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K

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Revolutionen auf dem Rasen: Eine Geschichte der Fußballtaktik
Revolutionen auf dem Rasen: Eine Geschichte der Fußballtaktik
von Jonathan Wilson
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk der Fußball-Literatur, 29. Juli 2015
Endlich möchte man sagen, endlich, endlich hat sich ein Mensch auf dieser Erde erbarmt und das Standardwerk über die Geschichte der Fußballtaktik verfasst. Waren wir Deutschen - nicht nur was unsere fußballtaktischen Innovationen angeht - eine zeitlang immer mehr ins Hintertreffen geraten, so wurde auch der Buchmarkt in dieser Hinsicht in Deutschland kaum 'bespielt'. Zwar hat Christoph Biermann mit 'Der Ball ist rund, damit das Spiel...' und 'Die Fußball-Matrix' zwei neuartige Zugänge in die deutsche Fußballliteratur eingeführt, bleibt aber, gerade was die Masse an Informationen, Anekdoten und Analysen angeht, weit hinter Wilsons Werk zurück. Dass dieses Werk nun gerade von einem Engländer verfasst wurde, einer Spezies, die sich in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade durch besondere fußballerische Erfolge auszeichnen konnte, mag ein besonderer Treppenwitz des Werkes sein, tut der Lesefreude aber keinen Abbruch.Dies hier ist nun die erweiterte Neuauflage, und was bei vielen Werken als Neuauflage daherkommt und dann doch nur ein neues Cover besitzt, ist hier tatsächlich neu. Zahlreiche Überarbeitungen, neue Kapitel und Ergänzungen lassen das Buch als weitaus mehr erscheinen als nur den Reprint eines Eh-Schon-Klassikers.

'Revolutionen auf dem Rasen' beschäftigt sich mit der Entwicklung der Fußballtaktik von den Anfängen der 'Schottischen Furche' übers Wiener 'Scheiberln' bis hin zum modernen 4-5-1, welches mittlerweile in seinen besten Momenten als 4-6-0 daherkommt und derart variabel ist, dass die Spanier bzw. der FC Barcelona in schöner Regelmäßigkeit gegnerische Mannschaften vor eine Herkules-Aufgabe stellen. Was Wilson wundervoll gelingt, ist die Mischung aus nahezu wissenschaftlicher Herangehensweise, journalistischer Berichterstattung und anekdotenreichen Erzählungen, die klar machen, warum welche Innovation unter welcher Persönlichkeit zur Reife gelangt ist, ein Mix, der dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legt, von Spannung getrieben und dennoch nach und nach immer mehr über dieses Spiel lernt. Dieser Parforceritt durch mehr als ein Jahrhundert Fußballgeschichte ist für jeden, der auch nur ansatzweise in diesen Sport verliebt ist, ein Muss. Denn dann bekommt man vielleicht auch eine Ahnung davon, warum dieses Spiel -trotz seiner vermeintlichen Einfachheit- derart komplex ist, dass sich weltweit Millionen Menschen mit diesem Sport tagtäglich auseinandersetzen. Kaufempfehlung? Nein, viel mehr als das. Eine Aufforderung zur Lektüre.


Kein Titel verfügbar

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Legende in 2D, 24. April 2015
Hochwertig, spielstark, ästhetisch... das waren die Begriffe, die einem spontan einfielen, als man zum ersten Mal Dzemal Berberovic im Zebra-Dress aufspielen sah, und es sind auch die ersten Begriffe, die einem jetzt in den Sinn kommen, wenn man diese fantastische Leinwand nun endlich im heimischen Wohnzimmer betrachten darf. Und auch wenn dafür der Bausparvertrag aufgelöst und die Kreditkarte bis ans Limit ausgereizt wurde, kommt man nicht umhin zu sagen: Das war es wert. Jeder Cent dieses dann dennoch Schnäppchens steht stellvertretend für eine Minute spielerischer Eleganz, für jeweils einen magischen Moment, für jeweils einen Sprint auf der Außenbahn und einen Pass in die "unsichtbare Gasse", dort, wo sonst niemand hinlief und sich auch niemand hinzulaufen wagte, denn dieses Terrain war Dzemal-Terrain, auf welchem nur er auftrumpfen durfte. Diese Leinwand holt ihn nun zurück, diesen Balkan-Zidane, und schenkt ihm die ölige Unsterblichkeit, die er schon längst verdient gehabt hätte. Hoffentlich wissen sie wenigstens bei Litex Lowetsch zu schätzen, was dieser Kerl auf dem Feld anrichten kann, für alle Zebras bleibt nur diese Leinwand und ein ewiger Platz im Herzen. Danke, Dzemal. Für alles. Auf ewig einer von uns. Und immer in unseren Herzen...


Die Odyssee eines Outlaw-Journalisten: Gonzo-Briefe 1958-1976
Die Odyssee eines Outlaw-Journalisten: Gonzo-Briefe 1958-1976
von Douglas Brinkley
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Briefe für die Ewigkeit, 10. März 2015
Hunter S. Thompson hat schon früh angefangen, seine Korrespondenz als literarisches Experimentierfeld zu nutzen. Bereits als 12-Jähriger schrieb er Briefe an Zeitungen, regte sich über deren inhaltliche Ausrichtung aus oder legte sich mit Redakteuren an, denen gegenüber er kein Blatt vor den Mund nahm. Dass er von seinen Briefen Kopien aufbewahrte, zeigt, dass er schon früh eine Vorstellung davon hatte, wohin sein Weg weisen würde.

Hunter S. Thompsons Briefe sind viel mehr als nur die lose Blatt Sammlung eines Schriftstellers. Sie sind großartige und manchmal ungeheuer lustige Zeitzeugnisse, wenn er sich mit den Großen der amerikanischen Politik und Literatur wie Tom Wolfe oder Lyndon B. Johnson schreibt, aber auch genaue politische Analysen, wenn er Jann Wenner, dem Chefredakteur des Rolling Stone, aus Vietnam schreibt, und eine hinreißende Schilderung seines Alltags, wenn er seine Mutter um Geld anhaut, weil er sich unbedingt einen alten Jaguar kaufen will. Seine Briefe lassen uns einen Blick in sein Leben werfen, und das ist nicht das langweiligste, soviel steht fest.

Wer bisher auch nur ein Buch von HST gelesen hat und weiß, auf welcher Strecke dieser Südstaaten-Gentleman unterwegs ist, für den sind diese Briefe nicht einfach nur Briefe, sondern Literatur. Für alle Fans des größten Verrückten der amerikanischen Literatur mehr als zu empfehlen. Lustig, weise, liebevoll. Dreckig, zynisch und lustig. Mehr kann man von keinem Buch dieser Welt erwarten.


Alles Derby! 100 Jahre Rapid gegen Austria
Alles Derby! 100 Jahre Rapid gegen Austria
von Edgar Schütz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,30

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "I wer, 26. Januar 2012
Sich dem österreichischen Fußball widmen zu müssen, ist für einen Deutschen zwangsläufig der Vorhof zur Hölle. Es ist wohl der Ort, an dem Sportjournalisten für zwei bis drei Jahre geparkt werden, wenn sie innerbetrieblich derart viel Schaden angerichtet haben, daß Abschiebung und Zwangseinweisung dringend nötig scheinen. Wer dazu verdonnert wird, sich mit dem SV Ried und dem Kapfenberger SV auseinanderzusetzen, muß Sachen angestellt haben, die mindestens von Hurenbesuch auf Kosten des Senders bis zu heimtückischem Mord reichen; und niemand begibt sich freiwillig in solche Gefilde, wenn er parallel dazu dem heimischen Landesligisten beim Kicken zusehen könnte, sofern man denn '- aus welchen dubiosen Gründen auch immer - unbedingt Provinz und schlechten Fußball geboten haben will.

Meinen ersten Kontakt mit dem österreichischen Fußball hatte ich 2008, ich war in Mexiko unterwegs und traf auf zwei österreichische Medizinstudenten, die sich, wie für Männer so üblich, beim Erstgespräch sofort um die Klärung der persönlichen Fangrenzen bemühten; "Fußball geht immer", oder so ähnlich. Es war damals, als mir auffiel, daß der Österreicher wohl lieber von anderen Dingen schwärmt, zumindest die angehenden Kittel in Weiß philosophierten lieber über die Schnelligkeit der englischen Liga als über den einheimischen Fußball. Als ich nachfragte, ob es in dieser Hinsicht Bemerkenswertes von daheim zu berichten gäbe, schüttelten beide mit dem Kopf, bevor einer der beiden das Thema wechselte und davon erzählte, wie er Kokain am Strand von Puerto Escondido aufgetrieben hätte ("I hob gedocht, i explodier!").

Wahrscheinlich ist das Derby Rapid gegen Austria die einzig bemerkenswerte Konstellation, derer es sich zu widmen lohnt, und in einem Schattenreich aus Fritzl, Haider, Hitler und sonstiger Provinz scheint zumindest dieses Duell so etwas wie kulturellen Glanz auszustrahlen. Es ist offenkundig: Bis heute leidet der österreichische Fußball daran, daß man immer noch Hans Krankl zum Volkshelden erklären muß, wen auch sonst, andere gibt's schließlich nicht, aber trotz seiner Gotthaftigkeit konnte auch er den österreichischen Fußball nicht retten, im Anschluß an Cordoba wurde man von Ungarn bis Slowenien von nahezu allen verprügelt. Kein Wunder also, daß sich einige Schreiberlinge zusammentrafen, um die Geschichte dieser Partie in all ihren Facetten nachzuzeichnen, das Wenige, was man hat, sollte man schließlich pflegen.

Als Bewohner des Ruhrgebiets dürfte einen ein Buch mit dem Titel: "Alles Derby!" in keinster Weise faszinieren, und daß es schlußendlich dann doch funktioniert, hat wohl damit zu tun, daß sich hier eine Phalanx von Autoren aufgemacht hat, um bild- und wortreich dieses Duell durch die Historie zu jagen. Von "papierenen" Austria-Stürmern ist dort die Rede, von ungeklärten Todesfällen, und der Meisterschaft der Rapidler im Nazideutschland, als ihr Exportprodukt fröhlich auf dem Burgplatz herumwinkte und die alte, neue Heimat grüßte. Von Fans bis Polizei reicht die Kette jener, die sich zu dieser Partie äußern, oral history steht neben Zeitungsausschnitten, von Mäzenen, Platzstürmen, Auf- und Niedergang wird dort gesprochen.
Es sind all diese Anekdoten und Geschichte, die einen dann doch in das Buch ziehen. Wo sonst hätte ich erfahren, daß der Fußballgott Krankl einstmals mit dem Song "Der Bätmän bin i" die österreichischen Charts aufmischte - wahrscheinlich der zweitgrößte Erfolg seiner Karriere, wenn nicht gar der größte -, und wo sonst hätte ich nachlesen können, daß die Austria tatsächlich so dumm war, Christoph Daums Rückfall an die Linie mit einzuleiten, Rapid aber mit Lothar Matthäus umgehend ausgleichen konnte? Spätestens als ich mich dabei ertappte, wie ich anfing, Sympathien für die einen und Antipathien für die anderen zu empfinden, war klar, daß ich diesen Klotz nicht mehr außer Acht lassen konnte. Um es kurz zu machen: Für Rapid sprach alles, für Austria nahezu nichts.

Es ist bemerkenswert, wie das Autorenkollektiv die Geschichte dieses Spiels beschreibt, dabei Zeitzeugen und Journalisten neben Historie stellt, Spieler analysiert und porträtiert, sich die Bälle zuschiebt, Fäden wieder aufnimmt und woanders weiterspinnt. Aber als alle Derby-Facetten dann mit der letzten Seite beleuchtet wurden, fragte ich mich, ob man diesem Buch ein weiteres über den österreichischen Fußball folgen lassen sollte. Zu groß ist vielleicht die Last, die weitere Autoren auf sich nehmen, wenn sie wirklich über den SV Ried und den Kapfenberger SV schreiben müssen, und was die liebevolle Aufbereitung und Lebendigmachung angeht, werden sich auch in Zukunft viele Bücher an diesem messen müssen. Oder, übersetzt: "Alles Derby!" ist das "I wer narrisch!" der österreichischen Fußballiteratur, der Hans Krankl der Bibliophilen. Aber in beiden Fällen gilt: Der nächste kann gerne kommen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 27, 2013 8:42 PM CET


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