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Rezensionen verfasst von
Colin "metal.de"

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Unleash the Fire (Digipak)
Unleash the Fire (Digipak)
Preis: EUR 16,99

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anwärter auf das Album des Jahres, 31. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Unleash the Fire (Digipak) (Audio CD)
Obwohl er nie den kommerziellen Erfolg einfahren konnte, den er ohne Zweifel verdient hätte, war Mark Reale einer der einflussreichsten Gitarristen der gesamten Metalszene. Als er vor über zwei Jahren den Folgen seiner Krankheit Morbus Chron erlag, war es klar, dass seine Band RIOT, die kurz zuvor mit “Immortal Soul” eine sehr starke Scheibe veröffentlicht hatte, mit ihm zu Grabe getragen werden würde. Mike Flyntz, kongenialer Partner von Reale an der Sechsaitigen, beriet sich mit Reales Hinterbliebenen und man kam zu dem Schluss, dass die Band, wenn auch unter leicht verändertem Banner, weiter machen sollte. Dass RIOT V aber mit einem solchen Paukenschlag zurück kommen würden, hätten sicherlich die wenigsten geahnt. “Unleash The Fire” lautet der Titel der Platte und macht seinem Namen alle Ehre.

Nicht nur, dass das Erbe von Mark Reale durch Mike Flyntz und den neuen Klampfer Nick Lee in Ehren gehalten wird, auch der neue Sänger Todd Michael Hall steht seinem Vorgänger Tony Moore in nichts nach. Ich weiß nicht genau, was ich von “Unleash The Fire” erwartet habe. Aufgrund der Umstände vielleicht eine etwas melancholischere Ausrichtung des bekannten RIOT-Sounds. Abgesehen von der abschließenden Gänsehautnummer “Until We Meet Again”, bei der man sich gerne auch eine Träne aus dem Knopfloch drücken darf, vermittelt “Unleash The Fire” aber vornehmlich positive Vibes und bietet dem Fan das was er hören will: Pfeilschnelle Gitarrenläufe, messerscharfe Soli und Hymnen im XXL-Format - das Album killt komplett. “Metal Warrior”, “Land Of The Rising Sun”, “Take Me Back” oder “kill To Survive” gehen beim ersten Durchlauf nicht nur direkt ins Ohr, sie schrauben auch das Energielevel auf “Unleash The Fire” enorm hoch. Daneben stehen Mid-Tempo Songs wie “Immortal” oder der stark groovende Titeltrack und “Bring The Hammer Down”. Stilistisch wandelt man dabei immer wieder zwischen den typischen RIOT-Trademarks, europäischem Power- (ohne Kitschfaktor) und US-Metal mit traumwandlerischer Sicherheit hin und her. Einen schwachen Ton sucht man auf dem Album vergebens, dafür kann man förmlich spüren, wie fokussiert die Band bei den Aufnahmen zur Sache gegangen ist. Natürlich hatten Mike Flyntz und Donnie Van Stavern eine schwere Bürde zu tragen. Das - und vielleicht ist das die größte Leistung von RIOT V - merkt man dem Album aber zu keiner Sekunde an. Im Gegenteil. Die Platte wirkt eher wie die Veröffentlichung einer hungrigen Newcomerband.

Nicht auszudenken, wenn man sich beim Songwriting verzettelt hätte oder Todd Michael Hall nicht zum restlichen Line-Up gepasst hätte. So aber hat das Ganze nichts mit Leichenfledderei zu tun. RIOT V verbeugen sich tief vor dem Erbe von Mark Reale und führen es in seinem Sinn fort. “Unleash The Fire” ist nicht nur ein respektvoller Nachruf auf den einstigen Bandkopf, sondern auch eines der stärksten Metal-Alben des Jahres geworden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 9, 2014 8:47 PM CET


Valkyrie
Valkyrie
Preis: EUR 0,83

1.0 von 5 Sternen Sinngebend..., 3. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Valkyrie (MP3-Download)
...für das neue Album der (ehemaligen) All-Star-Group. Musikalisch nichts mehr zu sagen? Dann wiederholen wir den Refrain eben bis zum Erbrechen. Unhörbar.


Who Dominates Who
Who Dominates Who
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Super Re-Release, 3. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Who Dominates Who (Audio CD)
Zeit für ein weiteres Jubiläum. Vor fünfundzwanzig Jahren erblickte das zweite ACCUSER-Album “Who Dominates Who?” das Licht der Welt und zeigte vor allem, dass der Underground in der auslaufenden ersten Thrash-Welle doch einiges zu sagen hatte. Musikalisch keinen Deut schlechter als die großen Einheimischen und sicherlich auch absolut konkurrenzfähig im internationalen Vergleich, war es ACCUSER doch nicht vergönnt in der ersten Liga mit zu spielen. Dabei zeigt gerade die Neueinspielung von “Who Dominates Who?”, dass die Siegener es durchaus verdient gehabt hätten den Durchbruch zu schaffen.

Auch im Jahr 2014 haben die Kompositionen nichts von ihrer Intensität und ihrem Charme verloren. Ein Pluspunkt für Frank Thoms und seine Bande, denn viele Re-Recordings können einfach nicht den Spirit des Originals einfangen. “Who Dominates Who?” ist da anders. Mit viel Liebe zum Detail haben ACCUSER ihren Klassiker neu aufgenommen und sich dabei den Esprit von 1989 erhalten ohne dabei obsolet zu klingen. Ganz im Gegenteil, Songs wie der geniale Opener “Master Of Disaster”, “Elected To Suffer” oder der kultige Titeltrack bestehen den Test-Of-Time ohne Mühe. Hier gibt es sieben Mal deutschen Thrash der Extraklasse auf die Mütze. Die Riffs erreichen beinahe das Niveau der alten Bay-Area-Schule, die Rhythmusgruppe nimmt an den richtigen Stellen das Tempo heraus oder zieht es an. Frank Thoms selbst schafft sich genügend Freiräume, um seine aggressiven Vocals ins rechte Licht zu stellen. Der Aggressionsfaktor ist hier sogar noch höher als bei den Originalaufnahmen, bei denen er sich den Gesang mit dem damaligen Basser Eberhard Weyel teilte. Zudem haben es ACCUSER geschafft, die Spielfreude, die jeden Release seit der Reunion auszeichnete auch mit in die alten Stücke einfließen zu lassen. Von daher ist der Transfer ins Jahr 2014 mehr als gelungen. Der einzige Kritikpunkt, den man auch heute noch anbringen könnte, wäre eine gewisse Gleichförmigkeit in manchen Stücken. Aber das ist Geschmackssache und kann jeder für sich selbst beantworten.

Meiner Meinung nach handelt es sich bei “Who Dominates Who?” um eines der besten deutschen Thrash-Metal-Alben aus der zweiten Reihe, das auch 2014 seine absolute Daseinsberechtigung hat. Vor allem für junge Fans stellt dieser Re-Release eine sinnvolle Anschaffung dar, denn als Bonus zu den Neueinspielungen haben Red Shift Music die Originalversion des Albums in remasterter Form beigelegt. Sollte man sich in den Schrank stellen.

4 Sterne (8/10 Punkte)


Light of Dawn
Light of Dawn
Preis: EUR 6,93

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Noch besser als der Vorgänger, 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Light of Dawn (Audio CD)
Auch eine sogenannte 'Supergroup' muss nachlegen und kann sich in der heutigen Zeit nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen - zumindest nicht lange. Als vor zwei Jahren das selbstbetitelte Debütalbum “Unisonic” veröffentlicht wurde, waren sich Presse und Fans einig, dass die Band um Michael Kiske und Kai Hansen (beide ex-HELLOWEEN) große Dinge vollbringen kann. Mit “Light Of Dawn” steht nun das zweite Album in den Startlöchern und UNISONIC treten den Beweis an, dass sie durchaus in der Lage sind, an ihr sehr gutes Debüt anzuknüpfen.

Nach den unendlich langen eineinhalb Minuten des Intros legen UNISONIC mit “Your Time Has Come” gleich amtlich los und feuern die erste Gänsehautattacke auf den ahnungslosen Hörer ab. Knackige zweistimmige Riffs/Soli, ausgefeiltes Songwriting und eine Jahrhundertmelodie von Michael Kiske, mehr braucht es nicht, um einen perfekten Metalsong zu schreiben. Die Nummer klingt wie die logische Weiterentwicklung der beiden “Keeper”-Alben von HELLOWEEN. Herrgott, warum mussten wir so lange auf solche Songs warten? “For The Kingdom” schlägt in die gleiche Kerbe, aber auch “Find Shelter” und “Throne Of Dawn” können eine dezente Nähe zum alten Betätigungsfeld von Hansen und Kiske nicht verhehlen. Dass die Band es aber nicht nur metallisch kann, zeigen Songs wie “When The Deed Is Done” oder “Not Gonna Take Anymore”, die die rockigere Seite von UNISONIC präsentieren und ihren Teil dazu beitragen, dass “Light Of Dawn” ein extrem abwechslungsreiches Album geworden ist. Hier ist auch der Einfluss von ex-GOTTHARD Gitarrist Mandy Meyer spürbar, der sich auf dem zweiten Album stärker einbringen konnte. UNISONIC machen durch die verschiedenen Facetten in ihrem Sound vieles richtig auf ihrem zweiten Album und lediglich mit “Blood” sowie der etwas zu zuckersüßen Ballade “You And I” werde ich nicht richtig warm. Das ist aber Geschmackssache und schmälert den positiven Gesamteindruck keineswegs, da die anderen Nummern über jeden Zweifel erhaben sind. Die Melange aus metallischen Elementen, traditionellem wie modernem Hard Rock und erfahrenen Musikern, die genau wissen, was sie wollen, macht “Light Of Dawn” so spannend.

Ein weiterer und nicht zu unterschätzender Punkt ist, dass man der Band zu jeder Zeit anhört, wie es genießt zusammen Musik zu machen. Hier bekommen Hard Rock und Heavy Metal Freunde gleichermaßen exquisite Kunst geboten, die trotz der beachtlichen Anzahl an starken Veröffentlichungen in diesem Genre zu den Jahreshighlights 2014 zählen dürfte. An “Light Of Dawn” kommt man schwer vorbei, und so freuen wir uns auf die Tour mit EDGUY im Herbst.

9/10 Punkte


Sunset on the Golden Age
Sunset on the Golden Age
Preis: EUR 15,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kreativer Höhepunkt, 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Sunset on the Golden Age (Audio CD)
Kritiker der Band werden es überhaupt nicht gerne hören, aber die Schotten ALESTORM sind mittlerweile ein nicht mehr aus der Szene wegzudenkender Teil. Das unterstreicht auch das neue Album “Sunset On The Golden Age”. Die Schotten haben sich fest in ihrer eigenen Nische eingenistet und einen völlig eigenständigen Bandsound (auch das muss man ihnen zugestehen) etabliert. Die Mannschaft um Fronter Chris Bowes zieht auf ihrem vierten Studiorelease nur ein wenig die Schrauben nach, wohingegen der Grundstock der gleiche, wie schon auf den vorherigen Releases, geblieben ist.

Das wiederum heißt: Metaller, die mit der Band nichts anfangen können, lesen ab hier erst gar nicht weiter. Wer hingegen auf Schifferklavier, dreckige Hymnen und eine musikalische Mischung aus Power- und Thrash-Metal-Elementen steht, ist hier goldrichtig. Mit Songs der Marke “Walk The Plank”, “1741 (Battle Of Cartagena)”, “Quest For Ships”, das mit melancholischem Flair ausgestattete “Magnetic North” oder dem epischen Titeltrack (übrigens der bislang beste aus der Reihe von ALESTORMs-Longtracks) machen die Schotten nicht viel falsch. Musikalisch hat die Band ebenfalls nachgelegt und so klingen die Stücke fokussierter als auf den vorherigen Releases. Eine Nummer wie das erwähnte “Sunset On The Golden Age” ist vordergründig natürlich eine typische ALESTORM-Komposition, hat unter der Oberfläche aber viel mehr bieten, als stumpfen Rumpel-Humppa-Metal - auch wenn Kritiker das nicht wahr haben wollen. Eine Facette, die der Band gut zu Gesicht steht. Auf der anderen Seite ist es nicht so, dass ALESTORM musikalisches Konfekt für die Bildungselite kredenzen, denn es steht nach wie vor der (feuchtfröhliche) Spaß im Vordergrund. Wenn man hierfür neben den oben genannten Songs auch auf Stücke wie programmatische „Drink“ oder die sehr coole TAIO CRUZ-Coverversion “Hangover” in petto hat, kann eigentlich nichts schief gehen. Und doch haben sich mit “Wooden Leg” und “Mead From Hell” zwei Lieder eingeschlichen, die qualitativ nicht mit dem Rest mithalten können. Das ist angesichts der Tatsache, dass das restliche Material diese Ausfälle locker auffängt, aber zu verschmerzen.

Im Prinzip bleibt die Ausgangssituation also gleich. ALESTORM-Hasser werden erneut Gift und Galle spucken, Fans hingegen den Tonträger abgreifen und die nächste Party ausrufen. “Sunset On The Golden Age” ist dafür sicherlich der beste Soundtrack und man kann sich sicher sein, dass es auch auf der Tour einige der Songs zu hören gibt. Bis dahin sorgt die Platte erst einmal für gute Laune.

8/10 Punkte


Blind Rage
Blind Rage
Preis: EUR 19,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das beste Album seit der Reunion, 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Blind Rage (Audio CD)
Ich gebe zu, dass ich mit dem Vorgänger “Stalingrad” nicht wirklich warm geworden bin. Von daher bin ich ziemlich emotionslos an “Blind Rage”, die neue Scheibe der Solinger Stahlschmiede ACCEPT, herangegangen. Trotzdem formulierte sich in meinem Kopf die Frage, ob die Jungs um Wolf Hoffmann ihr Pulver nach dem starken “Blood Of The Nations” nicht vielleicht doch schon verschossen haben. Haben sie nicht, ganz im Gegenteil. “Blind Rage” wird in den Jahrespolls ganz oben stehen.

Zwar ist der Einstieg mit “Stampede” nicht ganz glücklich gewählt, da dieser Uptempo-Song zwar die typischen ACCEPT-Trademarks enthält, jedoch nicht sofort beim ersten Durchgang zündet. Hernach beginnt aber direkt die Reise zurück in die Achtziger. “Dying Breed” hätte auch auf “Metal Heart” einen Ehrenplatz gehabt und sorgt für erste Gänsehautmomente. Gleiches gilt für das stark riffende “Dark Side Of My Heart”, dass sich dezent am eigenen Schaffen (“Up To The Limit”) anlehnt und mit einem großen Refrain punkten kann. Die Refrains sind es vor allem, die “Blind Rage” ins rechte Licht rücken. Die typischen fetten ACCEPT-Chöre kommen heuer besser als auf den beiden Vorgängern zur Geltung und tun ihren Teil dazu, dass man sich immer wieder dabei ertappt “Blind Rage” gedanklich direkt hinter “Russian Roulette” in die Diskographie der Band einzuordnen. Kein Album der Reunionbesetzung hat so dermaßen den Spirit der eigenen Klassiker geatmet, ohne diese zu kopieren, dass man nur den Hut ziehen kann. Die Riffs von Wolf Hoffmann und Herman Frank klingen alles andere als angestaubt. Frisch und fordernd könnte man sagen. Die Solinger haben auf dem aktuellen Album noch mehr als sonst auf kleine Details geachtet und mit “Final Journey” sogar eine offizielle Brücke zur eigenen Vergangenheit, indem man in den Song geschickt das “Morning Mood”-Thema von EDVARD GRIEG eingebunden hat, geschlagen. ACCEPT übertreffen sich auf ihrem neuen Album teilweise also selbst. Dabei ist es egal, welches Stück man heraus pickt. Man landet immer einen Volltreffer. Das flotte “Trail Of Tears” wäre eine Bereicherung auf “Breaker” gewesen, wohingegen das epische Highlight “From The Ashes We Rise” durchaus eine Single von “Balls To The Wall” hätte sein können. Auch Mark Tornillo scheint seine Position in der Band gefunden zu haben. Er kultiviert seinen eigenen Gesangsstil noch mehr als auf den andere Platten und führt den Hörer so optimal durch die Songs. ACCEPT bringen das Kunststück fertig, sich selbst treu zu bleiben, dabei aber immer wieder für Abwechslung innerhalb der Songs zu sorgen und nicht obsolet zu klingen.

Zu meckern gibt es im Fall von “Blind Rage” absolut nichts und man kann nur sagen: Chapeau, meine Herren. ACCEPT haben definitiv einen Anwärter auf das Album des Jahres abgeliefert, und klingen dabei frischer als es - man kann diesem Vergleich eigentlich nicht aus dem Weg gehen - U.D.O. auf ihren letzten beiden Releases getan haben. Muss man als Traditionsmetaller im Schrank stehen haben.

9/10 Punkte


Outsider
Outsider
Preis: EUR 19,75

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zurück zu alter Stärke, 28. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Outsider (Audio CD)
Wenn zwei Hard- Rock-Legenden am gleichen Tag ihre Alben veröffentlichen, kann man als geneigter Fan dieser Musikrichtung im Prinzip von einem perfekten Tag reden und das Bier schon kalt stellen. Leider hat das in diesem Jahr nicht so ganz geklappt, denn NAZARETH haben mit ihrem “Rock ‘n’ Roll Telephone” alles andere als eine Sternstunde abgeliefert. So kann man nur hoffen, dass wenigstens URIAH HEEP mit “Outsider” etwas vorzeigbares abliefern.

Anders als ihre schottischen Kollegen, scheinen URIAH HEEP aber ihren x-ten Frühling auszukosten und werden dabei anscheinend stetig motivierter und kreativer. Die Formkurve fing mit den Neueinspielungen für das Jubiläumsalbum “Celebration” wieder an nach oben zu zeigen. “Into The Wild” aus dem Jahr 2011 setzte die positive Entwicklung eindrucksvoll fort, die nun in “Outsider” kulminiert. Songs wie der mit flotter Doublebass ausgestattete Titeltrack, “Can’t Take That Away” oder “Looking At You” zeigen, dass harter Rock auch nach über vierzig Jahren noch mit Esprit und Spielfreude vorgetragen werden kann. URIAH HEEP wirken auf ihrem 24. Studioalbum so, als würde die Band gerade ihre zweite Platte veröffentlichen. Es sind aber nicht nur die Uptempo-Songs, die den Reiz von “Outsider” ausmachen. “Jessie” weiß ebenso zu fesseln, wie das schwere “The Law” oder das eröffnende “Speed Of Sound”. Jedes auf unterschiedliche Art und Weise, denn die Band um das einzige Originalmitglied Mick Box hat sich Abwechslung erneut ganz groß auf die Fahne geschrieben und nebenbei noch Ohrwürmer en masse produziert. Die Leistung von Sänger Bernie Shaw kann man an dieser Stelle gar nicht genug loben. Dem Mann hört man das Alter zu keiner Sekunde an, und er versteht es immer wieder den Hörer mit seiner angenehmen, charismatischen Stimme für sich einzunehmen. Auch das einzig verbliebene Gründungsmitglied Mick Box (Gitarre) und Phil Lanzon (Hammond) spielen auf wie Mittzwanziger und können sich auf dem Fundament, das Drums und Bass legen vergnügt austoben. Den Hard Rock erfinden URIAH HEEP natürlich nicht neu, aber man kann zu jeder Sekunde hören, welche Band hier gerade aufspielt, und das diese Band zu einhundert Prozent hinter dem steht, was sie da macht. Die Briten zeigen eindrucksvoll, dass sie nicht nur ein weiteres Album abliefern wollen/müssen. Hier präsentiert sich eine hochmotivierte Band, die in dem Bewusstsein Auftritt mit “Outsider” eines der besten Alben ihrer Karriere abgeliefert zu haben, agiert.

URIAH HEEP legen mit einer Leichtigkeit vor, dass sich die Konkurrenz in diesem Jahr ganz schön strecken muss, um das Niveau von “Outsider” zu erreichen. Diese Melange aus perfektem Songwriting und ‘fühlbarer’ Spielfreude wirkt viel zu frisch, um als Altherrenrock durch gewunken zu werden. So entstehen zeitlose Rockalben. Ich bin gespannt wie sich die Band auf der kommenden Tour präsentiert. “Outsider” jedenfalls gehört in jede Hard-Rock-Sammlung.

4 Sterne (8/10 Punkte)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 30, 2014 12:00 AM MEST


The Awakening
The Awakening
Preis: EUR 20,28

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandiose Platte, 9. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: The Awakening (Audio CD)
Die Briten DARK FOREST habe ich in nicht ganz so guter Erinnerung behalten. Ihr letztes Album “Dawn Of Infinity” konnte mich nur bedingt überzeugen. Gute Ansätze, aber auch einige Längen im Songwriting hieß das Fazit vor knapp drei Jahren. DARK FOREST haben die Zeit anscheinend sinnvoll genutzt, denn das aktuelle Werk “The Awakening” wiegt qualitativ um einiges schwerer als der Vorgänger.

Die Ingredienzien haben sich dabei nicht verändert. Die Mischung aus traditionellem Heavy Metal im Stil der NWoBHM, einigen US-Querverweisen (bspw. SLOUGH FEG) und folkigen Einflüssen, ist noch die gleiche wie auf den Vorgängern. Dennoch haben DARK FOREST auf “The Awakening” ihr Songwriting optimiert. Die Gitarristen Christian Horton und Patrick Jennings verzaubern den Hörer schon beim eröffnenden, epischen Titeltrack mit wundervollen Melodien. Gleiches gilt für den Gesang von Josh Winnard, der ebenso wie die Gitarren mit unkonventionellen Melodien punktet. Das ist es aber nicht alleine, denn Stücke wie “Sacred Signs”, “Secret Commonwealth” oder das flotte “Rise Like Lions” sind von den ersten Takten bis hin zum letzten Akkord perfekt arrangiert und auf den Punkt gespielt. Sicherlich kann man bei Songs wie “Immortal Remains” wieder Vergleiche zu IRON MAIDEN, ob der zweistimmigen Gitarrenarbeit, ziehen. Das würde DARK FOREST aber nicht gerecht werden. Die Musik des Quintetts aus Dudley tönt völlig eigenständig mit dezenten melancholischen Untertönen, wie etwa beim abschließenden “Sons Of England”. Hier bündeln DARK FOREST noch einmal alle ihre Stärken und beenden nach 53 Minuten Albumspielzeit eine verträumte Reise in eine andere Welt - klingt passend mit akustischer Gitarre, Glocken und Vogelgezwitscher aus. Wenn überhaupt, kann man die von der Band erzeugte Atmosphäre marginal mit den Werken von ATLANTEAN KODEX vergleichen, denn auch auf “The Awakening” herrscht eine einzigartige, den Hörer immer wieder in ihren Bann ziehende Stimmung vor. Hierzu trägt auch die Produktion bei, die druckvoll, aber nicht zu modern gehalten ist. Unter dem Strich bleibt ein extrem starkes traditionelles Metal Album, das keinen schlechten Song enthält, vor Kreativität strotzt und sehr abwechslungsreich ist.

Freunde des traditionellen Stahls dürften die Bleistifte mittlerweile gespitzt haben. Mit DARK FORESTs “The Awakening” steht die erste handfeste Überraschung des Jahres 2014 fest. Die oftmals vollzogenen Abgesänge auf den Underground verpuffen wirkungslos, wenn man sich Veröffentlichungen wie “The Awakening” anhört. Vital, kreativ und eigenständig ist der Underground und (nicht nur) DARK FOREST stellen das mit Hingabe eindrucksvoll unter Beweis.


Empire of the Undead (Special Edition)
Empire of the Undead (Special Edition)
Preis: EUR 12,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bestes Album seit Langem, 9. Mai 2014
Fast hätte das elfte Album der Hamburger Metal-Institution GAMMA RAY gar nicht das Licht der Welt erblickt. Durch einen Brand wurde das Studio der Band zerstört und nur aufgrund eines Zufalls wurden die Aufnahmen nicht vor Ort gelagert. So konnte die Band “Empire Of The Undead” doch noch fertig stellen. Dem Album selbst hört man nicht an, welch schwere Geburt es war, denn Mastermind Kai Hansen und seine Jungs gehen ihren Weg unbeirrt fort und kredenzen ihren Fans abermals ein typisches GAMMA RAY-Album.

Typisch heißt im Kontext von “Empire Of The Undead”, dass GAMMA RAY ihrem Stil natürlich treu bleiben, sich auch weiterhin innerhalb ihres eigenen Kosmos bewegen und trotzdem mit der einen oder anderen Überraschung punkten können. Zumindest dürfte niemand mit einem über neunminütigen Opener wie “Avalon” gerechnet haben. Dezent von Gesang und cleaner Gitarre eingeleitet, offenbart die Nummer spätestens mit dem ersten Refrain ihre majestätische Pracht. Zum lyrischen Thema passend, umweht den Song eine mystische Aura, die den Hörer für sich einnimmt. Lediglich der gelungene Uptempo-Mittelteil holt einen zurück in das metallische Hier und Jetzt. Zugegeben, der Song braucht ein paar Durchläufe, ist aber als Opener nicht nur ein gelungener Schachzug um die Aufmerksamkeit des Hörers zu gewinnen, sondern auch die perfekte Wahl. Weniger episch, aber qualitativ auf dem gleichen hohen Niveau geht es mit dem aggressiven “Hellbent” weiter. Hier lebt Hansen erneut seine Liebe zu JUDAS PRIEST (“Painkiller”-Phase) aus, was völlig in Ordnung ist, wenn dabei ein solcher Brecher heraus kommt. Beim Headbanger “Pale Rider”, der Gute-Laune-Nummer “Born To Fly” und dem knackigen “Seven” geht es dann wieder traditioneller zu, will sagen: es gibt Ohrwürmer en masse, die von anspruchsvollem Songwriting, kernigen Riffs und messerscharfen, auf den Punkt gespielten Soli leben. Dürften live durch die Bank eine gute Figur machen, die Songs. Gleiches gilt auch für “Demonseed”, das ob seiner düsteren Atmosphäre und dem stampfenden Beat ebenfalls ein Highlight auf “Empire Of The Undead” darstellt.

“Master Of Confusion” und der Titeltrack sind schon von der letztjährigen EP bekannt und meine Meinung zu den beiden Tracks hat sich nur marginal geändert. “Master Of Confusion” ist mit der Zeit ein wenig gewachsen und gefällt mir momentan sehr gut, wohingegen “Empire Of The Undead” zwar immer noch einer der härtesten Songs von GAMMA RAY ist, aber einen zu schwachen Refrain aufweist, um als Gewinner über die Ziellinie zu gehen. Gleiches gilt für die Ballade “Time For Deliverance” und das abschließende “I Will Return”, die beide zu beliebig sind, um mit den oben erwähnten Songs qualitativ mithalten zu können.

Einen Meilenstein haben GAMMA RAY mit “Empire Of The Undead” nicht abgeliefert. Ein exzellentes Album ist das elfte der Hanseaten aber dennoch geworden und ich freue mich schon darauf, den einen oder anderen Song live präsentiert zu bekommen. Wer auf melodischen Metal steht, kommt 2014 weiterhin auf seine Kosten, denn nach beispielsweise IRON SAVIOR und PRIMAL FEAR gehören auch GAMMA RAY definitiv auf den Einkaufszettel der Zielgruppe.


F.E.A.R.
F.E.A.R.
Preis: EUR 20,44

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hiermit hat sich die Band selbst übertroffen, 30. April 2014
Rezension bezieht sich auf: F.E.A.R. (Audio CD)
Dass der Prophet im eigenen Land nichts zählt, ist eine gerne genommene Phrase, wenn es darum geht Bands zu charakterisieren, die musikalisch immer am oberen Limit agieren, von der breiten Öffentlichkeit aber nicht wirklich wahrgenommen werden. Die Bochumer DAWN OF DESTINY zählen definitiv zu den Bands dieser Kategorie. Musikalisch immer top, wurde der Female-Fronted-Metal der Band um Chefdenker Jens Faber oft zu Unrecht als Abklatsch ähnlich gelagerter Acts bezeichnet. Mit ihrem fünften Album “F.E.A.R.” (die Abkürzung steht für “Forgotten, Enslaved, Admired, Released”) haben sich die Bochumer emanzipiert und zugleich eine Platte aufgenommen, dass den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht.

“F.E.A.R.” ist ein Konzeptalbum, dass mit der Story über das durch einen von der Mutter verschuldeten Unfall an den Rollstuhl gefesselte Mädchen Eve. Kein einfacher Stoff, zumal sich Eve im weiteren Verlauf der Geschichte noch zahlreicher weiterer Schicksalsschläge erwehren muss. Allerdings werde ich an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, da es sich wirklich lohnt sich selbst in die Story einzulesen. Das Ganze in songwriterischer Hinsicht adäquat in Szene zu setzen ist wiederum ein sehr ambitioniertes Unterfangen und es sind schon ganz andere Bands an weniger hohen Hürden gescheitert. DAWN OF DESTINY haben ihre Hausaufgaben aber gemacht und ein Album aufgenommen, dass es vorbildlich versteht den Hörer mit auf eine Reise in das Gefühlsleben von Eve mitzunehmen und musikalisch dabei gleichermaßen tiefgründig, anspruchsvoll, einfühlsam und heavy zu sein. Was “F.E.A.R.” besser macht als viele ähnlich gelagerte Veröffentlichungen, ist, dass die Bochumer ein absolut ausgewogenes Potpourri anbieten. Angefangen beim Gesang von Neufronterin Jeanette Scherff, die mit ihrer angenehmen Stimme zu punkten weiß, über die filigranen Soli von Gitarrist Veith, der sich immer in den Dienst der Songs stellt und dennoch genug Lücken für sein Können findet, bis hin zu dem ausgefeilten Songwriting der Band und den Gastbeiträgen von Jon Oliva (SAVATAGE) und Mats Leven (u.a. THERION, CANDLEMASS, YNGWIE MALMSTEEN).

Die Melange aus diesen Komponenten, sowie die Tatsache, dass man DAWN OF DESTINY nicht auf einen Stil festlegen kann, machen “F.E.A.R.” zu einem extrem spannenden Album. Eine Nummer wie “Then I Found You” mit dem prägnanten Piano erinnert mehr an Musicals und an die Kompositionen von Jim Steinman (MEAT LOAF) als an Metal, harmoniert aber optimal mit einem düsteren Song wie dem Opener “And With Silence Comes The Fear” oder dem mit Gothic-Flair versehenen Ohrwurm “Dying In Your Arms” und der schönen, die Platte gebührend abschließenden Halbballade “To Live Is To Suffer”. Der große Vorteil von “F.E.A.R.” ist, dass die Platte einen Fluss besitzt, der den Hörer immer wieder sowohl fordert, als auch für sich einnimmt und ihn immer wieder in die Story eintauchen lässt. Addiert man noch die instrumentalen Fähigkeiten der Musiker hinzu, merkt man schnell, dass man es sich hier um ein besonderes Album handelt.

Speziell die letzten beiden Alben von DAWN OF DESTINY waren schon starke Platten, “F.E.A.R.” setzt dem Schaffen der Band aber die Krone auf. Wer an NIGHTWISH mit Anette Olzon oder SAVATAGE (“Streets - A Rock Opera”-Phase) Gefallen findet und auch mit Jim Steinman und MEAT LOAF etwas anfangen kann, sollte sich definitiv Zeit für das Album nehmen. Schnelle Kost servieren DAWN OF DESTINY nicht, dafür liefern sie mit diesem vielschichtigen Album ihre bislang beste Leistung ab.


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