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Rezensionen verfasst von
Krenberger
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Frida, die kleine Waldhexe: Spinnentier und Raben, man muss nicht alles haben!
Frida, die kleine Waldhexe: Spinnentier und Raben, man muss nicht alles haben!
von Jutta Langreuter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen ein wirklich liebenswertes und toll gemachtes Kinderbuch, 19. Juni 2016
Ein neues Abenteuer von Frida, der kleinen Waldhexe, wartet auf die kleinen Leserinnen und Leser. Im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten über Hexen und Zauberer sind die Bücher über Frida sowohl für Jungs als auch für Mädchen gut zum Vorlesen und zum Selbstlesen geeignet.
Worum geht es diesmal? Um ein klassisches Kinderthema: das Aufräumen. Denn Frida hat dermaßen viel Krimskrams, alte Sachen und Plunder im Haus, dass sie zum einen immer auf ihre Tiere angewiesen ist, um das zu finden, was sie braucht, etwa zum Kuchenbacken. Zum anderen steht sie dann, wenn sie tatsächlich einmal dringend etwas finden müsste, vor der Schwierigkeit, alles Mögliche zu finden, aber eben nicht das Gesuchte. Diesmal kommen drei Hexen und der Hexenmeister Barack zu Besuch, Frida will die Gäste bewirten und sorgt für Tee und Kuchen. Blöderweise löst sich aus Baracks Zauberstab während der gemütlichen Runde für einen Unbeweglichkeitszauber, den Frida irgendwie wieder aufheben muss. So genau weiß keiner der fünf, welcher Gegenzauber da hilft und vor allem, wie genau er formuliert ist. Deshalb sucht Frida fieberhaft nach ihrem Zauberbuch und probiert währenddessen ungeduldig und sorgenvoll die Varianten des Gegenzaubers aus, die ihr in Restbeständen irgendwie im Kopf herumschwirren. Doch das bringt nichts: weder findet sie in ihrem vollen Haus das Buch noch kann der Zauber gebrochen werden. Stattdessen schneit es, tanzen Schmetterlinge und erscheinen putzige Jungtiere auf dem Schoß der Gäste. Aber am Ende findet sich das Buch und Frida kann die Gesellschaft erlösen. Ob Frida aber den am Schluss gefassten Vorsatz, von jetzt an aufzuräumen und vor allem Dinge wegzuwerfen, wirklich einhalten wird? Es wäre fast schade.
Neben der absolut kindergeeigneten Geschichte überzeugen bei den Frida-Bänden stets die liebevollen Illustrationen. Die Hexenfiguren haben immer noch Anleihen an die Klassiker von Lieve Baeten und deren kleine Hexe Lisbet, aber inzwischen hat sich Frida als eigener Charakter etabliert. Die Bilder sind detailreich und farbenfroh und bergen viele Dinge zum Entdecken, weit über die Geschichte hinaus. Das sind dann etwa graphische Details wie die goldenen und glitzernden Effekte auf allen Bildern, aber auch Späße wie den Hexomix in der Küche, das Spiel Hexopoly im Wohnzimmer oder eine Schallplatte mit dem Cover Hexallica. Dazu auch Dinge wie die unglaublich süßen Wurzelgnome, die sich in Fridas alten Blumentöpfen wohnlich eingerichtet haben.
Insgesamt kann ich also den neuen Frida-Band nur empfehlen, es ist ein wirklich liebenswertes und toll gemachtes Kinderbuch.


Hier kommt Oma
Hier kommt Oma
von Stefan Boonen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

2.0 von 5 Sternen hat mich nicht überzeugt, 19. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Hier kommt Oma (Gebundene Ausgabe)
Schon vor kurzem gab es ein Kinderbuch im NordSüd-Verlag über eine coole Ninja-Oma, die vom Alltag abweicht und so für die Enkel etwas ganz Besonderes ist. Nun erscheint im Arena-Verlag die Übersetzung eines ähnlich zielgerichteten Kinderbuches von Stefan Boonen unter dem Titel „Hier kommt Oma“. Das Buch ist eine Mischung aus Buch und Comic, sodass allein dies schon höhere Ansprüche an die Leserschaft stellt. Auf der Verlagshomepage wird das Buch ab 8 Jahren empfohlen, auf amazon sogar erst ab 12 Jahren, was aber ein Missverständnis sein dürfte: Jugendlich zu Beginn der Pubertät werden mit diesem Buch sicher nichts mehr anfangen können. Wie dem auch sei: obwohl das Thema der coolen Oma, bei der man mal Dinge machen darf, die im elterlichen Alltag nicht erlaubt sind, einen breiten thematischen Zugang zu Kindern ab 4-6 Jahren eröffnen würde, forciert dieses Buch klar den Fokus auf ältere Kinder. Dies beginnt schon bei den unruhigen Illustrationen, die aber auch mit dem nicht immer chronologisch leicht verständlichen Text einhergehen. Schon der Beginn des Buches ist ein Lückenrätsel: erst im späteren Verlauf der Lektüre ahnt man, dass hier eine Oma mit einem klapprigen Bus mehrere Enkel abholt und mit ihnen ein Wochenende in irgendeinem Häuschen im Wald verbringen wird. Könnte man auch eine kleine Einleitung dazu schreiben, wäre dann einfacher zu verstehen. Mit flachen Fäkalwitzen werden dann zwar vereinzelt Lacher gesetzt, aber andererseits mutet es unpassend an, wenn Oma den kleinen, namenlosen Hauptdarsteller des Buches beim morgendlichen Waschen daran erinnert, ja „den Pimmel“ nicht zu vergessen. Robuste Oma hin oder her, das passt nicht in ein Kinderbuch. Klar ist es im Weiteren amüsant, wie die Rasselbande von Kindern dieses Wochenende verbringt, mit Gruselgeschichten, Ungehorsam, Albernheiten, Dreck und reichlich Fantasie. Mit Mutproben, Ausflügen, aber auch stillen Momenten, etwa nachts auf dem Dach oder beim Besuch des Grabes von Opa – auch dies ein durchaus grenzwertiges Thema in einem auf gewolltem Krawall gemachten Kinderbuch. Die Kinder treffen auf spießige Nachbarn, denen die hemdsärmelige Art der Oma so gar nicht passt, aber auch auf Leute, die die Ideen der Oma einfach mit unterstützen und den Kindern Eis für „Knirsch“ geben, das man vom Wassergrund emportauchen muss. Aber insgesamt hat mich das Buch nicht überzeugt. Ich habe das Buch zusätzlich testweise mit Kindern der Zielgruppe und mit jüngeren Kindern gelesen, konnte dabei aber auch bei diesen keine Begeisterung für das Buch wecken.
Aus der Erwachsenensicht hätte ich das Thema auch gern anders, vor allem netter aufgegriffen gesehen: sympathischere Illustrationen, weniger derbe Sprache, klarere Zusammenhänge und Botschaften, da die vorhandenen Metathemen in ihrer Hintergründigkeit meines Ermessens nach Leser im Grundschulalter überfordern und nicht richtig transportiert werden. Erwachsene Leser erkennen zwar sofort, worauf es der Autor anlegt: das Ausleben von Freiheiten, das Überschreiten von Grenzen, das Antesten der eigenen Belastbarkeit, die Stärkung von Kindern durch eigenständige liebende Verwandte. Aber für Kinder hätten ein paar subtilere Botschaften und diese zudem kindgerechter verpackt werden können. Die Melange von Comic und Text ist nicht verkehrt, rettet aber das Buch in meinen Augen auch nicht mehr.


Eskapaden: Der achte Fall für Bruno, Chef de police
Eskapaden: Der achte Fall für Bruno, Chef de police
von Martin Walker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

3.0 von 5 Sternen routiniert, aber nicht spannend, 19. Juni 2016
Nach dem stellenweise rasanten und thrillerähnlichen siebten Band der Bruno-Krimis, in welchem sich Bruno mit teilweise schweren Waffen gegen Terroristen behaupten musste, kommt der neue achte Band nur schwer aus den Startlöchern. Man erfährt viel und elegisch über die Landschaft, die heroische Geschichte Frankreichs und natürlich die obligatorischen kulinarischen Ergüsse, für die Bruno bekannt ist. Das erste Viertel des Buches enthält zudem den für einen Krimi obligatorischen Toten, Gilbert Clamartin, ansonsten aber passiert nicht viel. Die weitreichenden Familienverhältnisse des 90 jährigen Patriarchen Desaix, genannt Marco, einem Held des zweiten Weltkrieges, werden aufgefächert, Brunos Beziehung zu Pamela wird ernüchtert, einige kurze Rückblenden auf vorangegangene Bände erfolgen, ohne dass mittels einer Fußnote erklärt würde, welcher Band es jeweils war, und es gibt unzähliges Namedropping verschiedener Weine und Weingüter.
Im nächsten Viertel des Romans tastet sich Bruno stückweise an den Toten heran, hat aber viele Nebenkriegsschauplätze zu beackern: eine unbeirrbare Tierschützerin mit unkontrolliertem Rotwildbestand, den Wahlkampf der Lokalpolitik und Dinge des Alltags, die wiederum vor sich hinplätschern und den Krimi nicht voranbringen. Dann schälen sich sukzessive Details zu Gilberts Vergangenheit als Militärattaché in Moskau, geheime Treuhandfonds und ein unerwartetes Testament heraus und Bruno befindet sich auf einmal im Zentrum von Ermittlungen, die von höchster Stelle geführt werden. Hinzu kommen die übliche amouröse Affäre, diesmal mit Madeleine Desaix, die sich von Beginn an anbahnt, aber auch mal wieder eine hinterhältige Attacke auf Bruno, derer er sich erwehren muss.
Auf einem der zahlreichen Familienfeste des Desaix-Clans kommt es dann zum Showdown mit dem bösen Gegenspieler dieses Romans und das dem Leser präsentierte Ende hat eher etwas von Slapstick.
Zwei Dinge sind mir noch negativ aufgefallen, zum einen ein kapitaler Druckfehler, für den Übersetzer und Lektor des Buches zum Schämen in den Verlagskeller gehen sollten: Auf S. 347 ringt Bruno eine Frau zu Boden, dann heißt es: „Doch sie trat mit den Füßen aus und traf mit den Versen immer wieder seine Beine.“ Autsch. In doppelter Hinsicht. Zum anderen stört mich das unverhohlene Product Placement des Autors: während im Vorband Bruno und alle Welt sich einzig dem Whisky der Marke Lagavulin verschrieben hatten, wird diesmal nur Balvenie gelobt, verschenkt und verkostet. Welche Marke darf es im neunten Band sein? Antiquary? Highland Park? Macallan? Gibt es dafür Provision?
Der Roman steht insoweit in guter Bruno-Tradition, dass Land und Leute, Essen und Trinken und das Drumherum einer fiktiven Kleinstadt für den Dorfpolizisten mindestens ebenso wichtig sind wie der das Buch tragende Kriminalfall. Das füllt das Buch ordentlich, macht es aber für den Leser nur mäßig spannend. Das Buch an sich ist natürlich gut geschrieben, man kann den Roman bei guter Konzentration durchaus an einem langen Abend flüssig durchlesen. Aber am Ende ist man eher enttäuscht, insbesondere wenn man einige der früheren Bände und vor allem den letzten Fall Brunos noch im Hinterkopf hat und eigentlich einen spannenden Krimi erwartet hatte.


Theo und Oleander und der unsichtbare Mops
Theo und Oleander und der unsichtbare Mops
von Gina Mayer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen sehr erfreuliche Neuerscheinung, 12. Juni 2016
Der arme Theo ist so schlecht in Mathematik, dass seine Eltern beschließen, ihm einen neuen Nachhilfelehrer zu besorgen: Herrn Oleander aus dem Nachbarhaus. Das passt Theo gar nicht, denn dieser Oleander wirkt ziemlich verkniffen und ist Besitzer eines Mopses. Und noch dazu darf Theo ab jetzt nicht mehr zu Fußball, bis die Noten wieder besser sind. Kurzum: eine Katastrophe. Doch bei Oleander ist es zwar chaotisch, aber nicht wirklich anstrengend. Denn der ist zwar Mathematiker, aber bringt Theo nichts bei, sondern löst einfach dessen Hausaufgaben. Dazu hat er eine nette Schwester namens Friedegard, die der eigentliche Star des Buches ist. Sie ist ein bisschen schräg, aber nicht minder schlau im Vergleich zu ihrem Bruder. Denn neben ihrer Vorliebe für Back- und Kochrezepte, die sie in steter Regelmäßigkeit in ungenießbare Ergebnisse verwandelt, begeistert sie sich für Physik, Magnetismus insbesondere. Am größten Institut der Stadt diskutiert sie dort mit dem Leiter, obwohl sie eigentlich nur als Reinigungskraft angestellt ist. So aber kann sie ihn von ihren Kenntnissen überzeugen und darf nebenher ein bisschen forschen. Ein wenig mehr von ihren Experimenten und Ansätzen als Theo versteht Tobias, der Untermieter der Oleanders. Der ist auch Student der Mathematik und verbringt gerne Zeit mit Friedegard. Es könnte also alles nett seinen Gang gehen, wenn nicht auf einmal Friedegard verschwunden wäre. Herr Oleander ist ganz durcheinander und zusammen mit Theo macht er sich auf die Suche nach der Schwester. Sie finden erste Hinweise, dann immer mehr und schließlich kommen sie dem auf die Spur, was Friedegard mit ihren Experimenten herausgefunden hat: ein Rezept für eine Unsichtbarkeitspaste. Das wäre eine Sensation. Scheinbar hat aber noch jemand davon Wind bekommen, denn in Oleanders Zimmer steht eine erpresserische Drohung an der Wand: Rezept gegen Friedegard. Die beiden entdecken zu allem Übel auch noch, dass Tobias nicht so nett ist wie er tut und in einem spannenden Showdown, der ganz Friedegard-like etwas anders ausgeht als man es befürchten würde, wird alles aufgeklärt und zum Guten gewendet, auch unter tatkräftiger Mithilfe des Mopses. Details muss jeder selbst nachlesen. Und einen Cliffhanger gibt es auch noch. Mal sehen, wann es den nächsten Band gibt.
Die Geschichte ist verlagsseits für Kinder von 8-10 Jahren empfohlen. Die Rahmenhandlung verstehen sicherlich auch jüngere Kinder, aber es gibt schon viele Wendungen und Begriffe, die eher von älteren Grundschülern verstanden werden, gerade was die Bereiche der Mathematik und Physik angeht. Die Charaktere sind allesamt kindgerecht gezeichnet, ohne die Rolle der Bösewichter überzustrapazieren. Zudem sind wichtige Metathemen angelegt, etwa das Nichtaufgeben, die Suche nach unkonventionellen Lösungen, das Verzeihen und anderes, aber alles ebenfalls kindgerecht und gut verständlich. Insgesamt also eine sehr erfreuliche Neuerscheinung mit Potential für Fortsetzungen.


Gobbolino - Hexenkater haben es schwer
Gobbolino - Hexenkater haben es schwer
von Ursula M. Williams
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen ich finde die Geschichte deprimierend, 6. Juni 2016
Gobbolino ist ein kleiner Hexenkater und als solcher müsste er bestimmte Voraussetzungen erfüllen, sowohl vom Äußeren als auch von der Lebenseinstellung her. Aber gleich auf den ersten paar Seiten wird klar: das wird nix. Denn nicht nur, dass er als „Berufsziel“ die Rolle des behaglichen lieben Küchenkaters erstrebt, was so gar nicht zu einer bösen Hexenkatze passen will. Nein, er ist auch noch anders als er sein sollte. Er ist nicht schwarz, wie sich das für einen Hexenkater gehören würde, sondern getigert, mit „falscher“ Augenfarbe und noch dazu mit einer weißen Pfote. Zur Strafe wird er schon im ersten Kapitel von Mutter und Geschwistern verstoßen und muss mit den dressierten Hexenkröten im dunkelsten feuchtesten Teil der Höhle ausharren, dann will ihn keine andere Hexe zur Ausbildung annehmen und am Ende wird er alleine in der Höhle zurückgelassen. Dieser Anfang hat es also in sich: wenn man zart besaitete Kinder hat, könnten die sich hier schon ausklinken und das Buch nicht mehr lesen wollen. Die Empfehlung lautet zwar verlagsseits für Kinder zwischen acht und zehn Jahren, aber auch in dieser Zielgruppe könnte es Kinder geben, die sich mit so einer gemeinen Behandlung des Katers nicht auseinander setzen wollen. Denn es kommt nur noch schlimmer im Folgenden.
Gobbolino gibt nicht klein bei, sondern will seine eigene Familie finden, wo er genau der Kater sein darf, der er sein möchte. Er landet zunächst auf einem Bauernhof, aber als er dort die Kinder mit kleinen Tricks zum Lachen bringt, ist er bei den alten Bauersleuten nicht mehr willkommen. Einen Hexenkater wollen sie nicht und als dann noch ein Kobold die Wohnung in Unordnung bringt, muss Gobbolino wieder gehen. Dann landet er im Waisenhaus und kann sich zunächst als Mäusejäger nützlich machen und den armen Kindern das eklige Essen schmackhafter zaubern. Doch auch hier wird er nicht geduldet, als seine Herkunft offenbar wird. Doch diesmal sorgen die Waisenkinder für Gobbolinos Rettung und Aufnahme in eine neue Familie, obwohl dort die Frau des Hauses keine Katzen mag. Dort fasst Gobbolino dann selbst den Entschluss, weiterzuziehen. In der nächsten Stadt wird Gobbolino von einem älteren Mann aufgenommen und von ihm zu einem Ausstellungskater gemacht. Dabei stellt sich ihm die klassische Frage, ob nun sorgloses Eingesperrtsein oder Hungern in Freiheit besser ist. Doch als Gobbolino einen Preis erhalten soll, neiden es ihm die anderen Katzen und verraten seine Herkunft, sodass er aufs Neue verstoßen wird. Er findet einen Platz auf einem Segelschiff und obwohl er das Schiff samt Besatzung vor einer Meereshexe retten kann, wird er auch von dort fortgeschickt. Und so setzt sich das Ganze fort, bei einer Prinzessin, bei Puppenspielern, ein Katerleben gefüllt mit Enttäuschungen. Am Ende landet er dann doch bei einer Hexe und trifft sogar seine Katzenschwester Bleckina wieder. Doch auch hier erleidet Gobbolino das altbekannte Schicksal, selbst die gemeine Hausierer-Hexe lässt ihn zurück und als Hexenkater ist er unbrauchbar. Am Ende geht es für Gobbolino zwar gut aus, Details werden aber nicht verraten.
Das Buch ist ohne Zweifel gut und spannend geschrieben. Das in immer neuen Varianten aber doch einer Zielrichtung auf Gobbolino prasselnde Unglück wird aber auf Dauer fad. Kinderbücher müssen ja nicht per se positiv sein, aber dass dem kleinen Kater auf über 160 von 174 Seiten erst einmal Unheil aller Art widerfahren muss, ohne dass sich das Blatt irgendwann einmal zu seinen Gunsten wendet, ist deprimierend. Da nützt auch die Wendung am Ende nichts mehr, die natürlich auch noch einen „gerade noch gerettet“-Übergang haben muss. Persönlich kann ich das Buch deshalb für Kinder nicht empfehlen, ich finde es insgesamt zu negativ behaftet.


Spotz (Bd. 1): Alles unter KonTrolle
Spotz (Bd. 1): Alles unter KonTrolle
von Rob Harrell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Ein Troll als Held, 5. Juni 2016
Wow, was für ein Kinderbuch. Über 300 Seiten stark ist dieser Comic-Roman, der den Kindern keine reine Buchstabenbleiwüste vorsetzt, sondern mit kleinen Cartoons auf jeder Seite Graphik und Text verknüpft und ineinander übergehen lässt. Verlagsseits ist das Buch für Kinder zwischen 10 und 12 Jahren vorgesehen und das dürfte es ziemlich gut zutreffen. Jüngere Kinder, also in der dritten oder vierten Klasse der Grundschule, werden sicherlich auch ihren Spaß mit dem Buch haben, aber es braucht schon bisweilen ein wenig Hintergrundwissen, um die vielen lustigen Anspielungen im Buch auch richtig einordnen zu können. Zudem ist die Hauptfigur des Romans, der Troll Spotz, sowas von im Beginn seiner Pubertät, was Verhalten und Sprache angeht, dass sich auch insoweit Kinder des genannten Alters eher mit ihm identifizieren können als jüngere dies tun würden. Einschränkend ist noch hinzuzufügen, dass Spotz eher ein Jungs-Held werden dürfte. Die jungen Damen, denen ich testweise den Spotz-Roman gegeben habe, waren nicht sonderlich angetan von dem kleinen Kerl.
Und das ist auch schon die Kurzumschreibung des Dilemmas: denn an Spotz‘ Schule sind die übrigen Mitschüler auch nicht begeistert von ihm. Er hat es mit elitären Feen, Prinzessinen und Königssöhnchen zu tun, die in ihm jedenfalls keine gleichwertige Kreatur sehen. Sogar Minnesänger sind höher angesehen. Besonders Prinz Roquefort, ein ausgewiesener Fiesling, hat es auf Spotz abgesehen und piesackt ihn mit Worten und Handlungen. Dann kommt aber irgendwann die berüchtigte Trollwut in Spotz hoch und dabei kann er auch schon mal kräftig austeilen. Roqueforts Vater, der König, verschwindet jedoch auf einmal, sodass dessen verzogenes Söhnchen der Thronfolge wird und dies an den Trollen und Spotz im Speziellen auslässt: er wird in den Kerker geworfen. Von dort befreien ihn aber seine Freunde und Spotz macht sich auf, den verschollenen guten König Kastanius zu finden und zu befreien, alles um nicht länger den willkürlichen Roquefort ertragen zu müssen. Dabei passiert allerlei, er und die ihn begleitenden Freunde, darunter ein ebenfalls inhaftierter und mitbefreiter Volksheld, begegnen allen möglichen Kreaturen und Ungeheuern des Königreichs und erleben so manches Abenteuer. Und auf eine konkurrierende Rettungsexpedition treffen sie auch noch. Aber das Ende bleibt natürlich ein Geheimnis und jedem Leser selbst vorbehalten.
Toll an dem Buch sind die vielen Anspielungen und Sprachspiele, für die man eben schon einen gewissen literarischen Hintergrund haben muss. Da gibt es Hinweise auf das Märchen mit den drei Schweinen, die Häuser bauen, und dessen Nachkomme Kevin der Freund von Spotz ist, oder auf Goldlöckchen und die drei Bären, das inzwischen Kantinenwirtin geworden ist. Andererseits werden Märchenwelt und moderne Welt in absurder Weise vermischt, etwa wenn auf einmal Mobiltelefone zum Einsatz kommen. Dazu werden die erzählenden Passagen mit Witzchen knapp über Fäkalniveau garniert, es muss ja zum Troll passen, der dann mit Spucke, Popeln und anderem reüssieren kann. Dass all das auch in der deutschen Ausgabe gut rüberkommt, ist ein großes Verdienst der Übersetzerin.
Dennoch sind auch pädagogisch wertvolle Metathemen verpackt, etwa der richtige Umgang mit negativen Gefühlen, die Frage, ob man Ratschläge befolgen oder lieber eigene Erfahrungen machen soll oder wie man Krisensituationen meistern kann, selbst als Außenseiter oder Angsthase.
Inzwischen gibt es bereits den zweiten Spotz-Roman und man darf gespannt sein, welch steile Karriere (ha, ha, würde Spotz sagen) der kleine Troll noch hinlegen wird.


Mit Felix auf großer Deutschlandreise: Spannende Briefe vom abenteuerlustigen Kuschelhasen (Bilder- und Vorlesebücher)
Mit Felix auf großer Deutschlandreise: Spannende Briefe vom abenteuerlustigen Kuschelhasen (Bilder- und Vorlesebücher)
von Annette Langen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen richtig gut gelungen, 3. Juni 2016
Der Hase Felix ist eine der sympathischsten und intelligentesten Kinderbuchfiguren, die ich kenne. In zahlreichen Büchern und noch mehr Briefen führt er Kinder an die unterschiedlichsten Themen heran. Er war schon auf Weltreise, in der Vergangenheit, im Weltall und erlebte allerlei Abenteuer, etwa im Zirkus. Das nun schon vielfach nachgedruckte Buch „Mit Felix auf großer Deutschlandreise“ beinhaltet nicht nur gleich vier Briefe innerhalb der Geschichte, die wieder in schönen eingeklebten Kuverts enthalten sind, sondern auch noch in einem extragroßen Umschlag auf der Rückseite des Buches ein Deutschland-Puzzle, mittels dessen man die verschiedenen Bundesländer zu einem einheitlichen Land zusammensetzen und so noch einmal die Erlebnisse von Felix nachvollziehen kann. Schon das ist eine tolle Idee und für die auch als Zielgruppe verlagsseits vorgesehen Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren eine schöne Zusatzbeschäftigung, die spielerisch an erdkundliche Grundlagen heranführt.
Leider beginnt die Geschichte etwas stürmisch, denn Felix wird im Urlaub auf Sylt mit einer Zeltplane einfach weggeweht. Insofern vielleicht darauf achten, wenn kleinere, sensible Kinder das Buch vorgelesen bekommen: das kann zu Tränen führen. Felix landet dann auf einer Hallig und muss von dort aus erst einmal zusehen, wie er wieder von dort weg- und dann nach Hause, also nach Münster kommen kann. Durchs Wattenmeer stapft er Richtung Festland, wird auf einem Schiff nach Hamburg mitgenommen, landet in der Hansestadt Bremen auf der Märchenstraße. Nun ist er in Siebenmeilenstiefeln unterwegs und kann deshalb in Windeseile ganz Deutschland besichtigen. Die einzelnen Stationen werden mit Sachinformationen, kleinen Zusatzgeschichten, Zeichnungen und Fotografien untermalt, sodass die Lebendigkeit der Geschichte nie abebbt. Teilweise lassen sich Seiten oder Stücke der Seite aufklappen und erweitern auf diese Weise noch das Leseerlebnis.
Und selbst die Teile Deutschlands, die Felix nicht besuchen kann, werden mit ein paar typischen Sehenswürdigkeiten abgebildet, sodass die kleinen Leser ein Gesamtbild des Landes samt vielen lohnenden Ausflugszielen präsentiert bekommen. Natürlich sind viele Stationen und Bilder klischeehaft, aber es ist ein guter Anfang, um sich mit Deutschland zu beschäftigen.
Abgesehen von dem schreckhaften Einstieg sind die weiteren Erlebnisse von Felix und auch die ansonsten gebotenen Beschreibungen kindgerecht und spannend, außerdem untermalt von passenden und liebevollen Illustrationen.
Insofern kann ich die Lektüre dieses Buches für Vorschulkinder und Schulanfänger nur empfehlen, nicht nur wegen der netten Geschichte, sondern gerade weil die spielerische Einführung in geographisches und kulturelles Grundwissen über Deutschland richtig gut gelungen ist.


Vom Ende der Einsamkeit (Diogenes Hörbuch)
Vom Ende der Einsamkeit (Diogenes Hörbuch)
von Benedict Wells
  Audio CD
Preis: EUR 24,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen guter Sprecher, guter Roman, 3. Juni 2016
Erst vor kurzem konnte ich die hervorragend umgesetzte Hörbuchversion des Erstlingswerks von Benedict Wells, „Becks letzter Sommer“, genießen und habe mich deshalb sehr auf die neue Audio CD seines inzwischen vierten Romans, „Vom Ende der Einsamkeit“, gefreut. Wieder kann man attestieren, dass ein Sprecher gefunden wurde, der den Roman exzellent eingelesen hat. Zum einen hat Robert Stadlober einen Heimvorteil, wenn es darum geht den (einzigen) österreichischen Charakter richtig zu intonieren, zum anderen kann er aber auch die emotionale Flachheit der Hauptperson Jules gut transportieren, der sich trotz der zahlreichen Schicksalsschläge, die ihn im Laufe der Geschichte ereilen, bisweilen anhört, wie wenn er alles durch einen Nebel wahrnähme. Bei einigen Dialogen war mir die Sprecherleistung persönlich nicht pointiert genug, sodass man erst aus dem Kontext erkennen musste, wer da welchen Satz zu verantworten hatte. Aber ansonsten war ich rein akustisch sehr zufrieden mit der CD.
Die Geschichte selbst wurde schon vielfach und überwiegend positiv besprochen, und in diesen Kanon kann ich mich auch einreihen. Wells ist wirklich ein guter Erzähler, wenngleich er auch diesmal einige Längen und kleinere Durststrecken zu verzeichnen hat, bei denen man sich – gerade beim Zuhören – denkt: Nun komm mal zum Punkt. Der Protagonist Jules verliert als Kind erst seine Eltern durch einen Autounfall, muss sich dann mit seinen beiden älteren Geschwistern Marty und Liz in einem Internat behaupten und wandelt sich vom wagemutigen Kind zu einem zurückgezogenen unsicheren Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Er hat über die normalen pubertären Gefühlswallungen hinaus Schwierigkeiten bei der Selbstfindung und Selbstbehauptung in der Welt, die eigentlich bis zum Schlusssatz des Romans andauern. Und er schafft es, trotz seiner Geschwister und trotz wohlmeinender Menschen um ihn herum einsam zu sein und zu bleiben. Seine vermeintliche Jugendliebe Alva verliert er nach der Schule aus den Augen, kämpft nicht stark genug darum, bei ihr bleiben zu können und erst Jahre später kommen die beiden als das Paar zusammen, das er sich stets erwünscht hatte. Dass Jules auch noch in dieser Situation die nächsten Bosheiten des Schicksals verkraften muss, macht den Roman insgesamt sehr schwermütig.
Sprachlich setzt Wells wieder viele Glanzlichter, die sich vor allem gesprochen wunderbar im Kopf nachhallen lassen. Allerdings übertreibt er es manchmal mit der philosophischen Tiefgründigkeit der Figuren, vor allem, wenn man rekapituliert, was Jules und Alva in ihren Schultagen für Dialoge führen und Gedanken äußern: das ist mitunter ein bisschen dick aufgetragen. Zugegeben: in diesem Teenageralter denkt man ja, alles und alles besser zu wissen und zu verstehen, aber diese hier teilweise präsentierte gedankliche Abgeklärtheit der Jugendlichen, die sich natürlich in ihren späteren Lebensjahren manifestiert und verfestigt, ist nicht immer überzeugend. Die handelnden Figuren haben ja dankenswerter Weise auch deshalb so viel Zeit für ihre Gedankenspiele und emotionalen Verwirrungen, weil sie offenbar genug Geld haben, um nicht richtig arbeiten zu müssen. Da wird im späten Alter noch studiert, ohne messbaren Erfolg geschrieben und anderweitig dilettiert, sodass es durchaus die Frage rechtfertigt, ob Menschen mit realem Leben, d.h. echtem Berufsstress auch zu all dieser Passivität und Leidenslust in der Lage gewesen wären.
Wie dem auch sei: der Roman thematisiert den Schmerz und den Umgang damit in beeindruckender Weise, aber zugleich fängt er auch viele (moderne) Nebenthemen schön ein und bereitet sie auch passend auf. Die Fragen, wann man den Ansprüchen der eigenen Familie genügt, ob man dies überhaupt tun muss, wann man für Kinder bereit ist und wieviel Kinder ertragen können, ob man glücklich sein kann oder es gar nicht gezielt sein sollte oder auch wie weit man sich anpassen muss, um eine Beziehung führen zu können, werden aufgegriffen und in mehr oder weniger größerem Umfang mit Lösungsansätzen versehen, die von den Handelnden selbst stammen und wechselseitig reflektiert werden. Gerade der Umgang mit Schwächen prägt viele der Charaktere und das gegenseitige, wenngleich manchmal späte Eingestehen dieser Schwächen, gibt den Figuren eine angenehm profunde Substanz. Hinzu kommt, dass man sich während der Lektüre immer wieder selbst Fragen zum eigenen Leben stellen kann, die mittels der Gedanken und Dialoge der Handelnden hervorgerufen werden. Insbesondere die Überlegung, wann Zeit verloren ist und ob man sie gerne zurückgewinnen würde, oder ob man den Lauf des Lebens als solchen akzeptiert, ist ein durchaus metaphysisches Grundproblem, mit dem man sich zur Stärkung der eigenen Zufriedenheit durchaus einmal befassen kann.
Wenn man zudem akzeptiert, dass man aus glücklichen Umständen keine guten Geschichten kreieren kann, wird man anerkennen, dass Wells mit diesem teilweise tragischen Roman ein wirklich gutes Stück Literatur gelungen ist. Hinzu kommt, dass auch dieser Roman in der vorgetragenen Version einen ganz eigenen Charakter entwickelt, was nicht nur der Verdienst des Sprechers ist, sondern ebenfalls den sprachlichen Fähigkeiten Wells‘ zuzuschreiben ist. Denn beileibe nicht jeder gute Roman gibt auch ein gutes Hörbuch.


Drachenschnodder
Drachenschnodder
von Esther Miskotte
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen nett und empfehlenswert, 3. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Drachenschnodder (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin und Illustratorin des Buches „Drachenschnodder“, Esther Miskotte, lebt und arbeitet in Amsterdam. Nachdem das Original des Buches zunächst in Belgien und den Niederlanden erschienen ist, kam es im Jahr 2015 auch in Deutschland auf den Markt. Das Buch ist verlagsseits für Kinder zwischen vier und sechs Jahren empfohlen und das trifft auch vollkommen zu. Zum einen ist die Geschichte bestens für Vorschulkinder geeignet. Denn die enthaltenen (Meta-)Themen passen einerseits gut in die Erlebens- und Gefühlswelt der genannten Zielgruppe. Zum anderen sind Überraschungsmomente bzw. eine erzieherische Wendung dezent enthalten, ohne belehrend zu wirken. Auch das ist in dieser subtilen Form kindgerecht. Zum anderen sind auch die Illustrationen sehr kindgerecht und dennoch nicht zu kindlich, sondern die farbensatten und detailreichen Bilder bieten genug Anhaltspunkte, um der Geschichte zu folgen und darüber hinausgehende Facetten zu entdecken. Die Mimik der Figuren passt gut zu den auf den Seiten erzählten Handlungen und auch die Verschiedenheit der Charaktere ist in überschaubarem Ausmaß vorhanden und auf diese Weise gut begreifbar, zumal auch die angelegten Probleme und Themen der Geschichte für Kinder gut nachvollziehbar sind.
Worum geht es in der Geschichte? Ein paar Tiere des Waldes sitzen zusammen und essen leckere Früchte, Kalle Kaninchen, Bär, später noch Igel, Maus und andere. Auf einmal verdunkelt sich der Wald, es riecht merkwürdig und die Tiere begeben sich auf die Suche, was das denn sein könnte. Siehe da: ein wegen Erkältung notgelandeter Drache, der mussmutig seinen Drachenschnodder samt ekligem Drachenatem über den bislang friedlichen Wald niest. Die Aussicht darauf, dass dieser Drache nun die klassischen sieben Tage vor Ort campieren muss, bis die Erkältung wieder auskuriert ist, behagt den Waldbewohnern gar nicht. Zudem hat der Drache Hunger und die Befürchtung der Tiere, dass er sich an ihnen laben wird, ist durchaus berechtigt. Nur der unerschrockene Kalle wagt sich vor. Denn das Ziel muss sein, dass der Drache gar keinen Hunger bekommt. Also bietet er ihm erst einmal Äpfel an. Der Drache lehnt angewidert ab, probiert dann aber nach gutem Zureden doch. Und tatsächlich: es schmeckt. Samt geflochtenem knusprigem Körbchen. Nach diesem gelungenen Anfang wird der Drache mit allen Köstlichkeiten des Waldes versorgt und bekocht: Kräuter, Beeren, Pilze, Gemüsesuppe und vieles mehr. Auch hier wird erst einmal angeekelt abgewunken, aber nach dem ersten Probieren schmeckt es dann doch. Und das erfreuliche Zusatzergebnis: die Erkältung geht zum einen dank der gesunden Mahlzeiten viel schneller vorbei und der Drache verabschiedet sich als Freund von den Tieren.
Mittels dieser kleinen Geschichte können Kinder viele Dinge mitnehmen: manchmal braucht es Mut, manchmal Überwindung und gesunde Sachen können lecker sein. Insofern ist dieses Buch wahrlich nett und empfehlenswert.


Sungs Laden: Roman
Sungs Laden: Roman
von Karin Kalisa
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen gelungenes und sehr zu empfehlendes Romandebüt, 31. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Sungs Laden: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Umschreibung des Romans auf dem Klappentext hat mich eigentlich nicht gereizt, insbesondere mangels bisheriger Bezugspunkte zu Vietnam und dem Schicksal der vietnamesischen Gastarbeiter in der DDR und speziell Ost-Berlin, die mit dem Mauerfall nicht so einfach ins Nichts verschwunden sind. Dennoch habe ich mich auf das Buch eingelassen und wurde reichlich belohnt. Denn es ist wahrlich ein kleines Märchen, eine Utopie beinahe, die den Schlechte-Laune-Moloch Berlin, wo nichts klappt und doch irgendwie alle vor sich hinwursteln und gentrifizieren, auf einmal in ein mildes, sympathisches und rührendes Licht taucht.
Wie gelingt das? Es beginnt mit einer unscheinbaren vietnamesischen Holzpuppe, die in der Aula einer Grundschule Kinder und Lehrer bezaubert. Dort soll etwas für die Völkerverständigung getan werden und die Kinder mit Migrationshintergrund sollen, selbst wenn sie in Deutschland geboren wurden, etwas Typisches aus ihrer (alten) Heimat präsentieren. Minh ist Schüler in dieser Grundschule und nachdem auch seine Eltern, Sung, dem Namensgeber des zugehörigen Ladens, und May keine rechten Pretiosen aus Vietnam, dem Land ihrer Eltern, zu bieten haben, wendet er sich an seine Großmutter Hien. Diese kam als Vertragsarbeiterin in die DDR und hat von ihren Vorfahren eine Holzpuppe geerbt und nach Deutschland verbracht, die zu einem Wassermarionettentheater gehörte. Mit dieser beweglichen Puppe erzählt sie bei der Schulaufführung eine ergreifende Geschichte, die eine ungeahnte Kettenreaktion in Gang setzt. Menschen fragen nach der Puppe, bestellen selbst welche, um damit wirkungsvoll gegen Streichungen von Schulraum zu protestieren. Das Interesse für das Land Vietnam, die in Berlin lebenden Vietnamesen, Kultur, Kleidung und Speisen wächst an ganz unterschiedlichen Orten Berlins und führt Menschen zusammen, die sich vorher nie begegnet wären oder wenn, dann ohne Interesse füreinander gewesen wären. Menschen entdecken auf einmal, dass man mehr und Gutes tun könnte – und tun es einfach. Sie beschäftigen sich mit einer anderen Kultur, aber zugleich auch mit ihren Mitmenschen. Linke, revolutionäre Ideen werden aus der Vergangenheit geholt, um darauf aufbauend eine der Zeit angepasste Diskussionskultur aufzubauen und alte Verknüpfungen neu zu beleben. Und so entstehen Stück für Stück erstaunliche neue Bande, die im Roman später symbolisch auch noch durch die mobilen vietnamesischen Brücken versinnbildlicht werden, die auf einmal allerorten entstehen und die Berliner damit auf eine Weise vernetzen, an die sie zuvor nicht einmal gedacht haben. Die öffentliche Ordnung wird nicht auf den Kopf gestellt, aber die verkrusteten Normen werden herausgefordert. Das führt nicht zum laissez faire, aber zu Improvisation und tatsächlich gelebter Solidarität. Und der Wille, Dinge positiv zu gestalten, versetzt hier durchaus Berge und Welten.
Und ganz nebenbei erfährt man viel von Sungs Familie, vom schwierigen Unterfangen, sich zwischen einer Herkunfts- und einer Lebenskultur entscheiden zu müssen, davon, dass man auch seine Wurzeln und seine Geschichte ernst nehmen muss und dass es immer einen geeigneten Zeitpunkt gibt, um ein lange durchgehaltenes Schweigen zu brechen – wenn die richtige Frage im richtigen Tonfall gestellt wird, wie hier zwischen Sung und Hien. Das Buch ist auch eine Hommage an die genügsame und freundliche Art der vietnamesischen Gastarbeiter, die oft nicht nur einen Krieg in der Heimat, sondern auch noch einen Systemwechsel im Gastland verkraften mussten.
Es gibt viele Stellen im Roman, die eine ungemein positive Stimmung bei der Lektüre hervorrufen, und man fragt sich: wie macht die Autorin das nur? Denn das Fiktive ist ja nicht von der Hand zu weisen. Dieses: „alles klappt irgendwie und wendet sich zum Guten“ ist ja mitunter auch ein wenig kitschig. Und dennoch gelingt die Gratwanderung, mittels kleiner Gesten und subtilen Handlungen große Gefühle beim Leser auszulösen. Es ist nicht die besonders kunstvolle Sprache, da gäbe es sicherlich die eine oder andere Stelle zum herumkritteln, aber der Erzählverlauf, das Spielen mit den Zeitebenen und das Verschmelzen der Erlebnisse und Emotionen der Handelnden zu einem kunstvollen Gesamtbild sind prägend für die Freude, die bei der Lektüre geweckt wird. Zugegeben: auch nach der Lektüre des Romans werde ich mich nicht weiter für das Wassermarionettentheater interessieren. Aber das muss auch gar nicht sein: denn dadurch, dass die Autorin die Leser auf sanfte, aber stetige Weise zu den oben umschriebenen Metathemen führt, die auch zur selbstkritischen Prüfung der eigenen Handlungs- und Denkmuster veranlassen können, wird ein Effekt erreicht, der das Buch lange und positiv im Gedächtnis verweilen lässt, selbst wenn man nicht mehr jedes Detail der Geschichte präsent haben mag. Insofern: ein gelungenes und sehr zu empfehlendes Romandebüt.


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