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Rezensionen verfasst von
Matthias Wenke (Bonn)
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Der Zahlenteufel
Der Zahlenteufel
von Hans M. Enzensberger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mathematik zum Verlieben, 16. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Zahlenteufel (Gebundene Ausgabe)
Mathematik und Phantasie - Freude gar? Wie geht das zusammen, wird sich manch einer vielleicht fragen. Dann auch noch in einem Kinderbuch? Und von Enzensberger? Was mag das Merkwürdiges sein?

In der Tat, man hat etwas Ungewöhnliches in Händen mit diesem bunt eingebundenen Werk. Strenggenommen handelt es sich hier um ein Traum-Buch, mit dem wir (und damit sind kleine und große Leser zugleich angesprochen), mit dem wir teilhaben können an den nächtlichen Träumen des kleinen Robert.

Robert hat ein Problem: Er kann die Mathematik nicht leiden, vor allem nicht den entsprechenden Lehrer. So wird der Arme im Schlaf heimgesucht von wilden Träumen; insgesamt zwölf davon sind zwischen den Buchdeckeln zu finden.

Was sich zunächst, das heißt in Roberts erster Nacht, wie eine Reihe von Albträumen ankündigt, stellt sich schon bald als eine Art liebevoll geführter Wanderung durch das rätselhafte Riesenreich der Zahlen dar, die als höchst lebendige und schillernde Wesen in Erscheinung treten. Wanderführer in Roberts Traumwelt ist ein kleiner, roter Teufel, ziemlich nervig, ein wenig gehässig, schnell cholerisch, doch bei näherem Hinsehen voller pädagogischer Hingabe. Der Zahlenteufel eben.

Und der taucht meistens ziemlich überraschend und spektakulär auf in Roberts nächtlichen Visionen. Bestückt mit einem zaubernden Spazierstock führt er ihn durch einen Wald aus riesigen Einsen, erzählt von der revolutionären Erfindung der Null (die die Römer ja zum Beispiel gar nicht kannten) und lässt riesige Massen von personifizierten Zahlen, Reihe um Reihe, Roberts Zimmer bevölkern, bis der. schweißgebadet, das Paradox des Unendlichen mit eigenen Augen begreift. Er stellt das Rätsel der "prima Zahlen" vor und das Geheimnis der "unvernünftigen Zahlen", Potenzen "hopsen" in schwindelerregende Höhen, er zieht "Rettiche" mit in der Luft schwebenden Quadraten, ein vielfarbiges, blinkendes Pascalsches Dreieck leuchtet auf und gibt seine Wunder preis, Fakultäten explodieren, ja selbst vor unendlichen Folgen und Reihen schreckt der kleine Teufel nicht zurück. Für die Rechenarbeit bringt er einen überdimensionalen, flauschigen Taschenrechner mit, groß wie ein Sofa.

So wird Robert Traum um Traum durch einen großen Teil der Schulmathematik geleitet, und all das, ohnen einer einzigen Variablen oder einer abstrakten Formel zu begegnen. Der Zahlenteufel beginnt mit der Betrachtung einer schlichten, einsamen Eins. Wie ein Magier, der aus einem winzigen Zipfel eine immer längere, nicht enden wollende Kette aus Dutzenden von vielfarbigen Tüchern erzaubert, so wächst auch bei ihm das bunte Netz der vielschichtigen mathematischen Zusammenhänge aus dieser kleinen Eins heraus. Voller Staunen und Begeisterung, stellenweise rauschhaft, betrachten wir mit Robert das sich immer weiter entfaltende Universum der Zahlen.

Am Ende erhält Robert eine ganz besondere Einladung: In seinem letzten Traum darf er bei einem Festessen allen Koryphäen der Mathematik persönlich begegnen, sogar dem Erfinder der Null. Und zur Belohnung für seine Gelehrigkeit wird der mit einem geheimen Orden ausgezeichnet.

Diese Auszeichnung hilft ihm dann schließlich auch im wirklichen Leben: Das Rechnen in der Schule geht ihm plötzlich spielend von der Hand, und die Abneigung gegen seinen Lehrer verschwindet mit den Schwierigkeiten.

Dieses bemerkenswerte Buch ist wirklich ein Kopfkissen-Buch im besten Sinne, eine lehrreiche, spielerische Lektüre, nicht bloß für junge Schülerinnen und Schüler, die Angst vor der Mathematik haben. Die von Rotraut Susanne Berner geschaffenen farbigen Illustrationen, sowie die in den Text eingestreuten handgeschriebenen großen Zahlen, die an weiche Tafelschrift erinnern, machen das Buch auch zu einer kleinen Augenweide.

Und am Ende hat man sich in den kleinen roten Zahlenteufel verliebt. Niemand wird ihn mehr fürchten müssen, der dieses Werk auf dem Kopfkissen liegen hatte.


Hirnfunktion und Willensfreiheit: Eine mionimalistische Hirntheorie (Perspektiven - Schriften zur Pluralität in der Medizin)
Hirnfunktion und Willensfreiheit: Eine mionimalistische Hirntheorie (Perspektiven - Schriften zur Pluralität in der Medizin)
von Hans J Scheurle
  Broschiert

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Minimalistische Theorie ' mit maximaler Evidenz (zur 2. Auflage), 16. Juli 2008
Dieses kurze, höchst essenzielle, aufklärerisch und wissenschaftstheoretisch kaum zu überschätzende Buch macht es sich zur Aufgabe, eine lange für unbezweifelbar gehaltene wissenschaftliche Überzeugung durch ein neues, plausibles Konzept abzulösen. Kritisiert wird das Zentralsteuerungsparadigma der Neuro-Wissenschaften, wonach Denken, Erleben und Handeln des Menschen vom Gehirn erzeugt, gesteuert und auch dort lokalisiert sein und als Innenwelt erfahren werden sollen. Dabei wird dem Gehirn die Funktion eines "nassen Computers" unterstellt, der als eine Art Rechenzentrale des Körpers ein- und ausgehende Informationen verarbeiten, koordinieren und in Erlebnisse der Innen- und Außenwelt umwandeln soll. Statt jedoch eine neuronale Informationsübertragung anzunehmen, die bislang nicht nachzuweisen ist, ist es viel einfacher und naheliegender, die eigentliche Funktion des Gehirns in seiner rhythmischen Schrittgeberwirkung auf den übrigen Organismus und dessen unmittelbarer Interaktion mit der Umwelt zu sehen.

Hans Jürgen Scheurle zeigt in seiner hervorragend strukturierten und auch für Fachfremde gut verständlichen Untersuchung, dass das Steuerungsparadigma ein spekulatives, wenngleich hartnäckiges Überbleibsel der frühen Neuzeit mit dem Dualismus von Körpermechanik und Geist ist. Die Entstehung sinnhafter Inhalte aus neuronalen Prozessen anzunehmen ist spekulativ und wissenschaftlich nicht sinnvoll. Sicher bekannt ist nur, dass vom großen Nervenknoten Gehirn permanent Aktionspotentiale erzeugt werden, die den Ruhezustand der Erfolgsorgane aufheben. "Das Gehirn verursacht dabei die Aktivitäten des übrigen Leibes nicht unmittelbar, sondern weckt (evoziert) lediglich die Erfolgsorgane. Die Leistungen selbst entstehen als spontane Interaktionen der Leibesperipherie mit der Umwelt, ohne dass dafür zusätzliche Steuerfunktionen und Leistungsprogramme im Gehirn erforderlich wären" (Scheurle 2009, 108).

Dies ist die eine zentrale These des Buches. Die andere These ist die periphere Hemmung des übrigen Leibes. Diese interessante These erklärt, wie der Ruhezustand, die körperliche Trägheit zustande kommt, nämlich durch quasi auf "standby" gehaltene Leibesorgane. Der passive Zustand der Sinnes- und Bewegungsorgane entsteht durch den Aufbau einer elektrischen Spannung (sog. Ruhe-Membranpotential) an den Gewebsmembranen, der die Erfolgsorgane zunächst ruhig stellt. Daher bleiben die Muskeln solange passiv, bis das Ruhe-Membranpotential durch die vom Nervensystem ausgehenden Nervenimpulse aufgehoben wird. Infolge der damit ermöglichten Wechselwirkung zwischen dem Gehirn als neuronalem Schrittgeber und dem trägen Leib werden seine Aktivitäten zwar faktisch geweckt, aber nicht inhaltlich gesteuert.

Damit lässt sich zeigen, dass die Personifizierung des Gehirns durch die Neurokybernetik eine unnötige Komplikation darstellt. Denn die Interaktion zwischen Leib und Umwelt geschieht unmittelbar, aus den beteiligten Organen (Leib) und Strukturen (Umwelt) heraus. Handeln wird vom Gehirn zwar ermöglicht, aber nicht gesteuert. Das ist auch der Grund, warum das Ich sich nicht im Gehirn manifestiert, sondern immer nur dort, wo es im unmittelbar gegenwärtigen Erleben präsent ist, an den Dingen in der Umwelt oder am eigenen Leib.

Leistungen, wie z.B. das Greifen eines Apfels mit der Hand, werden nicht vom Gehirn erzeugt, sondern nur ermöglicht. Es sind daher auch keine zentralen "Apfelgreif-" oder andere Bewegungsprogramme im Gehirn erforderlich. Die auslösenden Aktionspotentiale der Neurone von Gehirn und Rückenmark sind lediglich die Bedingung zum Vollzug einer Handlung, nicht die Handlung selbst. Sie stehen nicht in einer kausalen Beziehung, sondern in einer konditionalen. Das Gehirn ermöglicht den zeitlichen Vollzug einer Leistung, erzeugt jedoch nicht diese selbst. Handeln und Erleben finden im Leib und in der Umwelt statt, wo sie auch kontextuell sinnhaft hingehören, nicht im Gehirn. Absicht und Handlung (wie das Erreichen, Ergreifen und zum Mund Führen des Apfels) entstehen spontan zwischen Leib und Umwelt; da müssen nicht im Gehirn aus "Apfelbetrachtungswinkeln" irgendwelche einzelnen Muskelkontraktionen "berechnet" werden. Eine solche Theorie projiziert die heutige Computer- und Robotertechnologie in das menschliche Gehirn hinein und macht es dadurch komplizierter als nötig.

Scheurles Konzept einer nicht-kausalen, sondern konditionalen Beziehung zwischen der neurologischen und der phänomenologischen Ebene, der Gegenüberstellung von neuronalen Schrittgeberfunktionen und peripherer Hemmung als den beiden Grundbausteinen einer minimalistischen Hirntheorie ist einfach, klar, plausibel und stützt sich nur auf die allernötigsten Elemente. Ganz nebenbei erledigt sich die oft missverstandene Frage nach der Willensfreiheit wie von selbst. "Weil das Gehirn (...) als Ort für den Eingriff des Wollens ausscheidet, werden auch alle Argumente, welche die Unmöglichkeit des freien Willens durch die bekannten Eigenschaften des Gehirns beweisen wollen, notwendig hinfällig" (Scheurle 2009, 108).

Scheurle wirft der Neurowissenschaft die Nichtbeachtung oder Missachtung des gegenwärtigen Erlebens und geisteswissenschaftlicher Forschung vor. Es ist Hybris, wenn Wissenschaftler sich für Bereiche zuständig halten, die nicht Gegenstand neurobiologischer Forschung sein können. Die Meinung, man könne aus empirischen Befunden heraus über Existenz und Nicht-Existenz des menschlichen Willens urteilen, überschreitet die Grenzen der empirischen Wissenschaft und übersieht die Eigenständigkeit der Phänomenologie des Erlebens. "Die Neurowissenschaften machen sich an dieser Stelle einer Grenzüberschreitung schuldig, wenn sie das gegenwärtige Erleben (...) zwar innerhalb der eigenen methodischen Forschung ausschließen, dennoch aber (...) schein-analytische Aussagen darüber machen" (Scheurle 2009, 102).
Die Überlegungen zur Willensfreiheit, die Scheurle anstellt, sind grundsätzlicher Art. Sie schließen an die Ergebnisse neuropsychologischer Forschung an, die immer wieder herangezogen und hervorragend erläutert werden (z.B. die sog. Libet-Experimente).
Es wird deutlich, dass sich Freiheit nur negativ bestimmen lässt als die Möglichkeit, etwas nicht zu tun. Denn damit kann erst anderen Optionen des Handelns, Entscheidungsprozessen und der Bewusstwerdung Raum gegeben werden. Die Fähigkeit zum bewussten Loslassen aufgrund der peripheren Hemmung wird so zur Bedingung für menschliche Kultur, für Handlungsfreiheit und generell dafür, sich der Gegenwart bewusst zu werden. Denn sie erlaubt es, sich aus dem drängenden Strom der Ereignisse auszuschalten, um selektiv gewählten Aufgaben nachzugehen und schöpferisch den Anforderungen des Lebens zu begegnen.
Scheurle macht überzeugend deutlich, dass die Welt der empirischen Wissenschaften (...) eine kognitive "Memo-Welt" aus erinnerten Benennungen und Vorstellungen ist, die uns nur vorgaukelt, real und konstant zu sein. Doch die Wirklichkeit selbst ist im Fluss, daher auch nicht rein naturwissenschaftlich fassbar. Sie ist immer strömende Gegenwart, die allein wahre Tiefe und Sinnlichkeit besitzt. Diese unmittelbar zu erfahren steht dem Menschen offen.

Dieses Buch gleicht der Botschaft des mutigen Höhlenbewohners aus Platons Höhlengleichnis, der sich hinaus ans Tageslicht wagte und dann seinen zurückgebliebenen Kameraden von der wirklichen Welt berichtete. Doch Scheurle gesteht auch den empirischen Bezweiflern menschlicher Willensfreiheit zu, dass sie, wie jene Höhlenbewohner, hartnäckig die Schatten an der Höhlenwand für wirklich halten und den eigenen Augen misstrauen. "Es liegt im Bereich der menschlichen Freiheit, sich nicht umzuwenden, wenn man nicht will" (Scheurle 2009, 127).

Möge dieses zutiefst erkenntnisstiftende Werk eine nachhaltige, öffnende und bewegende Wirkung auf die überholte anthropologische Auffassung der Identität von Bewusstsein und Gehirn haben.
Es hat viele Leser verdient.

Siehe auch: Im Gehirn gibt es keine Gedanken: Kritik des Reduktionismus. Phänomenologische Skizzen zu Biologie, Psychoanalyse, Yoga und Buddhismus.


Alles fühlt: Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften
Alles fühlt: Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften
von Andreas Weber
  Gebundene Ausgabe

25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetische Horizontöffnung, 19. Februar 2008
Ein wahrhaft poetisches Buch, welches uns Natur und Mitwesen fühlend nahe bringt und zu einer Haltung des liebenden Wiedererkennens führt und zeigt: alles Leben ist fühlendes Subjekt und strebt zweckfrei nach Erweiterung und Kreativität. Die "schöpferische Ökologie", die der Autor entwirft verabschiedet sich denn auch vom primitiven Darwinismus und seiner "Überlebenskonkurrenz" und belegt, dass im Gegenteil Vielfalt, Symbiose, Gemeinschaft und auch Liebe das Leben bestimmen. Wir sind mit allen anderen Wesen zutiefst verbunden und dürfen sie nicht zerstören, weil sie Spiegel unseres eigenen Seins sind.

Siehe auch: Im Gehirn gibt es keine Gedanken: Kritik des Reduktionismus. Phänomenologische Skizzen zu Biologie, Psychoanalyse, Yoga und Buddhismus.


Wege in die Entspannung + Gesunder Schlaf: Die wirksamsten Entspannungsmethoden zur täglichen Anwendung. Atementspannung, Muskelentspannung, Visualisierung
Wege in die Entspannung + Gesunder Schlaf: Die wirksamsten Entspannungsmethoden zur täglichen Anwendung. Atementspannung, Muskelentspannung, Visualisierung
von Ralf Maria Hölker
  Audio CD
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr anspruchsvolle Produktion, 22. August 2007
Eine qualitativ hochwertige Audioproduktion mit einem hervorragenden Sprecher. Allein dessen wohlige, warme und professionelle Stimme ist schon höchst wirksam.


Die Ritalin-Gesellschaft: ADS: Eine Generation wird krankgeschrieben (Beltz Taschenbuch)
Die Ritalin-Gesellschaft: ADS: Eine Generation wird krankgeschrieben (Beltz Taschenbuch)
von Richard DeGrandpre
  Taschenbuch

15 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wachrüttelnd und unbedingt empfehlenswert, 18. Dezember 2006
Man kann Herrn deGrandpre dankbar sein für seine praktische und klare Analyse, die das sogenannte "ADHS" als das entlarvt, was es ist: ein Name für eine kollektive quasipsychiatrische und biologistische Illusion, von der viele profitieren, am wenigsten aber die betroffenen Kinder. Grandpre zeigt, dass menschliches Verhalten immer in dem Zusammenhang gesehen und verstanden werden muss, in dem es entsteht: und das ist eine seiner Meinung nach oberflächliche, hektische, aggressive und grenzenlose Gesellschaft mit zerfallenden Familien und "rationalen" Beziehungen, die ihren Kindern nicht mehr viel zu bieten hat außer aggressiven und extrem schnelllebigen Massenmedien, elektronischen Spielpartnern, Kälte, einer Totalökonomisierung aller Lebensbereiche mit geplanter "effektiver" Zeit für Eltern und Kinder. Aus allem resultiert ein zentrales Merkmal vieler Kindheiten: die "Unbehaustheit" - das Gefühl ohne Halt und beschützende Grenzen verloren zu sein, welches hyperkinetischem und unkonzentriertem Verhalten zu Grunde liegt. Eine phänomenologisch sehr überzeugende These.
De Grandpre zeigt auch, welcher Irrsinn sich hinter der massenhaften Verabreichung von Psychopharmaka an Kinder (und Erwachsene) als einer Form der "kosmetischen Pharmazie" verbirgt und macht deutlich, dass psychotherapeutische und lebensgestaltende Maßnahmen die nachhaltigeren und erwünschteren Wirkungen haben, auch organisch.
Viele Kritiker behaupten immer wieder, die Ursachenvermutungen des Autors seien "zu simpel": aber ist es nicht in Wahrheit genau umgekehrt, nämlich dass die Pseudodiagnose "ADHS" samt hemmungslosem Medikamentenmissbrauch alles vernebelt und simplifiziert? Wer argumentiert "simpel": der, der auffällige Kinder zu "kranken Gehirnen" und "kaputten biochemischen Maschinen" umdefiniert oder der, der auffälliges Verhalten sinnhaft und motiviert in seinem Zusammenhang verstehen möchte und sich einlässt auf die Komplexität der Lebenswelt? Und genau das tut de Grandpre - auch wenn es nicht schick oder political correct ist, "die Gesellschaft" zu kritisieren. Manchmal sind auch pointierte Darstellungen sehr sinnvoll, um den schlafenden Verstand wach zu rütteln und zu verdeutlichen, worum es eigentlich geht.
Dieses Buch ist dringend nötig und ein wirklich um Verständnis, Erklärung und Aufklärung bemühter Beitrag in der Diskussion um das so beängstigend erfolgreiche Kulturprodukt "ADHS". Auch wenn es die USA beschreibt, so sind die meisten Dinge durchaus analog auf Europa übertragbar, wenngleich glücklicherweise weniger extrem.
Unbedingt empfehlenswert!

Siehe auch: ADHS: Diagnose statt Verständnis? Wie eine Krankheit gemacht wird. Eine phänomenologische Kritik.


ADS - verstehen und ganzheitlich heilen: Was Eltern tun können
ADS - verstehen und ganzheitlich heilen: Was Eltern tun können
von Bernd Mumbach
  Taschenbuch

9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hilfreiche Klarsicht, 3. November 2006
Ich konnte dies Buch kaum aus der Hand legen, so klar und praktisch verständlich skizziert Bernd Mumbach hier Grundzüge eines systemischen und phänomenologischen Verständnisses menschlichen Verhaltens und des sogenannten "ADHS". Er kritisiert nicht einfach die in der öffentlichen Meinung momentan vorherrschenden (falschen) biologistisch-medizinischen Überzeugungen von "ADHS" als "Gehirnkrankheit" - nein, er entlarvt diesen Unsinn durch ganz konkrete kleine Beispiele von Kindern und deren Familien, die es völlig offensichtlich machen, dass jedes menschliche Verhalten sinnvolles Verhalten ist - und nicht das einer "kaputten biologischen Maschine". Er demonstriert Möglichkeiten des systemischen Verständnisses der betroffenen Kinder und ihrer Eltern in ihren jeweiligen Lebenslagen und familiären Verstrickungen, so dass klar wird, dass Kinder die sensibelsten Glieder im Netzwerk von Beziehungen sind, an denen ein Symptom oft zuerst erscheint. Nicht die Kinder sind "gestört", sondern die Beziehungen. Kinder, die angeblich "ADHS" haben, gehören nicht in die Hände von Psychiatern, sondern in die Hände von einfühlenden Menschen, die sie als Ganzes in ihrem situativen Kontext, in ihrer existenziellen Lage verstehen.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich nicht verrückt machen lassen möchte von medizinischen Panikmachern, sondern eine verstehende statt diagnostizierende, eine offene Sicht auf das Kulturprodukt "ADHS" erhalten möchte.
Die vielen praktischen Übungen machen das Buch zu einem wahren Schatzkästchen neuer Denk- und Handlungsmöglichkeiten, gerade auch für Betroffene. Wunderbar!

Siehe auch: ADHS: Diagnose statt Verständnis? Wie eine Krankheit gemacht wird. Eine phänomenologische Kritik.


Info-Wahn: Eine Abrechnung mit dem Multimedienjahrzehnt
Info-Wahn: Eine Abrechnung mit dem Multimedienjahrzehnt
von Bazon Brock
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufregende Landschaft, 26. September 2003
Dies ist eigentlich kein Buch über Medien.
Es ist eines über Ideologien, die Dummheit der Macht und die Ohnmacht der Dummen in einer medial durchformatierten Gesellschaft, ein Buch über Herrschaftsfragen und Eliten, ein Buch über Zukunftsforschung.
Im Zentrum der konstitutive Bestandteil jeder modernen Gesellschaft: Ein aufgeblähtes, teilautonomes mediales Subsystem, speziell das Fernsehen, das Schemata, Skripte und Bedeutungen generiert, die Gesellschaften zu Mediengesellschaften, Medieninhalte zu Inzestprodukten und Menschen zu Zuschauermassen machen. So definiert Vulner auch den Zweck des Fernsehens: Nicht die Sendungen, sondern für die Werbung zugerichtete Zuschauermassen sind sein Produkt.
Ein wirklich dichtes und komplexes Elaborat, schon auf den ersten Blick und auch explizit für ein "gehobenes" Publikum, etwas wissenschafts- und medientheoretischer Hintergrund ist von Vorteil für eine gewinnbringende Lektüre.
Intelligent, spontan, material- und zitatenreich, immer skeptisch, häufig zynisch, oft arrogant - allerdings ohne klar verortbaren, kohärenten oder gar positiven Standpunkt - doch wo gibt es den heute schon.
Vulner gefällt sich selbst sehr gut in der Selbstabhebung von den "Anderen", der "Masse", die gleichzeitig auch die "Dummen" sind, die dummen Medienkonsumenten, die Ballerspieler und Talkshowglotzer.
Er beklagt bitterböse das Verschwinden „wirklicher Bildung" und findet in der Jugend nur dreistse sozialdarwinistische Cleverness.
Wahrscheinlich muss einen die hier beschriebene medial verstärkte und formatierte Dummheit auch tatsächlich ängstigen, doch scheint Vulner die von ihr befallenen „unteren zwei Drittel" der Gesellschaft speziell unmenschlich verzerrt zu konstruieren. Eine simple „Wir"- (die Schlauen) und „Die"- (die Doofen) Dichotomie, in der Sozialpsychologie bekannt als „social identity" - und dies ist nun wirklich das simpelste denkbare Identitätsbildungsschema.
Er kommt schließlich auch von der Seite der "Winner" auf einem biologistischen Intelligenzkonzept sensu Eysenck dahergeritten, und meint, sich und anderen "klugen" Menschen qua elitärer Eignung die Verantwortung für die "dummen" Teile der Menscheit, ergo auch für das Medienmachen zusprechen zu müssen.
Immer aber sind dabei die Dummen Konstrukte des je eigenen Kopfes und zeigen in ihrer Gestaltung vorwiegend ein Negativ-Relief der eigenen Eigenschaften, also ein gehöriges Stück Projektion, ergo Blindheit.
Und doch ist mehr dran als "cum grano salis".
Nach einem Zitat aus seinem Werk befinden wir uns gegenwärtig auf der untersten Ebene medialen Niveaus, nämlich dort, wo bereits Dumme für Dumme Medien machen (was bei einigem Zappen durch die TV-Kanäle eine naheliegende Annahme ist).
An anderer Stelle lässt er sich allerdings dazu hinreissen, "Dumme" und "Kluge" auf der Straße an ihrer Figur erkennen zu wollen (vor allem in den USA, da seien nämlich die Dummen alle dick - oder die Dicken dumm?).
Und ganz abstrus werden Spekulationen über eine gentechnologische zweite Evolution jenseits der Evolution sozialer Systeme - auf die Fortentwicklung psychischer Systeme, also individueller Menschen, scheint er nur im elitären Kreis zu setzen.
Für meinen Geschmack hebt Vulner ein wenig zu viel auf eine irgendwie geartete Systemebene ab und blendet dabei völlig die Individualebene aus, ganz in der Art der Strukturfunktionalisten.
Im Keim steckt hier Totalitarismus einer Elitenklasse und ein biologistischer Sozialdarwinismus, den er an anderer Stelle selbst kritisiert.
Von "egoistischen Genen", deren Träger bloß ihrem Transport dienen, ist es nur ein kleiner Schritt zu gefährlichen Zweck-Mittel-Umkehrungen: der Einzelne allein als systemisches Funktionselement - nur die Optimierung des Systems zählt, seine Beschleunigung, die politisch und ökonomisch bewusst vorangetrieben wird.
Man weiß nicht so recht, ob Vulner dies ablehnt oder für unvermeidbar halten will.
In einem anderen kühnen Gedankenschritt stellt er die Grundprinzipen von Gleichheit und Demokratie zur Debatte, spekuliert über andere, elitäre Herrschaftsformen.
Spontan regt sich Abwehr, doch in der Tiefenschicht spricht Vulner damit das ungute Gefühl an, dass die alltägliche mediatisierte Realität, die wir Demokratie nennen in Wirklichkeit bereits etwas anderes ist.
Da sein Buch alphabetisch nach Schlagworten gegliedert ist, präsentiert der Autor zum Schluss unter dem Schlagwort „Wahrnehmung" noch eine gewagte Hypothese:
Triebkraft der Evolution sei eine Erweiterung von Wahrnehmungsmöglichkeiten, eine eigene mediale Sphäre sei nur die logische Fortentwicklung der vorausgegangen technischen und industriellen Instrumentarien, die zu nichts anderem dienten als zu Wahrnehmungsveränderung. Das Auto nicht als Transportmittel - es dient der Erzeugung neuer Raumwahrnehmung. Viele technische Errungenschaften, vor allem jede Form von Medien als Verlängerung des sensorischen Organismus, als Wahrnehmungsverstärker. Das Ziel der Entwicklung: Die Unabhängigkeit vom Körper sowie die selektive Ausblendung von Welt über technische Prothesen.
Trotz aller Faszinationskraft seiner unberechenbaren Gedankengänge irritiert mich die teilweise aggressive Arroganz und der technolgische Machbarkeitsglauben, die Vulner zeigt - und an anderen Stellen bei Anderen vehement angreift. Obwohl man ihm, was das wütende Herabschauen auf Dummheit angeht, hier sogar manchmal gefühlsmäßig folgen kann, scheint dies doch letztlich selbst evolutionär überholt.
Vulner erscheint in diesem Text heterogen und paradox, schreibt Hässliches und ist Ästhet - eloquent, mit "Schmackes" und breit gebildet.
Man kann ihm das Absurde und Schockierende, Unausgegorene und Hingeworfene in seinem Text nicht einmal ankreiden, denn: Er selbst bezeichnet sein Werk schließlich als „Abfallprodukt", das ihm selbst zur Entlastung diente.
Marshall McLuhan veröffentlichte 1964 mit „Understanding Media. The Extensions of Man" eine unkonventionelle, aufsehenerregende Ideen- und Fragmentesammlung zur Medien- und Gesellschaftstheorie. Und so etwas hat man mit Vulners „info-wahn" wieder vor sich - im besten Sinne.
Ein höchst spannendes, intelligentes, anregendes und gerade durch die herausfordernde, provokative Kraft unbeliebter Ideen für jeden, dessen Verstand nicht bloß die eigenen Konstrukte verträgt sehr zu empfehlen.
Für den einen argumentative Erweiterung, für den Anderen hilfreiches Analyse- und Reibungsmaterial des weltanschaulichen Gegners, es ist immer Beides drin.
Und auch immer etwas von dem, was man sich niemals zu denken erlauben wollte - schon gar nicht öffentlich. Es glotzt einen also auch das Gesicht des eigenen alter ego durch diese gerührten, geschüttelten und gehaltvollen Gedanken an.
Das solte man als Leser aushalten können, dann ist dieses Buch spannender als ein Krimi.


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