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Krähenmutter: Thriller
Krähenmutter: Thriller
von Catherine Shepherd
  Taschenbuch

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krähenmutter spielt subtil mit den Ängsten jeder Mutter!, 24. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Krähenmutter: Thriller (Taschenbuch)
Nebst der Zons-Thriller-Reihe wagt sich Catherine Shepherd an den ersten, in sich abgeschlossenen Thriller: Krähenmutter. Gewohnt souverän im Aufbau, gespickt mit plastischen Charakteren zerrt Shepherds neuer Thriller an den Mutterinstinktnerven.

Eine Mutter mit ihrem Kinderwagen. Während die Mutter sorglos ihr Baby mit sich führt und währenddessen ihren Einkauf im Supermarkt zusammenstellt, wartet eine Unbekannte auf den richtigen Moment, um das Baby mitzunehmen. Eigentlich hat die Unbekannte bereits viele Kinder, doch dieses eine Baby fehlt noch in ihrer Familie. Ein kurzer Blick in den Kinderwagen hat ausgereicht, um sich in das Baby zu verlieben. Sie muss es einfach haben. Ein Moment der Unaufmerksamkeit der Mutter und das Baby liegt nicht mehr in seinem Wägelchen.

Die Ermittlerin Laura Kern nimmt sich des Falles an. Was zuerst wie eine einfache Kindesentführung erscheint, entpuppt sich zunehmend als kompliziertes Puzzle. Dass das sechs Monate alte Baby der Sohn eines mächtigen Unternehmers ist, zieht vorerst keine grosse Aufmerksamkeit auf sich. Doch Kerns Ermittlungen bringen viele Ungereimtheiten des Unternehmens an den Tag. Als plötzlich auch noch ein Pärchen-Mörder sein Unwesen in der Stadt treibt, spitzt sich die Lage zu. Gibt es einen Zusammenhang?

Nachdem ich bereits Shepherds Tiefschwarze Melodie mit grosser Freude gelesen habe, wollte ich mir auch ihren neuesten Streich für den „richtigen Moment“ aufbewahren. Oder wie man so schön sagt: „das Beste kommt zum Schluss.“ Und das Warten hat sich durchaus gelohnt. Oh ja, und wie! Wieder einmal hat mich vor allem das Verhalten der verschiedenen Charaktere beeindruckt und gefesselt. Erst zum Schluss des Romans konnte ich wieder etwas aufatmen. Die Charaktere (u.a. die Entführerin) stellen sich dermassen plastisch dar, dass man sich bei einer sehr gut gemachten Krimiserie vor dem heimischen TV wähnt.

Die Spannungsmomente sind gekonnt dosiert und genau richtig platziert. Die Autorin hüllt auch diesen Roman in die von ihr typisch düstere Atmosphäre. Die Story lebt von den Ereignissen, die den Protagonisten widerfahren und wie diese mit ihrer individuellen Situation umgehen. Der Plot ist auch in diesem abgeschlossenem Thriller gut durchdacht und überragend umgesetzt. Eine absolute Stärke der Autorin.

Wer düstere Psycho-Thriller mit interessanten Charakteren mag, sollte diesen Roman lesen. Nur wer auch etwas Action mag, sollte auch die neuesten Bücher von Tess Gerritsen lesen. Mein Tipp: “Lest einfach Thriller von beiden Autorinnen!“ Schliesslich handelt es sich bei beiden um “die Königinnen” ihres Genres.


Tiefschwarze Melodie
Tiefschwarze Melodie
von Catherine Shepherd
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Catherine Shepherd ist der neue Stern am Thrillerhimmel!, 25. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Tiefschwarze Melodie (Taschenbuch)
Was macht einen Mörder aus, der seine Opfer aussucht, um sie ans Bett zu fesseln und sie im Rhythmus seiner Musik zu foltern, um sie dann brutal zu töten? Was bewegt ihn zu dieser grausamen Tat? Und warum ist er derart darauf bedacht, dass alles seinen Regeln entspricht, wieso dieser Hang zur Perfektion? Wie kam es zu seinem Hang zur Musik?

Oder anders gefragt: Was geht in einem Stadtsoldaten vor, der im Jahre 1497 in einer Kirche eine junge Novizin auf dem Kreuz aufgehängt und brutal ermordet vorfindet, um später, während seiner Ermittlungen, herauszufinden, dass hinter diesem Mord eine tiefschwarze Melodie steckt? Wie soll er mit den anno dazumal einfachen und primitiven Mitteln bloss den Mörder finden, geschweige denn fassen? Und was hat es denn nun mit dieser Musik auf sich?

Dass Catherine Shepherd im ihrem bereits fünften Buch aus der Zons-Thrillerreihe (für mich allerdings war es erstes Buch, welches ich von ihr gelesen habe) mit zwei Erzählsträngen in unterschiedlichen Epochen auffährt, ist im Grunde genommen nur noch das süsse Tüpfelchen auf dem “i”, wie man so schön sagt. Was mir besonders imponiert hat, war die Art und Weise wie Shepherd es versteht, Zeit und Raum zu manipulieren und zu ihren Gunsten perfid der Geschichte anzupassen. So konnte ich mir beim Lesen nie wirklich sicher sein, den weiteren Verlauf zu durchschauen. Schlussendlich habe ich das auch nie, denn die unerwarteten Wendungen liessen mich gedanklich im Dunkeln tappen.

Die Geschichte mit zwei Zeitlinien und Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten, wurde für mich zunehmend plastischer und zusammenhängender. Es schien mir fast so, als hätte jedes Wort und jede Satzaufstellung in beiden Zeitachsen seine Richtigkeit. Nur in Romanen von Stephen King fand ich bisher eine derart gekonnte Beschreibung durchgeknallter Charaktere in verschiedenen ebenso durchgeknallten Settings. Doch Shepherds Protagonisten und deren Tatorte sind etwas sanfter und feinfühliger ausgesucht.

Am Schluss konnte ich sogar das Handeln des Mörders gefühlsmässig vollumfänglich nachvollziehen, denn die Autorin versteht es auch, die Psychologie der Charaktere gekonnt zu Gunsten des Plots ins richtige Licht zu rücken. Die eher trockene und dennoch einlullende Schreibweise besitzt eine derart starke erzählerische Kraft, dass ich den Thriller am Schluss mit einem weinenden Auge weggelegt habe. Ja, das Lesen hat sich absolut gelohnt und am Ende wollte ich einfach nur mehr davon. Viel mehr! Und das gibt es ja, in den Vorgängerromanen.

Mit Catherine Shepherd wurde für mich ein neuer Stern am Thrillerhimmel geboren. Unbedingt lesen!


Spiel der Zeit (Die Clifton-Saga, Band 1)
Spiel der Zeit (Die Clifton-Saga, Band 1)
von Jeffrey Archer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Suchtfaktor: Sehr hoch!, 23. August 2015
“Sieht mir aber schon sehr nach Lucinda Riley aus…”, dachte ich, als ich den Roman im Meissner in Aarau in der Hand hielt. Ich war hin und her gerissen. Aber ich wollte unbedingt einen historischen Roman lesen und das Regal war gelinde gesagt, sehr rar bestückt.

Ich wende mich von der Buchauslage ab, das Buch immer noch in der Hand und versuche meinen rechten Arm zu entlasten, an dem seit einer Viertelstunde meine übervolle, schwere Tasche hängt. Meine Armbeuge schmerzt. Nur schnell raus aus dem Laden. Dann muss das Buch halt mit, denn ich habe echt keine Lust mehr, noch länger meinen Arm zu malträtieren, indem ich unentschlossen von einem Roman zum anderen schweife, ohne eine Kaufentscheidung zu fällen.

An der Kasse nimmt mir die Buchhändlerin Archer’s Roman ab und ihr Gesicht erhellt sich. “Ahhhhhh, das Buch ist super! Ich habe beide erste Teile in einem Rutsch gelesen und kann es kaum erwarten, dass es bald weitergeht.” “Es gibt zwei Teile?” “Ja, das ist eine Saga, insgesamt werden es 6 Bände, die veröffentlicht werden.” Sechs Bände, denke ich bei mir. Ich bin ja schon nur froh, wenn dieser überhaupt lesbar ist. Das Cover überzeugt mich ja bisher noch nicht so richtig, mehr weiss ich aber auch noch nicht über diesen Roman, den mir die Buchhändlerin jetzt wieder über den Tresen zuschiebt. Ich bezahle und die Buchhändlerin wünscht mir viel Spass bei der Lektüre. Ja klar….das sagen die ja immer.

Nachdem ich auch den Arzttermin hinter mich gebracht hatte, legte ich mich nach Ankunft im trauten Heim gleich aufs Sofa, während ich SPIEL DER ZEIT auf dem Kaffeetisch deponierte. Erst war mir allerdings nicht nach Lesen, deshalb beschloss ich, einfach mal nur kurz reinzuschnuppern. Ich beginne also bei Kapitel 1, nachdem ich noch die Innenklappe mit den Stammbäumen der beiden Familien (Clifton & Barrington) inspiziert habe. Die Kapitel sind nach Protagonisten aufgeteilt, wie ich bemerke. Jeweils ein Protagonist erzählt aus seiner Sicht oder der Erzähler erzählt über diesen Protagonisten.

Das erste Kapitel dreht sich um Maisie Clifton im Jahre 1919 und heisst “Vorspiel”. Ein zweideutiger Auftakt, schiesst es mir durch den Kopf. Und ich beginne zu lesen:

"Ich hätte diese Geschichte niemals aufgeschrieben, wenn ich nicht schwanger geworden wäre. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hatte schon seit Längerem die Absicht, meine Jungfräulichkeit auf dem Ausflug nach Weston-super-Mare zu verlieren, allerdings nicht unbedingt an diesen Mann."

Okay…..das ist nun wirklich SEHR direkt. Und ich merke, DAS gefällt mir. Ich bin schon nach diesen zwei Sätzen auf den Lesezug aufgesprungen, ohne es bemerkt zu haben. Interessant! Und so lese ich weiter. Und weiter……und weiter…..bis es weh tut, aufhören zu müssen.

Ich bin schon im Archer-Rausch und wie das bei einer Droge so üblich ist, will ich mehr. Und zwar JETZT, nicht morgen, nicht übermorgen und schon gar nicht erst im November 2015, wenn der zweite Band der Clifton Saga im Handel erscheint und somit für mich zugänglich wird. Warten scheint eine Qual zu werden, da muss ich wohl oder übel durch.

Was ist es denn jetzt, was mich so an Jeffrey Archer’s Auftakt seiner Clifton Saga fasziniert. Es gibt da zwei ganz offensichtliche Punkte, die meiner Meinung nach dafür sorgen, dass ich an dem Buch klebe, wie eine Wespe am Honig.

Kennst Du den Thrill und die Vorfreude, Downton Abbey oder eine der vielen BBC Verfilmungen von Austen Romanen zu gucken? So ist das mit Archer’s SPIEL DER ZEIT. Es ist, als läse man eine BBC Verfilmung. Und BBC Verfilmungen sind nun einmal wirklich hervorragend! Archer gelingt es zudem, und damit kommen wir zum zweiten wichtigen Aspekt, unvorhersehbare Wendungen einzubauen. Ich unterlasse jetzt das Spoilern an dieser Stelle. Ich kann nur soviel sagen: Ich hab mich tierisch aufgeregt, als ich in die Irre geführt wurde, um ein paar Minuten später erleichtert der Erlösung zu frönen, als ich bemerkte, dass es doch nicht so war, wie vorgegaukelt. Ich kann mich genau an den Moment erinnern, denn ich lag auf dem Bett, mit meinem Nachtlicht als Lichtquelle und hätte beinahe losgeheult. Ich werde im Januar 40 Jahre alt. Ich heule nicht wegen einem Buch!

Ich könnte an dieser Stelle nun den ganzen Plott auflisten, möchte ich aber nicht. Viel wichtiger erscheint mir, was der Roman bei mir auslöst und was er vielleicht auch bei Dir auslösen könnte. Dass ich heiss auf die nächsten 5 Bände bin und mich überdies noch mehr darüber freue, dass es überhaupt 6 Bände gibt insgesamt, muss ich an dieser Stelle wohl nicht noch ausführlich erläutern.


Die Zeitmaschine (Edition MundWerk)
Die Zeitmaschine (Edition MundWerk)
von Hank Zerbolesch
  MP3 CD
Preis: EUR 14,89

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich wollte nicht mehr aus dem Auto aussteigen....einfach nur weiterhören!, 22. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Zeitmaschine (Edition MundWerk) (MP3 CD)
Es ist früh morgens, 7 Uhr um genau zu sein. DIE ZEITMASCHINE halte ich in der Hand während ich in mein Auto steige. Ich bin schlecht gelaunt, um ehrlich zu sein: mir gehts gelinde gesagt, richtig bes*******.

Trotzdem lege ich die Hörspiel CD ein und drücke auf PLAY.

Sigmund und Carl-Gustav Leid haben jahrzehntelang daran geforscht. Und es endlich geschafft. Sie haben eine Zeitmaschine gebaut: und sie funktioniert sogar! Als die Brüder im Labor an der bergischen Universität Wuppertal altbekannte Tupperdosen auffinden und die Mutter unauffindbar bleibt, ist für beide eines klar: Mutter ist auf Zeitreise. Und mit sich trägt sie die Zeitmaschine, ein kleines Kästchen. Rasch bauen Sigmund und Carl-Gustav eine zweite Maschine und reisen mit Hilfe von Marvin, einer künstlich geschaffenen Intelligenz, der Mutter durch Raum und Zeit nach. Dabei treffen sie auf die berühmtesten Psychologen der Welt und sogar auf Jesus. Aber wo zum Teufel ist denn nun die Mutter?

“Siiiiiiiichmuuuuund!” schallt es aus meinen Autolautsprecher. Ich muss laut herauslachen. Mutter Leid strapaziert meine Bauchmuskeln. Und das nicht zu knapp. Zeitreisen ist doch sowas von ernst und Science Fiction lastig. Und hier plärrt mir ein Dialekt um die Ohren, den ich als Schweizerin einfach nur köstlich finde. Ist das der Wuppertaler Jargon? Wahrscheinlich.

Als ich im Büro ankomme und meinen Wagen prätentiös auf dem weissen Rechteck parkiert habe, überkommt mich ein wenig die Muffigkeit. Ich will unbedingt weiterhören. Nicht aussteigen. Lieber würde ich an diesem Hörspiel hängen bleiben und es bis zu Ende hören. Geht aber nicht. Aber: ich habe wenigstens etwas, worauf ich mich in den nächsten Tagen freuen kann, sobald ich unterwegs bin.

Hank Zerbolesch hat mit DIE ZEITMASCHINE ein wunderbar komisches Hörspiel geschaffen. Ich habe selten so herzhaft gelacht. Die Dialoge sind köstlich und zeugen von herrlicher Komik. Sehr dazu beigetragen hat der Hörsprecher David Becher auch bekannt als Gerlinde Buschermöhle, der die betagte Mutter Leid interpretiert. Ohne diesen Hörsprecher wäre das Hörspiel trotz der witzigen und rasanten Dialoge vielleicht nicht so lustig geworden. Hier hat Hank Zerbolesch die ideale Besetzung für sein Hörspiel gefunden, was wiederum davon zeugt, dass der Autor wohl sehr genau weiss, wie man ein Hörspiel gekonnt umsetzt, sodass es der eigenen Vorstellung gerecht wird.

Das Hörspiel strotzt vor frivoler Anarchie, wobei mitunter auch Zigaretten auf einmal eine gewichtige Rolle spielen können. Und natürlich nicht zu vergessen, der nach Koks süchtige Marvin, gesprochen von Michael Heide. Nein, Marvin ist kein Mensch. Marvin ist eine künstliche Intelligenz wie HAL 9000 aus 2001: Odyssee im Weltraum. Marvin ist nicht verlegen, zu alles und jedem seinen Senf beizutragen, was zur allgemeinen Belustigung des Hörers beiträgt.

Wer uns Private Readers kennt, der weiss, dass wir nicht positiv rezensieren, nur weil wir ein Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen haben und uns dafür nun erkenntlich zeigen wollen. So kann ich an dieser Stelle wirklich mit reinem Gewissen sagen, dass ich DIE ZEITMASCHINE jedem Hörspielliebhaber empfehlen kann, der gern etwas satirisch Lustiges hören möchten, das Tempo und Spass mit sich bringt. Ich würde mich freuen, wenn Hank Zerbolesch dieses Hörspiel auch noch weiterführen würde und wir Familie Leid auf anderen Abenteuern noch begleiten dürften. Ich wäre die erste, die sich das Hörspiel besorgen würde. Es war einfach viel zu kurz. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt. Es dürfte wirklich noch etwas MEHR sein. :-)
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Frau Kassel will Wunder: Roman
Frau Kassel will Wunder: Roman
Preis: EUR 2,99

5.0 von 5 Sternen Ein Must Read zu einem polarisierenden Thema!, 23. Mai 2015
Ich habe vor nicht allzu langer Zeit eine einstündige Sendung über die Esoterik-Messe in Olten gesehen. Die Messe ist ein Sammelplatz für Esoteriker oder Menschen, die auf Wundermethoden hoffen. Man kann sich denken, dass die Aussteller keine wirklichen Antworten auf logische Fragen haben. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass die Aussteller bei einem sachlichen Interview mit dem Reporter in Bedrängnis gerieten, denn mit der Logik war schnell Schluss. Eine russische Geistheilerin stach jedoch wie einen Dorn direkt ins Auge des Zuschauers. Die untersetzte, dickliche, ca. 60 Jahre alte Russin behauptete in grantigem Deutsch (mit starkem russischen Akzent), bei einer kranken Frau die Nierensteine mit den blossen Händen entfernen zu können (ohne Schnitte oder OP). Das dubiose Ritual wurde dann gleich in der TV-Sendung gezeigt. Zu sehen war die kranke Frau, die sich unter Schmerzen auf einer Krankenliege am Stand der russischen Heilerin legte. Die Russin fing auch sofort mit showmagiermässigen Theatralik anzudeuten, die Nierensteine mit ihren blossen Händen durch die Haut hindurch (wie durch ein Wunder) zu entfernen. Plötzlich floss auch tatsächlich Blut und einige Fleischbündel an den Händen der kleinen Frau erschienen aus dem Nichts. Sie habe soeben die Nierensteine entfernt. Selbstverständlich hat die Russin dort nichts anderes getan als zu schauspielern, denn das Blut stammte vermutlich von einem Schwein von einem Dorfmetzger. Wie die meisten Esoteriker wich auch die angebliche Wunderheilerin den Fragen des Reporters aus oder beantwortete diese ganz einfach nicht. Man kann sich ausdenken, was passiert, wenn sich kranke Menschen ausschliesslich auf solche Scharlatane stützen.

Rechtsanwältin Charlotte Kassel will ein Wunder. Sie ist krank und findet sich eines Tages in einer Klinik wieder. Ihre Bettnachbarin strahlt auch nicht wirklich vor Lebensfreude, muss sich Frau Kassel doch Sprüche wie ''jetzt bin ich wieder im Bunker'' anhören, was auch nicht gerade zu einer positiveren Stimmung der Situation beiträgt. Verzweifelt sucht Charlotte nach einem Wunder. Jenseits der westlich anerkannten Medizin sucht sie nach Heilung für ihre Krankheit im Gefilde der Alternativmedizin und auch in esoterischen Rituale. Der Satz eines Heilgurus macht ihr besonders zu schaffen: ''ihre Krankheit basiere auf einem Schock''. Doch es bleibt nicht nur bei dieser einen Weisheit. Frau Kassel sucht ihr Glück auch in der Hellsichtigkeit, in Ritualen der Spontanheilung und erhofft sich auch Hilfe von Affirmationen. Sogar ihre Ernährung müsse komplett umgestellt werden. Sie dürfe ab sofort nur noch Beeren essen. Und jeden Tag in Brennesseln baden. Dies fördere die Entgiftung des Körpers und somit die Gesundheit des Geistes. Und tatsächlich verschaffen die zahlreichen Rituale Charlotte Erleichterung und geben ihr ein gutes Gefühl. Doch wie steht es mit ihrer Gesundheit? Kann ein esoterisches Wunder Charlotte wirklich helfen?

Zuerst einmal: ich glaube an die Kraft der Gedanken. Jedoch nicht im esoterischen Sinne. Viel mehr bin ich der Meinung, dass man sich selbst nur dann näher kommen kann, wenn man aktiv an sich selber arbeitet. Ungeschönt, direkt und vor allem einsichtig. Die Art von Arbeit, die ich andeute, hat sehr wenig mit positivem Denken, einem Glauben an eine höhere Macht oder dem Vertrauen in eine unbekannte Allmacht im Universum zu tun. Vielmehr geht es darum, die eigene Persönlichkeit soweit auszubauen, dass man gut mit sich selber auskommt. Nichts weiter!

Als ich das E-Book erhalten hatte, wollte gleich mal reinschnuppern. So habe ich es vorab erst einmal auf dem PC geöffnet. Ich wollte nur kurz etwas reinlesen, um es später auf meinen Kindle zu laden. Doch das Kopieren auf den Kindle konnte ich mir sparen, denn ich blieb gleich am PC hängen und habe das Buch in einem Rutsch verschlungen. Und DAS passiert mir eigentlich eher selten.

Nun versuche ich in Worte zu fassen, was dieser Roman zur besonderen Lektüre macht. Der Schreibstil wirkt nie gekünstelt oder gewollt. Vielmehr liest sich der Text wie eine Welle im Ozean, die immer wieder durch eine andere Welle sanft und weich abgelöst wird. Weit und breit scheint es für die Wellen keine Grenzen zu geben, so dass sich diese würdevoll ausleben können. Die Geschichte folgt so ihrer eigenen Dynamik. Das Wechselspiel zwischen Geschehnissen und Dialogen ist gelungen und in einer sehr guten Balance.

Der Einstieg in den Roman erfolgt gleich mit dem Aufenthalt der Protagonistin in der Klinik und lädt den Leser so von Anfang an ein, dabei zu sein und tief in Frau Kassels Welt einzutauchen. Ich konnte beim Lesen den Hall in den Gängen der Klinik und den medizinischen Geruch regelrecht hören und riechen. Beim Lesen der zahlreichen Abfolgen des esoterischen Nonsens, den die Hauptfigur auf der Suche nach Heilung für ihre Krankheit erfährt, musste ich mir oft an den Kopf fassen. Ich erinnerte mich, wie ich vor ein paar Jahren viele Bücher aus dem Lebenshilferegal (auch esoterischen Nonsens) gelesen habe. Während ich damals dachte, alle Lösungen meiner Probleme in solchen Büchern finden zu können, so bin ich wenigstens diesbezüglich heute etwas klüger geworden.

Meine persönlichen Höhepunkte in Frau Kassel will Wunder fand ich in Sätzen wie ''es kommt nicht darauf an, was man erlebt hat, sondern wie stark man dabei empfunden hat''. Oder dass man mit blossem Denken den Geist heilen könne. Beim Lesen der Geschichte erfährt man automatisch auch sehr viel über das Leben der Charlotte Kassel und die Motive für ihr Handeln. Lediglich mit der Kürze (204 Seiten) des Buches kann ich mich nicht wirklich versöhnen. Ja, ich wollte noch mehr davon' viel mehr.


Soraja: Roman
Soraja: Roman
von Yusuf Yesilöz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Yesilöz lässt die Grenzen zwischen West und Ost verschmelzen, 10. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Soraja: Roman (Gebundene Ausgabe)
Yusuf Yesilöz Soraja ist ein Mikrokosmos für sich. Besonders für uns Aussenstehende, die nicht an türkische Gepflogenheiten gewöhnt sind. Etwas vertraut war ich schon damit, hatte ich doch Mitte Zwanzig regen Kontakt zu einer neun Jahre älteren Türkin gehalten. Wir sind sogar damals miteinander nach Frankreich in die Ferien verreist. Und ich hatte mich damals Hals über Kopf in ihren Cousin verguckt. Ich hatte oft die Gelegenheit, meine türkische Freundin zuhause bei ihren Eltern, Freunden und Verwandten zu besuchen. Das war dann doch ziemlich eindrücklich, und auch gleichzeitig befremdlich. Ich fühlte mich jeweils, als wäre ich gar nicht anwesend. Keiner beachtete mich. Von der berüchtigten türkischen Gastfreundschaft hatte ich damals nichts abbekommen. Vielleicht war ich ein Dorn im Auge der Verwandten? Ich weiss es bis heute nicht.

In Soraja fühlte ich mich wieder mit der Mentalität und den Gepflogenheiten unserer türkischen Mitmenschen konfrontiert, dieses Mal durch die Augen von Ferhad, einem unverheirateten (!!!) Türken von gestandenen 48 Jahren, der nach 24 Jahren beschliesst, die Schweiz zu verlassen und nach Ankara zu ziehen. Seine unerfüllte Liebe zu Soraja quält Ferhad schon lange. Soraja ist heute mit Murad, einem neureichen und frommen Mann, verheiratet. Dabei wollte Ferhad Soraja heiraten, doch seine kenianische Abstammung und seine demzufolge dunklere Hautfarbe, als auch der Umstand, dass er älter als Soraja und zudem auch noch nicht sehr gläubig ist, machten dem Heiratskandidaten einen Strich durch die Rechnung. Nie hätten Sorajas Eltern Ferhad als Ehemann für Soraja akzeptiert. Ferhad scheint nun alles hinter sich lassen zu wollen, um einen Neubeginn zu wagen. Andere nennen es Weltflucht. Ferhad ist ein Träumer, oder etwa doch nicht?

Diese Frage darf man sich am Schluss von Soraja selber beantworten. Als Leser erleben wir die letzten Wochen vor der Abreise als auch die Abreise und die Ankunft im neuen Leben von Ferhad in Ankara. Wir erleben, welcher Status einem unverheirateten, älteren Mann von den seinen zugeteilt wird. Wir erleben Bevormundung, Intrigen und Einmischungen ohne Ende, so dass es uns als westlich orientierten Leser immer mal wieder einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Und nicht nur uns, auch Ferhad graut es regelmässig vor Festivitäten, auch wenn er das nur dezent zum Ausdruck bringt. Soraja ist kein Roman mit Handlung, es ist ein Schau mal, so fühlt sich das an Erlebnis, ein Eintauchen in eine andere Kultur. Einer Kultur, die sich auch oder vielleicht grade aufgrund von Integration, ihren Traditionen verpflichtet fühlt und diese auch in der Schweiz zelebriert.

Yusuf Yesilöz zeigt uns auf, wie Wertvorstellungen aufeinander prallen, ohne jemals zu explodieren oder auszuarten. Liebe wird sozialen Strukturen unterworfen, die einen Mann dazu bringen können, am Ende doch lieber keine Frau zu lieben, wenn er die eine, nicht haben kann. Ferhad ist Romantiker, Träumer und Pionier in einem. Vielleicht ist er einfach zu modern für sein Umfeld, aus welchem er den Ausbruch selber nicht zu wagen scheint. Denn, wer ist er denn eigentlich. Er gehört nirgends richtig dazu, weder in der Schweiz, noch in der Türkei. Er lebt quasi mit dem Dilemma, das viele Secondos kennen, dem inneren Zwiespalt, dem Tanz zwischen zwei Welten, deren Summe sich gegenseitig ausschliesst. Der Autor erzählt in einfacher Sprache, aber eindrücklich. Yesilöz lässt die Grenzen zwischen West und Ost verschmelzen und gibt uns die Möglichkeit, einen eigenen Blick darauf zu werfen und uns ein eigenes Bild zu machen, von der Liebe und dem Kampf zwischen zwei Welten.

Mir hat das Lesen des Romans Spass gemacht, aber wirklich berührt hat er mich nicht. Dafür fehlte mir der Tiefgang, das, was einem den Ärmel “inelitzt”. Protagonist Ferhad bleibt ziemlich oberflächlich und war für mich eher Geist als Mensch. Da hätte ich mir mehr Fleisch zum sich dran festhalten gewünscht. Ich hatte auch das Gefühl Yesilöz geht es gar nicht so um die Liebe zwischen Soraja und Ferhad. Ich habe beim Lesen auf jeden Fall nicht den Eindruck erhalten, dass es sich hier um eine Romeo und Julia Dramatik handelt. Yesilöz bleibt da eher nüchtern, beobachtend, Gefühle erscheinen eher nebensächlich, auch wenn diese geschildert werden. Soraja bleibt so für mich vor allem ein Einblick in ein anderes Leben, in eine andere Kultur mit einer Prise Liebesdrama.


Ein unfassbares Land oder Die zwanzig Dinge meiner Kindheit
Ein unfassbares Land oder Die zwanzig Dinge meiner Kindheit
von Eugène
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

2.0 von 5 Sternen Lustig erzählt, aber auch nicht mehr, 24. Februar 2015
Ich bin Secondo. Konkret heisst das, dass meine Eltern vor ca. 40 Jahren in die Schweiz migriert sind und ich kurz darauf hier geboren wurde. Sie sind vor ein paar Jahren, insbesondere wegen finanzieller Gründe, nach Italien zurückgekehrt. Ich kenne den inneren Zwiespalt zweier Mentalitäten, den bekannten Kulturschock und das „sich anpassen müssen“, weil man nicht immer verstanden wird in seiner Denkweise. Vor ein paar Jahren habe ich das sonderbare Buch Nonno spricht von Patric Marino gelesen und rezensiert.

Nonno spricht ist echt ein gelungenes Buch mit feinfühligen, differenzierten Eindrücken, die der Secondo Patric Marino während seines längeren Aufenthaltes bei den Grosseltern in Italien literarisch festhält.

Von Ein unfassbares Land oder Die zwanzig Dinge meiner Kindheit erwartete ich eine kritische Sichtweise eines Einwanderers aus Rumänien. So wird es zumindest auf dem Klappentext suggeriert: eine Biografie eines Autoren, der als Kind in die Schweiz eingewandert ist. Die Bibliothekarin unserer Gemeindebibliothek äusserte, auf das Buch angesprochen, es verspräche mehr als es einhalten würde. Sie habe es bereits gelesen. Dennoch wollte ICH es selber lesen. Manchmal sollte man einfach zuhören, wenn jemand seine Meinung äussert.

Ein unfassbares Land oder Die zwanzig Dinge meiner Kindheit handelt von Eugène, der mit seinem Bruder im sozialistischen Rumänien bei der Grossmutter aufwächst, während die Eltern bereits in der Schweiz arbeiten. Leider durften die Eltern die Kinder nicht in das „gelobte Land“ Schweiz mitnehmen und mussten später nochmals nach Rumänien zurückkehren, um die Kinder abzuholen. So kommt es, dass Eugènes Leben von zwei grundverschiedenen Kulturen geprägt wird. Der Autor beschreibt in seiner Biografie zwanzig Dinge, die seine Kindheit geprägt haben: zum Beispiel ein Kilo Tomaten, “Das Imperium schlägt zurück” als Modellbausatz, ein Anatomiebuch usw. Und genau in der Struktur der zwanzig Dinge (gute und weniger gute Dinge) sind die Kapitel jeweils aufgeteilt. Zeitsprünge von mehreren Jahren sind somit vorprogrammiert. Die einzelnen Kapitel erzählen jeweils die Geschichte über das jeweilige Ding.

Meist sind die einzelnen Geschichten witzig und lustig erzählt. Eine umfassende Geschichte sucht man im Buch vergebens. Wie oben beschrieben, es handelt sich um zwanzig einzelne Erzählungen über die Dinge, durch die der Autor geprägt wurde. Ab und zu konnte ich lachen aber meisten musste ich dabei gähnen. Leider schafft es dieses Buch nicht zu einem echten Buch im eigentlichen Sinne. Zu kurz, zu wenig Erzählstrang und ein nicht gut strukturierter Text vermiesen die Leselaune. Die Schweiz aus der Sicht eines Einwandererkindes wird nur ansatzweise erzählt. Es bleibt vor allem bei den lustigen Erzählungen.

Klar, es sind auch ernstere Themen, wie der Tod eines Familienangehörigen, mit von der Partie. Dennoch bleibt es bei einfach geschriebenen und unverfänglichen „Geschichtchen“. Da frage ich mich ehrlich gesagt, was der Autor während seines Literaturstudiums getrieben hat. Da nützt es auch nichts, dass der Autor ehrlicherweise über seine Sexfantasien aus seiner Kindheit berichtet. Warum ein solches Buch zudem einen Hörerpreis erhielt, ist mir schleierhaft. Wie ich so manche Preisvergaben und Literatursendungen von Schweizer Radio und TV teilweise nicht nachvollziehen kann.


Vergeltung: Thriller (suhrkamp taschenbuch)
Vergeltung: Thriller (suhrkamp taschenbuch)
von Don Winslow
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aneinanderreihung von technischen Details, 16. Februar 2014
Mit grossen Erwartungen nahm ich diesen Terroristen Roman in Angriff. Geblendet wurde ich dann nicht nur von den zahlreichen Bomben, die im Roman Schlag auf Schlag detonieren, sondern auch von dem Prädikat “Bestseller” und der ARD Empfehlung. Es mag ja sein, dass Winslows Roman “Tage der Toten” ausgezeichnet wurde, aber das macht für mich noch nicht automatisch aus jedem Nachfolgeroman einen neuen wirklich guten Bestseller.

Vielleicht ist “Vergeltung” ein richtiges Männerbuch. Auf alle Fälle fand ich die Aneinanderreihung von endlosen Waffenbeschreibungen und deren Detonations- und Distanzverhalten einfach nur langweilig und zeitraubend. Auch schaffte es Winslow nicht, dass ich mir die Handlung bildlich gut vorstellen konnte, besonders die Kampfszenen waren sehr wirr.

Auch die Haupthandlung, die Vergeltung des Protagonisten an den Mördern seiner Familie, ist sehr pathetisch angelegt. Ein bisschen erinnert mich Don Winslows Schreibstil an Roland Emmerich Filme. Viel Geballer, grosse Worte und vor allem die obligate Überdosis an amerikanischem Patriotismus.

Wenn man jedoch gern actiongeladene Romane ohne grossen Tiefgang liest, ist man bei Winslow’s Vergeltung goldrichtig. Der Roman liest sich an und für sich ziemlich flüssig. Nicht zuviel erwarten darf man jedoch hingegen von den Charakterbeschreibungen. Für mich war ein Protagonist wie der andere, ziemlich flach und belanglos charakterisiert. Schade. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.


Von gelben Störchen,blauen Rosen und bunten Drachen: Märchen aus China
Von gelben Störchen,blauen Rosen und bunten Drachen: Märchen aus China
von Harald Jüngst
  Audio CD
Preis: EUR 10,00

5.0 von 5 Sternen Märchenhaft!! Für Gross und Klein!, 2. Dezember 2013
Das Hörbuch Von gelben Störchen,blauen Rosen und bunten Drachen: Märchen aus China umfasst insgesamt sechs chinesische Märchen. Die Märchen handeln u.a. von gelben Störchen, einem Zauberpinsel und wie Hund und Katze zu Feinden wurden. Während knapp 68 Minuten taucht man ein in die fabelhafte Welt der chinesischen Märchen, die auch mit Weisheit nicht zu geizen vermögen. Gesprochen wird das Hörbuch von Harald Jüngst, welcher allen Charakteren im Hörbuch mit seiner vielseitig einsetzbaren Stimme reichlich Leben einhaucht.

Ich muss als erstes vorwegschicken, dass ich zum Zeitpunkt, als ich das Hörbuch in einem Rutsch durchgehört habe, in sehr schlechter psychischer Verfassung steckte. Es ging mir überhaupt nicht gut und normalerweise wäre das letzte was ich tun würde, ein Hörbuch hören. Ich habe es trotzdem getan, weil ich in meiner Verzweiflung nicht wusste, was sonst tun. Umso bedeutender erscheint mir deshalb, dass es diesem Märchenhörbuch gelungen ist, mir für kurze Zeit eine kleine Weltflucht zu bieten. Die Märchen sind so, wie man sich Märchen vorstellt und wünscht: zwar einfach in ihrem Inhalt, aber fantasievoll und mit einem Quentchen Weisheit versehen. Harald Jüngst vermag es mit seiner sehr vielseitig einsetzbaren Stimme eine eigene Märchenwelt zu erschaffen, in die man mit Freuden eintaucht, ob Gross oder Klein. Besonders schön fand ich, dass ich mich als Erwachsene fast nochmal wie ein kleines Mädchen gefühlt habe. Ich lauschte fasziniert und aufmerksam der CD, während ich neben meiner Katze lag.

Die Märchen beinhalten u.a. die Geschichte, wie Katze und Hund zu Feinden wurden. Wir erfahren die Liebesgeschichte zwischen Sonne und Mond und von der blauen Rose und was diese mit der Liebe zu tun hat. Das Hörbuch umfasst eine Gesamtlaufzeit von knapp 68 Minuten. Für mich eigentlich zu wenig. Ich hätte sehr gern noch weitere Märchen kennengelernt und auch gern noch weiter Harald Jüngst Stimme zugehört, die mich verzaubert hat. Man merkt diesem Hörbuch an, dass es mit viel Liebe zum Detail produziert wurde.

Eine schöne Auswahl an chinesischen Märchen, die mit Harald Jüngst sehr wandelbaren, interessanten Stimme und viel Können und Liebe, zum Leben erweckt werden. Ein schönes Hörbuch nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene! Ich werde das Hörbuch bestimmt mehr als einmal hören.


Chronist: Der erste Kreuzzug. Roman
Chronist: Der erste Kreuzzug. Roman
von Matthias Wenzel
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,90

21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beherzt zugreifen! Es lohnt sich!, 2. September 2013
Warum nicht mal wieder einen historischen Roman lesen, habe ich mir gedacht, als mir dieses Buch zur Rezension angetragen wurde. Es ist lange her, dass ich zuletzt einen historisch angehauchten Roman gelesen habe. Leider muss ich Iny Lorentz und Konsorten auf ihre Plätze verweisen, ich bin nämlich kein Fan der romantisierten Mittelalter-Schnulze ohne Niveau. Ein Glück, dass Chronist hier in anderen Gewässern fischt.

Der Autor:
Matthias Wenzel wurde am 31. Mai 1979 in Aschaffenburg geboren. Er bezeichnet sich selbst als „leidenschaftlicher Leser von Fantasy, Krimis, Science Fiction, Abenteuerromanen und historischen Romanen“. Stephen King’s Friedhof der Kuscheltiere hat seine Schreiblust geweckt. Wer kann es ihm verdenken. Friedhof der Kuscheltiere war einer meiner ersten “Erwachsenen”-Romane und hat auch meine Lesewelt geprägt wie kein anderes Buch danach.

Inhalt:

»Was ist dort geschehen, fragst du? Wenn ich dir die Wahrheit sage, wird es deine Vorstellungskraft übersteigen …« – Raimund von Aguilers, Die Eroberung Jerusalems, Jahr des Herrn 1099

Manchmal wird Geschichte lebendig. Dies ist bei Chronist der Fall. Chronist ist nicht nur einfach ein weiterer historischer Roman, denn für das Buch hat Wenzel sich lange in Recherchen gestürzt und viel Zeit darauf verwendet, historische Fakten in das Buch einfliessen zu lassen. In Chronist – Der erste Kreuzzug begegnen wir Raimund von Aguilers, einem schon früh vom Leben gebeutelten Jungen, der mit viel Glück seinen Weg ins Kloster der Benediktiner in Vézelay findet. Seine Intelligenz und eine tiefe Sehnsucht, Neues zu entdecken, aber auch Schuldgefühle aus der Kindheit, all diese Faktoren führen dazu, dass Raimund stets ein nagendes Gefühl von Rastlosigkeit in sich trägt. Vor allem Schuldgefühle plagen seinen Geist und wecken in ihm den Wunsch, Busse zu tun.

Als Raimund im Jahre 1905 als Chronist am Konzil von Clérmont teilnehmen darf, bietet sich ihm auch bald Gelegenheit, dem eintönigen, behüteten Klosteralltag zu entfliehen. In Clérmont während des Konzils lernt er nämlich alsbald seinen Namensvetter, den Grafen Raimund IV. von Toulouse, kennen und schätzen. Mit dieser Bekanntschaft ist auch Raimunds Chance gekommen, in die grosse, weite Welt zu entfliehen, er soll als Chronist unter dem Grafen den Kreuzzug von Papst Urban dem Zweiten für die Nachwelt dokumentieren. Jedoch entpuppt sich dieser Aufruf als Auftakt zum Eintritt in die menschliche Hölle des religiösen Fanatismus und Raimunds Glaube wird auf eine harte Probe gestellt.

Meine Meinung:
Chronist – Der erste Kreuzzug ist ein Erstlingswerk, das sich jedoch mit anderen bereits landläufig bekannten und erprobten historischen Ergüssen ohne Scham messen kann. Es ist interessant und sehr spannend einen Roman zu lesen, bei dem man sich immer wieder vergegenwärtigt, dass man hier nicht nur der Fantasie eines Autoren „zu“liest. Oft habe ich mich gefragt, was ich an Stelle von Raimund getan hätte. Da ich mich selber zur unreligiösen Sorte Mensch bekenne, hat mich die Frage „Wie viel Blut darf der Weg ins Paradies kosten? „ besonders beschäftigt. Es ist immer wieder unsagbar beängstigend, was Menschen im Namen Christi, Allah’s oder auch eines Xenu zu opfern bereit sind.

Wieviel Religion braucht der Mensch und wozu führt Religion eigentlich im ungünstigsten Fall? Antworten findet man für sich selber genug in diesem Roman. Besonders gut gefallen hat mir das Buch selber. In der Hardcover Variante fühlt sich das Buch, selbst schon rein was das Gewicht angeht, wie eine Bibel an. Das macht Eindruck. Auch sehr schön ist das Buchcover. An dieser Stelle möchte ich dem Illustratoren Chris Reinfels ein Kränzchen winden. Sollte ich jemals einen Roman schreiben wollen, hätte auch ich gern ein Cover von ihm gestaltet. Es ist sehr stimmig zum Buch und passt quasi wie die Faust aufs Auge. Der Schreibstil soll an dieser Stelle auch noch erwähnt werden: Wenzel schreibt flüssig und direkt. Auf detaillierte Beschreibungen der Umwelt oder auch Gesichtszüge wurde zwar verzichtet, aber anstatt zu stören, lässt dies mehr Raum für die eigene Fantasie. Lediglich etwas habe ich auszusetzen: das englische Wort „Baby“ empfinde ich in deutsch verfassten, historischen Romanen als etwas zu neumodisch, insofern auch die Dialoge in eher mittelalterlichen Gefilden fungieren.

Fazit:
Wer sich den Fans von historischen Romanen zugehörig fühlt oder Autoren wie Ken Follet (Die Säulen der Erde) gerne mag, sollte auch hier beherzt zugreifen! Liebevoll recherchiert und spannend geschrieben, erleben wir als Leser den Kreuzzug in Begleitung von Protagonist Raimund von Aguilers am eigenen Leib. Ein Autor, von dem man sicher auch in Zukunft wieder lesen wird.


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