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Salt&Pepper

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Meine Großmutter: Erinnerungen
Meine Großmutter: Erinnerungen
von Fethiye Çetin
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Eine literarische Perle im Aschenputtelgewand..., 7. April 2014
Es wird immer besser... bis man dann verdutzt vor dem Ende steht und sich fragt, ob man darauf überhaupt vorbereitet war - wahrscheinlich so, wie Fethiye Cetin selbst ! Deshalb möchte ich auch nicht so viel vorwegnehmen, sondern einfach nur einladen, das kleine Büchlein mit dem altbackenen Einband und dem viel zu langweiligen Titel nicht schon nach den ersten, vielleicht etwas schwerfälligen Seiten aus der Hand zu legen. Fethiye Cetin erzählt ihre Familiengeschichte über das letzte Jahrhundert, mit allem Schönen, Schrecklichen, für immer Verschwundenen aus dem Leben einer armenischen Familie in der Osttürkei. Angelpunkt ist dabei ihre Großmutter, aber die ganze große Familienbande kommt nicht zu kurz - und das Ende öffnet sich auf weit mehr als ein anatolisches Dorf . Es entsteht im Laufe der Erzählung der Eindruck, daß die Autorin dabei selbst durch die Wendungen ihrer Recherchen überrrascht wird, und aus den anfänglich sehr persönlichen Erinnerungen plötzlich eine politisch immer noch hochbrisante Anklage des armenischen Völkermordes wird. Die beigelegten Photos sind sehr schön (habe ich leider erst am Ende entdeckt), die Erklärungen auch. Vielleicht wäre eine kurze historische Zeittafel über die Ereignisse in der Türkei ganz nützlich, um dem unvorbereiteten Leser ein paar geschichtliche Anhaltspunkte zu bieten - allerdings wird der interessierte Leser wahrscheinlich selbst danach suchen, um das Gelesene richtig einzuordnen und zu verarbeiten. Für mich eine Perle, versteckt in einem äußerlich merkwürdig unanspechend wirkenden giftgrün-rosa Bändchen mit einem abgegrast altbackenen Titel.


Das Geheimnis von Flandern
Das Geheimnis von Flandern
von Gilbert Sinoué
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen Überzogene Intrige, langatmige Erzählung, merkwürdige Wendungen, 7. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Geheimnis von Flandern (Taschenbuch)
Nach der "Straße nach Isfahan" ein zweiter historischer Roman von Sinoué - der allerdings an den ersten für mich bei weitem nicht heranreicht. Was eigentlich genau das große Geheimnis an Van Eyck's Malstil sein soll - und warum bzw. ob dies für die florentinische Schule wirklich so bedrohlich war, ist für mich bis zum Ende nicht nachvollziehbar. Ob dieser Roman historisch so gut recherchiert ist wie der erste, kann ich diesmal nicht sagen - ich muß gestehen, daß es mich einfach nicht sonderlich interessiert hat.
Trotz der vielen gruseligen Toten, der bösen Stiefmutter, der unsterblichen Mutterliebe, der geheimnisvollen Andeutungen und der zwielichtigen Gestalten in den Straßen von Brügge will irgendwie keine so rechte Spannung aufkommen. Gut und Böse sind von Anfang fast so deutlich abgebildet wie im Märchen, und vielleicht schafft es ja Sinoué diesmal nicht, mit Hilfe der Sprache die Besonderheit der flämischen Malerei so herüberzubringen, daß die Intrige glaubhaft wirkt. Der Bogen zwischen Flandern, Portugal, Spanien und Italien scheint mir ein bißchen überspannt für einen 12- oder 13-jährigen Jungen in der Hauptperson. Die bösartigen Gestalten in Florenz wirken aufgesetzt und die Szenen in Italien zerstückeln den Roman jedesmal ein bißchen mehr, zumal die Personen undeutlich individualisiert sind, und deshalb teilweise unklar bleiben. Daß das Herz der bösen Verschwörung in Florenz schlägt, hat der Leser sowieso schon in den ersten Seiten mitbekommen, so daß sich auch da die Spannung in Grenzen hält.
Kurz und gut, alles ein bißchen an den Haaren herbeigezogen... und ziemlich langweilig.


Die Straße nach Isfahan
Die Straße nach Isfahan
von Gilbert Sinoue
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannung, Abenteuer, Emotion, 6. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Straße nach Isfahan (Broschiert)
... verpackt in einem gut recherchierten historischen Roman aus dem Orient um 1000 n. Ch. Endlich mal wieder ein Buch, wo man sich auf's Weiterlesen wirklich freut. Im Gegensatz zum verkitschten und publikumswirksam mit grausamen Szenen aufgepäppelten Film "Der Medikus" - in dem Ibn Sina nur eine historisch verdrehte Nebenrolle spielt - gibt es hier einen biographischen Abriß, der den Tatsachen - soweit belegt - entspricht, und der den Lebens- und Leidensweg des Ibn Sina und seiner Zeitgenossen anschaulich und einfühlsam nachvollzieht. Selbstverständlich war dieser ein außerordentlicher Gelehrter, aber das Buch verleiht ihm menschliche Züge und bringt ihn dem Leser mit Stärken und Schwächen - und mit vielen Fragen ohne Antworten - so nahe, daß man am Ende des gemeinsamen Roadmovies durch die Steppen, Berge und Wüsten des mittelalterlichen Orients den Eindruck hat, einen wirklich guten Freund zu verlieren. So quasi "nebenbei" erfährt man eine Menge über die Geschichte der Medizin, die unvorstellbar harten Lebensbedingungen selbst im damals weit entwickelten Orient, den daraus resultierenden Fatalismus der Menschen, und natürlich die Bedingungen, unter denen sich die Wissenschaft entfaltete : Allmächtigkeit der Herrschenden und totale Abhängigkeit der Günstlinge, deren Schicksal von heute auf morgen umschlagen konnte, die Bedeutung von schriftlichen Publikationen und deren Verbreitung... Die "Universität" versteht sich ebenfalls wörtlich, und Ibn Sina verkörperte wahrscheinlich besser als kein anderer deren ursprüngliche Bedeutung.
Ein bißchen Liebesgeschichte mußte natürlich auch sein (scheint aber im Übrigen nicht belegt zu sein) und lockert das Ganze ganz nett auf - abgesehen davon, daß ich mich gefragt habe, warum Yasmina eigentlich nie schwanger wurde, und wie das Ganze ausgegangen wäre, wenn... aber vielleicht kannte der große Gelehrte da ja auch ein kleines Mittelchen ?
Fazit : Ein toller Roman, bei dem man die Seiten nur zählt, weil man gern noch ein paar mehr davon hätte ! Für mich ein Highlight der letzten Monate - und das verdanke ich dann letztendlich doch dem Film "Der Medikus", der mich so enttäuscht hatte.


Les Déglingos 35000 Mini-Rucksack Bigbos der Wolf
Les Déglingos 35000 Mini-Rucksack Bigbos der Wolf
Wird angeboten von Spielzeug Heller
Preis: EUR 30,17

1.0 von 5 Sternen Unpraktisch und schlechte Qualität, 9. Januar 2014
= Haltbarkeit:1.0 von 5 Sternen  = Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen  = Pädagogisch wertvoll:2.0 von 5 Sternen 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wir benutzen den Rucksack jetzt seit 5 Monaten als Kita-Rucksack. Ist der totale Hingucker... aber das war's. Er ist unpraktisch, denn das Fassungsvermögen reicht nicht mal für eine Brotbüchse und ein Ersatzkleidungsstück, die Klettverschlüsse halten nicht, die Gurte sind nicht für Kinderschultern konzipiert (rutschen weg), und als Krönung gingen die Nähte am Henkel nach 3 Monaten kaputt. Schade um's Geld !


Playshoes 507431 Schlupf-Lätzchen aus Webfrottier, Motiv Elefant, Maße, circa 27 x 26 cm
Playshoes 507431 Schlupf-Lätzchen aus Webfrottier, Motiv Elefant, Maße, circa 27 x 26 cm
Preis: EUR 6,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schlechte Qualität für viel Geld, 9. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Habe vor ca. 5 Monaten gleich mehrere für die Kita gekauft. Fazit : Sie sahen süss aus, aber das war schon alles : Der Kopfeinschlupf ist nicht dehnbar, und war schon zu eng für unser 16-monatiges Kind. Wenn man die Lätzchen bei 40° wäscht, verziehen sich die Applikationen. Und - nach ca. 4 Monaten gehen die Lätzchen an den Nähten kaputt. Nicht empfehlenswert.


Die siebente Saite. Roman.
Die siebente Saite. Roman.
von Pascal Quignard
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trauerarbeit eines hochsensiblen Musikers..., 4. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Die siebente Saite. Roman. (Broschiert)
Ich hatte nach weiterführender Literatur zu Marin Marais gesucht, dessen Gambenstücke zu meinen Lieblingsstücken gehören... und bin natürlich über den Film beim zugrundeliegenden Roman gelandet, den ich in einem Zug in ca. zwei Stunden (auf Französisch) gelesen habe.
Quignard zeichnet ein unter die Haut gehendes Portrait von Sainte-Colombe, dem Lehrmeister Marais' in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sainte-Colombe wird als introvertierter, aber hochsensibler Mann dargestellt, der noch Jahre nach dem Tod seiner geliebten Frau nicht über den Schmerz des Verlustes hinweggefunden hat. Seine Töchter, die ohne Mutter aufwachsen, werden frühzeitig von ihrem Vater an die Musik herangeführt, leiden aber gleichzeitig unter dem cholerischen und verschlossenen Charakter des Vaters, der die meiste Zeit in seiner Gartenlaube verbringt, wo er ungestört musizieren, komponieren und die Natur beobachten kann - und wo ihm mit der Zeit Visionen seiner verstorbenen Frau erscheinen. Diese Szenen, die auf den ersten Blick absurd erscheinen - und von denen Sainte-Colombe selber sagt, es sei egal, ob es sich um Wahnvorstellungen oder Wunder handelt, aber auf jeden Fall seien diese angenehm - werden von Quignard extrem einfühlsam und nahegehend dargestellt. Die Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum verwischt, und man steckt plötzlich selbst in der Haut dieses liebenden, zutiefst trauernden und sich den gesellschaftlichen Zwängen verschließenden Mannes, der sich sogar dem Befehl Louis des XIV, am Hofe vorstellig zu werden, gewaltsam widersetzt, und lieber für seine "Enten und Gänse" musiziert. Die Tragik seines Lebens nimmt erst dann ein Ende, als er sich selbst dem Tode, und damit seiner Frau nahefühlt, und endlich in Marin, dem er lange Oberflächlichkeit vorwirft und trotz dessen Virtuosität die Fähigkeit aberkennt, mit der Musik echte Gefühle auszudrücken ("Sie machen Musik, aber Sie sind kein Musiker."), einen würdigen musikalischen Erben sieht, dem er gleichsam testamentarisch die bisher unveröffentlichen Kronjuwelen seiner Kompositionen anvertraut.
Wer auf biografisch treue Darstellungen hofft, wird hier weniger fündig, da Quignard die - wenn auch auf historischen Vorbildern beruhenden - Charaktere literarisch überformt und abstrahiert hat. Der Zeitgeist wird jedoch sehr deutlich, ebenso die tragische Persönlichkeit von Sainte-Colombe, die durchaus nicht an ihre Epoche gebunden ist - und besonders den hochsensiblen Lesern wahrscheinlich nahegehen wird.


Für den Rest des Lebens: Roman
Für den Rest des Lebens: Roman
von Zeruya Shalev
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

3.0 von 5 Sternen Psychokram meets Israel, 30. November 2013
Die Grundidee des Romans - eine im Sterben liegende Mutter läßt ihr Leben Revue passieren, um Frieden mit sich selbst zu schließen - ist spannend und bietet ausreichend Raum, um einzelne Geschichten und das Schicksal verschiedener Familienmitglieder daran aufzuhängen. Das geht im Falle Chemda's - so ihr Name - über vier Generationen : ihre Eltern, sie selbst, ihre Kinder und die Enkeltochter. Den Rahmen dafür bildet das Nachkriegs-Israel mit einer kleinen Auswahl aus seinen leider so zahlreichen Traumata : aufbauwütige Shoa-Überlebende, kollektivgeschädigte Kibbuzkinder, gegen Ausgrenzung kämpfende Berber und Palästinenser... So weit das eher vielversprechende Setting. Es hätte sich durchaus gelohnt, dabei zu bleiben, und ein oder zwei Israel-typische Themen tiefgründiger zu beleuchten. Vielleicht die Person der Mutter, deren Abwesenheit Chemda so grundlegend geprägt hat, und die trotzdem nur eine Randfigur bleibt - wir erfahren praktisch nichts über die Hintergründe, die sie dazu bewegt haben, ihre kleine Tochter mit dem Vater im Kibbuz allein zu lassen. Oder die israelische Kindheit unter dem Stern des kollektiven Kibbuzgeist. Oder Avner's Anwaltstätigkeit für die Rechte der Araber...
Im Gegensatz dazu wird vieles nur oberflächlich gestreift - vielleicht um der Vielzahl der verschiedenen Charaktere Rechnung zu tragen ? Oder vielleicht, um der modernen israelischen Gesellschaft - die auch heute noch meilenweit davon entfernt ist - so etwas wie "Normalität" abzugwinnen ? Leider driftet jedoch der Roman, zumindest für mein Gefühl, zu sehr in Richtung Allerwelts-Midlife-Crisis ab und bedient dabei im Vorbeigehen so ziemlich alle Klichés : die verlassene Tochter, die selbst ihre Tochter vernachlässigt; der gewalttätige Vater; die ständig nörgelnde Ehefrau; das überbehütete Kind; der ungeschickte Sohn; die Torschlußpanik der Einzelkind-Mutter; der vom Seitensprung träumende Ehegeschädigte; die perfekte, aber heimliche Liebe bis zum Tod... und am Ende ein neues Kind, das alle wieder versöhnt - und Chemda's Vermächtnis gewissermaßen fortführt ? So gesehen ist die Abgrenzung zur x-beliebigen Soap-Opera nicht immer so ganz klar. Und zuviel des Guten macht das Gesamtpaket irgendwie ein bißchen langweilig und stellenweise unglaubwürdig.
Toll ist der Wechsel der Erzählerperspektive, der die Charaktere jeweils aus dem Ich-Blickwinkel, aber in der dritten Person Einzahl ausleuchtet. Das schafft eine Art Distanz und spannt einen interessanten Bogen zur sehr subjektiven und intimen Gefühlswelt, die eigentlich dargestellt wird. Es gibt Stellen, an denen man auch mal länger rätselt, um wen es eigentlich geht... und das macht Spaß.
Alles in allem trotzdem eine nette Lektüre - speziell für Psychosüchtige - der es zwar an Tiefgründigkeit fehlt, die aber im Schreibstil einiges wieder aufholt. Wer nach ergänzender Lektüre aus dem gegenwärtigen Raum Israel-Palästina sucht, dem empfehle ich meinen absoluten Favoriten : "Während die Welt schlief" von Susan Albuhawa - ein Generationendrama nach realistischer Vorlage aus der Sicht einer palästinensischen Familie.


Die Kanzlerin: Angela Merkels Weg zur Macht
Die Kanzlerin: Angela Merkels Weg zur Macht
von Evelyn Roll
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bevor man oder frau CDU wählt..., 5. September 2013
Eine Biographie der Kanzlerin, von einer Frau geschrieben und auf dem Einband als "lebendig, kunstvoll, stilistisch brillant" gepriesen - das passte doch perfekt zur Saison der Wahlplakate an den Straßenlaternen.

Lebendig geschrieben ist das Buch in der Tat. Man folgt der Kanzlerin durch dick und dünn, durch hoch und tief, über Jahre hinweg, und findet sich mit ihr an den Wendepunkten ihres Lebens und den Schlüsselsituationen dieser seltsamen Welt der Politik wieder, die so ganz eigenen Gesetzen zu gehorchen scheint. Der Beschreibung Merkels geheimen Besuchs bei Stoiber zum Beispiel liest sich wie ein spannendes Abenteuer.

Vielleicht liegt es daran, daß die ersten 10 Kapitel schon 2001 erschienen sind, oder daran, daß ich nicht noch vorher eine Einführung in die Parteigeschichte der CDU gelesen hatte - aber die Hintergrundinformationen zu einigen Ereignissen waren sehr spärlich. Es wird dem Leser viel Faktenwissen abverlangt, beispielsweise sich zu erinnern, wie und warum Diepgen Angela Merkel im Sommer 2000 im Bundesrat hereingelegt hat, wie die gruseligen Details der Spendenaffaire aussahen, oder die Karrierelaufbahnen der damaligen Spitzenpolitiker, die heute schon lange nicht mehr im Rampenlicht stehen. Das unterstreicht übrigens auch die erstaunliche politische Langlebigkeit der Kanzlerin.

Ein Pluspunkt der Biographie ist der politisch relativ neutrale Standpunkt, es wird nicht offen für diese oder jene Anschauung Position ergriffen. Negativ zu erwähnen wäre der am Limit reißerisch journalistische Stil, der manchmal in Bild-artige Phrasen und mantra-ähnliche Leitmotive ausufert : die kalt analysierende Physikerin, die Brownsche Bewegung, das Mädchen und die Macht... Das Kapitel über Sarkozy ist absolut nicht gelungen, wirkt aufgesetzt und wiederholt nur alle längst bekannten Clichés. Im Übrigen hat es nicht viel mit Merkel zu tun, sondern setzt einzig und allein Sakozy in Szene. Das Buch wäre genauso gut oder schlecht ohne diesen Überhang. Mussten da noch ein paar Seiten aufgefüllt werden ?

Alles in allem lesbar, manchmal spannend, meistens interessant, ab und zu langweilig... aber keine große Literatur und auch keine herausragende Biographie. Bevor man oder frau CDU wählt, lohnt sich aber doch schon mal ein Blick ins Buch.


In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie
In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie
von Eugen Ruge
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zeitpuzzle aus abgegriffenen DDR-Versatzstücken, 12. Juli 2013
Was anfangs durchaus die Hoffnung erweckt, ein feinsinniger Roman über mehrere Generationen verwobener DDR-Schicksale werden zu können, entpuppt sich leider als eine Aneinanderreihung von abgegriffenen Clichés, die - wenn sie schon literarisch bedient werden müssen - zum Beispiel im "Turm" weitaus differenzierter daherkommen.

Da gibt es den sächselnden Parteisekretär, den abenteuerlichen Tauschhandel zur Baustoffbesorgung, den desorientierten Ossi-Jugendlichen, der im Drogenkeller in der Gropiusstadt landet, die aus dem Exil zurückgekehrte Kommunistin mit plötzlichem Führungsjob, den Ostpfarrer, der nach der Wiedervereinigung Karriere macht, die Alkoholiker-Russin samt Mutter Babuschka, Gojko Mitic aus Babelsberg, wilde Liebe im blauen Trabbi, einen linientreuen Geschichtswissenschaftler, der seine Zeit im Gulag aufarbeitet, die verrohten Ausbilder der NVA, die alleinerziehende Jungmutter... Wo ist eigentlich nur die doofe Pionierleiterin geblieben ?

Die Überdosis an Versatzstücken macht das Ganze zeitweilig grotesk, unglaubwürdig, und vor allem oberflächlich. Sie geht eindeutig auf Kosten der individuellen Ausdifferenzierung der einzelnen Personen, der der Roman so gar nicht gerecht wird. Spätestens, wenn Charlotte zur bösen Hexe mutiert, die am Ende ihren demenzkranken Mann vergiftet - ganz zu schweigen von Kurt, der sich während einer Ansprache zur Verleihung des Vaterländischen Verdienstordens einen auf die Ex-Frau seines Sohnes runterholt - kommen einem Zweifel an der Tiefsinnigkeit der Darstellung. Als ehemaliger Ossi darf man sich auch schon mal fragen, was für ein Bild da eigentlich so vermittelt werden soll.

Amüsant ist die Aufsplittung der Zeitebene : die Kapitel sind nicht chronologisch geordnet, so daß der Leser das Gesamtbild nach und nach selbst zusammenpuzzelt. Dabei helfen einige wiederkehrende Leitmotive, wie die Muschel aus Mexiko oder die Weihnachtsgans. Ganz nett...

Als Fazit ist mag es vielleicht eine leichte Urlaubslektüre hergeben. Das Ganze jedoch als den "großen DDR-Buddenbrooks-Roman" (I. Radisch, Die Zeit) zu bezeichnen, ist schlichtweg eine Beleidigung Thomas Mann's.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 6, 2014 7:21 PM CET


Der Geliebte: Roman
Der Geliebte: Roman
von Angelika Schrobsdorff
  Sondereinband

1.0 von 5 Sternen Vom Mauerblümchen zur Business Women : Schemenhaft und Unglaubwürdig, 12. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Geliebte: Roman (Sondereinband)
Also - eigentlich bin ich ja mal ein Schrobsdorff-Fan gewesen : Der Roman "Du bist nicht so wie andere Mütter" hatte mich tief berührt und bleibt bis heute in meiner Bestenliste... Das Problem ist nur, daß man bei der Lektüre der anderen Romane - "Die Herren", "Spuren" - und nun auch dem "Geliebten" - immer wieder mit den unverarbeiteten Traumata der Autorin konfrontiert wird. Die Romane sind gleichförmig deprimierend, und deklinieren alle das gleiche Thema der scheinbar emanzipierten Nachkriegsfrau, die ziellos durchs Leben schlittert, unfähig ist, eine tragbare Beziehung zu einem Mann aufzubauen und mit sich und ihrem Sohn nichts anzufangen weiß.

"Der Geliebte" dreht sich um eine Beziehung, die von idealisierender Anhimmelung eines anscheinend coolen und unkonventionnellen Typen - Paul - durch eine ancheinend junge, naive Frau - Judith - über Jahre hinweg in Enttäuschung und Distanzierung vom inzwischen spießig-bürgerlich gewordenen Manne übergeht, während die Frau sich zur erfolgreichen, selbstsicheren und weltgewandten "Business Women" mausert. Beide Extreme wirken in der romanhaften Darstellung befremdlich überspitzt und daher unglaubwürdig, zumal sie zeitgeschichtlich sehr markiert sind und die beschriebenen Lebnsumstände daher 50 bis 60 Jahre später nur noch schwer nachvollziehbar sind. Es ist mir zum Beispiel ziemlich rätselhaft, wie eine alleinerziehende Mutter ihren kleinen Sohn monatelang mit einer Haushälterin in Deutschland läßt, während sie in New York auf getarnter Geschäftsreise und eigentlich auf der Suche nach ihrer angeblich großen Liebe ist...

Die Entwicklung der Judith vom Mauerblümchen zur erfolgreichen Frau mit Paul als Katalysator ist schemenhaft und voller Klischees und daher nicht nachvollziehbar. Genauso extrem ist Pauls Verwandlung vom sorglosen Lebemann in einen spießigen Arzt, angeblich, um seine halbjüdische Vergangenheit zu vergessen. Eventuell kann der Roman noch als Stilübung durchgehen, aber für eine empfehlenswerte Lektüre verharrt er viel zu sehr in oberflächlichen und karikaturähnlichen Charakterdarstellungen- und wandlungen, die auf mich einen befremdlichen Eindruck machen. Fazit : "Du bist nicht so wie andere Mütter" bleibt definitiv das empfehlenswerteste Buch der Schrobsdorff.


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