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Rezensionen verfasst von
Volkmar Weiss

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Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland: Band 1: Pilze, Niedere Pflanzen und Gefäßpflanzen (Naturschutz und Biologische Vielfalt)
Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland: Band 1: Pilze, Niedere Pflanzen und Gefäßpflanzen (Naturschutz und Biologische Vielfalt)
von Bundesamt für Naturschutz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Keine Willkommenskultur für fremde Kräuter und Gehölze, 22. März 2016
'Viele Naturschützer führen Krieg gegen fremde Arten. ... Viele Beteiligte behaupten, dies geschehe zum Schutze irgendeiner nationalen Ressource. Kompromisse sind nicht vorgesehen, man berücksichtigt nicht einmal die durch Ausmerzung der Fremden absehbaren Folgen für die Artenvielfalt. Um das befleckte Ökosystem zu säubern und den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, sind alle Mittel recht. Denn die Fremden sind schlecht und die Heimischen sind gut,' liest man auf S. 149 bei Fred Pearce in Die neuen Wilden: Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten. Südafrika z. B. schickt sei zwei Jahrzehnten mehr als 25 000 Menschen pro Jahr aus, um ganze Landstriche aufzureißen und 68 Arten nichtheimischer, zumeist in der Kolonialzeit und während der Apartheid gepflanzter, Bäume zu roden. Mit zweifelhaftem Ergebnis. ' Und was geschieht in Deutschland?

Der Zufall wollte es, daß ich dieses Buch auf S. 316 aufschlug, den Text zu Epilobium ciliatum, den Drüsigen Weidenröschen. Ein ganz harmloses weitverbreitetes Kraut, von dem ich noch nicht gehört habe, es hätte je jemandem etwas zuleide getan oder belästigt. Es ist so unauffällig, daß es in manchen Gegenden als Neuheit aus Nordamerika jahrzehntelang unbemerkt geblieben ist. Doch hier in dem Buch sind dem Kraut nicht weniger als 8 Druckseiten gewidmet, wie man es bekämpfen und ausrotten soll. Dabei weiß jeder Naturkundige, daß ein solches Vorhaben in dem Falle nicht nur völlig aussichtslos ist, sondern auch sinnlos. Das gleiche gilt in dem Buch für Bidens frondosa. Auf dem Index der Bösen stehen auch die schmucke Dianthus giganteus, Galeobdolon argentatus und Populus canadensis, in der Braunkohlenfolgelandschaft ein Allerwelts-Pionier. Man muß demzufolge schon froh sein, daß nicht auch Impatiens parviflora und Conyza canadensis Aufnahme gefunden haben, wie jüngst in einer ähnlichen Schweizer Ausrottungsanleitung in Buchform.

Es gibt in dem Buch sicher auch einige Arten, deren Ausbreitung Probleme bereitet. Aber unterschiedslos wird für alle aufgeführten Arten schematisch abgearbeitet: Maßnahmen zur Bekämpfung, Erfolgskontrolle, Handelsverzicht, Monitoring, Öffentlichkeitsarbeit (gemeint ist Hetze gegen fremde Kräuter und Gehölze), Verhinderung der Verbreitung von Pflanzenresten, Beseitigung vor der Samenreife, rechtliche Grundlagen der Aktionen usw.. Da nun bei manchen Arten dazu nichts zu sagen ist, stehen auf S. 320 zu Epilobium ciliatum auch nur leere Felder, gedruckt auf gutem Papier. Zu jeder Art gibt es ein Extra-Literaturverzeichnis und immer wieder die gleichen Hinweise auf gesetzliche Grundlagen des Ausrottungsfeldzuges. Das heißt, vieles in dem Buch wird mehr als hundertfach wiederholt und der Text auf diese Weise aufgebläht. Das nennt man Arbeitsbeschaffung und Vergeudung der Mittel einer Bundesanstalt! Warum die eine oder andere Art aber so gefährlich ist für die einheimische Vegetation, diese Begründung erfährt man nicht. Es reicht offensichtlich schon die fremde Herkunft als Verfolgungsgrund.

Von der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbeachtet, findet gegenwärtig in Deutschland ein Kräftemessen zwischen der Bundesnaturschutzbehörde und den führenden Köpfen der Forstwirtschaft statt. Die Förster haben nach 130 Jahren Anbau der aus dem westlichen Nordamerika stammenden Douglasie herausgefunden, daß in vielen Gebieten Mitteleuropas kein Baum besser wächst und mehr Holz bringt als diese Art. Da die Douglasie aber ein Neophyt ist und nicht sein kann, was nicht sein darf, will man die Art mit Hilfe aller möglichen deutschen und europäischen Gesetze und Vorschriften verdammen und absägen, wenn es nur irgendwie durchsetzbar ist. Selbstverständlich ist das auch ein Anliegen dieses Buches hier. Die Forstleute wehren sich in Offenen Briefen und mit wissenschaftlichen Gutachten.

Wie ist es zu einer solchen Entwicklung gekommen? Im aufstrebenden deutschen Kaiserreich war man um 1890 gegenüber neuen Arten, die etwas erhoffen ließen, sehr aufgeschlossen. Bismarck setzte sich für Versuchsanbauten der Douglasie ein; die Hofgärtner in Potsdam verteilten den Samen des Roten Drüsigen Springkrauts an die Imker, nur um zwei Beispiele zu nennen. Auch ein Naturschutzpionier wie Konrad Guenther schrieb in seinem Buch 'Der Naturschutz' 1910 auf S. 191: 'Über ein verständiges Einbürgern wird sich der Naturfreund nur freuen können, denn je reicher unsere Natur, um so schöner und interessanter ist sie.'

Aber irgendwann im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts formierte sich eine Gegenströmung, die sich 1933 eindeutig als eine Kombination von Antisemitismus, Fremdekräuterhaß und Gehölzrassismus äußerte. 'Das deutsche Volk muß gereinigt werden [von den Juden], nun auch die deutsche Landschaft' forderte unmißverständlich der oberste Naturschützer Walther Schoenichen. Die Douglasien und Roteichen sollten aus den deutschen Wäldern verschwinden; die Hitlerjugend sollte ausrücken, um die Springkräuter auszurotten. Führende Dendrologen, Forstwissenschaftler und Gartenfachleute sprachen mit guten Argumenten dagegen, und ihre Meinungen wurden gedruckt. Bis 1945 waren deshalb Abholzungen und Kräuterausrottungen keine wirklich durchgeführte praktische Politik.

Nach 1950 sah man in der Douglasie einen bewährten Forstbaum und erweiterte den Anbau. Die Imker und ihre Bienen erfreuten sich der Springkräuter. Um 1970 begann dann eine Gegenbewegung, diesmal als eine internationale, wie das Buch von Pearce sehr gut belegt. Im deutschen Sprachraum forderte eine extreme Naturgartenbewegung, nicht gebietsheimische Pflanzen nicht nur aus der freien Natur zu verbannen, sondern sogar aus Gärten und Parks. Der Botaniker Tüxen erdachte im Konzept der Potentiellen Natürlichen Vegetation eine Traumlandschaft, frei von Menschen und Pflanzen jeglicher fremden Herkunft. Diese Interpretation seines Konzepts durch seine Jünger - denn Tüxen selbst war sich bewußt, daß die 'Neubürger' einen Platz beanspruchen würden - spielt im Naturschutz heute eine wichtige Rolle, und Douglasienwälder sind darin nicht vorgesehen.

Eine rationale Erklärung fehlt vor allem dazu, warum in einem Bundesland wie Baden-Württemberg, dessen grüne Landesregierung den Eindruck erweckt, sie könnte gar nicht genug Asylbewerber im Land haben, von derselben Regierung ein Bienenweidekatalog herausgegeben wird, aus dem erstmals regierungsamtlich alle Neophyten verbannt sind, auch die von den Imkern am meisten geschätzten. Der Fremdekräuterhaß als eine Ersatzhandlung im Freudschen Sinne?

Ich fürchte, es wird ein langer Weg sein, bis man lernt, in solchen Büchern wie diesem hier, wieder Sinn und Unsinn voneinander zu scheiden, freie Pflanzen in freier Landschaft ohne Verfolgungsdruck gedeihen dürfen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 18, 2016 9:45 PM MEST


Die neuen Wilden: Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten
Die neuen Wilden: Wie es mit fremden Tieren und Pflanzen gelingt, die Natur zu retten
von Fred Pearce
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein schon lange fälliges Buch, gerichtet gegen Fremdekräuterhaß und Gehölzrassismus, 20. März 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Viele Naturschützer führen Krieg gegen fremde Arten. ... Viele Beteiligte behaupten, dies geschehe zum Schutze irgendeiner nationalen Ressource. Kompromisse sind nicht vorgesehen, der Tierschutz wird ausgeklammert, man berücksichtigt nicht einmal die durch Ausmerzung der Fremden absehbaren Folgen für die Artenvielfalt. Um das befleckte Ökosystem zu säubern und den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, sind alle Mittel recht. Denn die Fremden sind schlecht und die Heimischen sind gut", liest man auf S. 149. Südafrika z. B. schickt sei zwei Jahrzehnten mehr als 25 000 Menschen pro Jahr aus, um ganze Landstriche aufzureißen und 68 Arten nichtheimischer, zumeist in der Kolonialzeit und während der Apartheid gepflanzter, Bäume zu roden. Mit zweifelhaftem Ergebnis.

Schon lange habe ich kein Buch mehr in einem Zug gelesen. Dieses doch, denn ich fand es spannend wie einen Kriminalroman. Der Verfasser mit seinem weltweiten Horizont fordert die Naturschutzfanatiker heraus und regt mit vielen guten Gründen und Beispielen zum Nachdenken oder Umdenken an. Er steht dabei nicht allein, sondern stützt sich auf das Urteil von Biologen und Ökologen aus der gesamten Welt, deren Arbeiten und Meinungen in Deutschland bisher kaum oder gar nicht zur Kenntnis genommen worden sind.

Von der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbeachtet, findet gegenwärtig in Deutschland ein Kräftemessen zwischen der Bundesnaturschutzbehörde und den führenden Köpfen der Forstwirtschaft statt. Die Förster haben nach 130 Jahren Anbau der aus dem westlichen Nordamerika stammenden Douglasie herausgefunden, daß in vielen Gebieten Mitteleuropas kein Baum besser wächst und mehr Holz bringt als diese Art. Da die Douglasie aber ein Neophyt ist und nicht sein kann, was nicht sein darf, will man die Art mit Hilfe aller möglichen deutschen und europäischen Gesetze und Vorschriften verdammen und absägen, wenn es nur irgendwie durchsetzbar ist. Die Forstleute wehren sich in Offenen Briefen und mit wissenschaftlichen Gutachten.

Wie ist es zu einer solchen Entwicklung gekommen? Im aufstrebenden deutschen Kaiserreich war man um 1890 gegenüber neuen Arten, die etwas erhoffen ließen, sehr aufgeschlossen. Bismarck setzte sich für Versuchsanbauten der Douglasie ein; die Hofgärtner in Potsdam verteilten den Samen des Roten Drüsigen Springkrauts an die Imker, nur um zwei Beispiele zu nennen. Es gab auch damals schon Vorurteile, aber nur wegen der Trägheit gegen neue Gedanken, die es immer und stets gibt. Auch ein Naturschutzpionier wie Konrad Guenther schrieb in seinem Buch 'Der Naturschutz' 1910 auf S. 191: 'Über ein verständiges Einbürgern wird sich der Naturfreund nur freuen können, denn je reicher unsere Natur, um so schöner und interessanter ist sie."

Aber irgendwann im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts formierte sich eine Gegenströmung, die sich 1933 eindeutig als eine Kombination von Antisemitismus, Fremdekräuterhaß und Gehölzrassismus äußerte. 'Das deutsche Volk muß gereinigt werden [von den Juden], nun auch die deutsche Landschaft', forderte unmißverständlich der oberste Naturschützer Walther Schoenichen. Die Douglasien und Roteichen sollten aus den deutschen Wäldern verschwinden; die Hitlerjugend sollte ausrücken, um die Springkräuter auszurotten. Führende Dendrologen, Forstwissenschaftler und Gartenfachleute sprachen mit guten Argumenten dagegen, und ihre Meinungen wurden gedruckt. Bis 1945 waren deshalb Abholzungen und Kräuterausrottungen keine wirklich durchgeführte praktische Politik. Die Durchführungsbestimmungen von 1943 des 'Forstlichen Artgesetzes' aus dem Jahre 1934 bezogen sich ausdrücklich auch auf das Saatgut der Douglasie!

Nach 1950 sah man in der Douglasie einen bewährten Forstbaum und erweiterte den Anbau. Die Imker und ihre Bienen erfreuten sich der Springkräuter. Um 1970 begann dann eine Gegenbewegung, diesmal als eine internationale, wie das Buch von Pearce sehr gut belegt. Im deutschen Sprachraum forderte eine extreme Naturgartenbewegung, nicht gebietsheimische Pflanzen nicht nur aus der freien Natur zu verbannen, sondern sogar aus Gärten und Parks. Der Botaniker Tüxen erdachte im Konzept der Potentiellen Natürlichen Vegetation eine Traumlandschaft, frei von Menschen und Pflanzen jeglicher fremden Herkunft. Dieses Konzept spielt im Naturschutz heute eine wichtige Rolle, und Douglasienwälder sind darin nicht vorgesehen.

Eine Erklärung fehlt vor allem dazu, warum in einem Bundesland wie Baden-Württemberg, dessen grüne Landesregierung den Eindruck erweckt, sie könnte gar nicht genug Asylbewerber im Land haben, von derselben Regierung ein Bienenweidekatalog herausgegeben wird, aus dem erstmals regierungsamtlich alle Neophyten verbannt sind, auch die von den Imkern am meisten geschätzten. Der Fremdekräuterhaß als eine Ersatzhandlung im Freudschen Sinne?

Man kann hoffen und wünschen, daß dieses Buch, mit dem Vorwort von Josef H. Reichholf in der deutschen Übersetzung, in den Kreisen aller Naturinteressierten die Beachtung als eine Diskussionsgrundlage findet, die seine Botschaft verdient. (Das Buch spricht auch die Zoologen an; in der Rezension hier wurde darauf nur nicht eingegangen.)


Adams Apfel und Evas Erbe: Wie die Gene unser Leben bestimmen und warum Frauen anders sind als Männer
Adams Apfel und Evas Erbe: Wie die Gene unser Leben bestimmen und warum Frauen anders sind als Männer
von Axel Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Einige brauchbare Lesefrüche im Rahmen des Zeitgeists, 15. März 2016
Der Verfasser ist ein gestandener Wissenschaftler, etwa zur Evolution der Fische in den großen afrikanischen Seen, also nicht mit eigenen Forschungen zu den Themen, an die er sich in diesem Buche heranwagt. Das Buch stützt sich demzufolge weitgehend auf Lesefrüchte.

Das Positive an dem Buch: Meyer begibt sich nicht auf ein Niveau herunter, wie einige seiner Kollegen, und verdammt etwa einen Thilo Sarrazin und Dieter Zimmer für ihre Bücher über Intelligenz und Vererbung, sondern steht zu den Fakten. Einige Seiten sind sogar sehr informativ, wie etwa auf S. 123 die genetische Landkarte von Großbritannien.

Wenn ich mich jedoch als Rezensent im folgenden vor allem auf den Abschnitt über Intelligenz konzentriere, dann stelle ich Schwachpunkte und mehrere sachliche Fehler fest. Der IQ wird seit Wechsler (um 1940) nicht mehr als Quotient definiert - wenn es auch noch so heißt - sondern als Abweichung vom Mittelwert. - Und obwohl der Verfasser fünf Abbildungen mit der Normalverteilung ins Buch aufgenommen hat, sind Rohtestwerte von Intelligenztests nicht normalverteilt, sondern schief verteilt oder sogar mehrgipflig, so z. B. die Lesegeschwindigkeit. Die Normalverteilung ist nur die Konvention, auf die standardisiert wird. - Die Ursachen der sogenannten Regression hat Meyer überhaupt nicht verstanden, denn durch sie verändern sich keine Allelfrequenzen. Drehe ich die Betrachtungsweise einfach um, blicke also von den Kindern auf die Eltern, dann zeigen auf einmal die Eltern die statistische Regression der Meßwerte. Es ist ein rein statistisches Phänomen von Meßfehlern und Stichproben, kein inhaltliches.

Die rund 27 000 Gene des Menschen mit zig-Millionen Polymorphismen wirken alle in Netzwerken. Von manchen Genen ist der Zusammenhang Gen zu Merkmal genau bekannt, von anderen noch nicht. Wenn ich zu einem beliebigen Merkmal in den Netzwerken und den derzeit bekannten Millionen Daten nach Zusammenhängen suche, dann werde ich stets hunderte oder mehr polygene Wirkungen finden, viele davon rein zufällig und selten oder auch nur zufällig reproduzierbar. Die Kausalität von Genen wird aber nicht durch Korrelationen bewiesen, sondern durch bestimmte Verteilungsmuster bei Eltern und Kindern. Warum z. B. haben Elternpaare, bei denen beide einen IQ über 124 haben, mit einer Wahrscheinlichkeit von 98% Kinder, die alle wieder einen IQ über 124 haben? Die 2% Ausnahmen beruhen in Staaten mit hochentwickeltem Bildungswesen ' denn ohne Bildung geht das alles nicht - auf Unfällen während der Geburt (Sauerstoffmangel während der Geburt; Eklampsie), während der Kindheit oder seltenen Erkrankungen (z. B. Down-Syndrom; seltene rezessive Erbkrankheiten). Elternpaare, bei denen Vater und Mutter einen IQ unter 94 haben, haben zu 96% Kinder, die wieder einen IQ unter 98 haben. Bei Elternpaaren, die einen IQ zwischen 105 und 124 haben, liegt die Hälfte ihrer Kinder wieder in diesem Bereich, ein Viertel darüber, ein Viertel darunter. Gibt es dafür eine bessere Erklärung als Vererbung?

In der Genetik der Intelligenz geht es inzwischen längst um die Entdeckung der zugrunde liegenden Gene. Bei der computergestützten Decodierung und Aneinanderreihung der zig-tausende Genomschnipsel, an denen der Verfasser beteiligt war und worüber er am Anfang des Buches referiert, stellten Lücken und Wiederholungen von Genabschnitten im Genom (Copy Number Variations) die Computer bis 2003 vor Aufgaben, an denen sie zumeist scheiterten. Wegen der zahlreichen Mißerfolge der Humangenetik gerade bei besonders wichtigen Fragen kamen deshalb in den letzten 10 Jahren - und darauf geht Meyer überhaupt nicht ein, und er war auch nicht dabei - immer mehr Forscher auf die Idee, die fehlenden genetischen Ursachen seien nicht in der bekannten, sondern in der bisher noch unbekannten genetischen Variation zu suchen. Deshalb stellte sich das Labor von Prof. James Sikela in Denver, Colorado, die Aufgabe, die Copy Number Variations zu erforschen, in denen sich Mensch und Schimpanse am stärksten unterscheiden. Kopien des DUF1220 Proteins hat die Maus eine, niedere Affen etwa 40, der Schimpanse 120, Menschen um die 280, verteilt auf 20 Gene der Neuroblastom-Familie. 2015 veröffentliche Sikela in Human Genetics 134, p. 67-75, Daten, nach denen eine Kopie mehr oder weniger des CON2-Stammes von DUF1220 einen mittleren IQ-Unterschied von 3,3 Punkten ausmacht, bei einer Variation des IQ-Bereichs zwischen IQ 80 und IQ 140. Werden diese Ergebnisse in Bezug auf den IQ von anderen Labors bestätigt - und daran wird weltweit in mehreren Labors fieberhaft gearbeitet, ist aber methodisch außerordentlich zeit- und arbeitsaufwendig - dann handelt es sich um einen wissenschaftlichen Durchbruch, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und Bücher, wie das hier besprochene, nur noch interessant für Wissenschaftshistoriker bleiben läßt..
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 19, 2016 1:06 PM CET


»Wir haben nur die Straße«: Die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90 - Eine Dokumentation
»Wir haben nur die Straße«: Die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90 - Eine Dokumentation
von Achim Beier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum nicht schon viel früher gedruckt?, 10. März 2016
Bei der Leipziger Jedenmontagsrevolution von Oktober 1989 bis März 1990 gab es nicht nur Demonstranten, die Plakate trugen und Losungen riefen und Flugblätter – das wurde schon bald dokumentiert – sondern es wurden auch Reden gehalten. Manchmal und anfangs unter chaotischen Umständen, wurden in den letzten Monaten die Reden vom Balkon der Oper gehalten und mit einer Anlage übertragen, die den gesamten Platz erreichte. ZDF, BBC und andere Sender übertrugen manchmal noch am selben Abend Ausschnitte.

Leider gab es bisher keine Gesamtdokumentation dieser Reden. Aber das wird in diesem, von den Köpfen des Archivs der Bürgerbewegung herausgegebenen, Sammelband nachgeholt, so weit das bei der Quellenlage noch möglich war. Auf gutem Papier gedruckt und mit Bildern unterlegt, ist der zeitliche Abstand zu den Ereignissen inzwischen so groß, daß es vor allem Historiker sein dürften, die in dem Buch genau nachlesen werden oder sollten. Da muß dann manche Meinung etwas nachgebessert werden. Bernd Lindner z. B. schrieb in einem von der Bundesanstalt für politische Bildung herausgegeben Band, die Losung „Wir sind ein Volk!“ wäre Anfang 1990 bei den Demonstranten nie massenwirksam gewesen. Das rezensierte Buch belegt das Gegenteil.

Der aktivste Redner über einen langen Zeitraum war Gunter Weißgerber, der dann von 1990 bis 2009 Bundestagsabgeordneter der SPD geworden ist. Sein Rückblick auf damals und die Nachbetrachtungen eines halben Dutzend weiterer Aktivisten der Ereignisse reichern den Band an.


Erblichkeit der Intelligenz: Eine Klarstellung aus biologischer Sicht (essentials)
Erblichkeit der Intelligenz: Eine Klarstellung aus biologischer Sicht (essentials)
von Karl-Friedrich Fischbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

8 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das Problem nicht einmal erkannt, 29. Februar 2016
Ein Journalist mit egalitärer Geisteshaltung sucht in ganz Deutschland nach einem Professor, der Biologe ist und irgendetwas mit Genetik zu tun hat, damit der Professor zu dem vielgefragten Buch Ist Intelligenz erblich?: Eine Klarstellung des Journalisten Dieter E. Zimmer eine Gegenmeinung verfaßt. Der Hamburger Journalist findet in Freiburg im Breisgau einen jüngst emeritierten Professur, der 1976 über Fliegen promoviert hat und etwas über die Entwicklungsbiologie von Fliegen und Fischen geschrieben hat, sonst aber sein ganzes Leben kein Buch und schon gar nichts über menschliche Intelligenz. Aber vielleicht hat der Professor Langeweile und will sich nun auch einmal in einem ganz anderen Metier versuchen.

Die beiden meinen, ein richtiges Verständnis dessen, was ein Heritabilitätskoeffizient aussagt und was seine Aussagegrenzen sind, das sei entscheidend, wenn man etwas zur Erblichkeit der Intelligenz sagen will. Ihre kritische Betrachtung ist in der Sache sogar weitgehend richtig. Ihre Verallgemeinerungen treffen jedoch nicht den Kern, weil sie wichtige andere Daten einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Warum z. B. haben Elternpaare, bei denen beide einen IQ über 124 haben, mit einer Wahrscheinlichkeit von 98% Kinder, die alle wieder einen IQ über 124 haben. Die 2% Ausnahmen beruhen in Staaten mit hochentwickeltem Bildungswesen - denn ohne Bildung geht das alles nicht - auf Unfällen während der Geburt (Sauerstoffmangel während der Geburt; Eklampsie), während der Kindheit oder seltenen Erkrankungen (z. B. Down-Syndrom; seltene rezessive Erbkrankheiten). Elternpaare, bei denen Vater und Mutter einen IQ unter 94 haben, haben zu 96% Kinder, die wieder einen IQ unter 98 haben. Bei Elternpaaren, die einen IQ zwischen 105 und 124 haben, liegt die Hälfte ihrer Kinder wieder in diesem Bereich, ein Viertel darüber, ein Viertel darunter. Bitte, gibt es dafür eine bessere Erklärung als Vererbung? Was soll dann dieses ganze Geschwafel, ob 50% oder 70% bei einem abstrakten Koeffizienten? Völlige Nebensache.

In der Genetik der Intelligenz geht es inzwischen längst um die Entdeckung der zugrunde liegenden Gene. Bei der computergestützten Decodierung und Aneinanderreihung der zig-tausende Genomschnipsel stellten Lücken und Wiederholungen von Genabschnitten im Genom (Copy Number Variations) die Computer bis 2003 vor Aufgaben, an denen sie zumeist scheiterten. Wegen der zahlreichen Mißerfolge der Humangenetik gerade bei besonders wichtigen Fragen kamen deshalb in den letzten 10 Jahren immer mehr Forscher auf die Idee, die fehlenden genetischen Ursachen seien nicht in der bekannten, sondern in der bisher noch unbekannten genetischen Variation zu suchen. Deshalb stellte sich das Labor von Prof. James Sikela in Denver, Colorado, die Aufgabe, die Copy Number Variations zu erforschen, in denen sich Mensch und Schimpanse am stärksten unterscheiden. Kopien des DUF1220 Proteins hat die Maus eine, niedere Affen etwa 40, der Schimpanse 120, Menschen um die 280, verteilt auf 20 Gene der Neuroblastom-Familie. 2015 veröffentliche Sikela in Human Genetics 134, p. 67-75, Daten, nach denen eine Kopie mehr oder weniger des CON2-Stammes von DUF1220 einen mittleren IQ-Unterschied von 3,3 Punkten ausmacht, bei einer Variation des IQ-Bereichs zwischen IQ 80 und IQ 140. Werden diese Ergebnisse in Bezug auf den IQ von anderen Labors bestätigt - und daran wird weltweit in mehreren Labors fieberhaft gearbeitet, ist aber methodisch außerordentlich zeit- und arbeitsaufwendig - dann handelt es sich um einen wissenschaftlichen Durchbruch, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und Büchlein, wie das hier besprochene, auf den Müll verdammt..

Der Journalist hat irgendeinen guten Draht zu einem Verlag, der einmal einen Ruf als seriöser Wissenschaftsverlag hatte. Inzwischen bemüht sich aber irgendein verantwortlicher Lektor dieses Verlags, mit Büchern einer seltsamen Art diesen Ruf gründlich zu verspielen, mit unverkäuflichen Büchern wie dem von Vanessa Lux usw. Und hier 63 Euro für ein "Taschenbuch" mit 32 nutzlosen Seiten zu verlangen, das kann doch nur als ein Witz gemeint sein! (Der Rezensent hat den Text als ebook in der Deutschen Nationalbibliothek kostenlos eingesehen.)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 10, 2016 6:38 PM CET


Laubendorf im Sudetenland: Geschichts-und Ortsfamilienbuch
Laubendorf im Sudetenland: Geschichts-und Ortsfamilienbuch
von Johann Neudert
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,80

4.0 von 5 Sternen Leider kein Ortsfamilienbuch, 20. Februar 2016
In einem Ortsfamilienbuch sind die Daten aus den Kirchenbüchern nicht nur abgeschrieben, wie hier in dem Buch über Laubendorf, sondern familienweise geordnet und die Generationen miteinander verknüpft.
Dafür gibt es mehrere gute Computerprogramme, die Masken bereitstellen, in die zuerst die Trauungen, dann die Geburten und schließlich die Sterbefälle übertragen werden. Schade, daß der Verfasser sich nicht eines solchen Programmes bedient und ihm niemand dazu geraten hat.

Das Buch enthält die vollständigen Daten, auf deren Grundlage ein richtiges Ortsfamilienbuch zusammengestellt werden kann. Darin liegt die Bedeutung und das große Verdienst dieser Veröffentlichung, die sich als ein Heimatbuch versteht und auch die Besitzerlisten der Bauerngüter enthält.

Erschütternd sind am Schluß die drei Erlebnisberichte über die Vertreibung am 13. Juli 1945.


Ortsfamilienbuch mit Chronik Zwilipp: Rittergut Pustar, Kreis Kolberg-Körlin
Ortsfamilienbuch mit Chronik Zwilipp: Rittergut Pustar, Kreis Kolberg-Körlin
von Martina Riesener
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Eine Überraschung, 9. Februar 2016
Ein Ortsfamilienbuch über Zwilipp? Das Dorf liegt in Hinterpommern, wo viele deutschen Kirchenbücher 1945 vernichtet worden sind und damit als die übliche wichtigste Quelle für Ortsfamilienbücher ausfallen.

Es war Heinrich Sohnrey (1859-1948), der 1900 einen „Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege“ veröffentlicht hatte, in dem steht. „Die Dorf- und Familienchronik möge an einem Beispiel veranschaulicht werden, das wir dem Lehrer Asmus in Zwilipp bei Kolberg in Pommern verdanken. Die von ihm angelegte Zwilipper Chronik besteht aus zwei Teilen: 1. Dorf-, 2. Familienchronik“ auf der Grundlage der Kirchenbücher.

Ferdinand Asmus (geb. 1859) ist bei den Kämpfen um Kolberg im März 1945 umgekommen, seine Pionierleistung, die Zwilipper Familienchronik, angefertigt von 1890 bis 1924 in 42 Teilen, galt als verschollen.

Desto erstaunlicher und erfreulicher das Erscheinen dieses Ortsfamilienbuches. Der Verfasserin ist es gelungen. Teile der Familienchronik wieder aufzufinden, nämlich in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig, wo Asmus einige Manuskripte als Mappenstücke abgelegt hatte, wenn auch leider nicht alles. Die Verfasserin hat aus einer Fülle aller möglicher Quellen und Nachrichten und mit Hilfe der weit verstreuten Überlebenden und Nachkommen der früheren Dorfbevölkerung Daten über insgesamt 1590 historische Familien zusammengetragen. Auch die Besitzerfolgen auf den Höfen sind seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Fotos schließen den Band aber, leider ohne jede, wenn dann auch nur geschätzte, Datierung.


250 Jahre Familien in Wiesloch und Altwiesloch: Ortsfamilienbuch von 1670 bis 1920 (ohne die heutigen Ortsteile Baiertal und Schatthausen)
250 Jahre Familien in Wiesloch und Altwiesloch: Ortsfamilienbuch von 1670 bis 1920 (ohne die heutigen Ortsteile Baiertal und Schatthausen)
von Heinz Gaberdiel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 67,80

5.0 von 5 Sternen Monumental!, 2. Februar 2016
Die Erarbeitung von Ortsfamilienbüchern stellt zweifellos die bedeutendste Leistung der mitteleuropäischen Genealogen dar. Bisher haben die Familiengeschichts- und Heimatforscher Bücher von mehr als 2000 Gemeinden des deutschsprachigen Raumes drucken lassen, eine ähnlich große Zahl dürfte bereits in Form von Dateien, Familienkarteien oder handgeschriebenen Familienbüchern vorliegen und früher oder später gedruckt werden, tausende weitere Gemeinden sind noch unbearbeitet. Neben dem unmittelbaren Ertrag für die Familien- und Lokalgeschichte ist jedes neue dieser Bücher ein Baustein, mit der die Vision einer Sozial-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte des historischen deutschen Siedlungsraumes auf der Grundlage von repräsentativen Stichproben aus einer großen Zahl von Ortsfamilienbüchern verwirklicht werden kann.

Die allermeisten Ortsfamilienbücher befassen sich bisher mit Dörfern jeder Größe. Für kleine oder mittlere Städte sind bisher nur sehr wenige solcher Bücher gedruckt worden. Desto verdienstvoller dieses vom Stadtarchiv Wiesloch herausgegebene Buch mit insgesamt 8451 Familien. Die zwei Bände sind auf sehr übersichtliche Weise einspaltig bedruckt. Im A4-Format zweispaltig hätte man alles in einem Band untergebracht, aber das soll nur eine Randbemerkung sein und keine Kritik.

Voraussetzung für eine spätere wissenschaftliche Auswertung ist eine entsprechende Qualität der gedruckten Bücher. Während bei Ortsfamilienbüchern der 1. Generation, wie dem hier vorliegenden, die Kirchenbücher vollständig ausgewertet werden, streben Bücher der 2. Generation die Totalauswertung aller personenbezogener Quellen an, also auch der Steuerlisten, der Handelsbücher usw. Wenn die Pateneinträge der Kirchenbücher zusätzliche Informationen enthalten, dann können oder sollen sie ausgewertet werden, wie das in Wiesloch erfolgt ist.

Wenn es noch Kritik gibt, dann meist an der Gestaltung der Register. Aber dieses Buch erfüllt zwei, eigentlich elementare, Forderungen: Im Verzeichnis der Familiennamen sind auch ältere Schreibweisen mit aufgeführt. Und für die Geburts-Familiennamen der Ehefrauen, die ja nicht in der alphabetischen Ordnung der Ehemänner stehen, gibt es ein zusätzliches Register. - Im Ortsverzeichnis sind die Orte leider nicht mit dem Familiennamen kombiniert worden oder umgekehrt auch die Familiennamen nicht mit den Orten. Bei solcher Kombination fände man dann nämlich, was man sucht, da ja keiner unter 1500mal Heidelberg nachschlagen wird, wie die Verfasser richtig bemerken.

Bei dem OFB Wiesloch handelt sich um eine überragende Fleißarbeit des Verfasser-Ehepaars Gaberdiel, zu einem für diesen monumentalen Umfang und Inhalt angemessenen Preis.


Mein Leben: Die Jahre von 1927 bis 1968
Mein Leben: Die Jahre von 1927 bis 1968
von Alfred Neven DuMont
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

5.0 von 5 Sternen Mit einem silbernen Löffel im Mund geboren, 28. Januar 2016
Als Junge wächst der Verlegersohn Alfred bis Schulbeginn in einer Villa des Kölner Nobelviertels Marienburg auf, abgeschirmt und 'nur von Frauen und Mädchen umgeben.' Doch die Weimarer Republik hat für die ersten vier Schuljahre Einheitsschulen geschaffen, in denen sich der kleine Lord zum ersten Mal mit dem gemeinen Volk auseinandersetzen muß. Aber mit dem älteren Robby, der in einfachsten Verhältnissen lebt, findet sich bald ein Beschützer, der als Gegenleistung von Alfreds Eltern Zusatzverpflegung erhält. Erst der Arbeitsdienst wird zu einer echten charakterlichen Bewährungsprobe. Bei Kriegsende versteckt er sich. - In den Kriegs- und Nachkriegswirren zeigen die Verhältnisse in der Starnberger Villa der Von-Lenbach-Großeltern, dem Zufluchtsort der Großfamilie, daß man nicht so leicht untergeht, wenn man für Lebensmittel etwas zu bieten hat.

Alfred Neven DuMont entwickelt sich zu einem sehr gut aussehenden jungen Mann, der sich in der Nachkriegszeit mit Erfolg als Schauspieler und Frauenversteher versucht. Daraus folgt ein längeres erstes Verhältnis mit einer älteren Schauspielerin mit Kind, die er in die Villa mit einziehen läßt, und es folgen weitere Beziehungen. Trotz exzellenter Voraussetzungen bleiben ihm Enttäuschungen und Schicksalsschläge nicht erspart. Die erste ganz große Liebe endet mit dem Selbstmord der vorher Angelobten; die erste Ehe mit einer Ballettänzerin wird nach wenigen Jahren kinderlos geschieden. Die zweite, nun standesgemäße, erst im Alter von dann schon 40 Jahren geschlossene Ehe mit einer 20 Jahre jüngeren Tochter aus einer der ersten Adelsfamilien Österreichs, wird sehr glücklich. - Bei den Frauenerinnerungen hat sich der Verfasser einiges von der Seele geschrieben und macht damit seine Biographie echt und lesenswert.

Das Familienerbe zieht dann Berufung, Durchsetzungsvermögen und verlegerischen Erfolg nach sich. Die Selbstbiographie belegt, daß man mit solchen Voraussetzungen, auch ohne in der Schule zu glänzen und ohne einen einzigen richtigen Studienabschluß, seinen Weg gehen kann, wenn einem die Türen durch Beziehungen geöffnet werden. Besondere kritische Meinungen oder tiefe Einsichten darf man dabei nicht von jemandem erwarten, der nur dadurch Erfolg haben kann, weil er auf der Welle des Zeitgeistes obenauf mitreitet.

Für mich, den Rezensenten, war das Buch schon ein sehr interessanter Blick in eine ganz andere Welt. Denn ich bin mit drei Jahren von Oma barfuß und unbeaufsichtigt zum Spielen auf die Dorfstraße entlassen worden, mitten in ein kleines Wolfsrudel von Jungen, alle ein Jahr älter. Und so weiter.


Die Douglasie: Attraktive Wirtschaftsbaumart für Mitteleuropa
Die Douglasie: Attraktive Wirtschaftsbaumart für Mitteleuropa
von Anton Rieder
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 48,00

5.0 von 5 Sternen Schwergewichtiger Wälzer, 26. Januar 2016
Die Forstleute schätzen Douglasie und Roteiche als eine Bereicherung unserer Wälder. Dogmatische Naturschützer möchten die Douglasien in unseren Wäldern ausrotten, da sie fremdländischer, in dem Falle nordamerikanischer, Herkunft sind. Die beiden Standpunkte scheinen unvereinbar. Von der Öffentlichkeit noch ziemlich unbeachtet, zogen die Forstwirte am 4. Juni 2014 gegen die deutsche Bundesnaturschutzverwaltung mit einem Offenen Brief und gedruckten Gegendarstellungen über den forstlichen Wert und Unwert einiger Baumarten zu Felde, während die Naturschützer davon unbeeindruckt die Douglasie auf die Liste der Arten gesetzt haben, die in vielen deutschen Wäldern nicht angebaut oder geduldet werden sollten. Das Kuriose an dem ganzen Streit ist, daß dieselben 'Grünen', die ausrücken, um Kräuter, Büsche und Bäume fremder Herkunft in Wald und deutscher Flur auszurotten, gar nicht genug Asylbewerber ins Land lassen können.

Das Buch hier aus Österreich, zu dem eine ganze Reihe Fachleute des deutschen Sprachraumes beigetragen haben, ist eine unabhängige Stimme in diesem Streit. Hervorragend farbig bebildert und belegt, auf ausgezeichnetem Papier gedruckt, schon vom bloßen Gewicht her eine Wucht, ist dieses Buch eine richtige Bombe und sehr preiswert. Der Verfasser ist kein gelernter wissenschaftlicher Schriftsteller, eher etwas hölzern, aber dafür ganz echt.

Das Buch gehört in die Hand eines jeden Forstwirts.


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