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Rezensionen verfasst von
Nico Nissen (Germany)
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Vergangenheit von Nordfriesland: Die Arbeit der Bauern im Wandel
Vergangenheit von Nordfriesland: Die Arbeit der Bauern im Wandel
von Ove Thomsen
  Broschiert
Preis: EUR 7,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Viele Fehler und Hetze gegen Ausländer, 11. Juni 2014
Die Kapitel über die Geschichte Nordfriesland und Eiderstedts sind grob aus der Sekundärliteratur zusammengeschrieben, ohne dass nur eine Stelle sauber belegt wurde. Das Literaturverzeichnis ist ausgesprochen dürftig, ein Bildverzeichnis fehlt ganz. Die abgebildeten Dokumente sind lückenhaft und teilweise falsch transkribiert. Interessant wird es erst, wenn der Autor aus seinen Erinnerungen berichtet. Dabei wird aber eine unverhohlene Ausländerfeindlichkeit deutlich, wenn er über Einwanderer aus den europäischen Nachbarländern schreibt: "Sie kommen zu uns ohne eine Ausbildung, keinerlei Sprachkenntnisse, aber die Möglichkeit, von unserem Sozialsystem zu profitieren, kennen sie ganz gut." Auch diese Aussage belegt er selbstverständlich nicht - wie so oft in diesem Buch genügt das Vorurteil. Man kann sich rege vorstellen, wie der Autor Ove Thomsen, der von der Welt wohl nicht viel mehr gesehen hat als seine Warft in Eiderstedt und Teile der Diktatur Usbekistan, auf den Küchentisch des Margarethenhofes haut und gegen den Sozialmissbrauch von Ausländern schimpft, den er auf Eiderstedt mit seinem Ausländeranteil von gewiss weniger als 5 Prozent sicher nie selbst erlebt hat. Wie so oft bestätigt sich in diesem Buch, dass die Ausländerfeindlichkeit dort am größten ist, wo es kaum Ausländer gibt.


Western Digital WD20EARS Caviar Green 2TB interne Festplatte (8.9 cm, 5400rpm, 8.9ms, 64MB Cache, SATA)
Western Digital WD20EARS Caviar Green 2TB interne Festplatte (8.9 cm, 5400rpm, 8.9ms, 64MB Cache, SATA)
Wird angeboten von Get-it-quick
Preis: EUR 110,49

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dringende Warnung vor der Anschaffung dieser Festplatte!, 10. April 2012
Ich habe mir die WD20EARS gekauft und extern angeschlossen. Irgendwann lief sie einfach nicht mehr an. Laut Suchmaschine scheint dies ein häufiges und gängiges Problem zu sein. Der Service von Western Digital bietet nur den Umtausch an, aber keine Wiederherstellung der Daten. Die sind somit verloren.

Lernt aus meinen Fehlern und kauft auf keinen Fall diese Platte!


Die Quorenfrage im Volksgesetzgebungsverfahren: Bedeutung und Entwicklung (Bürgergesellschaft und Demokratie)
Die Quorenfrage im Volksgesetzgebungsverfahren: Bedeutung und Entwicklung (Bürgergesellschaft und Demokratie)
von Frank Meerkamp
  Taschenbuch
Preis: EUR 47,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein notwendiges Buch zu einer dringenden Frage, 5. April 2012
Die Volksabstimmung über Stuttgart 21 hat zumindest in Baden-Württemberg schlagartig verdeutlicht, welche Folgen Quoren in Abstimmungen haben. Zufälligerweise erschien nur wenige Monate zuvor ein Buch, dass sich genau diesem Thema widmet. Dabei handelt es sich um die Druckfassung der Dissertation Frank Meerkamps mit einem etwas sperrigen, aber dafür eindeutigen Titel. Es ist das einzige Werk über das Quorumproblem und füllt damit eine klaffende Lücke, die um so unverständlicher ist, wenn man dem Autor in seiner Feststellung zustimmt, dass es bei der Frage nach Direkter Demokratie in den Deutschland längst nicht mehr um das Ob als vielmehr das Wie geht: Direktdemokratische Verfahren gibt es in allen Bundesländern auf Kommunal- wie Landesebene, doch nur wenige sind tatsächlich anwendbar.
Ursache dieser Ungleichbehandlung der Bundesbürger sind vor allem die Quoren in den einzelnen Verfahrenshürden. Besonderes Augenmerk legt der Autor dabei zu recht auf Zustimmungs- und Beteiligungsquorum im Volksentscheid. Er stellt fest, dass beide wesentlichen demokratischen Prinzipien widersprechen, Bürgerbeteiligung verhindern und das Abstimmungsergebnis verzerren.
Eingeführt wurden Quoren unter dem Vorwand, sie würden repräsentative Ergebnisse gewährleisten und die Bürger vor organisierten Minderheiten schützen. Tatsächlich bewirken sie das Gegenteil: Weil Quoren nur für eine Seite gelten, halten sie viele Bürger geradezu von einer Teilnahme ab, weil das Ergebnis von vornherein festzustehen scheint. Untersuchungen belegen zudem, dass Volksentscheide selbst bei geringer Beteiligung zu repräsentativen Ergebnissen gelangen - sofern nicht Quoren das Ergebnis verfälschen. Beim sogenannten "unechten Scheitern" einer Volksabstimmung wird mittels Quorum sogar die Minderheit zum Sieger erklärt: Mögen die Ja-Stimmen eine noch so große Mehrheit darstellen, gelten sie de facto weniger als die Nein-Stimmen, solange das Quorum nicht erreicht wurde - strenggenommen ein deutlicher Verstoß gegen demokratische Prinzipien wie Mehrheitsprinzip und Gleichheit der Stimme. Mathematisch betrachtet werten Quoren Enthaltungen zu Gegenstimmen um - was bei Wahlen als Abstimmungsbetrug verstanden würde, wird bei Volksentscheiden als notwendiges Übel dargestellt. Blickt man zudem auf die Wahlergebnisse, stellt man fest, dass viele Regierungskoalitionen der Länder die dort geltenden Quoren selbst nicht erfüllen. Für eine direktdemokratische Entscheidung des Volkes gelten also höhere Hürden als für seine Vertreter im Parlament; das Leitmotiv der Demokratie, die Volkssouveränität, wird durch solche Quoren zur Floskel. Tatsächlich besteht - anders als gerne behauptet - kein Vorrang der repräsentativen Demokratie vor der Direkten. Laut deutscher Rechtsprechung stehen repräsentative und Direkte Demokratie gleichberechtigt nebeneinander.
Die Wirkung der Quoren ist verheerend: Bürgerschaftliches Engagement wird nach einem weiten Weg über Volksinitiative und Volksbegehren im Volksentscheid abgewürgt. Frustration und Politikverdrossenheit werden so gefördert statt eingedämmt. Der Wettbewerb der Ideen, der durch Direkte Demokratie eigentlich angeheizt werden soll, entsteht überhaupt nicht. Gute Ideen außerhalb der Parteien dringen nicht bis in die Politik vor. Die Fachkompetenz, die sich inzwischen in Nichtregierungsorganisationen ballt, bleibt für den Staat weiterhin ungenutzt. Die Bürger bleiben Zuschauer der Demokratie und haben außerhalb von Wahlen keinerlei Einfluss auf die Politik, mag sie auch noch so sehr ihrem mehrheitlichen Willen widersprechen.
Bei objektiver Betrachtung gibt es also nichts, was für ein Quorum im Volksentscheid spräche. Folgerichtig empfiehlt Meerkamp daher den vollständigen Verzicht auf die in Deutschland leider üblichen Quoren oder wenigstens deren Senkung auf ein anwendbares Maß.


Die erregte Republik: Wutbürger und die Macht der Medien
Die erregte Republik: Wutbürger und die Macht der Medien
von Thymian Bussemer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

8 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Keine Ahnung, keine Recherche, keine Ideen, aber dafür viele Klischees, 3. Oktober 2011
Schon das Vorwort von Gesine Schwan lässt Böses schwanen: Die mehrmals gescheiterte Präsidentschaftskandidaten hat nach Jahren immer noch nicht begriffen, dass direktdemokratische Verfahren nicht am Parlament vorbeilaufen und dass Bürgerbegehren ohne Bürgerentscheide überhaupt keinen Sinn haben. Mit dieser Leistung ist die Politikwissenschaftlerin gewiss nicht der Stolz ihrer Zunft. Bürgerbegehren werden in Deutschland seit Jahren immer wieder von Gemeinderatsmehrheiten ignoriert oder manipuliert - dies hat schon Tradition. Vollends zum stumpfen Schwert werden Bürgerbegehren aber dann, wenn ihnen kein Bürgerentscheid mehr folgen kann. Sie erübrigen sich, weil Politiker sie dann einfach ignorieren können - was sie schon jetzt, obwohl Bürgerentscheide möglich sind, oft genug tun und damit auch durchkommen. Dies war auch 2007 in einem Bürgerbegehren gegen Stuttgart 21 so, ohne dass Schwan dies auch nur ein Wort wert ist. Stuttgart 21 gilt ihr nur als Negativbeispiel für bürgerschaftliches Engagement, aber nicht als Zeichen eines gescheiterten repräsentativen politischen Systems. Der Gedanke, dass Politiker die Anliegen der Bürger ernst nehmen würden, sobald nur ein Bürgerbegehren zustandegekommen ist, ist völlig unrealistisch und durch etliche Fälle in Deutschland widerlegt.

Sollte man nach dem bitteren Genuss des Vorworts noch die leise Hoffnung hegen, wenigstens der Autor selbst sei zu grundlegenden Recherchen in der Lage oder verfüge über fundiertes Sachwissen, wird bald enttäuscht. Das Literaturverzeichnis enthält schlicht gar keine Werke über Direkte Demokratie. Dementsprechend haben die Schlussfolgerungen des Autors über Direkte Demokratie auch nicht das Geringste mit der Wirklichkeit zu tun. Sie beruhen in erster Linie auf Klischees und der maßlosen Überschätzung der Rolle der Medien bei der Willensbildung der Bürger. Dabei gab es in Deutschland schon mehrere Volksentscheide, die Belegen, dass die Bürger unabhängig von den Medien ihre Entscheidungen fällen. Beispielsweise konnte auch eine Kampagne der Springerpresse nicht dabei helfen, den Flughafen Tempelhof in Berlin zu retten. Ebenso wenig gelang es der geballten Macht von Gastronomie- und Zigarettenlobby, einen schärferen Nichtraucherschutz in Bayern zu verhindern, und auch ein breites Bündnis mit allen in der Bürgerschaft vertretenen Parteien und etlichen Nichtregierungsorganisationen konnte nicht die Abschaffung der Primarschule in Hamburg verhindern. Öffentliche Meinung und Bürgerwille sind unterschiedliche Dinge, und einer Volksabstimmung geht immer ein Diskussionprozess von über einem Jahr voraus. Bussemer hat das noch nicht festgestellt, und versteigt sich sogar zum Vorwurf, die Bildzeitung habe mit ihrer Umfrage über Karl-Theodor zu Guttenberg die Direkte Demokratie einführen wollen. Weitere Verwechslungen von Umfragen mit Volksabstimmungen folgen konsequent.

Bussemer hat sich nicht die geringste Mühe gemacht, sich Direkte Demokratie in der Praxis anzusehen. Er glaubt, Direkte Demokratie würde zu zugespitzten, egoistischen Entscheidungen führen und die repräsentative Demokratie aushebeln. Ein Blick über die südwestliche Grenze hätte ihm verdeutlicht, dass das Unsinn ist: Sicherlich hat kein Staat der Welt so viele Instrumente der Kompromissfindung entwickelt wie die Schweiz. Bussemer sind Grundbegriffe der Direkten Demokratie wie Vorwirkung und Vernehmlassung aber offensichtlich unbekannt. Die Politiker der Schweiz werden auch nicht ausgebootet, sondern beteiligen sich rege an der Direkten Demokratie zunächst in der Form, dass sie die Bürger tatsächlich ernst nehmen und das Gespräch mit ihnen suchen. Ihr politisches System zwingt sie zur Bürgernähe. Sie unterstützen aber oft auch unmittelbar bestimmte Initiativen.

Die Direkte Demokratie in Deutschland ist nach demselben System aufgebaut wie das der Schweiz: Sowohl Volksinitiative als auch Volksbegehren müssen von den Parlamenten debattiert werden, und die Vertrauensleute der Initiativen haben Rederecht. Politiker werden also nicht ausgebootet, sondern in die Pflicht genommen, und haben dabei auch die Möglichkeit, die Initiative zu unterstützen oder einen Kompromiss zu schließen. Erst wenn sie sich diesem Mandat verweigern, kommt es zu einer Volksabstimmung. Der Clou der Direkten Demokratie liegt ja gerade darin, dass es nicht zu einer Volksabstimmung kommen muss, wenn Politiker mehr Bürgernähe zeigen und das Gespräch mit den Bürgerbewegungen suchen. Die Gefahr von vorschnellen oder populistischen Entscheidungen gibt es bei direktdemokratischen Entscheidungen aber kaum: Es dauert über ein Jahr, bis es zu einer Volksabstimmung kommt. Der Einfluss parteiischer Medien im Diskussionsprozess ist dabei nachweislich gering. Auch eine Diktatur der Minderheit ist dabei nicht möglich, sofern die ergebnisverzerrenden Quoren bei Volksabstimmungen abgeschafft werden, die oft Minderheiten zu Mehrheiten machen und damit eindeutig gegen das demokratische Grundprinzip der Stimmengleichheit verstoßen. Eine Volksabstimmung ist selbst dann demokratisch legitimiert, wenn sich nur eine Minderheit daran beteiligt, weil die Bürger, die sich enthalten haben, sich neutral verhielten und die Entscheidung der Minderheit überließen. Das ist dasselbe Prinzip, das auch bei Wahlen in der repräsentativen Demokratie gilt, ohne dass Bussemer dies je kritisiert hätte. Alles andere würde bedeuten, Enthaltungen als Gegenstimmen zu werten, was sie nicht sind.

Völlig schräg ist auch Bussemers Argument, dass lokale Bürgerinitiativen, die durch Direkte Demokratie Einfluss nehmen, sich nicht auch um Sozialsysteme oder Außenpolitik kümmern würden. Natürlich tun sie es nicht, weil sie es als lokale Bürgerinitiativen nicht können! Nichtregierungsorganisationen und Bürgerinitiativen zu Bundesangelegenheiten gibt es zwar genug, nur keine Direkte Demokratie auf Bundesebene. Beim Lesen solch drastischer Denkfehler kommt man aus dem Staunen nicht heraus.

Doch schon Bussemers Demokratieverständnis ist hausbacken und zweifelhaft. Er erwartet von demokratischen Bürgern, Bürgersinn zu zeigen und nicht nur egoistisch nach eigenen Interessen abzustimmen. Dabei ist es gerade Merkmal der Demokratie, dass sie sich mit dem Egoismus der Menschen abfindet und unterschiedliche Interessen integrieren kann. Bussemers Bürger mit Bürgersinn ist ein idealistisches Konstrukt, das es in der Wirklichkeit ebenso wenig gibt wie den Homo Oeconomicus des Neoliberalismus, der Herrenmenschen des Nationalsozialismus oder den neuen Menschen des Kommunismus ' alles gescheiterte Menschenideale. Statt kritisch darüber nachzudenken, erfindet Bussemer das nächste, nur diesmal für die repräsentative Demokratie: den Bürger mit Bürgersinn. Nicht verwunderlich also, dass er sein Buch mit naiven und hilflos wirkenden Appellen an Bürger, Politiker und Journalisten schließt, doch bitte so zu sein, wie er sie sich wünscht. Innovative Ideen? Fehlanzeige! Stattdessen 200 Seiten lang pauschalisierende Medienschelte auf Grundlage so ziemlich aller vorhandenen Klischees und laiensoziologische Theorien. So habe nach Bussemers Theorie der Neoliberalismus den Bürgersinn unterminiert und so den Wutbürger zur Welt gebracht, der egoistisch seine eigenen Interessen vertritt, als wäre es gerade in der Demokratie völlig neu und unerhört, dass Menschen ihre eigenen Interessen vertreten! An anderer Stelle beklagt er, dass die Medien den Parteien das Agendasetting geraubt hätten, als wenn es nicht Aufgabe der Medien wäre, auf Missstände aufmerksam zu machen.

Besonders peinlich an Bussemers Medienkritik ist, dass er seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden kann und selbst nicht zu einem kritischen und unabhängigen Umgang mit den Medien in der Lage ist. Beispielsweise kolportiert er die Legende, dass sich der Widerstand gegen Stuttgart 21 erst kurz vor Beginn der Bauarbeiten formiert hätte. Nach dem Motto: Über was nicht berichtet wird, gibt es nicht. Dabei hätte es nur kurzer Recherche bedurft, um festzustellen, dass es bereits seit 1995 eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gibt und dass 2007 ein Bürgerbegehren mit über 60000 Unterstützungsunterschriften aus rein formalen Gründen scheiterte. Für Bussemer wohl zu viel Zeitaufwand, oder Ausdruck seiner Furcht, sich bei tiefergehender Recherche von den Klischeevorstellungen verabschieden zu müssen, auf denen sein Theoriengebäude aufbaut. Denn abgesehen von der Legende des 'Widerstand aus dem Nichts' passt Stuttgart 21 auch nicht zu seiner Warnung vor dem medienbeeinflussten Bürger: Die Medien Baden-Württembergs einschließlich der regionalen Presse befürworteten größtenteils Stuttgart 21.

Die fehlenden Recherchefähigkeiten des Autors gepaart mit seinen fehlenden Analysefähigkeiten machen das Buch zu einem Anwärter für den Altpapierstapel. Dass beispielsweise das Bundestagswahlrecht nicht nur verfassungswidrig, sondern auch völlig veraltet ist und daher gar kein repräsentatives Ergebnis mehr bringen kann, ist ihm kein einziges Wort wert. Weiß er es etwa nicht? Wer ein Plädoyer für die repräsentative Demokratie auf den Buchmarkt schmeißt, sollte im Zuge seiner Recherchen irgendwann auch nachprüfen, ob wir von der Bundesrepublik noch uneingeschränkt von repräsentativer Demokratie sprechen können. Die Frage liegt nahe, oder nicht?
Besonders störend finde ich zudem, dass Bussemer seine Quellen nur lückenhaft nennt und häufiger ganze Absätze anderer Autoren zitiert.

Zwei Sterne dafür, dass ich glaube, dass der Autor sein Bestes getan hat. Mehr war wohl nicht drin.

P. S.: Vergangene Woche befragte Panorama einige Bundestagsabgeordnete nach ihrem Wissen über den Euro-Rettungsschirm. Ergebnis: Bis auf wenige Ausnahmen wussten sie noch nicht mal die Summe, um die es ging. Es lebe die repräsentative Demokratie!

P. P. S.: Als ehemaliger Campaigner von Mehr Demokratie hörte ich von Politikern als Argument gegen Direkte Demokratie oft, dass man nach einer Volksabstimmung über den Euro nicht diese tolle Einheitswährung hätte. Abgesehen davon, dass das Kaffeesatzleserei ist, höre ich dieses Argument nun gar nicht mehr.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 2, 2011 7:21 PM CET


Die verflixte Mathematik der Demokratie
Die verflixte Mathematik der Demokratie
von George G. Szpiro
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Inhaltlich gut, nur nicht unbedingt leserfreundlich, 27. August 2011
Das Buch sollte jeder lesen, der sich für Wahl- und Abstimmungsverfahren interessiert. Inhaltlich ist es wirklich hervorragend und zudem durchdacht angelegt. Der Autor geht chronologisch vor und zeigt so auch den Wandel, den Wahlverfahren durch Fortschritte in der Mathematik erfahren haben, und reichert das Buch vor allem durch biografische Exkurse an. Das begrüße ich als Historiker natürlich. Womit ich als Laie in mathematischen Fragen allerdings Probleme habe, ist die mangelnde Übersichtlichkeit und dass das Buch als Nachschlagewerk kaum geeignet ist. Zwar gibt es einige Tabellen und Formeln, doch die gehen in dieser Bleiwüste schlicht unter. Ein Glossar und ein kurzer Anhang wären hilfreich gewesen, zumal der Autor die amerikanischen Bezeichnungen für die Wahlverfahren nutzt und der Übersetzer Markus Junker nur durch Anmerkungen auf die in Deutschland üblichen Bezeichnungen hinweist. Ansonsten hat er nach meiner Ansicht aber gute Arbeit geleistet, auch wenn das Buch an einigen Stellen Druckfehler aufweist, die aber eher dem Korrektorat (sofern vorhanden) anzulasten sind. Vielleicht wäre es aber besser gewesen, wenn der Autor es selbst übersetzt hätte.
Alles in allem bleibt dieses Buch Pflichtlektüre für an Wahlverfahren Interessierte - und das sollte in einer Demokratie jeder sein.


SEO Suchmaschinenoptimierung: Praxisleitfaden für Unternehmer
SEO Suchmaschinenoptimierung: Praxisleitfaden für Unternehmer
von Norbert Weber
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Sehr gute Einführung mit leichten Makeln, 22. Juni 2011
Das Buch bietet eine nach meiner Ansicht als Anfänger gute Einführung in des Thema der Suchmaschinenoptimierung. Es ist umfassend und erläutert ausführlich viele unterschiedliche Methoden. Die Verständlichkeit wird noch durch das Glossar verbessert. So habe ich nur wenige Kritikpunkte. Da wäre zunächst die Unsicherheit des Autors mit der Zeichensetzung. Gerade weil er behauptet, dass Qualität ihren Preis habe und man einen SEO auch angemessen für seine Leistung bezahlen müsse, ist das unverständlich, denn ein Korrektor hätte ihm sicherlich wertvolle Hilfe leisten können. Außerdem hätte er in seinen Beispielen mehr auf die notwendigen XHTML-Tags eingehen müssen, und die abgedruckten Screenshots sind selbst für mich als Nichtbrillenträger zu klein.
Und noch was am Rande: Dem Autor sollte mal jemand stecken, dass es eher peinlich ist, sich auf dem Cover selbst darzustellen und den eigenen Namen mit einem akademischen Grad zu verunzieren.


Schlüsselkompetenzen: Reden - Argumentieren - Überzeugen
Schlüsselkompetenzen: Reden - Argumentieren - Überzeugen
von Daniel Händel
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Grundlage, 20. Mai 2011
Dieses Buch vermittelt eine gute Grundlage für öffentliches Reden und Argumentieren. Es gibt wohl nichts, was nicht behandelt wird: Körperhaltung und Auftreten, Rhetorik, Argumentationstechnik, Vortragstechnik, Kommunikationstheorie, Medieneinsatz u. v. m. Allerdings kann ich die Empfehlungen der Autoren nicht immer nachvollziehen, oder es werden Empfehlungen gegeben, die einem bereits der gesunde Menschenverstand mitteilt. Daher vier Sterne.


Hans Globke (1898-1973): Beamter im Dritten Reich und Staatssekretär Adenauers
Hans Globke (1898-1973): Beamter im Dritten Reich und Staatssekretär Adenauers
von Erik Lommatzsch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,90

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Beispiel gekaufter Geschichtswissenschaft?, 17. Mai 2011
Diese Biografie ist die für den Druck überarbeitete Fassung der Dissertation Erik Lommatzschs, die durch ein Stipendium der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung gefördert wurde. Wen wundert es da, dass Lommatzsch versucht, Globke als Widerständler darzustellen? Dafür erklärt er jedoch Einzelfälle und lockere Verbindungen, die es gegeben haben mag, für exemplarisch. Zudem stützt er sich ausgerechnet auf die Aussagen, die im Rahmen der Verfahren und Kampagnen gegen Globke gesammelt wurden, um ihn zu entlasten. Immer wieder folgt Lommatzsch einfach den eigenen Aussagen Globkes in dem von ihm oft zitierten "Entwurf einer Aufzeichnung Globkes als Reaktion auf die während der Pressekonferenz des 'Ausschusses für Deutsche Einheit' vom 28.7.1960". Lommatzsch hinterfragt auch nicht, weshalb die angeführten Widerständler (wie Theanolte Bähnisch) selbst keine entlastenden Aussagen für Globke machten, sondern in erster Linie Personen, die Globke politisch nahe standen, oder warum unter den Entlastungszeugen nur wenige Juden waren.
Ich schenke dem Autor jedoch in einigen seiner Ausführungen Glauben. So belegt er nach meiner Ansicht glaubhaft die Versuche Globkes, juristische Ratschläge zu geben oder mildernd auf die NS-Gesetzgebung einzuwirken und so Verfolgungen zu verhindern oder wenigstens zu verzögern. Auch entlarvt er die Kampagnen der DDR und der deutschen Linken gegen Globke als haltlos und lediglich politisch motiviert. Dennoch stand Globke als Referent des Innenministeriums im Dienste des NS-Regimes und war mittelbar an Verfolgungen beteiligt. Vereinzelte Ratschläge an Verfolgte oder lockere Kontakte zu Widerständlern ändern daran nichts, zumal Globkes geringes Engagement wohl eher auf christliche als auf politische Überzeugungen zurückzuführen ist. Es wäre selbstgerecht, Globke daraus einen Vorwurf zu machen, nur sollte man ihn nicht in einer durchschaubaren politischen Absicht zum Widerstandshelden verklären.
Indes ist das Buch des politischen Journalisten Jürgen Bevers nach meiner Ansicht nicht besser. So bleibt eine objektive Biografie über den umstrittenen Sekretär Adenauers weiterhin ein Desiderat.


Parteiendämmerung Oder: Was kommt nach den Volksparteien
Parteiendämmerung Oder: Was kommt nach den Volksparteien
von Christoph Seils
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In Beobachtung und Prognose gut, in den Ideen ungenügend, 17. April 2011
Christoph Seils zeichnet die Entwicklung der bundesdeutschen Parteienlandschaft von den Anfängen bis zur Gegenwart nach. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf den Begriff "Volkspartei" und die Frage, weshalb alle Parteien Volksparteien sein wollen, aber nicht können. Nach meiner Ansicht neigt er in seinen Prognosen allerdings stark zum Pessimismus, indem er z. B. den Zerfall der Wählermilieus mit der seiner Ansicht nach bedenklichen Entwicklung zur "Mediendemokratie" und zum Populismus verknüpft: Je weniger gefestigt die Wähler in ihren politischen Ansichten seien, desto stärker könne sich der Einfluss von Medien und politischen Hasardeuren entfalten.

Davon abgesehen, halte ich Seils Portrait der gegenwärtigen Parteienlandschaft Deutschlands für weitgehend zutreffend, seine Schlüsse und Prognosen für einleuchtend. Ich bin mir sicher, dass die Zukunft ihm in vielem recht geben wird. Allerdings ist die Analyse Franz Walters, "Im Herbst der Volksparteien?", wesentlich fundierter und umfassender. Sein Einfluss auf Seils ist kaum zu überlesen.

Für ein bedeutenderes Manko halte ich allerdings Seilers wohl gut gemeinte, aber wenig durchdachte Ideen zur Direkten Demokratie. Er postuliert einen Vorrang der repräsentativen Demokratie vor der Direkten (die selbst Verfassungsrichter so nicht sehen), und möchte den Bürgern lediglich ein Vetorecht für bestehende Gesetze, aber kein Initiativrecht einräumen. Abgesehen davon, dass er damit das Gegenargument der Politiker gegen Direkte Demokratie, sie würde nur politische Entscheidungen ausbremsen und Politik unkalkulierbar machen, quasi institutionalisiert, widerspricht er sich selbst, weil er sogar auf derselben Seite feststellt, dass heutiges politisches Engagement sich von die Parteien in die Nichtregierungsorganisationen verlagert hat. Um dieses politische Engagement und das in den Nichtregierungsorganisationen geballte Sachwissen der Politik verfügbar zu machen, bedarf es eines Initiativrechts. So könnte das Problem, das Seils selbst erkannt hat, das Unvermögen der Parteien, noch politische Debatten anzustoßen, demokratisch gelöst werden.


Das Muskelaufbautraining beim Bodybuilding. Eine kritische Analyse aus sportwissenschaftlicher Sicht
Das Muskelaufbautraining beim Bodybuilding. Eine kritische Analyse aus sportwissenschaftlicher Sicht
von Jürgen Giessing
  Broschiert
Preis: EUR 25,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre für alle Bodybuilder, 26. August 2010
Ich habe eine sehr umfassende Sammlung von Büchern über Bodybuilding. Sollte mich ein Laie oder Anfänger fragen, welches Buch ich ihm zur Einführung ins Bodybuilding empfehlen würde, würde ich sofort und ohne langes Nachdenken Gießings "Das Muskelaufbautraining beim Bodybuilding" aus dem Regal greifen. Warum? Weil Gießing einer der wenigen Autoren ist, der Bodybuilding auch von wissenschaftlicher Seite aus beurteilen können. Er stellt nicht einfach nur fest und empfiehlt, wie andere Autoren, die zwar Bodybuilder sind, aber wissenschaftliche Laien, sondern er kann umfassend begründen, Studien zitieren, widersprüchliche Studien kritisieren und abwägen. Seine Darstellung ist wesentlich fundierter als die meisten anderen Bücher zu dem Thema.

Gießings Werk ist kein Trainingshandbuch. Es gibt keine Anleitung für irgendwelche Übungen und enthält keine Kochrezepte, geschweige überhaupt Bilder. Aber es ermöglicht dem Leser, Bodybuilding zu verstehen, und bildet somit eine Wissensgrundlage für Anfänger und Laien, die allzu oft auf die Versprechungen von selbsternannten Trainingsgurus, Roiddealern und Marketingagenten der Supplementhersteller hereinfallen.


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