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Rezensionen verfasst von
Thaila

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Die Leinwand
Die Leinwand
von Benjamin Stein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4.0 von 5 Sternen Toller Roman - in ungewöhnlicher Form, 26. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Leinwand (Gebundene Ausgabe)
Schon äußerlich fällt Benjamin Steins Roman Die Leinwand auf, denn es lässt sich von zwei Seiten lesen, ist sozusagen zwei Bücher in einem. Auf der ersten Seite befindet sich eine Aufforderung an den Leser selbst einen Weg durch das Buch zu finden.
Öffnet man zuerst die eine Seite des Buches bekommt man es mit der Geschichte von Amnon Zichroni zu tun. Amnon Zichroni wächst in Israel als Sohn einer orthodoxen Familie auf. Als er beim Lesen eines profanen Romans erwischt wird, wird er von seinen Eltern in die Schweiz geschickt, wo er bei seinem Onkel aufwächst. Er beschließt Psychologe zu werden und betreut unter anderem den schwer traumatisierten Holocaust-Überlebenden Minsky.
Beginnt man auf der anderen Seite, begegnet dem Leser Jan Wechsler. Wechsler lebt in München mit seiner Frau und zwei Kindern und arbeitet als Verleger und Autor. Seine Kindheit und Jugend hat er in der DDR verbracht und bereits dort -unter schwierigen Bedingungen - sein verschüttetes Judentum wiederentdeckt. Jetzt lebt er nach dem orthodoxen Glaubensvorstellungen, was zu einiger Schwierigkeiten führt, als er eines samstags einen Koffer geliefert bekommt, denn jedoch weil Shabbat ist nicht annehmen kann. Um den Koffer ringt sich ein Geheimnis, er selbst hat ihn angeblich in Israel aufgegeben, ohne sich daran erinnern zu können. Außerdem gibt es da noch einen anderen Jan Wechsler, der ein Buch über den angeblichen jüdischen Holocaust-Überlebenden Minsky geschrieben, und aufgedeckt, dass dieser keinesfalls im Lager und auch kein Jude war.
Grundlage von Steins Roman war ein wahrer Fall, wo ein Holocaust-Überlebender der mehrfach für seine Überlebensgeschichte ausgezeichnet worden war, später der Unwahrheit überführt wurde. Anfängliche Vorwürfe, er sei ein Betrüger, konnten jedoch entkräftigt werden. Der Mann litt tatsächlich unter schweren Traumata und war von seiner Version der Geschichte zutiefsts überzeugt. Stein nutzt diesen Vorfall für eine Geschichte über Erinnerung und Identität. Beides erscheint im Roman flüchtig und trügerisch. Ein bißchen vergleichbar mit Daniel Kehlmanns Romanen ist dieses Buch] ein Versteckspiel, dass die Frage, wer wir eigentlich sind und was uns ausmacht, immer wieder von neuem aufwirft. Verbunden mit Steins sprachlicher Sichherheit und seinem oft poetischen Stil macht es Die Leinwand zu einer ebenso unterhaltsamen wie anregenden Lektüre!


Die Kinder der Meerfrau: Historischer Roman
Die Kinder der Meerfrau: Historischer Roman
Preis: EUR 7,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Da riecht man beim Lesen fast das Meer, 26. Januar 2012
Norddeutschland, 18. Jahrhundert: Die Brüder Thiess und Momme führen ein eher einsames Leben als Fischer, als sie eines Tages eine junge Frau am Meeresstrand finden, die halb ertrunken ist. Lena weigert sich etwas über ihre Vergangenheit zu verraten. Aufgrund ihres Aussehens gilt sie im Dorf bald als die "Wendische". Da sie über die Fähigkeit verfügt zu heilen, aber auch auf magische Weise Schaden anzurichten, ist sie in der Gegend bald gleichermaßen respektiert wie gefürchtet. Zwischen Thiess, Momme und Lena entwickelt sich bald eine harmonische Dreierbeziehung. Keiner weiß, wer der Vater der vier Kinder ist, die nach und nach geboren werden - es interessiert aber auch niemanden von ihnen. Nur im Dorf gibt es Gerede und der Pfarrer wird angehalten, für Zucht und Ordnung zu sorgen.
Lenas Söhne und Enkel bleiben nicht im engen Leben an der südjüdländischen Küste. Es verschlägt sie in alle Welt. Einer wird Walfänger, er arbeitet sich vom Hilfsjungen bis zum erfolgreiche Kapitän herauf. Ein anderer wird Maler und reist bis in die Karibik. Ein Enkel wird Sklavenhändler wider Willen.
Indem Konrad Hansen einzelne Familienschicksale herauslöst, macht er ein breites Panorama an Themen und Landschaften auf. Leider wirkt der Roman dadurch gelegentlich überfrachtet. Weniger wäre manchmal mehr gewesen, vor allem über die weiblichen Personen der Familie hätte ich manchmal gerne mer erfahren. Die Qualität der einzelnen Erzählstränge varriert, besonders gelungen fand ich die Passagen, die auf dem Meer spielen. Die sind so eindringlich geschrieben, dass mein einen lebhaften Eindruck von der Faszination des Meeres, aber auch vom mühseligen Leben an Bord eines Segelschiffes bekommt.
Insgesamt ist Die Kinder der Meerfrau ein gelungener historischer Roman, von einem Autor, der weiß wovon er schreibt.


Herrn Sylvains Verschlungener Weg Zum Glück
Herrn Sylvains Verschlungener Weg Zum Glück
Preis: EUR 16,04

4.0 von 5 Sternen nette Unterhaltung, 26. Januar 2012
Sylvain ist 36 und lebt zusammen mit seiner Schildkröte Gabi noch bei seiner Mutter. Darüber ist er alles andere als glücklich. Die Neugierde und Kontrollwut seiner Mutter nehmen ihm jede Luft zum Atmen. Von einer Reise nach Rumänien mit seinem Freund Marcel erhofft er sich die langersehnte Freiheit. Umso enttäuschter ist er, als seine Mutter sich - ganz zufällig - am Tag vor seiner Abreise die Hüfte bricht. Zum Ausgleich schenkt sie ihm einen Ausflug an die Nordsee. Ausgerechnet auf dieser Butterfahrt lernt er die rumänischen Schwestern Alina und Melba kennen. Und für ihn eröffnen sich neue Wege.
Julienne wurde mit vier Kindern von ihrem Mann sitzen gelassen. Ihre drei Töchter sind längst aus dem Haus, und scheinen auch häufiger genervt von ihr zu sein als sich über den Kontakt mit ihrer Mutter zu freuen. Nur Sylvain ist ihr geblieben. Das er nicht geheiratet hat und die unverschämte Pascalle mit dem viel zu weiten Ausschnitt ihn verlassen hat, ist sie nur recht. Seine Mutter kann sich ja am besten um ihn kümmern. Als sie sich die Hüfte bricht, ahnt sie schon, dass sich in Zukunft in ihrem gemeinsamen Leben einiges ändern wird.
Rainer Strecker und und Regina Lemnitz lesen abwechselnd aus Sicht von Mutter und Sohn diese berührende Geschichte. Beide lesen sehr angenehm ruhig. Es gelingt vor allem Regina Lemnitz sich wunderbar in die Figuren herienzubegeben, so dass lebendige Dialoge entstehen. Die Geschichte ist "was fürs Herz", da macht es auch nichts, dass manche Konflikte arg schnell und einfach gelöst sind. "Sylvains verschlungener Weg zum Glück" ist genau das richtige für verregnete Sonntagnachmittage und hat mir Spaß gemacht.


Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares: Lesung
Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares: Lesung
von Fernando Pessoa
  Audio CD
Preis: EUR 12,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jeder Satz ein Kunstwerk, 26. Januar 2012
Es ist gar nicht so leicht einen Einstieg in dieses Werk von Fernardo Pessoa zu finden. Was genau ist dieses Buch eigentlich? Ein Roman oder eine Sammlung von Prosafragmenten und Tagebucheindrücken? Der Erzähler ist Bernardo Soares, ein Hilfsbuchhalter aus Lissabon. Ansonsten erfährt man über das äußere Leben des Protagonisten kaum etwas, er spricht von Freunden, sie bleiben jedoch namenlos. In seinem Unruhebuch versenkt er sich in die tiefsten Winkel und Schichten seines Inneren und lotet sein inneres Leben aus, getreu seinem Motto, sein wahres Leben finde in seinen Träumen statt. Sprachlich sind seine Gedanken so ausgefeilt, dass jeder Satz für sich als eigener Aphorismus stehen könnte. Das Buch ist geradezu ein Zitateschatz. An vielen, vielen Stellen hatte ich das Gefühl (und dieses Gefühl ist vielleicht der Hauptlohn des Lesens), dass Pessoa dort etwas Ausdruck verliehen hat, was in meinem Inneren nur als vager vorsprachlicher Schatten sich findet. Ich muss jedoch sagen, dass ich froh war am Ende die dunkle, einsame Welt des Bernardo Soares wieder zu verlassen. Wenig Wert legt er auf das Soziale, Trost und Leben findet er eigentlich nur in sich selbst. Die Menschen, vor allem die Erfolgreichen, betrachtet er mit Mißtrauen. In kleinen Happen genossen ist Das Unruhebuch jedoch ein Augenöffner.
Das Hörbuch verdeutlicht sowohl die Vor- als auch die Nachteile des Mediums. Der mündliche Vortrag - von Udo Samel hervorrragend gelesen - schafft eine Intimität, die dem Werk sehr gerecht wird. Man hat fast das Gefühl Bernardo spreche mit einem. Ich hatte allerdings oft das Bedürfnis zurückzublättern, Sätze merhmals zu lesen, was beim Hörbuch ja viel komplizierter ist als beim Buch. Daher habe ich mir auch zugleich das Buch gekauft und werde sicherlich häufig darin herumlesen. Zum herumlesen laden die losen Szenen und Eindrücke des Romans geradezu ein. Das Hörbuch war jedoch ein gelungener Einstieg in das Werk von Fernando Pessoa!


Die Informanten: Roman
Die Informanten: Roman
von Juan Gabriel Vasquez
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Roman über die Unvergänglichkeit der Vergangenheit, 26. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Informanten: Roman (Taschenbuch)
Der junge Autor Gabriel Santoro veröffentlicht ein Buch über eine alte Familienfreundin. Sara Gutmann mußte als Kind mit ihren Eltern aus Deutschland fliehen und fand in Kolumbien nur schwer eine zweite Heimat. Über diese leidvollen Erfahrungen schreibt Gabriel. Von seinem Vater, ein bekannter Rhetorikprofessor, erwartet er Unterstützung, statt dessen veröffentlicht dieser einen Veriß. Erst Jahre später findet die beiden vorsichtig zueinander. Und erst nach dem Tod seines Vater lernt Gabriel die Beweggründe seines Vaters kennen, ein schmerzhafter Prozess setzt ein, denn Gabriel muss das Bild, das er von seinem Vater hatte, vollkommen revidieren. Indem er die Geschichte seines Vaters erforscht, begibt er sich auch in die Geschichte seines Landes. Im Mittelpunkt des Romans steht die deutsche Gemeinde während des Zweiten Weltkrieges. Da man die Deutschen des Landes pauschal der Sympathien mit den Nationalsozialisten verdächtigte (in der Tat waren viele Anhänger des "neuen Deutschlands"), waren viele Deutsche Repressionen ausgestzt. Schon durch eine Kleinigkeit konnte man auf eine "schwarze Liste" gesetzt werden, was faktisch das Ende der bürgerlichen Existenz bedeutete. Besitztümer wurden konfisziert und Freunde mieden den Kontakt, aus Angst ebenfalls als Nazi aufzufallen.
Juan Gabriel Vásquez ist ein wirklich hinreißender Roman gelungen, sprachlich von raffinierter Schlichtheit verbindet er viele große Themen des Lebens: Vater-Sohn-Konflikte, die Frage nach Identitäten und der Rolle, die die Vergangenheit im eigenen Leben spielt, Freundschaft und Verrat. Die verschiedenen Ebenen des Romans werden dabei kunstvoll verschlungen. Hervorzuheben ist auch die feine Übersetzung von Susanne Lange, die mit mehreren Übersetzerpreisen ausgezeichnet wurde.


Dichter in der Welt: Mein Schreiben und Lesen
Dichter in der Welt: Mein Schreiben und Lesen
von Ulla Hahn
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante Reflexionen, 25. Januar 2012
Der Band Dichter in der Welt versammelt Artikel, Reden und Poetikvorlesungen, die Ulla Hahn im Verlauf von zwanzig Jahren geschrieben hat. Es geht um ihr eigenes Schreiben und die Frage, wie ihre Welt zu Literatur wird. Vor allem aber geht es um andere Schriftsteller, die sie beeindruckt und beeinflusst haben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Schreiben von Frauen, insbesondere Lyrikerinnen. So sind Else Lasker-Schüler, Ingeborg Bachmann, Gertrude Colmar und Annette von Droste-Hülshoff Artikel gewidmet, um nur ein paar zu nennen. Das Schreiben von Frauen und die spezifischen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatten, interessiert Ulla Hahn besonders.
Ulla Hahn ist gelernte Germanistin, der wissenschaftlichen Methode des Szezierens steht sie jedoch kritisch gegenüber und so sind ihre Artikel bei aller Tiefe gut lesbar. Sie plädiert immer wieder für einen unbefangenen Umgang mit literarischen Kritikern. Nur ab und zu verfällt sie in einen etwas formalistischen Stil, was bei der Analyse von Gedichten schwierig zu vermeiden ist. Vor allem aber macht sie Lust mehr von den Autoren und Autorinnen zu lesen. Und mehr kann so eine Sammlung von Kritiken ja kaum erreichen!


Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao
Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao
von Junot Díaz
  Audio CD
Preis: EUR 29,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao, 25. Januar 2012
Oscar ist ein typischer Nerd. Er ist zu dick, schlecht gekleidet und interessiert sich vor allem für Rollenspiele - und für Mädchen, die sich allerdings nicht die Bohne für ihn interessieren. Dazu kommt noch, dass seine Familie aus der Karibik kommt und er eine dunkle Hautfarbe hat. Die besten Voraussetzungen im weißen New Jersey zum Außenseiter zu werden. Auch im College verändert sich seine Situation kaum und so läuft alles darauf hinaus, dass er sich, frühzeitig vom Leben verbittert, aufgibt. Ein Urlaub bei seiner Großmutter in Santo Domingo ändert jedoch alles. Er verliebt sich unsterblich in eine Nachbarin und gibt dieses Mal nicht auf, auch wenn er damit einen alten Fluch herausfordert, der auf der Familie liegt.
Fast beiläufig erzählt Junot Diaz eine Geschichte von brutaler Gewalt und unglaublichem Leid. Im Mittelpunkt steht die Familie Cabral, deren Geschichte über drei Generationen erzählt wird. Immer wieder geraten Mitglieder der Familie Cabral mit der Autorität in Konflikte und werden von den kriminellen Machthabern und Schergen des karibischen Regimes gewalttätig dafür bestraft. Aber immer wieder widersetzen sie sich dieser Gewalt und so bleibt dennoch der Widerstand und die Liebe als Hoffnungszeichen.
Langsam setzten sich die einzelnen Elemente der Geschichte zusammen, die dadurch an Komplexität gewinnt. Diaz beleuchtet nicht nur die Geschichte der Dominikanischen Republik, sondern auch die Situation von Chicanos (spanischsprachigen Einwanderern) in der heutigen USA. Erzähler der Geschichte ist Junior, ein Freund von Oscar und seiner Schwester Lola, der ebenfalls aus der Karibik stammt. Die Sprache ist oft vulgär, die Sprache eines jungen, dominikanischen Machos, dessen flapsiger Stil und Ironie einen Kontrast zu der beschriebenen Grausamkeit bildet. Dem Sprecher Andreas Pietschmann gelingt es gut, diesen Tonfall widerzugeben. Er liest erfrischend und schafft es auch die tragisch-komische Komponente des Romans zu unterstreichen.


Die Liebeslotterie
Die Liebeslotterie
von Andrew Nicoll
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein leichtes, aber kein seichtes Buch!, 25. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Liebeslotterie (Gebundene Ausgabe)
Irgendeine Kleinstadt im Baltikum, irgendwann in vorsozialistischen Zeiten: Bürgermeister Krovic, den alle nur den "guten" Krovic nennen, ist unsterblich in seine Sekretärin Agathe verliebt. Das Problem: Agathe ist verheiratet, zwar ist sie in ihrer lieblosen Ehe unglücklich, wie kann es Krovic jedoch mit seinem Gewissen vereinbaren, eine verheiratete Frau zu lieben. Und was sollen die Leute sagen? Langsam kommen die beiden sich näher, das gemeinsame Mitagessen wird zur schönsten Zeit des Tages. Doch ist der bedächtige, vorsichtige Krovic zu langsam für die liebesverhungerte Agathe.
Hätte ich nur das Cover dieses wunderbaren Buches gesehen, hätte ich es mir sicherlich nicht gekauft, zu lila und die abgebildeten zuckrigen Kekse schienen schon alles zu sagen. Dazu noch der Titel... Zum Glück habe ich mich überreden lassen. Die Liebeslotterie ist eine wunderbar charmant-leichte Liebesgeschichte. Die Atmosphäre einer Kleinstadt, in der jede Geste, jede Handlung Beachtung findet und zum Stadtgespräch zu werden droht, ist wirklich toll wiedergegeben. Aber auch die Idylle und die Sicherheit des Vertrauten wird für den Leser spürbar. In diesem Setting entfaltet sich die zarte Liebesgeschichte von Agathe und Krovic. In oft poetischer Sprache schildert Nichols die Gefühle der beiden. Der Autor ist ein Meister darin das passende, ungewöhnliche Detail zu finden. Dabei verliert es sich jedoch nicht im Kitsch und bietet keine einfachen ad-hoc-Lösungen an. Die beiden Liebenden leben in keiner einfachen Welt und auch die Liebe vermag das nicht zu ändern. Zum Ende hin verliert die Geschichte sich immer stärker im märchenhaft-surrealen und scheint sich fast aufzulösen.


Der Koch HörB
Der Koch HörB
von Martin Suter
  Audio CD
Preis: EUR 29,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ein typischer Suter, 25. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Koch HörB (Audio CD)
Ich habe schon ein paar Bücher von Martin Suter gelesen. er schreibt charmant und gefällig, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, wiederholen sich seine Geschichten sehr. Es geht immer um gutbürgerliche Menschen in Zürich, deren Welt sich im Laufe der Geschichte als fragiler erweist als sie dachten. Die ausführliche Beschreibung des Luxus und diverser Luxusartikel spielt eine entscheidende Rolle. In diesem Buch widmet Suter sich jedoch der Unterseite des Luxuslebens und hat damit ein interessantes Thema gefunden. Protagonist ist der Tamile Maravan, der als Flüchtling in der Schweiz lebt und als Küchenhelfer den Schikanen seiner Kollegen ausgesetzt ist. Dabei ist Maravan ein hervorragender Koch und außerdem ein Experte der ayuevedischen Küche der Aphrodisaika. Als seine Kollegen Andrea davon erfährt, hat sie eine zündende Geschäftsidee: Love Food. Mitten in der Wirtschaftskrise machen die beiden ein Cateringunternehmen auf. Aber die Nähe zum Rotlichtmilieu, die sich bald entwickelt, macht dem gläubigen Koch bald zu schaffen. Und auch das Schicksal seiner Familie in Sri Lanka, die in den Krieg zwischen Tamilen und der Regierung von Sri Lanka hineingerät, machen ihm Sorgen.
Suter schreibt gewohnt leichtfüssig und glatt. Sein Sinn fürs Details kann sich vor allem in den Beschreibungen des Essens voll austoben. Man bekommt richtig Appetit beim Hören (oder Lesen). Aber in diesem Buch hat Suter auch ein politisches Anliegen. Er macht auf die blutigen Konflikte in Sri Lanka aufmerksam, die während des Schocks der Wirtschaftskrise fast untergingen und spricht auch das heikle Thema Waffenlieferungen an, die zur Eskalation von Kriegen soviel beiträgt.
Gelesen wird das Hörbuch unaufällig aber solide von Heikko Deutschmann.


November (Fischer Klassik)
November (Fischer Klassik)
von Gustave Flaubert
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,50

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ein Frühwerk, 25. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: November (Fischer Klassik) (Taschenbuch)
Auf den ersten Blick scheint in diesem "expressiv-romantischen" Frühwerk (soviel verspricht der Klappentext) von der späteren virtuosen künstlerischen Kontrolle Flauberts wenig zu erkennen. Ein junger Ich-Erzähler ist zwischen Liebessehnsucht und Weltverdruss hin und her gerissen. Er wälzt sich geradezu in Melancholie und gibt seinen Gefühlen in einer überbordenden, metaphernreiche Sprache Ausdruck. Es hat mich nicht gewundert im Nachwort zu lesen, dass Flaubert in jungen Jahren immens vom Werther beeinflusst wurde. Der Effekt ist gelegentlich komisch - ob freiwillig oder unfreiwillig konnte ich nicht so recht entscheiden.
Auf der Suche nach erotischen Abenteuern trifft der Held auf die Prostituierte Marie, in der er eine Seelenverwandte zu finden vermeint, die er nach einer gemeinsamen Nacht jedoch nie wieder sieht.
Auf den letzten Seiten wird die Erzählperspektive gebrochen. Ein Bekannter des Helden erzählt dessen Geschichte und rechnet mit seiner Gefühlsdusselei gnadenlos ab. Da zeigt sich schon der kühle Blick des späteren Flaubert, dem häufig die vorgeworfen wurde, er habe die Schärfe eines Seziermessers und würde gnadenlos all das offenbaren, was im menschlichen Leben kleinlich und mittelmäßig ist.
Um Flaubert kennenzulernen würde ich doch eher eines seiner Meisterwerke wie "Madame Bovary" oder "Lehrjahre des Gefühls" empfehlen. Wer sich jedoch tiefer mit dem Werk Flauberts beschäftigen möchte, ist gut beraten dieses schmale Büchlein zu lesen um die Enstehung eines großen Schriftstllers mitzuerleben.


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