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Rezensionen verfasst von
Estragon
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Lucky Luke 93: Meine Onkel, die Daltons
Lucky Luke 93: Meine Onkel, die Daltons
von Achdé
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schwache Story, müde Späßchen, 6. März 2015
Wie bei ›Asterix‹ setzt man bei ›Lucky Luke‹ auf eine starke Kontinuität. Nachdem die maßgeblichen Zeichner und Autoren in beiden Fällen durch Tod oder Ruhestand nicht mehr zur Verfügung stehen, soll doch alles möglichst originalgetreu beim Alten bleiben. Der Gegenentwurf zu einem solchen Vorgehen findet sich bei ›Spirou‹, wo man nach recht erfolglosen Versuchen, das Bewährte zu bewahren, dazu übergegangen ist, auf Innovationen zu setzen.

Was ›Lucky Luke‹ angeht, ist es so gewesen, dass es Morris (1923-2001) nach dem Tod von René Goscinny (1926-1977) – und im deutlichen Unterschied zum Asterix-Zeichner Albert Uderzo – wenigstens halbwegs geschafft hat, das Niveau der Reihe zu halten. Nach Morris’ Tod hat sich mit Achdé (*1961) ein Zeichner gefunden, der Morris’ Stil mit großer Präzision trifft. Das Problem sind die Storys. Und die Story ist auch ein Riesenproblem bei dem vorliegenden neuen Album.

Die von Laurent Gerra (*1967) und Jacques Pessis (*1950) verfasste Story bezieht sich auf einen Film, der in Frankreich offenbar eine nicht unbeträchtliche Popularität besitzt: »Les Tontons flingueurs / Mein Onkel, der Gangster« von Georges Lautner, eine französisch-italienisch-deutsche Koproduktion aus dem Jahre 1963. Es handelt sich um eine für jene Zeit typische Gangsterkomödie, unter anderem mit Lino Ventura und Bernard Blier (beide tauchen ebenso wie andere Schauspieler des Films als Karikaturen im vorliegenden Comic auf). Dass der Film in Deutschland weit weniger bekannt ist und geschätzt wird, dürfte den Zugang zum neuen Lucky-Luke-Album erheblich erschweren.

Gerra und Pessis machen aus der Vorlage nun Folgendes: Die Daltons sitzen wieder einmal im Gefängnis. Es kommt heraus, dass sie einen jungen Neffen haben, den die Mutter wegen beruflicher Verpflichtungen in die Obhut seiner Onkel geben möchte. Ausgerechnet Averell Dalton soll als Pate fungieren. Die Daltons werden deshalb zu Freigängern, die wiederum von Lucky Luke (der insgesamt eine überaus blasse Rolle spielt) überwacht werden sollen.
Die Geschichte verlagert sich in eine Stadt, deren Bewohner viel auf ihre Ehrwürdigkeit und Sittsamkeit geben. Der Junior muss dort zur Schule. Dieser Umstand und die Präsenz der Daltons überhaupt sorgen für fortgesetzte Konflikte mit der Stadtbevölkerung. Unterdessen versucht Joe Dalton an das treuhänderisch verwaltete Vermögen des Kindes zu gelangen.

Die Story kommt von Beginn an nicht so recht vom Fleck. Was die Handlung vorwärtstreibt, wirkt stets an den Haaren herbeigezogen. Das kann zwar auch funktionieren, doch für eine echte Groteske fehlt Gerra und Pessis offenbar der Mut. Immer wieder mündet das Ganze in eine Art Nummernrevue ein, deren Gags merkwürdig lahm bleiben. Das allermeiste hat man in anderen Lucky-Luke-Alben schon besser erlebt. Und das Kind? Bleibt letztlich blass und uninteressant. Kein Vergleich zum kleinen Pepe aus »Asterix in Spanien« (1969) oder zum jungen Abdullah aus ›Tim und Struppi‹ (»Im Reiche des Schwarzen Goldes« [1950] und »Kohle an Bord« [1958]). Seine charakterliche Wandlung am Ende geschieht seltsam plötzlich und unmotiviert. Im ganzen Album sorgt nur Rantanplan zuverlässig für schöne Running Gags.

Gerra und Pessis gelingt es nicht, ›Lucky Luke‹ Leben einzuhauchen. Hier wird Morris’ Erbe verwaltet, aber nicht produktiv eingesetzt. An Achdés Zeichnung liegt es nicht, obwohl man sich natürlich fragen kann, ob behutsame Innovationen im Grafischen nicht eventuell helfen würden, die schon länger anhaltende Stagnation dieser Reihe zu durchbrechen.

Sollte es so weitergehen mit ›Lucky Luke‹, wird man irgendwann auf den Gedanken kommen, dass Hergés testamentarisch verfügtes Fortsetzungsverbot für ›Tim und Struppi‹ wohl doch nicht einer gewissen Weisheit entbehrte.


Silver Streak [UK Import]
Silver Streak [UK Import]
DVD ~ Gene Wilder
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 3,42

4.0 von 5 Sternen Die Kunst des Aus-dem-Zug-Fallens, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Silver Streak [UK Import] (DVD)
Hinweis, weil Amazon alle Rezensionen mischt: Ich beziehe mich hier auf Silver Streak [UK Import] und nicht auf die DVD-Veröffentlichung für den deutschen Markt.

»Trans-Amerika-Express« (1976) hieß der Film auf Deutsch. Ich hatte ihn vor sehr sehr langer Zeit gesehen und in guter Erinnerung behalten. Ihn jetzt wiederzusehen war nicht einfach. Selbst bei den Programmverantwortlichen der mit Gebührenzwang belegten öffentlich-rechtlichen TV-Sender hat sich mittlerweile die Ansicht breitgemacht, dass ältere Filme keine guten Filme sein können. Folglich zeigt man sie nicht mehr. Und die deutsche DVD-Ausgabe des Films war zuletzt nur zu ziemlich horrenden Preisen zu haben.

Den Ausweg bietet dieser UK-Import, der zum Zeitpunkt meines Erwerbs für einen Bruchteil des Preises der deutschen Ausgabe zu haben war. WICHTIG: Der UK-Import bietet für den Film neben der Originalsprache auch die deutschen, französischen, italienischen und spanischen Synchronfassungen. Und in diesen und noch einigen anderen Sprachen gibt es auch Untertitel. Selbst das Menu ist auf Deutsch vorhanden. Wenn man auf Extras verzichten kann (die enthält die DVD nämlich nicht), ist man hier perfekt bedient.

Was hat der Film zu bieten? Auf jeden Fall keine große Story. Die ist auch nebensächlich. In der Hauptsache knüpft »Silver Streak« an eine Kinotradition an, die bis in die Kindertage des Mediums zurückreicht: Verfolgungsjagd und Slapstick.
George Caldwell (Gene Wilder) ist der typisch unbedarfte Durchschnittsmann (Beruf: Verleger von Gartenbüchern). Den Zug nimmt er nur, um einmal etwas zu entspannen. Natürlich passiert das genaue Gegenteil. Über einen Flirt mit Hilly (Jill Clayburgh) wird George in kriminelle Machenschaften hineingezogen. Er wird Zeuge eines Mordes und ist fortan selbst ein Gejagter. Die Pointe des Ganzen: George muss mehrfach auf unfreiwillige Weise den fahrenden Zug verlassen und schafft es doch immer wieder zurück an Bord. In der zweiten Hälfte des Films erhält er dabei tatkräftige Unterstützung durch einen hilfsbereiten Kleinkriminellen (Richard Pryor).

Gene Wilder (*1933) ist als unscheinbarer Jedermann mit überraschenden Stehaufmännchen-Qualitäten grandios besetzt. Schade, dass er so selten die Gelegenheit bekam, in derartigen Rollen zu glänzen. Ebenfalls ein Genuss Richard Pryor (1940-2005), den man aber wirklich im Original hören muss. Jill Clayburgh (1944-2010) ist eine perfekte Ergänzung zu Wilder, hat aber zu wenige Szenen. In weiteren Nebenrollen: Ned Beatty, Patrick MacGoohan und Richard Kiel (1939-2014), der hier schon ansatzweise jene Figur verkörpert, die ihn später durch zwei James-Bond-Filme berühmt machte (›Der Beißer‹).
Die Regie von Arthur Hiller (*1923) bewältigt den Stoff durchweg kompetent, ohne dabei besonders auffällige Akzente zu setzen. Das Tempo des Films ist nicht sonderlich hoch, was den Charakteren und ihren Auseinandersetzungen Entfaltungsräume lässt. Gefilmt ist das Ganze in einer typischen Siebziger-Jahre-Optik, die durch eine merkwürdige Weichzeichnung auffällt. Eher störend ist die Musik von Henry Mancini, die zwar nur an wenigen Stellen des Films zu hören ist, aber den Eindruck erweckt, sie sei um 1960 für eine romantische Komödie mit Audrey Hepburn geschrieben.

Fazit: Ein Film, der gut gealtert ist. Man sieht ihm seine Herkunftszeit zwar an, aber er funktioniert noch ohne weiteres. Die filmische Attraktivität von Slapstick, Verfolgungsjagd und lustvoller Zerstörung scheint unverwüstlich. Bei dieser DVD kam man unbedingt zuraten.


Anders
Anders
von Andreas Steinhöfel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

5.0 von 5 Sternen Das alte Leben jagt das neue, 2. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Anders (Gebundene Ausgabe)
Man übertreibt nicht, wenn man die Arbeiten von Andreas Steinhöfel (*1962) zum Besten rechnet, was die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur derzeit zu bieten hat. Und das Erstaunliche ist darüber hinaus, dass Steinhöfel die gesamte Palette beherrscht – vom Pixi-Buch für die ganz Kleinen bis hin zum Jugendroman. Der Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises (2013) war absolut verdient.

»Anders« ist anders. Anders als der klassische Problemroman für Heranwachsende, obschon Steinhöfel die Finger gleich in mehrere Wunden legt. Und anders auch als die süffig geschriebenen Abenteuer- und Fantasy-Romane, in denen (vorwiegend männliche) junge Helden Coming-of-Age-Geschichten erleben.

»Anders« ist wunderbar geschrieben, sprachlich sehr zugänglich und doch ein Roman, an dem sich nicht nur jugendliche Leser die Zähne ausbeißen können. Es gibt Fährten im Roman, die den Leser durchaus in die Irre führen können. Gleich zu Beginn deutet sich eine vermeintlich folgenreiche Zahlensymbolik an, doch der geschilderte Gedanke daran sagt gar nichts über die Zusammenhänge der Romanwelt aus, sondern charakterisiert stattdessen denjenigen, der auf einen solchen Gedanken kommt.

Die Hauptfigur ist Felix, der gleich zu Beginn einen bizarren Unfall erleidet. In unfreiwilliger Koproduktion seiner Eltern wird Felix gleich doppelt am Kopf verletzt, mit dem Ergebnis, dass er erstens unter einer massiven retrograden Amnesie leidet. Zweitens enthüllt sich nach und nach, dass er auch über neue Fähigkeiten verfügt: Einerseits hat er synästhetische Kompetenzen, andererseits vermag er die Gefühlszustände seiner Gegenüber zu ›lesen‹. Alles zusammen verhindert, dass Felix im Elternhaus, in der Schule und sonstwo noch weiterhin die Stelle einnehmen kann, die der alte Felix zuvor besetzt hatte. Deshalb möchte er fortan ›Anders‹ genannt werden.

Von diesem Punkt aus entwickeln sich mehrere Problemlinien: Erstens stellt sich die Frage, ob und wie Felix/Anders seine Erinnerung wiedererlangen kann. Zweitens ist fraglich, ob Anders sich in die Welt einpassen kann, in der Felix zuvor gelebt hat. Drittens lösen sich im Elternhaus die Beziehungen auf. Und viertens stellt sich heraus, dass Felix, als er zum Zeitpunkt seines Unfalls zuhause auftauchte, von einem folgenschweren Vorkommnis aufgewühlt und bedrückt war, an das er sich nun nicht mehr erinnert, das ihm aber gleichwohl zu schaffen macht.

Der Roman ist sehr reichhaltig, und Steinhöfel scheut sich nicht, einige Fäden aus der Erzählung heraushängen zu lassen. Er ist ein Romantiker, der von der Überzeugung geleitet wird, dass man manchen Dingen ihr Geheimnis lassen muss. Plumpe pädagogische Beruhigungen sind Steinhöfels Sache nicht. Dies und der teilweise offene Schluss der Geschichte wird den einen oder anderen maulen lassen. Doch so ist das Leben nun einmal, – alles andere wäre Kitsch.

Fazit: Ein Roman, er von keinen vordergründig spektakulären Dingen handelt, doch Szenen und Wendungen liefert, die sich ins Gedächtnis brennen. Ein Buch, bei dem man dran bleibt und das man am Ende mit der Gewissheit ins Regal stellt, dass man es irgendwann noch einmal lesen wird.


7 Días de Mayo / Acción Ejecutiva [2 DVDs] [Spanien Import]
7 Días de Mayo / Acción Ejecutiva [2 DVDs] [Spanien Import]
DVD ~ Burt Lancaster
Wird angeboten von WholeFilmsMarket
Preis: EUR 25,94

3.0 von 5 Sternen Burt Lancaster in politischer Mission, 2. März 2015
Wer Burt Lancaster (1913-1994) nur aus »Der rote Korsar« (1952) oder als virilen Helden zahlreicher Western und Gangsterfilme kennt, der hat vielleicht die ambitioniertere Seite von Lancaster noch nicht gesehen. Ebenso wie Kirk Douglas (*1916) hat Lancaster seit den 1950er Jahren etliche jüngere und vielfach nonkonformistische Filmemacher unterstützt. Vor politisch brisanteren Stoffe ist er dabei nicht zurückgeschreckt, wobei nicht zu übersehen ist, dass Lancaster sich selbst dem liberalen Flügel Hollywoods zugerechnet hat.

Die vorliegende Doppel-DVD bringt zwei Politthriller mit Lancaster, die von sehr unterschiedlicher Qualität sind. »Seven Days in May / Sieben Tage im Mai« wurde 1964 von John Frankenheimer (1930-2002) inszeniert, der in der ersten Hälfte der 1960er Jahre seine Blütezeit hatte. Thematisch gehört der Film in eine Reihe mit Sidney Lumets »Fail Safe /Angriffsziel Moskau« und Stanley Kubricks »Dr. Strangelove / Dr. Seltsam«, die beide im selben Jahr wie Frankenheimers Film herauskamen. Hintergrund ist die akute atomare Konfrontation der damaligen Supermächte und die damit gegebene Möglichkeit einer atomaren Verwüstung der Welt.

»Seven Days in May« widmet sich allerdings nicht direkt der militärischen Eskalation zwischen den Supermächten, sondern untersucht die destruktiven Auswirkungen, die das Regime der atomaren Abschreckung auf die liberale Demokratie hat, die es eigentlich schützen soll. Lancaster spielt einen hyperpatriotisch gesonnenen General, der eine Aufweichung des Abschreckungsregimes um jeden Preis verhindern will und deshalb zum Mittel eines Militärputsches zu greifen gedenkt. Der Film handelt von der Aufdeckung dieser Pläne und der Verhinderung ihrer Umsetzung.

Frankenheimer inszeniert flott und kann dabei auf eine exzellente Besetzung zurückgreifen: Neben Lancaster sind Kirk Douglas, Fredric March und Ava Gardner in Hauptrollen zu sehen, dazu Martin Balsam und Edmond O’Brien. Lancaster verleiht seiner Figur Statur, so dass sie deutlich mehr ist als ein bloßer Popanz.

Das Problem dieses Films ist gewissermaßen ein Hollywoodproblem. Das strukturelle politische Problem wird in ein eingängiges narratives Format gezwängt, das heißt vor allem: Es wird personalisiert. Viel zu viel wird auf die Persönlichkeitsstruktur eines Einzelnen geschoben. Das anfänglich noch aufgeworfene Problem, dass Lancasters General Scott beträchtlichen Rückhalt in der militärischen Führung, vor allem aber auch in der politischen Öffentlichkeit genießt, vergisst der Film am Schluss. Und so hat der Film am Ende doch etwas unangenehm Beschwichtigendes.

Der zweite Film, »Executive Action / Unternehmen Staatsgewalt« (1973), war an den Kinokassen ein Flop, und man darf hinzufügen: vollkommen zurecht. Erzählt wird eine ziemlich krude Verschwörungsgeschichte rund um den Mord an John F. Kennedy im Jahre 1963. Das Ganze ist hochgradig spekulativ und wenig realitätsnah, auch wenn eingeschnittenes Dokumentarmaterial eine solche Realitätsnähe immer wieder suggerieren soll.

Im Unterschied zu »Seven Days in May« wird die Geschichte sehr schwerfällig erzählt. Überdies sieht man dem Film deutlich die Beschränktheit der zur Verfügung stehenden Mittel an, – etliche Szenen sind offenbar mit kleinstem Team und einer einzigen Kamera gedreht. Manchmal wirkt die Inzenierung geradezu hilflos.

Ein guter Cast – neben Lancaster: Robert Ryan und Will Geer – wird hier verschwendet. Dass das Drehbuch von Dalton Trumbo (1905-1976) stammt, mag man kaum glauben. Regieveteran David Miller (1909-1992), der wenig Erinnerungswürdiges hervorgebracht hat (aber immerhin: »Lonely Are the Brave / Einsam sind die Tapferen« [1962]), vermag dem Ganzen keine Form zu verleihen. Im Vergleich mit den maßgeblichen Politthrillern jener Jahre – wie etwa Pakulas »The Parallax View / Zeuge einer Verschwörung« (1974) oder Pollacks »Three Days of the Condor / Die drei Tage des Condors« (1975) – ist »Executive Action« nur Kreisklasse.

Die Doppel-DVD leidet etwas unter der missglückten Filmzusammenstellung. »Seven Days in May« ist fraglos sehenswert, »Executive Action« ist dagegen ein eher nichtssagender Film. Exzellent wäre diese Zusammenstellung, wenn sie nicht auf »Executive Action«, sondern auf Robert Aldrichs »Twilight’s Last Gleaming / Das Ultimatum« (1978) zurückgegriffen hätte. Dann nämlich würden sich Lancasters Rollen auf eine höchst bemerkenswerte Weise ineinander spiegeln.

Zur DVD: Bild und Ton sind nicht zu beanstanden. Für beide Filme liegen wahlweise spanische und englische Tonfassungen und Untertitel vor. Extras sind nicht vorhanden. Beide Filme findet man übrigens zusammen mit zwei weiteren Lancaster-Filmen auch auf folgender Zusammenstellung: TCM Greatest Classic Legends: Burt Lancaster, dort allerdings in Regionalcode 1.

Fazit: »Seven Days in May« ist vier Sterne wert, »Executive Action« bestenfalls zwei, – macht drei Sterne für die Kombination.


Theo gegen den Rest der Welt
Theo gegen den Rest der Welt
DVD ~ Marius Müller-Westernhagen
Preis: EUR 9,49

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Als der Rest der Welt noch überschaubar war, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Theo gegen den Rest der Welt (DVD)
»Theo gegen den Rest der Welt« (1980) ist ein seltsames Unikum in der deutschen Filmgeschichte. Kein richtiges Roadmovie, keine reine Komödie, kein bloßes Zeitbild der späten sozialliberalen Bundesrepublik und doch von allem etwas – und noch einiges mehr. Der Film bedient sich eines der ältesten Erzählmuster der Filmgeschichte, der Verfolgungsjagd. Die wiederum erhält eine realistische Schwere dadurch, dass es für die Hauptfiguren Theo und Enno um ihre gesamte wirtschaftliche Existenz geht. Doch diese Schwere wird auf eine mühelos aussehende Weise ausbalanciert durch die zwischen Leichtsinn und Leichtigkeit changierende Persönlichkeit der Hauptfigur Theo.

Theo mit Marius Müller-Westernhagen zu besetzen, war ein genialer Coup. Im beigegebenen Interview erzählt Regisseur Peter F. Bringmann, wie es zu dieser ›Besetzung gegen das Drehbuch‹ gekommen ist. Allerdings stand diese Besetzung schon für den Vorläuferfilm zu »Theo« fest, nämlich den TV-Fim »Aufforderung zum Tanz« (1977), in dem erzählt wird, wie Theo und Enno zu ihrem Speditions-Volvo kommen, der am Beginn von »Theo« gestohlen wird und dem die anschließende Verfolgungsjagd quer durch (West-)Europa gilt.

Bei allem, was Theo denkt und tut, fragt man sich stets, ob er nicht eine Fehlbesetzung in seinem eigenen Leben ist. Er leidet unter grandioser Selbstüberschätzung, deutet Situationen stets mit einem atemberaubenden Optimismus und verfügt meistens über die sozialen Kompetenzen eines Gorillas. Doch andererseits: Er hat ein gutes Herz. Mag er auch ein Filou sein, der keine Gelegenheit zum Zocken auslässt, so ist doch seine moralische Empörung und seine Zuneigung immer unverstellt und aufrichtig. Und in den entscheidenden Momenten siegt sein gutes Herz auch über seine Neigung zur egozentrischen Rechthaberei.

Man sieht »Theo gegen den Rest der Welt« an, dass er mit schmalem Budget realisiert wurde. Bildästhetisch geht das Ganze in Richtung gehobener Fernsehfilm. Die Pfunde, mit denen der Film wuchern kann, sind sein Drehbuch, seine exzellenten Dialoge und schließlich die Spielfreude der Darsteller. Neben Müller-Westernhagen sind das vor allem Guido Gagliardi als Enno und Claudia Demarmels als Studentin Ines Röggeli aus gutem schweizer Elternhaus. Aber auch weitere Nebenrollen sind wunderbar besetzt.

Der Film spiegelt einerseits die beschauliche Übersichtlichkeit der bundesrepublikanischen Welt jener Jahre. Zur Orientierung in der Welt reicht Theo eine Mini-Straßenkarte in einem Taschenkalender. Andererseits hat der Film aber auch eine erstaunliche Frische bewahrt. Etliche Dialogzeilen scheinen für die Ewgkeit gemacht.
Und wenn man einst mal nach Filmen suchen wird, die das Lebensgefühl in der Bundesrepublik der späten 1970er Jahre authentisch zum Ausdruck bringen, dann kann es womöglich sein, dass man »Theo gegen den Rest der Welt« (1980) den Vorzug gibt vor Wim Wenders’ »In Laufe der Zeit« (1977).

Die DVD präsentiert den Film in guter Qualität. Beigegeben ist ein neueres, informatives Video-Interview mit Peter F. Bringmann sowie ein Texttafel-Gespräch mit Westernhagen, das aus dem damaligen Presseheft stammt.


Kehraus
Kehraus
DVD ~ Gerhard Polt
Preis: EUR 7,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hölle Alaaf!, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kehraus (DVD)
»Kehraus« ist immer noch der ideale Film für Karnevalshasser. Sollte es tatsächlich ein Jenseits und dort auch noch eine Hölle geben, so werden Versicherungswesen und Faschingsparty mit Sicherheit zu deren Grundbausteinen gehören.

Dieser Film von 1983 ist erstaunlich gut gealtert. Das ökonomische Sanierungskonzept ›Arbeitsplatzsicherung durch Personalabbau‹ scheint jedenfalls seine Attraktivität in den letzten dreißig Jahren nicht eingebüßt zu haben. Man fühlt sich sofort an aktuelle Ereignisse erinnert. Und auch wenn der Vorwurf des Zynismus gegenüber Kunden in den letzten Jahren mehr auf das Bankenwesen fokussiert, heißt das ja noch lange nicht, dass sich in der Versicherungsbranche irgend eine Besserung eingestellt hätte.

Ist die erste Hälfte des Films, die überwiegend in den Büros und auf den Fluren des Versicherungsunternehmens spielt, noch schauspielerisch und inszenatorisch bisweilen ein wenig holprig, so ist die zweite Hälfte, die die Vorgänge während der großen jährlichen Faschingsparty der Versicherungsbranche schildert, ganz groß. Bisweilen erreicht das Spektakel Altman’sches Niveau, auch wenn die Bildästhetik sich in bescheideneren Bahnen bewegt. Die sukzessive Enthemmung Einzelner und die Eskalation der Party insgesamt wird so geschildert, dass man mit der Gewissheit zurückbleibt, solche Festivitäten könnten gar nicht anders verlaufen.

Polt und Müller gelingen eine Reihe vorzüglicher Miniaturen. Allein schon der Faschingsverweigerer mit Minimalkostümierung, der durch ostentatives Nichtamüsieren das Sicherheitspersonal schließlich zu einem Gewaltausbruch provoziert, ist unvergesslich!

In gewisser Hinsicht ist es ein typischer Film der frühen 1980er Jahre: Das Unglück der Vielen ist unaufhaltsam, und dessen Verursacher bleiben letztlich ebenso unbehelligt wie ungerührt. Das Glück wird in die Winkel des Privaten abgedrängt. Aber solange dadurch noch die Kräfte für einen solchen Film mobilisiert werden, gibt es auch Grund zur Hoffnung.

Zur DVD: Bild und Ton – laut Coveraufdruck ›neu abgetastet in HD‹ – machen in der Tat einen guten Eindruck. Extras gibt es nicht.


Der Weihnachtsurlaub
Der Weihnachtsurlaub
DVD ~ Deanna Durbin
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Liebe frisst Menschen, 23. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Weihnachtsurlaub (DVD)
Gleich auf den ersten Blick fällt die vorliegende DVD unangenehm auf, – und zwar durch ein Irreführungsmanöver des Herstellers. Der Filmtitel »Der Weihnachtsurlaub« übersetzt zwar den Originaltitel korrekt (auch wenn man sicherlich über den bestimmten Artikel streiten könnte), doch der Hersteller möchte den Film unbedingt auch als Weihnachtsfilm vermarkten. Deshalb schreibt man noch – orthografisch unbeholfen – »Weihnachts Edition« auf das Cover und druckt ein Bild von Deanna Durbin drauf, das nicht aus dem Film stammt und auch nichts mit dessen Handlung zu tun hat.

Robert Siodmak (1900-1973) war ein Regisseur, der es verstand, das Publikum auf subtile Weise im Ungewissen zu lassen. Ironische Wendungen sind ebenso seine Spezialität wie eine Vorliebe für das Unheimliche und Abgründige. Und dem Abgründigen gibt Siodmak in »Der Weihnachtsurlaub« viel Raum.

Das Orientierungsbedürfnis des Zuschauers wird von Siodmak auf eine harte Probe gestellt. Erst nachdem fast ein Drittel des Films herum ist, kommt der Film zu seiner eigentlichen Geschichte. Am Beginn scheint sich noch alles auf einen jungen Offizier, Charlie Mason, zu konzentrieren, der gerade sein Offizierspatent erhalten hat und kurz davor steht, ins Kampfgebiet verlegt zu werden. Zuvor erhält er aber noch den titelgebenden Weihnachtsurlaub, den er nutzen will, um seine Braut zu heiraten. Aber noch bevor er abreist, erreicht ihn ein Telegramm, in dem ihm seine Braut mitteilt, sie habe einen anderen Mann geheiratet. Mason will seine Ex-Verlobte trotzdem zur Rede stellen und besteigt das Flugzeug nach San Francisco.

Doch wegen schlechten Wetters muss die Maschine in New Orleans landen, und dort beginnt die eigentliche Geschichte des Films. In einem Bordell lernt Mason die junge Jackie (Deanna Durbin) kennen, die ihm die Geschichte ihrer Ehe erzählt. Sie hat den charmanten Spieler Robert Mannette (Gene Kelly) geheiratet, der in dunkle Machenschaften verwickelt ist und schließlich einen Mord begeht.

Der Film basiert auf einer Erzählung des heute leider kaum noch geschätzten William Somerset Maugham (1874-1965). Thematisch geht es um die Abhängigkeiten, die durch die Liebe geschaffen werden. In solche Abhängigkeiten sind sowohl Mason als auch – und vor allem – Jackie, Robert und dessen Mutter verstrickt. Masons Rolle im Film ist eher passiv angelegt. Er greift kaum ein und ist derjenige, der aus dem, was er erfährt, seine Schlüsse für das eigene Leben zu ziehen hat. Die Rahmengeschichte ist für sich genommen nicht sonderlich interessant. Das Zentrum bildet das Dreieck Jackie, Robert und dessen Mutter. Die Mutter-Sohn-Beziehung wird, nach der Mode der damaligen Zeit, psychoanalytisch ausgelegt.

Schätzenswert ist der Film vor allem wegen der in ihm zum Ausdruck kommende Inszenierungskunst. Siodmak zeigt viel Aufmerksamkeit für Details und er schafft Szenen voll unheimlicher und düsterer Atmosphäre. Die ungewöhnliche Plot-Konstruktion, die erst auf einem Umweg zur eigentlichen Geschichte führt, schafft eine produktive Verunsicherung des Zuschauers. Die Kameraarbeit (Elwood Bredell) ist ebenfalls exzellent.

Verblüffend geglückt ist die eigenartige Idee, die Robert-Mannette-Rolle mit Gene Kelly (1912-1996) zu besetzen, der eigentlich als Tänzer vom Broadway nach Hollywood engagiert worden war. Sein stets strahlendes Äußeres zeigt eine Oberfläche, hinter Abgründe lauern. Die pausbäckige Sängerin Deanna Durbin (1921-2013) ist dagegen in ihrer ersten dramatischen Rolle fehlbesetzt (wie auch Siodmak selbst in seinen Erinnerungen feststellt). Die Edelhure nimmt man ihr keinen Moment ab. Glänzend ist Gale Sondergaard in der Rolle der ebenso distinguierten wie unerbittlichen Mutter.

Zur DVD: Bild und Ton des Films sind einwandfrei. Deutsche Untertitel sind leider nicht verfügbar. Auch Extras gibt es keine.

Fazit: Guter, wenn auch nicht überragender Film in ansprechender Präsentation. Stilistisch zum Teil am Film noir orientiert, zum Teil aber auch am Gothic mystery. Siodmaks Regie ist in jedem Fall sehenswert.


Spirou & Fantasio, Band 52: Spirou & Fantasio, Band 52: Der Page der Sniper Alley
Spirou & Fantasio, Band 52: Spirou & Fantasio, Band 52: Der Page der Sniper Alley
von Fabien Vehlmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spirou und der Irak-Krieg, 22. Februar 2015
Seit ihrem Einstieg in die Spirou-Reihe im Jahre 2009 setzen Szenarist Fabien Vehlmann (*1972) und Zeichner Yoann (*1971) zunehmend auch auf politische Themen der Gegenwart. Bei »In den Fängen der Viper« (2013) ging es um die Finanzmarktkrise, wobei sich erwies, dass dieses komplexe Thema im Rahmen eines Spirou-Albums nicht so recht in den Griff zu kriegen war.

Doch Vehlmann und Yoann haben sich nicht entmutigen lassen und legen nun nach: In »Der Page der Sniper Alley« (2014) verschlägt es Spirou und Fantasio in den Nahen Osten in ein Land, das viel vom Irak hat, aber auch Syrien oder Libanon sein könnte. Es ist ein Land, das in das Visier der Großmächte geraten ist. Die diktatorische Regierung ist gestürzt, fremde Truppen haben das Land besetzt, Plünderungen und Korruption herrschen vor, und die staatliche Ordnung ist durch die gewaltsame Rivalität konkurrierender Gruppen fast vollständig zerstört.

Diesmal gelingt es Vehlmann glänzend, das delikate Thema im Rahmen einer Abenteuer-Geschichte abzuhandeln, ohne es nur für billige Effekte auszubeuten. Gleich die erste Seite thematisiert den Drohnenkrieg, wobei sich Witz und Schrecken die Waage halten. Auch sonst schöpfen Vehlmann und Yoann die Möglichkeiten des Makabren aus, so etwa auf S. 23, wo ein Panel das Fußballspiel von kriegsversehrten Kindern zeigt, denen Gliedmaßen fehlen.

Die Autoren setzen grundsätzlich die antimilitaristische Linie fort, die André Franquin bereits in ›Spirou‹ etabliert hatte. Ganz wunderbar ist die kleine makabre Allegorie zum Thema ›Das Militär macht alles noch schlimmer‹ auf S. 26 unten. Erstaunlich ist, wie es Vehlmann gelingt, auch Detailprobleme noch unterzubringen. Das gilt für das Problem der Isolation der Besatzungsarmee von der einheimischen Bevölkerung, militärisch gedeckte Plünderungen von Kunstschätzen, das Verhalten von Söldnerheeren und einiges andere. Und auch Spirou selbst wird zum Opfer von Klischeevorstellungen: Als er einen Einheimischen sieht, der einen Kunstschatz transportiert, hält er ihn automatisch für einen Plünderer, – doch es ist, wie sich herausstellt, der Museumskurator.

Vehlmann durchlüftet kräftig die Klischeebilder, die sich mit der Situation im Irak und vergleichbaren Regionen verbinden. Daneben schafft er es aber auch noch, eine Abenteuergeschichte zu erzählen, die deutliche Anklänge an Spielbergs Indiana-Jones-Filme zeigt. Und selbst für einen Auftritt von Gaston ist noch Platz. Am Ende schließlich kündigt sich etwas an, womit man kaum noch gerechnet hat: Nach 45 Jahren scheint das Marsupilami in die Spirou-Welt zurückzukehren. Was für ein Cliffhanger!

Szenarist Fabien Vehlmann ist, wie gesagt, in Höchstform. Aber auch die Zeichnungen von Yoann wissen durchweg zu gefallen. Sein Zeichenstrich ist sehr locker, aber gleichzeitig dynamisch und von beeindruckender Detailfülle. So kann es gerne weitergehen. Die Mischung aus traditionellen Elementen und zeitgemäßer Innovation ist stimmig.

Fazit: Ein überaus geglücktes Album! Wenn Vehlmann und Yoann dieses Niveau halten, muss man sich um ›Spirou‹ keine Sorgen machen.


Der große Leichtsinn - The Big Easy
Der große Leichtsinn - The Big Easy
DVD ~ Ellen Barkin
Wird angeboten von Flohpreis
Preis: EUR 5,97

2.0 von 5 Sternen The Big Emptiness, 17. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Der große Leichtsinn - The Big Easy (DVD)
Fast dreißig Jahre ist Jim McBrides »The Big Easy« (1986) inzwischen alt. Zum Zeitpunkt seiner Entstehung erwarb sich der Film einen gewissen Ruf als erotischer Krimi mit New-Orleans-Flair. Sieht man ihn heute wieder, muss man konstatieren, dass er eher schlecht gealtert ist. Gewiss, Ellen Barkin und Dennis Quaid lassen es streckenweise knistern, doch Quaids Performance ist an etlichen Stellen over the top und schrammt gerade am Anfang des Films nur knapp an der Parodie vorbei. Ned Beatty agiert zuverlässig, John Goodmans Part ist zu klein, als dass er nachdrücklich im Gedächtnis haften zu bleiben vermag.

Die zentrale Schwäche des Films ist das Drehbuch (Daniel Petrie Jr.). Mehr als zwei Drittel des Films vergehen, bevor die Story endlich zur Sache kommt. Bis zu dem Punkt wird noch nicht einmal so recht deutlich, was für eine Art Film das Ganze werden soll. Mehr oder weniger ziellos schlingert der Film dahin.

Viel Raum nehmen die Plänkeleien und Flirts zwischen Polizei-Leutnant Remy McSwain (Quaid) und der mit internen Ermittlungen beauftragten Staatsanwältin Anne Osborne (Barkin) ein. Überaus witzig ist eine Szene vor dem Kühlschrank. Daneben gibt es Schlaglichter auf den Polizeialltag sowie die Korruption und Vetternwirtschaft unter Polizisten. Eine Serie von Morden wird begangen, aber diese Verbrechen spielen in den ersten beiden Dritteln des Films nur eine seltsam marginale Rolle. Lieber ergötzt sich der Film ausgiebig am Lokalkolorit und an folkloristischen Einlagen. Dazu wird reichlich Cajun-Musik serviert.

In der letzten halben Stunden gibt es dann erzählerisch etwas Butter bei die Fische. McSwains kleiner Bruder wird angeschossen, so dass erstmal Schluss ist mit lustig und Folklore. Man beginnt nun wenigstens zu ahnen, weshalb der Film dem Genre ›Thriller‹ zugeordnet wurde. Die Aufklärung der Mordserie ist wenig originell und nimmt auch wenig Rücksicht auf die zuvor geschilderten Verfilzungen im Polizeiapparat. Irgendwie löst sich alles merkwürdig rasch in Wohlgefallen auf, nachdem die beiden Bösewichte ausgeschaltet sind.

Jim McBride (*1941) galt in den späten 1960er Jahren als großes Talent. In den 1980er Jahren nahm seine Karriere noch einmal Fahrt auf, bevor sie in den 1990er Jahren vermutlich endgültig versickerte.

Zur DVD: Bild und Ton sind okay. Die deutschen Untertitel sind eher dürftig übersetzt. Als Extras gibt es Texttafeln mit Darstellerinformationen und eine 26-minütige US-amerikanische New-Orleans-Doku, die ich nach drei Minuten ausgestellt habe.

Fazit: Der Film liefert keinerlei Grund, den 80er-Jahren nachzutrauern.


Insomnia - Todesschlaf
Insomnia - Todesschlaf
DVD ~ Stellan Skarsgård

4.0 von 5 Sternen Gefangen in sich selbst, 17. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Insomnia - Todesschlaf (DVD)
Christopher Nolans »Insomnia« (2002) bot Al Pacino und Robin Williams die Bühne für eindrucksvolle Performances. Der Film war bekanntlich ein Remake. Hier ist das norwegische Original von Eric Skjoldbjærg aus dem Jahre 1997. Stellan Skarsgård spielt die Rolle des schwedischen Kommissars Engström, der im Fall der Ermordung eines 17-jährigen Mädchens von der norwegischen Polizei als Experte hinzugezogen wird.

Engströms Professionalität führt in der norwegischen Provinz schnell auf die Spur des Täters. Doch dann passiert etwas Unvorhergesehenes: Engström erschießt im Nebel seinen norwegischen Kollegen. Befangen durch seinen eigenen Perfektionismus und zermürbt durch seine anhaltende Schlaflosigkeit in der Mittsommernacht unternimmt er alles, um die Tat dem Mädchenmörder anzuhängen. Doch die Kontrolle über die Geschehnisse beginnt ihm zusehends zu entgleiten.

Skjoldbjærgs Zugang zur Geschichte ist insofern schlichter, als er auf die Stilisierung der Bilder verzichtet, mit der Nolan den schleichenden Realitätsverlust der Hauptfigur fassbar macht. Aber Skjoldbjærg zeigt eindringlich, wie seine Hauptfigur nach und nach den Zugang zu anderen Menschen verliert. Es kommt zu bizarren Missverständnissen. Engström bekommt zunehmend Schwierigkeiten, sich sozial zurecht zu finden.

Skarsgårds Kommissar hat etwas zutiefst Verschlossenes und Abweisendes an sich. Teils ist das Arroganz, teils aber auch nur eine gewisse Unfähigkeit, mit anderen Menschen umzugehen. Letzteres verschärft sich unter den Bedingungen der Mittsommernacht. Pacinos Hauptfigur hat dagegen etwas Monomanisches, das expressiver angelegt ist. Überdies war bei Pacino die Gefahr größer, dass sich in der Perspektive des Zuschauers die Virtuosität des Darstellers vor das Interesse an der Figur schiebt.

Nolan verwandelt Alaska in eine eigenartige Traum- bzw. Alptraumlandschaft, in der sich die Hauptfigur in eine kaum entwirrbare Mischung aus Kriminalfall und persönlichen Obsessionen verstrickt. Skjoldbjærg siedelt seine Geschichte in einem realistisch dargestellten Norwegen an, das für die Hauptfigur lediglich Anlässe liefert, sich in ihrem inneren Labyrinth zu verrennen.

Fazit: Klug inszeniert, glänzend gespielt. Ein Film, der lohnt, auch wenn man das Remake schon kennt. Die DVD bietet mit Originalsprache und deutschen Untertiteln ein anständiges Minimum. Als Extras gibt es den üblichen Trailer und einen TV-Spot.


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