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uli123

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Gehirnspaziergang: Schritt für Schritt geistig fit
Gehirnspaziergang: Schritt für Schritt geistig fit
von Katharina Turecek
  Audio CD

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jungbrunnen fürs Gehirn, 6. April 2015
Dieses Hörbuch präsentiert uns eine kleine Anzahl von Gehirntrainingsübungen, die sich während des Spazierengehens absolvieren lassen. Sprecherin – mit charmantem österreichischem Akzent – ist im Wesentlichen die Kommunikationswissenschaftlerin, Gedächtnis- und Lernspezialistin Dr. Katharina Turecek, daneben auch der Musiker und Komponist Bernd Kronowetter, der auch eigens die untermalenden entspannenden Musikstücke komponiert hat. Beiden lässt sich gut zuhören. Neben den die körperliche, seelische und geistige Fitness fördernden Übungen erhalten wir interessante wissenswerte Informationen zur Arbeit des Gehirns. Um einen kleinen Eindruck dessen, was uns erwartet, zu vermitteln, seien drei Übungen, die mir am besten gefallen haben, kurz beschrieben: Bildung von Wortkombinationen aus Wörtern mit gleichen Anfangsbuchstaben; während des Spazierengehens den linken Arm auf und ab bewegen und den rechen Arm im gleichen Rhythmus nach rechts und links; von 100 in 6er-Schritten herunterzählen. Das Schöne ist, das man die Übungen immer wieder befolgen kann und auch nicht unbedingt an eine bestimmte Reihenfolge gebunden ist. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist die Kürze des Buchs.

Gerade in einer Zeit der steigenden Lebenserwartung und der damit einhergehenden ansteigenden Demenzerkrankungen ist dieses Hörbuch jedem ans Herz zu legen.


Unendlich wir
Unendlich wir
von Amy Harmon
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Unendlich plus eins = zwei = wir, 6. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Unendlich wir (Taschenbuch)
Dieses Buch zieht den Liebhaber romantischer Liebesgeschichten genauso in seinen Bann wie den rationalen Mathematiker.
Die aus armen Verhältnissen stammende und zum Superstar gewordene Country-Sängerin Bonnie Rae Shelby will nach einem Schicksalsschlag ihrem Leben ein Ende setzen. Im Begriff, in Boston nach dem Abschlusskonzert ihrer Tournee von einer Brücke zu springen, zieht Infinity Clyde, genannt Finn, sie in letzter Sekunde wieder nach oben. Er ist ein Ex-Häftling, dem das Schicksal auch nicht hold war. Nur die Mathematik ist seine Welt. In Las Vegas will er neu anfangen. Beide begeben sich gemeinsam auf eine ca. achttägige Reise quer durch die USA, die angesichts der sensationslüsternen Medien und Bonnies intrigierender Großmutter und Managerin zu einer Odyssee wird.
Eigentlich ist schon ziemlich schnell, nämlich ab dem verhinderten Suizid, deutlich, dass aus Bonnie und Clyde ein Liebespaar werden wird. Angesichts familiärer Parallelen und ihrer auf das berüchtigte gleichnamige Verbrecherpaar aus den 30erJahren hindeutenden Namen müssen sie einfach füreinander bestimmt sein. Da sich aber insbesondere Clyde lange Zeit aus Rücksichtnahme auf Bonnie hiergegen wehrt, fiebert man natürlich dem Fortgang der Geschichte entgegen Interessant sind die immer wieder eingestreuten Informationen über die berühmten Namensvetter der Protagonisten. Obwohl Liebesgeschichten an sich eher leichte Kost sind, ist das vorliegend anders. Grund dafür, dass sie sich nicht immer einfach lesen lässt, sind die vielen Bezugnahmen auf die Mathematik, das einzige, was für Clyde im Leben Sinn ergibt. Wer nicht mathematisch bewandert ist, rätselt dann schon einmal über Stellen wie folgende: „Fünf ist die einzige ungerade unerreichbare Zahl, soweit bekannt ist. … Das heißt, sie lässt sich nicht als Summe von echten Teilern irgendeines anderen positiven Integers darstellen. Im Gegensatz dazu gibt es zum Beispiel auch merkwürdige Zahlen; das sind Integer, die sich als Summe einiger, aber nicht aller Teiler darstellen lassen und deren Teilersumme größer ist als die Zahl selbst“ (S. 158). Passenderweise enthalten alle Kapitelüberschriften Begriffe aus der Mathematik. Auch lehnt sich der Buchtitel an sie an. Er findet lobenswerter Weise Erklärung in einer Passage: „Was ist unendlich plus eins? … Immer noch unendlich. … Falsch. Es ist zwei. … Dein Name bedeutet Infinität, also Unendlichkeit. Plus eins. Das ergibt zwei. … Unendlich wir, sozusagen“ (S. 135). Für Abwechslung beim Lesen sorgen die in vielen Kapiteln vorangestellten Berichte von Fernsehen, Zeitungen u.ä. über Bonnies Reise, die die Tatsachen stark verdrehen. Hier wird deutlich, wie schwer das Promi-Dasein ist.
Einziger Kritikpunkt meinerseits an dem Buch ist, dass der Road Trip sich etwas zu stark in die Länge zieht. Ein früheres Ende hätte ich bevorzugt.

Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das an den früheren Erfolg der Autorin mit „Vor uns das Leben“ anknüpft.


Liebe unter Fischen: Roman
Liebe unter Fischen: Roman
von René Freund
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

4.0 von 5 Sternen Lyrik, Land und Liebe, 3. April 2015
Um ihren Verlag vor dem Konkurs zu bewahren, besinnt sich die Verlegerin Susanne Beckmann ihres früheren Zugpferdes, des erfolgreichen Lyrikers Fred Firneis. Leider ist dieser aufgrund von Alkoholexzessen und Burnouts unproduktiv. Susanne schickt ihn kurzerhand zur Erholung in ihre Holzhütte mit Seelage in Österreich und zieht weitere Fäden im Hintergrund. Firneis wird langsam wieder er selbst und beginnt tatsächlich zu schreiben, nachdem er die vermeintliche Biologin Mara, die am See Fische erforscht, kennen und lieben lernt. Doch meint sie es ehrlich mit ihm?

Ein schon in formeller Hinsicht recht interessanter Roman. Chronologisch ist er nach Tagen geordnet und setzt sich aus wechselseitigen E-Mails, Telefonaten, Briefen, Gesprächen der verschiedenen Romanfiguren zusammen. Zwischendurch ist Erzählung enthalten. Dennoch verliert die Geschichte nie an ihrer logischen Ordnung. Zutreffend weist der Bucheinband auf Glattauers E-Mail-Roman „Gut gegen Nordwind“ hin, an den er ein wenig erinnert. Inhaltlich handelt es sich um eine nette Liebesgeschichte. Es gibt viele amüsante Passagen und genauso viele tiefsinnige Lebensweisheiten.
Mich hat das Buch gut unterhalten.


Voran, voran, immer weiter voran: Roman
Voran, voran, immer weiter voran: Roman
von Ryan Bartelmay
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,99

2.0 von 5 Sternen Traurige Familiengeschichte, 3. April 2015
Nach Lektüre der für mich recht vielversprechenden Leseprobe hat mich das Buch enttäuscht zurückgelassen. Der Geschichte fehlt eine durchgängige Handlung. Stattdessen beruht sie, die immerhin 430 Seiten umfasst, auf sich ständig wiederholenden Fragmenten aus dem Leben der Brüder Chic und Buddy Waldbeeser und deren Familien, die zudem fast alle an psychischen Störungen leiden und einfach nur traurige Gestalten abgeben. Wir nehmen in einer nahezu 50 Jahre umfassenden Zeitspanne von Anfang der 50er bis Ende der 90er Jahre am Leben der Waldbeesers teil. Beide Brüder haben nie weder den Suizid ihres (depressiven?) Vaters, als sie selbst noch Kinder waren, verwunden noch den Fortgang ihrer Mutter mit einem neuen Mann. Chics daraus resultierender Wunsch nach einer normalen Familie mündet in eine viel zu früh geschlossene Ehe mit seiner Mitschülerin aus der High-School Diane. Ein Sexualleben mit ihr findet so gut wie gar nicht statt, so dass Chic oft masturbiert. Der einzige Sohn geriert sich schon im Kindesalter als kleiner Wissenschaftler und stirbt früh bei einem Unglück mit der Folge, dass Diane lange Jahre nur noch im Bett liegend, (fr)essend und Radio hörend zubringt, bis sie an Fettsucht stirbt. Buddy führt Gespräche mit seinem verstorbenen Vater. Von seiner indischen Ehefrau Lijy fühlt Chic sich angezogen, ohne dass dies auf Erwiderung trifft. Bzgl. der Vaterschaft des aus einem einmaligen Seitensprung mit einem Dritten hervorgegangenen Kindes lassen Lijy und Chic einverständlich Buddy im Glauben, Chic sei der biologische Vater. Das Personenregister wird vervollständigt um die professionelle Billard-Spielerin Mary, die nie über die Trennung von ihrem ersten Freund hinweggekommen, mindestens neunmal verheiratet gewesen ist und bereits nach wenigen Tagen der Bekanntschaft meint, mit Chic eine Zukunft zu haben, für den sie ihren an den Folgen eines Schlaganfalls leidenden Ehemann nach nur wenigen Wochen Ehe verlassen will. Diese kurze Skizzierung der Romanfiguren dürfte zeigen, wie abstrus und unrealistisch alles ist. Abschließend sei noch auf einen Aspekt eingegangen, der mir gut gefallen hat: Eingestreut sind eine Reihe von (traurigen) Gedichten in Haiku-Form, die Chic verfasst hat, nachdem er seine dichterische Ader entdeckt hat.


Bittersweet: Roman (insel taschenbuch)
Bittersweet: Roman (insel taschenbuch)
von Miranda Beverly-Whittemore
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Welt der Superreichen, 6. März 2015
Die aus einfachen Verhältnissen stammende Mabel wird in ihrem ersten Collegejahr von ihrer reichen Zimmergenossin Ev Winslow eingeladen, den Sommer in deren eigenem Ferienhäuschen Bittersweet auf dem Landsitz ihres Familienclans in Vermont zu verbringen. Mabel genießt das Leben der Superreichen. Angestachelt durch eine Tante, kommt Mabel auf die Spur schlimmer Geheimnisse rund um die Familie, die deren Reichtum und vor allem die Stellung von Evs Vater als Clan-Chef in einem neuen Licht erscheinen lassen. Wird Mabel, die sehnsüchtig ein Teil der Winslows sein will, ihr Wissen preisgeben und dabei Gefahr laufen, aus dem Paradies vertrieben zu werden?

Der Roman hat nicht das gehalten, was ich mir aufgrund seiner Leseprobe versprochen habe. Sicherlich, die Geschichte animiert dazu, sie binnen kurzer Zeit auslesen zu wollen um zu erfahren, welche Geheimnisse sich denn nun um den Winslow-Clan ranken. Und kurzweilig ist sie auch geschrieben, hat phasenweise sogar die Züge eines Psychothrillers. Doch das, was letztlich zu Tage gefördert wird, klingt für mich arg konstruiert sowie unglaubwürdig und trägt eher zur Verstärkung der Vorurteile gegenüber den Superreichen bei, diese können ihren Reichtum nicht auf legale Weise erworben haben. Hinzu kommt, dass der Charakter von Mabel - wie auch die der übrigen Romanfiguren - konturenlos bleibt. Sie selbst trägt ein Päckchen aus ihrer Vergangenheit mit sich, auf das dann erst gegen Ende in einigen Nebensätzen eingegangen wird. Eine Begründung ihres Wunsches, unbedingt zu den Winslows gehören zu wollen, vermisse ich. Wie kann sie eine solche Erwartungshaltung überhaupt haben, kennt sie die Tochter des Hauses doch überhaupt erst wenige Monate, und besteht bei näherer Betrachtung zu ihr doch keine wahre Freundschaft?

Ein Buch, das ich im Mittelmaß ansiedle.


Die Königin der Orchard Street: Roman
Die Königin der Orchard Street: Roman
von Susan Jane Gilman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sozialer Aufstieg im Land der tausend Möglichkeiten, 3. März 2015
In Romanen gibt es ihn auf jeden Fall, den berühmt-berüchtigten Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär. In der vorliegenden fiktiven Geschichte erlebt ihn ähnlich Lillian Dunkle, geb. Malka Treynovsky, später Bialystoker, dann Dinello. Im Jahre 1913 flüchtet sie als Fünfjährige mit Eltern und Schwestern vor den Pogromen in Russland nach Amerika. Im New Yorker Einwandererviertel auf der Lower East Side lebt sie in erbärmlichen Verhältnissen, durch Mitarbeit zum Familienunterhalt beitragend. Der Vater verlässt die Familie, sie selbst wird durch den Zusammenstoß mit dem Pferdefuhrwerk des italienischen Eishändlers Dinello zeitlebens zum Krüppel und deshalb von der Mutter verstoßen. Doch Malka hat Glück im Unglück. Die Dinellos werden ihre Ziehfamilie. Von ihnen lernt Malka das Eishandwerk von der Pike auf. Mit ihrer großen Liebe Bert, einem Adonis und Analphabeten aus Wien, baut sie ein eigenes Eiscreme-Imperium auf und wird zu einer klugen Unternehmerin, von Präsident Eisenhower verbal zur „Eiskönigin Amerikas“ gekrönt. Im Alter sieht sie ihr Lebenswerk durch zwei gegen sie laufende Gerichtsverfahren bedroht …

Als Ich-Erzählerin gibt Lillian ihre Lebensgeschichte bis in die 80er Jahre wieder, nicht immer chronologisch. Das geschieht in einer sehr flotten, lebhaften, manchmal frechen Art, die eine typische Eigenschaft von Lillian ist. Schon ihre Mutter schalt sie immer wegen ihres „großen Mundwerks, das ihr noch Unglück bringen“ werde. Ihre Herkunft als jüdische Russin betonend, lässt Lillian immer wieder jiddische, frech klingende Vokabeln einfließen (z.B. shmendrik = Trottel, meshuggeneh = bekloppt, mamzer = Tunichtgut). Von ihnen wird ein kleiner Teil auf einem in das Buch eingelegten Lesezeichen übersetzt. Schön wäre ein vorn- oder hintenangestelltes zusätzliches Glossar gewesen. Den Leser spricht Lillian immer wieder direkt an („meine Schätzchen“, „Verklagt mich doch“), was sie volkstümlich und sympathisch erscheinen lässt. Dennoch wird allzu bald deutlich, dass sie durchaus verwerfliche Seiten hat (fehlende Mutterliebe gegenüber ihrem Sohn, Intrigen gegenüber Konkurrenten, kleinere Diebstähle). Auf jeden Fall ist Lillian eine faszinierende Romanfigur, die als Frau, zudem noch mit Handicap, ihren Weg in einer von Männern beherrschten Geschäftswelt macht. Gut recherchiert und den historisch interessierten Leser ansprechend, wird das Leben der Einwanderer in Amerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts dargestellt. Zugleich ist der Roman ein gelungenes Lehrstück rund um Eiscreme. Wer hat denn vorher schon gewusst, dass das amerikanische Militär während des Zweiten Weltkriegs der größte Eishersteller war oder Eiscreme in Amerika eine Zeit lang als Ursache für Polio-Erkrankungen galt? Ein geschickter Schachzug treibt zum Lesen an: Frühzeitig und immer wieder werden Andeutungen zu zwei Gerichtsprozessen gemacht, denen sich Lillian im Alter ausgesetzt sieht. Worum es konkret geht, wird erst ziemlich am Ende aufgedeckt.

Ein wirklich gelungener Debütroman, den ich nur empfehlen kann. Interessante Informationen zum Roman gibt ein Video mit der Autorin, versehen mit deutschen Untertiteln, zu finden auf [...]


Nachruf auf den Mond: Roman
Nachruf auf den Mond: Roman
von Nathan Filer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Trauer, Schuld und psychische Erkrankung, 1. März 2015
Der 19jährige Matthew ist psychisch krank, schizophren. Stimmen hört er, die seines 10 Jahre zuvor beim Familienurlaub auf einem Campingplatz verunglückten Bruders Simon. An dessen Tod gibt sich Matt die Schuld. Für ihn ist sein Bruder nicht tot. Schließlich landet er in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Anstalt und wird in einer Tagesklinik weiterbehandelt. Regelmäßig erhält er Depotspritzen. Da er schon immer gerne Geschichten verfasst hat, schreibt er nun seine eigene auf.

Das Buch behandelt im Wesentlichen zwei Themen, mit denen wir eigentlich nicht so gerne in Berührung kommen wollen: Psychische Erkrankung und Trauer. Von ersterer unmittelbar betroffen, vermittelt uns Matt einen guten Einblick darin, was es bedeutet, „verrückt“ zu werden und zu sein. Sein Leidensweg weckt Verständnis. Zu Lebzeiten seines am Down-Syndrom leidenden älteren Bruders fällt ihm die Rolle des vernünftigen und verantwortlichen Kindes zu. Nach dem Tod des Bruders klammert die Mutter, um nicht noch ein Kind zu verlieren. Matt lebt recht isoliert, exzessiv rauchend und Marihuana konsumierend. Als junger Erwachsener wird er auffällig. Es folgt die Zwangseinweisung in eine geschlossene Einrichtung mit strenger Medikation und üblen Nebenfolgen. Dass das Ganze so authentisch geschildert wird, liegt daran, dass der Autor weiß, wovon er spricht. Er war früher als Krankenpfleger in einer psychiatrischen Klinik tätig. Das Thema Trauer wird anhand von Matts Mutter dargestellt, die an dem Tod ihres älteren Sohnes zerbrochen ist. Matts Erzählstil ist sehr ungewöhnlich. Er geht nicht chronologisch vor und springt in seinen Gedanken hin und her, so dass sich seine Kindheitserinnerungen, seine Erfahrungen in der Psychiatrie und sein Leben nach der Entlassung mit dem Angebundensein an die Tagesklinik munter mischen. So lässt Matt sich während des Schreibens etwa ablenken. Wenn er z.B. dabei ist, ein Ereignis aus seiner Kindheit zu beschreiben, kommt plötzlich eine Sozialarbeiterin herein und liest über seiner Schulter mit. In dem Moment kann er nur noch daran denken. Das passt gut zu einem geistig verwirrten Menschen wie ihm. Ebenfalls passend dazu ist der Text auch formal in gewisser Unordnung. Es sind Zeichnungen, Briefe, Überschriften und Texte in unterschiedlichen Schriftarten eingestreut. Gefallen hat mir, wie Spannung geschaffen wird. Gleich zu Beginn der Geschichte wird angedeutet, dass Simon etwas Schlimmes zugestoßen ist. Um was es sich genau handelt, wird erst gegen Ende preisgegeben.

Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen.


Umweg nach Hause: Roman
Umweg nach Hause: Roman
von Jonathan Evison
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zurück ins Leben, 15. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Umweg nach Hause: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach einem persönlichen Schicksalsschlag und zwei Jahren des sich völligen Hängenlassens steht der 40jährige Ben am Tiefpunkt seines Lebens – von der Frau verlassen, Haus zwangsversteigert, verschuldet, ohne Job und Qualifikation. Im Anschluss an einen Crashkurs zum Pflegehelfer arbeitet er für den an unheilbarer Muskeldystrophie erkrankten, an den Rollstuhl gefesselten Trev. Ben möchte den zynischen und boshaften 19jährigen aus eingefahrenen Gleisen holen. Gemeinsam reisen sie im Behindertenvan quer durch das Land nach Salt Lake City, um dort Trevs Vater zu besuchen, der vor Jahren nach Trevs Erkrankung seine Familie verlassen hat. Auf der langen Tour werden die skurrilsten Personen ihre Weggefährten und sie geraten in die abstrusesten Situationen.

Die Geschichte führt uns in dem passend dazu auf dem Cover abgebildeten Kleinbus auf einen Roadtrip durch die Weiten der USA. Die örtliche Orientierung kann der landesunkundige deutsche Leser eigentlich nur mithilfe des guten alten Atlasses oder moderner Internetsuchmaschinen behalten. Aber es lohnt sich, die Reise „mit dem Finger auf der Landkarte“ nachzuvollziehen. Denn interessante Informationen werden geboten, wie etwa, dass das größte Loch der Welt in Utah bei Salt Lake City liegt und eine Tagebaumine ist. Genau wie die Ortsnamen verwirren ein wenig die vielen Eigennamen, z.B. von Imbissketten, Kaufhäusern u.ä. Als Ausgleich dazu bewirkt ein einfacher, zuteilen ironischer Schreibstil dafür, dass das Lesen dennoch angenehm ist.
Wirklich gelungen ist die Darstellung der Romanfiguren. Fast alle sind Außenseiter oder Loser, und zwar nicht nur die beiden Protagonisten mit ihrem körperlichen Handicap bzw. verpfuschten Leben. In die gleiche Kategorie fallen die Nebenfiguren Dot (eine jugendliche Ausreißerin, die von ihrem Versager-Vater verfolgt wird), Peaches (eine hochschwangere junge Frau, deren Freund ein Kleinkrimineller ist) und Elton (Kindsvater und Möchtegern-Erfinder). Sie werden so liebenswert skizziert, dass man über ihre Schwächen gerne hinwegsieht. Trev und Ben machen in der kurzen Zeit ihrer Bekanntschaft, die zur Freundschaft wird, weil die Chemie stimmt und Ben die Behinderung von Trev richtig zu nehmen weiß, eine Entwicklung zum Positiven durch. Am Ende werden sie, wie der Buchtitel schon aussagt, zu Hause angekommen sein.
Zum formalen Aufbau fällt auf, dass die in der Gegenwart spielende Geschichte immer wieder unterbrochen wird von Rückblicken auf Bens Vergangenheit in einer Zeit, als seine Familie noch intakt war. So erhalten wir ein umfassendes Bild von Ben. Wodurch exakt die Familie auseinandergebrochen ist, wird lange zwar immer wieder vage angedeutet, spannungsfördernd aber erst sehr spät aufgelöst.
Ein Buch, das ich allen nur empfehlen kann, die etwas Besonderes mögen.


Verliebt in sieben Stunden: Roman
Verliebt in sieben Stunden: Roman
von Giampaolo Morelli
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

4.0 von 5 Sternen Anleitung in die Kunst des Verführens, 13. Februar 2015
Der neapolitanische Wirtschaftsjournalist Paolo steht privat und beruflich vor dem Aus, als er vom Verhältnis seiner Verlobten Georgia mit seinem Chef erfährt. Weit unter seinem Niveau tritt er einen neuen Job bei dem Männermagazin Macho Man an, wo er Artikel über die Kunst des Verführens schreiben soll. Im Zuge seiner Recherchen trifft er Valeria, die Kurse zum erfolgreichen Anmachen von Frauen abhält. Valeria nimmt auch Paolo unter ihre Fittiche, denn er will Georgia zurückgewinnen. Am Ende findet er tatsächlich die richtige Frau, die diejenige ist, ohne die er sich tot fühlen würde. Ob das aber Georgia ist?

Uns erwartet eine wunderbar ironische Komödie, die natürlich passend von einem italienischen Autor stammt und in Italien angesiedelt ist. Denn wer, wenn nicht die Italiener gelten als die Verführer des weiblichen Geschlechts par excellence? Die von der „Pick-up Artist“ Valeria preisgegebenen Verführungstechniken, die ihr zufolge den garantierten Erfolg haben, dass Mann Frau binnen sieben Stunden nach der Kontaktaufnahme im Bett haben wird, verleiten zum Schmunzeln, aber auch zu der Erkenntnis, dass in ihnen ein Fünkchen Wahrheit steckt und Männer die Frauen tatsächlich auf derart machohafte Weise zu erobern versuchen. Wie sich Paolo unter Valerias Anleitung zum erfolgreichen Rückeroberer Georgias wandelt, ist lustig zu lesen. Frühzeitig innerhalb der Geschichte wird dann aber erkennbar, dass sie so nicht zu Ende gehen wird, sondern es einen Wendepunkt gibt. Mehr sei dazu nicht verraten. Wie bei der Thematik des Verführens wird auch bei der Darstellung der Romanfiguren auf so manches Klischee zurückgegriffen. Da gibt es etwa den schwulen Herausgeber des Männermagazins, den sich im Glamour der Schönen und Berühmten sonnenden Kollegen, die schönen Frauen in der Strandbar. Gut vorstellen kann ich mir eine Verfilmung des Buches, natürlich mit dem Autor selbst, einem in Italien beliebten Schauspieler, in der Hauptrolle.

Wer gerne zwischendurch zu einer leichten, entspannenden Lektüre greift, ist mit diesem Buch gut bedient.


Alleine war gestern: Roman
Alleine war gestern: Roman
von Beatrice Meier
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Experiment Senioren-WG, 13. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Alleine war gestern: Roman (Taschenbuch)
Dem Zufall ist es zu verdanken, dass sich fünf Männer und Frauen, alle Anfang sechzig, ansonsten aber recht unterschiedlich, zu einer Wohngemeinschaft zusammenfinden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, beruhend auf eingefahrenen Marotten, raufen sie sich zu einer Gemeinschaft zusammen, die recht bald durch ein tragisches Ereignis, das einem von ihnen widerfährt, auf eine Bewährungsprobe gestellt wird. Zerbricht die WG hieran oder wird sie noch enger zusammengeschweißt?

Die Autorin Beatrice Meier spricht mit ihrem ersten Roman einen Personenkreis an, über den es im Gegensatz zu den zahlreichen Chick-Lits mit Mittdreißigern als Protagonisten nur wenig Unterhaltungsliteratur gibt. Es stehen Personen in ihrem „dritten Lebensabschnitt“ im Vordergrund. Die behandelte Thematik der Wohnform einer Senioren-WG hat einen schönen aktuellen Bezug angesichts der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft. Am Beispiel der fünf Mitbewohner wird gut dargestellt, welche Herausforderungen diese Wohnform im Alter stellt. Das geschieht in einer gelungenen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor. Besonders letzterem ist es zu verdanken, dass sich die Geschichte leicht lesen lässt. Für ihn sorgen insbesondere die flotten Sprüche der teils recht urigen WG’ler (z.B. Harrys Antwort „Läuft“ auf die Frage, was seine Prostata mache oder Uschis sprachliche Verballhornungen - „urinieren“ statt „ruinieren“, „terroristisch“ statt „theoretisch“). Alles in allem bietet das Buch eine gute Gelegenheit nachzudenken, wie man selbst im Alter wohnen will.

Wem das Buch nicht genug war, der kann sich auf den Film zu ihm freuen, der im Frühjahr dieses Jahres in der ARD ausgestrahlt werden soll.


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