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Felix Stefanoff
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Praises to the War Machine
Praises to the War Machine
Preis: EUR 10,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht die musikalische Klasse von Nevermore. Obacht., 24. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Praises to the War Machine (Audio CD)
Wer wie ich die Stimme und Ausdruckskraft – sowohl textlich als auch musikalisch – Warrel Danes liebt und dabei den letzten Nevermore-Opus The Obsidian Conspiracy vorliegen hat, dem sei hier ein kritischer Hinweis gegeben. Diese erste Zusammenarbeit mit Soilwork-Gitarrist/Schreiber und Produzent Peter Wichers zeigt Kinderkrankheiten, verwundert durch musikalische Nachlässigkeiten an zu vielen Ecken und Enden. Dieses Album lässt mich nun den immensen Sprung zu The Obsidian Conspiracy, der zweiten Arbeit mit Wichers, einsehen. Ich ziehe einen Vergleich:
1. Beim Nevermore-Album hat Danes Stimme unheimlich viel Raum und kann auch in den tieferen Lagen glänzen und schimmern, was eine produktionstechnisch smarte Idee war, denn Dane klingt nirgendwo anders so perfekt wie auf The Obsidian Conspiracy. Das liegt auch 2. an der strengen Auskomposition der Gesangsstimmen, deren melodische Linien auf absolute Effektivität gefeilt wirken und 3. in einen meisterhaften (das muss man so sagen) und geschmackvollen Refrain nach dem anderen sich ergießen können.
Drei Punkte die bei Praises to the War Machine überraschend mau ausfallen. Ich verweise dabei auf den damals vorab gehörten Song Messenger, ein Cut welchem davon, was Danes Musik genussvoll macht noch viel innewohnt: ein ausdrucksstarker Gesang mit überzeugender Linie sowie Refrain und zudem dramatisch plausibler, runder Physiognomie. Doch schon bei Obey – eigentlich ein interessanter Song, der mit Räumlichkeit und orientalischem Vibe spielt – bis hinein in die schwache Mitte des Albums zeigen sich Nachlässigkeiten in Danes Gesang. Dieser wirkt zuweilen ziellos, in der Intervallik flach und improvisiert, sprich kompositorisch ungefeilt. Bei Lucretia My Reflection präsentiert sich dieser dermaßen geduckt, fast nicht hörbar und hilflos undefiniert im Refrain. Auch dieser Song wirkt vom instrumentalen Background eigentlich solide: besonders der robuste Drumgroove unter straighter Achtelgitarrenwand erzeugt eine Sympathie schwedischer Art à la Katatonia‘s Brave Murder Day. Auch der Opener When We Pray leiht sich einen Katatonia-Groove (hier winkt der Song Evidence vom gerühmten Viva Emptiness) und überzeugt nebenbei als songstrukturell rundester Happen vom Album: kompakter A/B/A Aufbau, gewieftes Solo, Refrain, Aus. Viele andere Songs sind ideenlos hinten abgehackt, darunter leider Obey. Ich weiß nicht ob man hier Pop-Song-Kompaktheit erzwingen wollte oder so etwas wie Authentizität?
Letztere Frage auch beim Gesang, der wie angedeutet streckenweise improvisiert und gemurmelt auftritt – als hätte Wichers ein Mikro hingehalten als Dane auf der Couch lag und an einem Lied rumprobierte. Doch was ist mit der Komposition der Stimme los (?!), jene die Songs veredeln soll, was man auch erwarten darf bei einem Ausnahmesänger wie Dane. Es scheint er hatte einen langen schlechten Tag bei den Aufnahmen. Oder ein falsches Mikrofon? Man ist verwundert. Wie Kinderliedmotive, die aus dem Bauch rezitiert werden – ein Eindruck, unterstützt von Aneinanderreihungen von Taschenradioeffekten im Mix, und dies noch akkumulierendes, unhörbares Gesäusel bei gleich zwei Folgetracks: Let You Down und August. Auch hier ist es nicht Wichers an den Instrumenten, der nicht überzeugt: August ist gut geschrieben und belohnt mit druckvollen Riffhieben. Es fehlt jedoch beinahe jedem Song der ‚Wow-Effekt‘, ein richtiger C-Teil, ein Tonartwechsel, ein neues kontrastierendes Riff oder zumindest eine abhebende Bridge!?
Natürlich kann man hier auch die Frage nach der Zielgruppe eines solchen Albums stellen. Ich persönlich bevorzuge einen Twist oder interessanten Kontrast im Song, auch wenn ich hin und wieder einen stark geschriebenen, rund-vollmundigen Popsong wertschätze. Doch wer hört dieses Album nun voller Wonne? Mal ganz polemisch: für Pophörer ist’s zu heavy, für Rockhörer noch zu frickelig? Für Metaller zu C-Teil-arm, und dann für Nevermore-Hörer zu Warrel Dane-arm!? Für Kuschelrockhörer? Vielleicht. Doch auch dafür haben wir nicht die Perfektion einer Weichspülproduktion: Man nehme nur mal das balladeske Your Chosen Misery: wie kann man bei einer spezifisch eingesetzten, wahrscheinlich sanft-klingen-sollenden Akustikgitarre einen solchen Eröffnungstake in den Master gehen lassen, wo man mehr Plektrumgeräusche hört als Töne; hätte man nicht etwas Liebe in diesen Akustiksound stecken können, und in das Spiel?! So hat selbst dieser wiederum eigentlich vielversprechende Song einen amateurhaften Beigeschmack, und mal ehrlich, man höre bitte The Blue Marble and the New Soul von The Obsidian Conspiracy, ich denke das ist ein fairer Vergleich und zeigt die Entwicklung und den feinen Soundunterschied zwischen diesen beiden, der zweiten, und dieser ersten Kollaboration mit Wichers.
Einmal aus der fragwürdigen Albummitte raus hat Praises to the War Machine neben dem emotional geladenen, elegischen Brother noch eine positive Überraschung aufzuweisen: This Old Man. Hier klappt der Clean-Sound, weiß eine verregnete Atmosphäre zu weben und baut sich zu einem starken Song à la Killswitch Engage at its best auf. Man suggeriert hier, wen jene Band nach dem Ausstieg von Howard Jones ins Bot holen hätte können: Warrel Dane. Doch Spaß beiseite, die Gesangslinie ist ausdrucksvoll wie bei Messenger und Brother und Dane steht die Metalcore-angeliehene Soundumgebung erfrischend gut. Diese drei Songs bleiben allerdings die einzigen, wo man sich nicht bessere Performances zu wünschen gezwungen sieht und diesem Ausnahmesänger einfach genussvoll zuhören kann.
Ich werde das nicht strapazieren, aber fehlt uns hier ein Jeff Loomis, hatte jener den Finger drauf, wenn Dane Gesangslinien brachte, und rückte diesen charismatischen Sänger ins Licht? Eine naheliegende Theorie, wenn man um Loomis‘ akademisches Handwerkszeug sowie herausragendes musikalisches Ohr weiß und sich nun mit Praises to the War Machine beschäftigt; wo man bei Nevermore einiges nicht so ungenau hätte stehen lassen. Alles in allem ein unnötig schwächelnder Dane, so wie er sich hier auf Polycarbonat verewigt hat.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 9, 2014 4:30 PM CET


Storm Corrosion
Storm Corrosion
Preis: EUR 15,99

5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bei Analytischer Betrachtung..., 24. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Storm Corrosion (Audio CD)
Als Mikael Åkerfeldt im März 2011 von Stockholm nach Hemel Hempstead reist hat er mit der musikalischen Liebe seines Lebens, Opeth, bereits ein brandneues Album, "Heritage", aufgenommen und eben dieses soll am Zielort seiner Reise von Steven Wilson den tontechnischen Meisterschnitt erhalten. Nicht zum ersten Mal arbeitet man zusammen. So begleitete und mischte Wilson schon den – für Fans sowie die Band heute – Meilenstein "Blackwater Park" (2001) sowie das Folgeduo "Deliverance"/"Damnation" (2003). Man kennt einander, und zwar gut. Freundschaftsbekundungen bis hin zu Einladungen zu Familienkreisen wurden ausgesprochen. Vielleicht haben sich die Herren Åkerfeldt und Wilson schon damals gar schicksalhaft wie verlorene Blutsbrüder auf meteorem Flugweg in die Gefilde der musikalischen Klangmysterien mit vehementem Aufprall wiedergefunden. Die Vehemenz gilt der so sturen musikalischen Vision, die sie manchmal zu Zwillingen macht. Wilson zähmte seinerzeit das schwarze Wasser bei Opeth mit seiner messerscharfen Sensibilität für kirchentonleiterreiche, klangmalerische Rockmusik. Åkerfeldts kompositorische Weise von druckvollen, schwindelerregend gestalterischen Gitarrenriffs gelangte wiederum auf Wilsons Output In Absentia (2003) seiner Hauptband Porcupine Tree zur deutlichen Abfärbung. Doch man hat nie offiziell etwas zusammen komponiert. Bis man sich nun doch, wo man im No Man’s Land Studio anno 2011 schon einmal wieder beieinander saß – Herr Wilson barfuß wie immer, Herr Åkerfeldt im Orbit von Kaffee und Zigaretten – dazu bewegte einmal was ganz jungfräulich, "from scratch", wie der Engländer so schön sagt, gemeinsam zu erschaffen. Dass dabei ein so ominöser wie romantischer Name wie "Storm Corrosion" für dieses neue Ding herauskommen würde, überrascht den Kenner der beiden Exzentriker kaum. Klingt aber trotzdem wie immer interessant und malerisch und macht Lust auf die Musik. Wenn man bedenkt, dass auch Herr Wilson zu jenem Zeitpunkt sein Mammutprojekt in Form seiner zweiten Solo-Doppel-CD "Grace for Drowning" im Gange hatte, fragt man sich vielleicht: "Was soll das, wieso machen die das jetzt noch, wie soll das klingen?" Wo manch langjähriger Fan beider Musiker herzinfarktnahe Stunden und Wochen durchstehen musste bis "Storm Corrosion" veröffentlicht wurde, fragte auch ich mich, was dran ist an der Wilson/Åkerfeldt Symbiose bzw. was daran überhaupt neu sein soll? Oder vielleicht doch wiederum gar nichts Neues und darum geht es gar nicht? Erwartet man wohlmöglich zu sehr das Unerwartete, wie aus der Vergangenheit von Opeth und Porcupine Tree bestätigt? Oder war es am Ende doch nur ein ironischer Spaß der beiden Herren, deren sarkastischen Humors sowie manchmal absurder, künstlerischer Extravaganz man familiär ist und auch schon an der Wahl des Cover Artworks ablesen kann. Was ist Storm Corrosion nun genau?
Es geht auf "Play" und bald vernimmt man echte Streicher mit Liegeton in den Bratschen sowie dem Tritonus und der kleinen Sexten, die abwechselnd von den Celli darunter geschichtet werden, in einem minimalistischen Klangzug heranrollen. Die Stimmung wirkt mit den beiden dissonanten Intervallen, kaum überraschend, ominös und unheilvoll. Nach einer gewissen Weile Loop setzt Åkerfeldts Stimme ein und intoniert im Liegegrundton die Zeilen "Now my dear friend, now for your sin", wobei er nur für das Wort "sin" effektvoll eine große Sekunde herunter geht und damit einen neuen Tritonus zur oben genannten kleinen Sexten der Celli aufschließt. Es kommt der Charakter einer kirchlichen Andacht auf, hervorgerufen durch den Wechsel von Monotonie zu einem abschließenden Intervallsprung im Gesang, der hier ohnehin mit einer gewissen sterilen Distanz vorgetragen wird. "You’re to suffer, here it begins", setzt es fort. "Suffer" geht diesmal eine große Sekunde herauf, wodurch wiederum nunmehr eine kleine Sexte zum Tritonus der Celli gebildet wird und sich eine Spiegelhaftigkeit bemerkbar macht, welche die Gefangen- bzw. Befangenheit der Atmosphäre des Eröffnungsteils unterstreicht. Im Verlaufe des Tracks wundert man sich weniger über die vorherrschende harmonische Sprache oder das charakteristische Gitarrenspiel Åkerfeldts sowie Tastendesigns Wilsons als über den Kanon-artigen Einsatz und Fokus auf sowohl die kontrastreichen Stimmen der beiden Akteure, die teilweise ganz a cappella präsentiert werden, als auch auf orchestrale Instrumente wie Streicher, Flöte, Klarinette und das fast völlige Fehlen von Schlagzeug, welches nämlich auf ein bis zwei Becken und Shaker reduziert ist, worauf zur Spannungssteigerung zeitweise das Metrum verstärkt wird. Auch fällt schon in "Drag Ropes" die kompositorische Eigenart des abrupten Abschneidens des Klangflusses auf, was später in „Lock Howl“ bis an den Rand des Geschmackvollen getrieben werden soll und fast uninspiriert wirkt.
Leider bezeichnet das letzte Adjektiv zu oft den Eindruck, den man auch nach dem eröffnenden Stück nicht ganz loszuwerden vermag. Obwohl die immer wieder sich aufschaukelnde ominöse Stimmung bei "Drag Ropes" gegen Ende in einen kompositorischen Höhepunkt kippt, wo sich die Musik in gewollte Schönheit zu verwandeln scheint (eingeleitet von einem traurigen, überzeugenden Jazz-Gitarren Solo von Åkerfeldt) bleibt das Gefühl musikalischer Fadheit. Ein Gefühl, welches sich durch den willkürlich langgezogenen, lasch wirkenden Abgang ungestört niederlegen kann. Der Approach des dubios klingen Wollens wirkt mittlerweile aufgesetzt und unnötig. So hat man diese Façon doch gerade bei Opeth schon weitaus homogener und überzeugender gehört, als in dem auf dem Tritonus rumnudelnden Streicherkonstrukt von "Drag Ropes". Hier setzten die beiden Musiker zu sehr auf schon-da-Gewesenes, was dem Fan nicht reichen und baukastig vorkommen wird.
Wie schon oben angedeutet wird Storm Corrosion immer da richtig stark, wo dem Hörer sensible Landschaften hingestellt werden. Eine Entwicklung, die schon bei Steven Wilsons "Grace for Drowning" überraschend erfrischend zu begeistern wusste, ist ein fast filmmusikalischer Gestus, wie er auch in den diesigen Regen-Ambientklängen am Anfang des Titeltracks aufkommt, in die sich eine von fern klingende Flötenmelodie sowie wenig später eine sanft galoppierende Westerngitarrenlinie einwebt, sodass man mit kaltem Schauer in die Landschaft hineinfallen könnte. Wenn dann noch Wilson im ruhigen Falsett einsetzt ist das wohl überzeugendste Stück des Albums vom Stapel und lässt die übrigen Kompositionen wechselwirkend leider auch noch schwächer drein schauen. Besonders "Drag Ropes" ist gekünstelte Zeitverschwendung im Vergleich zu "Storm Corrosion", welcher so sensibel, authentisch, erdig daher kommt und genau das aufzeigt, was man von Åkerfeldt und Wilson in Punkto Tonmalerei zeitgenössischer Rockmusik so zu lieben und wertschätzen gelernt hat. Auch erhascht einen bei der gesamten zweiten Hälfte des Albums der ärgerliche Eindruck von zusammengeschusterten Improvisationen, die ihrem Namen nur stellenweise gerecht werden. So wirken "Happy" und "Hag" wie plätschernde Intermezzi, die nicht so recht wissen, wo sie hinwollen, während Åkerfeldt und Wilson wieder zu sehr auf altbekannte Instrumentalthematiken setzten, die man so schon weitaus selbstbewusster und definierter bei den letzten Veröffentlichungen der beiden Innovatoren gehört hat. Besonders "Hag" wirkt aus der Perspektive eines Musikproduzenten mehr wie eine Nachmittagsbastelei anstatt von Inspiration initiiert. Wilson begünstigt diese Einschätzung mit seinem hier lustlos eingesummten Gesangspart. Es fällt auf, dass Wilsons Stimme im Albumverlauf ohnehin dominiert, was allerdings wohl keine unbedingt weise Entscheidung war, sodass man beim Intro des Folgestücks fast daran denkt ihn bitten zu wollen Gesangsstunden zu nehmen und aufzuhören "lalala" zu singen, wo immer man keine Lust oder die Zeit fand weitere richtige Instrumente einzuspielen. Zum Erzielen von mehrstimmigen Imitationen und Dialogen zur Gesangslinie hätte man beispielsweise wunderbar Oboen oder Violinen verwenden können, wo das Session Orchester eh schon einmal aufgestellt war. Allerdings liefert auch Åkerfeldt, wenn seine Gesangsstimme im letzten Track mit dem gewollt wirkenden, abstrusen Titel "Ljudet Innan" zurück ist, eine Performance ab, die durchaus an der Grenze des professionellen Musizierens entlangspaziert. Man hat das Gefühl er hat sich etwas geirrt in seiner neusten Überzeugung, wirklich alles imitieren zu können, was man gerade zu Hause im CD-Player hat, und versuche neuerdings Whitney Houston zu sein. Das will dann doch niemand wirklich bezeugen müssen und Herrn Åkerfeldt auch einfach nicht stehen, dessen Charme sein geschichtenerzählerisches, tiefes Timbre ausmacht. Einmal darauf eingelassen funktioniert jenes letzte Stück aber irgendwie. Ob es an Wilsons monumental gewebtem Klanggletscher liegt, der den Gesang ablöst und so unaufdringlich eindringlich zu verschlingen weiß, wie es schon beim Titeltrack um einen geschah, bleibt aber eines jeden Erlebnis selbst. Auch diesem, sowie fast allen der sechs Nummern fehlt allerdings schlichtweg ein Ende. Wie anfangs schon erwähnt werden sogar Teilübergänge binnen der Tracks einfach in abrupte Soundsackgassen gefahren. Wie eine Platte die plötzlich hängt und an eine andere Stelle springt wird dann mal eben einer der kompositorisch stärksten Stellen des Albums, wie sie in der Mitte von "Lock Howl" erreicht wird einfach brutal wieder eingestampft. Die Magie der Kurzweiligkeit funktioniert anders. Sowieso leidet die eben genannte wohl zweitstärkste Komposition von Storm Corrosion lediglich an einem unnötig ungeschickten Arrangement. Der orientalische Drive, die dorische Hypnose und cineastische Kraft, die hier ausgestrahlt wird, weiß nämlich durchaus zu überzeugen und lässt einen nach mehr flehen. Viel mehr kommt aber nicht, womit man dem Stück wiederum eine Fehlplazierung in der Tracklist vorwerfen könnte.
Man sieht, man schafft es dem neuen Werk der beiden Künstlerrockpioniere leider diesmal unweigerlich viel vorzuwerfen. Enttäuschung macht sich breit. Vielleicht auch Unbefriedigtheit. Oder auch nicht, denn man hat ja noch den aktuellen Opeth Opus. Oder vielleicht gerade deswegen. Wohlmöglich kränkelt der Wilson/Åkerfeldt-Hörer mit Übersättigung? Klangübermüdung? Und jetzt Gottverlassenheit? Man weiß es nicht. Fakt ist, "Storm Corrosion" wirkt wie ein Gimmick. Beinahe wie aus einer Cornflakespackung, in der die wahren Zerealien nunmal in der Materie darum herum stecken. Jene musikalischen Nährstoffe werde ich mir nun geschwind gönnen und "Grace for Drowning" genießen. Åkerfeldt hätte vermutlich besser ohne "Storm Corrosion" wieder nach Stockholm fliegen sollen und das musikalische Ferienlagerprojekt auf Wilsons Rechner vergessen sollen. Denn mehr als den guten Ruf trüben, kann diese Veröffentlichung bei solcher Konkurrenz wie Wilsons letzter CD und Opeths "Heritage" dann doch nicht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 11, 2013 9:03 AM MEST


Borodin: Complete Symphonies
Borodin: Complete Symphonies

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Abendsonnenbad von Musikaufnahme, 14. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Borodin: Complete Symphonies (Audio CD)
Iniziiert ist diese Rezension von einem ungläubigen Dasitzen beim Hören einer anderen Borodin Aufnahme "The Essential Borodin" von Decca. Die zweite Sinfonie wird dort dermaßen schlampig dargeboten, wenn mit dieser herrlich von Präzision, Innigkeit und Russischen Musikverständisses glimmenden Interpretation von Gennady Rozhdestvensky verglichen. Der Dirigent lässt das Royal Stockholm Orchestra in einer solch niemals sterilen sondern gelassenen Genauigkeit auffahren, dass nur noch der bauchig-reiche Klang der Stockholm Concert Hall sein Resonanzgewand darüber legen muss; so strahlt die traumhafte Orchestermusik Borodins. Ich komme buchstäblich nicht mehr aus dem Schwärmen heraus bei dieser Doppel-CD von Brilliant Classics, was sich wiederholt als ein Stempel für großartige Aufnahmen zum kleinsten Preis herausstellt. Ein genauerer Blick auf die schöne, passend weich aufgemachte Verpackung verrät zudem, dass diese Aufnahmen von Chandos Records lizensiert sind, und schon bestätigt sich zusätzlich wo die Qualität herkommt. Das mehrfach ausgezeichnete englische Privatlabel ruft bei mir nur die wärmsten Erinnerungen hervor (Tschaikowskys 4te mit Mariss Jansons von 89, um nur eine Weltaufnahme zu nennen).
Ich empfehle diese Doppel-CD einfach allen.


A Dramatic Turn of Events
A Dramatic Turn of Events
Preis: EUR 10,39

32 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Cover gibt vor: Leere im Baukasten, 18. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Dramatic Turn of Events (Audio CD)
Was sich meiner Beobachtung zufolge die letzten Jahre bereits zunehmend erkennbar angeschlichen hat, nimmt in "A Dramatic Turn of Events" seinen allumfassenden traurigen Höhepunkt: Dream Theater sind dermaßen festgefahren und klingen in ihren so zahlreichen Ideen so ideenlos zugleich, dass man nur noch pseudo-positiv konstatieren kann: Cover/Layout und Musik harmonieren perfekt, nämlich darin, dass diese "Ideen" mittlerweile schockierend durchschaubar nach Baukastenprinzip zusammengeworfen werden - dann noch ordentlich mit allem was die Poliermaschine hergibt drüber gewienert und fertig ist die blutende Blüte der Sterilität und Leidenschaftslosigkeit.
Gitarrist John Petrucci sagte in einem Interview zu Drummer Mike Portnoys Ausstieg, dass Portnoy stets den Crisp und das Rauhe im Sound behalten wollte, wogegen Petrucci als diesmal einziger Produzent vollends SEINEM Ziel des aalglatten, ultraperfekten Klangendergebnisses nachgehen konnte. Und genau das war der, wie von mir schon beim Lesen befürchtete, letzte Sargnagel zu den Dream Theater, die noch auf "Octavarium" wie mit Links diesen Charme und einen so coolen Vibe versprühten. Was hatte ein Album wie "Octavarium"? Ein wasserdichtes KONZEPT, coole Lyrics/Wortwitz (s. Titeltrack), verdammt noch mal überwältigende, schnaufende, vor Musikliebe schwitzende Stücke MUSIK. All das hat "A Dramatic Turn of Events" nicht. Das Konzept der jeweiligen Songs ist so schwerelos und seicht wie der Einradjunge in seinem babyblauen Himmel. Und das Schlimmste ist, dass ich mich die ganze Zeit fragen muss: "Was zur Hölle macht LaBrie da eigentlich?" Ich bin jemand der seine Stimme immer verteidigt und geliebt hat in den Momenten des Storytelling. Doch zum ersten Mal hab ich mich beim Hören der Songs dabei erwischt zu hoffen, dass der Gesang bitte noch nicht einsetzt oder auch gerne garnicht mehr. Wiederum lose und erstickend dünn in ihrer eigenen kreativen Hilflosigkeit wirken die Gesangslinien und können die Kinderlektüre-Texte auch leider nicht aufwerten. Zum Einstieg des neuen Drummers Mangini oder den Abläufen der Songs werde ich bewusst garnichts weiter sagen, denn darum geht es garnicht - Mangini macht seinen Spitzenjob und die Songstrukturen sind auch bekannt - sondern liegen die Probleme wie oben diskutiert im fundamentalen Charakter dieser Veröffentlichung, der überlackierten kreativen Leere.
Wie Ex-Drummer und langjähriger Bandmanager Portnoy schon ahnte: Es wäre besser Zeit für eine Pause für Dream Theater gewesen. Wenn man "A Dramatic Turn of Events" hört, erkennt man diese Wahrheit. Oft ist weniger mehr und die Zeit bringt die Leidenschaft zurück.
Ich werde diese Band immer lieben für ihre Veröffentlichungen die nicht wie Büroarbeit klingen/ein Produkt, dass abgeliefert werden muss und empfehle daher allen Lesern zu Höhepunkten wie "Awake", "Scenes from a Memory" und eben "Octavarium" zu greifen, um die Band von ihrer Seite des leidenschaftlichen Musikers kennenzulernen. Gentlemen.
Kommentar Kommentare (18) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 22, 2012 5:21 PM CET


Fear of a Blank Planet
Fear of a Blank Planet
Preis: EUR 13,98

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gesellschaftskritisches, melancholisches Meisterwerk, 16. April 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fear of a Blank Planet (Audio CD)
Ich war schon beim zweiten Durchlauf dieses von mir sehnsüchtig erwarteten neuen Outputs von Porcupine Tree vollkommen gefesselt. Besonders die Sektion mit den Zeilen ~Water so warm that day, I counted out the waves [...]~ in ~Anesthetize~ geht mir nichtmehr aus dem Kopf bzw. der Seele, einer von vielen Momenten unendlicher Schönheit.

Generell erahne ich, dass mit ~Fear of a Blank Planet~ schon allein lyrisch ein Meisterwerk das Licht der Welt erblickt hat. Gesellschaftskritisch und mit viel Nähe, Emotionen und auch ein wenig Abrechnungs-Charakter (so wirkt auf mich jedenfalls der Text zum Titelsong) geht Steven Wilson an die Problematik: Die regelrechte Verblödung durch Medienwahnsinn und der seelischen Entmutigung durch soziale Kälte, besonders bei Kindern und Teenagern in der heutigen Zeit. Ich kann mich mit vielen Zeilen sehr identifizieren (als 17-jähriger Schüler), ja es spricht mir beinahe aus der Seele, wobei man sagen muss, dass über dem gesamten Konzept gewiss ein etwas hyperbolisch-melancholischer Schleier liegt. Aber ich persönlich liebe ja sowieso diese Art von Lyrik und war schon immer begeistert von Steven Wilson's schon fast minimalistischem Schreib-Stil in dem soviel Tiefe und Intelligenz steckt.

Musikalisch wird der Weg von ~Deadwing~ weiter geführt, wobei diesmal deutlich hörbar ist wie sehr sich Gavin Harrison mit seinem stilistischen Schlagzeug-Spiel einbringen konnte, welches bekanntlich ja unheimlich vertrackt und Double Bass lastig ausfallen kann, was in schon fast - wenn auch nur kurzen - brachialen Metal-Ausbrüchen (für Porcupine Tree-Verhältnisse) auf dem Album gut hörbar ist.

Man kann sich jedoch - um jetzt mal nicht genauer in epischer Breite auf die Musik einzugehen, die man einfach nur selbst erleben muss - beim Kauf des Werkes auf hundert Prozent Porcupine Tree - und der damit verbundenen Genialität, Schönheit, Sensibiltät, Intelligenz, Dynamik, Spannung und Detailverliebtheit - freuen.


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