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Rezensionen verfasst von
Max Schwurbel

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Wir nennen es Arbeit: Die digitale Boheme oder: Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung
Wir nennen es Arbeit: Die digitale Boheme oder: Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung
von Holm Friebe
  Broschiert

18 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ich wär so gern ein Huhn, 11. November 2006
Digital Bohéme, das bedeutet in etwa, eine engagierte Buchrezension auf amazon zusammenzuklappern, einfach weil das Thema einen interessiert und man sein vorwitziges Maul mal wieder nicht halten kann - und weil man die heimliche Hoffung hegt, dass der Lohn dafür vielleicht irgendwann auf Umwegen zu einem zurück kommt. Profis ("Realisten") würden sagen: Träumer seid ihr anzunehmen, dass sich auf diese Weise ein Lebensunterhalt bestreiten lässt, die Digital Bohéme behauptet: gerade so, vor allem so, gerade deswegen - und außerdem wollen wir gar nicht anders!

Das ist natürlich stark vereinfacht, denn die beiden Autoren holen schon gehörig aus, um ihre Interpretation einer neuen Arbeitswelt zu skizzieren. Ob man ihnen Recht gibt und die unvermeidlichen Skurrilitäten der Festanstellung künftig belächelt, ob man dagegen hält, dass selbstbestimmtes Arbeiten sehr wohl auch in Festanstellung funktionieren kann (und z.B. eine Frage der Hierarchie ist) oder ob man das Ganze als romantisierende Utopie von Leuten belächelt, die sich ein Weltbild um die Tatsache herumzimmern, dass sie selbst nicht so richtig für den klassischen Lebenslauf taugen – dieses Buch lohnt sich auf jeden Fall und für jeden, weil es quer denkt, weil es gut und umfangreich recherchiert ist, weil es prima zu lesen ist und ganz einfach viele kluge Gedanken enthält.

Je weiter man nach hinten liest, um so mehr wandelt sich „Wir nennen es Arbeit“ von einem Buch über Arbeitswelten und Lebensentwürfe zur totalen Huldigung eines Digital Lifestyle, der vollständigen Digitalisierung und multiplen virtuellen Wirklichkeitskonstruktionen. Und dann kommt es eben doch raus, dass dem Ganzen noch die Hipness des Berufsjugendlichen anhängt, die Perspektive einer eigenen Familie fehlt und viele Thesen spürbar verklebt sind mit den Eierschalen des allzu frisch Geschlüpften. Trotzdem: Hier sind sie, die next big things. Anregend!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 18, 2010 12:31 PM MEST


Vermögen: Was wir haben, was wir können, was wir sind
Vermögen: Was wir haben, was wir können, was wir sind
von Florian F Weyh
  Gebundene Ausgabe

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Bildungsbuch - beim zweiten Hinsehen, 6. Oktober 2006
Zugegeben: Wenn ein flüchtiger Blick über das Inhaltsverzeichnis und ein kurzes Anlesen auf Seite eins genügen muss für die Kaufentscheidung, dann ist die Gefahr groß, das Buch mit einem der unzähligen "Ratgeber" amerikanischer Machart zu verwechseln, deren PR-Maschinerie um so lauter lärmt, je weniger Substanz das Buch bietet. Meist bleibt es bei ein, zwei Kernthesen, die sich auch auf einem DIN-A4-Blatt zusammenfassen ließen.

Dieses Buch ist anders, denn es ist ja auch kein Ratgeber im klassischen Sinn, sondern entwickelt sich beim Lesen zunehmend wie ein gediegener Salon-Abend im Kreis interessanter gebildeter Menschen: Man unterhält sich gut und unverkrampft, lernt allerhand hinzu und fühlt sich hinterher auf jeden Fall bereichert. Gerade weil es hier keine Pseudorezepte zum persönlichen Lebensglück gibt, keine aufgeblasenen Profilierungsposen oder Verkaufsideen, sondern einfach nur unterhaltend präsentierte Vernunft. Für mich ein ideales Bildungsbuch!


Canon EOS 20D SLR-Digitalkamera (8 Megapixel), nur Gehäuse
Canon EOS 20D SLR-Digitalkamera (8 Megapixel), nur Gehäuse

49 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neue Benchmark für den Semi-Profi, 6. Oktober 2004
Wer noch keine digitale SLR besitzt, für den lautet die schlichte Antwort: Ja, diese Kamera lohnt sich unbedingt. Produktvielfalt und Qualität von EF-Objektiven sind Legende, egal, ob von Canon selbst oder von Fremdherstellern wie Sigma. Während die neuen von Canon speziell entwickelten Digital-Objektive für die EOS 300D nicht bei der 10D passten (der Spiegelradius beim Hochklappen ist zu groß), eignen sich die Objektive für die EOS 20D: Dort hat Canon den Spiegel etwas verkleinert. Was schon mal ein klarer Unterschied zur älteren Schwester EOS 10D wäre.
Aber muss es deswegen schon eine EOS 20D sein? Tut es nicht doch auch die 10D, die so viele Preise und Tests gewonnen hat, und die neu für rund 300 Euro weniger zu haben ist? Beispiel Auflösung: Die ist oberhalb von ca. 3 Megapixeln zwar nicht grundsätzlich wichtiger als die Optik, aber 8 Megapixel sind eben doch mehr als 6,3. Und neun Messfelder für den Autofokus leisten mehr als fünf. Die 20D ist spürbar leichter und etwas kleiner als die 10D, besitzt aber auch ein robustes Magnesium-Gehäuse. Das ist zwar nicht staub- und spitzwassergeschützt wie bei der Profikamera EOS 1D Mark II, bietet aber schon deutlich mehr Sicherheit als z.B. die EOS 300 D.
Der größte Unterschied zur EOS 300D oder zur EOS 10D wird beim Konvertieren von Dateien im RAW-Format spürbar: Zur 20D gehört die Profisoftware Digital Pro 1.1, die bislang nur mit den teuersten Modellen geliefert wurde. Sie konvertiert Bilder im Vergleich zum Picture Viewer der 10D bis zu fünfmal schneller. Das Runterladen der Bilder von der Kamera ist dabei nicht das Problem: Zwar beherrscht die Schnittstelle der 10D nur USB 1.0, während die 20D mit USB 2.0 die Dateien deutlich schneller auf den PC schaufelt. Aber der Kenner nutzt ohnehin nicht die Kamera-Schnittstelle, sondern steckt die Speicherkarte in einen USB-2.0-tauglichen Kartenleser am PC: Das belastet den Kamera-Akku nicht - und es muss auch kein Kameratreiber auf dem PC installiert werden.
Der direkte Vergleich ließe sich noch ein Weilchen im Detail fortführen. Mein Fazit: Wer eine EOS 300D hat, kann über den Wechsel nachdenken, weil er alle Objektive weiter verwenden kann. Wer eine gut ausgestattete EOS 10D hat und damit nicht hauptberuflich sein Geld verdient, kann warten: Die Unterschiede sind nicht so zwingend, dass sie den Mehrpreis für eine 20D rechtfertigen. Wer noch gar keine digitale SLR besitzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass gute Objektive, Blitz, Speicher und anderes Zubehör mindestens noch mal so viel kosten wie das Gehäuse: Da lohnt sich der Kauf einer EOS 20D dann doch. Denn wer an der Optik spart, verschenkt den Vorteil der SLR gleich wieder und wäre besser beraten mit den mittlerweile ebenfalls sehr guten und deutlich kompakteren Digitalkameras mit festem Zoom-Objektiv.


Casio EXILIM EX-Z40 Digitalkamera (4 Megapixel)
Casio EXILIM EX-Z40 Digitalkamera (4 Megapixel)

88 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klar geht es besser - aber gut ist sie trotzdem, 6. Juli 2004
Natürlich: Im Vergleich zur echten Spiegelreflex liefert jede ultrakompakte Digitalkamera derart Mitleid erregende Ergebnisse, dass der Griff zum Fotohandy dann doch nicht mehr so wahnsinnig weit weg ist wie noch vor wenigern Monaten. Allein die wichtigsten Kriterien Lichtstärke, Lichtempfindlichkeit, Bildrauschen und Blitzleistung fallen bei den Ultrakompakten noch immer so bescheiden aus, dass man sich darüber im klaren sein muss: Ultrakompakte haben ihre Daseinsberechtigung vor allem, weil es Situationen gibt, in denen mittelmäßige Fotos immer noch besser sind als gar keine. Ein echter Ersatz für eine Kamera mit manuellen Möglichkeiten sind sie keinesfalls. Aber die Mehrzahl der Nutzer möchte ja ohnehin einfach drauflos knipsen, und bei denen fallen fehlende Möglichkeiten wie Blenden- oder Zeitautomatik nicht ins Gewicht.
Was unterscheidet die Exilim EX-Z40 nun von ihren älteren Exilim-Schwestern, und was von Konkurrenten wie der viel gelobten Canon Digital IXUS 500?
Eine Immer-Dabei-Kamera dient vor allem dem schnellen Einsatz und für Schnappschüsse, auf Feten, im Freundeskreis, im Restaurant, unterwegs. Schnappschüsse werden oft in schwachem Licht und geschlossenen Räumen gemacht - und halten vor allem schnelle Szenen fest. Bei Schnappschussfotografie zählt weniger die Bildqualität, sondern die Situation und die Gelegenheit. Ergo zählt bei Schnappschussfotografie neben möglichst guter Lichtempfindlichkeit vor allem die Auslösegeschwindigkeit - und da hinken alle ultrakompakten Digitalen noch arg dem Optimum hinterher. Immerhin ist die EX-Z40 in der Auslöseverzögerung spürbar schneller als z.B. die Canon IXUS 500. Die macht zwar die besseren Bilder, aber die nützen unter Umständen nichts, wenn das Motiv schon wieder weg ist, bevor der Autofokus so weit ist. Zusätzlich zum schnelleren Auslösen und einer gegnber den älterne Schwestern verbesserten Lichtempfindlichkeit von ISO 400 bietet die Exilim eine Sofortschuss-Funktion, die auch dann augenblicklich auslöst, wenn der Autofokus noch gar nicht scharf gestellt hat. Das ist einerseits schön, weil man dann wirklich jede Situation festhalten kann. Andererseits wird es bei Lustig-Drauflosknipsern und notorischen Handbuch-Nichtlesern (also bei fast allen ;-))zu massenhaft unscharfen bzw. falsch fokussierten Bildern führen, weil der Sofortschuss durch energisches Niederdrücken des Auslösers funktioniert, im Zweifelsfall versehentlich bei jedem Bild. Die IXUS 500 ist zwar langsamer - aber so langsamer nun auch wieder nicht - und liefert unter dem Strich eben doch bessere Resultate.
Weitere Pluspunkte der EX-Z40: Für die Z3 und Z4 noch nicht verfügbar, ist jetzt auch ein Unterwassergehäuse für die Exilim EX-Z30 bzw. Z40 zu haben, das dem exzellenten Canon-Gehäuse in nichts nachsteht und sich ebenfalls bis 40 Metern Tauchtiefe eignet. Leider ist es ebenfalls nicht billig - die Anschaffung lohnt sich aber in jedem Fall, denn nicht die erste Kamera hätte ihr Leben in plötzlich einsetzendem Tropenregen, in steigender Flut oder im feinen Sand am Strand ausgehaucht.
Unter dem Strich ist die Exilim EX-Z40 eine formschöne, solide, sehr empfehlenswerte und flexible Ultrakompakt-Lösung mit guter Verarbeitung, dem größten Display aller Ultrkompakten, spürbar verbesserter Akkustandzeit und Vorteilen in der Geschwindigkeit. Außerdem zeichnet die Exilim EX-Z40 auch Ton und kleine Videos auf, was ihre Einsatzmöglichkeiten als Immer-Dabei-Gerät zusätzlich erweitert. Im direkten Vergleich zur Canon würde ich der Digital IXUS 500 aber dennoch den Vorzug geben: Unter dem Strich liefert sie die besseren Bilder. Aber das ist sicher ein Stück weit Geschmacksache.


Vom Unsinn des Sinns oder vom Sinn des Unsinns
Vom Unsinn des Sinns oder vom Sinn des Unsinns
von Paul Watzlawick
  Taschenbuch

37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Gedankensammlung, keine Abhandlung, 28. Mai 2004
Mit der Wirklichkeit ist es wie mit der Wahrheit: Von jedem glaubt der Einzelne ein gesundes Maß zu verstehen - schließlich hat er ja sein ganzes bisheriges Leben Erfahrung damit. Bei kritischer Betrachtung stellt sich aber stets heraus, wie dünn das Eis des eigenen Weltbilds tatsächlich ist, und dass weder die Wirklichkeit noch die Wahrheit absolute Dinge sind, weil sie nahezu vollständig abhängen von der Wahrnehmung und dem Standpunkt ihres Betrachters. Dass es dennoch so etwas wie ein kleinstes gemeinsames Vielfaches an Realität zu geben scheint, funktioniert vor allem nach dem Prinzip „eine Million Fliegen können nicht irren". Man kann nun mal nicht einfach durch Betonwände gehen, zumindest nicht nach allen Erfahrungen, die Menschen bisher gemacht haben. Es gibt also eine Welt da draußen, aber ihr Bild ist niemals absolut.
Das ist eine der Kernthesen von Watzlwick - und lustigerweise lässt sich seine These ganz hervorragend auf die Rezension seines eigenen Büchleins anwenden: Wie es der Einzelne wahrnimmt, hängt völlig vom persönlichen Hintergrund ab, seinem Horizont und der Erwartungshaltung. Unweigerlich wird es passieren, dass die gedruckten Vorträge dem einen bei weitem zu unvollständig, zu unwissenschaftlich und zu sprunghaft erscheinen, geradezu zusammenhanglos. Einen anderen wird das nicht weiter stören, weil er Watzlawick bereits kennt, und es wird ihm großes Vergnügen bereiten, das Büchlein als leicht konsumierbare Wiederholung wichtiger Gedanken zu lesen. Ein Dritter wird weder Watzlawick noch seine konstruktivistischen Thesen kennen, die Ansätze aber so interessant finden, dass er beginnt, sich in die Thematik einzulesen. Natürlich haben alle Recht. Leser, die aufgrund ihrer Weltanschauung oder ihres Glaubens nicht akzeptieren können, dass es vermutlich keine absolute Wahrheit gibt, werden das Buch wiederum ganz anders wahrnehmen: Für sie ist Watzlawick eine Zumutung, etwas, das man nur verurteilen und nicht ernst nehmen darf, weil es die eigenen Überzeugungen in Frage stellt.
Damit wären wir nun an dem Punkt, der die absolute Freiheit konstruktivistischer Haltungen mitunter schwierig macht, sogar zur Last werden lässt: Kein Mensch möchte ein diplomatisches "kommt drauf an" hören auf die Frage, ob die paar Euro für das Buch denn nun gut investiertes oder rausgeworfenes Geld sind. Der Leser möchte eine Empfehlung, Orientierung, eine Meinung. Also: Wer keine vollständige wissenschaftliche Abhandlung erwartet und frei genug im Kopf ist, um sich auf jede Art von Denkrichtung einlassen zu können, findet hier ein vergnügliches Sammelsurium exzellenter Gedanken. Und die sind ihr Geld allemal wert. Selbst wenn sie etwas unsortiert rüberkommen.


Die schönsten Sagen des klassischen Altertums
Die schönsten Sagen des klassischen Altertums
von Gustav Schwab
  Gebundene Ausgabe

14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie das genau war mit dem ollen Odysseus, 26. Mai 2004
Da soll noch mal einer behaupten, Hollywood trüge nix zur klassischen Bildung bei! Kaum ist die „Troia"-Verfilmung mit Brad Pitt auf der Leinwand, springt Gustav Schwabs alter Sagenschinken die amazon-Verkaufsränge nach oben (zum Zeitpunkt der Rezension Platz 186)! Dabei steht die kalifornische Traumfabrik nicht unbedingt im Verdacht, es mit der historischen Korrektheit übermäßig genau zu nehmen. Aber gerade Filme wie „Gladiator" oder „Troia" wecken das Interesse an der Antike, die sonst auf ewig in altphilologischen Schriften und Museen verstauben würde. Außerdem befinden sich die Filmbosse aus Hollywood ja in bester Gesellschaft: Schließlich sind auch die Sagen des Stuttgarter Pfarrers und Gymnasiallehrers Gustav Schwab „nur" Nachdichtungen. Schwab hat die großen Epen der Antike von 1838 bis 1840 aus Originaltexten zusammengetragen, ins Deutsche übersetzt und nach eigenem Empfinden nacherzählt. Seine Sprache trägt deutliche Züge der romantischen Epoche (die endete in der Literatur 1830). Schwab hat aus den meistens nur mit Mühe lesbaren und verständlichen griechischen Originalversen, z.B. der Ilias, eine Geschichtensammlung geschaffen, die sich nach Bestsellermanier am Stück verschlingen lässt. Liebe, Verrat, Hass, Heldentum, großes Spiel, Mord und Totschlag, da ist alles drin. Der Olymp gibt ja auch allerhand her, mit seinen illustren, saufenden, untreuen, nachtragenden, aufbrausenden und liebestollen Götterfiguren, die sich so ganz und gar nicht überirdisch und schon gar nicht tugendhaft benehmen.
Weitaus mehr von diesen Geschichten, als man auf den ersten Blick annehmen möchte, ist längst fester Bestandteil der europäischen Kultur und Sprachen geworden. Und deswegen ist dieses Buch nicht nur ein grandioser Lesespaß, sondern auch großartige Bildung. Jeder kennt das Sinnbild für Europa: Eine Frau auf dem Rücken eines Stiers, manchmal eine Fahne in der Hand. Wesentlich weniger Leute dürften die Geschichte dahinter kennen: Götterchef und Schwerenöter Zeus wollte unbedingt das schöne Mädchen Europa flach legen - was wegen der rastlosen Eifersucht seiner Göttergattin Hera aber nur möglich war, indem er sich in einen Stier verwandelte und die Schöne kurzerhand auf seinem Rücken entführte. Das troianische Pferd, die Achillesferse, der Ödipus-Komplex, das Damokles-Schwert, der Augiasstall, Sisyphus und sein ewig rollender Stein - alles sprichwörtlich gewordene Sagen und Gestalten, die durch Gustav Schwab in diesem Buch wieder aufleben. Für mich die beste Sammlung und Interpretation antiker Sagen. Bis heute.


wir schlafen nicht: Roman
wir schlafen nicht: Roman
von Kathrin Röggla
  Gebundene Ausgabe

19 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Geschichte vom Uarrgh, 21. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: wir schlafen nicht: Roman (Gebundene Ausgabe)
In Buchform gegossenes kollektives Erbrechen ganzer Berufsstände darüber, wie die Dinge heute sind. Passend zur Lage der Nation. Nicht gut natürlich, irgendwie leer alles, obwohl noch nie so viel war, verwirrend, verzweifelt und ganz ohne Sinn und Ziel. Da sind „wir". Wir, die wir zeitweise aktiv waren oder sind in Berufen der Medien, IT, Beratung, im Marketing, Werbung oder im Support. Wir, die wir unsere Hülsen brav gelernt haben, die wir das Denken über den Sinn reduziert haben, um nicht wahnsinnig zu werden, handeln in Mustern, in pseudoqualifiziertem Standardgefloskel.
Form- und zusammenhangloses Hinwürgen von Fetzen, Fragmenten, Brocken aus dem alltäglichen Irrsinn in der Hoffnung, dass sich schon allein durch das Formlose eine Form ergebe, ein neuer, revolutionärer, aussagekräftiger Schrei gegen das Nichts des vielen Mülls. Viel Content aber keine Weisheit. Dort, und auch im Buch.
Mir zuviel Kleinschreibung. Kleinschreibung über ein ganzes Buch. pseudozeitgeistiges Neuschreib, die raf hat in den siebzigern damit angefangen in ihren briefen aus stammheim. atemlose konzentration auf den nackten inhalt, beschleunigtes lesen aber noch lange kein beschleunigtes denken, kein halten, widerstand gegen jede form. warum dann eigentlich ein hochwertiger hardcoverumschlag und auch noch ein stoffbändchen als lesezeichen? form ist nicht überflüssig, im gegenteil, sie wird wieder wichtiger, aber man kann aber so tun und es cooler finden. man kann schneller schreiben so, aber vielleicht ist das gar nicht gut für den text. zu viele bindestriche an satzanfängen in diesem buch. bindestriche, die gar nichts verbinden. vielleicht besser gedankenstriche am satzanfang: lieber gott gib mir den richtigen gedanken.
Altptraumhaftes Irren im Erkenntniswirrwarr, Erkenntnisse, die nichts oder nichts mehr wert sind, zusammengeklaubt aus Einzelgesprächen in der Hoffnung, jenes zustimmende Grinsen auszulösen, das immer dann eintritt, wenn man sich als Leser in einem treffenden Gedanken ertappt fühlt. Raus mit dem grellgelben Stabilo Boss, für die Nachwelt, für später, für ein zweites Mal! Vielleicht ist das schon Kunst, so zu schreiben. Kunst, verstanden als Provokation, nicht abgeleitet von Können. Kann doch jeder, seine Mülltonne ausleeren. Musst nur dein Diktiergerät jeden Tag mitlaufen lassen, dann abtippen. Diese Kunst bereichert nicht. Sie lässt mich würgen.


Ich und Kaminski: Roman
Ich und Kaminski: Roman
von Daniel Kehlmann
  Gebundene Ausgabe

1 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Abrechnung mit - wem?, 21. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Ich und Kaminski: Roman (Gebundene Ausgabe)
Manche Geschichten müssen so sein wie sie sind, damit ihre Botschaft ankommt. Manche Dinge lassen sich besser in einer Geschichte verpackt sagen. „Ich und Kaminski" ist so eine Geschichte. Es ist eine Abrechnung mit einem bestimmten Typ Mensch, mit einem bestimmten Typ Kunstkritiker. Ob Kehlmann eine eine persönliche Abrechnung mit einem ungeliebten Kritiker darstellt oder ob ihn das zynische Gehabe der ganzen Szene anwidert, lässt er im Dunkeln.
Überheblich und egoistisch bis in die letzten affektierten Gedanken interessiert sich Zöllner, der Protagonist des Buches, einen Dreck für die Kunst, über die er urteilt oder für die Menschen, die sie schaffen. (Der Name Zöllner, biblische Metapher für die am meisten gehassten und verachteten Blutsauger der Antike.) Was auch immer Zöllner tut, ist kalt, seelenlos, reines Kalkül, reines Mittel, dient allein dem Zweck, sich selbst ins Rampenlicht zu rücken. Er ist ein Schmarotzer, der sich an den Ideen anderer bereichern muss, weil er selbst nichts zuwege bringt. Der sich hochmütig über sie erhebt, wo er doch so viel kleiner ist. Auch das Interesse für den fast vergessenen Künstler Kaminski ist vor allem egoistischer Natur: Zöllner will sich mit einer Kaminski-Biografie profilieren, und er will den Alten dazu noch mal ordentlich auspressen. Danach wäre es überaus wünschenswert, wenn das Subjekt seiner Begierde möglichst zeitnah über den Jordan ginge, denn nur tote Künstler widersprechen nicht mehr und bringen Gewinn. Natürlich kommt alles ganz anders. Der Alte zwingt dem überheblichen Jungspund Schritt für Schritt seinen Willen auf, lässt ihn über die eigene Ignoranz stolpern, hält ihn zum Narren, indem er selbst den Narren spielt, den wunderlichen Greis. Seite für Seite kollidiert Zöllner mit seiner eigenen unhaltbaren Haltung, bis zum Schluss ein nicht eben bekehrter, aber immerhin nachdenklicher Genasführter zurück bleibt.
Obwohl für einen Schriftsteller noch sehr jung an Jahren, schreibt Kehlmann über die Unterschiede des Alters zum Ungestüm der Jugend, als wisse er darüber bereits aus eigenem Erleben. Das Buch wirkt sehr reif, sehr abgeklärt, teilweise auch sehr abgehoben. Kehlmann kennt die Szene, die er beschreibt, hat sich intensiv mit ihr befasst. Aber er verbleibt ratlos. Die Abrechnung ist ihm gut geraten, aber das Buch endet für meinen Geschmack unfertig. Es hinterlässt nichts, außer einer eigentümlichen Leere.


Memorybird 256MB USB 2.0
Memorybird 256MB USB 2.0

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hamse mal ne Datentüte?, 19. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Memorybird 256MB USB 2.0 (Personal Computers)
Noch gar nicht lange her, und ich heizte jedes Mal den CD-Brenner an, wenn ich größere Dateien transportieren wollte und warf dann die fast leere CD nach einmaligem Auslesen weg (kein Mensch brennt aus Spargründen tatsächlich mehrere Sessions auf eine CD oder?). Mit dem Memory-Bird ist alles anders: Dank USB 2.0 flutscht die Datenübertragung nur so, und egal, ob es Sicherungskopien der Tagesarbeit, Fotos von der Digitalkamera, das neueste Software-Update oder die Power-Point-Präse ist, die man sich mit allerbesten Vorsätzen mit ins Wochenende nimmt - der Birdie nimmt die Daten spielend auf. Außerdem passt er an jeden Schlüsselbund und ist deswegen immer dabei.
256 MByte haben sich in der Praxis als ideale Speichergröße bei optimalem Preis-Leistungsverhältnis herausgestellt: 128 MByte überschreitet man doch öfters als gedacht und ärgert sich dann, wenn der Stick zum wiederholten Mal ein paar Megabyte zu wenig Platz bietet - und für 512 MB große Datenmengen kann man dann wirklich eine CD brennen. Unter Windows XP installiert sich der MemoryBird von selbst und benötigt keine Software. Man steckt ihn in laufendem Rechnerbetrieb ein und entfernt ihn genauso problemlos wieder. Unverträglichkeiten mit anderen Geräten konnte ich bislang nicht feststellen. Am Laptop kann es aufgrund der etwas breiten Bauweise des MemoryBird allerdings eng werden, wenn zwei USB-Schnittstellen eng nebeneinander liegen und ein Port z.B. schon durch eine Maus belegt ist. Clever ist die Schutzkappe, die fest mit dem Stick verbunden ist - man verliert sich nicht, und die Schnittstelle bleibt frei von Schmutz. Gut!


Deutschlandalbum
Deutschlandalbum
von Axel Hacke
  Gebundene Ausgabe

31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lauter kleine Denkmäler, 17. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Deutschlandalbum (Gebundene Ausgabe)
Oder besser: Lauter Denkmäler fürs Kleine. Kleine Menschen die doch groß sind, kleine Dinge, Kleinigkeiten, die plötzlich so wichtig werden, so anrührend, so vergessen oder einfach so schön, dass sie Beachtung verdienen. Ein Foto, dazu eine Geschichte. Wer könnte das besser als Axel Hacke, Großmeister des „Streiflicht", jener berühmten Titelseitenkolumne der Süddeutschen Zeitung, von der schon behauptet wurde, sie sei wichtiger für das Blatt als die Aufmacher gleich daneben. Na gut, Max Goldt könnte das vielleicht auch, aber der hat eine andere Art, einen anderen Blick. Der ist viel trockener, wird längst nicht so emotional und schreibt lieber für die Pointe. Wladimir Kaminer? Hat der nicht auch „Mein deutsches Dschungelbuch" abgeliefert? Das ist was ganz anderes. Kaminer ist Russe, und er bleibt bei aller Entzückung für die kleinen Details auf freundlicher Distanz. Hacke hingegen leistet sich die Sicht des Deutschen auf seine Landsleute. Manche Dinge darf man nur von innen sagen. Das kann nur einer, der hier sein Leben verbracht hat.
Eigentlich macht Axel Hacke nichts anderes als auch im Streiflicht. Streng genommen sind das sogar lauter Streiflichter, wenn auch längst nicht so auf Pointe, Sprachspiel und Andeutung geschrieben. Sondern ganz geradeaus. Abseits der großen und wichtigen Ereignisse der Welt richtet Hacke seine Aufmerksamkeit auf das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen. Er erzählt lauter kleine in sich geschlossene Geschichten, betrachtet das Schöne, das Tröstliche und das Rührende im Normalen. Sucht Sinn im Irrsinn. Der Pfarrer, der in der DDR jahrelang vor drei oder vier Leuten predigte und nun zum Verwaltungsmanager in Kirchendingen geworden ist, auch wenn jetzt 15 Leute statt vier kommen. Der Schlachter, der weinte, als er sein erstes Kälbchen tötete, und der sich auch heute noch manchmal bei den Tieren entschuldigt. Der letzte Knecht, der sein Leben lang Pferde geliebt hat. Der Penner, der ganz unten ist und trotzdem ein Fünkchen Hoffnung nicht sterben lassen möchte. Der Münchner Straßenkehrer, der als bayerisches Original durch einen Filmemacher selbst ein bisschen berühmt wurde, und der sich versetzen ließ, weil er nicht zum Abziehbild werden wollte. Hacke sieht einen Besenstiel in einer dunklen Ecke stehen, zerrt seinen Besitzer an einen Tisch, spendiert ihm ein Bier und hat einen Nachmittag später ein Stück, das einem das Wasser in die Augen treibt (keine Sorge, es kommt gar kein Besenstiel vor im Buch, außer vielleicht der vom Straßenkehrer).
Axel Hacke erzählt gekonnt, anrührend, nachdenklich, oft auch mit anständigem Druck auf die Tränendrüse, geradezu pessimistisch. Viel ehemalige DDR, auch viel Krieg, viel Unbewältigtes, harte Schicksale, Zufallsschicksale, deutsche Geschichte und deutsche Geschichten, mal jung, mal alt. „Mein größtes Talent ist es, bewundern zu können", zitiert Hacke den Schauspieler Walter Schmiedinger auf den ersten Seiten seines Buchs, „...wie jeder Mensch in seinem Leben, in seinem Beruf besteht, wie er das aushält, was er bewerkstelligt, was er macht, was er wünscht und was ihm nicht gelingt. Ich bewundere das." Das ist es! Hacke bewundert. Er schenkt Leuten und Dingen Aufmerksamkeit, die sonst niemand bewundert. Das ist letzten Endes nicht viel, denn die Leute sind wenig später vielleicht schon tot, gestorben am Schicksal, einer Krankheit, am harten Leben oder einfach am Alter. „Es geht hier um nichts anderes als Würde in würdelosen Zeiten, und es geht um Zeit in flüchtigen Zeiten." sagt Hacke irgendwo in einem der Stücke. Es geht ihm um Werte, durchaus konservativ. Das ist natürlich ganz schwer, ohne sich gleich einen Gutmenschen-Ruf einzufangen wie Kollege Ulrich Wickert, der dann schon wieder nach hinten los geht, weil er von den Geschichten ablenkt. Deshalb soll das auch ein anderes Thema bleiben...


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