Profil für BlueCaravan > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von BlueCaravan
Top-Rezensenten Rang: 7.268
Hilfreiche Bewertungen: 782

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
BlueCaravan

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8
pixel
Howl (Limited Edition)
Howl (Limited Edition)
Wird angeboten von MEDIMOPS
Preis: EUR 16,45

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen One day by one, 4. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Howl (Limited Edition) (Audio CD)
So ganz schlüssig bin ich mir ja noch nicht darüber, was ich von den Mighty Oaks halten soll. Dieses penetrant abgefeierte Naturburschen-Image mit Karohemd und Schnürschuh! Dazu passend die verträumten lens-flarigen Naturfotos im Booklet! Dieses "Drei-Freunde-sollt-ihr-sein"-Getue in den Videos! Die Ochsentour durch sämtliche auch nur ansatzweise relevanten TV-Shows... Irgendwie scheint da schon arg viel Marketing-Hype im Spiel zu sein, um die Neofolk-Kuh nochmal richtig zu melken. (Was ja auch zu klappen scheint.)
Auf der anderen Seite: die Jungs sind wirklich sympathisch, die internationale Zusammensetzung des Berlin-basierten Trios hat Charme, und vor allem: die Musik gefällt. Klar, einen Innovationspreis werden die Mighty Oaks weder für ihren Folk-Country-Pop-Sound noch für ihr Songwriting gewinnen. Aber das was sie machen, machen sie gut: eingängigen, manchmal etwas belanglosen, aber immer gefälligen Countryfolk mit überwiegend akustisch gehaltenen Arrangements und überaus gekonnt eingesetztem Harmoniegesang. Mumford & Sons in weniger rumpelig - im Grunde der perfekte Sound für laue Sommerabende.
Und ja, in manchen Momenten ist die Musik der Mighty Oaks einfach nur zum Weinen schön. "Just One Day" zum Beispiel (und darin wiederum der Part ab Minute 2'00, wer's ganz genau wissen will ;) ... ) - mein persönlicher Kultsong der Saison. Wenn eine Band das schafft, ist das nicht wenig, und die Frage, ob da einfach nur die PR-Abteilung von Universal nen guten Job gemacht hat, tritt in den Hintergrund.
Das komplette Album langweilt weder beim bewussten Zuhören noch stört es beim Nebenbeihören - und es hat mit gerade mal 40 Minuten eine nahezu perfekte Albumlänge. Schade allerdings, dass es das großartige "The Great Northwest" von der "Just One Day"-EP nicht auf "Howl" geschafft hat.
Was vom Hype übrigbleibt, wird die Zeit zeigen. Vielleicht werden die Mighty Oaks ihren Sound so weiterentwickeln können, dass es für eine längere Karriere reicht. Anderenfalls sind sie womöglich auch genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. So oder so: ein hübsches Album zum Immerwiederhören haben wir auf jeden Fall schon mal.


Bei allem sowieso vielleicht
Bei allem sowieso vielleicht
Preis: EUR 14,99

136 von 143 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Überraschend & empfehlenswert!, 19. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Bei allem sowieso vielleicht (Audio CD)
Ich denke, ich spreche für viele eingefleischte Beckmann-Fans, wenn ich sage, dass er es uns in den letzten Jahren nicht immer leicht gemacht hat. Angefixt durch seine New-Wave-beeinflussten Anfänge, bin ich ihm freudig in seine (stilprägende!) Hochphase in der frühen Romantic-Punk-/Gothic-Szene (The Cure wären ohne ihn ebensowenig denkbar gewesen wie Arcade Fire) gefolgt und ging auch seine - für damalige Verhältnisse - absolut kühne Grunge-Antizipation aus voller Überzeugung mit. Seine Ausflüge in den Grindcore machten es mir dann schon etwas schwerer, aber mit einigen Jahren Abstand muss ich einräumen, dass gerade seine Stockhausen-Adaption den Test der Zeit hervorragend bestanden hat. Dass Visionär Beckmann seiner Zeit weit voraus war, bestreiten selbst die härtesten seiner damaligen Kritiker heute nicht mehr ernsthaft.
Was dann allerdings folgte, war eine - private wie künstlerische - Durststrecke, in der man zunehmend das Gefühl bekam, Beckmann würde neue Alben nur noch veröffentlichen, um die Verträge zu erfüllen. Einige inspirierte Momente wies noch sein Doom-Metal-/Eurodance-Crossover-Projekt auf, aber danach - das gebe ich offen zu - kaufte selbst ich seinen jeweils aktuellen Output nur noch aus reinem Pflichtgefühl. Das plätscherte am Ende völlig lustlos und nichtssagend aus den Boxen - Ballermann für Emos! Zuletzt schien die Kreativität dann völlig zu versiegen, man sah ihn nur noch gelegentlich durch obskure Fernsehsendungen geistern, gut versteckt im Nachtprogramm, ein Schatten seiner selbst. Ich konnte das nicht ertragen, tröstete mich mit seiner Musik, traurig über das unrühmliche Ende eines großen Künstlers, aber voller Dankbarbeit für das, was er uns alles gegeben hatte.

Und nun hat ER getan, was ER am besten kann, immer schon konnte, und wider Erwarten doch noch drauf hat: ER hat uns alle überrascht! Äußerlich runderneuert, hat er doch seine wichtigste Tugend aus der alten Zeit ins Heute herübergerettet: seine Fähigkeit, Grenzen zu sprengen, Konventionen zu ignorieren und scheinbar mühelos neue Genres zu definieren. Was auf dem Cover noch nach Altersmilde und Biedermeier aussieht, entpuppt sich bereits beim ersten Durchlauf als radikale Neuinterpretation der Prog-Chanson-Tradition. Vom ersten Ton an ist klar: Hier musiziert einer, der es nicht nötig hat, sich auf irgendwelche Vorbilder zu berufen, im Gegenteil. An seinem nach wie vor vorhandenen (oder im TV-Exil wiedererwachten?!) Anspruch, selbst derjenige zu sein, auf den sich andere berufen, lässt Beckmann keinen Zweifel. (Und tatsächlich ließen die Huldigungen von Avicii bis Van Morrison nicht lange auf sich warten, selbst Brian Wilson soll sich schon lobend geäußert haben.) Das ist nicht nur eine Rückkehr zu alter Form, das ist eine Neuerfindung!
Ausnahmsweise muss ich sogar dem peinlichen Berufs-Indie-Hipsterbart von Spiegel Online zustimmen, der sinngemäß sagte, dass dies das Album ist, dass Pink Floyds "Animals" eigentlich hätte werden sollen! (Ein bisschen schmunzeln musste ich bei dieser Referenz dann allerdings schon angesichts der auf dem Cover mitabgebildeten "Bandmitglieder" ;-)...)
Kurz: Jedem, der an echter Musik auch nur ein bisschen interessiert und neuen Klangwelten gegenüber offen ist, würde ich "BASV" wärmstens empfehlen!

Noch nicht so recht vorstellen kann ich mir, wie das neue Material live umgesetzt werden soll. Aber da verlasse ich mich auf Können und Coolness des Meisters. Mein Ticket hab ich jedenfalls schon - das wird spannend, Leute!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 20, 2014 9:54 PM CET


Aims
Aims
Preis: EUR 8,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neue Ziele, 16. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Aims (MP3-Download)
Im Booklet ihres dritten Albums "Dreaming Through The Noise" dankte Vienna Teng den Produzenten ihrer ersten beiden Platten "for the two records that led to this one". Man kann also wissen: Vienna Teng begreift ihr Schaffen als fortlaufenden, sich ständig weiterentwickelnden Prozess. Das Neue kann es nicht geben ohne das Alte, aber die Richtung ist immer klar: "nach vorne".
Ihre bisherige Entwicklung hat denn auch nie einen Zweifel daran gelassen, dass wir es mit einer Künstlerin ohne Scheuklappen zu tun haben, die nicht im Mindesten daran interessiert ist, immer wieder dieselbe Masche zu stricken.
Deshalb kann ich die Klagen, Vienna Tengs neues Werk "Aims" sei zu poppig geraten, nicht so ganz nachvollziehen. Enttäuschend wäre wohl eher ein Aufguss vergangener Großtaten gewesen - auch wenn Experimente natürlich immer die Gefahr bergen, in die Hose zu gehen (was sie hier mitnichten tun). Daher verstören mich die teils wirklich ungewohnt elektronischen Klänge auf "Aims" nicht, und ich bin bereit sie als das zu akzeptieren, was sie sind: eine neue Facette in Vienna Tengs Schaffen. Und zwar eine durchaus gelungene!
Manches klingt in der Tat überraschend radiotauglich ("Level Up", "Never Look Away"), anderes folgt dagegen sehr wohl eher bewährten Pfaden, etwa das schwerelos-hymnische und ausgesprochen zugängliche "Landsailor" (in das ich mich denn auch auf Anhieb verliebt habe), das folkige "Oh Mama No" oder das wie Sau groovende "Close To Home". Dass Viennas Musik in der Substanz, im Songwriting irgendwie kommerzieller, poppiger oder gar seichter geworden wäre, kann ich nach den ersten Durchläufen nicht bestätigen. Sie bleibt bei aller Experimentierlust sie selbst und bietet wie immer eine wohldurchdachte Mischung aus Eingängigem und Vertracktem. Und ihre wunderbare Stimme ist sowieso unverkennbar. So sollte also eigentlich jeder, der mit ihren bisherigen Alben etwas anfangen konnte (von denen mir übrigens keines von Anfang bis Ende durchgehend zugesagt hätte), auch auf "Aims" fündig werden. Und wer sich nun wirklich so gar nicht damit anfreunden kann, darf auf Vienna Tengs Neugierde setzen, die uns gewiss noch das eine oder andere wieder ganz andere Album bescheren wird.


Soap
Soap
von Michael Meisheit
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zwischen Schöneberg und Bocklemünd..., 3. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Soap (Taschenbuch)
Die begeisterten Reaktionen auf Michael Meisheits Romandebüt "Soap" kann ich leider nicht teilen.
Die Grundidee ist ja nett: Ein junger Drehbuchautor wird für eine bekannte Soap angeheuert - und prompt gerät ihm sein eigenes Leben immer mehr zur Soap.
Leider hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dem Protagonisten im Verlauf der ziemlich egalen Handlung wirklich nahe zu kommen, von den anderen Figuren ganz zu schweigen. Und auch genannte Ausgangsidee will nicht so recht zünden, denn dass der gute Lukas Drehbuchautor ist, also professionell "Schicksal spielt", ist für die soapigen Verwicklungen in *seinem* Leben nicht wirklich von Bedeutung, dieser Zusammenhang wird mehr behauptet als virtuos gespielt. Auf raffiniert erdachte Interaktionen oder Abhängigkeiten zwischen Lukas' Realität und der von ihm miterdachten fiktiven Serienwelt wartet der Leser jedenfalls vergebens.
Sicher, in "Soap" ist viel vom Autorenalltag die Rede, von den Freuden und Nöten, den Freiheiten und Zwängen des Drehbuchschreibens. Das ist dann und wann ganz interessant, aber meistens nervt diese informativ gemeinte Selbstvergewisserungsprosa eher, als dass sie eine gewinnbringende Symbiose mit der Romanhandlung eingehen würde (zumal nicht so ganz klar ist, wie der Rookie Lukas derart selbstbewusst aus einem solch reichen Erfahrungsschatz plaudern kann). Allzu oft hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass da aus Lukas jemand zu mir spricht, dem es einfach mal ein Bedürfnis ist, sich über seinen Beruf mitzuteilen.
Dass Meisheit aus seinen Erfahrungen als "Lindenstraßen"-Autor schöpft, ist so offensichtlich wie legitim, aber die Distanz zwischen der realen "Lindenstraße" und der fiktiven Serie "Schöneberg" wirkt doch in weiten Teilen eher notdürftig zusammengezimmert. Oft liest man "Schöneberg" und weiß, dass "Lindenstraße" gemeint ist - angesichts dieser frappanten Parallelen wirken die dann doch immer wieder eingeflochtenen Versuche Meisheits, die fiktive Serie von ihrem realen Vorbild abzugrenzen, dann umso unbeholfener. Für einen Roman, der kein Schlüsselroman sein will, hätte ich mir da von Grund auf mehr Stilisierung gewünscht.

Regelrecht geärgert hat mich beim Lesen aber etwas anderes. In einer der zahlreichen "Nähkästchen-Passagen" schreibt Meisheit selbst, was für ein bisweilen einengender Zwang der wöchentliche Erzählrhythmus von "Schöneberg" - also der "Lindenstraße" - beim Drehbuchschreiben ist, weil Cliffhanger immer nur indirekt aufgelöst werden könnten.
Und was macht er nun in "Soap"? Er erhebt genau diesen Zwang ohne Not zum Bauprinzip seines Romans, indem er nie an das kunstvoll in die Eskalation konstruierte Ende des vorigen Kapitels anschließt, sondern die Spannung im neuen Kapitel mit ein bisschen ablenkendem Palaver am Leben hält - und die diversen Mini-Cliffs so nie aus der Situation heraus auflöst, sondern immer durch einen Rückblick oder sonst eine Erklärung aus der sicheren Distanz: "Ist ja nix passiert...". Dieses Prinzip führt in der "Lindenstraße" oft zu etwas unbefriedigenden Ergebnissen (was sicher niemand besser weiß als Meisheit), ist aber dem Realitäts- und Echtzeitanspruch der wöchentlich ausgestrahlten Serie geschuldet. Ein Roman, sollte man meinen, erlaubt da eigentlich größere Freiheiten, die hier aber leider für ein paar oberflächliche Spannungsmomente großzügig verschenkt wurden.

Um nicht nur zu meckern: Für Zuschauer/Leser, die sich bisher nicht so sehr mit den Produktionsabläufen einer Fernsehserie befasst haben, mag "Soap" ein paar interessante Einblicke bereithalten. Und so wenig ich mit der Romanhandlung anfangen konnte (Hat dieser Lukas noch was anderes im Kopf als Hollywood und Sex?!), so schön fand ich die Auflösung in ihrer wirklich soapigen Überdrehtheit. Nett auch der eindeutig selbst erlittene Running Gag mit "Woher nehmen Sie nur die Ideen..."

Wer also "Soap" eine Chance geben (und Meisheits so ehrgeizigen wie ehrenvollen Versuch des Selbstverlags honorieren) möchte, kann dies gerne tun. Andernfalls verpasst man aber auch nicht viel.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 29, 2014 4:48 PM MEST


Our Bright Future
Our Bright Future
Preis: EUR 5,99

5.0 von 5 Sternen Feinkost, 23. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Our Bright Future (Audio CD)
Bin erst vor kurzem durch eher beiläufiges Interesse auf dieses auch schon wieder vier Jahre alte Album gestoßen. Und was soll ich sagen - ein echter Leckerbissen, den Tracy Chapman und Produzent Larry Klein da zubereitet haben!
Chapman liefert auf "Our Bright Future" das zurückhaltende, aber hochklassige Songwriting, das man von ihr kennt. Und das ist in diesem Fall dermaßen delikat produziert, dass diese CD ein wahrer Ohrenschmaus ist. Wie solche Perlen wie "Thinking Of You", "Spring" oder vor allem der Titelsong durch weitgehend akustisch gehaltene (und bisweilen ordentlich swingende) Folk-Arrangements veredelt werden, macht einfach unglaublich Freude.
Mit Sicherheit eines von Tracys besseren Alben, und ein unbedingter Tipp für alle Anhänger folkiger Singer/Songwriter-Töne.


Nimm die Freude mit
Nimm die Freude mit
Preis: EUR 11,98

1 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Christen-Trash zur staden Zeit, 7. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Nimm die Freude mit (Audio CD)
Nachdem dieses pietistische Adventshörspiel vor vielen, vielen Jahren noch auf der Original-MC von 1979 in meinen Besitz gelangt ist, habe ich auch im reifen Erwachsenenalter alle Jahre wieder ein heidnisches Vergnügen daran, beim Geschenkeverpacken den evangelikal durchdrungenen und schauderhaft hölzernen Dialogszenen zu lauschen.
Wer immer mein Schöpfer sein mag: ich danke ihm auf Knien dafür, dass er mich nicht in dieser kinderreichen Christenfamilie hat großwerden lassen, in der die Kinder Bibelstellen rezitieren können und zu Weihnachten auswendiggelernte Psalmen verschenken, in der die Mädchen der Mutter brav beim Plätzchenbacken helfen, in der die vater- und damit natürlich orientierungslose Schulfreundin ebenso gnadenlos missioniert wird wie die Nachbarin, der man kurz zuvor noch eigenhändig die Fenster eingeschmissen hat, und in der Mutti beim winterlichen Familienspaziergang schön zuhause bleibt um die Milch heiß zu machen, bei der Vati nachher über den gottgewollten Lauf der Jahreszeiten dozieren kann. Und sogar für eine kleine Errettungsgeschichte ist noch Platz, hilft doch Jesus höchstselbst dem Sohn, der sich zunächst nicht zu einem folgenreichen Schneeballwurf bekennen will, aus seiner Sündhaftigkeit... Eine wahrhaft grauenerregende Mixtur aus erhobenem Zeigefinger, Betulichkeit, Holzhammer-Missionarstum und einem geradezu puritanischen Familienbild also - und gerade deswegen immer wieder ein in jeder Hinsicht unvergleichlicher Spaß.
Immerhin: die Lieder sind ganz hübsch. Melodiöse Kompositionen und freundliche Arrangements - da kann man durchaus zuhören, solange man nicht auf die Texte achtet. Auf dieser Neuauflage gibt es wohl, zusätzlich zum ursprünglichen Hörspiel, noch etwas mehr davon.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 15, 2012 3:22 PM CET


Hempels Sofa
Hempels Sofa
von Ralf König
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4.0 von 5 Sternen Auf Autopilot, 7. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hempels Sofa (Taschenbuch)
Bin etwas zwiegespalten, was "Hempels Sofa" angeht.
Einerseits eine etwas unmotivierte und unrunde Story (Kurzfassung: fränkischer Jungbauer trifft gefrustete Psychologin), an deren Ende noch so mancher Faden lose rumhängt und auch nicht so recht klar wird, warum uns König das jetzt alles erzählt hat (irgendeine Art von Statement, und sei es nur ein künstlerisches, geben seine Comic-Romane normalerweise ja schon ab).
Andererseits aber unterhält natürlich auch diese Geschichte zuverlässig, Pointen und Timing sitzen wie immer. Das Personal erinnert optisch wie charakterlich schwer an die Protagonisten von "Dschinn Dschinn" - trotzdem schließt man sie wieder alle miteinander in kürzester Zeit ins Herz. Ein bisschen nervtötend ist allein die einzige schwule Hauptfigur, so dass man durchaus darüber sinnieren könnte, ob eine reine Hetero-Geschichte nicht besser gewesen wäre... König ist und bleibt ein brillianter Menschenbeobachter, dessen Liebe zu seinen Geschöpfen einem auch hier wieder auf jeder Seite entgegenspringt und die auch mal über eine Handlung hinwegträgt, die nicht ganz so viel hergibt.
Nicht der ganz große Wurf also, aber auf alle Fälle lesenswert, auch diesmal.


Footsteps 2
Footsteps 2
Preis: EUR 8,97

24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Manchmal hasst man das, was man doch liebt, 26. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Footsteps 2 (Audio CD)
Ich war lange Fan von Chris de Burgh, habe viele Schmähungen seines Werks und seiner Person erduldet und ihm viele künstlerische Entgleisungen verziehen oder zumindest darüber hinweggesehen.
Jetzt kann ich nicht mehr.

"Footsteps" die Erste war schon eine fette Kröte, die ich kaum runterwürgen konnte. Aber gut, einmal kann man sowas aushalten.
Nun also der zweite Teil.

Ich muss sagen, dass ich CdeB nie speziell wegen seiner Stimme gemocht habe. Es waren seine Songs, die mich immer wieder gepackt und aufs Neue fasziniert haben - und ich werde auch in Zukunft nicht davon abzubringen sein, dass er als Songwriter weithin unterschätzt ist. Wenn er nun aber die Songs anderer Künstler interpretiert, entfällt für mich so ziemlich der einzige Grund, ihm zuzuhören.

Reden wir nicht drumherum: er macht sich nicht gut als reiner Interpret. Ohne Not setzt er sich so dem Vergleich mit anderen Künstlern, anderen Stimmen aus - und so leid es mir tut das sagen zu müssen, gegenüber den Originalen schmiert er fast immer ab. Er ist eben kein Roy Orbison, kein Elvis Presley, kein Paul McCartney, keine Agnetha Fältskog. Für viele Fans bedeutet das wohl: Chris macht was Eigenes draus; für mich heißt es: de Burgh ist gescheitert.

Bereits von Teil 1 kennen wir ja den Karaoke-Effekt. Der wird hier zwar durch vereinzelte Versuche ("SOS", "In The Ghetto"), sich etwas weiter vom Original zu entfernen, aufgebrochen (wobei sich die Experimente auch nur auf etwas andere Sounds und Klangfarben beschränken - radikale Neuinterpretationen wird man hier nicht finden), was andererseits aber durch noch akribischere Kopien der Originale wieder ausgeglichen wird ("Let It Be", "Lady Madonna"). In der DDR kannte man sowas als "Nachproduktion", aber da erfüllte es den offensichtlichen Zweck, die Originale zu ersetzen, die teure Lizenzgebühren gekostet hätten, und der Job wurde von anonymen Studioensembles besorgt. Ich verstehe weder als Musikkonsument, dem alle Originalversionen problemlos zugänglich sind, noch als CdeB-Fan, wer sich sowas anhören sollte, und vor allem warum.

Die Produktion von Chris Porter, die irgendwann in grauer Vorzeit wirklich mal erfrischend war ("Quiet Revolution" fegte 1999 ein für CdeB künstlerisch weitgehend düsteres Jahrzehnt mit viel Schwung beiseite), geht sich inzwischen vor lauter Routine selbst auf den Geist. Und immer wieder diese grauenhaft geschmacklosen Synthie-Sounds, die in der Profiliga einfach nicht vorkommen dürften. Damit machen noch nicht mal die drei eigenen Songs Spaß, die CdeB mit auf das Album gepackt hat - aus kommerziellen Erwägungen, nehme ich an, denn ihm wird klar sein, dass nicht alle Fans in seine "Footsteps" treten wollen.

Chris und seinen hartgesottensten Anhängern wünsche ich viel Spaß mit "Footsteps 2" und den zweifellos auf uns zukommenden Special Editions, Bonustracks und DVDs, und viel Vergnügen dann auch bei Carmen Nebel und Florian Silbereisen.
Für mich wird "Footsteps 2" das erste Album sein, auf das ich verzichte.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 31, 2012 5:55 PM MEST


Silvestertuntenball: Band 3
Silvestertuntenball: Band 3
von Ralf König
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Da hat aber einer einen Witz erzählt..., 16. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Silvestertuntenball: Band 3 (Taschenbuch)
"Silvestertuntenball" versammelt frühe "Schwulcomix" von Ralf König, allesamt aus dem Zeitraum 1982-85. Für den eingefleischten König-Fan ein etwas zweischneidiges Vergnügen, da hier das komische Talent, das unvergleichliche Gespür für Timing und auch der Zeichenstil Königs noch deutlich spürbar in den Anfängen stecken. Gerade deswegen aber auch ein interessantes Dokument über die Anfänge des Meisters, das mit "Banane Anal" immerhin bereits einen veritablen Klassiker enthält. Daher keine unbedingte Kaufempehlung für Novizen, die mit einer von Königs späteren Großtaten sicher erstmal besser bedient sind. Fans aber werden natürlich ihre Freude an diesem Band haben, und sei es auch nur wegen des "Wie alles begann"-Effekts.


Ausgeträumt
Ausgeträumt
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Minne sang, 6. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ausgeträumt (Audio CD)
Die Meldung war der Knaller: Minne Graw, die seit langem bühnenabstinente Stimme von Ougenweide, veröffentlicht alte Solo-Aufnahmen!
Nun, es mag paradox klingen, aber meine nicht vorhandenen Erwartungen an "Ausgeträumt" sind voll erfüllt worden. Und ich denke, das ist der beste Weg, sich diesem Album zu nähern.

Die ersten vier Songs sind, bei durchaus unterschiedlicher Klangfarbe, thematisch eng miteinander verwandt, handeln sie doch alle von Launen und Stimmungen, persönlichen Reflexionen, Sehnsüchten und Erlebnissen - letztlich eine Fortsetzung dessen, was auf dem vorletzten Ougenweide-Album "Ja-Markt" mit dem Graw-Song "Laune" begonnen hatte. So einnehmend diese Lieder musikalisch sein mögen - "Träume leben" etwa ist eine rührend einfache und doch wunderschöne Komposition, die leider ein bisschen unter einem seltsam kraftlosen Arrangement leidet und deren Refrain nicht so recht zu den betörenden Strophen passen will -: letztlich handelt es sich um Tagebuchvertonungen, irgendwo zwischen harm- und belanglos, zwischen anspruchsvoll und unbeholfen, wobei der sinnierende Titelsong allemal nähergeht als der "und-dann"-mäßig dahinplätschernde Opener "Langeweile".
Als Spaßnummer, an der sich naturgemäß die Geister scheiden werden, ist ganz offensichtlich "Urlaub" gedacht, das im Grunde den hektischen Kabarett-Pop vorwegnimmt, den die frühen Rosenstolz erst einige Jahre später (freilich in einer aufgesexten Variante) erfinden sollten.

Am interessantesten stellen sich beim wiederholten Hören die Lieder heraus, die nicht sofort ins Ohr gehen, und das sind die letzten drei Songs: das enigmatische "Angst davor", die (wieder in einem leicht rosenstolzigen Ton verfasste) One-Night-Stand-Impression "Ausgespuckt" und als Ausklang die einfach nur schöne Nachteulen-Hymne "Die Nacht". Alle drei Songs lassen die erste Hälfte des Albums erst recht nach Tagebuch-Poesie klingen, und in dieser Richtung, ahnt man, hätte es durchaus etwas werden können mit einer Solokarriere für Minne Graw. Nun denn, es hat nicht sollen sein.

Die von den alten Ougenweide-Gefährten Frank und Stefan Wulff besorgte Produktion ist zeitlos im Sinne von aus der Zeit gefallen - zeitgemäß klang das vor 25 Jahren ebensowenig wie heute, und selbst wenn Minne damals ein Label gefunden hätte, wären diese Aufnahmen sicher nie in dieser Form veröffentlicht worden.
Im Grunde handelt es sich durchweg um - freilich durchproduzierte - Demoversionen (ich denke, als solche waren sie damals auch gedacht), und wenn für diese Veröffentlichung nur die beiden letzten Songs so attribuiert wurden, so dürfte dies wohl vor allem an deren Tonqualität liegen, die im Vergleich zum Rest doch deutlich abfällt.

Im Booklet schreibt Minne selbst ein paar sympathische, persönliche Worte zur Entstehung des Albums. Schade, dass die Songtexte nicht abgedruckt wurden. Dafür gibt es ein aktuelles Foto von immerhin der Hälfte der klassischen Ougenweide-Besetzung... Die CD kommt im Digipak, dessen Aufmachung alles in allem gelungen und besser ist, als es das seltsam billig wirkende Covermotiv vermuten lassen würde.

Auch wenn das Album alles in allem einen eher durchwachsenen Eindruck hinterlässt - Minne Graw gilt herzlichster Dank dafür, uns diese doch sehr persönlichen Aufnahmen zugänglich gemacht zu haben, und das nach so langer Zeit.
Interessieren dürfte das Ganze wohl nur passionierte Ougenweide-Fans. Für diese aber ist die kleine Song-Kollektion ein absolutes Muss.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8