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Rezensionen verfasst von
Krenberger
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Die Sache mit dem Dezember
Die Sache mit dem Dezember
von Donal Ryan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4.0 von 5 Sternen Roman zum Innehalten, 4. August 2015
Zwölf Monate im Leben des John Cunliffe, den alle lediglich Johnsey nennen, sind der Gegenstand des Romans von Donal Ryan. Johnsey ist leider mehr als eine niedliche Verkleinerung des Namens John, es ist ein Zustand. Denn Johnsey nimmt keiner so richtig ernst. Er sieht sich selbst als übergewichtigen Hornochsen, der lieber schweigt als redet, der lieber allein ist als in Gesellschaft anderer, der sich immerzu schämt und geniert, aber nichts dagegen tun kann. Der Lauf des Jahres war geprägt von der Landwirtschaft des elterlichen Hofes und den zu den Monaten und Tätigkeiten passenden Sinnsprüchen des Vaters und daran klammer sich John noch heute. Was genau Johns Problem ist, weiß man nicht so recht, nur dass er langsamer und auch sonst anders ist als die anderen Dorfjungs und dementsprechend schikaniert und ausgegrenzt wird, keinen richtigen Job hat, sondern eine Art Hilfsarbeiter im örtlichen Gemischtwarenladen ist, und auch ansonsten den Lauf der Welt zwar mitbekommt, aber in seine eigenen Kategorien einordnet. Seine Eltern lieben ihn zwar, ebenso ein befreundetes älteres Ehepaar, das die Bäckerei im Dorf betreibt, aber er würde so gerne anders sein, stark, cool, erfolgreich. Innerhalb eines Jahres kommt es für Johnsey dann knüppeldick. Nach dem Krebstod des Vaters, den Johnsey und seine Mutter eher schlecht als recht verkraftet haben, stirbt auch die Mutter und er ist mit dem Hof auf sich allein gestellt. Es sind zwar genug Geldmittel da, aber er ist nunmehr mit allen Problemen selbst konfrontiert: soll er zulassen, dass der Nachbar McDermott weiterhin das Land seines Vaters ohne Pachtzins bestellt? Soll er den Hof verkaufen, an dem so viele Erinnerungen und die Mühen seines Vaters hängen? Und was hat es damit auf sich, dass auf einmal ein Immobilienprojekt im Dorf entstehen soll, das seinen Hof mit einbeziehen würde? Johnsey ist, ohne das zu wissen oder richtig zu realisieren, auf einmal inmitten eines Streits um Grund und Boden und viel Geld, und seine Langsamkeit und Entscheidungsunfreude sorgen dafür, dass man ihn für reich, gierig und kalt kalkulierend hält. Zu allem Übel wird er auch noch auf dem Nachhauseweg brutal zusammengeschlagen und muss im Krankenhaus um sein Augenlicht bangen, ohne dass die Täter jemals durch den Staat zur Rechenschaft gezogen würden. Im Krankenhaus fühlt er sich allerdings gar nicht unwohl, so aller Entscheidungspflichten beraubt und umsorgt von der Krankenschwester Siobhán. Zu ihr und zu seinem Zimmernachbarn Nuschel-Dave baut er so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung auf, wobei er natürlich zu Siobhán stärkere Gefühle hegt, diese aber – wie könnte es anders sein – gar nicht erst artikulieren kann. Auch nach der Entlassung halten die beiden zu ihm, aber die Dinge entwickeln sich eine schlechte Richtung: Siobhán und Dave konkurrieren miteinander um den Platz neben Johnsey und die Grundstücksspekulanten setzen Johnsey ebenso zu wie reißerische Presseartikel. Er aber tut: nichts. Er könnte gar nicht anders. Alles spitzt sich am Ende zu und der Showdown ist tragisch, aber konsequent, psychisch wie physisch.
Wenn man das Buch in einem Zug durchliest, könnte man es rasch mit dem Stempel „langweilig“ versehen. Denn diese Trägheit, diese Passivität, die Johnsey an den Tag legt, passt so gar nicht zu so vielen anderen Unterhaltungsformaten, seien es Filme oder Bücher, die mit schnellen Schnitten, rasanten Plots und multifunktional agierenden Protagonisten die Aufmerksamkeit des Konsumenten fesseln. Es gibt aber eben auch die andere Seite: Menschen, die ihre eigene Zeit haben, die von der gierigen Hetze nach mehr Profit nicht mitgerissen werden wollen, die trotz eines wie auch immer gearteten Handicaps ihr Recht und ihren Platz in der Gesellschaft haben müssen. All das geht selbst in dem kleinen irischen Dorf verloren, das für Johnsey und seinesgleichen eigentlich Hort der Sicherheit sein müsste, nachdem er schon seine Eltern verloren hat. Zugegeben: dieser Stoff trifft vielleicht nicht den Geschmack eines Massenpublikums, aber es fordert den Leser geradezu zum Reflektieren auf, über die kleinen Dinge und den Gesamtzusammenhang mit der Gesellschaft und ihrer schleichenden Veränderung zur Ichbezogenheit.


Das Chaosmonster
Das Chaosmonster
von Elisabeth Zöller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Aufräumen mit Monstern - wieso nicht?, 4. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Das Chaosmonster (Gebundene Ausgabe)
Worum es in dem Buch gehen wird, ist schon mit dem Titel und dem Titelbild klar: ums Aufräumen. Ob da das Chaosmonster eher hilfreich oder ein Hindernis sein wird, darauf darf man gespannt sein. Die verlagsseits angegebene Zielgruppe sind Kinder von vier bis sechs Jahren. Das ist thematisch jedenfalls richtig, denn in dieser Zeit beginnt durchaus eine erste räumliche Abgrenzung mit Rückzugswünschen der Kinder, aber auch die Schaffung eines eigenen Reichs im Kinderzimmer. Dass das aber auch irgendwie in Ordnung gehalten werden muss, verstehen nur die Erwachsenen. Leider sind die aber immer noch die Bestimmer. Also muss man, wenn man Zwang vermeiden will, das Aufräumen irgendwie schmackhaft machen: mit lustigen Geschichten, Reimen, Liedern oder Vorbildern. All das versucht auch dieses neue Kinderbuch.
Hier beginnt die Geschichte im Kinderzimmer von Max und Mara, die gerade verlegte Sachen suchen, streiten, toben und sonst typische Dinge anstellen, die eben zwischen Geschwistern, noch dazu mit offenbar geringem Altersabstand so geschehen. Dann aber kommt die Mutter dazwischen und ordnet in strengem Ton an: Aufräumen. Als sie wieder von der Bildfläche verschwindet, erscheint das Chaosmonster. Die Kinder, nicht blöd, hätten lieber ein Aufräummonster. Aber das Chaosmonster will mit den Kindern erst einmal Verwüstung spielen. Nach anfänglichem Zögern lassen sich die Kinder nicht länger bitten und alle haben einen Riesenspaß – bis die Mutter wieder ins Zimmer schaut und ihren Arbeitsauftrag mit deutlichen Worten wiederholt. Aber dann gibt es die große Überraschung: das Chaosmonster beginnt, in spielerischer Weise das Zimmer aufzuräumen, singt und tanzt dabei. Denn eigentlich, so offenbart es, sei es ja ein Chaos-Aufräum-Monster, aber der Name sei schlicht zu lang beim Vorstellen. Mit kleinen Hilfestellungen, etwa die Eisenbahn im Zimmer zum Transport der herumliegenden Spielsachen und Bausteine zu nutzen, werden die Kinder auch von der Freude am Aufräumen angesteckt und ehe sie sich versehen, ist das Kinderzimmer in einem Zustand, der die Mutter nur staunen lässt. Die dabei erfundenen Reime und Gesänge des Chaosmonsters werden im Buch dann mehrfach wiederholt, was für die erwachsenen Vorleser etwas nervig ist, aber für Kinder einen guten Einprägeeffekt hat.
Die Illustrationen sind auf den ersten Blick etwas simpel, gerade was die Gesichter der Kinder und andere Details angeht. Aber im Lauf des Buches entwickelt dieser Stil einen eigenen Charme und passt letzten Endes prima zur Geschichte.
Aufräumen mit Monstern ist keine ganz neue Idee , es gab z.B. schon 2012 das kleine Muffelmonster von Julia Boehme zum selben Thema. Trotzdem ist der Gedanke, Kindern mit einem kleinen, für Erwachsene nicht sichtbaren Helferlein das Aufräumen schmackhaft zu machen, nie verkehrt. Insgesamt ist es ein nettes Buch, das mich aber nicht vollends begeistert. Deswegen nicht die Höchstbewertung.


Eselin Evelyn entdeckt den Südpol
Eselin Evelyn entdeckt den Südpol
von Ulla Mersmeyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen sehr schönes Kinderbuch mit einer sympathischen Heldin, 2. August 2015
Endlich mal wieder ein Esel bzw. eine Eselin als Hauptfigur eines Kinderbuchs. Es gibt so viele Ponys als Protagonisten und viel zu selten Geschichten mit diesen grundsympathischen Tieren. Ob die verlagsseits angegebene Zielgruppe von 4-6 Jahren tatsächlich zutrifft, mag dahingestellt bleiben: sowohl nach meinem Eindruck als auch nach dem Eindruck einiger Testleser im Vorschulalter bzw. in der ersten Klasse, ist die Geschichte für Sechsjährige ein wenig zu simpel, wenngleich als nett eingestuft worden. Für Drei- oder Vierjährige hingegen ist die Geschichte meiner Ansicht nach optimal.
Worum geht es? Die Eselin Evelyn steht auf ihrer Weise und hätte so gerne ein paar von den frisch geernteten Boskop-Äpfeln (eigentlich Boskoop, aber die Schreibweise mit nur einem o scheint inzwischen usus zu sein). Bauer Bauke aber denkt gar nicht daran, Evelyn an der Ernte teilhaben zu lassen. Stattdessen stellt er einen Korb mit Äpfeln in einen auf dem Hof bereitstehenden und mit einem Seil verankerten Heißluftballon, mit dem er später mit der Bäuerin zu einer Picknickfahrt aufbrechen möchte. Es kommt, wie es kommen muss: Evelyn möchte ein paar der Äpfel aus dem Ballonkorb stibitzen und löst dabei natürlich prompt die Halterung. Fortan fliegt sie mit dem Ballon durch die Lüfte und landet nach ein paar Tagen am Südpol. Da wird sie von den Pinguinen neugierig beäugt und freundlich empfangen, bekommt rasch warme Sachen gestrickt und fühlt sich eselwohl beim Eislaufen, Schneefigurenbauen und beim Rodeln. Aber irgendwann kommt das Heimweh doch zu stark durch und Evelyn trennt sich tränenreich von ihren Pinguinfreunden, um nach Hause zu fliegen, wo sie ebenfalls freudig erwartet wird und ihre neuen Erkenntnisse und Erlebnisse gleich an die Hoftiere weitergibt.
Neben der netten und maßvoll mit Spannung versehenen Geschichte überzeugen an diesem Buch vor allem die Illustrationen. Mit kleinen Übertreibungen auf den reich bebilderten Doppelseiten schafft es die Autorin immer wieder, die Kinderaugen intensiver in die Geschichte hineinzuziehen als wenn man nur der Erzählung folgen würde; das sind zum Beispiel die mit Fallschirmen ausgerüsteten Kraniche, die Evelyn unterwegs trifft, die den Ballon als Hüpfburg nutzenden Jungpinguine oder die Bobbahn, die im Eis des Südpols auf einmal auftaucht.
Insgesamt ein sehr schönes Kinderbuch für kleine Kinder um die drei oder vier Jahre mit einer sympathischen Heldin und einer runden Geschichte.


Das große Buch von Kasimir
Das große Buch von Kasimir
von Lars Klinting
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Kasimir kann einfach alles!, 31. Juli 2015
Die Rückseite des Sammelbandes fasst es wunderbar zusammen: Kasimir kann einfach alles! Der kleine Biber Kasimir, im schwedischen Original Castor genannt, darf in insgesamt fünf Geschichten zeigen, was er im Alltag so alles hinbekommt, meist zusammen mit seinem Freund Frippe. Zum Glück ist alles, was Kasimir so tut, äußerst simpel und haushaltsnah, sodass der Wiedererkennungseffekt für kleine Kinder ab ca. 2 Jahren sehr hoch und der Identifikationseffekt dadurch ebenso groß ist. Die verlagsseits angegebene Zielgruppe von 4-6 Jahren ist sicherlich auch angetan von den Geschichten, aber meinem Empfinden nach dürfte die größte Faszination für Kinder im Alter von 3-4 Jahren liegen, wo man alles selbst auszuprobieren beginnt und im besten Fall im Haushalt mithelfen darf, deshalb auch ein hohes Interesse an der Wiedererkennung der Alltags- und Gebrauchsgegenstände hat. Dass diese dann teilweise sehr genau benannt werden, etwa in der Geschichte „Kasimir tischlert“, wo er Dinge benutzt, die in der Sprache von Kindern bis 6 Jahren einfach nicht vorkommen (z.B. Anschlagwinkel, Fuchsschwanz, Tellerbohrer), hätte man von Seiten des Lektorats vielleicht aufgreifen und die Bezeichnungen vereinfachen können.
Was passiert in den Geschichten? Kasimir backt, tischlert, pflanzt weiße Bohnen, malt und in der Schlussgeschichte lässt er seinen Freund Frippe mal den Handwerksbetrieb leiten. Zu Beginn hat Kasimir Geburtstag und zusammen mit seinem Freund Frippe möchte er einen Kuchen backen. Wie die beiden das machen, streng nach Rezept und trotzdem in heillosem Küchenchaos, entspricht genau dem, wie Kinder backen lernen. Wenn Kasimir tischlert, ist das eine Geschichte mit hohem Identifikationswert für handwerklich begeisterte Kinder, die auch mal etwas selbst ausprobieren möchten. Am Ende kommt ein Werkzeugkasten heraus mit dem schönen Lerneffekt: ordentlich handwerkt es sich am besten. Die Geschichte mit den weißen Bohnen gibt sehr schön die ersten Pflanzerfolge wieder und das Glück der ersten Ernte, auch hier ein großes Wiedererkennungspotential für Kinder, egal ob mit Garten oder nur mit Fensterbank oder Balkon zum Ausprobieren. Wenn Kasimir malt, wird ordentlich gekleckst und gekleckert, aber trotzdem bleibt Zeit für ein bisschen Farbenlehre. In der Schlussgeschichte wird gezeigt, was Frippe trotz klarer Arbeitsaufträge so alles verschusselt: zwar kommen spannende neue Dinge heraus, wenn er eigentlich nur etwas reparieren soll. Die Kunden bleiben dennoch lieber weg und Frippe muss sich immer mehr eingestehen, was er alles nicht kann. Aber Kasimir wäre nicht Kasimir, wenn er nicht aus der Not eine Tugend machen würde und am Ende bauen sich die beiden ein tolles Boot.
Nach jeder Geschichte gibt es praktische Tipps und Anleitungen, etwa zum Backen, Holzarbeiten oder Malen.
Die Illustrationen sind liebevoll, opulent und kindgerecht und unterstützen die Geschichte optimal.
Dieser Sammelband ist eine ganz hervorragende Lektüre für kleine Kinder und bietet neben sympathischen Figuren vor allem lebensnahen Themen und eine liebevolle Umsetzung derselben.


Du bist so schrecklich schön!
Du bist so schrecklich schön!
von Eva Dax
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen witziges und lehrreiches Kinderbuch, 30. Juli 2015
Schon der Buchtitel „Du bist so schrecklich schön!“ bietet Eltern einen tollen Einstieg, mit ihren Kindern die sprachliche Besonderheit aufzuklären, warum man ein positives Adjektiv mit einem negativen Adverb kombinieren kann, um den Ausdruck des Positiven noch zu steigern. Quasi als Denkhilfe stehen auf dem Titelbild gleich noch weitere Kombinationsmöglichkeiten, um „schön“ zu steigern, etwa „wahnsinnig schön“ oder „furchtbar schön“.
Worum geht es in dem Buch? Das kleine Monster Gregor ist ein echtes Prachtexemplar von einem Monster: er ist stark! er ist schnell! und grässlich laut! Aber wenn er einen Blick in seinen Handspiegel wirft, kommen ihm Zweifel: ist er denn auch schön? Mit diesen abstehenden Ohren? und der großen Nase? Um das herauszufinden, befragt er seine Eltern, den Opa, die Nachbarin, seinen kleinen Bruder und seine beste Freundin. Und alle finden etwas, das ihn zu einem besonders schönen Monsterchen macht: er schielt ganz toll, hat stinkige Käsefüße, faulige Zähne, bucklige Warzen, einen schmierigen Bauch und ranzige Haut. Das alles rekapitulierend muss auch Gregor erkennen: jawohl, ich bin schön!
Das Grundthema, die Selbsterkenntnis von Kindern, der Aufbau des Selbstwertgefühls und die Reflektion durch das Werturteil anderer, ist mit diesem Buch hervorragend aufgegriffen. Aber ein reines belehrendes Buch nach dem Motto „jeder ist auf seine Weise schön“ (oder noch schlimmer: „liebe Dich so wie Du bist“) wäre uninteressant. Und so wird die fast schon ins absurde übersteigerte Kaskade von Beschreibungen der „Schönheit“ von Gregor – die natürlich jedes Kind als herrlich monsterhafte Hässlichkeit entlarven kann – zum eigentlichen humoristischen Knalleffekt. Die Ansichten der anderen, wie schön Gregor ist, sind so plakativ in das Gegenteil der gesellschaftlich anerkannten Schönheitsideale verkehrt, dass es auch schon für kleine Kinder spaßig ist und einen sehr schönen Lerneffekt hat. Denn „schön“ liegt immer im Auge des Betrachters und „Schönheit“ ist auch immer einzelfallbezogen, um sich entsprechend für sich selbst oder für andere auswirken zu können. Insofern leistet dieses Buch quasi wie nebenbei ganz ausgezeichnete pädagogische Hilfestellung.
Die Illustrationen sind bestens auf den Text abgestimmt und bieten neben der Untermalung der Handlung noch zahlreiche liebevolle Details zum Entdecken. Da ist zum Beispiel das Kuschelmonstertier, das Gregor seit Geburt begleitet, oder die kleinen Monsterchen, die im Bild versteckt sind und allerlei Unfug treiben.
Die anvisierte Zielgruppe von 4-6 Jahren ist insofern völlig richtig ausgewählt, dass ein bestimmtes Grundverständnis beim Vorlesen vorhanden sein muss. Natürlich können aber auch schon 2-3 jährige über das kleine Monster Gregor lachen.
Insgesamt eine klare Empfehlung für dieses witzige und lehrreiche Kinderbuch.


Willkommen im Kindergarten, Paulchen!
Willkommen im Kindergarten, Paulchen!
von David Melling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen von Paulchen kann man nur begeistert sein, 29. Juli 2015
Endlich ein neues Buch von Paulchen, dem großen Knuffelbär. Paulchen wird doch tatsächlich langsam „groß“ und kommt nun zusammen mit anderen Tierkindern in den Kindergarten, natürlich im Wald und unter freiem Himmel. Schon zu Beginn wird die herrliche illustratorische Opulenz dieses neuen Bandes deutlich, wenn wieder mal eines der kleinen Schafe an Paulchens Hintern klebt und von dort nicht mehr wegkommt, später dann sogar samt Rucksack am Kleiderhaken aufgehängt wird. Oder später, wenn im Kindergartenbaum zahlreiche Schubladen und Fächer integriert sind. Ein Knaller ist auch der kleine Hase, der auf jedem Bild am Daumen lutscht und das sogar ganz cool weitermacht, wenn der Turm aus Kletterkissen mit ihm zusammenkracht. All das und noch viel mehr können Kinder beim Betrachten entdecken, denn wie immer stehen die Bilder klar im Vordergrund, während der Text eher eine Rahmenhandlung vorgibt. Die Kombination von liebevoller Zeichnung und behutsamer Sprache ist also auch dieses Mal ein Glücksfall für Kinder und vorlesende Eltern, ohnehin erfüllt die gesamte Paulchen"-Reihe von David Melling diese Voraussetzungen.
Auch in diesem Band wird das Kuschel- und Nähebedürfnis des tapsigen, flauschigen und für den Kindergarten natürlich viel zu großen Bären thematisiert: Paulchen soll seine Lieblingsbeschäftigung mitteilen und statt großer Wort knuffelt er einfach seine Kindergärtnerin. Das wird gleich einmal für alle anderen Kinder übernommen und sie geben sich alle einen Guten-Morgen-Knuffel. Und auch sonst ist alles so, wie die Kleinen es aus dem Kindergarten kennen: es wird gemalt, gekleckert, gegessen, Unsinn mit dem besten Freund gemacht und am Ende des Tages kann man glücklich mit seinen Freunden nach Hause gehen. Als Bonus gibt es am Ende wieder kleine Zeichnungen, bei denen Kinder entdecken können, was man alles im Kindergarten machen kann.
Die kindgerechten Bilder und Überraschungsmomente der Zeichnungen werden wie immer von einer guten sprachlichen Übersetzung begleitet: Die vielfach für ihr Schaffen ausgezeichnete Übersetzerin Mirjam Pressler hat auch diesmal mitgewirkt und ihre typisch kindgerechte Sprache unterstützt die schönen Bilder in passender Weise.
Ich bin – wieder einmal – von Paulchen begeistert (und die Zielgruppe auch). Deswegen: klare Empfehlung zum Selbstlesen und zum Verschenken.


Pekkas geheime Aufzeichnungen - Der komische Vogel
Pekkas geheime Aufzeichnungen - Der komische Vogel
von Timo Parvela
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,90

5.0 von 5 Sternen klare Empfehlung für alle Ella-Fans, 28. Juli 2015
Endlich! Als erster Spin-Off der Ella-Reihe war irgendetwas zu Pekka, dem Klassendödel, nahezu unvermeidbar, und nun sind „Pekkas geheime Aufzeichnungen“ verfügbar. Das Büchlein mit knapp 100 Seiten ist wie die Ella-Bücher auch im Hanser Verlag erschienen und eindeutig auf Selbstleser im Grundschulalter zugeschnitten: die Aufmachung ist nicht nur Tagebuch, sondern auch teilweise comichaft und auch Quasi-Screenshots von Blog-Kommentaren sind enthalten, alles Dinge, die für Kinder ab ca. 8 Jahren, die als Zielgruppe angegeben sind, völlig selbstverständlich sind. Zum Vorlesen für jüngere Kinder ist das bisweilen etwas mühselig, ein kleiner Nachteil gegenüber der Ella-Reihe, die man problemlos auch 6-jährigen vorlesen kann.
Worum geht es? Pekkas Familie bekommt Besuch von Onkel Remu, dem Bruder von Pekkas Mutter. Typisch Pekka versteht er das schon zu Beginn verkehrt und denkt, er werde einen Emu als neuen Mitbewohner haben und macht ihm in entsprechender Fürsorge ein schönes Nest zurecht. Der Onkel wundert sich folglich gewaltig, als er am nächsten Morgen mit Zweigen und Essensresten in Gesicht und Haaren wach wird. Auch in den folgenden Tagen bringt Pekka einiges durcheinander oder versteht bestimmte Dinge nicht und macht daraus seine ganz eigenen Schlussfolgerungen. Das ist teilweise brüllend komisch, aber Grundschulkinder dürften bisweilen vor einer geistigen Herausforderung stehen, die Witze auch entsprechend zu verstehen, auch wenn sie auf mehrere Kapitel verteilt sind wie Onkel Remus Bartentfernung samt neuer Behaarung durch Pekka. Diesbezüglich ist das Buch vielleicht ein bisschen zu ambitioniert, da könnte bei Folgewerken mglw. mehr darauf geachtet werden. Als Nebenhandlung – Pekka ist natürlich die unumstrittene Hauptfigur und man wartet geradezu sehnsüchtig auf das nächste Missverständnis – darf sich Onkel Remu in Pekkas Schwimmlehrerin verlieben. Ob das gut geht und wie das ausgeht, muss dann jeder Leser selbst herausfinden. Nur so viel: Pekka hilft kräftig mit! Auf seine Weise…
Was bleibt als Fazit? Das Buch ist höchst amüsant, aber trotz klassischen Pekka-Dödeleien meiner Ansicht nach humoristisch teilweise schwerer zu verstehen als die Ella-Bücher. Insgesamt aber ist das Buch gerade in dem Mix aus Text und Bild hervorragend gemacht. Insofern eine klare Empfehlung für alle Ella-Fans. Wer zu diesem Buch als Erstleser greift, sollte wenigstens einen Ella-Band zuvor gelesen haben, um Pekkas Rolle zu verstehen.


Herr Lotti findet ein Paket
Herr Lotti findet ein Paket
von Martin Gülich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

2.0 von 5 Sternen gelungene Illustrationen, keine empfehlenswerte Geschichte, 23. Juli 2015
Schon das Titelbild gibt einen Hinweis darauf, was der Postbote Lotti wohl in dem ominösen roten Paket mit den Löchern finden wird: eine Katze? oder gar etwas noch Größeres? Auf jeden Fall schaut ein buschiger gestreifter Schwanz heraus. Zu Beginn wird Herr Lotti erst einmal als biederer, aber fleißiger Postbote bei Wind und Wetter beschrieben. Er ist so korrekt, dass er das Paket, das er findet, natürlich erst einmal nicht öffnet. Er bemerkt aber, dass ein Tier drin ist. Also nimmt er das Paket samt Tier mit nach Hause. Schon an dieser Stelle entsteht bei den zuhörenden bzw. lesenden Kindern ein Fragezeichen im Kopf: öffnen darf man es nicht, aber mit nach Hause nehmen? Das Buch bleibt die Antwort schuldig.
Zuhause füttert er dann das Tier durch die vorhandenen Seitenlöcher. Womit? Mit „Karamellbonbon, Salzstangen, Rosinen, Salami, Haferflocken und Schokoladenei“. Das mag ja auf den ersten Blick lustig wirken, aber auch hier meldeten sich die kindlichen Zuhörer und Leser sofort zu Wort: erstens: wieso lässt er das arme Tier im Paket? wo soll das denn hinmachen? kann das Tier auch trinken? und wieso füttert er dem Tier lauter Dinge, die ein Tier wie eine Katze durchaus vergiften können oder wovon es mindestens Durchfall bekommt? Man sieht also auch hier: da hätte der Autor mal genauer nachdenken sollen, jedenfalls der Lektor.
Wie geht es dann weiter? Irgendwann platzt das „Tierchen“ aus dem Karton und man erkennt sofort: das wird ein Tiger, kein Plüschkätzchen. Aber Herr Lotti erkennt das nicht, der in großmütterlicher Art auf dem Sofa sitzt und strickt und immer nur das absolut Offensichtliche für sich erkennen will. Andere Menschen trauen sich nicht mehr in seine Nähe, wollen das Kätzchen auch nicht streicheln, aber Herr Lotti versteht das gar nicht. Mit einer solchen Verkennung sind schon andere Kinderbücher gestaltet worden, etwa „Schlimme Miezi!“ von Adam Stower und auch das schöne Kinderbuch „Oma Adele und das Glück aus der Kiste“ von Imke Sönnichsen handelt von einem im Karton gefundenen Tier, das danach das Leben des Finders ein wenig durcheinander bringt. Aber wie Herr Lotti hier geradezu stumpfsinnig mit einem ausgewachsenen Tiger durch die Stadt streift, der jeden Tag mehr futtert und größer wird, das ist zu unglaubwürdig und auch nicht mehr wirklich lustig.
Als ihm dann doch dank der Bemerkung eines Kindes aufgeht, dass er da einen Tiger hat, will er einen vernünftigen Platz für ihn finden. Immerhin verwirft er Zoo und Zirkus als Idee, aber dann entdeckt er ein Plakat über Indien als Heimat der Tiger. Und was macht er? Packt den Tiger in ein großes Paket, schreibt „nach Indien“ darauf und man sieht noch den Tiger als kleinen Punkt im Frachtflugzeug verschwinden. Ende der Geschichte. Keine Information darüber, ob der Tiger gut ankommt, wie man sich dort um ihn kümmert, ob er dort ein glückliches Leben führen kann. Völlig Enttäuschend.
Außerdem ist Herr Lotti ein absolut einfallsloser Charakter ohne jede liebenswerte Seite und ohne Vorbildfunktion für Kinder, zum anderen fehlt in der Geschichte jegliche positive transportable Botschaft. Weder wird zum Umgang mit Tieren etwas Lehrreiches erzählt oder gezeichnet noch gibt es ein schönes oder gar für Kinder nachvollziehbares Ende noch ist es am Ende noch irgendwie eine lustige Geschichte. Deswegen kann ich für dieses Kinderbuch nur sagen: meiner Ansicht nach nicht empfehlenswert. Einzig die Zeichnungen und Illustrationen sind sehr gelungen.


Makarionissi oder Die Insel der Seligen: Roman
Makarionissi oder Die Insel der Seligen: Roman
von Vea Kaiser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen wirklich gute Unterhaltung, 21. Juli 2015
Wer möchte nicht dort sein, auf einer Insel der Seligen? Selbst wenn sie fiktiv ist? Aber der Weg dorthin ist weit und steinig, von Umwegen und Abwegen geprägt und bis endlich alle angekommen sind, sind einige Prüfungen zu bestehen. Das muss eine weitverzweigte griechische Familie erfahren, deren Geschichte über mehrere Generationen in diesem Roman erzählt wird. Ausgangspunkt ist ein Bergdorf an der griechisch-albanischen Grenze mitsamt der ersten Protagonistin Maria Kouzis, die als Großmutter, Yiayia genannt, den Laden bzw. die Familie zusammenhält. Ihre Zwillingstöchter bekommen ihrerseits Kinder und zwei davon Lefti und Eleni, sind von Maria dazu auserkoren worden, die Familie fortzuführen. Lefti könnte sich durchaus mit diesem Schicksal abfinden, aber Eleni schießt quer: sie interessiert sich für Politik, betreibt, ohne es als solchen zu proklamieren einen realen Feminismus in den engen Grenzen des griechischen Hinterlandes und erst als sie in den Wirren der militärischen Machtergreifung Aufsehen erregt und ins Gefängnis wandert, stimmt sie der Heirat mit Lefti samt Ausreise mit ihm nach Deutschland zu. Dort angelangt, in Hildesheim, entfremden sich die beiden immer mehr voneinander und finden ihrerseits neue Partner, Lefti seine Sprachlehrerin Trudi und Eleni den Musiker und Sänger Otto. Eleni wird schwanger, entscheidet sich gegen eine Abtreibung und kehrt nach Griechenland zurück, was ihren neuen Partner in jahrzehntelange psychische Kalamitäten stürzt. Eleni lässt ihr Kind in Griechenland und emigriert selbst in die USA, um dort einen immerhin bezahlten Job bei einer entfernten Verwandten anzunehmen. So lernt sie immerhin auf ein paar Umwegen ihren echten Ehemann, Milton Aniston, kennen, der von ebender Insel der Seligen, Makarionissi, stammt. Elenis Tochter akzeptiert die beiden trotz der jahrelang dauernden Trennung und bei der Hochzeitsreise zu Miltons Heimatinsel wird kurzerhand beschlossen, dass die kleine Familie dort bleiben und ein Hotel eröffnen wird. Elenis Tochter Aspasia bekommt viel zu jung ebenfalls Zwillinge, die ihrerseits Stolpersteine im Leben und in der Liebe zu überwinden haben, wovon einer ausgerechnet Eleni in ihrer eigenen Rolle als Yiayia ist. Gegen Ende des Buches liegt der Fokus dann auf einem dieser Zwillingskinder, Iannis, der erst zu Lefti nach Österreich und dann nach Zürich flüchtet, wo er endlich sein Glück gefunden zu haben scheint. Dann aber kommt es zum familiären Showdown und zur thematisch passenden Katharsis.
Das ist viel Zeit zu überbrücken, viel Stoff zu erzählen, sodass bestimmte Details, die man gerne näher erläutert bekommen hätte, etwas nach hinten abfallen. Bemerkenswert ist aber, dass die Grundspannung des Romans nie nachlässt, was auch an der runden Sprache der Autorin liegt. Wie nebenbei lässt sie aber an einigen Stellen aufblitzen, wie gern sie mit der Sprache spielt und kreiert so sehr schöne, bemerkenswerte Sätze. Z.B.: „Manolis beachtete Otto nicht weiter, lehnte sich im Liegestuhl zurück, starrte auf das Meer, und das Meer starrte zurück.“ Eine schöne Metapher (S. 362). Oder diese Erkenntnis des verlassenen Otto: „Für Otto war die Zeit stehen geblieben. Und er dachte nicht daran, dass sie für Eleni weitergegangen war.“ (S. 332). Besser kann man es nicht ausdrücken, wie der Verlassene mit seinen Gefühlen zu kämpfen hat.
Das ist aber gleichzeitig eine Überleitung auf die vielen übergeordneten Themen, die in diesem Roman verankert sind: die Kraft von Liebe und Familie, das Befolgen von (vermeintlichen) Zwängen, der Kampf zwischen Tradition und Moderne, zwischen Gelassenheit und Aufregung, aber auch die Schwierigkeiten moderner Migranten und das Kratzen wirtschaftlicher Krisen an zivilisatorischen Errungenschaften. Dabei müssen all diese Sujets gar nicht plakativ hochgehalten werden: es genügt schon, dass sich die Protagonisten damit auseinander setzen müssen, sodass der Leser unweigerlich ins Grübeln gerät.
Zugegeben, man könnte bei sehr kritischer Betrachtung, diesem Roman bzw. der Autorin ein paar Dinge ankreiden. Da sind zum einen Schreibfehler (sogar in einer Überschrift) und Sprachfehler, da sind unaufgelöste Erzählstränge (u.a. wie verlor Lefti eigentlich seine Genitalerkrankung?), da ist die Überhöhung dieses Familienromans in ein altgriechisches Epos mit Gesängen und Helden und man findet sicher noch mehr, wenn man nur stochern möchte. Ich finde aber, das ist es nicht wert. Denn der Roman ist in sich schlüssig, trotz der Länge kurzweilig, bietet wie gesehen Grund- und Metathemen und noch dazu ein nachvollziehbares und auch gelungenes Ende. Es ist, mit anderen Worten, wirklich gute Unterhaltung. Was will man als Leser denn mehr? Insofern vergebe ich gerne die „Bestnote“ und kann das Buch mit Nachdruck zur Lektüre empfehlen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 1, 2015 4:20 PM MEST


Grundwissen Arzthaftungsrecht
Grundwissen Arzthaftungsrecht
von Markus Gehrlein
  Taschenbuch
Preis: EUR 35,00

5.0 von 5 Sternen prima Einstiegswerk, 20. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Grundwissen Arzthaftungsrecht (Taschenbuch)
Schon vor der Kodifizierung wesentlicher Bestandteile des Arzthaftungsrechts in §§ 630-630h BGB war die Übersicht über das maßgeblich durch die Rechtsprechung geprägte Rechtsgebiet schwierig und alle Rechtsanwender waren auf eine sinnvolle Begleitlektüre angewiesen. Das nun in zweiter Auflage vorliegende Lehrbuch von Gehrlein vermag auf einer unglaublich geringen Seitenzahl, inklusive Verzeichnissen weniger als 175, die Grundlagen des Arzthaftungsrechts unter maßgeblicher Berücksichtigung der Rechtsprechung des BGH und der Obergerichte darzustellen und noch prozessuale Besonderheiten einzubinden. Dass schon zwei Jahre nach der Erstauflage die Folgeauflage erscheinen musste, zeugt von der großen Akzeptanz, die das Werk bei den Rechtsanwendern erfahren hat.

Das erste von insgesamt fünf großen Kapitel thematisiert das Behandlungsverhältnis samt vertraglichen Grundlagen, den Unterschieden zwischen Behandlung in der Praxis und stationärer Behandlung, der Vertragskündigung oder auch Akteneinsichtsrechten des Patienten. Die beiden folgenden Abschnitte widmen sich der Haftung aus Behandlungsfehlern und der Haftung aus Aufklärungsfehlern und stellen das Herzstück des Buches dar. Der Tatbestand der Haftung an sich wird ebenso umfangreich aufbereitet wie die verschiedenen Arten von Behandlungsfehlern, aber auch das gerade in diesem Bereich virulente Thema der Beweiserleichterungen. Die Aufklärungspflichten des Arztes werden inhaltlich, zeitlich und auch personell dargestellt, ebenso die Art wie die Aufklärung zu erfolgen hat und gegenüber wem. Nach einem kurzen Kapitel zur Verjährung stellt der Abschnitt zu den Verfahrensfragen von der Klageerhebung bis zum Berufungsverfahren den beeindruckenden Schlusspunkt des Buches dar.

Das Buch überzeugt, nicht nur mich persönlich, sondern schon objektiv. Zum einen ob der gelungenen Melange zwischen Präzision einerseits und pragmatischer Verkürzung des Sujets andererseits, sodass man es gerade als Einstiegswerk hervorragend nutzen kann. Zum anderen ist inhaltlich die an den entsprechenden Stellen gebotene Verknüpfung zwischen materiell-rechtlichem, prozessualem und medizinischem Wissen in effektiver Weise hergestellt worden. Zwei Beispiele hierzu: die Ausführungen zu den Hinweispflichten nach § 630c S. 2 BGB (ab S. 50 ff.) präsentieren dem Leser den schmalen Grat, auf dem sich der behandelnde Arzt bewegt, nämlich zwischen vollumfänglicher Information, gleichzeitig sogar mit der Pflicht, vorhandene, ggf. eigene Behandlungsfehler aufzudecken, und der Frage, wann eine Information entbehrlich sein könnte. Korrelierend dazu passt das Kapitel zur Entbehrlichkeit der Aufklärung (S. 102 ff.). Des Weiteren ist im Abschnitt zu den Verfahrensfragen das Unterkapitel zum Sachverständigengutachten (S. 142 ff.) lehrreich, wenn es nämlich zum einen um den Umgang mit dem Gutachten und später um die richtige Befragung samt Protokollierung in der mündlichen Verhandlung geht. Denn das beste materiell-rechtliche Wissen nützt nichts, wenn man als Anwalt nicht mit den Beweismitteln umzugehen weiß.

Insgesamt kann ich dieses Lehrbuch deshalb nachdrücklich empfehlen, gerade wenn man Wissen erstmals erwerben oder wieder auffrischen will, und nicht als erstes den Blick in den Kommentar werfen möchte.


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