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Rezensionen verfasst von
T. Wind "DARKEN TOM" (Zwischen-Welt)
(REAL NAME)   

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Aquarius
Aquarius
Preis: EUR 20,98

18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ruhe und Kraft in inniger Umarmung ..., 15. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Aquarius (Audio CD)
An einem ruhigen, sonnigen Tag zeigt Dir das Meer seine ganze, besondere Schönheit.
Die fein gebrochenen Lichtstrahlen unter der Oberfläche
- die unendlich scheinende Weite - das Spiel von Wind und Wellen.

Tief empfundene Ruhe und Geborgenheit - sich treiben und die Seele baumeln lassen
THE DEEP BLUE ... und wie bringt uns das jetzt zu HAKEN?

WISSENSWERTES
Stil
Progressive Rock

Tendenzen
mit Stilelementen aus Metal / Jazz / AOR

Anspiel-Tipps
Celestial elexir, Streams, Eternal rain

Die Band
Ross Jennings - Gesang
Richard Henshall - Gitarre, Keyboards
Charles Griffiths - Gitarre
Diego Tejeida - Keyboards
Thomas MacLean - Bass
Raymond Hearne - Drums

Gäste
Marged Hall - Harfe
Dave Ruff - Flöte
Pablo Inda Garcia - Klarinette
Darren Moore - Trompete
Alex Bowell - Trompete
Jon Roskilly - Posaune
Craig Beattie - Posaune

Die Band gründete sich im Jahr 2007 in London und nun steht also, nach einem ersten Demo,das Debut "Aquarius" in den Läden.
Unter der Oberfläche sollte man auch hier sich bewegen, dem Album Zeit lassen, so könnten sich womöglich ähnliche Empfindungen einstellen, als oben beschrieben. Sind einem beim Antesten die vielen Stilelemente möglicherweise noch im Weg, so zeigt sich recht schnell, welch schöner Bogen hier gespannt wird. Grundsätzlich entspannt ausgerichtet, jedoch mit allerlei treibendem Rock versehen,ist dieses Album ein moderner Spielball der musikalischen Elemente geworden.

Ob DREAM THEATER (die ruhigeren, elegischen Gitarrenharmonien oder auch der ruhige Gesang), MAGELLAN (in den langgezogenen Silben der Wörter und den Chor-ähnlichen Gesängen), SAGA (die progressiven Mittelteile mancher Songs, so als ob Saga abrockt), etwas IQ (in den Keyboard-Sounds), leichte SPOCK'S BEARD Schule (wenn Sie zu frickeln beginnen) usw.

Die Musik ist ausgesprochen farbig, wie ihr an den teilnehmenden Musikern und Gästen schon ablesen könnt - oft kann man eine leichte Form von Melancholie fühlen.
Das Klangbild ist sehr dicht, bestimmt von Abwechslung und Überraschung.
Du findest mitten in einem ProgEpos plötzliche Jazz-artige Abfahrten, Metalschübe inklusive Growls, lyrisch-poetische Momente, Zirkus- oder Kirmes Atmosphäre und vieles mehr.

Die Kirchenorgel in Verbindung mit tiefem, grollenden Gesang, bevor wieder sanfte Gitarren und weite Keyboard-Sounds übernehmen, in dem Song "Streams" ist einfach klasse.
Dies alles wird von elegischen Gitarren, weiten Keyboards, einem warmen Bass und absolut akzentuierten Drums zusammengehalten. Der sehr gefühlvolle Gesang geht in Ordnung, könnte allerdings in Zukunft gerne noch voluminöser, sicherer und kraftvoller sein.

Trotzdem ist dies hier eine kleine Wundertüte des epischen Prog, bzw, der modern interpretierten ausufernden Rockmusik.

Und so nimmt mich diese Band gerne mit, auf einen konzeptionellen Trip rund um "AQUARIUS",
der im über 16-Minuten dauernden Abschluss-Epos "Celestial Elixir" dann folgerichtig auch seinen Höhepunkt findet - mitsamt einer phantastischen Göttermelodie beim Refrain - zum Zungeschnalzen.
Hier werden noch einmal sämtliche Trademarks der Band offenbar - die Epik, die Theatralik - aber auch wunderschöne Melodiebögen in Gesang und Instrumentierung - RUHE und KRAFT vereint.

Abschließend scheint noch wichtig zu Erwähnen, dass durch die verschiedensten Stile und die ausufernden Komposition sich nicht so schnell eine Ermüdung bei den Songs einstellt.
Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass die Meerjungfrau im CD-Schacht rotiert ...

FAZIT
Aus VIELEM etwas EIGENES machen -
das gelingt der Band aufs zweite Ohr ganz hervorragend

Sollte der Sänger sich beim nächsten Album noch einmal steigern können,
erwartet uns todsicher ein SOON-TO-BE-CLASSIC

Solange schaut bitte unter die Oberfläche von AQUARIUS
FÜR AUFGESCHLOSSENE ROCK/PROG HÖRER

DARKEN TOM from darkenstorm.com
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 8, 2011 1:04 PM MEST


We're Here Because We're Here
We're Here Because We're Here
Preis: EUR 17,98

20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Above the clouds ..." - oder das innere Strahlen, 15. September 2010
Rezension bezieht sich auf: We're Here Because We're Here (Audio CD)
Werke, die in ihrer Gesamtheit erst in vollem Glanze strahlen, wo nicht die Hit-Singles gezählt werden müssen, sind selten geworden.

"Bring the music back into the song ..." nannten es die HOOTERS vor Jahren.
Es ist soweit - ausgerechnet (oder gerade) aus England kommen die Propheten.

Ohren-Schmeichler, Seelen-Wärmer, Licht-Bringer - All das und noch viel mehr ...
Lasst uns inne halten und gebührend achten - eine Scheibe mit Alleinstellungsmerkmalen ...

Und verzeiht mir meine überdehnte Wortwahl im Text - aber IHR kennt MICH ...

WISSENSWERTES
Stil
Melancholischer Rock

Tendenzen
Indie - Alternative - Progressiv

Anspiel-Tipps
Alles

Die Band
Vincent Cavanagh - Vocals, Gitarre
Daniel Cavanagh - Lead Gitarre
Les Smith - Keyboards
Jamie Cavanagh - Bass
John Douglas - Drums
Lee Douglas - Vocals

EINDRUCK
Die Leichtigkeit des Seins - die Schönheit von Musik - die edle Gesinnung und Macht von Tönen.
Was immer man auch auf die neue ANATHEMA anwenden möchte - es passt.
Ich habe in den letzten Monaten kaum eine CD gehört, auf die diese Attribute so exakt zutreffen.

Fern jeder Form von Platt- und Stumpfheit, erhebt sich hier ein labender Quell aus der Wüste, eine tröstende Oase der inneren Ruhe und Stabilität. Ich bin zu pathetisch, zu kitschig meint ihr - nun, die die verstehen, werden einen Gleichgesinnten in mir finden.

Gemischt von STEVEN WILSON (Porcupine Tree), und natürlich phantastisch produziert (von den Cavanagh Brüdern), was den vielschichtigen Sound der britischen Band in seiner ganzen Größe erkennen lässt, öffnet sich vor uns ein wahre Flut von Emotionen.

Der ehemals vorherrschende Grundtenor der Band war die Depression, doch nun haben wir eine leichte Melancholie - ja, natürlich, aber auch so viel Hoffnung und Licht.

Ein tröstender Schrein in unheilverkündender Dunkelheit, eine Insel des glückseligen Friedens im steten Strom der an dir vorüberziehenden Anspruchs-Zombies - der tiefe Punkt in Dir selbst, an der die grausame Welt Dich nicht mehr zu erreichen vermag ...

Und wenn im dritten Song "Dreaming light" nach 3 Minuten, die beschworene Sonne aufgeht, hervorgerufen durch eine einzigartige Gitarrenharmonie und orchestrale Unterstützung, dann hast Du das Cover vor sturmgepeitschem, tränennassem Auge, erkennst die wahre Natur dieser Scheibe, wie sie wohltuender in unserer hektischen Zeit kaum sein kann.

" ... Everything is energy, and energy is you and me ... "

Die Band, die hier ihr 20-jähriges Jubiläum begeht, und uns mit diesem Album 7 Jahre lang hat warten lassen, entzieht sich nun vollständig einer gerechten Kategorisierung.

Warm, episch, getragen, balladesk, voller Anmut und Schönheit, auch mal geradeaus rockend, emotionale Erhabenheit, instrumentale Schönheit - es werden so viele Fäden zu einem einzigartigen Ganzen verwoben - welche elegante Pracht, welche unwahrscheinliche OPULENZ.

Wir haben weibliche Gesangsbegleitung (die wundervolle LEE DOUGLAS), Streicherunterstützung, ein phantastisches Spoken Word Intro eines Gasterzählers bei "Presence"
- Songs hier hervorzuheben, gleicht beinahe einem Frevel, so sehr steht diese Scheibe als Ganzes da
- trägt Dich, fängt Dich, berührt Dich.

"Above the clouds, we flew to heaven - through the eye of the storm, into the light ... "

FAZIT
Grosse Kunst - starke Gefühle - überschwängliche Pracht
Leichte Melancholie - leichte Progressivität - gaaaanz starke Atmosphäre
Manchmal verträumt, manchmal fast sphärisch - immer hoch emotional

EINE ABSOLUTE AUSNAHMEBAND

DARKEN TOM from darkenstorm.com
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 9, 2012 11:18 PM MEST


Ylem
Ylem
Wird angeboten von Amazing Musicshop
Preis: EUR 13,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schattenbrut für Kenner ..., 15. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Ylem (Audio CD)
Einmal mehr möchte ich Euch bitten auf den dunklen Pfaden der Nacht mit mir zu wandeln, möchte Euch verführen - hinabzusteigen zu den Gestaden des schwarzen LICHTS.

Unbequem und fordernd, mag der Weg Euch zwar erscheinen, doch hält er für den durchhaltenden Geist nicht nur erstrebenswertes Ziel vor Augen.

Nein, eines dieser nicht alltäglichen musikalischen Erlebnisse erwartet Euch, auf das die helle Welt hiernach nicht mehr das sein kann, was sie schien ... WER HAT MUT ...

WISSENSWERTES
Stil
Black Metal

Tendenzen
Monumental, Avantgardistisch

Anspiel-Tipps
Osiris, Satan bled, Nemesis

Die Band
Morean - Vocals
V. Santura - Gitarre
Asvargr - Gitarre
Draug - Bass
Seraph - Drums
Paymon - Keyboards

EINDRUCK
Eher bösartig-bedrohlich im Midtempo, als rasend-aggressiv - das ist der angesetzte KOMPLEXE Black Metal der Band aus Landshut, die jetzt auch schon seit 1994 ihr Unwesen treibt und hier bereits ihr 6. Album zementiert.

Zunächst doch recht naiv, oder unglücklich agierend, löst man sich zuerst von der NSBM (Black Metal mit neonazistischem Hintergrund) - dem man ungeschuldet zugeordnet worden war, um immer stärker einen eigenen Kosmos der Dunkel-Musik zu entdecken. Frei dem Motto "... sich bloß nicht limitieren oder gar reglementieren lassen ...", wanderte man fortan auf eigen entdeckten dunklen Pfaden 'gen musikalischem Düster-Horizont.

So kommt es zum Zusammenschluss der verwandten Geister.
Zuerst als CELTIC FROST Tour-Gitarrist dabei, ist Mastermind V. SANTURA nun auch Mitkomponist und Gitarrist der Band TRIPTYKON, rund um den Godfather der Düsternis TOM G. WARRIOR.

Innovatives Denken fordernd, ist es zwangsläufig keine "genormte" Musik, welche DARK FORTRESS erschaffen.

Beginnt das Album noch mit Raserei, wird schon im Eröffnungs- und Titelstück plötzlich Gas zurückgenommen, bedrohliche Atmosphäre aufgebaut und genauso Thrash-, Doom- und Power-Versatzstücke eingeflochten.
Wenn dann "As the world keels over" ertönt, angereichert mit breiten Synthie-Teppichen, geflüsterter Stimme, akustischen Passagen, ahnt man bereits etwas von der kommenden Größe des Albums.

Ein dunkles Manifest als Monument, so erscheint einem der schwere Happen, welcher hier vorgesetzt wird. Feine Lead-Gitarren-Harmonien umschweben den Hörer, aktzentuierendes Schlagzeug, eine variable Stimme, welche nicht nur keift oder flüstert, sondern auch mal Thrash-mässig shoutet.
"Osiris" ist kunstvoll, eingängig und treibend - ein ferner Keyboardfarbtupfer schafft Zugänglichkeit, die durch die ruhigen Passagen noch unterstrichen wird - ein düsterer Ohrwurm.
Die Gitarren formen manch frostig-kalte Melodienfolge dazu - ein Meisterwerk von einem Düster-Song.

Das Album selbst hat mit der Urknall-Theorie von GEORGE GAMOW zu tun, "Ylem" bezeichnet den Urschlamm oder die Urmaterie.

Mit "Silence" wird einer der wenigen Knüppel Songs ausgepackt, und doch wirkt hier alles kontrolliert, hat den berühmten roten Faden, ist facettenreich und doch zugleich stets nachvollziehbar.

Für dieses Album brauchst Du Zeit. Zum einen ist es über 70 min. lang, aber auch sonst will der gebotene Klangkosmos ruhig erkundet werden. Er vermag Dich in eine melancholische Düsterwelt zu treiben, einen Kosmos der hypnotisch wirkt, der bedrohlich und zugleich behütend wirkt.
Dies ist der doomig angehauchten, monumentalen Musik geschuldet.

"Evenfall" hat diesen eingängigen (melodisch gesungenen!) Chorus, komplexe Struktur, vor sich hin rollender Rhythmus, immer wieder kehrende Gitarrenleads.
"Redivider" zeigt eine andere Stärke der Band: SERAPH ist ein Genre-untypischer Drummer, der immer wieder komplexes Drumming einflicht, so die Songs sehr abwechslungsreich gestaltet.
"Satan bled" ist ein angetrashter Refrain Song, der mächtig bangkompatibel ist, einfacher daherkommt und nach alten Helden klingt.

So wechselt das Album zwischen grimmigen Momenten und fast schon schwebenden atmosphärischen Abschnitten hin und her, wirkt manchmal ausufernd, dann wieder straff gespannt. Die Drums und die Gitarren sind abwechslungsreich, der Gesang stimmungsvoll der jeweiligen "Situation" angepasst - eine extrem reife Leistung.

Mit "The valley" wird am Ende noch eine dahinsiechende Walze vorgestellt.
Über 8 Minuten andauernde Funeral-Stimmung.

Der Gesang von MOREAN erscheint neben den harschen, keifenden Momenten oft sehr dunkel und tief, schafft mühelos die nötige Tiefe für diese Kompositionen der Nacht.
Interessant auch der Gegensatz zur eigentlichen Abschlussnummer "Wraith", wo ein Freund der Band namens MORTAL den Gesangspart übernimmt und wirklich klar und melodisch singt.
Eher im Gothic Stil, mit Streichern unterlegt und feinen akustischen Spielereien.

Die Ltd. Edt. weist noch einen Bonus Song auf "Sycamore trees", welcher aus der TWIN PEAKS Reihe stammt und sehr spacig wirkt.

FAZIT
Eine geheimnisvolle Erzählung - ein intelligentes Statement
nicht einfach, aber dadurch auch langlebig - für KENNER

Dunkelheit mit Feeling - Atmosphäre mit unheilvoller Bedrohung
einer düsteren Ahnung gleich, welche lauern am Rande des Gesichtsfeld ausharrt,
von der Du aber weisst, dass sie jederzeit bereit ist - SCHATTENBRUT


Sound Awake
Sound Awake
Preis: EUR 17,51

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Rausch von Sounds und Klangfarben ..., 15. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Sound Awake (Audio CD)
WISSENSWERTES

Stil
Alternative / Progressive

Tendenzen
Tool light, NewArtRock - stimmlich

Anspiel-Tipps
Goliath, New day, All I know, Deadman, Umbra, Illumine

Die Band
Ian Kenny - Vocals
Drew Goddard - Guitars
Mark Hosking - Guitars
Jon Stockman - Bass
Steve Judd - Drums

EINDRUCK
Wenn Du die Chicks kriegen willst, gründest Du an der High School am besten eine Band.
Selbst Down Under ist diese ultimative Lebensweisheit wohl schon lange bekannt und so versuchten 1997 in Perth ein paar Jüngelchen der Wahrheit auf die Schliche zu kommen.
Zunächst versuchten Sie sich an Coversongs von NIRVANA, doch mit Plattheiten gaben sich die Jungs nicht lange ab, gehaltvolle Musik stand auf dem Masterplan, was wohl unweigerlich die meisten langbeinigen Kätzchen in die Flucht schlug (doch die, die bleiben, sind die wirklich interessanten ...).

Zwar erschien 1999 die erste EP, schlicht "Karnivool" betitelt, doch dann dauerte es bis zum Jahre 2005, bis das erste Album "Themata" in die australische Rocklandschaft geboren wurde.
Man offenbarte eine stilistische Nähe zu Alternative Bands - TOOL waren der wichtigste Vergleich.

Das Album schlug Wellen und wurde 2007 als internationale Edition neu aufgelegt.
Mundpropaganda, erste Erfolge, Anerkennung; "...für ein Debut erstaunlich reif..." - dies waren die Statements der musikalischen Postillen.

Schnell machte man sich auf einen würdigen Nachfolger zu komponieren.
Herausgekommen ist mit "Sound Awake" kein würdiger Nachfolger, sondern ein eigenes kleines Universum, welches sich zwar immer noch hörbar an Tool orientiert, jedoch stilistisch recht offen daherkommt, Progressive Rock-Töne der Marke MARILLION oder PORCUPINE TREE genauso mit einbaut, wie atmosphärische Sounds, welche fast schon Ambient'sche Entspanntheit in sich tragen - somit dem Debut klar überlegen.

Der Start mit "Simple boy" zeigt den Weg, zunächst ein paar in die Irre führende Töne (Glockenspiel ?), bevor ein mächtiger Bass durch die Boxen fährt.
Eine Stimme, die etwas zerbrechlich, aber hochmelodisch klingt, lange Töne hält, das perfekte Gegengewicht zu den vertrackten Rhythmen.
Dann der Break, das Glockenspiel beginnt von neuem, ein Instrumentalteil schließt an, mit wuchtigem Schlagwerk und sphärischen Keyboardsounds, dann wieder diese, über der Komposition schwebende Stimme. Das Prädikat "TOOL LIGHT", welches man der Band gerne anhängt greift zwar und doch wieder nicht. Ausladend ist es ja, aber auch nicht so verstörend.

Die Songs bergen zwar jede Menge Vertracktheit, hypnotische Songstrukturen, ausufernde Rhythmen, aufgebaut auf einem wuchtigen Bass-Spiel.
Und doch ist gerade die Stimme luftiger, freier, schwebender - die Songs etwas leichter zugänglich als bei Tool. Dazu gesellen sich gerne immer wieder mal verbindende Alternative Sounds.

"Goliath" steht voller vertrackter Größe am Rande des Bewusstseins, bereits hier bist Du gefangen in der Welt von KARNIVOOL.
Wieder dieses unverschämt wuchtige Bass-Spiel, die treibende Rhythmik, aber auch der, den Song öffnende Refrain. Die Gitarren sind eher formendes Element, denn dominantes Rückrad, nehmen sich immer mal wieder zurück, um die von Bass und Drums geformten rhythmischen Leckereien geschickt zur Geltung zu bringen. Dort ein feiner Chorgesang, da etwas RAGE AGAINST THE MASCHINE Riffs (achtet mal auf das Ende). Ein wahrhaft komplexer Koloss.

"New Day" beginnt sehr ruhig, fast eine Ballade, mit einer Eingängigkeit, welche bisher noch nicht zu vernehmen war.
Leichter konsumierbar, als die ersten beiden Tracks. Doch gegen Ende wird noch mal die Keule ausgepackt, sehr wuchtiges Gitarren-Riffing, angezogenes Tempo, mehr Härte. Dann jedoch die Rückführung in die Eingängigkeit - den sehr gut gelungenen Refrain - eine Ode an Erneuerung.
So beginnt der Song seine immer wiederkehrende dynamische Reise über mehr als 8 Minuten.

Überhaupt ist dieses Album sehr dynamisch angelegt.
Laut-Leise, Wucht und Reduziertheit, Rhythmik und Groove, harsche Riffs gegen alternative Sounds - ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten, aus dem hier geschöpft wird.

"Set fire to the hive" ist die vorab ausgekoppelte Single, ein schnelleres, energiegeladenes Stück.
Eher treibend, denn vertrackt - mehr Schweiß, denn Kopfkino.

Doch dann wechseln KARNIVOOL erneut das Genre, "Umbra" ertönt.
Ein paar Riffs voller Stärke, bevor der Song ganz ruhig und balladesk wird, wieder mit sehr zerbrechlicher, fragiler Stimme vorgetragen. Im Hintergrund werden feine Gitarrenfiguren, fast schon subtil-unterschwellig unterbaut - shärisch. Die Intensität des Stückes wird immer wieder variiert, wie dies überhaupt wohl DAS Stilmittel der Scheibe ist - sich immer wieder in Variationen von Dynamik und Intensität zu suhlen.

Mächtig spannend - mächtig abwechslungsreich, und doch zu Beginn auch enorm fordernd.
Durchgängigkeit eines Songs wirst Du hier nicht finden, ausgetretene Pfade werden nicht bewandert, neue Wege ist das Ziel. Doch was sich zuerst als schwer zugänglich und anstrengend erweist, wird definitiv nach mehrmaligem Anhören die grosse Stärke dieser Scheibe.

Mit "All I know" wird es sogar leicht funkig (nicht erschrecken - es bleibt rudimentär), bevor ein göttlicher Refrain sich aufbaut - der Ohrwurm des Albums. Kleinere elektronische Spielereien runden einen der besten Alternative Songs der letzten Jahre weiter auf.
Absolut akzentuiertes Drumming, etwas zurückgenommener Bass, sehr emotionaler Gesang (Vergleiche zu NewArtRock Bands der Marke Sylvan/Muse dürfen gezogen werden).

"The medicine wears off" ist nur ein rein 2 minütiges Zwischensoiel bevor es mit "The caudal lure" weitergeht. Sehr vertrackt, eine Spielwiese der rhythmischen Möglichkeiten, samt progressiven Strukturen, wechselnden Stimmungen und Färbungen, elektronischen Spielereien.

"Illumine" zieht an, mächtiger Bass, drückende Riffs, Tempi- und Rhythmikwechsel zuhauf, voller Sound wird gebremst durch abruptes reduzieren auf Stimme. Ein Song der fast hymnenhaft wirkt, doch immer diese enorme Dynamik mitbringt, die die Band schlafwandlerisch einsetzt.

Dann folgen die Longtracks.
Den Anfang macht "Deadman", auch wieder ein sich steigernder, diesmal jedoch zunächst leichter zugänglich.
Dann nach 4 Minuten ein ganz feiner Instrumental-Teil mit grandiosem Gitarrenspiel - fließend und unaufgeregt und durch diese Einfachheit so phänomenal gut.
Bass und Drums schwurbeln um diese Töne herum, dass es eine wahre Freude ist.
Dann die Konzentration auf die Stimme, balladesk und ruhig - Luftholen für das Folgende.
Der Song wird fordernder, treibender, steigert sich weiter, mit abgehackten Riffs, schwirrender Back-Gitarre, Tribal-artigem Drumming, nur um 2 Minuten zu früh auszuklingen - nach wenigen Sekunden Ruhe folgt ein ganz ruhiger Ausklang mit Glockenspiel und zerbrechlicher Stimme
und ganz am Ende ein paar MARILLION Gedächtnisakkorde - große, moderne progressive Kunst.

Dann "Change", ausgestattet mit Percussion und Didgeridoo, entwickelt sich ein enorm spannender Song.
Noch einmal wird die gesamte Bandbreite der Band offensichtlich - die hohe Intensität, die abwechslungsreiche Dynamik, die reine Spielfreude. Auch hier wieder in der Stimme die Nähe zu Bands der Marke MUSE/SYLVAN.

Ein Rausch von Sounds und Klangfarben, eine ERFAHRUNG ... und hab ich eigentlich schon den Bass erwähnt?

FAZIT
An Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit nur schwer zu übertreffen
Getragen von Komplexität - Dynamik und Atmosphäre

Kein Kopfkonstrukt - eher natürlicher, organisch gewachsener Koloss
Die momentan wohl beste Verschmelzung von Alternativer und Progressiver Musik

Ein Album in welches man eintauchen und sich verlieren kann
Unterm Kopfhörer entfalten sich die Soundlandschaften natürlich am besten

DARKEN TOM from darkenstorm.com
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 29, 2012 12:18 PM MEST


By a Thread
By a Thread
Preis: EUR 19,58

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alte Säcke im emotionalen Blues-Feeling ..., 15. September 2010
Rezension bezieht sich auf: By a Thread (Audio CD)
WISSENSWERTES
Stil
Blues Rock

Tendenzen
mit Live/Jam Charakter

Anspiel-Tipps
Broke down the brazos, Gordon James,
Forevermore, Inside outside woman blues #3

Die Band
Warren Haynes Gesang, Gitarre
Jorgen Carlsson Bass
Danny Louis Keyboards
Matt Abts Drums

Gäste
Andy Hess (Bass bis 2008) Bass bei Song 10 + 11
Billy Gibbons (ZZ Top) Gitarre bei Song 1
Gordie Johnson (ehemals Big Sugar) Gesang bei Song 10

EINDRUCK
Knarzende Gitarren, punktgenaues Drumming, ein Groove - als ob eine alte Dampflok durch die verlassene, staubige Prärie fährt. Dazu die Stimme von WARREN HAYNES - angeraut, aber melodisch und doch mit diesem eigenen Timbre.

"Broke down on the brazos" schleppt sich durch die Boxen, mit dabei das ZZ TOP Urgestein BILLY GIBBONS an der BADASS GUITAR. Die Mittel-Sequenz des Songs, bei der sich die Beiden duellieren - und zwar in feinster Blues Rock Manier - Warren auf der linken Box und Billy (in feinster Old-School - ZZ Top-Manier) auf der rechten,
ist sowas von feiner Musik (für Blues-Fetischisten) - knarrend, unkommerziell, sperrig - genial.

Als sich 1994 die beiden Ex-ALLMAN BROTHERS BAND Recken WARREN HAYNES und ALLEN WOODY (leider im Jahre 2000 verstorben) zusammentaten, um GOV'T MULE (eigentlich Government Mule) zu gründen, waren schnell die Weichen zum amtlichen unkommerziellen Blues Rock gestellt.
Hier sollen die Songs erarbeitet werden, allerdings nur um dann immer neue Facetten zu zeigen.
Die Alben der Band entwickeln meist nach mehrmaliger Einfuhr eine Art von Suchpotenzial, da sich die Songs durch ihre Art nicht so schnell abnutzen.

So war der direkte Vorgänger "High & Mighty" aus dem Jahre 2006 auch ein wahrer Klassiker dieses Genres. 3 Jahre hat es wieder gedauert, um einen Nachfolger fertig zu stellen - die Band läßt sich eben Zeit, um die Songs reifen zu lassen - gut so.
Finanzieren tut man sich weitgehend selbst, da es die Band sehr schnell gelernt hat, sich das Internet zu Nutze zu machen. So kann man auf deren Webpage wenige Tage nach einem Konzert, eben dieses gegen ein geringes Entgeld downloaden, und das normalerweise in sehr guter Qualität.

Vorweg der Hinweis, das man sich diese Alben wirklich mehrmals anhören sollte, um ihnen die Entfaltungsmöglichkeit zu geben, die sie brauchen. Doch dann zeigt sich unweigerlich ihre Größe - so auch diesmal.

HAYNES hat wieder einmal die Produktion und den Mix übernommen, so dem Album den nötigen Punch verpasst, damit das knarrende Spiel der Band perfekt eingefangen werden konnte.

So kommen die Drums oft mit wenigen Schlägen aus, jedoch trotzdem interessant und voller kleiner Details, auch mal jazziger Art.
Der Bass knarrt, knurrt und knarzt, fährt einem in die Magengrube.
Die Keyboards sind eher Beiwerk, meist unterschwellig - bringen oft Wärme in die Songs, als Intro (wie bei "Gordon James") auch mal nach einer Kirchenorgel klingend. So sorgt die Gitarre dafür, dass das Album sehr Gitarren-orientiert wurde.

Eben dieser erwähnte Song "Gordon James" ist es dann auch, der zum ersten Mal Ruhe einkehren lässt, mit feinen Akzenten der Keyboards eine ganz eigene Atmosphäre verbreitet, und durch Einsatz von Slide Gitarre enorm melodisch daherkommt und manchmal gar an getragene Pink Floyd Songs denken lässt.

Aufjauchzende, heulende Gitarre dann bei der Nummer "Any open window".
Eine Verarbeitung eines Folk Traditionals bei "Railroad boy", hin zu einer entspannten Rocknummer.

Bei "Frozen fear" kommen dann Reggae Einflüsse ins Spiel, entspanntes Drumming, eine leichte Brise im Haar und die Gitarre klingt nach Eric Clapton und andere Szene Größen des entspannten Blues.

Überhaupt passen sich die Jungs immer wieder neu den jeweiligen Stilrichtungen der Songs an, entlocken ihren Instrumenten immer neue Stimmungen - unaufgesetzt, glaubhaft, authentisch.

Danach folgt mit "Forevermore" eine herrliche, ruhige, stimmungsvolle Ballade, erst in akustischem Gewand, später abrockend - feine Songwriter-Kunst."Can't you see, my whole world is nothing without you"

- Hingabe ist zu spüren, erst recht im Herz-Schmerz-Solo des Songs, im Hintergrund wabern die Hammond-Orgel Töne - ein ganz feiner Song.
Und die Schlußzeile -"I can feel the rain fall down - Like tears upon my shoulder but, I can't feel my love
- She's gone FOREVERMORE" lässt wohl mehr als eine Interpretation zu.

Doch dann kommt sofort ein weiteres (wenn nicht sogar DAS) Highlight des Albums - "Inside Outside Woman Blues #3".
Was möchte uns dieser Titel wohl sagen? Auf jeden Fall ist es ein Hard-Blueser der Extraklasse.
Wah-Wah Orgie im JIMI HENDRIX Stil, die Klampfe bluest sich durch den härteren Song, es ist herrlich. Ein Duell mit den Keyboards im Mittelteil, die Bälle werden nur so hin und her geworfen. Gegen Ende dann ein langer Gitarren-Part, der wie so oft auf diesem Album nach Live-Feeling und Jam-Session duftet. Denn genau das ist es, was auffällt - die Songs wirken allesamt, als ob sie LEBEN - sie atmen und sie schwitzen.

Die letzten beiden Songs sind noch mit ANDY HESS (ausgestiegen 2008) entstanden, dem ehemaligen Basser.
"Scenes from a troubled mind" ist verspielt, ein Grundriff (mit leichter DIRE STRAITS Tendenz), Keyboard-Sprenkseln, nur um nach 3 min Fahrt aufzunehmen.
Die Gitarre übernimmt einmal mehr das Zepter, soliert, um wieder in den Anfangsriff zurückzukehren.
So wechselt der Song hin und her, ist fast schon leicht progressiv zu nennen, niemals glatt, sondern ungebügelt und einfach musikalisch wertig.

"World Wake Up" der Ausstieg aus dem Album entpuppt sich dann als ruhige, entspannte Nummer, die einen harmonisch aus dem Erlebten hinausführt. Die Keys klingen fast nach einem alten Bar-Piano, Haynes singt sehr emotional:
"Logic fails - greed prevails - World wake up - communicate - it's not too late, today!"

Und doch ist es selbst hier noch der Anspruch der Band, dies mit der nötigen Tiefe zu tun, mit Würde und mit dem nötigen Ernst - eine große Scheibe.

FAZIT
Ein Album, welches sich langsam entfaltet - an Tiefe gewinnt
VIELSCHICHTIG - AUSGEREIFT - ÜBERRASCHEND

Musiker, die sich auch so nennen dürfen
BLUES ROCK vom FEINSTEN

DARKEN TOM from darkenstorm.com


Year of the Black Rainbow
Year of the Black Rainbow
Preis: EUR 21,04

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Ende einer Saga - ein Neubeginn ... ?, 8. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Year of the Black Rainbow (Audio CD)
Leichte Melancholie, angedeutete Düsternis - vor allem im Textkonzept.
Dazu ein musikalischer Fundus, welcher viele Bereiche streift, um daraus ein eigenes Universum zu kreieren.
Dies sind die Welten von COHEED & CAMBRIA.
Oftmals nicht ganz so leicht zugänglich - dafür mit gehörigem Wachstumspotenzial.
Falls Ihr Euch traut Musik zu entdecken, nicht nur zum schnellen Konsum, dann könntet Ihr hier möglicherweise genau richtig sein.

AUF GEHT'S ...

WISSENSWERTES
Stil
Progressive Rock/Metal

Tendenzen
Rock/Pop/Alternative

Anspiel-Tipps
Far, Made Out Of Nothing, Pearl Of The Stars

EINDRUCK
DAS UNIVERSUM IST UNENDLICH ...
... die Geschichte um COHEED, CAMBRIA und ihren Sohn CLAUDIO ist es nicht.

Es ist vollbracht, die 4-teilige Konzeptstory der oben genannten Protagonisten wird mit dem eigentlichen Prequel der Story, mit der fünften CD, zu Ende gebracht.
Der Weg war lang und voller Gefahren, den die 2001 in New York gegründete Band hinter sich brachte.
Die Geschichte um die "Amory Wars" Saga (es geht um nichts anderes als die Bedrohung des gesamten Kosmos - ui, aber auch), klingt zu verworren, als ob der NORMALO unter uns diese ohne fremde Hilfe begreifen könnte, weswegen wohl auch ein 350 Seiten dickes Comic im Umlauf ist, ein Buch, bzw, ein Film ist angedacht.

Also widmete man sich stets eher der Musik der Band, denn der Story.
Haufenweise RUSH, MAIDEN und PROG/ALTERNATIVE Einflüsse wurden auf den letzten Alben verbraten. Mal eher geradlinig angelegtes Rock-Opus, mal eher progressiv verschraubtes, einer Oper angelehntes Werk. Nun also das abschließende Kapitel (äh, im Konsens das beginnende - ihr versteht?) - wo erste Dunkelheit das Licht vertreibt.

Extrem ambitioniert und umfangreich - dies ist die Welt von COHEED & CAMBRIA.
Die Gefahr des Verirrens im eigenen Konzept - ja, sie war da und wurde manchmal nur knapp umgangen.
Auch auf der vorliegenden Scheibe ist nicht alles farbenfroher Regenbogen, so manche Passage klingt nach früheren Werken und doch ist die Scheibe bei genauerer Betrachtung wichtig und stark geworden.
Dafür sorgen eine Handvoll Songs, welche zu den besten gehören die die Band bisher produziert hat, auch wenn sie eher aus der eingängigen-melodischen Schiene kommen und weniger der härteren Progressiv-Metal/Rock Variante zuzuordnen ist, die die Band in der Vergangenheit aus der gesichtslosen Masse heraushob.

Das Intro "One" eröffnet knapp 2 Minuten lang das Album, Pianomelodie - Ambient-Sequenzen - leerer Raum.
"The Broken" wird nahtlos angehangen, eine pulsierende Rhythmus Nummer, punktgenaues Drumming, vielschichtige Gitarren-Harmonien, genauso an Alternative (Editors), als auch Progressive (Rush) erinernd.
CLAUDIO SANCHEZ agiert eindringlich und hypnotisch, wie immer unverwechselbar.
Sein Gesang gibt einem die nötigen Strukturen in den Songs. Oft hochmelodisch und eingängig, stets emotional gut abgehangen.

"Guns of summer" wirft elektronische Spielereien auf einen hektischen Rhythmus, grandios produzierte schwere Rhythmus-Gitarren, und einen eingängigen Refrain. Das Schlagwerk tackert vor sich hin, ultra komplex und variantenreich.

Ein Album zum Entdecken, oftmaliges Hören ist dringend empfohlen, um die Strukturen der Songs zu durchschauen, den Flow zu begreifen. Es wirkt kompakt, es ist verspielt, es atmet.
Die Produktion bringt die Gitarren glasklar ins Spoundbild ein, welches die Schwere der Rhythmen genauso phantastisch einfängt, wie die zahlreichen produktions-technischen Gimmicks.

"Far" wird dann zum epischen, elegischen, Industrial angehauchten, ruhigen Klangkosmos mit eingängigen Hooks.
"Made out of nothing (All that I am)" ist dann wohl das melodische Überlied der Scheibe.
Eine Refrain-Melodie, welche einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf möchte, subtile Melodie - feiner Spannungsbogen - immer weiter kulminierend dem Ende hin - mit feiner Chorlinie im Back - HERRLICH.

Dabei spielt sich jedoch alles weit jenseits des Mainstream ab, der neue Drummer CHRIS PENNIE (Dillinger Escape Plan) sorgt für reichlich wertige Rhythmus-Arbeit.
Die Melodien sind teilweise sehr GROSS geraten - ohne zu blenden, ohne zu pathetisch zu wirken, ohne zu ermüden.

"Pearl of the stars" ist so ein Beispiel.
Eine wahnsinnig emotionale Ballade, mit Akustik-Gitarre beginnende, stimmlich gehauchte Erhabenheit.
Im weiteren Verlauf werden atmosphärische Sounds, nur leicht unterstützende Drums und fast schon leicht symphonische Stimmungen eingeflochten.
Doch alles bleibt eher unauffällig, Akustik-Gitarre und ruhiger Gesang sind klar die beherrschenden Elemente. Unweigerlich verschwindet hier der Alltag - INTENSIV.

Diese Scheibe ist nicht leicht zugänglich - sie ist einerseits hoch melodisch, andererseits aber auch recht vertrackt. Trotzdem bietet sie dabei leichter zu erreichende Struktur - gibt subtile Hammer-Melodien mit auf den weiten Weg durchs All. Und so wirkt der gesamte Klangkosmos von COHEED & CAMBRIA nachhaltig - er wirkt nach und gibt mehr, als das er nimmt. Ruhige-melancholische Stücke, wechseln sich mit rhythmischen Par-Force Ritten ab - LANGZEITWIRKUNG garantiert.

FAZIT
Facettenreich - Vielschichtig - Ambitioniert
Rhythmisch mehr als interessant - Gitarren-technisch verzaubernd

Emotionaler, charismatischer Sänger, mal ruhig-hypnotisch, mal eher treibend-aggressiv,
welcher nicht technisch perfekt, nicht die beste Stimme hat
doch mehr als passend und unverwechselbar agiert

Musik mit Herz und Verstand - ein Album, welches wächst - VERSPROCHEN

DARKEN TOM from DARKENSTORM.COM


Audrey Horne (Ltd.Edition Incl.Bonus Tracks)
Audrey Horne (Ltd.Edition Incl.Bonus Tracks)
Preis: EUR 17,43

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zukunft des Hard Rock ?, 20. Juni 2010
Als sie in Norwegen 2005 den Grammy als bester Newcomer bekamen, dachten viele noch an eine Eintagsfliege, da die Musiker eigentlich hauptsächlich aus Black- (Gorgoroth, Enslaved) und Stoner- (Sahg) Bands kamen.

Doch über das phantastische "Le Fol" Album, und diverse Musikerwechsel später, haben wir nun das herausragende "Audrey Horne" Album vor uns. Über Konzerte, bei denen eines sofort klar wurde - Sie haben einen der momentan
besten Entertainer in ihren Reihen - TOSCHIE, erspielte man sich die Fanbase.
Die höchste Chart-Platzierung in Norwegen bisher - Platz 13 - spricht von ihrem Erfolg.

Nun denn ... LET'S GO ...

Stil
Hard Rock / Heavy Rock

Tendenzen
Classic Rock / Alternative / 70er

Anspiel-Tipps
Charon, Down like suicide, Blaze of ashes, Bridge and anchors, Pitch black morning

EINDRUCK
Der erste kurze Track dient lediglich als Intro - Einstimmung und Atmosphären-Bringer.
Zart und ruhig, beschwörende Stimme, dann der Einsatz wuchtiger Riffs, ein paar Hammond Orgel Klänge im Hintergrund wabernd ...

... "Charon" übernimmt - der Klang ist warm, der Song wird bestimmt von zweistimmig gespielten Läufen, effektivem Schlagwerk - präzise und mit Finesse.
Die erwähnten Einsätze der Hammond Orgelklänge im Background schaffen Atmosphäre.
Die Gitarren sind treibend, schnelle Anschläge, in einem ansonsten eher im Midtempo

angesiedelten Stück. Die Stimme wird leicht verzerrt, offenbart dann einen starken Refrain.
Später dann wuchtigere Riffs und Drums - weitere Orgelklänge - Refrain,

Tempoverschärfung im instrumentalen Ende des Songs, mit starken Gitarrenspuren.
AUDREY HORNE zeigen einmal mehr die Zukunft des HARD ROCK auf.

Doch ist die Musik stark aufgelockert, angereichert, aufgepäppelt.
Die vielfach eingesetzten Orgelklänge erinnern gar an die 70er, an Hoch-Zeiten von DEEP PURPLE und Konsorten. Die Gitarren sind sehr abwechslungsreich gehalten - die Rhythmusarbeit ist extrem erdig ausgefallen - nie überheblich, immer songdienlich, mit dieser schönen Schwere versehen.

Und die Stimme ist CHARISMA pur - passt sich den Songs an, die aber auch in die Karten spielen.
Sie geben nämlich schön Raum, damit TOSCHIE sich dort ausbreiten kann. Mit seiner warmen, manchmal leicht verzerrt eingesetzten Stimme, sorgt er für absoluten Wiedererkennungswert.
Geile Refrains haben die Songs allesamt. Wenn bei "Down like suicide" beispielsweise mit Uuh-Uuh Chören gearbeitet wird und darauf die Refrainstrophe leicht verzerrt läuft, ist dies ganz feines Atmosphärenspiel.

Die Dramaturgie des Albums ist ebenfalls erwähnenswert.
Schön entspannt wirkt es - dicht und voller getragener, stets wertiger Melodien.
Von peinlichen Balladen verschont (Pluspunkt), wird das Tempo von Song zu Song variiert (weiterer Pluspunkt), die Instrumentierung immer wieder leicht verändert (noch ein Pluspunkt).
Immer wieder werden die Gitarren mal nur fein akzentuierend eingesetzt, dann dürfen sie wieder Gas geben und drücken - "Blaze of ashes", mit schöner OZZY-Gitarren-Remeniszenz (die alte Schule).

Das Ganze spielt sich eigentlich im HARD ROCK Bereich ab und wird doch um die schon erwähnter 70er Einflüsse, um leicht modernen Sound und Alternative Ausstrahlung erweitert. Alles jedoch auf eine dermassen selbstbewussten Art und Weise, dass es uns um diesen Zweig der Musik wahrlich nicht bange zu sein braucht.
Die Produktion ist nicht zu wuchtig, aber schön erdig - so können die Songs einerseits groovend
durchs Unterholz wummern, andererseits aber auch alle Feinheiten aufzeigen.

"Pitch black morning" punktet mit unverschähmt eingängigem Refrain und schweren Gitarren,
"Firehose" beginnt wie eine moderne Version von LED ZEPPELIN.
Und wenn Dich zum Ende mit "Godspeed" die zunächst auf Akustikgitarre reduzierte, dann mit Celloklängen unterlegte, höchst atmosphärische Ballade umfängt, sollte man begriffen haben, dass hier eine DER Bands der Stunde aufgespielt haben.

Die dichten, sehr gut arrangierten, und unzweifelhaft songwriterisch hochwertigen Stücke, sorgen für kaum Abnutzungserscheinung bei mehrmaliger Einfuhr. Im Gegenteil - die Songs wirken immer stärker, je öfter man sich dieses Album anhört - sie wachsen und brennen sich immer besser ein. Die Gesangsharmonien sorgen für akustisches Wohlbefinden, während die Instrumentierung jeden Ansatz von Plattheit wegwischt.

Nach dem 2007er Album "Le Fol", haben es die Norweger also tatsächlich geschafft, ein weiteres Ausnahme-Album der hart rockenden Szene einzuspielen. Die Veränderungen im atmosphärischen Sound sind allesamt nachvollziehbar und werten das Album weiter auf. DER Gradmesser schlechthin ist die Tatsache, dass du auch nach mehreren Durchläufen einen X-beliebigen Song aussuchen kannst - und es wirkt sofort.

Die BONUS-CD der limitierten Auflage beinhaltet dann noch 6 Akustiksongs, LIVE eingespielt.
Unter anderem bekommt man hier mit "Nowhere to run" ein Cover von PAUL STANLEY geboten.
Und was die Band zum Abschluss mit BEYONCÉ's "Halo" macht ist einfach genial. Der Song selbst ist im Original schon sehr stark. Aber mit TOSCHIE's ganz ruhiger und dunkler angesetzter Stimme klingt das hier auch mächtig interessant - unbedingt anchecken.

FAZIT
Ein weiteres musikalisches Kleinod, einer extrem talentierten Band
Voll von zu entdeckenden Details in Songwriting und Arrangements

Mit all ihren Facetten gelingt eine hohe Eigenständigkeit
DYNAMISCH - SELBSTSICHER - NATÜRLICH ..... AUDREY HORNE

DARKEN TOM from darkenstorm.com


La Raza
La Raza
Preis: EUR 7,97

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelassenheit und Power, 20. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: La Raza (Audio CD)
Das Streben nach Unabhängigkeit.
Dinge anpacken, weil man Lust darauf hat - in Ruhe, hauptsächlich zur eigenen Zufriedenheit.
Etwas reifen lassen - nichts überhasten, abwägen - für gut befinden, fein ausarbeiten.

Wir ALLE haben wohl eher selten die Möglichkeit, diesen Prozess zu erfahren.
Zumindest in unserer zunehmend hektisch geprägten Arbeitswelt.
Eine Band, die diesem Ideal ziemlich nahe kommt, hat wieder zugeschlagen.
10 JAHRE sind vergangen - genug Zeit, um in den Köpfen der Menschen zu verschwinden.

Doch bei DIESER Band, haben wir gerne gewartet. Also auf - zum MARCH OF THE SAINT ...

Stil
Power Metal - Groove-orientiert

Tendenzen
Classic Rock Einflüsse

Anspiel-Tipps
Loose cannon, Head on, Left hook from right field
Get off the fence, La raza

EINDRUCK
Was ist das? Ein Click-Track, ein Metronom?
Nach ein paar Sekunden dann, bedrückende Cellotöne, Violinen Sounds - Schwermütigkeit im Sinn.
Time is running out - Die Rasse (vom spanischen La Raza) - also wir ALLE haben nicht aufgepasst
- der Welt geht's schlecht. Wir entwickeln uns in die falsche Richtung - aber so was von
... Mensch, wenn das nicht ARMORED SAINT wären, dann aber, na ja, lassen wir das.

Nach etwas mehr als einer Minute dann aber der Einstieg mit "Loose cannon" - einem recht typischem ARMORED SAINT Stück. Auf Basslinien aufgebaute typische Dynamik des Fünfers, wobei der Bass im Hintergrund immer weiter die Click-Track Töne transportiert - ein herausragender Sänger, eine wieder einmal sehr Song-dienliche Mannschaft, eine warme, transparente Produktion.

Der zweite Song startet mit analogen, weichen Hammond-Orgel Sounds, ungewohnt - aber gut - "Head on".
Eine weitere Midtempo Nummer, mit diesem unwiderstehlichen SAINT-GROOVE, der mich irgendwie immer an einen gut geölten Zug erinnert. Rollend - im perfekten Gleichklang, harmonisch - rund und stetig.
Der Break im Mittelteil überführt in einen stampfenden Teil, immer vor sich hinwabernde Riffs,
eine coole Soloeinlage - Musik kann so schön sein. Leichte Tempo-Verschärfung und Rückführung in diesen herrlichen Refrain - eine ganz starke Nummer. Die Gitarren klingen schön abgehangen, kraftvoll, versehen mit der nötigen Schärfe. Vera und der gute Sandoval G., gießen ihre fein ausbalancierten Fundamente dazu.

"Left hook from right field" - der dritte Teil dieses grandiosen Einstiegs, etwas schneller als die beiden Vorgänger, und wohl der beste Song des Albums. Wieder begeistert der starke Refrain - überhaupt bleibt hier bereits festzuhalten, dass der gute JOHN BUSH besser singt als vor langen Jahren. Die Songs weisen viele melodische Teile schon in den Strophen auf, die Refrains sind wirkliche Höhepunkte der Songs, ohne Plattheiten, funktionieren in erster Linie als Power-gestärkte Rocksongs.

So bist Du nach diesen 3 Knallern im Album unweigerlich angekommen. Und doch nimmt "Get off the fence" dann plötzlich Tempo auf, die Gitarren treiben unheimlich voran, mit schnellen, fast schon Stakkato-artigem Riffing. Doch der sehr melodische Soloteil, welcher dann in einen schnellen überleitet, bringt das gewisse Etwas mit ein.

JOEY VERA hat das Album komplett komponiert - sämtliche Texte kommen von JOHN BUSH.
Ein Projekt Charakter hätte alles inne, ist zu vernehmen - es sind nun auch schon 10 Jahre vergangen, seit der damaligen "Revelation"-Scheibe.
Dies erklärt wahrscheinlich die unheimliche Entspanntheit, die dieses Material ausstrahlt.
Hier muss sich wohl keiner etwas beweisen - gemacht wurde, worauf die Jungs Lust hatten.

Beispiel Song 5 "Chilled" - der Name ist Programm - eine ruhig angesetzte Nummer, die eine rockige Zeitlosigkeit atmet, immer wieder in extrem gelöste Passagen führt - habe ich schon die Gitarren erwähnt?
Ja - Nein - ich weiß es nicht. Sie sind klasse geworden - hier eine kleine Harmonie, dort ein ferner Solo-Lauf im Hintergrund, erstklassige Soloteile - unaufgeregt und doch prägend.
Über das Rythmus-Gerüst eines Joey Vera und eines Gonzo muss man eh nicht reden - das passt einfach.

Der Titelsong startet mit Tribal Percussion, die auch den gesamten Song begleiten, dazwischen gibt es lange Instrumentalabfahrten, drückende Riffs, einen aggressiv shoutenden Sänger und einen dieses Gefühlschaos öffnenden Refrain, der mit langgezogenen Tönen punktet - hat fast was von LED ZEPPELIN.

"Black feet" klingt knackig groovend - "Little monkey" hat gar Punk-Rock-Attitüde.
"Blues" ist dynamisches Wechselspiel zwischen Entpanntheit und mitreißendem Rocker.
Und "Bandit country" zum Abschluß wirkt, nach verspieltem Rhythmus-Beginn, fast noch einmal metallisch, mit einfachen, schweren Riffs und wieder einmal einem coolen Solo.

Irgendwie klingt alles lebendig - hat einen richtigen Sog, einen Flow, der Einen folgen lässt - hier scheint nichts konstruiert. Dass JOHN BUSH zu den besten Sängern der Szene gehört, sollte sich rumgesprochen haben.
Dass VERA/SANDOVAL die Groove-machines des Circus sind eigentlich auch.
Und was der zweite SANDOVAL zusammen mit DUNCAN an den Gitarre hier abzieht ist einfach fetter Power Rock in Vollendung, mit immer latent vorhandenem Metal-Flair.

Je länger man sich mit dieser Scheibe beschäftigt - um so besser wird sie.

Etwas ungewohnt zu Beginn - möglicherweise.
Aber so wie sich Armored Saint immer weiter vom alltäglichen Business lösen, sollte man sich als Hörer auch von der an diese Band gestellte Erwartungshaltung lösen.
Hier regiert der Spass an der Musik - Musiker ohne Ego-Probleme.
Einen auszumachenden Schwachpunkt sucht man dann bei näherer Betrachtung auch vergebens.
Kritik wird somit hier nicht zugelassen - ALLES KLAR ...

FAZIT
Locker komponierte, ungezwungen klingende Scheibe - Kopf-aus, Bauch-an-Gefühl
Abwechslungsreich - von einer ungehört tight aufspielenden Band
Energetische, frische Rocksongs - immer melodisch, doch voller power-beladenem Groove
Und der authentische, ursprüngliche Sound, durch analoges Vorgehen, ist eine WOHLTAT.

DARKEN TOM from darkenstorm.com
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 12, 2011 12:44 PM MEST


Those Whom the Gods Detest
Those Whom the Gods Detest
Preis: EUR 12,10

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Tod und Ägypten ..., 25. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Those Whom the Gods Detest (Audio CD)
Die Mystik und das Dunkle hat uns Metaller ja schon immer begeistert, meist einfach nur irgendwelche Bilder aufgenommen, nachgeplappert.

Verstanden davon haben wir eher wenig - wir sind ja ehrlich, wollten nur unseren Spass und die Düsternis machte uns eher abstrakt an.

Der Was-Wäre-Wenn Gedanke scheint verlockend, die Konsequenzen aus diesem Tun - nun, kann man später drüber nachdenken.

Und doch gab es auch immer ernsthaftere Gesellen, da konnte man auch irgendwie die tiefere Verneigung vor den elementaren Dinge spüren.

Dies war schon anders, als der eigene Umgang mit dem Abgrund. Von einer dieser Bands gibts neues Futter.

ERBARMUNGSLOS - GNADENLOS - VOLLER DUNKLER FARBEN ...

WISSENSWERTES

Stil
Death Metal

Tendenzen
ULTRA-brutal, meist schnell mit fiesen Doublebass- und Blastspeedattacken,
seltenl schleppend, mit altem Celtic Frost Einschlag,
immer technisch auf allerhöchstem Niveau

Anspiel-Tipps
Für Kenner - 4th arra of dagon
Für Neugierige - Kem khefa kheshef oder Kafir!

EINDRUCK
Meine Lieblinge des Derb-Stoffs sind wieder da.
Das Mantra zum Start der Scheibe "There is no god but god ..." lässt bereits erahnen ... "Allah Akhbar".

Flugs ist die Schädeldecke aufgefräst - das konvulsivisch zuckende, schon leicht dunkelrote Tropfen blutende Gehirn freigelegt. Die Gesichtszüge aufs hässlichste verzerrt schaue ich in die Fratze altsumerischer Priester - wohl wissend, Entkommen zwecklos. Eines der schnellsten Todes-Kommandos der Welt übernimmt die Macht über Mich.

Brachialer, break-verliebter Death Metal der ultrabrutalen Sorte erwartet Euch. Ein haltloser Ritt durch die wohl anspruchsvollsten Technik-Welten des modernen (seltsamerweise auch kommerziell erfolgreichen) DEATH. Immer wieder mit leicht orientalisch eingefärbten Gitarrenmelodien versehen.

Seit 1993 nun schon, zeigen uns die Jungs aus South Carolina, ihre Interpretation ägyptischer Schriften und Sagen, die wie immer sehr genau erarbeitet wurden.

Beispielhaft auch wieder die Sorgfalt im Booklet.
Nicht nur umfangreiche Liner-Notes zum Album erwarten den Hörer, sondern auch Erklärungen zu jedem Text - HERAUSRAGEND.

Was KARL SANDERS hier dann musikalisch zelebriert, scheint kaum kopierbar - ultraschnelle Läufe, auf fetten Riffs - Soli, verquert und höchst anspruchsvoll.
Ich vermute mal, der Meister hat selbst einen Pakt mit den sumerischen Dunkelmächten, über die er singt geschlossen.
SINGEN ist halt auch Definitionssache - hier wird derbst gebrüllt, gekeift, aggressivst geshoutet und gegrowlt.

DALLAS TOLER-WADE ist kongenialer Partner von Sanders. Er ist für die abgrundtiefen Growls zuständig. Ansonsten auch als Fingerverknoter vor dem Herrn.

GEORGE KOLLIAS schlägt alles nieder mit seinem Spiel, was noch irgendwie im zu zerstörtenden Weg steht.
Ein normaler Mensch kann das nicht mehr sein.

CHRIS LOLLIS ist für den tiefen Unterbau der Songs zuständig. Der Bass dient hier als Gegenstück zur Gitarre - auch meist pfeilschnell in den Strukturen der Riffs eingebettet.
Ansonsten, in den langsameren Parts nur als Zwilling der Gitarre - die absolut federführend ist.

Überhaupt wird hier geschreddert, gerifft, und verdroschen, als ob die in Schreck erstarrte Welt kein Morgen kennt. Eine musikalische Gewalt-Orgie, wie sie nicht oft zu vernehmen ist.
Der Erfolg liegt wohl in den "Zutaten", wenn sie diesmal auch etwas rarer gesetzt sind, als in der Vergangenheit, was leider etwas zu Lasten der Nile typischen Atmosphäre geht.
Immer wieder werden die Technikabfahrten aufgebrochen durch Sprachsamples, Muezin-Rufe
- wie in der Eröffnungsnummer "Kafir!", ägyptischen Melodien und atmosphärischen Düsterparts.
Der Percussion Part zu Beginn des Instrumentals "Yezd Desert ...", in Verbindung mit Sprachfetzen und Gesang, dazu Hintergrundstimmen und akustischer Instrumente.
Und der immer vorhandenen verrotetten Düsternis der Songs.

"Kem khefa kheshef" ist dann gGitarren-technisch fast schon straight ausgerichtet - für NILE Verhältnisse.
Mit "4th arra of dagon" und "Iskander d'hul karnon" finden sich auch zwei tendenziell schleppende Nummern auf dem Album, was für die nötige Abwechslung sorgt.
Gerade erstgenannter Song ist für mich das Lehrbeispiel für die technischen und kompositorischen Fähigkeiten der Band.

Die Mystik, die von den Texten ausgeht ist unbestritten.
Wie schon immer, beschäftigen sich die Hobby-(eher Besessen-)Ägyptologen mit Begräbnisriten, Tod, sumerisch-ägyptischer Kultur der dunkleren Seite.
Dies übt schon eine gewisse Faszination aus - gerade, weil es nicht flach, sondern zutiefst kenntnisreich wirkt - und BEDROHLICH.

FAZIT
Nicht das beste Album der Band - da sollte man meiner Meinung nach mit "in Their Darkenest Shrines" starten.

Und doch wieder ein Lehrbeispiel für TECHNISCHEN DEATH METAL - KOMPRMISSLOS
Darauf noch die ägyptischen Einflüsse - EINZIGARTIG

NUR FÜR GRENZ-GÄNGER, EXTREM-SUCHER UND DERBSTSTOFF-LIEBHABER

DARKEN TOM from darkenstorm.com


Isolation Songs
Isolation Songs
Preis: EUR 19,87

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Isolation = Seelenschmerz ?, 24. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Isolation Songs (Audio CD)
Ruhe umfängt uns, leise Akustik-Gitarren Harmonien - eine melancholische Weise am sehnsüchtig lauschenden Ohr.
Doch dann - Break, schwere Riffs, fordernder Rhythmus - eine kreischende, keifende Stimme durchschneidet das Band - wild und ungestüm. Danach folgt eine feine Gitarrenharmonie, die den Refrain unterstützt - "Suffocated", der Eröffnungshammer der Scheibe weist den Weg.

Im zweiten Song "My heart is a tomb", wird dann der Klargesang ausgepackt, Erinnerungen an OPETH werden wach.
Ein ruhiger Beginn, mit einer weiteren Akustik-Gitarren Einleitung, die melancholische Stimme erzählt von Schwermut, von Befreiung und dem eigenen Schicksal, welches es gilt zu meistern.
Verlasse Dich nicht auf Andere, lass Dich nicht fallen - hilf Dir selbst.
Überhaupt zeigt dieses Werk der jungen Finnen immer auch Auswege auf, erzählt vom Leben selbst - depressiv, aber mit den nötigen Sonnenstrahlen verbunden.

Bei einem der Highlights des Albums "Into the black light", dann eine große Portion KATATONIA.
Ruhige Strophen, schwermütig vorgetragen, fast kombiniert mit einer PORCUPINE TREE artigen Stimmung, dann aber wütende Ausbrüche, heftig bratende Gitarren, nur um nach 3,30 min urplötzlich auf ein neues Niveau gehoben zu werden.
Eine feine Lead-Gitarre spielt eine prägnante Melodie in den Gefühlsorkan des Liedes - gibt Halt, wirkt episch, führt Dich immer weiter zum Refrain ... zum Ende.
"From the shadows - Into the black light." - pure Emotion, unverfälscht und mitreissend.

Hier wird vieles verwoben, was gut und richtig ist.
Wir haben emotionale Momente, hauptsächlich dunkel gefärbt, melancholisch, wie Sie Bands wie Opeth groß gemacht haben. Dazu ein Melodien-Verständnis, meist durch die Leadgitarre ausgedrückt, wie Sie bei Bands, wie der alten PARADISE LOST Schule, SENTENCED oder AMORPHIS angefunden wird.
UND die MACHT - verzerrte, schwere Riffs der härteren MelodicDeath Schule.

Es werden Cello, wie bei "Lost in a loop" eingesetzt. Dezente Keyboards unterstützten ab und an die Songs, um sie atmosphärischer werden zu lassen. Dies ist doch recht vielschichtig geraten, meist tieftraurig, immer jedoch mit einer Spur Hoffnung versehen.

Interessant der Track "22:22 - Nihil", eine Instrumental-Nummer, die im Booklet seltsamerweise einen eigenen Text aufweist. Es sind sehr persönliche, interpretierbare Gedanken des Sängers, die er hier niederschrieb.
Eine starke Nummer, die auch auf die extrem gut geratene Produktion hinweist - die Gitarren klingen einfach famos, fräsen sich unaufhaltsam durchs Kleinhirn.

Dann das nächste Highlight "Architect of new beginning", wieder diese führende Lead-Gitarre, die sich durch den Song windet, episch-melodiös. Zwingendes Songwriting, spannungsgeladen und mit mehreren Ebenen versehen.

Dann "Birth", das längste Stück des Albums.
Eine schwere Nummer, brachial - und wieder diese durchschimmernden Gitarrenharmonien.
Nach langsamen und ruhigem Beginn, wird an der Härteschraube gedreht, die Growls des Sängers erschaffen ein mächtiges, ungezähmtes Wesen.
Die Akustik-Breaks, der ruhige Mittelteil, der nur von wenigen Akustik Tönen und leisen Keyboard-Sounds untermalt wird, die sehnsüchtige Gitarrenmelodie und das ausufernde, melodische Finale des Songs zeigen die Klasse der Band - so spannend kann ein Klang-Monolith sein.
Dieses Songwriting geht bei der Zielgruppe unweigerlich unter die Haut, fesselt und birgt eine phantastische, düstere Atmosphäre in sich. Viele ruhige Momente schaffen Kontrast, kontrapunktieren die Kraft und die Macht der wuchtigen Eruptionen des Band-Sounds.
Zusammen mit der, scheinbar ureigenen, finnischen Melancholie erzählt dieses Album in unnachahmlicher Art von den Tiefen der Seele.

Gebündelt findet man all diese Trademarks noch einmal in der eigentlichen Abschluss-Nummer
"A storm inside" - wunderhübsch, ergreifend, zu Tränen rührend und doch voller tröstlicher Momente.
Diese Band wird groß - nein, sie ist es schon ...

FAZIT
Eines der stärksten Düster-Alben des Jahres 2009
Melancholisch - Hoffnungsvoll - Tieftraurig - Erhaben - Einfach Vielschichtig
Voll dunkler Schönheit ... ergreifender, vertonter Seelenschmerz

DARKEN TOM from darkenstorm.com


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