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Rezensionen verfasst von
Bajazet30 (Göttingen, Niedersachsen)

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Vivaldi
Vivaldi
Preis: EUR 8,97

15 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schade, erneut eine Chance vertan..., 26. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Vivaldi (Audio CD)
Nach Kozenas Zusammenarbeit mit Marcon bei ihrem Händel-Album folgt nun eine Aufnahme mit Vivaldi-Arien. Leider treten hier die gleichen Probleme wie schon auf ihrem Händel-Album zutage: eine insgesamt ziemlich missglückte Arienauswahl. Kozena hat sich bedauerlicherweise dafür entschieden, fast nur langsame Stücke aufzunehmen. Ich zitiere Kozena aus dem Booklet: "Es sind sehr impressionistisch anmutende Stücke [...] So gesehen haben diese Stücke etwas vom Geist des Zen, sie schaffen viel Ruhe." Tja, ich würde jetzt etwas provozierend sagen, Langeweile wäre wohl eher der treffendere Ausdruck, denn die Gefahr des Einschlafens ist bei der Zusammenstellung auf der CD recht hoch. Dies ist - wie schon bei ihrem Händel-Album - insofern sehr ärgerlich, weil sie durchaus aufwühlende Emotionen erzeugen kann und zudem über eine brillante Koloratur verfügt. Dies wird hier nur in aber nur in drei bis vier der insgesamt 15 Stücken deutlich wie z.B. in der Bravour-Arie "Nell profondo" (auch wenn das Brustregister sehr dünn ausgeprägt ist) oder dem explosiven "Andero, volero, gridero" Und bei aller Liebe: Wenn Kozena etwas Impressionistisches singen will, sollte sie sich nicht unbedingt Vivaldi auswählen. Wenigstens eine lange Dacapo-Bravourarie hätte auf dem Album ruhig enthalten sein können.
Wie ein Vivaldi-Album klingen muss, hat übrigens Cecilia Bartoli bereits 2001 eindrucksvoll bewiesen: emotional, expressiv und leidenschaftlich - und nicht meditativ...
Aufnahmetechnik und Klangqualität sind allerdings exzellent.

Fazit:
Ein insgesamt enttäuschendes Album, das sicherlich den Fans der "ruhigen" Kozena entgegenkommen wird. Vivaldi Fans hingegen dürften etwas enttäuscht sein, denn wenn der "Rote Priester" eines nicht war, dann ein Zen-Mönch!
Schade, hier ist mal wieder eine Chance größtenteils vertan worden... Vielleicht nehmen sich ja Vivica Genaux oder Joyce DiDonato Vivaldi einmal an. Das wäre wirklich wünschenswert!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 21, 2009 5:23 AM MEST


Evening Of Arias & Songs By Rossini
Evening Of Arias & Songs By Rossini

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie konnte diese CD bloß vom Markt verschwinden???, 25. Juni 2009
Es gibt bei der Veröffentlichungspolitik seitens der Plattenindustrie immer wieder unerklärliche Phänomene - so auch hier. Als großer Genaux-Fan habe ich die vorliegende CD relativ preiswert auf amazon.com erwerben können und war sofort restlos begeistert. Es ist unerklärlich, warum eine solche Platte überhaupt vom Markt verschwinden konnte, denn Frau Genaux präsentiert sich in absoluter Bestform. Bei der Aufnahme handelt es sich um einen Live-Mitschnitt von Liedern und Arien Rossinis (nur mit Klavierbegleitung) von 1999 aus Pittsburgh. Genaux befand sich also gerade am Anfang ihrer Karriere. Insbesondere die anspruchsvollen Rossini-Arien und die hochvirtuose Kantate "Giovanna d'Arco" werden geradezu umwerfend gesungen: atemberaubend schnelle Läufe, brillante Koloraturen und viel Ausdruck. Besonders beeindruckend ist Genaux' Bruststimme, die hier viel ausgeprägter ist und häufiger eingesetzt wird als in ihren späteren Aufnahmen. Höhepunkt der Aufnahme ist für mich das "Mura felice", welches ich noch niemals so brillant gehört habe - nicht einmal von Marilyn Horne. Auch an der Klang- und Aufnahmequalität gibt es nichts zu mäkeln.

Fazit: Wer irgendwie die Möglichkeit hat, diese CD zu erwerben, sollte dies unbedingt tun - bereuen wird er es nicht. Es handelt sich vielleicht um das beste verfügbare Rossini-Recital überhaupt. Es bleibt allerdings das Phänomen zu klären, wie eine solche Platte vom Markt verschwinden konnte... Schade eigentlich!


Rossini, Gioacchino - L'Italiana in Algeri [2 DVDs]
Rossini, Gioacchino - L'Italiana in Algeri [2 DVDs]
DVD ~ James Levine
Preis: EUR 20,75

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine One-Woman-Show, 6. Juni 2009
Bei der vorliegenden Aufnahme handelt es sich um eine Met-Produktion von 1985 - und entsprechend dem damals konservativ angehauchten Zeitgeist ist auch die Inszenierung ausgefallen: Zwar gibt es ein paar nette "Gags" - wie etwa den Abschuss des Bootes, wodurch die Italiener in die Gefangenschaft geraten -, aber ansonsten sind Bühnenbild und Kostüme so gestaltet, dass sie den Vorstellungen des amerikanischen Publikums über die orientalische Haremswelt so ziemlich entsprochen haben dürften. Aus heutiger Sicht alles in allem eine etwas anachronistische Produktion, die eigentlich entbehrlich wäre, wenn es nicht einen ultimativen Kaufgrund gäbe: Marilyn Hornes Isabella. Bereits in der Auftrittsarie wird deutlich, wer hier die Szene beherrscht. Es ist schon erstaunlich, wie die amerikanische Primadonna die "schöne und begehrenswerte Isabella" verkörpern kann, ohne dafür eigentlich die physischen Voraussetzungen zu besitzen. Was ihr an optischen Reizen fehlen mag, macht sie allerdings durch ihre ungeheure Bühnenpräsenz, ihren Charme und natürlich ihren phänomenalen Gesang mehr als wett. Dagegen verblassen alle anderen Protagonisten der Oper deutlich. Sowohl Paolo Montarsolo (Mustafa) als auch Douglas Ahlstedt (Lindoro) können nicht mit ihr konkurrieren. Zwar besitzen beide recht große Stimmen, was an der Met auch notwendig ist, aber in puncto Gesangstechnik reichen sie nicht an das Niveau heran, wie es heute üblicherweise und glücklicherweise in Rossini-Opern üblich ist. Lobend ist noch das Dirigat Levines zu bewerten, welches sehr temporeich und schwungvoll ausfällt und den Sängern (vor allem natürlich Horne) einige Improvisationsmöglichkeiten in den Kadenzen lässt. Außerdem gibt es auf der zweiten DVD noch ein recht interessantes Interview mit der Horne.

Fazit:
Insgesamt eine lohnende Aufnahme dank Marilyn Horne.


Federico Ricci: Corrado d'Altamura (Querschnitt)
Federico Ricci: Corrado d'Altamura (Querschnitt)
Preis: EUR 18,15

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Opera Rara auf unterem - aber lautem - Niveau, 23. Mai 2009
Kann man es wagen und eine kritische Rezension über eine Weltersteinspielung von Opera Rara zu schreiben, ohne dafür in Grund und Boden gestampft zu werden? Ich werde es riskieren, denn diese Aufnahme habe ich wirklich als ziemlich misslungen empfunden. Auf den Inhalt der Oper will ich hier auch gar nicht näher eingehen, ist bei einer Highlight-CD auch nicht unbedingt nötig. Erschienen ist "Corrado d'Altamura" 1841 für die Mailänder Scala und war ein respektabler Erfolg. Vom Stil her erinnert das drama lirico ein bisschen an den frühen Verdi bzw. späten Donizetti, freilich ohne dass Ricci wirklich an deren Genie und kompositorische Fähigkeiten heranreichen könnte.
Die vorliegende Aufnahme ist nämlich vor allem eines - sehr laut: Das Orchester ist weit in den Vordergrund gerückt und es gibt viel pompöses Blech-Getöse zu hören, was vor allem in den Ensembles und in den Chorstücken die Boxen zum Bersten bringt und die Nachbarn in den Wahnsinn treibt. Ähnliches gilt übrigens für James Westman in der Titelrolle, der vor allem durch seine immense Lautstärke auffällt (eine Rollengestaltung ist ansonsten nicht erkennbar). Für mich wirkt das alles ein bisschen wie der Versuch, durch schiere Lautstärke Dramatik erzeugen zu wollen. Schöne und eingängige Belcanto-Arien (mit entsprechenden Koloraturen) gibt es leider fast gar nicht. Und wenn, dann werden die Stücke nicht auf höchstem Niveau interpretiert - dies gilt leider auch für Theodossiou, den einzigen wirklichen "Star" der Aufnahme.
Da einem der Querschnitt insgesamt schon recht gleichförmig und langweilig vorkommt, kann man eigentlich ganz froh sein, dass nicht die ganze Oper aufgenommen wurde.
Ich hoffe jedenfalls, dass sich Opera Rara wieder verstärkt der Zeit zwischen 1815-1835 zuwendet und mal wieder ein paar "echte" Belcanto-Werke herausbringt. Aber ich fürchte, dazu fehlen Opera Rara inzwischen schlichtweg geeignete Sänger, nachdem sich Ford, Larmore, Miricioiu, Cullagh, Massis, Miles usw. allmählich zurückgezogen haben...

Fazit:
Wer es laut mag, wird hier bestens bedient. Ansonsten ist "Corrado d'Altamura" zu den schwächeren Werken der Highlight-Edition von Opera Rara zu zählen. Wer wirklich Belcanto genießen will, sollte sich lieber den grandiosen "Zaira"-Querschnitt von Mercadante (ebenfalls Opera Rara) zulegen. Vielleicht sind drei Sterne ein bisschen zu hart bewertet, aber ich denke bei einem Hochpreislabel wie Opera Rara sollte man ruhig etwas kritischer sein.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 29, 2009 7:26 PM MEST


Rossini: The Barber of Seville (Gesamtaufnahme(ital.))
Rossini: The Barber of Seville (Gesamtaufnahme(ital.))
Wird angeboten von musicwebshop
Preis: EUR 4,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Grauenvoll..., 16. Mai 2009
Per Zufall bin ich an diese Aufnahme geraten und kann nur eins sagen: Ich weiß wirklich nicht, warum dieser Live-Mitschnitt auf CD gepresst worden ist. Es gibt unendlich viele Aufnahmen von Rossinis bekanntester Oper, sodass im vorliegenden Fall nicht einmal im Ansatz von einer Repertoireerweiterung gesprochen werden kann - und dies wäre der einzige Grund, der eine so stümperhafte Aufnahme gerechtfertigt hätte.
Was also bleibt Positives zu sagen? Leider wirklich nichts:
Ein konzeptloser Dirigent, ein Orchesterspiel auf dem Niveau eines Provinztheaters und völlig überforderte Sänger.

Fazit: Wer Rossinis Musik für unverwüstlich hielt, wird hier eines Besseren belehrt. Eine schlichtweg grauenhafte Aufnahme, die selbst für drei Euro noch zu teuer ist.


Artaserse
Artaserse
Preis: EUR 39,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schönster "galanter" Stil auf überdurchschnittlichem Niveau, 15. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Artaserse (Audio CD)
Ich kann mich dem Votum meines Vorrezensenten uneingeschränkt anschließen - möchte aber etwas mehr ins Detail gehen: Zunächst einmal handelt es sich bei "Artaserse" (Libretto: Metastasio) um eine venezianische Oper, die 1744 uraufgeführt wurde. Ganz im Sinne des damaligen Publikumsgeschmacks wurde sie im "galanten" oder neapolitanischen Stil komponiert - und die Qualität der Musik ist tatsächlich vom Feinsten, selbst wenn der Komponist, Domenec Terradella, heutzutage fast unbekannt sein dürfte, obwohl er damals großen Erfolg mit seinen Opera Seria hatte. Jedenfalls gibt es insgesamt eine Vielzahl an unterschiedlichen - meist recht langen - Da-capo-Arien, die teilweise eine erstaunliche Variation in der Orchestrierung aufweisen: Arien mit Pauken und Trompeten, Arien mit obligater Flöten- oder Hornbegleitung und Arien, in denen die Singstimme nur von dem basso continuo oder einer Harfe begleitet wird. Insgesamt wird die Oper an keiner Stelle langweilig, vor allem dann nicht, wenn man den "galanten Stil" mag.
Die Sänger schlagen sich insgesamt recht wacker. Nur der Tenor (der einzige Mann auf der Besetzungsliste) namens Agustin Prunell-Friend [nie zuvor gehört!] ist ein ziemlicher Totalausfall. Die anderen Protagonistinnen bewältigen die zum Teil extremen Anforderungen ihrer Partien ordentlich, freilich ohne zu brillieren.

Und damit wären wir auch bei dem Problem: Es ist toll, dass Opern wie die vorliegende überhaupt aufgenommen werden. Doch leider geschieht dies meisten auf Nischenlabeln, denen nicht die besten Sänger zur Verfügung stehen. Und dies ist schade, den die Anforderungen an die Sänger sind teilweise exorbitant, denn die Opern wurden u.a. zur Demonstration der Gesangeskünste der Stars (vor allem der Kastraten) geschrieben. Nur selten werden heutzutage solche Aufnahmen wirklich adäquat besetzt, die meisten sind allenfalls akzeptabel (z.B. Porporas "Orlando" oder Mazzonis "Aminta"). Dies ist insofern bedauerlich, weil eigentlich nur die Weltspitze diese Rollen angemessen interpretieren könnte. [Ein fast singulärer Glücksfall ist übrigens Traettas "Ippolito e Aricide" mit Patrizia Ciofi in der weiblichen Titelrolle.]
Hier bräuchten wir eine Kermes, eine Genaux, eine Hallenberg etc.

Fazit: Die Sängerinnen Panzarella, Comparato, Ricci & Co singen diese fantastische Oper auf jeden Fall über dem üblichen Durchschnitt, sodass insgesamt eine absolute Kaufempfehlung ausgesprochen werden muss.


Händel Opera Collection
Händel Opera Collection
Wird angeboten von book-service
Preis: EUR 59,90

60 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Altes von gestern zum halben Preis..., 9. Mai 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Händel Opera Collection (Audio CD)
Diese Box ist wirklich nur den "Historikern" unter den Händel-Fans zu empfehlen, die sich dafür interessieren, wie sich die Aufführungspraxis von Händel in den letzten 40 Jahren verändert hat. Ansonsten wurden hier inzwischen überwiegend obsolete Interpretationen gewinnbringend recycelt: Die älteste Aufnahme stammt von 1967: "Giulio Cesare" mit Beverly Sills. Mein Kommentar: Mit Händel hat das nicht viel zu tun... Lieber Jacobs oder Minkowski hören!
Ansonsten gibt es noch einen recht gruseligen "Rinaldo" mit Watkinson unter Malgoire (1983). Mein Kommentar: Wenn schon 80-iger, dann Marilyn Horne, ansonsten lieber Jacobs oder Hogwood. Auch der "Tamerlano" mit Jacobs in der Titelrolle (ebenfalls Malgoire) ist alles andere als gelungen. Tipp: Lieber die gute Einspielung unter Petrou nehmen.
Ähnlich veraltet: die "Rodelinda" (mit Schlick unter Michael Schneider) und die "Partenope" (mit Kristina Laki unter Kuijken). Tipp: "Rodelinda" mit Kermes (trotz Curtis) und "Partenope" mit Joshua.
Die einzige Aufnahme von Rang, die in der Box enthalten ist, ist der "Lotario" unter Curtis mit der grandiosen Sara Mingardo in der Titelrolle und einer stupenden Simone Kermes. Auch der "Alessandro" (mit Rene Jacobs unter Kuijken) besitzt NOCH einen gewissen Repertoirewert, weil es die einzig verfügbare Gesamtaufnahme des Werkes ist. Allerdings hoffe ich auf eine Neuaufnahme, denn die ist dringend erforderlich.

Hier wird versucht, Geld zu machen, indem uralte Aufnahmen zum Händel-Jubiläum ausgegraben und als "Meisterwerke" angepriesen werden. Fakt ist aber, dass fast alle Opern in wesentlich besseren Einspielungen vorliegen, weshalb die Box nicht für Einsteiger geeignet ist, denn die meisten Hörer dürften sich von den vorliegenden Einspielungen eher abschrecken lassen.
Für diejenigen aber, die sich für die Entwicklung der Aufführungspraxis von Händel interessieren, ist die Box zumndest interessant, denn die meisten Aufnahmen auf der Box sind vergriffen und werden meist einzeln zu exorbitanten Preisen angeboten.

Fazit:
Sony will mal wieder etwas Geld verdienen. Obwohl die Box mit ihren 22 CDs sehr günstig scheint, rate ich besonders Händel-Neulingen vom Kauf ab, da fast alle Opern in besseren Einspielungen vorliegen. Wenn schon eine Händel-Box, dann die von Decca...
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 6, 2013 9:05 PM CET


Il Barbiere di Siviglia
Il Barbiere di Siviglia
Preis: EUR 21,32

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Super "Barbier" - bis auf eine erstaunlich unbeteiligte Rosina, 2. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Il Barbiere di Siviglia (Audio CD)
Die vorliegende Live-Aufnahme ist eigentlich (fast) uneingeschränkt empfehlenswert. Zunächst einmal muss das sehr frische, flotte und temporeiche Dirigat von Gomez-Martinez lobend erwähnt werden: Der Spanier bringt das Münchner Rundfunkorchester zu temperamentvoll-italienischem Spiel. Auch die Protagonisten liefern (fast alle) eine tadellose Leistung ab. Insbesondere Lawrence Brownlee als Almaviva erbringt eine unglaublich gute Leistung: Ich habe stellenweise meinen Ohren nicht getraut, wie der junge Mann die Koloraturen seiner Partie bewältigt - das hätten Siragusa oder Florez nicht besser machen können. Phänomenal auch sein 10 (!) Sekunden gehaltendes Hohes "C" am Ende der Bravourarie "Non piu resistere". Wahnsinn! Er ist für mich der absolute Star der Aufnahme. Auch Nathan Gunn kann als Barbier reüssieren: Er singt den Figaro routiniert, aber mit dem nötigen Augenzwinkern. Komödiantisches Talent beweist aber vor allem der stimmgewaltige Bass Sigmundsson als Don Basilio. Tja, und was ist dem Star der Aufnahme, der lettischen Mezzosopranistin Elina Garanca? Sie kann meines Erachtens als einzige nicht wirklich überzeugen, obwohl sie technisch tadellos singt. Trotzdem wirkt ihre Darstellung völlig unbeteiligt, sie singt ihren Stiefel runter, ohne dabei an Profil zu gewinnen. Dadurch wirkt ihre Rosina sehr eindimensional, brav und passiv, ja fast ein wenig gelangweilt. Bereits in "Una voce poco fa" wird dies deutlich: Von Keckheit, Rebellion und Emanzipation keine Spur. Auch in der Gesangsunterrichtsszene kann von kömodiantischen Spiel keine Rede sein. Und selbst in den Ensembles hält sich Garanca auffallend zurück und überlässt den anderen das Zepter des Handelns. Schade - hier wurde die Möglichkeit verschenkt, einen "perfekten" Barbier aufzunehmen.
Ich empfinde es ebenfalls als bedauerlich, dass der Applaus herausgeschnitten wurde - ich denke, dieser wäre stellenweise sehr heftig gewesen und hätte noch mehr von der Live-Atmosphäre vermitteln können.

Fazit: Ein toller Barbier mit dem besten Almaviva auf Platte. Leider wirkt Elina Garanca zu unbeteiligt. Schade, dafür nur 4,5 Sterne...


Patrizia Ciofi Live
Patrizia Ciofi Live
Preis: EUR 20,89

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine grandiose CD einer immer noch unterschätzten Sängerin, 15. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Patrizia Ciofi Live (Audio CD)
Seit 20 Jahren steht Patrizia Ciofi nun schon auf der Bühne und hat sich peu a peu die Gunst des Publikums erworben (ohne dabei von einem großen Plattenlabel als "Shootingstar" medial inszeniert und produziert zu werden) und durch Können reüssiert. Dabei ist sie durchaus mutige Wege gegangen, wie dieses Recital eindrucksvoll zeigt: Wer kennt schon Traettas "Ippolito e Aricia", Piccinis "L'Americano", Massents "Cherubin", Meyerbeers "Il crociato in Egitto" oder Rossinis "Otello"? Lediglich die Violetta ("Traviata") und die Marie ("Fille du Regiment") sind bekanntere Rollen, die auf dem Recital enthalten sind. Trotzdem ist die vorliegende CD kein künstlich produziertes "Nischenprodukt", da alle Rollen von Ciofi tatsächlich auf der Bühne interpretiert worden sind - meist gibt es auch Mitschnitte, die bei Dynamic erschienen sind. Im Klartext: Auf dieser dieser CD werden Ausschnitte aus bereits veröffentlichten Aufnahmen präsentiert (Ausnahme: Violetta und Marie, dies sind Radiomitschnitte!). Das ist aber überhaupt kein Problem, denn erstens sind Dynamic-Aufnahmen in der Regel recht teuer und zweitens ist Ciofi auch meist das entscheidende Kriterium für den Kauf. Die übrigen Sänger können mit ihr in der Regel nicht mithalten.
Und was einem auf dieser Doppel-CD geboten wird, ist schlechtweg phänomenal: Bereits die erste 14-Minuten Arie aus "Ippolito" zeigt die fantastischen Fähigkeiten von Ciofi: langer Atem, blitzsaubere Koloraturen (und die sind hier nicht leicht), wunderbare Piani, tadellose Triller sowie eine akzeptable Tiefe. Noch eindrucksvoller finde ich ihre Sopran-Desdemona aus Rossinis "Otello" (aus Kostengründen habe ich mir die Gesamtaufnahme bisher noch nicht gekauft). Die Koloraturen, die sie hier bewätigen muss, sind überirdisch schwer. Sie meistert dies um Längen besser als etwa Futral in ihrer Opera Rara-Aufnahme. Und es handelt sich hier auch um einen Live-Mitschnitt. Und auch die Meyerbeer-Stücke - absolut brilliante Interpretationen. Ach, man könnte noch mehr schärmen... Ich würde sogar so weit gehen und die CD als die bisher erfreulichste des Jahres 2009 zu bezeichnen und kann ihren Kauf nur dringend empfehlen - vor allem jenen, die noch nicht allzu viele Dynamic-Aufnahmen besitzen. Und: Für eine Dynamic-CD ist die vorliegende auch noch relativ preiswert. Selbst die Klangqualität finde ich super, aber in diesem Bereich bin ich kein Experte.

Fazit: Ein unwahrscheinlich spannendes Recital abseits des Mainstream und auf absolut höchstem Niveau gesungen. Unbedingte Kaufempfehlung!!


Rodrigo
Rodrigo
Preis: EUR 27,71

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So geht das... Banzos zweiter (Genie-)Streich, 12. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Rodrigo (Audio CD)
Lange schon war er angekündigt und nun ist er mit einem Jahr (!) Verspätung endlich erschienen: Händels Frühwerk "Rodrigo". Und das Warten hat sich gelohnt. Banzo geht auch hier wieder mit jenem spanischen Feuer ans Werk, wie man es bereits von seinem fantastischen "Amadigi" her kennt: temperamentvoll, emotional, expressiv - sprich: modern. Die Sänger bzw. vor allem die Sängerinnen lassen sich von Banzo mitreißen und liefern allesamt eine tadellose Leistung ab.So muss Händel klingen! Im Vergleich dazu fällt die frühere Curtis-Aufnahme (Virgin) völlig ab. Schade nur, dass Banzo nicht mehr aufnehmen darf, aber die beiden großen Labels DGG und Virgin setzen nun einmal auf den schnarchigen Curtis. Meiner Meinung nach aber wäre gerade eine etwas "hölzerne" Oper wie der "Ezio" bei Banzo sicherlich um Welten besser aufgehoben gewesen als bei Curtis.

Fazit: Banzos zweiter (Genie-)Streich - Ein entstaubter und moderner Händel, der die uneingeschränkte Kaufempfehlung verdient.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 21, 2009 12:58 PM MEST


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