann doch, wenn man den Teig wirklich selber macht. Man kann aber auch ohne Probleme auf einen Fertigteig ausweichen, zb. Strudelteig, wenn man keine Lust oder keine Zeit hat, sowas selber zu machen. Dann sinkt der Aufwand auch wieder. Allgemein gesehen sind die Rezepte nicht wirklich aufwändig, ein Grossteil lässt sich gefühlt auch unter 30 Minuten fabrizieren, vor allem die Gemüsegerichte und verschiedene Hauptgänge. Dadurch, dass die Zutaten wenig exotisch sind, spart man natürlich auch beim Einkauf viel Zeit und hat somit weniger Aufwand.

Nachgekochte Rezepte
Im Jahr 2014 habe ich etwas mehr als 20 Rezepte aus "Junge vegane Küche" nachgekocht, ohne klaren Fokus auf eine bestimmte Rezeptkategorie. Ich habe auch Süsses nachgebacken, nicht so wie bei vorherigen Kochbüchern im Jahr 2013. Die Bewertung bewegte sich in den meisten fällen auf dem Niveau vier oder fünf Sterne, mit einigen Ausreissern nach drei Sternen. Durchgefallen ist kein Rezept, was ich wirklich beachtenswert finde.

Fazit: "Junge vegane Küche" bringt im Gepäck mit: einen Hauch Hobbyküche, einen Hauch Autodidakt und eine grosse Menge an gut nachkochbaren, schmeckenden und soliden Rezepten sowie eine fundierte Warenküche. Man spürt die Motivation hinter der Entstehung dieses Buchs. Hochuli ist ein Risiko eingegangen und hat es selbst verlegt bzw. bei Books on Demand drucken lassen. Man merkt dem Buch dann aber auch an, dass Hochuli vieles mehrmals durchdacht und Rezepte einige Male nachgekocht, perfektioniert und getestet haben muss. Die Fehlerquote ist niedrig, die Rezepte gelingen und schmecken gut bis sehr gut. Der Fokus liegt klar auf den Rezepten, der Autor will weder missionieren, noch veganisieren, noch überhaupt grossartig Worte verlieren. Beachtenswert ist vor allem der Bezug auf gutbürgerliche (Deutsch-)Schweizer Küche und alle die ausländischen Einflüsse, die in den letzten Jahrzehnten in die Schweizer Küche Einzug gehalten haben und nun zum Standartrepertoire der Deutschschweiz gehören. Hier positioniert sich Hochuli sicher einzigartig in der deutschsprachigen veganen Kochbuchwelt, ohne sich bei den Schweizern künstlich anzubiedern. (Das Wagnis hat sich für Hochuli übrigens gelohnt. Sein zweites Kochbuch "Vegan - die pure Kochlust" erschien vor einem Jahr beim namhaften AT-Verlag.)
Hochulis Kochbuch ist geeignet für Leute, die bereits grundlegende Kochkenntnisse und/oder die einen klaren Schweiz-Bezug haben. Für brutale Kochanfänger ist das Buch eher bedingt geeignet, auch vermisst ein interessierter Omni vielleicht nähere Einführungen und Erläuterungen zum Veganismus. Für Omnis, die deem Veganismus als Gesamtes eher skeptisch gegenüberstehen, könnten die fehlenden näheren Einführungen allerdings auch ein guter Grund sein, das Buch zu kaufen/geschenkt zu bekommen. Missioniert wird man bei "Junge vegane Küche" allerhöchstens durch das Essen selber.
Kaufempfehlung: 4 von 5 Sternen!


Let Them Eat Vegan!: 200 Deliciously Satisfying Plant-Powered Recipes for the Whole Family
Let Them Eat Vegan!: 200 Deliciously Satisfying Plant-Powered Recipes for the Whole Family
von Dreena Burton
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,75

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solides Werk, 19. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Grafik, Design und generelles Aussehen
"Let them eat vegan" ist ein eher taschenbuchartiges Kochbuch. Es ist nur wenig grösser und breiter als das A5-Format, und ca 2 cm dick, nicht besonders schwer. Es eignet sich also wie andere Taschenbücher gut zum Mitnehmen und durchblättern unterwegs, im Vergleich zu Hardcovern ist das ein Vorteil. Da das Buch allerdings relativ dick ist, gibts gerade im ersten und letzten Viertel ein wenig das Problem, dass die Seiten nicht von allein auf dem Tisch halten, und beschwert werden müssen. Ab einer gewissen Seitenzahl halten die Seiten dann "von selbst" auf dem Tisch. Das machts leider etwas mühsam beim Kochen und Durchblättern.
Grafisch wird im Buch sehr viel WErt darauf gelegt, abzugrenzen: Pro Seite findet sich konsequent nur ein Rezept, die Rezepttitel sind nicht nur mit einer Farbe, sondern auch mit einem Rahmen plus farbigem Hintergrund vom Rest des Rezepts abgehoben. Die Titel sind fett und in Weinrot gedruckt, darunter findet sich deutlich die Angabe, für wieviele Personen das Rezept ist. Weitere Angaben wie beispielsweise Glutenfrei oder Sojafrei finden sich darunter als Schrift plus einem grossen "Free"-Aufdruck in einem dunkelroten Kreis. Neben dem Titel und diesen Angaben findet sich bei jedem Rezept eine Anmerkung der Autorin, beispielsweise zur Herkunft des Rezeptes oder Anekdotisches und so weiter. Dadurch, dass sich diese Anmerkungen innerhalb des grossen Rahmens mit dem Titel usw. befinden, sind sie deutlicher vom Rest des Rezepts abegrenzt als in jedem anderen Kochbuch, dass ich bisher gelesen habe. Das ist sympathisch, weiss man doch, was man überspringen muss (wenn man solche Anmerkungen nicht mag), oder was man bevorzugt lesen kann (wenn man sie mag.)
Die Rezepte selber werden in zwei Spalten präsentiert. In der ersten Spalte findet sich die Zutatenliste, und in der Spalte daneben in mehreren übersichtlichen Abschnitten die Rezeptanweisungen. Die Schrift wird im Gegensatz zum weiteren Rezeptspezifischen Anmerkungen oder dem Titel konsequent schwarz gehalten. Unter den Arbeitsschritten befinden sich bei vielen Rezepten dann wiederum in weinroter Schrift Anmerkungen zum Rezept selber, beispielsweise "Ingredients 411": Unter diesem Titel schreibt Burton, wie man eine spezielle Zutat bekommen könnte. Weiter finden sich hier Anmerkungen zu Substitutionen von Zutaten, oder zu Zutaten, die man noch hinzufügen könnte, sowie Tipps zu gewissen Arbeitstechniken (bspw. wie man ein Risotto sehr cremig bekommt, oder was man tut, wenn das Quinoa mit der angegebenen Menge Wasser noch nicht durch ist.)
Grundsätzlich kann man sagen, dass das Buch im Rezepteteil sehr strukturiert gestaltet ist. Auch die Einführungs- und Zutatenkapitel am Anfang sind zweispaltig gegliedert und es werden zur Unterstützung der Struktur fette, kursive sowie farbige Akzente gesetzt. Einzig bei der Schriftgrösse in den Rezepten kann man einen Kritikpunkt anbringen. Die ist nämlich locker 2 Punkte kleiner als im ausführlichen Informationsteil am Anfang und am Ende des Buches. Den Rezepten hätte es gut getan, wären sie noch etwas grösser geschrieben worden. Grad in der Hitze des Gefechts in der Küche möchte ich mich nicht extrem über das Buch beugen müssen, um nochmal rasch nachlesen zu müssen.

Wie viele amerikanische Kochbücher ist auch das Kochbuch von Burton nicht unbedingt spezifisch mit Fotografien geplant worden. Es gibt im Inneren des Buches eine Art eingebundene "Beilage" von 16 Seiten, in denen ungefähr 35-40 Rezepte fotografisch mit durchaus hoher Qualität festgehalten wurden. Für den Rest der Gerichte sind keine Fotografien verfügbar. Für mich ist das Ansehen von Fotos kein Must-have, wer aber darauf nicht verzichten möchte, der wird von diesem Kochbuch eher enttäuscht in dieser Hinsicht.

Inhalt
"Let them eat vegan" enthält mehr als 200 Rezepte. Um zu diesen zu gelangen, blättert/liest sich ein Leser allerdings erst einmal durch 30 Seiten Einleitung. Hier bewegt sich Burtons Kochbuch eher in der klassischen Herangehensweise eines veganen Kochbuchs. Auch wenn es nicht ihr erstes ist und auch wenn Veganismus in den letzten Jahren (vor allem in den USA, nehme ich an) mehr an Popularität und Bekanntheit gewonnen hat, wie sie in den ersten Seiten schreibt, wird im Buch nicht darauf verzichtet, eine ausfürhliche Einleitung ins vegane Kochen zu geben. Burton macht dies allerdings eher aus dem Blickwinkel heraus, wie ihr Kochbuch aufgebaut ist, welche Produkte sie verwendet (inkl. ausführliche Warenkunde), welche Utensilien die Küche beinhalten sollte und dergbleichen. Gerade im Abschnitt über den veganen Vorratschrank bekommt man noch einmalausfürhlich alles alphabetisch präsentiert, was es an normalen und etwas exotischeren veganen Zutaten gibt. Zu vielen Zutaten gibt Burton auch noch spezielle Tipps, die unter "Kitchen Buzz" rot dargestellt werden. Dieser Part scheint für einen geübten Koch teilweise eher ein "Zuviel des Guten" zu sein. Für jemanden, der noch wenig Ahnung von in der veganen Küche oft gebrauchten veganen Zutaten hat, oder generell ein Kochneuling ist, ist diese Aufzählung allerdings Gold wert, stelle ich mir vor.

In den ersten drei Seiten, bevor sie in eine Erklärung gewisser Anmerkungs-Kategorien startet, die später in den Rezepten vorkommen, erfahren wir dann aber doch noch klassischerweise etwas über die Intentionen der Autorin, das Kochbuch verfasst zu werden. Hier scheint vor allem der Gesundheitsaspekt mitzuspielen: Sie spricht davon, dass sie der Meinung ist, dass tierfreie Fertigprodukte, die mit der zunehmenden Popularität des Veganismus mehr und mehr aufkamen, zwar ethisch korrekter seien, aber eben auch gesundheitlich gesehen problematischer. Sie sieht Ersatzprodukte für Fleisch und Milchprodukte vor allem als wertvoll für den Einstieg und die Verwöhnung zwischen durch, betont aber, dass es für sie klar sei, dass man sich nicht ständig von solchen Dingen ernähren solle, und dass ihre Rezepte auch nicht darauf abzielten, dass man ständig solche Produkte kaufen müssen. Diese Aussgen müssen natürlich in einem amerikanischen Kontext betrachtet werden, wo der Markt für vegane Ersatzprodukte noch einmal grösser ist als hierzulande oder in Deutschland. Durch höhere Nachfrage werden Produkte über dem Teich vermutlich auch günstiger angeboten. Die Ernährung als "Pudding"-Veganer scheint in den Usa noch einmal realistischer möglicher zu sein als hierzulande, weswegen dann wiederum eine solche Ansprache auch in gewisser Weise nachvollziehbar ist. Wenn sie im folgenden Absatz davon spricht, dass diese Ersatzprodukte keine echte Nahrung seien, und dass die Ernährung zu 90-100% aus "whole foods" und "lower-fat" pflanzlichem Essen bestehen soll, habe ich aber ein wenig Mühe mit diesem erhobenen Zeigefinger. Es gibt auch Ersatzprodukte (die eigentlich besser Alternativprodukte genannt werden sollten), die beispielsweise zu einem Grossteil aus Tofu bestehen, oder aus Seitan - das ist dann meines Erachtens nach nicht mehr vergleichbar mit stark verarbeiteten Produkten. Ebenso finde ich es interessant, dass sie Gerichte mit niedrigem Fettgehalt empfiehlt, dass dann aber sehr viele Rezepte aus meiner Perspektive damals in meiner Kochbuchchallenge nicht für die Ernährung nach Weight Watchers, die ja auch Low-Fat propagieren, geeignet waren, eben weil zuvieles mit zuviel Fett und Zucker gemacht wurde. Es ist für mich auch fraglich, wie man low-fat und whole food einhalten soll, wenn mehr als ein Drittel der Rezepte Kuchen, Kekse, Cremen, Muffins, süsse Frühstücke oder Eiscreme-Rezepte sind. Meines Erachtens sollte man den Anteil an Süssen Sachen runterschrauben, nicht einfach nur Weissmehl durch Vollkorn- oder glutenfreies Mehl ersetzen. Ich persönlich nehme eher zu, wenn ich mir jeden Tag Muffins reinziehe, dafür aber auf Ersatzprodukte aus Tofu oder Seitan verzichte.
Der Rest der vierseitigen Einleitung besteht weiter aus Anekdoten, Hinweisen zum Aufbau des Buches und generellen Anmerkungen. Es muss hier angemerkt werden, dass vollständig darauf verzichtet wird, den Veganismus an sich zu erklären, gesundheitliche Aspekte der veganen oder omnivoren Ernährung an sich zu analyiseren und hervor zuheben oder die ethische Komponente detaillierter zu erklären. Das ist meines Erachtens positiv, führt aber auch dazu, dass keine Hinweise darauf gegeben werden, inwiefern man beispielsweise zu Calcium in der veganen Ernährung kommt, oder dass man auf jeden Fall B12 substituieren müsste. Wenigstens tappt die Autorin nicht in die esoterische- oder unwissenschaftliche Bullshit-Falle, wie leider zuviele Autoren und Autorinnen von veganen Kochbüchern (und sonstigen Büchern..)

Ein weiterer Teil "Inhalt" der Nicht-Rezeptart findet man dann am Schluss des Buches. Nach dem letzten süssen Desserterzept finden sich ca. 20 Seiten Anmerkungen darüber, wie man eine vegane Familie ernährt, und wie man vegane Lunchboxen füllt sowie wie man seine Familie oder sich selber dazu bringt, mehr Grünzeug zu essen. Ich bin selber Single und habe keine Familie zu versorgen, ich denke aber, dass es für einige Leser sehr interessant sein kann, einen Einblick zu erhalten, wie eine vegane Mutter ihre Familie vegan "powered", wie sie es so schön schreibt. Einige Tipps scheinen mir auch interessant für diejenigen Umsteiger, die ihre omnivore oder vegetarische Familie nach und nach zur dauerhaften veganen Küche führen möchten. Einige wenige Anmerkungen zum Füttern von Babies finden sich auch, allerdings verzichtet Burton (zum Glück) darauf, detaillierte Baby-Ernährungspläne zu geben oder dergleichen. Generell finde ich die Anmerkungen in diesem Teil des Buches sehr angenehm. Sie eignen sich für viele verschiedene Leser. Grad die Tipps, wie man mehr Grünzeug in seinen Alltag anbaut, könnte für einige interessant sein, wohingegen andere vielleicht eher damit hadern, die Sandwichbox des Kindes vegan zu befüllen, und dafür Tipps brauchen könnten.
Abgeschlossen werden diese Anmerkungen mit Anleitungen zur Kochzeit von Getreidesorten sowie Hülsenfrüchten, einer Konversationstabelle vom amerikanischen zum europäisch-metrischen Messsystem sowie einem sehr ausfürhlichen, hilfreichen Inhalts bzw. Stichwortsverzeichnis.

Kommen wir zum Rezepteteil. Die mehr als 200 Rezepte (genau nachgezählt habe ich nicht ;)) gliedern sich in ganze elf Kapitel. Klassischerweise fängt Burton mit den Frühstückssachen an (Breakfast Bites and Smoothies), geht über zu den Salaten, zu Dips und Sossen, bis sie sich den Suppen widmet. Weitere Kapitel befassen sich mit "Sides", also Beilagen, mit Eintopf-artigen Gerichten und Tartes, ein weiteres Kapitel widment sich den Burgern. Ein weiteres deftiges Kapitel befasst sich dann mit Nudelgerichten, ehe sich Burton dann dem Süssen widmet (Kekse (Kapitel 9), Kuchen, Pies und Puddings (10), Eiscreme (11)). Das Kochbuch ist also klar ein Querschnitt durch die vegane Küche. Die einzelnen Kapitel glänzen dann auch nicht durch eine grosse Quantität sondern eher durch Qualität. Manche Kapitel enthalten nur wenige Rezepte, so finden sich nur fünf Salat- und elf Burgerrezepte in den entsprechenden Kapiteln, wohingegen andere Kapitel deutlich mehr Platz erhalten. Wie bereits angesprochen sind das vor allem die Dessertkapitel, die drei von 11 Kapiteln umfassen (plus ein halbes beim Frühstück), aber rein von der Seitenzahl mehr als 90 Seiten einnehmen.

Wie bereits erwähnt, legt Burton sehr viel Wert auf die Angabe von Allergenen. Gluten-, weizen- und sojafreie Optionen oder auch optional modifizierbare Rezepte sind deutlich hervorgehoben. Was allerdings ein wenig fehlt, sind klare, übersichtliche Zeitangaben.

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Burtons Rezepte sind gut umsetzbar, wenn man sich an die angegeben Arbeitsschritte hält. Ich habe hierbei keine grossen Fehler beobachten können, ausser einen, der aber auf den fast defekten Ofen meiner Oma zurückzuführen war (Anekdote: Die weihnachtliche "Festive Chickpea Tart" brauchte etwa doppelt so lang. Technik!).
Geht man allerdings von den Zutaten und vom Aufwand her, so muss ich klar sagen, dass Burtons Rezepte in diesem Buch sich eher an der oberen Grenze bewegen. Die Zutatenlisten bei den Rezepten sind eher länger als üblich. Wenn Robin Robertsons "Vegan Planet" ein Indikator für sehr wenige Zutaten ist, bewegt sich Burtons "Let them eat vegan!" eher diametral entgegengesetzt am anderne Ende der Fahnenstange. Sie benutzt nicht unbedingt viele exotische Zutaten, allerdings benutzt sie eine ziemlich deausgeklügelte Gewürzeküche. Die Zutatenliste wird auch deswegen noch einmal als teilweise überladen empfunden, weil manche Sachen folgendermassen aussehen:
-1/2 cup plain unsweetened nondairy milk (almond or soy preferred; see "Plant-Powered Pantry,", page xxxiii)
oder: -1 tablespoon light-flavored olive oil (not extra virgin) or other neutral-flavored oil (optional; see "Plant-Powered Pantry," page xxxii)

Leider sehen viele Zutaten in den Zutatenlisten so oder ähnlich aus. Das lässt die Zutatenliste sehr überladen wirken. Meines Erachtens ist es auch unnötig, ständig auf den plant-based Vorratsschrank zu verweisen. Ich kann solche Sachen auch gut querlesen, aber es ist gut vorstellbar, dass die schiere Länge vieler Rezepte Kochneulinge oder Neulinge der veganen Küche eher abschreckt, so gut und durchdacht die Rezepte an und für sich dargestellt sind. Bei manchen Sachen sind auch bereits Verarbeitungsschritte in die Zutatenliste hinzugefügt, zb. "2 Cups Zucchini that has been halved or quartered lengthwise and sliced about 1/4 inch thick". Auch das lässt die Zutatenliste nicht gerade kürzer werden.
Für mich hat das dazu geführt, dass ich - gerade in Kombination mit fehlenden Gesamtzeitangaben) sehr oft mehr Zeit berechnet habe, als ich dann tatsächlich gebraucht habe. Dies ist vermutlich auch dem Eindruck geschuldet gewesen, den diese überladenen Zutatenlisten subjektiv hinterlassen. Andererseits hatte ich dann auch bei einigen Rezepten zuwenig Zeit einberechnet, weil teilweise Arbeitsschritte wie zb. das Rüsten des Gemüses in der Zutatenliste "versteckt" werden statt als Arbeitsschritt im eigentlichen Rezept angegeben.

Von den Zutaten her scheint mir sehr vieles gut machbar. Einige Mehl-Sorten und vor allem diverse Backzutaten, die in den süsseren Kapiteln vorkommen, könnten bei Personen ohne oder nur mit schwerem Zugang zu Bioläden oder Reformhäusern etwas Probleme bereiten. Ich denke da vor allem an Hafer-, Dinkel- oder Hirsemehl, aber auch Reismehl, Xanthan, brauner Reissirup oder rohe Macadamiabutter. Man muss also schon bereit sein, viel mit Substitutionen zu arbeiten oder aber sich solche Zutaten aus dem Netz zu bestellen oder halt den Umweg zu einem Bioladen auf sich zu nehmen, wenn solche Zutaten schwer beschaffbar sind.
Bei den anderen Rezepten hält es sich mit "exotischeren" Zutaten eher in Grenzen, wie ich das bei meiner Nachkocherei gemerkt habe. Das schwierigste war noch "Tempeh", aber auch das ist mittlerweile sogar in meinem Lieblings-Asia-Laden verfügbar.

Nachgekochte Rezepte
Gerade weil ich viele Rezepte während meiner aktiven Weight-Watchers-Abnehmphase nachgekocht habe, habe ich mich vor allem auf die Rezepte gestürzt gehabt, die tatsächlich low-fat waren und eher zur herzhaften Sorte gehörten. Ich kann das Buch deswegen eher wenig aus der Perspektive der süssen Desserts wie zb. Muffins oder Kuchen bewerten. Die Muffins, die ich nachgebacken habe, erhielten von mir immerhin die respektable Bewertung "gut".
Dies bewegt sich in etwa im Rahmen der Rezepte, die ich getestet habe. Die meisten Rezepte habe ich in meiner Datenbank mit 4 von 5 Sternen bewertet, es gab auch Hitrezepte, die ich jederzeit sofort wieder nachkochen würde. Generell scheint mir Burton viel vom Kochen zu verstehen! Die ellenlangen Zutatenlisten stehen also wirklich auch für Qualität und geben vielen Rezepten den letzten Schliff - das ist dann der Vorteil daran, dass eben zb. ein ausgeklügeltes Gewürzsystem verwendet wird.

Lieblingsrezept: No-Fu-Love Loaf. Prädikat: "Fantastischgenialgeil".

Fazit
Dreena Burtons "Let them eat vegan!" ist ein an vielen Stellen gut durchdachtes Buch, das aber an einigen Ecken auch etwas krankt. Einerseits sind die ausfürhliche Einleitung mit ihrem "vegan pantry", die breite Palette an Rezepten für jeden Bereich der Küche und die vielen Tipps zur veganen Ernährung im Alltag dazu geeignet, Neulinge an die vegane Ernährung zu bringen, und richten sich auch deutlich an Kochneulinge. Allerdings führen überladene Zutatenlisten, eine kleine Schrift in den Rezepten sowie Produkte gerade im Backbereich, die nicht überall erhältlich sind, dazu, dass Kochneulinge und in gewisser Weise auch Neulinge der veganen Küche auch abgeschreckt werden könnten.
Da die Rezepte aber sehr gut funktionieren und auch in den meisten Fällen gut bis sehr gut geschmeckt haben, verteile ich an "Let them eat vegan!" vier von fünf Sternen und somit eine Kaufempfehlung vor allem an diejenigen Veggies, die bereits mittel bis viel Erfahrung in der Küche haben. An totale Kochneulinge würde ich das Buch nicht verschenken, auch nicht an Leute, die darauf angewiesen sind, Essen in 20 Minuten auf den Tisch zu stellen.


The Get Healthy, Go Vegan Cookbook: 125 Easy and Delicious Recipes to Jump-Start Weight Loss and Help You Feel Great
The Get Healthy, Go Vegan Cookbook: 125 Easy and Delicious Recipes to Jump-Start Weight Loss and Help You Feel Great
von Neal Barnard
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,26

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unfertige Rezepte, Geschmack- und kreativlos, 19. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nachdem ich 13 Rezepte aus diesem Buch ausprobiert habe, und eigetnlich noch weitere 15 vor mir hätte, breche ich an dieser Stelle ab.
Kein einziges(!) Rezept hat in unveränderter Form von mir fünf von fünf Sternen bekommen, eher so zwei bis drei, ein paar vieren. das Lemony Lentil Stew von gestern abend war ein Reinfall sondergleichen, ich musste es gar wegwerfen. Sowas geht gar nicht:

Ich rate von diesem Buch sehr stark ab. Es wird viel zu wenig mit Gewürzen und Kräutern gearbeitet, was aber eigentlich nötig wäre, sind die Rezepte zu 90% nämlich komplett fettlos. Fett ist aber selbst in kleinen Mengen ein Geschmacksträger, und so präsentieren sich die meisten Rezepte irgendiwe "unfertig" und sind nur geniessbar, wenn man sehr viel selber noch dran schraubt.
Ich weiss wirklich nicht, wie Barnard und Webb hier auf den Trichter kommen, bisher ungesund lebende Omnis von veganer Küche zu überzeugen. SO funktioniert das auf jeden Fall nicht.


Appetite for Reduction: 125 Fast and Filling Low-Fat Vegan Recipes
Appetite for Reduction: 125 Fast and Filling Low-Fat Vegan Recipes
von Isa Chandra Moskowitz
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,09

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solides Machwerk, 25. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Grafik, Design und generelles Aussehen
Wer das "Veganomicon" kennt, der kennt quasi auch die Grafik dieses Buches hier. Appetite for Reduction ist ähnlich strukturiert gestaltet wie das Veganomicon. Gut lesbare Schrift, eine sinnvolle und klare Strukturierung, Einsatz von Farben zur Abgrenzung von wichtigen Informationen - you name it! Der Titel ist in Farbe gehalten, darunter kommen die Hinweise der Portionengrösse, der "aktiven" Zeit, die man benötigt, und der totalen Zeit, die das Rezept benötigt. Diese Unterscheidung finde ich übrigens genial. Da weiss man genau, wieviel Zeit man tatsächlich in der Küche steht.
Wie auch im Veganomicon finden sich hier Hinweise zu Allergenen in Symbolen, zb. (G), wenn ein Gericht Glutenfrei ist (oder mit wenigen Veränderungen glutenfrei gemacht werden kann). Es finden sich auch Symbole wie beispielsweise (30), was bedeutet, dass das Rezept nur 30 Minuten oder weniger braucht.
Der Einführungsteil des Rezeptes ist in einer anderen Schrift gehalten, als die Zutatenliste, die wiederum farbig gestaltet ist und sich mit einem Zentimeter Einzug deutlich abgrenzt. Die darauffolgenden Arbeitsschritte sind in einer anderen Schrift gehalten, und unterscheiden sich so vom Rest des Rezepts. Die Arbeitsschritte sind weniger deutlich als "Schritte" gegliedert, sondern präsentieren sich eher im Fliesstext. Mich stört das nicht gross, es mag aber Leute geben, die dies irritiert.
Weiters finden sich im ganzen Buch auch Tipps, die in grauen Boxen präsentiert werden, sowie "Nutrition Tips", die in einer Box mit hellbordeaux-Hintergrund gestaltet werden. Diese grafische Gestaltung ist sehr angenehm, da sie sich gut abgrenzt vom restlichen Rezept. Ähnlich wird das bei den Nährwertangaben gemacht. Diese finden sich immer am Rand und sind mit der typisch bordeauxroten Schrift ebenso deutlich abgegrenzt.
Das Buch selber ist ein Taschenbuch, das fast quadratisch gehalten ist. Es entspricht etwa 2/3 eines A4-Formates und ist ungefähr 2cm dick. Vom Gewicht und von der Grösse her lässt es sich gut herumtransportieren, und hat somit dem "Veganomicon" etwas voraus. Superpraktisch! Dank der einfachen Bindung lässt sich das Buch sehr gut aufgeklappt auf dem Küchentisch handhaben, ohne dass sich die Seiten verändern. Das Buch hält es auch aus, wenn man es etwas niederdrückt, um die Seiten offenzuhalten. Für die Küche ist das Buch somit super geeignet.
Wie auch das Veganomicon bzw. fast alle amerikanischen Kochbücher kommt auch dieses Kochbuch fast ohne Fotografien aus. In der Mitte des Buches findet man einen gesonderten Teil, bei dem sich Fotos von immerhin 30 Gerichten finden. Somit ist also ungefähr ein Viertel der Rezepte mit einer Illustration versehen. Die Fotografien befinden sich gestalterisch aber nicht auf einem hohen Niveau und sind meiner Meinung nach vernachlässigbar.

Inhalt
Von den Kochbüchern, die ich bisher rezensiert habe, glänzt "Appetite for Reduction" vermutlich mit der kürzesten Einführung überhaupt, wenn es um den veganen Aspekt geht. Neben dem veganen Aspekt ist dieses Buch ja auch auf einen eventuellen Gewichtsverlust durch eine eher fettarme, sättigende Küche ausgelegt. So findet sich in der Einleitung der Autorin (2 Seiten) vor allem die Erklärung, warum Moskovitz dieses Buch verfasst habe. In ihrem typischen angeregt-angenehmen STil beschreibt die Autorin, wie sie in den letzten Jahren immer mehr Pfunde angemampft hat, und dass das Verfassen von veganen Backbüchern (Cupcakes, Pies, Cookies) nicht unbedingt geholfen habe, die Pfunde zu verlieren. Ausserdem sei sie mit Schilddrüsenunterfunktion und PCOS diagnostiziert worden und hätte zudem aufgehört zu rauchen. Positiv finde ich auch, dass sie betont, es gehe nicht darum zu verzichten, und dass das Hauptziel sei, jederzeit gesättigt zu sein, statt sich auszuhungern. Ebenso interessant finde ich, dass sie in einem Absatz betont, dass der Wert einer Frau nicht von ihrem Gewicht abhänge. Sie hätte ihre Ernährung vor allem deswegen umgestellt, weil sie sich müde gefühlt habe, ihre Knie geschmerzt hätten und sie zuwenig Energie gehabt hätte. Das trägt zu einer positiven Botschaft bei, die sie sicherlich beabsichtigt hat, als sie dieses Buch geschrieben hat. Im Endeffekt bleibt es aber ein Low-Fat Kochbuch mit der Absicht, bei der Abnahme zu helfen. (Und warum sie nur "Girls" anspricht, ist mir etwas schleierhaft. Es könnten ja auch Männer abnehmen wollen..?)
Dieses Buch passt übrigens von der Philosophie her sehr gut in das Weight-Watchers-Programm, dass auf einem ähnlichen System basiert: Möglichst vollwertige, sättigende Küche mit vielen Ballaststoffen, vollwertigen Kohlenhydraten und Eiweissen, wenig Fast-Food, viel selbstgekochtem und Dingen mit niedriger Energiedichte. Deswegen hatte ich mir das Kochbuch ursprünglich gekauft - und in dieser Hinsicht enttäuscht das Buch auch nicht.
Positiv ist noch zu vermerken, dass Moskovitz nicht einfach darauf los schreibt mit einem Diätratgeber, sondern dass sie sich Hilfe von einem Ernährungsberater geholt hat, einem "dietican" namens Matt Ruscigno. Die Kalorienangaben und Nährwertangaben, die im übrigen nicht nur aus Fett, Eiweiss und Kohlenhydrate, sondern auch aus Vitaminen und Mineralstoffen bestehen, sind also vermutlich ziemlich sicher verlässlich. Das ist lobenswert!
Nach diesen zwei Seiten Einleitung kommt die Sprache das erste Mal auf die ideelen Hintergründe des Buchs. Neben der Abnahme, so Moskovitz, könnte man mit "Appetite for Reduction" auch ungesunde Zutaten vermeiden, den ökologischen Fussabdruck senken, die Kosten für das Lebensmittelshoppen sowie das Leid von Tieren vermindern. Angenehmerweise verzichtet Moskovitz hier auf weitere ellenlange Ausführungen. Das machts mir sympathisch - und vermutlich macht das das Buch auch geeignet für Vegetarier oder omnivore Menschen, die sich von zuviel Veganer Missioniererei eingeschüchtert fühlen.
Erwähnenswert ist übrigens auch, dass sich auf der nächsten Seite eine Konversionstabelle des amerikanischen Messsystems zum metrischen System befindet. So ist das Buch auch super für Nicht-Amis nutzbar.

In den darauffolgenden 4 Seiten mit dem Titel "Mission: Nutrition" kommt der bereits angesprochene Ernährungsberäter dann zu Wort und geht auf gesundheitliche Aspekte der im Buch vorgestellte Rezepte und allgemein der veganen Ernährung ein. Wert klegt er vor allem auf die Frage "Woher beziehst du dein X?", und arbeitet sich durch eine Reihe von Mikro- und Makronährstoffen, von denen immer wieder die Frage kommt, ob sie in der veganen Ernährung zur Genüge vorkommen: Eiweiss, Eisen, Calcium, Zink, Salz und Vitamin B12. Letztere sind übrigens okay und einigermassen korrekt, soweit ich das beurteilen kann. Er geht vor allem darauf ein, dass B12 sehr oft in Lebensmitteln zugegeben wird, zb. in Frühstückscerealien oder Säften, und dass, wenn man solches konsumiert, ein Mangel sehr unwahrscheinlich sei. Man solle also darauf achten, zu supplementieren, wenn man darauf verzichtet. (Inwiefern das einen Sinn macht, wenn es im Buch ja darum geht, vorgefertigte Lebensmittel zu meiden, ist dann die Frage.) Generell klingen seine Ausführungen etwas zu verharmlosend, in dem Sinne, dass ein echter B12-Mangel kaum vorkäme. Ich finde, man sollte die B12-info nicht derart niederspielen. Natürlich spielt sie oft eine zu grosse Rolle, aber man darf sie auch nicht herabspielen. Abzug gibt für die Behauptung, B12 käme in Nährhefe (nutritional yeast) vor. Das wäre mir nämlich neu. Eine Recherche zeigt, dass das nur für Mit b12-verstärkter Nährhefe gilt (Quelle).
Eine weitere Seite widmet sich noch den Fetten, also welche Fette man meiden sollte, welche man konsumieren soll, und so weiter. Das ist durchaus unüblich für ein Kochbuch, aber für ein Diät und Low-Fat-Kochbuch durchaus von Vorteil. Hier finden sich auch Erklärungen für Leute, die vielleicht davon noch nicht soviel Ahnung haben, und für eine Wikipediasuche bisher noch keine Zeit gefunden hatten.

Der Rezepteteil besteht aus 125 Rezepten und ist in mehrere Kapitel aufgegliedert: Salate, "Sides" (Beilagen), Gemüsegerichte, Hülsenfrüchte, Tofu- und Tempehgerichte, Nudelgerichte, Suppen und ein letztes Kapitel über "Curries, Chili & Stews". Auf Desserts verzichtet die Autorin konsequenterweise, was ich auch in Ordnung finde für das Buch. Dafür baut sie auf mehreren letzten Seiten noch kleine Minikapitel über "The Bowl" und Sandwiches ein. Mit der "Bowl" sind Ein-Teller-Gerichte nach dem Setzkastenprinzip gemeint, die ich sehr interessant finde. Dieser Trend schwappt zurzeit auch wieder über diverse Veganen Blogs und -Gruppen.
Erwähnenswert ist auch noch, dass einzelne Zubereitungstipps bei einzelnen Kapiteln detailliert aufgeführt sind. So findet sich in der Einführung zum Kapitel der Gemüsegerichte ein Haufen Tipps für alle möglichen Gemüsesorten. Ähnliche Hinweise findet sich beim Kapitel über Hülsenfrüchte, wenn auch etwas weniger detailliert. Dies ist natürlich vor allem für Kochanfänger sehr hilfreich!

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Moskovitz betont, dass sie die Rezepte im Hinblick auf berufstätige, aktive Abnehmwillige geschrieben hat. Dies trifft in den meisten Fällen auch zu. Sehr viele Rezepte sind unter 30 Minuten machbar (und auch so gelabeled) und/oder haben nur wenig aktive Zeit bei viel inaktiver Zeit. Man kann also während der Zubereitung noch anderes machen. Ich habe einige Rezepte während meinem Praktikum getestet, wo ich jeden Tag 2 Stunden mit dem Zug fahren musste, und lange Tage hatte. Vieles, was ich ausprobiert hatte, war auch noch superlecker nach dem Aufwärmen in der Mikrowelle, manches sogar noch besser als beim Kochen zuvor. Es hat auch meistens sehr lange gesättigt. Ich fand die Rezepte sehr tauglich für lange Büroalltage. Auch heute koche ich noch ab und zu aus dem Buch, wenn ich auf der Tankstelle arbeite. Der Aufwand hält sich bei den meisten Rezepten wie erwähnt gering.
Die Umsetzbarkeit ist auch gegeben. Man merkt, dass Moskovitz Ahnung vom Kochen hat. Sämtliche von mir getesteten Rezepte haben funktioniert, es gab keinen Vorfall von vergessenen Zutaten oder unklaren Arbeitsanweisungen
Von den Zutaten her liess sich auch keine besonders exotische Zutat feststellen. Pfeilwurzelmehl und Tempeh dürfte wohl noch die exotischste gewesen sein, wobei ersteres durch eine x-beliebige Pflanzenstärke ersetzt werden kann. Hier zeigt sich natürlich auch der Vorteil eines Low-Fat-Abnehm-Kochbuches - sämtliche Ersatzgerichte wie zb. veganer Käse, veganes Schnitzel oder aber auch nur schwer zu bekommender veganer Kuchen-/Blätterteig werden hier natürlich vermieden, auf Kosten von Basic-Zutaten wie Bohnen, frischem Gemüse, Nudeln, Reis, Hülsenfrüchten usw., die man nun natürlich in jedem Supermarkt bekommt. Bei manchen Zutaten geht Moskovitz auch auf die "Ingredient Scavenger Hunt", also auf die Zutaten-Schatzsuche, und gibt Tipps, wie man zb. an Puy-Linsen oder an Kalamata-Oliven herankommt. Diese Tipps sind manchmal hilfreich, manchmal aber auch nicht (weil auf amerikanische Supermärkte zugeschnitten).
Die einzige Zutat, die möglicherweise schwer zu besorgen ist, ist Liquid Smoke. Damit kocht Moskovitz sehr oft. Ich lasse diesen Flüssigrauch in den meisten Fällen einfach weg, was den Gerichten meistens keinen Abbruch tut. Hier merkt man halt, dass die Autorin Amerikanerin ist. Liquid Smoke bekommt man im Ami-Barbequeland vermutlich in jedem Provinzsupermarkt.

Nachgekochte Rezepte
Einige Rezepte habe ich bereits 2012 nachgekocht, ein Grossteil der Rezepte habe ich im Rahmen der Kochbuchchallenge 2013 nachgekocht. Die Rezepte boten sich vor allem deswegen an, weil sie wie bereits erwähnt gut ins Konzept der Weight-Watchers-Ernährung zum Gewichtsverlust passen. Ich habe mehr als 30 Rezepte aus dem Buch nachgekocht. Die Rezepte erhielten von mir unterschiedliche Bewertungen. Ein Grossteil war gut oder sehr gut, einige Ausreisser nach unten gabs allerdings auch. So beispielsweise ein Salat, der an und für sich super war, bei dem für die Sosse aber eine Schalotte mitpüriert wurde. Das war dann so beissend, dass es nicht mehr schmackhaft war. Bei manchen Gerichten hat man auch gemerkt, dass es eher kalorien- und fettarm war, beispielsweise beim Bistro Broccoli Chowder. Bei diesen Fällen hat man den Eindruck, ein Rezept wirke weniger gut einstudiert als zb. im Veganomicon, wobei man da natürlich auch die hohe Messlatte anlegt, wenn man AfR mit dem Veganomicon vergleicht.
Die Gerichte mit Tempeh habe ich auch etwas mager bewertet damals. Hier muss ich allerdings betonen, dass das meine ersten Versuche mit Tempeh waren. An den Geschmack von Tempeh muss man sich irgendwie erst einmal gewöhnen. Heute mag ich den Geschmack viel mehr als damals, vermutlich würden einige Gerichte von mir heute besser bewertet als damals. Wer Tempeh gar nicht mag, kann das ganze meistens auch durch Seitan oder Räuchertofu ersetzen.
Die meisten Gerichte waren aber sehr gut und schmackhaft dafür, dass versucht wurde, mit möglichst wenig Fett und Kalorien auszukommen. Hier profitiert das Buch sicherlich von Moskovitz Tauglichkeit als Köchin. Es wurde nie damit gearbeitet, einfach von altbekanntem Zeug gewisses "wegzulassen" oder mit Lightprodukten zu arbeiten, wie das in anderen Low-Fat-Kochbüchern oft der Fall ist. Stattdessen wird neues kreiert, dass auf die eigene Art und Weise sehr schmackhaft ist. Und natürlich ist das Buch eine Gemüseküche pur.

Lieblingsrezepte: Pizza Hummus(!!!), Baked Falafel

Fazit:
Wer auf der Suche nach veganen Rezepten ist, die nach einer ausgiebigen Kuchen- und Cookie-Phase das Bäuchlein ein wenig reduzieren, wer Weight-Watchers oder generell eine Low-Fat-Diät oder Kalorienzähl-Diät absolviert, der ist mit Appetite for Reduction gut bedient, nicht zuletzt mit den klaren Nährwertangaben für jedes Rezept. Auch sind die Rezepte gut sättigend und machen Spass, sind meistens schnell gekocht und auch für Berufstätige geeignet. Ein Grossteil der Rezepte sind schmackhaft und lecker, bei manchen Rezepten hat man den Eindruck, dass zuwenig gut getestet oder durchdacht wurde. Aus diesem Grunde vergebe ich für "Appetite für Reduction", auch im Vergleich mit dem Veganomicon, vier von fünf Sternen!
Eine Kaufempfehlung ist das Buch vor allem für diejenigen Veganer, die ein wenig mehr Gemüse und etwas weniger Cookies in ihre Ernährung aufnehmen wollen, in der Hoffnung, einige Pfunde zu verlieren. Da ist es vermutlich das beste Kochbuch, dass zurzeit erhältlich ist. Empfehlenswert ist das Buch zudem für Allergiker: Alles ist klar ausgeschildert und sehr oft werden Alternativen präsentiert. Positiv!
Wer allerdings Fotos benötigt, und/oder mit dem englischen Messsystem sowie mit der englischen Sprache nicht klarkommt, der sollte auf dieses Buch eher verzichten.


Das Ox-Kochbuch 5: Kochen ohne Knochen - Mehr als 200 vegane Punk-Rezepte
Das Ox-Kochbuch 5: Kochen ohne Knochen - Mehr als 200 vegane Punk-Rezepte
von Uschi Herzer
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar kreatives Kochbuch!, 26. September 2014
Grafik, Design und generelles Aussehen
Das Ox-Kochbuch ist ein Handtaschenkochbuch, so scheint es mir fast. Kaum dicker als ein Zentimeter, im handlichen A5-Format und wegen der konsequenten Verwendung von Papier sehr leicht und biegsam gehört es eher zur robusteren, einfacheren Sorte der Kochbücher. Es ist ganz sicherlich kein Hochglanzkochbuch - das würde auch dem Preis nicht entsprechen, denn erschwinglich ist das Buch auf alle Fälle. Verarbeitet ist das Buch solala - man muss die Seiten recht stark herunterdrücken, damit das Buch auf der richtigen Seite liegenbleibt. Die einfache Verarbeitung lädt auch dazu ein, den Buchrücken zu überdehnen. Das hat bei mir dazu geführt, dass ein Grossteil des Buchrückens sich von den gebundenen Buchseiten gelöst hat. Wenigstens fallen die Seiten dann nicht aus dem Buch.

Die Gestaltung selber ist gut aufgemacht. Die Titel der Rezepte sind fett und in Farbe gehalten, je nach Rezeptkapitel in einer anderen Farbe. Darunter folgt klein die Anmerkung, wer das Rezept verfasst hat, für wieviele es ist, und natürlich auch - gemäss der OX-Kochbuchtradition - welche Band/welche CD man dazu hören sollte. Die Zutatenliste ist tatsächlich als Liste aufgemacht, mit Punkten vor jedem Produkt, und ist zudem in dicker Schrift verfasst, die sich wiederum von den nachfolgenden Rezeptanleitungsschritten abhebt. Die Rezeptanleitungen sind nummeriert, und entsprechende Hinweise zum Rezept finden sich immer am Ende, hingewiesen wird durch einen Pfeil. Es ist also alles schön logisch geordnet und entsprechend symbolisiert, fast wie in einem Worddokument mit unterschiedlichen Aufzählungen, Nummerierungen und dergleichen. ;) Die Schrift ist gut lesbar, das muss sie auch sein, denn sie ist doch recht klein. In den meisten Fällen sind die Seiten mit zwei Spalten gefüllt. Ein Rezept folgt einem anderen nach, es wird kaum Platz vergeudet. Das führt allerdings in vielen Fällen dazu, dass ein Rezept auf der nächsten Seite fortgesetzt wird.
Die Rezepte sind nicht alle bebildert. Tatsächlich finden sich nur bei einem kleinen Teil der Rezepte tatäschlich Bilder, und die Bilder, die es gibt, sind eher ein wenig amateurhaft, muss ich sagen. Womit das OX-Kochbuch punktet, sind die vielen liebevollen Illustrationen, die zb. in die Kategoriendeckblätter eingebaut sind, oder teilweise direkt das Rezept präsentieren. So wie das Titelblatt gestaltet ist, solche Darstellungen illustrieren jedes Kapiteldeckblatt - immer wieder für einen Lacher gut.

Inhalt
Das Ox-Kochbuch ist nicht das erste seiner Art. Bereits wurden in der Ox-Reihe vier weitere Kochbücher herausgegeben. Was das fünfte Buch allerdings von diesen Vorgängern unterscheidet, ist, dass nur noch vegan gekocht wird. Die anderen vier Bücher waren vegan-vegetarisch. Hiller/Herzer gehen in ihrem einseitigen Vorwort auch darauf ein. Sie schildern, dass dieses vegane Buch ihre Entwicklung der vergangenen Jahre wiederspiegle, da sie "nach vielen Jahren als Vegetarier den entscheidenden, konsequenten Schritt hin zuur veganen Ernährung getan" hätten. Dafür hätten "ethische, gesundheitliche und ökologische Gründe gleichermassen" eine Rolle gespielt (S. 3).
Kein veganes Kochbuch ohne einleitende Worte zum Veganismus. Auch bei dieser Kochbuchrezension kann dieser Punkt abgehakt werden. Auf sechs Seiten gehen die Autoren unter anderem darauf ein, was Veganismus bedeutet, und wie sich Veganer vom Vegetarier unterscheiden. Sie gehen auch darauf ein, was Veganer denn so für Menschen seien, und betonen, dass Veganer alles essen dürften - aber eben nicht wollen. Ich finde es charmant, dass die beiden Autoren auch auf das von Omnivoren oftmals als "missionarisch" betrachtete Gehabe eingehen, und versuchen zu erklären, warum einige Veganer diesen Drang fühlen, auf Tierleid hinzuweisen. Im darauffolgenden Abschnitt führen sie dann entsprechend auch aus, was "falsch" ist am Konsum von Tierprodukten. Der Tonfall, der durchaus sehr erklärend ist, und nicht als gehobener Zeigefinger daherkommt, gefällt mir gut, weuch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob ich dieser Art von Aufklärung in einem Kochbuch positiv gegenüber stehen soll. Auch die Ausüfhrungen zur Heterogenität der "veganen Szene" finden ihren Platz, was ich wirklich gut finde. Die weiteren vier Seiten erklären, welche Produkte man wie ersetzen kann, wie man vegane Sachen erkennt und die restlichen Aspekte veganer Warenkunde, die für einen Neu-Veggie relevant sind.
Man merkt, dass die beiden Autoren stark von einem ethisch-ökologischen Aspekt her denken und auch so argumentieren. Die gesundheitlichen Aspekte überlassen sie dann jemandem, der fachlich kompetenter ist als sie selber. Sie lassen auf weiteren drei Seiten nämlich Dr.Markus Keller zu Wort kommen. Keller ist Ernährungswissenschaftler und Leiter des Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE), ebenso Mitvefasser des Standardwerks "Vegetarische Ernährung" vom UTB Verlag. In der Vergangenheit ist er mir vor allem sehr positiv aufgefallen, weil er eine stark wissenschaftlich, rational-logische Betrachtung des Themas Veganismus pflegt. Er kann seine Aussagen begründen, belegen, er kann Studien korrekt interpretiern und einschätzen und er verfällt nicht diesem einseitigen "Vegan ist total gesund, es gibt keine Kritikpunkte daran!!11"-Bias, dem leider soviele naturwissenschaftlich nicht gebildete Veganer verfallen. So brauche ich dann auch nicht zu erwähnen, dass in seinen Ausführungen korrekte Fakten bezüglich B12, Vitamin D, Kalzium und anderen Mikronährstoffen, die der Veganer braucht, zu finden sind. Ein grosser Pluspunkt ist die Erwähnung von Vitamin B-12-Analoga und der Mythos, in fermentierten Dingen wie Sauerkraut und Tempeh fänden sich genügende Mengen an Vitamin B12. Für ihn ist klar: Um eine Supplementierung kommt man nicht herum. Das gibt einen Anti-Eso, Pro-Wissenschaft Pluspunkt! So wünschte ich mir das für sämtliche Kochbücher.
(Das Ox-Kochbuch steht hierbei übrigens stark im generellen Tenor, den auch das Kochen ohne Knochen-Magazin verwendet - das gehört ja auch zum selben Verlag/zur selten Redaktion. Für mich eine der besten und sachlich fundiertesten Informationsquellen zu veganer/vegetarischer Ernährung, dies gibt.)

Das Ox-Kochbuch enthält ungefähr 200 Rezepte. Sie sind aufgegliedert in die üblichen Kategorien wie Salat, Suppen, Snacks, Hauptgerichte, Aufstriche, Süsses. Eine etwas ungewöhnliche Kategorie ist wohl der Unterpunkt "Nachgebautes", in dem Dinge wie Remoulade, Frischkäse, Schmelz zum Überbacken, oder Eiersalat Platz finden. Das ist insofern sympathisch, dass man hier auf einen Blick alle Rezepte vor sich hat, die eventuelle Gelüste nach tierischen Produkten befriedigen können.

Was beim Inhalt des Ox-Kochbuch nicht unerwähnt bleiben darf, ist die spezielle Art und Weise, mit der subtil und ziemlich offensichtlich mit Non-Konformität gespielt wird. Das ist wohl einzigartig für Kochbücher. Selbst Isa Chandra Moskovitz und Terry Hope Romero (Veganomicon) schaffen es mit ihren Off-the-record-Anmerkungen und Anekdoten nicht, die Fülle und Vielfalt im Ox-Kochbuch zu toppen. Es fängt schon damit an, dass die Rezeptkreationen teilweise sehr lustige, abenteuerliche Namen haben. Da gibt es den "Frühlinxsalat", den man auf derselben Seite wie den "Karbosalat" und den "Highway-Car-Crash-Salad" findet. Eine Suppe ist nicht nur eine Suppe, sondern eine "Rote-Linsen-Kartoffelsuppe mit Aufstrichpotenzial" - und aus der Suppe wird gleich noch ein Zweitrezept für einen superleckeren Aufstrich. Wer Lust auf Chicorée hat, macht doch einfach den "Coco Loco Chicorée" und ergänzt es mit einem "Fränkischen Nazi Goreng". Kichern wird man spätestens beim "Giggle-pot", einem Eintopf mit Kichererbsen. So geht das weiter und weiter und zaubert dem Leser meistens ein tolles Lächeln auf das Gesicht.
Einzigartig sind vermutlich auch die Punk-Einflüsse. Das Buch trägt nicht umsonst den Untertitel "Mehr als 200 vegane Punk-Rezepte". Jedes Rezept wird mit Musikvorschlägen ergänzt. Ich gestehe allerdings, ich habe die Musik dazu nie gehört, weil das nicht mein Musikgeschmack ist. Lustig ist es aber allemal.
Die Hinweise und Anekdoten enden aber nicht dort. Auch in die Rezeptanleitungen sind sehr oft lustige Aspekte mit eingebaut. Statt "Nudeln ins kochende Wasser geben" steht da zum Beispiel: "4. Nudeln schon im Wasser? Prima" (S. 87). Statt "Bohnen putzen" steht dann da "Zuerst widmen wir uns den Bohnen. Entweder taut ihr die auf, wie auf der Packung beschrieben, oder ihr habt frische gekauft und habt jetzt die Arbeit damit." (S. 96). Am allerlustigsten ist der erste Hinweis bei der Rote-Linsen-Suppe: "1. Warte noch mit der Platte, wir beginnen mit Kartoffelschälen, eine Tätigkeit so hässlich wie die Stille selbst. Deshalb kommt die Musik erst später." (S.38)
Einzigartig, unique und zum Lachen - das ist das Ox-Kochbuch!

Was dem Buch leider fehlt sind Hinweise zu Allergenen (zb. Gluten und Soja) sowie auch Zeitangaben.

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Die wohl exotischsten Zutaten im Ox-Kochbuch mögen Seitan-Fix und Sojasahne sein. Das steht stellvertretend als Beispiel dafür, wie unaufgeregt die Rezepte mit exotischen Zutaten umgehen. Das Ox-Kochbuch ist von den Zutaten her so simpel gestrickt wie das Buch an sich gestaltet ist. Es gibt sich als Küche für den Alternativen, für den (armen) Student oder die alleinerziehende Mutter mit knappem Budget. Ein Grossteil der Rezepte dürfte machbar sein, auch wenn man mitten in der Pampa wohnt, wo es nur einen Aldi gibt (oder so). Es wird viel mit frischem Gemüse, mit Hülsenfrüchten und simplem Tofu gekocht. Wenn man kein Seitan erhält, auch kein Problem: Die Autoren präsentieren sogar eine Anleitung, um Seitan aus Seitan Fix selber zu machen und zb. in grösseren Mengen einzufrieren.
Dank dieser zum Grossteil einfachen, schlichten und gemüselastigen Zutaten sind die Rezepte auch zu einem Grossteil sehr einfach und gut umsetzbar. In allen Rezepten, die ich ausprobiert habe, habe ich kein einziges Mal irgendwo einen Fehler entdecken können, geschweige denn eine unklare Ausführung oder auch Zutaten, die irgendwo vorkommen, aber in der Auflistung nicht, oder umgekehrt. Neben den wirklich klar und deutlich geschriebenen Verarbeitungsschritten scheint das Buch auch sehr gut und sehr detailliert redigiert worden zu sein. Das ist wirklich erfrischend und angenehm.
Der Aufwand der Rezepte hält sich in Grenzen. Natürlich gibts Rezepte, die etwas Vorbereitung erfordern, wenn man beispielsweise Dinkelkörner am Vortag einweichen muss, oder Sojaschnetzel in Brühe einlegen soll. Die Autoren geben aber auch immer Altenrativen an, zb. den Schnellkochtopf für den Dinkel, oder Bohnen aus der Dose. Fehlende Zeitangaben verhindern, dass ich nun genaueres darüber sagen könnte, wie sich die Autoren ihre Rezepte in der Umsetzung vorstellen. Aus meiner Erinnerung aber gabs eigentlich kein Rezept, dass deutlich länger als 30 Minuten gedauert hätte. Ich bin allerdings eine schnelle Schnipplerin.

Nachgekochte Rezepte
Ich habe mich vor allem auf fettarme, sättigende Rezepte beim Nachkochen beschränkt. Die Kategorie Süsses fiel weitgehend weg. Von mir gut ausgetestet wurden vor allem die Kategorien Salat und Hauptspeisen. Dies geschah alles im Rahmen der Kochbuch-Challenge.

Es gibt für mich nur ein Wort, um das Ox-Kochbuch zu beschreiben: Genial! Ich habe soviele Rezepte nachgekocht, und ein Grossteil davon erhielt die Note Sehr gut. Mehrere Rezepte wurden auch Omnivoren serviert, die sie allesamt als genial bezeichnet haben. Meine Oma beispielsweise schwärmt noch heute vom "Thai-Soja-Schnetz", dass ich ihr zu Nudeln serviert habe. O-Ton: "Das schmeckt wirklich wie echtes Fleisch!". Die Rezepte zeugen von einer hohen Kochkunst und Lebensmittelkunde der Autoren an sich. Das äusserte sich vor allem dadurch, dass ich eigentlich fast kein Rezept nachwürzen oder verändern musste. Das kommt bei mir eher selten vor - für meinen Gaumen sind Rezepte sehr oft ein wenig zu lasch oder zuwenig gut gewürzt. Beim Ox-Kochbuch kam das wirklich fast nie vor, und das imponiert mir sehr.

Fazit:
Das Ox-Kochbuch war für mich bereits nach einigen wenigen Rezepten ein klarer Kaufempfehlungskandidat. Diese Meinung hält sich bis heute. Wer ein Kochbuch sucht, dass vor Witz und Charme sprüht, dass korrekte und klare Informationen vermittelt, ohne auf B12-Lügen und Mythen hereinzufallen, dessen Rezepte fast immer gelingsicher sind, und dazu auch noch schmecken, wer ein Kochbuch sucht, dass ohne Superfoods und allzu teuren Produkten aus dem Veganversand oder Bioläden auskommt, der ist mit dem Ox-Kochbuch bestens bedient! Neben dem Veganomicon ist dies meine zweite klare Kaufempfehlung mit fünf von fünf Sternen.


Vegan Planet: 400 Irresistible Recipes With Fantastic Flavors from Home and Around the World (Non)
Vegan Planet: 400 Irresistible Recipes With Fantastic Flavors from Home and Around the World (Non)
von Robin Robertson
  Taschenbuch
Preis: EUR 20,64

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solides Machwerk, teilweise fehlende Rafinesse, 28. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe aus Vegan Planet über 120 Rezepte seit September 2012 nachgekocht. Im folgenden meine Rezension.

Grafik, Design und generelles Aussehen
Vegan Planet ist ein Monster! - ein toller erster Satz, aber es ist mir wirklich nichts eingefallen, was noch zutreffender wäre. Das Buch enthält geschlagene 400 Rezepte. Dementsprechend dick ist das Buch auch, selbst als Taschenbuchausgabe, nämlich fast 4 Zentimeter dick. Das Buch muss deswegen vermutlich auch als Taschenbuch daherkommen. Ein gebundenes Buch wäre schlicht und einfach zu unhandlich und zu schwer.
Vom Format her ist das Buch so breit wie ein A-4-Format, aber weniger hoch. Durch diese Masse lässt sich das Buch auch aufklappen und bleibt bei den meisten Seiten auch einfach so liegen, ohne dass die Seite besonders beschwert werden müssten. Einzig die vorderen und hinteren Kapitel leiden ein wenig am "Seiten-Dreh"-Phänomen. Der Nachteil ist, dass die Einbandseite mittlerweile recht nach oben gebogen ist. Das Buch bleibt nicht wirklich in Form - durch seine Verarbeitung ist es aber auch nicht derart "elegant", dass man Angst hat, es auf den minimal dreckigen Tisch in der Küche zu legen. Ein Kochbuch durch und durch.

Wie in den meisten amerikanischen Kochbüchern kommen die Rezepte ohne Fotografien daher. Im Falle von Vegan Planet hat man konsequent auf sämliche Fotografien verzichtet, es gibt beispielsweise keine gesonderten Teil mit Fotos in der Mitte wie beim Veganomicon. Mich stört das nicht gross - für manche Leser, vor allem nicht-englischsprachige oder Leute, die mit dem englischen noch etwas Mühe haben, kann das aber durchaus ein Problem darstellen.

Das Design ist durchaus solide. Die Titel sind etwas schnörkelig gehalten, ansonsten ist die Schrift aber klar und deutlich. Die Zutatenliste ist deutlich mit anderer Farbe von den Anleitungen differenzierbar, weitere Infos findet man in beige hinterlegten Kästen ("Did you know") oder in weisser Schrift auf grünem Hintergrund in Boxen, kleine Illustrationen findet man auf jeder dritten Seite, die das Buch trotz fehlender Fotografien etwas sympathischer wirken lassen. Pro Seite findet sich meistens nur ein Rezept, selten zwei. Die einzelnen Buchkapitel sind mit farbigen Seiten mit Illustrationen voneinander abgesondert, so farbig grün, dass man sie sogar von der Seite erkennen kann, wenn man die Seiten (aneinandergedrückt) leicht beugt. (Wenn ihr versteht, was ich meine.. - Quasi die entgegengesetzte SEite des Buches vom Buchrücken aus gesehen..) Man kann auf jeden Fall gut blättern.

Inhalt
Kein veganes Kochbuch ohne Einleitung, so scheint es mir. Auch Vegan Planet kommt nicht ohne Einleitung aus. Es wundert mich eigentlich nicht. Veganismus ist insofern auch eine Ernährung des Verzichts, des Weglassens, eine Ernährung, die - wenn nicht Rechtfertigung - doch wenigstens eine Erklärung benötigt. Erklärung, aber auch Anleitung.
In Robinsons Monstermachwerk nehmen diese Erklärungen und Anleitungen die ersten 33 Seiten ein. Es ist also eine recht angenehmer Umfang, der auf Informationen entfällt. Der Mediziner Barnard darf auch hier ein Vorwort schreiben. "Vegan Basics" nennt sich dann der Teil, der anfängt mit einer Erklärung, was Veganismus ist, und welche Gedanken dahinterstecken (kurz und knapp formuliert in 2 Seiten), kommt Robinson auf eine "Healthy Vegan diet" zu sprechen. Hier geht Robinson vor allem auf gewisse Stoffe ein, die dem Veganer gemäss Mainstreamideen fehlen: Aminosäuren, Eiweiss, Kalzium, Eisen.. Robinson erwähnt auch B12. Sie erwähnt, dass B12 in vielen angereicherten Produkten bereits enthalten sei (zb. Säften), und dass der Mensch relativ wenig davon brauche. Ihre Konklusion ist, dass man sich also keine Sorgen mache. Sie geht hier nicht unbedingt in die "Pflanzen enthalten B12"-Falle, aber ihre Schlussfolgerung bedingt, dass man genügend Produkte zu sich nimmt, denen künstlich B12 zugesetzt wurde. Das ist nicht in jedem Falle so, und viele Veganer legen ja auch Wert drauf, solche verarbeiteten Produkte wegzulassen.
Angenehm ist es, dass die einzelnen Hinweise höchstens einen Abschnitt lang sind. Auch hier würde ich sagen, hält sich Robinson an das Credo: In der Kürze liegt die Würze. Vier Seiten zu generellen Infos und Vegane Ernährung finde ich sehr angenehm von der Länge her. Gemessen daran, dass das Buch derart dick ist, hätte man auch noch etwas mehr schreiben können.
Die restlichen Seiten sind - wie der KApitelname schon sagt - vegane Basics. Wie ersetzt man Eier, Fleisch, Butter, Milch, welche Basics brauchts für die Ernährung, wie sollte sich ein Vorratschrank gestalten, wie zur Hölle bereitet man eigentlich Tofu zu? Besonders toll finde ich die Auflistung verschiedener Mehlsorten, von Getreidemehlen bis hin zu Sojamehlen ist hier alles dabei, auch die verschiedenen amerikanischen Bezeichnungen wie bsp. "Unbleached all-purpose flour", so dass der unwissende Europäer nachschlagen kann, welches europäische Produkt dem am ehesten entspricht.

Die 400 Rezepte, die das Buch bietet, gliedern sich wie in keinem anderen Rezeptbuch in entsprechende Kapitel. Es sind fast 20 Kapitel, was ich als sehr angenehm empfinde. Das bedeutet, dass es für kein Kapitel mehr als 30 Rezepte gibt. WAs die Vielfalt angeht, kann man sagen, dass Robertson wirklich umfassend alle Varietäten und möglichen Events. Angenehm finde ich, dass die Desserts nicht soviel Platz einnehmen. Ein Kapitel mit ungefähr 25 Rezepten finde ich angemessen.
KApitel umfassen einerseits zb. Essen für Eventualitäten (Häppchen, Rezepte zum Grillen), oder eine bestimmte Mahlzeitenart (Suppen, Salate), manchmal steht aber auch eine Nahrungsmittelkategorie im Mittelpunkt (Brote, Pizzen, Hülsenfrüchte).
Man findet eine Menge Basic-Rezepte, sogar bis hin zu drei Sorten Gemüsebrühe, die man selber machen kann. Das überrascht nicht wirklich, ist das buch doch wirklich sehr, sehr umfassend. Gemessen an der Gesamtmenge der REzepte nehmen die Basics eine angemessene Zahl Rezepte für sich ein. Gerade so, dass man alles weiss, was man wissen sollte, aber nicht so, dass man das Gefühl hat, mit Basics wurde die Rezeptzahl hochgepusht. (Dann schon eher mit den Getränken am Ende..)

Hinweise bezüglich Soja- oder Glutenfreiheit oder sonstige Indikatoren zur Sortierung der Rezepte abseits der Kapitel fehlen allerdings komplett. Mir macht das nicht viel aus, aber ich weiss, dass das durchaus Kategorien sein können für andere begeisterte Köche.

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
So schlicht das Buch daherkommt, so schlicht ist auch ein Grossteil der Rezepte. Generell werden sehr selten Zutaten verwendet, die man nur schwer besorgen kann (oder wenn, werden Alternativen angegeben). Die ab und an erfolgte Einsetzung von Fertigprodukten wie Sojawürstchen kann man da gut verzeihen, man muss annehmen,d ass solche Produkte im Amiland einfach viel verbreiteter sind. Für dieses Kochbuch war ich kein einziges Mal am Suchen, kein einziges Mal habe ich ein REzept überspringen müssen, weil eine Zutat nicht erhältlich war.
Die Rezepte sind auch generell gut beschrieben. Ich habe kein einziges Mal notiert, dass ein Rezept gar nicht aufgegangen ist, oder dass Zutaten in den Arbeitschritten vergessen gehen, dass Dinge nicht funktionieren und so weiter. Bei dieser Riesenfülle an Rezepten ist das ein Zeichen für eine wirklich gute Redaktion bzw. ein sehr gutes Lektorat, und auch eine fundierte Köchin, von der die Rezepte stammen.
Generell verwendet Robertson eher wenige Zutaten. Die Zutatenliste ist selten länger als 10 Zutaten, bietet oft auch Alternativen oder die Möglichkeit, Dinge zu ersetzen oder wegzulassen. Das macht die Rezepte sehr angenehm nachzukochen und führt auch dazu, dass die Rezepte zeitlich selten länger als 30 bis 40 Minuten brauchen. Vieles ist schnell nachgekocht und schmackhafte, solide Kost.

Manchmal leidet darunter aber auch ein wenig die Würze. Das ist der Nachteil an dieser tollen Umsetzbarkeit - man muss ab und an in die Gewürzkiste greifen und ein wenig nachwürzen. Die Rezepte bieten also eine super Basis, die man je nach Geschmack noch ergänzen kann.

Robertson kocht in den meisten Fällen für vier Personen, bei Aufstrichen oder dergleichen meistens "2 Cups". Hier punktet Robertson. Leider vermisst ein Hobbykoch zurecht übersichtliche Zeitangaben - ein dicker Minuspunkt.

Generell lässt sich das Buch sehr gut als Kochbuch für Anfänger bezeichnen. Und hier meine ich nicht Anfänger der veganen Küche, sondern generell Kochanfänger. Die Anweisungen sind klar und deutlich, nicht überladen, die Zutatenlisten übersichtlich und die Rezepte sind eher auf der einfacheren Seite gehalten. Ich würde dieses Buch als Geschenk für solche Empfänger durchaus in Betracht ziehen (man muss natürlich Englisch beherrschen.)

Nachgekochte Rezepte
Dieses Kochbuch ist vermutlich das Kochbuch, aus dem ich am meisten nachgekocht habe. Bei 400 Rezepten ist das aber auch kein Wunder. Bereits vor meiner Kochbuchchallenge hatte ich einiges nachgekocht, ein paar Sachen vor allem für das Weihnachtsbuffet bei meiner Oma 2012. Auch 2013 habe ich einiges beigesteuert. Die Sachen sind wirklich praktisch.

Ich habe mich - aufgrund meiner Weight-Watchers-Karriere - eher auf die herzhaften und fettarmen Sachen beschränkt, und die Dessertkategorie zb. vollständig weggelassen. Dennoch konnte ich aus fast jedem Kapitel irgendetwas austesten, was mich wirklich gefreut hat.

Die Rezepte, die ich getestet habe, haben grösstenteils ein "Gut" in meiner Bewertung erhalten, ab und an auch ein okay. Das ist vermutlich der Vor- und Nachteil von Robertsons Buch an sich: Einerseits sind die Rezepte solide und schmackhaft, aber andererseits auch - gerade wegen der fehlenden Würze teilweise - ein wenig zu solide und zu einfach. Mir hat oft der letzte Pepp gefehlt, der ein Rezept über alle anderen gehoben hätte. So fällt es mir auch schwer, ein deutliches Lieblingsrezept

Vegan Planet ist ein solides Grundlagenbuch. Wer nicht viel Geld hat, und ein gutes Buch sucht, dass fast alle Bereiche des Lebens abdeckt, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Man muss einfach wagen, den Gewürzschrank noch etwas mehr aufzumachen und die Rezepte auch ein wenig zu ergänzen oder abzuwandeln. Wer allerdings hochstehende, fancy vegane Küche erwartet, der ist bei Robertson falsch.

Lieblingsrezept: Kein spezifisches Rezept - aber dafür die Kombo aus Bohnen und Salbei, die ich bisher nicht kannte, die mir aber sehr gut gemundet hat.

Fazit:
Solides, sehr umfassendes Kochbuch - Vegane Rezepte für alle möglichen (und unmöglichen Situationen). Hier findet jeder fast alles, was das Herz begehrt. Eine sehr gute Basis für eine vegane Kochbuchbibliothek. Die Rezepte sind manchmal allerdings etwas zu schlicht und lassen an Finesse fehlen. Deswegen bekommt das Buch von mir vier von fünf Sternen!


Meine Rezepte für eine bessere Welt: Bewusst genießen, schlank bleiben und die Erde retten - Mit 120 veganen Gerichten  -  Vorwort von Paul McCartney
Meine Rezepte für eine bessere Welt: Bewusst genießen, schlank bleiben und die Erde retten - Mit 120 veganen Gerichten - Vorwort von Paul McCartney
von Alicia Silverstone
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Dame will zuviel und kann zuwenig., 20. August 2014
Grafik, Design und generelles Aussehen
Das Buch ist ein Harcdover mit Papierumschlag. Es ist deutlich grösser als Format A4 und relativ dick, ähnlich wie das Veganomicon. Trotz seiner etwas unhandlichen Grösse hält es gut auf dem Tisch, wenn man es umklappt. Das ist ein Pluspunkt, es gibt nichts mühsameres als Bücher, die man beschweren muss, um sie auf der Seitenzahl zu halten. Trotz des grossen Formats ist das Buch nicht schwer, es ist ziemlich handlich vom Gewicht her. Da gibt es Bücher, die kompakter, dünner sind, aber gleich schwer oder sogar schwerer.
Vom Design her ist das Buch relativ unaufgeregt gehalten. Die Schrift ist gut lesbar, die Titel sind mit roter Farbe erkennbar. Die Zutaten unterscheiden sich von ihrer Schrift her von den Rezeptanweisungen. Auch eventuelle Hinweise zur Zubereitungsart sind deutlich gekennzeichnet durch grüne Überschrift und eingezogenem Absatz. Leider ist die Schrift bei den Anweisungen manchmal deutlich zu klein geraten, obwohl teilweise noch Platz auf der Seite frei gewesen wäre. Hier hätte man sich gescheitere Setzung gewünscht. Nicht zu jedem Rezept ist eine Fotografie vorhanden - auch hier merkt man, dass das Buch ein amerikanisches Rezeptbuch ist. Etwaige Bilder befinden sich aber direkt bei den Rezepten, es gibt also keinen gesonderten Foto-Teil im Buch wie zb. beim Veganomicon.

Inhalt
Das Buch als reines Kochbuch zu bezeichnen, wäre eine falsche Kategorisierung. Ähnlich wie die deutschsprachigen Vegan for X-Bücher von Attila Hildmann sieht Silverstone ihr Buch eher als Anleitung für eine vegane Ernährungsweise. Das Buch heisst deswegen auf Englisch auch "The Kind Diet", wobei Diet hier nicht im Sinne von "Abnehm-Diät" sondern im Sinne von Ernährungsweise oder eben Ernährungsstil zu übersetzen wäre.
So ist es nicht verwunderlich, wenn mehr als die Hälfte des umjfassenden Buches keine Rezepte beinhalten, sondern Informationen zur veganen Ernährung, zuur speziellen Form veganer Ernährung, wie sie Silverstone praktiziert. Ebenso finden sich auch Tipps zum veganen Abnehmen, vegane Warenkunde und Produkte, Ernährungstipps für unterwegs und Ansichten zum Sport. Das erste Rezept findet sich mit der Radicchiopizza mit Trüffelöl erst auf S. 184 des Buches.

Hier begibt sich Silverstone sicherlich auf ein dünnes Parket. Die generellen Informationen zum Veganismus beziehungsweise den gesundheitlichen Nachteilen omnivorer Ernährung sind - das muss man ihr lassen - gut geschrieben. Sie holt sich für ein Vorwort auch Dr. Neil Barnard an Bord. Viele Fakten, die sie nannt, kann man als stimmig beurteilen. Dann gibt es aber auch Fakten, wo ich wie so oft bei veganen Kochbüchern seufzen muss. Silverstone versucht, ihre Ausführungen mit vielen Quellenverweisen zu untermauern. An einigen Stellen macht sie das aber nicht - und genau dort gibt es halt dann die Probleme. Beispielsweise wird behauptet (S. 59), dass der Verzehr von Milch dazu führe, dass der Körper mehr Kalzium verliere, als die Milch biete. Für diese Behauptung wird keine Quelle genannt. Nicht zufällig, nehme ich an. Ich habe bis heute noch keine konkrete Quelle gesehen, die diese Behauptung untermauert. Auch tappt Silverstone in diverse Fallen, wie beispielsweise die undifferenzierte Sicht auf GMO-Produkte, Durcheinander bei der Abhandlung zu Sojabohnen (auch wenn sie nicht ganz vom Verzehr warnt, sagt sie doch, man solle den Konsum längerfristig vermeiden und höchtsens als "Leckerbissen" betrachten). Besonders kritisch finde ich die Einschätzung, man müsse Vitamin B12 nicht supplementieren, sondern könne eigentlich genügend durch das Nichtwaschen von Gemüse aus dme Garten beziehen. Hier steht Silverstone total neben den Schuhen: Ein Durchschnittsamerikaner hat weder einen eigenen Garten noch enthält das Gemüse aus heimischen Böden genügend Vitamin B12, wenn's im Supermarkt ankommt. Gemäss Silverstone sei der Vitamin B12-Mangeln bei Veganern dementsprechend auch nicht auf den Vitamingehalt im Gemüse zurückzuführen, sondern auf "übertriebene Desinfektionspraktiken (S. 105). Das ist meines Erachtens nach total fahrlässig.

Nach generellen Einführungen führt Silverstone auch in ihre spezielle Ernährungsweise ein. Obwohl das Kind hier selten beim Namen genannt wird, praktiziert Silverstone mit ihrer "Superhero"-Ernährung eine Makrobiotische Ernährungsweise. Im Rezepteteil finden sich sowohl "normale" als auch "Superhero"-Rezepte. Hier habe ich persönlich Mühe mit der Einschätzung von gewissen Nahrungsmitteln zu "guten" und "schlechten" Nahrungsmitteln. Beim Zucker kann ichs noch knapp verstehen, aber warum Nachtschattengewächse (Tomaten, Kartoffeln) in dieser Superhero-Ernährungsform von Silverstone als nicht gut gelten, und höchstens einmal die Woche oder einmal im Monat verzehrt werden sollen, ist mir schleierhaft. Der Rückgriff auf den Terminus "magische" Lebensmittel stufe ich als ebenso kritisch ein wie der Hinweis, dass man nur diejenigen Obstsorten geniessen sollte, die aus der eigenen Klimazone stammen, und das auch höchstens als "gelegentlicher Leckerbissen" (S. 131) Gemäss Silverstone kühlt zb. tropisches Obst den Körper ab und dies sei nicht gesund für einen Durchschnittsbürger in westlichen Industrieländern.
Ganz fahrlässig finde ich den Hinweis auf S. 139. Dort wird wortwörtlich empfohlen, dass man bei einer schweren Erkrankung bei sich oder bei einem Liebsten, "Bücher über Makrobiotik" lesen "und einen makrobiotischen Berater" aufsuchen solle. Dies natürlich als "Ergänzung" zu konventionellen Methoden.

Als Fazit kann ich sagen, dass sich bei Silverstone leider eine Basis aus sehr fundiertem Wissen, durchsetzt mit abstrusen, nicht belegten, teilweise esoterisch anmutenden "Fakten" und Falschaussagen. Die Vorstellung von einzelnen "Superheroes" und die ständigen Belegungen der Eigenerfahrung zu gewissen Dingen (Asthma zb.) bringen leider auch viel anekdotische Evidenz mit in diesen Faktenteil des Buches. Das verkauft sich natürlich gut, weil es sich gut liest, ist wissenschaftlich aber nicht haltbar. Gewisse Hinweise sind gar als gefährlich einzustufen, wie oben geschildert. Aus der Perspektive einer kritischen Leserin muss ich sagen, dass ein Grossteil dieser ersten 180 Seiten für mich durchfällt. Die ersten Teile bezüglich Tierhaltung, Gesundheitsvorteile veganer Ernährung und Nachteile von Milch- und Fleischprodukten hätten für mich gereicht. Der Rest ist stark esoterisch angehaucht, unwissenschaftlich und beruht auf anekdotischer oder unsauberer ausgeführter Evidenz. Nicht empfehlenswert.

Kommen wir nach dieser geballten Ladung Kritik zum Inhalt der Rezepte. Die 120 Rezepte sind grob in zwei Teile geteilt. Einen "normalen" Teil und ein Teil "Superhero"-Rezepte (Makrobiotik). Der erste Teil besteht aus mehreren Unterkategorien, die leider wegen dem Grafischen Design nicht gut voneinander differenzierbar sind. Das ist aber vernachlässigbar. Man findet im normalen Teil zb. Vollkorn- und Pastagerichte, Proteine, "Suppen, Salate und Gemüsegerichte", Frühstück und Desserts, aber auch "Snacks, Drinks und Party-Food". die Reihenfolge ist dabei relativ beliebig, so findet man Frühstücksgerichte zb. nach den Desserts, was ich als seltsam erachte. Mit den Rezepten deckt Silverstone aber eine grosse Bandbreite dessen ab, was (vermutlich) zur amerikanischen Standartküche gehört, was ein Pluspunkt ist. Man findet für jede Gelegenheit eine Rezeptidee, sei es nun für vegane Eiersandwiches zum Tee, Alicias liebste Cupcakes oder einfach ein würziges Stew für Wintermonate.
Die Superhero-Rezepte unterteilen sich in Getreidehauptgerichte, Eiweissgerichte, "Suppen, Salate und Gemüsegerichte", "Gemüsegerichte für Superheroes", "Desserts für Superheroes" und Frühstück. Auch hier scheint mir die Reihenfolge etwas seltsam, ebenso, warum es Gemüsegerichte und Gemüsegerichte für Superheroes in der Superheros-Rezeptkategorie gibt. Das ist ein wenig redundant.
Teilweise ist die Einteilung auch etwas merkwürdig - eine Tofucreme findet sich beispielsweise bei den Getreidehauptgerichten.
Ich finde die Einteilung in die normalen und makrobiotischen Gerichte sehr fragwürdig. Es wäre praktikabler gewesen, alles zusammenzufassen, und die Superheroes-Gerichte speziell zu markieren, beispielsweise mit einem "S".

Hinweise bezüglich Soja- oder Glutenfreiheit oder sonstige Einstufungen von Gerichten fehlen ebenso wie übersichtliche Gesamtzeitenangaben. Gerade die fehlenden Zeitangaben sind für mich ein grosser Minuspunkt.

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Die Rezepte sind mit korrekten Informationen und Zutaten angegeben. Ich habe keinen grossartigen Fehler gefunden, in den Rezepten, die ich getestet habe. Insofern ist die Umsetzbarkeit diesbezüglich gut gegeben. Was mich allerdings gestört hat, war, dass Silverstone wie wild zwischen Rezepten für 2-3 Personen zu solchen für 4 Personen bis hin zu sechs Personen switcht. Man kann sich diesbezüglich nicht drauf verlassen, was man hier nun "vorgesetzt" bekommt als Rezept. Hier wäre eine gewisse Normierung wünschenswert gewesen.
Die Umsetzung von Silverstones Rezepten stellt sich zudem deswegen als problematisch heraus, weil Silverstone sehr viele exotische Zutaten benutzt. Ich konnte etliche Rezepte nur sehr schwer nachkochen, manches musste ich auch überhaupt zurückstellen, weil eine exotische Zutat derart im Mittelpunkt stand.
Als Beispiel seien hier genannt: Umeboshi-Pflaumen und Umesu-Essig, Klettenwurzel, Lotuswurzel, Kombu, frischer Daikon, Kuzu-Pulver, Distelöl, Kabocha-Kürbis, weisses Miso, TK-Edamame, veganer Mozarella, Naturreismehl, Reissirup, "Dose vegetarisches Chili", Limabohnen, milchfreier Sauerrahm.. Ich könnte noch weitermachen.

Gerade als Anfänger bezüglich veganem Kochen und exotischen Zutaten, wie ich es 2012 noch war, stellte mich diese Exotische Warenkunde vor grosse Probleme. Manches habe ich per Zufall entdeckt, einiges konnte ich über mein lokales Reformhaus bestellen, aber vieles habe ich auch gar nicht getestet, weil es mir zu teuer war. Umeboshi-Pflaumen kosten hier in der Schweiz selbst im Asialaden ziemlich viel. Für einen täglichen Genuss, wie Silverstone rät, ist mein Budget viel zu klein. Manches wie beispielsweise veganer Mozarella oder veganer Cheddar-Käse ist auch wegen kulturellen Unterschieden schwer zu bekommen.
Das Problem hierbei ist halt, dass wirklich fast jedes Rezept in irgendeiner Art und Weise eine mehr oder weniger exotische Zutat enthält. Man muss also fast für jedes Rezept in einen Bioladen oder in ein Reformhaus. Das macht das Buch sehr unpraktisch für Leute, die nicht in einer Stadt wohnen (wie ich) oder generell für vegane Kochanfänger.

Nachgekochte Rezepte
Aus diesem Buch konnte ich bisher nicht soviel nachkochen, wie ich es gerne gewollt hätte. Vieles ist dem geschuldet, dass ich Produkte hier einfach nicht gekriegt habe, als ich dieses Buch als Hauptfokus meiner Testküche auserkoren hatte. Manches davon ist auch für meinen ziemlich robusten Geschmack zu exostisch (oder zu langweilig). Das x-te Pasta-Tomatensosse-Rezept habe ich nicht mal in meinen veganen Anfangstagen testen wollen. Das konnte ich mir auch vorher schon vegan machen.
Generell muss ich zu den Rezepten sagen, dass ich sie meistens okay bis gut fand. Vieles fand ich zuwenig gewürzt, ob nun bezüglich Salz oder generell den Gewürzen. Das ist aber nachvollziehbar, rät Silverstone doch davon ab, zuviel zu salzen und zuviele Gewürze zu verwenden.
Ich habe also rercht wenig nachgekocht, und ich wurde auch oft eher enttäuscht. Was aber positiv ist, dass ich durch Silverstone auch zu vielen neuen Zutaten gebracht worden bin, die ich bisher nicht kannte. Auch wenn ich ihr Rezept für Gomashio (Sesamsalz) nicht ausgetestet habe, habe ich mir fertiges Gomashio gekauft. Und auch wenn ich ihre Vorschläge für japanische Mochi-Klebreiskuchen nicht umgesetzt habe, habe ich mir im Asialden schon öfters Mochi mit Füllung gekauft.

Lieblingsrezept: Ingwerpasta mit Zucchini (gepimpt mit Tofu oder Räuchertofu - noch immer ein sehr oft nachgekochtes Rezept.)

Fazit:
"Meine Rezepte für eine bessere Welt" kann ich nur mit gemischten Gefühlen beurteilen. Ich habe den Eindruck, dass Silverstone einfach zuviel will. Gesundheitliche Aufklärung, Makrobiotik, gute Rezepte, Ernährungspläne und Weisheiten, Warenkunde... Die Einleitung ist gut, aber alle Fakten, die nach den grundlegenden kommen, sind sehr kritisch zu betrachten, teilweise gar falsch. Das makrobiotische Konzept geht für mich hinten und vorne nicht auf, und enthält mir zuviel unkritisch wiederholte Aussagen, die nicht belegbar sind.
Die Rezepte sind teilweise von absolut dämlicher Schlichtheit (Weisser Reis), manchmal von interessanter Brillanz (Ingwerpasta). In der Umsetzung rangierten die von mir getesteten Rezepte alle zwischen zwei und vier von fünf Sternen, und es gab leider nur wenig, was wirklich herausgestochen hat. Die Umsetzung gestaltet sich auch - selbst als Stadtbewohnerin - als recht schwer, da viele exotische Zutaten benötigt werden, die schwer oder nicht zu bekommen sind. Durch diese Zutaten ist die Chance meiner Meinung nach hoch, dass ein gewisser Frustfaktor bei Vegan-Einsteigern, generellen Koch-Anfängern, aber auch Leuten auf dem Land ohne Bezugsquellen eintritt.

Rating: Meine Rezepte für eine bessere Welt erhält von mir 2.5 von 5 Sternen - leider keine Kaufempfehlung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 13, 2015 11:33 AM MEST


Veganomicon: The Ultimate Vegan Cookbook
Veganomicon: The Ultimate Vegan Cookbook
von Isa Chandra Moskowitz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniales Kochbuch!, 18. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe. In meinem Besitz befindet sich das Buch seit April 2012.

Grafik, Design und generelles Aussehen
Das Buch ist ein Hardcoverbuch mit stabilem Einband. Die Texte sind gut zu lesen, die Schrift ist nicht zu klein. Obwohl es ein Hardcover ist, liegt das Buch auch offen auf dem Tisch, wenn man daraus was nachkocht. Man muss die Seiten also nicht mühsam beschweren. Das Buch ist generell etwas gross, grösser als Format A4. Das macht es etwas unhandlich, dafür ist es aber vom Gewicht her nicht so schwer, wie man es bei einem Buch in dieser Grösse vermuten würde.
Das Design ist in Türkis-Blau-Grün-Tönen gehalten, mit gelben Tupfern. Ich finde es sehr angenehm zu lesen. Die Schrift ist einfach und schnörkellos. Tipps und Tricks sind deutlich von den aktuellen Rezepten unterscheidbar, sei es, ob die Infos in speziellen Kästchen zu finden ist, oder ob Tipps oder Hintergrundwissen in kursiver Schrift gesetzt wurde. Die Zutatenliste ist auch sehr gut von den Rezeptanweisungen differenzierbar.

Wie bei fast allen englischsprachigen Kochbüchern wird darauf verzichtet, jedes Bild als Fotografie zu präsentieren,. Stattdessen finden sich in der Mitte des Buchs eine Bildersammlung mit Bildern von ungefähr 25-40 Rezepten (genau nachgezählt habe ich nicht). Das macht das Buch (vermutlich) physisch um einiges leichter, aber es kann auch als Nachteil empfunden werden. Ich persönlich brauche nicht für jedes Rezept ein Bild.

Inhalt
Das Veganomicon ist kein "Themen"-Kochbuch - im Gegenteil. Es will einen Grossteil dessen abdecken, was in der (amerikanischen) Alltagsküche Usus ist. Man merkt den Fokus auf die amerikanischen Essgewohnheiten, aber das ist nachvollziehbar - schliesslich ist das Kochbuch von zwei Amerikanierinnen geschrieben, die sich halt auch so ernähren. Moskovitz ist zudem von jüdischer Abstammung, weswegen es auch Rezepte aus der jüdischen Kochtradition beinhaltet. Ein Beispiel hierbei ist der superleckere, deftige Wintereintopf "Cholent", der eines meiner ersten Rezepte war, das ich nachgekocht habe.
Zu Beginn des Buches finden sich allerdings nicht sofort Rezepte. Etwas mehr als 40 Seiten sind Hintergrundinformationen, die ich als Vegane Einsteigerin wirklich sehr nützlich fand. Moskovitz/Romero verzichten dabei, viele Worte über gesundheitliche Vorteile von Veganismus zu verlieren. So tappen die Autorinnen auch nicht in Fehlinformations-Fallen, was sie mir sehr sympatisch machen. Sie geben stattdessen handfeste, praktische Tipps: Was gehört in den veganen Einkaufsschrank, welche Utensilien werden benötigt, was sind eigentlich besondere Zutaten, die man vielleicht nicht kennt? Besonders genial fand ich die Angaben darüber, wie und wie lange man alle möglichen Hülsenfrüchte und Getreidesorten kocht, aber auch, welche Gemüse sich für welche Zubereitungsarten eignen, und wie man sie pimpen kann. Ich fand das echt supergut und ich schlage auch heute noch nach. Dank dem Veganomicon ist es mir zum ersten Mal gelungen, Bohnen so zu kochen, dass sie nicht hart waren am Ende (Salz weglassen!)

Die restlichen Seiten sind den Rezepten geschuldet. Die Rezepte sind nach ihren Kategorien im Essens-Alltag geordnet. So beginnt der Rezeptteil zb. mit einem Kapitel über "Snacks, Appetizers, Little Meals, Dips and Spreads", gefolgt von "Brunch" und "Salads and Dressings". Eine grössere Sektion heisst "Mix and Match", wo zuerst Gemüse-, dann Getreide-, dann Bohnen- und zum Ende Seitan-,Tofu und Tempeh-Rezepte vorgestellt werden. Die Idee wäre wohl, dass man hier beliebig mischt. Es gibt aber auch eine Kategorie zu Salaten, und eine weitere zu besonderen Dressings.
Hierbei geraten die Rezepte manchmal ein wenig in ein gefühltes inhaltliches Chaos, aber sehr ausführliche Indices am Ende des Buches sowie Menüvorschläge helfen darüber hinweg.

Für vegane Einsteiger gibt es auch viele Basic-Rezepte, beispielsweise, wie man Seitan aus Glutenmehl selber herstellt, wie man vegane Mayo macht, und wie man ne Käsesauce für das typisch-amerikanische Gericht Mac'n'Cheeze macht. Im Gegensatz zu vielen anderen Kochbüchern fand ich die Tipps sehr brauchbar und vor allem vollständig. Mittlerweile sehe ich aber auch, dass ich dies vor allem gut fand, weil ich veganer Einsteiger war. Heute nerven mich solche Rezeptsammlungen eigentlich eher ein wenig. Von diesen Grundbasic-Rezeptsammlungen finde ich dasjenige vom Veganomicon aber noch am ehesten akzeptabel, weil es eben sehr ausfürhlich ist, und zudem passt es in das Gesamtkonzept des Buches - viel besser als bei anderen Büchern.

Generell punktet das Veganomicon durch bunte Symbole, die diverse Faktoren bei einem Rezept übersichtlich angeben. Darunter fallen Hinweise, ob das Gericht Gluten oder Soja enthält, ob es schnell (unter 45 Minuten) zubereitet wird, oder ob die Zutaten in normalen Supermärkten zu bekommen sind. Da ich mich weder soja- noch glutenfrei ernähre, war das für mich nicht wirklich ausschlagebend. Es verdient dennoch einen Beachtungs-Bonus, weil das vielen Leuten wichtig ist.

Umsetzbarkeit, Zutaten und Aufwand
Die Umsetzbarkeit bei den Rezepten stufe ich als sehr hoch ein. Es gab kein einziges Rezept, dass nicht geklappt hat. Auch die Angaben stimmen grösstenteils überein. Die Rezepte sind natürlich in amerikanischen Massen geschrieben - also Cups, Ounces und dergleichen. Aber auch hier kann man eigentlich recht gut improvisieren, ausser bei den Backrezepten, da sollte man genau sein. Mir hat meine Waage sehr oft geholfen, die neben Kilogramm und Liter/Mililiter auch Pounds+Ounces und Liquid Ounces anzeigen kann. Ansonsten hilft es auch, wenn man sich bei einem Gefäss den Stand von 225 ml Wasser mit einem wasserfesten Marker markiert. Ein "Cup" ist nämlich das Volumen von 225 ml Wasser, und das kann man dann entsprechend verwenden.

Die Zutaten sind mit einigen wenigen Ausnahmen generell im Supermarkt oder Bioladen/Reformhaus locker zu bekommen. Einige wenige Dinge sind derart exotisch, dass man sie hier kaum bekommt. Das kreide ich den Autorinnen aber nicht an, denn ich habe es so verstanden, dass diese Dinge in den USA sehr oft sehr verbreitet sind. Dass sie in Europa nicht erhältlich sind, dafür können die amerikanischen AUtorinnen ja nichts. Ein Beispiel dafür wäre das Gemüse "Jicama", dass es in Europa nicht gibt (oder zumindest in meiner Stadt nicht.) Einiges weniges bekam ich auch im Asialaden. Es werden aber auch Alternativen angegeben, neben der Warenkunde. So erklären die Autorinnen beispielsweise ausfürhlich, was unter "French Lentils" zu verstehen sei. Das fand ich dann eher niedlich.
Negative Punkte gibt es nur für den Flüssigrauch. Den kriege ich hier wirklich nirgends, wird aber gerade bei Moskovitz' Rezepten sehr oft eingesetzt (mehr dazu auch in REzensionen ihrer zwei anderen Bücher). Fairerweise muss ich aber sagen: die Gerichte schmecken auch ohne Flüssigrauch gut.

Die Zeitangaben stimmen generell gut überein mit den Vorschlägen. Meistens war ich auch eher etwas schneller. Die Reihenfolge der Arbeitsschritte ist nachvollziehbar und passt gut. Man hat keine unnötigen Wartezeiten.

Nachgekochte Rezepte
Ich habe aus dem Veganomicon zum heutigen Tage etwa 75 Rezepte nachgekocht. Mein Schwerpunkt beim Nachkochen lag aufgrund meiner Weight-Watchers-Karriere eher bei den salzigen Hauptspeisen und kleinen Dips, weniger auf Broten, Cookies, Fettigem und Kuchen. Die Rezepte bewegten sich zu einem grossen Teil in der eigenen Bewertung zwischen 4 und 5 Sternen und haben mich durchwegs von der Bank gehauen.

Lieblingsrezept(e): Cholent, Lemony Roasted Potatoes, Tempeh Shepherdess Pie

Fazit
Das Veganomicon erfüllt seine prophezeite Rolle als vegane Kochbuchbibel durchaus. Eine tolle Vielfalt an Aromen, Rezepten und Genüssen, die sich samt und sonders als lecker erwiesen haben (einige Ausnahmen ausgenommen). Die Rezepte sind gut getestet, gut beschrieben und funktionieren von ihren Arbeitsschritten und ihrer Zeitdauer her gut. Die Zutaten sind zu einem grossen Teil leicht erhältlich oder ersetzbar.
Mit dem ausfürhlichen Einstieg in die Zubereitungsarten und der Einführung in einen veganen Vorratsschrank, der Abdeckung sämlticher möglicher Koch-Lebenslagen stellt das Veganomicon meiner Meinung nach der perfekte Kochbuch-Einstieg für vegane Neulinge dar, die sich in der Küche bereits einigermassen auskennen. Totale Kochnoobs könnten von gewissen Rezepten und vor allem den fehlenden Bildern leicht bis mittelschwer überfordert sein.
Da das Buch jetzt auch in Deutsch erhältlich ist, gibt es meiner Meinung nach nichts anders zu sagen als: Klare Kaufempfehlung.
Das Buch hat sich zu meinem Lieblingskochbuch gemausert, und da wird es vermutlich auch noch eine Weile bleiben.

Rating: 5 von 5 Sternen


Seite: 1 | 2