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Beiträge von Thaila
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Rezensionen verfasst von
Thaila

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Kindheitsmuster (suhrkamp taschenbuch)
Kindheitsmuster (suhrkamp taschenbuch)
von Christa Wolf
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen schonungslos offen, 10. Februar 2012
Die Schriftstellerin Nelly - die biographische Nähe zu Christa Wolf ist nicht zu übersehen- macht sich gemeinsam mit ihrer jugendlichen Tochter und ihrem Bruder auf die Reise nach Polen, in die Stadt, in die sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Die Reise ist vor allem eine Suche nach dem Kind, dass Nelly einmal war, eine Suche nach Erinnerungen und Zusammenhängen und der eigenen Einbettung in die Zeit des Nationalsozialimus. Nellys Eltern gehören dem Kleinbürgertum an, sie betreiben einen Krämerladen. Dem Nationalsozialismus stehen sie eher skeptisch gegenüber, Nellys Mutter wird wegen kritischer Äußerung gegenüber Kundinnen denunziert und ist von da an von Angst getrieben. Das Hitler-Bild im Wohnzimmer aufzuhängen erscheint der Familie unerlässlich. Sie gehören eher zu jenen, die weggucken, als zu jenen, die teilnehmen.
Nellys politische Sozialisation findet in der Schule statt. Glühend verehrt sie ihre streng nationalsozalistische Lehrerin und ebenso glühend verehrt sie Hitler. Selbst im Zusammenbruch verliert sie ihr Vertrauen in die Parolen der Nazis nicht. Eindrücklich schildert Christa Wolf die Härte, die Kindern und Jugendlichen in der Erziehung der Nationalsozialisten eingetrichtert wurde. Nelly empfindet gegenüber schikanierten jüdischen Mitschülern Mitleid, hat jedoch ein schlechtes Gewissen, weil sie ihrer Pflicht nicht nachkommt an diesen Schikanen teilzunehmen. Schonunglos offen setzt sich die Autorin Nelly mit ihrer Vergangenheit und ihrer abgelegenten Überzeugungen auseinander. Dabei verfällt sie nie in mitleidheischendes Jammern, Nelly ist immer sowohl Opfer als auch Täterin.
Christa Wolfs Roman "Kindheitsmuster" gehört bis heute zu den wichtigsten und interessantesten literarischen Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus!


Der Marsch: Roman
Der Marsch: Roman
von E.L. Doctorow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

4.0 von 5 Sternen historisch fundiert, 10. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Marsch: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit seinem 2005 in Amerika erschienen Roman "Der Marsch" widmet sich E.L. Doctorow einer der traumatischsten Ereignisse der amerikanischen Geschichte: General Shermans Marsch ans Meer. Bei dessen Feldzug nach Georgia am Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges riss sein Heer eine kilometerbreite Schneiße der Verwüstung durch drei südliche Bundesstaaten.
Doctorow erzählt diese Geschichte als Collage-Roman, in dem viele Stimmen zu Wort kommen. Die Geschichte einer befreiten Sklavin, die sich Shermans Armee anschließt wird ebenso erzählt wie die von zwei Soldaten der Konföderation, die zu überleben versuchen, indem sich sich als Unionssoldaten verkleiden. Auch Sherman selbst ist eine der Hauptfiguren des Romans. Einige Handlungsstränge erstrecken sich dabei über den ganzen Roman und geben ihm trotz seiner zersplitterten Struktur eine Einheit. Andere Figuren streifen die Geschichte dagegen nur, wie beispielsweise eine kurze Episode, die das Sterben eines Soldaten beschreibt. Dabei dauert es eine Weile bis die Charktere sich dem Leser erschließen. Lange blieb mein Eindruck oberflächlig. Nur nach und nach kommt Doctorows Talent fein ausbalancierte und differenzierte Charaktere zu gestalten, zum Vorschein.
Einziges Mankos: Die Sprache des Romans ist gelegentlich arg flappsig. Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen, rechne diese Schwäche jedoch eher Doctorow selber als der eigentlich immer sehr gewissenhaften und sprachgewandten Übersetzerin Angela Praesent an.
Trotzdem lohnt sich die Lektüre für jeden, der Interesse an der amerikanischen Geschichte hat, ungemein! "Der Marsch" ist ebenso unterhaltsam wie historisch fundiert, auch wenn - was ja von einem Kriegsroman nicht anders zu erwarten ist - kein leichter Stoff!


Aus den Feuer. Roman.
Aus den Feuer. Roman.
von Jerzy. Kosinski
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen bedrückend, 10. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Aus den Feuer. Roman. (Gebundene Ausgabe)
Jerzy Kosinskis Roman "Aus dem Feuer" (so der deutsche Titel) gehört zu den ungewöhnlichsten, aber auch bedrückensten Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Von einer richtigen Romanhandlung kann kaum die Rede sein, es handelt sich vielmehr um eine Aneinanderreihung von einzelnen Szenen. Sie alle werden aus der Sicht eines namenlosen, männlichen Erzählers geschildert, vielleicht ist es immer der selbe. Die Handlungsorte wechseln permanent, mal findet eine Szene in einem kommunistischen Land, mal irgendwo im amerikanischen Westen statt.
Zusammengehalten werden diese Szene durch ein leitendes Thema: Gewalt in all seinen Facetten. Demütigung, Unterdrückung, seelische, körperliche und immer wieder auch sexuelle Gewalt. Am Ende des Romans fragt man sich als Leser, ob es für den Autor überhaupt einen Unterschied zwischen Sex und Gewalt gibt und ob nicht jeder sexuelle Akt auch ein Akt der Gewalt ist.
Das liest sich verstörend, auch wenn Kosinski sehr selten explizit wird. Der Stil erinnert an die extreme sprachliche Verdichtung von Ernest Hemingway, was das Dargestellte eher schlimmer macht, weil es so viel der Phantasie des Lesers überlässt. Der Roman macht die Faszination von Gewalt erfahrbar, darin liegt seine Kunst, aber auch sein Problem. Und so kann ich mir auch einige Tage nach Beendung des Buches kein abschließendes Urteil bilden.


Jonglieren: Roman
Jonglieren: Roman

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen nette Unterhaltung, 10. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Jonglieren: Roman (Kindle Edition)
"Jonglieren" von Barbara Trapido erzählt die Geschichte von zwei Schwestern. Christina ist lebhaft und aufmüpfig, während die adoptierte Pam eher still und folgsam ist. Zeit ihres Lebens hat Christina das Gefühl von ihren Eltern weniger geliebt zu werden, als die umgänglichere Pam, die darüber hinaus noch muskisch begabt und in der Schule besonders gut ist. In der Schule lernen Pam und Christina den ebenfalls stillen, schüchternen Peter und den populären Jago kennen. Die Lebenswege der vier kreuzen sich nun immer wieder. Und auch die Lebensläufe ihrer Familien verschlingen sich zunehmend. Leider verliert die Autorin die übrigen Figuren im Verlauf der Handlung vollkommen aus den Augen, so dass der Roman letztendlich die Geschichte von Christina ist. Das fand ich persönlich schade, weil ich andere Charaktere eigentlich spannender fand.
"Jonglieren" ist ein merkwürdiges Buch. Ich habe mich immer wieder an eine Soap Opera erinnert gefüllt. Zum einen entstammen die Charaktere aus einer Hochglanzwelt, wo Geld keine Rolle spielt, weil es einfach immer da ist, wo man gut aussieht und kosmopolitisch ist. Die einzelnen Figuren sind in der Eindeutigkeit der ihnen zugeschriebenen Rollen manchmal arg holzschnitthaft. Zum anderen gibt es immer wieder merkwürdige Begebenheiten, Todesfälle und Zufälle, die doch sehr an die unrealistischen Handlungsläufe einer Seifenoper erinnern. Subtext für Trapido waren allerdings die Komödien von Shakespeare, die immer wieder anzitiert werden. So endet der Roman auch in einer Weise überspitzt in einem bunter Reigen von Bäumchen-wechsel-dich, dass ich mich damit doch wieder versöhnen konnte.
Keine große Literatur, aber ganz nette Unterhaltung!


Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus (Allgemeines Sachbuch)
Der rote Terror: Die Geschichte des Stalinismus (Allgemeines Sachbuch)
von Jörg Baberowski
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen kompakte, fundierte Studie, 10. Februar 2012
In "Der rote Terror" zeichnet Jörg Baberowski eine umfassende Geschichte des Stalinismus von den Vorbedingungen ("Innerer Kolonialismus" des Zarenreiches, Russische Revolution und Partei in den Zwanziger Jahren) bis zu Stalins Tod 1953. Der "Große Terror" von 1937/38 erscheint darin nur als eine von vielen Terrorwellen, die besonders heftig war.
Anders als frühere Theoretiker des Stalinismus sieht Baberowski in der Gewalt des stalinistischen Regimes nicht als zwangsläufige Entwicklung der totalitären Herrschaft. Er erklärt gerade die fragile Herrschaft der Bolschewiki verbunden mit einem totalen Herrschaftsanspruch zur Hauptursache des Terrors. In weiten Teilen des ländlich geprägten Russlands und in den Randgebieten des Reiches verfügten die Bolschewiki, wenn überhaupt über eine oberflächige Macht. Alte Herrschaftsstrukturen des Dorfes vermochten sie nicht aufzulösen. Ebenso schleppend passte sich die russische Bevölkerung dem normierten Verhalten des sowjetischen Ideals an, was sich beispielsweise in der anhaltenden Frömmigkeit (selbst unter Parteimitgliedern) zeigt. Die eigene Ohnmacht in Verbindung mit einem Gewaltkult der stalinistischen Elite, die Barberoski auf die Gewaltkultur des russischen Bauernmileus zurückführt, aus dem Stalin und viele seine Anhänger stammten, sind in seinen Augen Hauptursache der stalinistischen Gewaltherrschaft, der Millionen Menschen zum Opfer fielen. Damit liefert Baberowski einen interessanten und überzeugenden Erklärungsansatz für den Stalinismus, auch wenn er bestimmte Aspekte (wie die ausgesprochen idealistische Loyalität vieler junger Sowjetbürger) außer Acht lässt.
Baberwoski schreibt für einen Historiker ungewöhnlich klar und vor allem ansprechend. Er schäut sich nicht gelegentlich etwas bolemisch zu werden. Lenin bezeichnet er beispielsweise als "bösartigen Schreibtischtäter". Seine pointierte Ausdrucksweise machen das Buch auch stilistisch lesenswert!


Das Spiel des Engels: Roman (Literatur)
Das Spiel des Engels: Roman (Literatur)
von Carlos Ruiz Zafón
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kann man lesen, muss man aber nicht..., 10. Februar 2012
David Martin stammt aus einfacher Verhältnissen, sein Vater schlägt ihn als er von der Leseleidenschaft seines Sohnes erfährt. Doch der Buchhändler Sempere unterstützt den jungen David in seiner Begeisterung fürs Lesen und auch in seinem Wunsch Schriftsteller zu werden. Mit der Unterstützung eines reichen Freundes schreibt David jahrelang reißerische Schauergeschichten unter fremdem Namen. Als sich jedoch beide in die gleiche Frau, Christina, verlieben, wird die Beziehung auf eine harte Belastungsprobe gestellt. David erhält von einem geheimnisvollen Verleger, Andreas Corelli, den Auftrag eine neue Religion zu erfinden. Dafür wird er übig bezahlt und kann seine Schreiberei von Pfennigheften an den Nagel hängen. Aber ziemlich schnell wird deutlich, dass Corelli nicht ganz geheuer ist. Und was hat er mit dem alten Mann zu tun, der vor Jahren in Davids Haus gelebt hat und sich angeblich das Leben genommen hat?
Zafons Roman "Das Spiel der Engel" ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und mysthisch-phantastischer Kriminalgeschichte. Obwohl der Autor versucht die beiden Elemente zu verknüpfen, wirkt das ganze doch irgendwie unausgegoren, als hätte man zwei Romane zusammengepackt. Insgesamt ist das Buch viel zu überladen, wodurch auch Zafons Talent für interessante Figuren ein wenig verloren geht. Weniger wäre in diesem Fall sicher mehr gewesen. Mir war die Geschichte auch viel zu mystisch angehaucht und das Ende, wo es dem Autor nicht gelingt die verschiedenen Fäden zusammenzubringen, fand ich richtig doof.
Für mich halbwegs gerettet haben das Buch die wirklich witzigen und rasanten Dialoge und die schönen Beschreibungen von Barcelona, auch wenn man die aus "Der Schatten des Windes" auch schon kennt.


Oscar und Lucinda: Roman (Literatur)
Oscar und Lucinda: Roman (Literatur)
von Peter Carey
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen tolle Figuren, 10. Februar 2012
Oscar und Lucinda werden beide schon in jungen Jahren Halbwaisen und wachsen beide auf sehr unterschiedliche Art und Weise für ihre Zeit vollkommen unkonventionell auf. Oscars Vater ist ein ebenso genialer Wissenschaftler wie überzeugter Sektierer. In seinem Leben dreht sich alles um sein Verhältnis zu Gott, jede Begebenheit sieht er als zustimmendes oder mißbilligendes Zeichen Gottes. So bringt er auch Oscar bei in allem ein Zeichen Gottes zu sehen und sich dabei eine ganz persönliche Religion zu schmieden, in die Oscar auch seine zunehmende Spielsucht als junger Theologiestudent einfügen kann. Seine Spielleidenschaft kann ja nicht sündhaft sein, so lange er damit immer wieder Erfolg hat. Im theologischen College ist Oscar ein Außenseiter, seine Unbeholfenheit und weltfremde Naivität wirkt auf die anderen Studenten abstoßend.
Lucinda ist ebenfalls eine Außenseiterin. Sie wächst in der australischen Kolonie als Tochter einer emanzipierten Mutter auf, die ihr einen unbändigen Unabhängigkeitsdrang einpflanzt. Nach dem Tod ihrer Mutter geht sie nach Sidney und macht sich dort mit einer Glasbläserei selbstständig. Auch ihr gelingt es nicht sich anzupassen. Für die konservative Mittelschicht ist sie zu unabhängig, die Männer, in ihrer Fabrik respektieren sie als Frau nicht.
Ausführlich werden in getrennten Erzählsträngen die Lebensgeschichten von Lucinda und Oscar erzählt. Erst in der zweiten Hälfte des Romans begegnen sich die beiden und die im Titel angedeutete Liebesgeschichte bahnt sich -sehr langsam- an. Kelly bedient sich einer mäandernden Erzählweise, die ihm viel Raum gibt seine Charaktere zu entwickeln. Und diese Charaktere sind wirklich einmalig. Selten sind mir Figuren so nah gekommen, wie die beiden komischen Kauze Lucinda und Oscar. Dabei wird es dem Leser gar nicht so leicht gemacht, sie zu mögen. Gelegentlich habe ich sogar intensive Momente des Fremdschämens erlebt, was mir bei fiktiven Charakteren doch eher selten passiert. Doch die beiden Hauptfiguren wirken so echt, ihre ungeschickten Annäherungsversuche so realistisch, dass dies jeden spannenden Plot ersetzt.
Irritiert hat mich allerdings das Ende des Romans, dass so überdreht ist, dass ich bislang noch nicht weiß, was ich davon halten soll. Dennoch lohnt sich die Lektüre von Kellys Roman in jedem Fall.


Das Haus zur besonderen Verwendung: Roman
Das Haus zur besonderen Verwendung: Roman
von John Boyne
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen unerträglicher Kitsch, 10. Februar 2012
John Boynes neuer Roman Das Haus zur besonderen Verwendung fühlt sich an wie ein klebriges Bonbon, dessen unerträgliche Süße mir als Leserin Zahnschmerzen bereitet hat. Erzählt wird die Lebensgeschichte von Georgi, einem armen Bauernsohn aus Russland. Als Jugendlicher verschlägt es Georgi nach St. Petersburg, wo er Leibwächter des Zarewitsches wird und sich in die Zarentochter Anastasia verliebt. Diese erwidert seine Liebe, allerdings ist eine Verbindung zwischen dem ungleichen Paar undenkbar. Und bald werden die beiden auch noch in die Wirren der russischen Revolution gerissen.
Klingt nach Disney? Aus Filmen wie "Anastasia" scheint Boyne sein historisches Wissen auch gezogen zu haben, historisch ist an diesem Roman wirklich gar nichts. Dazu ist das Geschichtsbild, das der Roman vermittelt, auch noch unerträglich naiv und sentimental. Die Geschichte des Revolution wird aus der Perspektive der Zarenfamilie erzählt. Seitenweise lässt sich der Erzähler Georgi darüber aus, wie ungerecht es doch sei, dass der Zar von seien Untertanen so gehasst wird, wo er sich doch unermütlich für sie einsetzt und so traurig über das Schicksal seiner gefallenen Soldaten ist. Der arme Zar! Das Leid der Bewohner, die von russischen Großgrundbesitzern ausgeraubt wurde oder von der zaristischen Geheimpolizei ins Gefängnis geworfen wurde? Wird mal nebenbei erwähnt, aber wirklich greifbar wird in diesem Roman nur die Leidensgeschichte der Zarenfamilie.
Dazu fand ich das Buch nicht besonders gut geschrieben. Die Dialoge sind fürchterlich hölzern und es gibt unglaublich viele Redundanzen. Das Buch hätte ohne Sustanzverlust hundert Seiten kürzer sein können. Das Lektorat scheint sich beim Lesen gelegentlich im Tiefschlaf befunden zu haben, mich haben eine Fülle von Ungereimtheiten sehr gestört.
Georgi erzählt in groben Zügen auch Geschichte seines späteren Lebens und seiner langjährigen Ehe mit seiner Frau Soja. Diese Abschnitte haben mir am besten gefallen, weil sie ein wirklich eindringliches Bild von einer jahrzehntelangen Liebe mit ihren Höhen und Tiefen zeichnet und auch die schwierige Situation von Migranten in einer fremden Gesellschaft beleuchtet. Vielleicht sollte John Boyne sich mal der Gegenwart widmen. Für historische Romane fehlt ihm einfach die historische Imagination!


Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche: Roman
Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche: Roman
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen eigenwillig und schwungvoll, 10. Februar 2012
Rosalinda weiß genau, was sie will. In der Sowjetunion aufgewachsen ist sie es gewohnt um alles zu kämpfen, Bestechung, Bedrohung und Schmeichelei anzuwenden um an ihr Ziel zu gelangen, So lenkt und manipuliert sie auch ihren Mann und ihre Tochter mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Als ihre Tochter jedoch unerwartet schwanger wird, kommen die Dinge anders als Rosalinda es sich vorgestellt hat. Denn bereits der kleine Fötus wehrt sich hartnäckig gegen jeden Versuch ihn zu beseitigen und ebenso dickköpfig und schwer zu lenken wird die Enkelin Aminat. Und auch Rosalindas Tochter Sulfina verweigert sich ihrer Mutter und will ein eigenes Leben aufbauen. Nun entbrennt ein Kampf um die Aminats Liebe. Mit List und Tücke gelingt es Rosalinda immer wieder sich in das Leben ihrer Tochter zu drängen. Nachdem die Situation in Russland jedoch immer schwieriger wird und Rosalinda beschließt ihrer Tochter einen deutschen Ehemann zu verschaffen, drohen ihre Ränke zu entgleiten. Denn Dieter, der erwählte Deutsche, interessiert sich viel mehr für die kaum jugendliche Aminat und so reich wie er in Russland erschien, ist er in Deutschland nicht.
Ähnlich schwungvoll wie in ihrem Debut "Scherbenpark "gelingt es Alina Bronsky in "Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche" die Probleme der postsowjetischen Gesellschaft und die oft bedrückende Lebenssituation von russischen Migranten in Deutschland auf eine bitter-komische Weise zu schildern. Der Roman wird aus der Sicht von Rosalinda erzählt, die von sich und ihrer Sicht der Dinge grenzenlos überzeugt ist. Nur indirekt scheinen ihre Schwächen und Fehler durch die Erzählung durch und sorgen damit oft für Komik. Allerdings bleibt dem Leser auch gelegentlich das Lachen im Halse stecken. Sehr feinfühlig beschreibt Bronsky die Abhängigkeit osteuropäischer Frauen von Männern aus dem Westen, die für sie oft die einzige Möglicheit sind, einer bedrückenden Lebenssituation zu entkommen. Verbunden mit einer erfrischenden, eigenwilligen Erzählweise macht das diesen Roman wirklich lesenswert!


Goethe schtirbt: Erzählungen (suhrkamp taschenbuch)
Goethe schtirbt: Erzählungen (suhrkamp taschenbuch)
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen typisch Bernhard, 10. Februar 2012
Das schmale Bändchen "Goethe schtirbt" umfasst vier Erzählungen von Thomas Bernhard. Die Titelgeschichte beschreibt die letzten Tage von Goethe aus den Erzählungen seiner treuen Anhänger und Jünger. Ekermann ist in Ungnade gefallen und der alte Goethe hat es sich als letzten Wunsch in den Kopf gesetzt, Wittgenstein zu treffen und mit ihm über seine Philosophie zu sprechen, der natürlich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht lebte. Für alle anderen Geistesgrößen seiner Zeit hat Goethe nur Verachtung übrig. Bernhards Goethe ist von grenzenlosem Größenwahn getrieben, so rühmt er sich selbst als großer Lähmer der deutschen Literatur, da nach ihm auf hundert Jahre nichts nachwachsen könne.
Die übrigen Erzählungen bestehen vor allem aus dem legendären Bernhard'schen Haßtiraden. Beschimpfungen auf die Gesellschaft, auf Österreich, das "häßlichste und lächerlichste Land der Welt" und auf die Familie als Keimzelle des gesellschaftlichen Terrors reihen sich aneinader. "Die Elternhäuser sind immer Kerker und die wenigsten können ausbrechen" so ein typisches Zitat aus dem Buch. Das könnte anstrengend sein. Ist es aber ganz und gar nicht, sondern liest sich höchst vergnüglich. Zum einem liegt das an Bernhards wundervoll poliertem Stil. Obwohl viele Sätze ellenlang sind und sich in unzähligen Konstruktionen ineinanderschachteln, verliert der Autor nie die Kontrolle und der Leser nicht den Überblick. Zum anderen ist Bernhards Humor hervorzuheben. Der Autor ist weit mehr als ein alter Grandler. Seine Beobachtungen sind fast immer von treffender Schärfe, urkomisch und ihnen wohnt nicht selten ein Augenzwinkern inne, wenn sich zum Beispiel zwei Kindheitsfreunde darüber streiten, wessen Eltern die Schlimmeren waren. Hat mir sehr gefallen und war für mich ein guter Einstieg in Bernhards Werk.


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