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Rezensionen verfasst von
Krink

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El Avion Pimenton Dulce Ahumado, 5er Pack  (5 x 75 g)
El Avion Pimenton Dulce Ahumado, 5er Pack (5 x 75 g)
Wird angeboten von cosmopol-shop
Preis: EUR 14,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ¡Buen provecho!, 22. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Grund des Kaufs: Seit meiner Kindheit schwebt mir eine spanische Urlaubs-Lieblingsspeise vor dem geistigen Auge herum, die sich im Heimatlande bisher partout nicht nachkochen ließ: Pulbo á feira. Jetzt endlich bin ich dem Grund dafür auf die Spur gekommen – und wurde mit einer lang vergessen geglaubten Geschmacksoffenbarung belohnt. Das geräucherte Paprikapulver wird im traditionellen Gericht über den Oktopus gestreut – und ist – wie ich jetzt festgestellt habe – nicht nur das I-Tüpfelchen des Gerichts, sondern der Kern der Sache! Denn mit diesem schmackhaften Gewürz lassen sich auch Gemüsesorten oder Tofu in himmlische vegane Lieblingsgerichte verwandeln: Ob über geschnittenen Kürbisspalten aus dem Ofen, als Kartoffelspaltengewürz, Marinadenbestandteil oder im Wok-Gemüse – das leckere Pulver versetzt einen ans Lagerfeuer am Meer...

Entstehung: Die getrockneten, roten Paprikaschoten werden in Spanien nach dem Mahlen traditionell über Steineichenholz geräuchert – schonend, denn wird das Pulver zu heiß, verliert es seine rote Farbe. Die meisten Leute kennen es wahrscheinlich von der Chorizo, der es den typischen Geschmack verleiht. Über was diese Sorte aus der Manufaktur „El Avion“ (gergründet 1918) geräuchert wurde, ist leider nicht aus der Packungsangabe ersichtlich.

Varianten: In Spanien gibt es verschiedene Schärfegrade: süß (dulce), bittersüß (agridulce) und scharf (picante). „El Avion“ stellt auch scharfes Pulver her. Das süße Pulver ist angenehm mild und von scharlachroter Farbe, die es auch an Soßen und Marinaden weitergibt. Aber Vorsicht: Das Raucharoma ist intensiv, es genügen kleine Mengen.

Zutaten: süßes Paprikapulver geräuchert. (Keine Aromen – ein rein natürliches Produkt!)

Herkunft: Spanien, Alicante

Verpackung: Das Pulver kommt in der typischen Blechbüchse (in diesem Fall in fünfen à 75 Gramm) daher, in der man in Spanien oft Gewürze dieser Art verpackt findet. So stilvoll und nostalgisch das auch sein mag – besonders praktisch ist diese Verpackungsart nicht: Das Raucharoma ist deutlich erschnüffelbar, was empfindliche Nasen und nahegelagerte Gewürze anderer Art vielleicht stören könnte; und der Deckel ist (trotz Geruchsdurchlässigkeit) nervig zu öffnen und auch Reste sind schlecht herauszubekommen. Aroma und Geschmack bleiben aber einwandfrei (jedenfalls bis zum Verbrauch, welcher nicht lang dauert…) erhalten. Das Verfallsdatum kündigt eine Haltbarkeit von (ab Lieferdatum) drei Jahren an.

Fazit: Nach dieser Offenbarung werde ich „normales“ Paprikapulver mit anderen Augen betrachten. Sicherlich möchte man nicht in jedem Gericht den typischen Rauchgeschmack haben – weswegen mein herkömmliches Paprikapulver noch bleiben darf. Nichtsdestoweniger möchte ich „Pimenton dulce ahumado“ nicht mehr missen und empfehle es wärmstens allen Liebhabern rauchiger Speisen und spanischer Küche. Ein Gedicht!

(Wer sich bei Raucharoma an Schinken o. Ä. erinnert fühlt und diesen Geschmack aus welchen Gründen auch immer nicht mag, der sollte hier passen!)


Sannah & Ham
Sannah & Ham
von Lucy Ivison Tom Ellen
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Not epic like Amy and Anna, but nice like Ham and Sannah, 1. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Sannah & Ham (Taschenbuch)
Contemporary Young Adult (CYA) – ein Begriff, der in der Buchblogszene wohl bekannt ist und der so manches Leserherz höher schlagen lässt. Viele Geschichten dieses Genres fallen außerdem unter die Kategorie Young Adult Romance (YAR), denn Drama um Romantik und (erste) Liebe darf beim Erwachsenwerden natürlich nicht fehlen. Zu einem guten CYA-Roman gehört eine Teenie-Geschichte, oftmals aus Sicht eines Ich-Erzählers und Protagonisten geschildert, mit realistischem und, wie der Name schon andeutet, zeitgenössischem Setting und bewegender, emotionaler, humoristischer Handlung und einer gehörigen Portion Romantik. CYA-Fiction ist zwar oft YAR – umgekehrt muss das aber nicht sein; romantische YA-Stories können auch dem Fantasy- oder SciFi-Genre entspringen, wie die Obsidian-, Twilight- oder Revenant-Reihen, die dann wiederum unter den Namen YA-Paranormal (YAP) fallen.

Zu den besten CYA-Romanen gehören Herzklopfen auf Französisch, Amy on the Summer Road, Weil ich Layken liebe und natürlich Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Nun ist ein neues, im Vorfeld hoch gepriesenes CYA-Werk zu uns gestoßen und kommt erfrischenderweise einmal nicht aus den USA, sondern aus Großbritannien: Sannah und Ham. Werfen wir einen Blick auf Figuren, Thema und Umsetzung:

Das Pärchen to be dieser Geschichte wird schon im Titel vorgestellt und besteht aus Hannah und Sam, die in üblicher Stolz und Vorurteil-Manier aufgrund zahlreicher (selbstverschuldeter) Missverständnisse und immer wieder gekränktem Stolz wechselhaft zusammenkommen und auseinandergehen.

Hannah entspricht grösstenteils der typischen CYA-Protagonistin: clever, hübsch (ohne es zu wissen, na klar), weitestgehend sympathisch und humorvoll. Sam dagegen ist nicht der übliche Charmeur, der die Leserherzen zum Schmelzen bringt. Auch er ist zwar intelligent, gutherzig und witzig. Ihm fehlt aber ein gewisser Charme, ein Hauch von Bad Boy, oder auch einfach Reife, sodass er zwar süß aber nicht unbedingt ernstzunehmend ist. Das Figuren-Fazit ist symptomatisch für die Geschichte: sie sind nett, wenn auch etwas farblos und infantil.

Leider gilt das umso mehr für die Nebenfiguren. Hannahs Freundinnen sind äußerst unsympathisch, oberflächlich und hinterhältig. Zwischen den Mädels herrscht eine Hassliebe, deren Liebesteil nicht mehr nachvollziehbar ist. Zu keiner Zeit kommt es zu einer Aussprache oder ein paar ehrlichen Worten; stattdessen fällt man sich gegenseitig in den Rücken, lügt das Blaue vom Himmel oder neidet sich gegenseitig das kleinste Glück. Insgesamt wird hier ein (weibliches) Freundschaftsbild entworfen, das mir nicht nur fremd ist, sondern auch in höchstem Maße widerstrebt.

Ähnlich verhält es sich mit den männlichen Nebenfiguren: Sams Freunde wirken einfältig, albern und haben das ein oder andere Suchtproblem. Ernsthafte Probleme werden untereinander nicht besprochen, dafür umso ausgiebiger sämtliche Möglichkeiten eines sexuellen Erfolges. Auch hier: Nicht mein Männerbild. Sogar die stellenweise wirklich interessanten Figuren liefern immer wieder Momente, in denen man sich fragt, was die Autoren eigentlich damit bezwecken wollen. So zum Beispiel Sannahs Oma, ein schrullig-witziger Charakter, der leider seltsam oberflächliche Mottos postuliert, die ich persönlich niemandem mit auf den Weg geben möchte: „Meine Oma sagt immer, dass man nie einen Mann heiraten soll, der braune Anzüge trägt, einen Bart hat oder eine Brille braucht.“ Ähm. Weird?

Nun kann man annehmen, dass die Autoren sich sehr viel Mühe gegeben haben, ihre Geschichte besonders witzig, jugendlich und geistreich wirken zu lassen und dabei etwas übers Ziel hinausgeschossen sind. Das wäre auch nicht das Problem, wenn nicht das Thema des Romans ebenfalls viel zu oberflächlich und angestrengt behandelt werden würde: SEX. Natürlich interessiert Teenies Sex, das Erste Mal und alles, was damit zusammenhängt. Mit Sicherheit ist es auch in Cliquen ein Thema und beherrscht jederzeit das hormonell beeinträchtigte Hirn der Jugendlichen – wie eigentlich auch das aller anderen Menschen. Dass es allerdings ausschließlich, ja, geradezu beliebig thematisiert wird und keine anderen Themen unter Jugendlichen mehr zulässt, wage ich zu bezweifeln. Probleme wie Schulabschluss, Familienleben und Zukunftsängste hätten in dem ein oder anderen Gespräch unter Freunden bestimmt auch seinen Platz gehabt, ohne dass es der Geschichte geschadet hätte – im Gegenteil: Die Figuren und das allzu gehaltlose Geschwätz über das Erste Mal hätten etwas mehr Tiefgang durchaus gebrauchen können. Denn alles, was die Figuren interessiert, ist, so schnell wie möglich die Jungfräulichkeit abzulegen – um jeden Preis. Dafür ist man dann auch nicht wählerisch, lügt und betrügt auch mal, wenn es sein muss und gibt seine Würde an der Garderobe ab. Leider wird unendlich viel über Sex geredet – prickelnde Liebesszenen sucht man dafür vergeblich. Selbst die sexuellen Annäherungen der ehrlich Verliebten bleiben am Ende eine Pflichtübung. Again: Weird.

Ansonsten ist die Umsetzung erfreulich gut gelungen. Die Idee, die Geschichte abwechselnd aus Sicht der beiden Hauptfiguren zu schildern, ist – wenn auch nicht innovativ – wirklich nett. Der rasante Sprachstil und viele witzig-spritzige Dialoge führen gekonnt durch manche Länge und lassen den Leser immer wieder schmunzeln. Die komödienhaften Einschläge, wie beispielsweise die sympathisch-skurrile Klo-Szene von Hannah und Sam, halten den Leser immer wieder davon ab, endgültig zu frustrieren, sodass das Lesen selbst einen etwas tragikomischen Charakter bekommt.

Fazit: Vor allem im Vergleich mit anderen CYA-Geschichten, kann das Debut von Tom Ellen und Lucy Ivison, das durchaus unterhaltsam ist, nicht ganz mithalten. Die Probleme der Protagonisten sind teilweise nicht nachvollziehbar und wirken krass konstruiert. Ein paar Missverständnisse weniger und etwas mehr Einfühlungsvermögen, Offenheit und Tiefgang wären wünschenswert gewesen. Sam kann definitiv nicht mit einem St.Clair, Gus Waters oder Roger mithalten und Hannah könnte etwas mehr Conojes vertragen – naja, Sam eigentlich auch. So bleibt Sannah und Ham eine nette, sommerliche Liebeslektüre mit witzigen Dialogen und authentischem Setting.


Aufschrei in Ascot: Kriminalroman (Arthur-Escroyne-Reihe, Band 2)
Aufschrei in Ascot: Kriminalroman (Arthur-Escroyne-Reihe, Band 2)
von Arthur Escroyne
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen I ♥ Escroyne, 23. Juli 2014
Frustriert von überkandidelter Werbung, abgetoßen von den Zuvielversprechungen der Klappentexte und vor allem ermüdet von den ewig gleichen Jugendbuchthemen, trauerte ich neulich meinem (überraschenden) Highlight der Krimi-Szene des letzten Jahres hinterher: Der "Killer im Lorbeer" von Arthur Escroyne war ein Zufallsgriff und hat mich nicht nur während der Lesestunden, sondern auch noch lange danach mit nostalgischem Flair erfüllt. Ich bin ein Leser, der sich vor allem von den Protagonisten verführen lässt. Handelt eine Figur nicht nachvollziehbar, wird übertrieben viel rot (vor allem ein Fluch der Jugendbuchszene), oder ist schlicht unsympathisch, so kann ich mich nicht für eine Handlung erwärmen – so gut sie auch sein mag. Ist ein Charakter jedoch interessant, spleenig, liebenswürdig, Ehrfurcht einflößend, beeindruckend, charmant oder kauzig, so kann er – meiner Meinung nach – auch die langweiligste Storyline zu einem Genuss machen und den ödesten Ort zum Paradies werden lassen – so wie Arthur Escroyne. Schmollend googelte ich also nach seiner Lordschaft, in der Hoffnung, auf Buchtipps zu stoßen, die ähnlich grandiose Lesestunden versprechen. Und siehe da: Ein neuer Escroyne ist erschienen - "Aufschrei in Ascot", Verzückung bei Krink! Ein Wink des Schicksals, den ich sofort ergriff, sodass ich mich alsbald in vertrauter Umgebung wiederfand.

Öde ist der Schauplatz von Arthur Escroynes Figuren ganz und gar nicht – eher pittoresk-beschaulich. In der englischen Grafschaft Gloucestershire lebt Sir Harold Philipp Arthur Escroyne, 36. Earl of Sutherly auf einem verfallenen Schloss aus dem 13. Jahrhundert mit seiner Lebensgefährtin Rosemary Daybell, Detective Inspector der örtlichen Polizei. Während der blaublütige Erzähler sich mit einer handfesten Lebenskrise herumschlägt, geschieht ein Mord – ausgerechnet beim jährlichen Sporthighlight der Region, dem Derby. Ein schürzenjagender Moderatoren-Star wird mafiös mit seiner eigenen Brille erstochen, sodass Rosy anschließend bei der Mörderjagd über Landesgrenzen und Gesellschaftsschichten hinaus getrieben wird. Da eine Menge Verdächtiger der royalen Klasse angehört, legt der verarmte Arthur das Gartenbesteck für ein Wochenende beiseite und mimt den steinreichen 36. Earl of Sutherly, indem er sich unter die Blaublütler und Neureichen des Landes mischt – leider viel weniger unauffällig als erhofft.

Arthur führt auch durch diesen Fall als Ich-Erzähler mit typisch englischem Humor und unvergleichlichem Charme. Ob Privatleben oder Ermittlung – Sir Escroyne und seine Rosy zu begleiten ist ein einziger Spaß. Beide Figuren sind so unterschiedlich wie sympathisch und ergänzen sich in mehr als nur einer Hinsicht. Der Kriminal-Plot ist nichts für eingefleischte Splatter-Fans, denn er folgt nahezu unblutig dem klassisch-britischen „Whodunnit“-Konzept, ist aber in diesem Band spannender als der erste. Wie beim "Killer im Lorbeer" wird auf subtile Spannung, psychologische Fallstudien, bestechende Kulisse und atmosphärische Dichte gesetzt. Einen Punktabzug gibt es für das Lektorat des Verlages – hier wäre etwas mehr Sorgfalt wünschenswert gewesen. Wenn Autor und Übersetzer eine derart virtuose sprachliche Unterhaltung kreieren, verdrießen fehlende Satzzeichen und ähnliche Makel den Leser nur.

Leider bringt aber auch die beste Lektüre einen Wermutstropfen mit sich: das unvermeidlich Ende. Ich würde seiner Lordschaft noch lauschen, wenn er seine Schwertlilienzuchterfahrungen niederschreiben würde. So muss ich mich leider bis zum nächsten Band gedulden. Also: Hau in die Tasten, Arthur!

Hinter dem Autor steckt übrigens tatsächlich Harold Philipp Arthur Escroyne, der 36. Earl of Sutherly. Auch er arbeitetet, wie der Erzähler des Romans, als Werbegrafiker für einen bekannten englischen Shortbread-Hersteller, widmet sich mit Leidenschaft dem Gärtnern und ist mit einer Polizistin liiert. Escroyne wurde für seine Nacktstängel-Schwertlilienzucht mehrfach ausgezeichnet. Ein bezauberndes Interview könnt mit ihm könnt ihr auf der Seite des Piper Verlags lesen.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 13, 2015 11:33 AM CET


Meßmer Minze-Orange 20 TB, 2er Pack (2 x 35 g)
Meßmer Minze-Orange 20 TB, 2er Pack (2 x 35 g)

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Frisch und fruchtig!, 8. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dem überwiegenden Kräuter-Anteil entsprechend, schmeckt dieser Tee vor allem nach Minze - mit einem Hauch Orange. Diese fruchtige Note macht ein zusätzliches Süßen (für die, die es etwas herber mögen) überflüssig. Die Teebeutel sind einzeln verpackt, was dem Aroma gut tut. Die Ziehzeit liegt bei ungefähr sechs Minuten. Ein-zwei Beutel pro Liter reichen definitiv aus - eine Verwendung von 3 Beuteln pro Kanne ist nicht nötig - steigert aber natürlich den Umsatz. ;)
Lediglich ein völliger Verzicht auf Aroma wäre wünschenswert gewesen, daher nur vier Sterne.
Bestandteile: Krause- und Pfefferminze (63%), Orangenschalen (15%), Orangenblätter, Aroma (Orange).


Stigmata: Nichts bleibt verborgen
Stigmata: Nichts bleibt verborgen
von Beatrix Gurian
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Aufmachung nett, Inhalt bescheiden, 6. Juli 2014
Darum geht es: Nach dem vermeintlichen Unfalltod ihrer Mutter bekommt die junge Emma ein anonymes Schreiben, in dem sie dazu aufgefordert wird, nach den Mördern ihrer Mutter zu suchen. Sie erhält ein altes Fotoalbum und Instruktionen zur Suche, die sie in ein christliches Jugendcamp in einem ablegenden Schloß in den Bergen führt. Dort begegnen ihr weitere mysteriöse Fotografien, die mit dem finsteren Schloß und ihrer Mutter in Verbindung stehen. Während Emma immer tiefer in die dunkle Vergangenheit eintaucht, ereignen sich in der Gegenwart immer seltsamere Ereignisse – und schnell schwebt Emma selbst in großer Gefahr...

Wer die Leseprobe gelesen hat, der weiß, dass das Geschehen sogleich seinen Lauf nimmt und zeitweise von rückblickenden Passagen aus Emmas Leben kurz nach dem Tod ihrer Mutter durchbrochen wird. Die Textausschnitte wurden gut gewählt – leider so gut, dass die Spannung für mich im ersten Teil komplett auf der Strecke blieb. Zwar sind durchaus einige Entwicklungen zu verzeichnen – doch die ganze Geschichte wirkt so vorhersehbar und oft erlebt, dass mir das Geschehen – und das ist am schlimmsten – schlichtweg egal war.

Berichtet wird aus Emmas Perspektive, was einem die robuste – und realistische! Pluspunkt! – Protagonistin näher bringt. Doch auch dieser charakterliche Vorteil entwickelte sich im Laufe der Handlung zurück. Insgesamt leistet Emma zu wenig Denkeinsatz und lässt sich zu sehr von Selbstmitleid und Gruppenzwang leiten, als dass sie die anfängliche Sympathie aufrecht erhalten kann. Auf der einen Seite möchte sie um jeden Preis eigenbrödlerisch handeln, auf der anderen Seite spricht sie keinen Verdacht offen aus, geht ohne jede Sicherheitsmaßnahme in das Camp, lässt sich wiederholt an der Nase herum führen und rennt gutgläubig in jede (offensichtliche) Falle. Das alles wirkte auf mich etwas unausgegoren. Obwohl Setting und Ambiente vielversprechend und atmosphärisch dicht inszeniert wurden, fehlt es dem hübschen Äußeren an Seele und zu viele Klischees treffen auf zu wenig Handlung. Die Spannung, die ab zwei Dritteln des Buches etwas ansteigt – man möchte doch wissen, wie es ausgeht – kann da leider auch nicht mehr viel reißen, denn die Aufklärung bleibt schal.

Eine wirklich gelungene Sache ist aber die Ausstattung des Buches. Wie es sich für ein gutes Hardcover gehört, kommt Stigmata mit Lesebändchen und Schutzumschlag daher, letzterer ein wahrer Augenschmaus. Und nicht nur der mit Silberfolie veredelte Einband lässt bibliophile Herzen höher schlagen, auch die Innenausstattung ist dekorativ gestaltet. Die Handlung wird mit insgesamt 14 außergewöhnlichen Fotografien von Erol Gurian begleitet, die der Geschichte etwas Atmosphäre einhauchen.

Wer im Thriller- und Horrormilieu noch nicht beheimatet ist und sich gern einmal jenseits von Fantasy und Dreiecksbeziehungen unterhalten lassen will, der könnte sein Regal mit Stigmata durchaus etwas aufmotzen. Wem außergewöhnliche Figuren und Schnappatmung aber wichtiger sind als Cover und Co, der sollte zu vergleichbaren, aber etwas fesselnderen Jugendthrillern wie „Schattengrund“ oder „Das Tal“ greifen.


Anna im blutroten Kleid: Roman (Heyne fliegt)
Anna im blutroten Kleid: Roman (Heyne fliegt)
von Kendare Blake
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Fans von "Supernatural" und handfestem Grusel ein Genuss!, 6. Juni 2014
Nachdem die letzten Buchbesprechungen aus meiner Feder eher negativ ausgefallen sind, darf ich euch heute eine erfreuliche Lobeshymne singen. Der aktuellen Pflichtlektüre und dem Hype um Neuerscheinungen überdrüssig, griff ich die Tage zu einem Buch, das in den Untiefen meines SuBs vergraben lag: Anna im blutroten Kleid, eine Geistergeschichte mit einem männlichen Ich-Erzähler und jeder Menge Gänsehaut, welche sowohl durch das Horror-Ambiente als auch durch ungewöhnliche und dezente Lovestory hervorgerufen wird. Wer sich dem unentschlossenen Frühsommerwetter entziehen will, sollte sich von diesem Roman in die USA entführen lassen und dort intensive Momente der Geisterjagd genießen. Einmal eingetaucht, klappt man das Buch erst wieder zu, wenn die letzte Zeile gelesen ist.

Und darum geht es: Der siebzehnjährige Cas Lowood hat nach dem Tod seines Vaters die familiäre Bestimmung übernommen und zieht nun mit seiner Mutter, einer Wicca, quer durch die USA um mordende Geister zu vernichten. Eines Tages möchte er sich dem Geist, der seinen Vater auf dem Gewissen hat, stellen, doch dazu braucht es noch einige Übung. Eine gute Vorbereitung scheint da die Geisterdame Anna Korlov zu sein, eine lokale Berühmtheit in einer Kleinstast in Ontario, deren Geist seit ihrer Ermordung in den 50er Jahren in einem viktorianischen Anwesen gefangen ist und jeden zerfleischt, der einen Fuß über die Schwelle setzt. Doch Anna scheint mächtiger zu sein, als alles, was Cas jemals gesehen hat. Bei seinen Nachforschungen sieht sich der Einzelgänger nicht nur gezwungen, neue Freundschaften zu schließen, er trifft außerdem auf eine dunkle Macht, die noch sehr viel stärker ist als Anna – und die Cas nur allzu gut kennt...

Kendare Blake ist gelungen, woran viele andere Autoren scheitern: eine glaubhafte, actionreiche und fantastische Young Adult Fantasy-Geschichte mit Liebesbezug zu schreiben ohne dass man sich als Leser wie eine sechsjährige Prinzessin vorkommt. Das liegt zum einen an den unglaublich gut gelungenen Figuren, die allesamt – ob sympathisch oder nicht – glaubhaft und interessant erscheinen und die jeweils mit einem individuellen Charakter versehen wurden. Die Erzählperspektive des jungen Cas liest sich hervorragend, denn er bietet viel Identifikationsspielraum und ist ein tiefgründiger, ironischer, distanzierter, kluger und vor allem reflexionsfähiger (!) Charakterkopf. Zum anderen versteht es die Autorin eine gruselige, atmosphärisch düstere Atmosphäre zu erschaffen, die das Geistergeschehen erst richtig lebendig (haha, Wortwitz!) macht.

Wie so oft, sind die ersten Zeilen eines Buches am wichtigsten. Cas schildert nicht nur von Anfang an eine extrem spannende Welt, er tut dies obendrein in einer geschliffenen, abwechslungsreichen Sprache, die das Geschehen umso unterhaltsamer erscheinen lässt. Die Autorin schreckt nicht vor Leichen, Tod und Verwesung zurück, womit der Leser auch zeitnah nach Lesebeginn konfrontiert wird, was bei mir dazu führte, dass ich mich unter einem: „Was geht denn jetzt ab?“ aufsetzte. Natürlich erfindet diese Geisterjägergeschichte das Rad nicht neu – aber Altbekanntes kommt in einem erfrischend-individuellen Gewand daher und es hat mich positiv überrascht, wie gut man eine klassische Grusel-Story literarisch präsentieren kann ohne jegliche Langeweile aufkommen zu lassen. Zu recht wurde diese Grusel-Action in Buchform mit der viel geliebten Serie „Supernatural“ verglichen und obwohl mir persönlich langsam die Fantasy-Wesen in der Jugendliteratur zum Hals heraus hängen, war ich fast enttäuscht als ich von Cas, einer Art jungem „Dean Winchester“, hörte, es gäbe keine „Wendigos“. Oooooh. Was hätte das für eine Fortsetzung gegeben!

Mit dieser hat dann nun auch der einzige kleine Kritikpunkt zu tun, den ich anbringen möchte: Die Liebesgeschichte dieses Romans – und ich darf hier auf keinen Fall zu viel verraten – hätte durchaus noch etwas subtiler ausfallen können, obwohl sie im Vergleich zu anderen dieses Genres wirklich eher dezent ist. Ich befürchte allerdings, dass sie in der Fortsetzung ausgebaut werden wird und das könnte dem Ganzen seinen Reiz nehmen. Dann doch lieber ein Stelldichein mit einem Wendigo, oder?


Obsidian, Band 1: Obsidian. Schattendunkel
Obsidian, Band 1: Obsidian. Schattendunkel
von Jennifer L. Armentrout
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Obsidian oder: Eine Protaonistin im Schafspelz, 5. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Über den Inhalt muss nicht viel gesagt werden, er entspricht Schema F jeglicher Romantasy-Jugendbücher: Durch Verlust traumatisiertes Mädchen zieht in neue Gegend und verliebt sich in sozial inkompetenten, mürrischen Modeltyp mit Mystery-Hintergrund, der sich nach ihrem Selbstverständnis nicht für sie interessieren dürfte, sich aber ebenfalls unsterblich in sie verliebt. Genauer: Die Protagonistin Katy wird nach dem traurigen Tod ihres Vaters von ihrer Mutter zu einem Neuanfang mittels Umzug in ein amerikanisches Kaff in den Bergen gezwungen. Das bedeutet für die Buchbloggerin, dass sie sich in einer neuen Umgebung, einer neuen High School und zwischen neuen Freundeskreisen zurecht finden muss. Bald schon trifft sie auf ihre neuen Nachbarn, den umwerfend schönen aber unausstehlichen Daemon und dessen ebenso schöne Schwester Dee, die sich im Laufe der Handlung als Aliens herausstellen und von einer bösen Spezies bedroht werden, sodass alle in einem großen Showdown die Welt retten müssen. So weit so klassisch.

Kommen wir also zum ersten und wichtigsten Kritikpunkt. Die Protagonistin... Katy ist von Beginn an so gar nicht das, was ich mir unter einem Vorbild oder auch nur einer interessanten Person vorstelle. Der Held oder Antiheld einer Geschichte muss für mich sympathisch oder glaubwürdig oder beeindruckend in irgendeiner Weise sein – all das trifft auf Katy leider nicht zu. Bereits auf den ersten Seiten jammert sie über ihr schweres Schicksal (welches schrecklich ist, keine Frage – man verliert einen geliebten Menschen nicht, ohne dabei zu leiden) und tut sich furchtbar selbst Leid (das ändert sich auch während der Handlung nicht mehr), aber nicht nur aufgrund ihres Verlusts, sondern auch aufgrund ihrer eigenen Daseinsform. (Katy, dacht ich mir da, dann krieg doch mal den Ar*** hoch! Nun gut, sie beginnt dann auch alsbald mit Gartenarbeit – soll mir recht sein.) Natürlich muss sie sich ständig mit allen Menschen vergleichen und ist davon überzeugt, dass sie nicht so hübsch ist wie ihre Mutter oder ihre Nachbarin oder sonst jemand – in dieser Hinsicht scheint sie schwere Komplexe zu haben. (Entweder liegt sie mit ihrer Mittelmäßigkeit richtig – dann verstehe ich nicht, was Daemon später an ihr findet, denn ein geistreicher Charakter ist sie auch nicht gerade. Oder sie übertreibt maßlos, was oberflächlich und ebenso seltsam wäre.)

Obsidian liest man mit Eifer, aber auch mit Scham – weil es wirklich keine brillante (Jugend-/Fantasy-)Literatur ist. Der Stil ist mittelmäßig (was teils an der Übersetzung liegen kann): einfache, abgehackte Hauptsätze, Grammatik- und Rechtschreibfehler – das muss auch bei einem Jugendbuch nicht sein, auch wenn viele das gern als Entschuldigung nehmen. Die Autorin schreibt rasant, aber einige Logikfehler und die Oberflächlichkeit der Geschichte rissen mich oft unsanft aus dem Geschehen. Zum Beispiel fällt ein Obsidiandolch zu Boden und zerspringt. Seriously? Ich bin kein Mineraloge, aber ist Vulkangestein nicht extrem stabil?

Eigentlich geht es bei diesem Roman aber auch gar nicht um Aliens oder um eine spannende Fantasyhandlung, sondern um eine Liebesgeschichte wie sie im Buche – genauer: in jedem jemals dagewesenen Fantasy-Jugendbuche – steht. Katy und Daemon gehen in ihrer Hassliebe füreinander auf, was zeitweise ganz unterhaltsam ist. Doch Katys einziger Lebensinhalt ist Daemon, Daemon, Daemon, was mit der Zeit nicht nur eintönig, sondern eher etwas debil wirkt. Daemon behandelt Katy pausenlos wie den letzten Dreck, er blamiert sie, demütigt sie, verletzt sie – was sie ihm jedes Mal verzeiht, natürlich. Das mag in einem SM-Kontext anziehend wirken, aber für ein Mädchen, dass angeblich clever und witzig (und dabei nicht devot) ist, hätte ich mir etwas mehr Emanzipation oder zumindest Stolz gewünscht. Und das meine ich nicht im altmodischen Sinn. Viele „Hass-Lieben” in anderen Romanen wurden glaubhaft und hinreißend beschrieben, ohne dass einer der Beteiligten seine Würde verlieren musste (folgend einige Beispiele: Bessere Umsetzung ohne Fantasy: Amy on the Summer Road; Weil ich Layken liebe; Kirschroter Sommer I + II. Bessere Umsetzung mit Fantasy: Revenant-Trilogie; Schattenjäger-Chroniken; Silber/Edelstein-Trilogie; Vampire Diaries; bessere Umsetzung ohne Liebesgeschichten-Schwerpunkt: Dark Canopy, Arkadien-Reihe, Phantasmen, usw.). Katys Persönlichkeit löst sich unter ihrem Schmachten mehr oder weniger auf, das ist schade: Sie himmelt nur, er küsst; sie lässt alles mit sich anstellen, er muss sich losreißen; er beleidigt, sie steckt ein; er demütigt sie vor der ganzen Schule, sie steckt ein; seine Freunde beleidigen sie, sie steckt ein; seine Ex-Freundin beleidigt sie, sie kippt Spaghetti über ihr aus – der Durchbruch? NEIN! Denn nun denkt Katy viel darüber nach, ob das zu fies war. Dafür kann Madame aber ganz toll rot werden, was sie bei jeder knallharten Beleidigung unter Beweis stellt. Hach ja. Und am Ende? Da kriegt sie endlich, was sie will, aber da will sie dann nicht mehr. Muss ja Stoff geben für einen nächsten Teil, wa? Jaja, so ist das.

Fazit: Ein Buch zum Verschlingen - aber dem ein oder anderen mag es hinterher wieder hoch kommen. Alle, die keine tiefgründige Handlung wollen, sondern eine prickelnde Liebesgeschichte mit sexuell aufgeladenen Fummelszenen, sollten unbedingt zugreifen, denn abgesehen von den genannten Kritikpunkten, liest sich die Story überraschend gut. Leser, die sich an oberflächlichen Figuren, mittelmäßigem Stil und dem Fehlen jeglicher Innovation stören, die dürfen Obsidian ruhig übergehen – es sei denn, sie wollen die heiße Diskussion um dieses Buch nicht verpassen! Der Nachfolgeband erscheint auf Deutsch übrigens noch dieses Jahr, am 21. November 2014. Natürlich werde ich mir den nicht entgehen lassen, damit auch weiterhin für kontroverse Meinungen in unseren Bloggerkreisen gesorgt ist. ;)


Phantasmen
Phantasmen
von Kai Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen A little too much..., 21. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Phantasmen (Gebundene Ausgabe)
Die Erde wurde von einem Phänomen heimgesucht, das eine Neuordnung der menschlichen Lebensweise nach sich zieht: Die Geister aller jemals Verstorbenen erscheinen nach und nach am Ort des Todes als gleißendhelles Abbild, stumm und regungslos. Rain und Emma, die ihre Eltern bei einem Flugzeugabsturz verloren haben, reisen durch die Wüste Spaniens, um sich noch einmal von von ihnen zu verabschieden. Dabei begegnen sie dem mürrischen Norweger Tyler, dessen große Liebe Flavie ebenfalls bei dem Unglück ums Leben kam. Noch während sich die Jugendlichen mit ihrem Abschiedsschmerz konfrontiert sehen, beginnen die Geister plötzlich zu lächeln – und lösen damit eine Druckwelle aus, die menschliche Herzen in ihrem Radius zum Bersten bringt. Rechtzeitig retten sich die drei Jugendlichen aus dem tödlichen Radius und schließen sich, dem Tod knapp entronnen, zusammen, um gemeinsam Antworten zu finden. Bald kommen sie einer Verschwörung auf die Spur: Warum war Flavies Abbild nicht unter den Geistern? Was hat es mit den Söldnern auf sich, die Tyler verfolgen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn die Geister lächeln nun immer öfter…

Kai Meyer kann schreiben! Das ist uns allen spätestens seit seiner zu Recht erfolgreichen „Arkadien-Reihe“ bekannt. Auch die „Alchimistin-Reihe“ oder Einzelbände wie „Asche und Phoenix“ oder "Frostfeuer" erfreuten sich in Bloggerkreisen mal mehr, mal weniger großer Beliebtheit. Auch in seinem neuen Roman "Phantasmen" zeigt der Autor sein Können: Eine klassische Klimax zieht den Leser schnell in den Bann und lässt ihm nicht viel Gelegenheit das Buch aus der Hand zu legen. Die Ideen, die hinter der Handlung stehen, sind nicht nur außerordentlich phantasievoll, sie wirken obendrein auch nicht abgekupfert oder schlecht durchdacht. Wie immer hat Meyer sich gut informiert und präsentiert fundiertes Wissen verschiedener Fachbereiche. Herausgekommen ist eine etwas andere Geistergeschichte mit SciFi-Flair – die gar nichts mit den typischen Spukgestalten der Horrorliteratur gemeinsam hat.

Leider ist Kai Meyer aber auch für seinen Hang zum Überladen bekannt. So leicht ihm die Konstruktion von Bestsellern von der Hand zu gehen scheint, so übereifrig ist er manchmal in der Quantität der Zutaten – zum Nachteil ihrer Qualität:

Die Protagonistin sollte etwas ganz besonderes sein: Sie trägt keinen alltäglichen Namen (Rain), sie ist schwer traumatisiert (Afrika), sie hat keine alltägliche Frisur (rote Dreadlocks), sie hat keine „normale“ Schwester (Asperger-Syndrom), sie hat keine Eltern (tot). Je außergewöhnlicher sie erschienen soll, desto uninteressanter wirkt sie im Laufe der Handlung. Anstatt dass all diese biographischen Besonderheiten sie zu einem interessanten Charakter machen, verblasst sie in ihrer Gluckenhaftigkeit, die sie gegenüber ihrer aufgeweckten Schwester an den Tag legt. Die hat all das, was man sich von einer fesselnden Figur wünscht: Mut, Köpfchen, Schlagfertigkeit. Ähnlich fade wie Rain wirkt der junge Norweger: Tyler riskiert für seine egoistischen Bedürfnisse sein Leben und das der beiden Schwestern. Die Gründe dafür sind nicht immer dargestellt, geschweige denn nachvollziehbar. Hier wäre etwas mehr Ausarbeitung des männlichen Protagonisten wünschenswert gewesen. Gutes Aussehen allein reicht nicht aus, um ein Leserherz höher schlagen zu lassen.

Der rasante Verlauf der Handlung (Totenlicht → Smilewave → Apokalypse) ist gespickt mit einer Vielzahl von gesellschaftlichen und persönlichen Problemen (Krankheit, Sektenbildung, Familiendrama, Verlust, Traumatisierungen, Löwenangriffe) und jeder Menge Toten. Die anfängliche düstere Atmosphäre weicht einem Actionszenario voller Explosionen, Leichenberge, Fluchtversuchen und Kampfszenen. Das ist per se nichts Schlechtes, wirkt aber in seiner Dichte etwas überladen. Vor allem das Afrika-Trauma von Rain ist gnadenlos überzogen. Afrika hält derzeit genug realistischen Stoff für Traumatisierungen bereit – ein Löwenangriff klingt da eher absurd und lässt den Leser nicht - wie vermutlich intendiert - vor Angst den Atem anhalten, sondern kopfschüttelnd aus der Geschichte auftauchen.

Trotz dieser Kritikpunkte ist und bleibt ein Meyer ein Meyer: Ideenreichtum, Kompositionsgeschick und Einfühlungsvermögen in die junge Leserschaft heben die Bücher dieses Autors von der Masse der phantastischen Jugendbücher ab. Mit einem Werk von Kai Meyer kann man eigentlich nicht viel falsch machen, denn trotz eventueller Schwächen sind sie ein Garant für vergnügliche Lesestunden - vor allem wenn sie ein so versöhnliches Ende haben wie "Phantasmen". Und obendrein gehört Herr Meyer zu den (wenigen) Autoren, die noch Mut zum Einzelband zeigen - und dafür allein hat er zwei Daumen nach oben verdient!


Troubletwisters - Der Sturm beginnt: Band 1
Troubletwisters - Der Sturm beginnt: Band 1
von Garth R. Nix
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein laues Lüftchen..., 18. Mai 2014
Als eines Tages auf unerklärliche Weise ihr Elternhaus explodiert, werden die zwölfjährigen Zwillinge Jaide uns Jack zu der ihnen unbekannten Großmutter „X“ nach Portland, England, geschickt. Die Kids sind sich sicher, dass sie sich in dem verschlafenen Küstenstädtchen zu Tode langweilen werden und sehen ihrem Aufenthalt dort missmutig entgegen. Ihre Oma stellt sich dann auch schnell als noch exzentrischer und eigenartiger heraus als befürchtet und ihr Haus ist ein einziges Gruselkabinett. Bald ereignen sich mysteriöse Dinge: sprechende Katzen, verschwindende Türen, seltsame Wetterphänomene. Jack und Jaide gehen den Dingen auf den Grund und erfahren, dass sie sogenannte „Troubletwisters“ sind, die gegen „das Böse“ kämpfen. Und das ist just in Portland angekommen...

Oh là là! Das dachte ich mir, als ich das erste Mal von diesem vielversprechenden Roman erfahren habe. Ein Gruselhaus, ein regnerisches Küstenstädtchen in Großbritannien, ein Hauch Fantasy – das klingt nach einem Jugendbuch nach meinem Geschmack. Da sich der Erscheinungstermin um fast ein Jahr verzögerte, stiegen Erwartungen und Vorfreude. Was da wohl für ein stürmisches Abenteuer auf mich zukommen würde?

Leider stellte sich der angekündigte Orkan als laues Lüftchen heraus und vermochte keineswegs mein Innerstes zu erschüttern. Die Handlung lies einige Zeit auf sich warten, sodass sich erst nach gut einem Drittel eine leichte Brise bemerkbar machte. Viele Andeutungen und wenig Erklärungsansätze wirkten sich bis dahin in hohem Maße frustrierend auf das Lesevergnügen auf und erscheinen umso unverständlicher als dass die wenigen Erklärungen sich später als so oberflächlich wie unbefriedigend herausstellten. Die Atmosphäre des Schauplatzes ist ohne Frage dicht und durchaus ansprechend gestaltet. Auch sprachlich gibt es wenig auszusetzen und der Handlungsaufbau folgt – nicht originell aber bewährt – der typischen Klimax und hält einen klassischen Schowdown mit vielen offenen Fragen bereit. Doch der aufkommende Wind brachte Wenig Sauerstoff in die Handlung und fechelte stattdessen lediglich einige altbekannte Klischees herüber:

1. Zwei Geschwister werden von ihren Eltern zur unbekannten Großmutter geschickt und dort allein gelassen. Warum genau – abgesehen von der außerfiktionalen Begründung, dass der Autor einen Grund suchte, die Kinder allein durch das Abenteuer zu schicken? Da ist das sonstige Konstrukt ähnlicher Jugendbücher glaubhafter, die Kinder gleich zu Waisen zu machen.

2. Natürlich wissen die Eltern und die Großmutter von dem Schicksal der Zwillinge und natürlich halten sie es für sicherer die Teenager nicht aufzuklären – wodurch diese in große Gefahr geraten. Allein das Wort „Troubletwister“ wird oft – zu oft – erwähnt ohne dass die Kinder jemanden zur Rede stellen oder untereinander Klärungsbedarf besteht. Gähn!

3. Der Gegner gegen die Protagnisten ist „das Böse“. Worin das besteht? Na in dem Bösen, das schon immer da war und immer da sein wird – und das Gute zerstören will. Ist doch klar! Hier wäre ein wenig mehr Phantasie und etwas mehr Tiefgang von Vorteil gewesen. Jugendliche Leser lassen sich heutzutage nicht mehr von solch simpler Schwarz-Weiß-Malung vom Hocker reißen.

4. Die Zwillinge haben unterschiedliche Kräfte aber leider keine unterschiedlichen Persönlichkeiten. Jedenfalls sind diese nicht besonders detailliert präsentiert worden, weswegen auch keine Leserbindung aufkommt. Das Mädel wirkt etwas zickig und vorlauter als der Junge aber beide Figuren bleiben blass.

5. Sprechende Katzen. Really?

Insgesamt ist die Gestaltung der verschiedenen Zutaten dieses Fantasyabenteuers solide und hat sich in der Buchbranche bewährt, wird von den Autoren aber leider zu wenig mit Individualität und Kreativität angereichert und etwas fade präsentiert, weswegen nicht mehr als ein durchschnittliches Kinderbuch dabei herausgekommen ist, das an Daniel Blythes „Wispernde Schatten“ erinnert. Positiv hervorzuheben ist, dass sich diese Reihe auch sehr gut für Jungen eignet und ohne jegliche Liebesgeschichte auskommt. Insgesamt sollen fünf Bände erscheinen, von denen vier bereits in Originalsprache erhältlich sind. In der englischen Presse wurden außerdem bereits Stimmen laut, die eine rasante Entwicklung der Handlung im Laufe der Reihe versprechen und den ersten Band als etwas zähen Einstieg bezeichnen – ein Blick auf den Folgeband "Das Böse erwacht", der im Juli 2014 erscheint, könnte also durchaus lohnenswert sein.


Green River Killer: Die wahre Geschichte eines Serienmörders
Green River Killer: Die wahre Geschichte eines Serienmörders
von Jeff Jensen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Berührendes wie bedrückendes Portrait einer Lebensaufgabe, 25. April 2014
Wer von euch hat schon einmal den Namen Gary Ridgway gehört? Sagt euch nichts? Das ist nicht verwunderlich, denn im Gegensatz zu Ted Bundy oder Jeffry Dahmer ist dieser berühmt-berüchtigte Serienkiller, der vermutlich mehr als 90 Frauen ums Lebens gebracht hat, nicht unter seinem bürgerlichen Namen, sondern unter dem Titel, der ihm von der Presse verliehen wurde, in die Geschichte eingegangen: Der Green River Killer wütete in den 80er Jahren bis zum Jahre 2001 in Seattle und hatte es vor allem auf Prostituierte und Ausreißerinnen abgesehen - Menschen, die vermeintlich niemand vermisste. Diese Vorgehensweise machte es Polizei und Behörden schwer, dem Täter auf die Spur zu kommen. Doch ein kleines Einsatzkommando, darunter Detective Tom Jensen, verlor nie den Glauben daran, den Mörder fassen zu können, sodass nach über 30 Jahren Ermittlung durch eine DNA-Probe schließlich der Gerechtigkeit genüge getan wurde. Nun hat der Sohn des inzwischen pensionierten Jensen die Geschichte seines Vater in einer biographischen Graphic Novel mit Unterstützung von Zeichner Jonathan Case verarbeitet - und liefert ein ebenso berührendes wie bedrückendes Portrait einer Lebensaufgabe.

Im Zentrum der Geschichte steht nicht die Figur des Serienmörders, sondern der Detektiv Tom Jensen. 30 Jahre seines Lebens hat dieser der Ergreifung eines Täters gewidmet und für dieses Lebensziel Familie und Privatleben vernachlässigt. Als Leser erscheint seine Wahl eher fragwürdig und fanatisch als heroisch und diszipliniert. Wie sinnvoll ist es tatsächlich, sein eigenes Leben und das all seiner Lieben von einem psychopathisches Sadisten abhängig zu machen? Da es nicht maßgeblich Tom Jensens Mitarbeit zu verdanken ist, dass der Gary Ridgway schließlich doch noch gefasst wurde, bleibt der Jubelschrei am Ende aus - und eine merkwürdige Leere zurück: Der Täter kann sich an die meisten Morde nicht mehr erinnern, die Suche nach seinen Opfern bleibt oft vergeblich, das 30 Jahre lang verpasste Familienleben kann von Tom Jensen nicht aufgeholt werden. Für eine derart unbefriedigende Wahrheit und letztlich erschreckend geringe Konsequenz erscheint der gezahlte Preis der Selbstaufopferung als zu hoch.
Obwohl Jeff Jensen mit allen Mitteln versucht, eine liebevolle Biographie seines Vaters zu entwerfen, wirken die angedeuteten Erklärungsversuche für das wenig familienfreundliche Verhalten entschuldigend, rechtfertigend.

Der Zeichenstil Jonathan Cases trägt leider nicht zur Lesbarkeit bei. So unentschlossen die Aussage der Geschichte ist, so überladen wirken die Comic-Strips aus kräftigen Strichen in schwarz-weiß. Zwar werden die Gesichtszüge der realen Vorlagen durchaus getroffen, doch das Karikatureske lässt Gesichter ähnlich wirken und erschwert hierdurch eine Unterscheidung der verschiedenen Zeitebenen, welche durch Vorausdeutungen und Rückschauen vermischt werden. Trotz der stilistisch ansprechenden Konzeption wäre beispielsweise eine Farbunterlegung des "neuzeitlichen" Zeitstranges wünschenswert gewesen. Das atmosphärische Dichte Setting, die Idylle der Wälder Seattles, bildet einen starken Kontrast zum schauerlichen Flair - wird also leider durch einen erschwerten Lesefluss getrübt.

Jensen gelingt - wenn auch unbeabsichtigt - das Augenmerk in einem vermeintlich reißerischen Killer-Szenario auf ein viel weniger offensichtliches Element zu legen und auf diese Weise den Leser zum Nachdenken anzuregen. Der Killer, der seine eigenen Taten fast schon vergessen hat; die Opfer, die längst nicht mehr gefunden werden; die Angehörigen, die sich mit dem Tod ihrer Lieben seit langer Zeit abgefunden haben; der Kriminalarbeiter, dessen tödliche Krankheit ihn das Ende des Falles nicht mehr erleben lässt; der Detektiv, der nach 30 Jahren mit dem Rauchen aufhören kann - all diese Elemente bilden zusammen ein Konglomerat aus merkwürdig einsam-freudloser Fügungen, das grausame Willkür des Schicksals unterstreicht.

Gary Ridgway - ein Name, den man nach der Lektüre nicht mehr vergisst. Die Geschichte des Detektivs Tom Jensen verdeutlicht, wie sinnlos das menschliche Streben - sei es die Ermordung zahlreicher Opfer oder die Jagd nach Gerechtigkeit - sein kann. Am Ende wird der Leser mit mehr zurückgelassen als mit dem Wissen um ein historisches Ereignis - es ist vielmehr der Gedanke an die eigene Lebensaufgabe, die einem Schauer über den Rücken jagen wird.


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