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Rezensionen verfasst von
Bajazet30 (Göttingen, Niedersachsen)

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Recital
Recital
Preis: EUR 20,38

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schade, schade, leider nur eine mäßig empfehlenswerte Aufnahme, 31. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Recital (Audio CD)
Ewa Podles gehört zu jenen Künstlerinnen, die leider sträflich von der Plattenindustrie vernachlässigt worden sind. Und dies ist eine mittlere Katastrophe, wenn man bedenkt, über was für ein Stimmmaterial die polnische Diva verfügt. Sie besitzt einen tiefen Alt mit einem beeindruckenden Umfang von drei Oktaven. Dabei weist die Stimme eine für ihre Größe geradezu phänomenale Beweglichkeit auf, die es Podles ermöglicht, auch die schwersten Rossini-Arien darzubieten. Dass ihre sehr große Stimme dabei nicht immer "schön" klingt, hat nach eigenem Bekunden der Diva allerdings dazu geführt, dass sie so selten ins Plattenstudio "eingeladen" worden ist. Daher haben ihre Aufnahmen einen gewissen Seltenheitswert und werden von Fans stets heiß erwartet - wie auch der vorliegende Live-Mitschnitt eines Konzerts in Warschau von 2008.
Warum also nur drei Sterne für diese CD? Dies hängt zunächst einmal mit der Repertoireauswahl zusammen. Zwei der hier eingespielten Stücke gibt es bereits von ihr, z.B. Rossinis Tancredi und die Isabella. Und auch die drei Ouvertüren (2x Rossini, 1x Beethoven) sind ziemlich entbehrlich.
Neu sind somit nur drei Stücke, nämlich Haydns Kantate "Ariadne auf Naxos" - gewissermaßen das Herzstück der Aufnahme - und Azucenas Arie "Stride la vampa" aus Verdis Troubadour. Orsinis Trinklied "Il segretto" aus Lucrezia Borgia von Donizetti wird zudem noch als Zugabe dargeboten.
Neben der mäßigen Repertoireauswahl muss leider auch konstatiert werden, dass Podles Stimme im Vergleich zu ihren Rossini-Alben von 1995 (Naxos) und 1998 (Dux - live!) ein wenig an Beweglichkeit eingebüßt hat. Auf den letztgenannten Alben präsentiert sie sich in weit besserer Verfassung. Man kann diese Einspielungen gar nicht hoch genug loben und ich würde ihnen gegenüber dieser Aufnahme deutlich den Vorzug geben. Insbesondere die Orsini-Arie macht deutlich, dass Podles doch ein wenig an Leichtigkeit und Spritzigkeit fehlt. Auf die seit Horne eigentlich obligatorische Schlusskadenz verzichtet sie sogar ganz.

Fazit:
Podles ist eine grandiose und leider völlig unterschätzte Sängerin. Trotzdem kann das vorliegende Album nicht mit den fantastischen Vorgängerplatten konkurrieren, in denen sich Podles in besserer Verfassung zeigt. Deshalb möchte ich noch einmal nachdrücklich eine Kaufempfehlung für ihre Rossini-Recitals, aber auch für das Händel-Recital von 2000 (Label: Delos) aussprechen. Diese Platte würde ich nur den eingefleischten Fans empfehlen, die bereits alle anderen Aufnahmen besitzen.


Silvia Tro Santafé ~ Rossini Mezzo
Silvia Tro Santafé ~ Rossini Mezzo
Preis: EUR 20,32

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleiner Geheimtipp für Rossini-Liebhaber, 29. Dezember 2009
Die Spanierin Tro Santafe ist hierzulande eher unbekannt und deshalb ein kleiner Geheimtipp. Umso erfreulicher ist es, dass sie die Möglichkeit von dem kleinen Label Signum bekommen hat, ein Rossini-Recital aufzunehmen - übrigens ihr zweites bei diesem Label nach "Spanish Heroines".
Tro Santafes Stimme ist insgesamt dunkler gefärbt als die ihrer bekannteren Kolleginnen Garanca und DiDonato, was es ihr ermöglicht, glaubhaft Hosenrollen zu interpretieren. Und da gibt es hier die Klassiker zu hören, die einst durch Marilyn Horne (wieder) bekannt gemacht worden sind: Tancredi, Arsace (Semiramide) und Malcolm (La donna del lago). Auch im Weiteren orientiert sich Santafe mit Isabella und Angelina scheinbar an ihrer großen amerikanischen Kollegin, welche alle Arien dieses Recitals ebenfalls aufgenommen hat.
Natürlich kann Santafe weder interpretatorisch noch technisch ganz mit Horne konkurrieren, trotzdem ist das Recital in summa gelungen: Santafe hat einen vollen, dunkel timbrierten und etwas herben Mezzosopran mit guter Tiefe und guter Höhe und verfügt darüber hinaus noch über eine recht flüssige Koloratur. Allerdings klingen die hohen Töne manchmal etwas forciert und auch die Koloraturen (insbesondere die staccati) werden technisch nicht so locker und sicher wie etwa von DiDonato bewältigt. Kurzum: Den z.T. sehr anspruchsvollen Arien muss stellenweise Santafe ein wenig Tribut zollen.

Fazit:
Insgesamt ein empfehlenswertes Album, das eine gute Ergänzung zur kürzlich erschienenen Rossini-Platte von DiDonato darstellt, da es zwischen beiden Aufnahmen keine Überschneidungen gibt. Insgesamt 4,5 Sterne und eine Kaufempfehlung für Rossini-Fans.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2010 6:59 PM CET


My Vivaldi
My Vivaldi
Preis: EUR 24,36

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Altes neu aufgewärmt..., 19. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: My Vivaldi (Audio CD)
Käufern dieser Platte sollte bewusst sein, dass sie hier eine Best-of-Compilation kaufen. Es finden sich keinerlei Neueinspielungen auf dieser CD - alle Stücke stammen aus der Naive-Diskographie von Lemieux (2004-2008) - und bei allen wurde sie von Spinosi begeleitet.
Was gibt es zu hören? Auf der CD sind die Arien des Orlando aus "Orlando furioso", ein Trio sowie die Arien der Griselda aus der gleichnamigen Oper und Stücke aus "La fida Ninfa" enthalten. Darüber hinaus gibt es noch Ausschnitte aus der "Stabat mater" und ein "Credo" zu hören.
Abgesehen davon, dass das Cover mal wieder ein Recital mit Neueinspielungen suggeriert - die Aufmachung erinnert sehr an das Design der Vivaldi-Edition -, ist die Platte auch künstlerisch nicht sonderlich wertvoll: In den Orlando-Arien wird Lemieux von Spinosis High-Speed-Dirigat derart gehetzt, dass sie sich mit hörbaren Anstrengungen regelrecht durch die Arien kämpfen muss.
Die Arien aus Griselda sind ohnehin nur mäßig gut, da sie für die Vivaldi-Geliebte Anna Giro komponiert wurden, die mehr durch Aussehen und schauspielerisches Talent als durch Sangeskünste überzeugt hat.
Und auch auf der hervorragenden Einspielung von "La fida ninfa" war Lemieux eher der Schwachpunkt in der Sängerbesetzung als das Zugpferd.
Am besten ist sie noch in der "Stabat Mater" - allerdings würde ich mir hier eher die Gesamtaufnahme zulegen...

Fazit: 67 Minuten aus der Konserve. Auch interpretatorisch ist die Zusammenstellung kein Meilenstein. Deshalb: Finger weg und lieber gleich zu den Gesamtaufnahmen greifen...


Between Heaven and Earth
Between Heaven and Earth
Wird angeboten von cdaudiophile
Preis: EUR 15,48

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Und wieder einmal Händel...aber auf einem erfreulichen Niveau, 5. Dezember 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Between Heaven and Earth (Audio CD)
Und wieder einmal Händel...
Nach ihrem großartigen "Oper Seria"-Album (2004) und der Duett-Platte mit Sara Mingardo (2009) wendet sich die französische Sopranistin dieses Mal den Oratorien Händels zu. Herausgekommen ist eine recht abwechslungsreiche Platte, auf der Arien aus insgesamt neun Oratorien zu hören sind. Piaus Stärke ist sicherlich eine sehr klare, mädchenhafte und recht bewegliche Stimme, die allerdings im Vergleich zu ihrem Oper-Seria etwas an Agilität eingebüßt hat. Trotzdem verziert sie mit Trillern und Staccati einige der Arien sehr geschickt - insbesondere das "Sweet Bird" ist eine wunderbare Demonstration von Piaus Tugenden: zarte, vibratolose und technisch perfekte Stimmführung, verbunden mit einer intelligenten Interpretation.
Doch wie das bei Händel nun einmal so ist, gibt es natürlich zahlreiche Vergleichsmöglichkeiten - und der fällt nicht immer zugunsten der Französin aus: So klingt mir Piaus Stimme insbesondere bei den etwas üppiger orchestrierten Arien ("Disserratevi, o porte d'Averno" [besser: Bartoli] und "Let the bright seraphim" [besser: Sutherland]) ein wenig zu substanzlos. Außerdem werden hier - bedingt durch die schnellen Tempi - die Koloraturen ein wenig gehetzt dargeboten. Auch das "Rejoice greatly" - das in zahlreichen Einspielungen vorliegt - stellt m.E. nicht unbedingt eine Bereicherung der Diskographie dar.
Insgesamt kann man also sagen, dass Piaus Stärken eher bei den langsamen, getragenen Arien liegen, die ja auch auf der Platte deutlich in der Überzahl sind.

Fazit:
Eine insgesamt schöne Platte. Künstlerisch würde ich, ohne zu zögern, fünf Sterne verteilen. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass sich Piau auch mal einem anderen Komponisten zuwendet. Für Händelliebhaber, wie ich es einer bin, ist es mitunter ein wenig frustrierend, immer wieder dieselben Stücke hören zu müssen - auch wenn Vergleiche durchaus ihren Reiz haben. Daher gebe ich für Händelsammler nur eine eingeschränkte Kaufempfehlung ab. Möglicherweise sollte ein Sammler hier die Möglichkeit nutzen, sich einige ausgewählte Stücke als mp3 herunterzuladen, anstatt das ganze Album zu erwerben.


Coloraturas
Coloraturas
Preis: EUR 16,36

31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein Meilenstein - das geht auch besser..., 16. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Coloraturas (Audio CD)
Obwohl ich mich durchaus zu den Damrau-Fans zähle, finde ich "Coloraturas" summa summarum nicht wirklich überzeugend, was mehrere Gründe hat. Zum einen mutet schon die Arienauswahl sowie die Abfolge der Titel etwas befremdlich an: Nach Strauss' Ariadne kommt Rossinis Rosina, dann geht es mit Strawinsky weiter, bis im Anschluss auch noch (das übrigens völlig koloraturfreie) "O mio babbino caro" von Puccini zum Besten gegeben wird. Es wird hier auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch gesungen. Insgesamt also ein aus meiner Sicht ziemlich konzeptloses Potpourri an Arien. Falls Damrau damit ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen wollte, ist ihr dies nur bedingt gelungen, denn Referenzcharakter hat keiner der eingespielten Titel: Technisch und vor allem in Bezug auf die Komik ist ihr z.B. eine Dessay in "Glitter and be gay" weit überlegen. Mit Gruberovas legendärer Zerbinetta kann sich Damrau ebenso wenig messen wie mit der Ophelia von Sutherland. Und wenn man als Sopran schon "Una voce poco fa" aufnehmen muss, dann sollte man zumindest einige individuelle Verzierungen bieten, welche die Sopran-Interpretation rechtfertigen.
Möglicherweise sind die angeführten Mängel aber auch auf das Dirigat zurückzuführen: Ettinger dirigiert sehr zurückhaltend, mitunter sogar schleppend. Man hat als Hörer den Eindruck, als wäre der Maestro nicht gerade mit Herzblut an dem Projekt beteiligt. Bereits Gounods "Je veux vivre" wird behäbig, ja fast gleichgültig präsentiert. Vor allem aber den komischen Stücken fehlt der "Jeu d'esprit".

Fazit: Eine akzeptable Aufnahme - für Fans von Damrau natürlich dennoch unerlässlich. Trotzdem: Das geht auch besser - deshalb nur eine eingeschränkte Kaufempfehlung.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 24, 2013 1:57 PM MEST


Mad Scenes
Mad Scenes
Preis: EUR 10,51

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vorsicht! Keine Neueinspielungen..., 14. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Mad Scenes (Audio CD)
Ich möchte mit dieser Rezension nicht Dessays Leistung kritisieren, die ist nämlich tadellos. Und denjenigen, die noch keine CDs der französischen Primadonna besitzen, sei sie auch wärmstens empfohlen, denn sie bietet einige Highlights aus der Diskographie der Sopranistin - und das zu einem guten Preis.
Doch allen unaufmerksamen Dessay-Fans - wie ich dummerweise einer bin - sei gesagt: Es handelt sich bei dieser Platte um eine Best-of-Compilation, auf der kein neues Material zu hören ist. Daher ist etwas Vorsicht beim Kauf geboten, weil man genau hinsehen muss, um dies zu erfahren. Die Marketing-Abteilung hat hier wirklich gute Arbeit geleistet, weil das für diese CD kreierte Cover eine Neuerscheinung suggeriert...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 25, 2009 4:34 PM CET


Pyrotechnics-Opera Arias
Pyrotechnics-Opera Arias
Preis: EUR 21,99

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sensationelles Vivaldi-Album - Viva Vivica!, 14. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Pyrotechnics-Opera Arias (Audio CD)
Diskographisch ist es um Vivica Genaux bedauerlicherweise in der letzten Zeit etwas ruhiger geworden - abgesehen von ihrem recht kurzen Auftritt in Vivaldis "Atenaide" ist ihre letzte Aufnahme über drei Jahre her. Nun meldet sich die amerikanische Mezzo-Sopranistin mit einem vokalen Feuerwerk zurück, das seines Gleichen sucht. Mit "Pyrotechnics" widmet sich Genaux dem virtuosen Vivaldi und zeigt ihr Können auf eindrucksvolle Weise. Es ist fast unglaublich, mit welcher Virtuosität hier gesungen wird: Endlose Koloraturketten und Rouladen, Intervallsprünge über zwei Oktaven, perfekte Triller sowie staccato gesungene Noten werden dem staunenden Zuhörer in z.T. atemberaubendem Tempo präsentiert - und dies ohne nennenswerte technische Probleme. Es ist schon phänomenal, über welchen "langen Atem" Genaux verfügt. Gleich die erste Arie "Come in vano in mare irato" ist repräsentativ für das Album: Hier wird ein vokaler Sturm über mehr als zwei Oktaven entfesselt, der es der Sängerin kaum erlaubt, Atem zu holen. Bemerkenswert sind vor allem die z.T. wahnwitzigen Auszierungen der Dacapo-Teile. Vor allem in jenen Arien, die schon in etlichen Einspielungen vorliegen, zeigt sich Genaux' Mut zu Extremen - und ihre einzigartige Technik. Meines Erachtens überragt ihre Interpretation von "Agitata da due venti" die einer Bartoli, Kermes oder Cangemi noch. Sicherlich wird es auch kritische Stimmen geben, die der Ansicht sind, Genaux übertreibe etwas mit ihren Auszierungen - mir jedenfalls gefallen sie außerordentlich!
Gleichzeitig werden aber auch wunderbar ruhige Stücke dargeboten. Mein diesbezüglicher Favorit ist die Weltersteinspielung (?) von "Il labbro ti lusinga", einer Arie im galanten Stil, die keiner Oper Vivaldis direkt zugeordnet werden kann. Mit wunderschönen Trillern und Staccati und einer herrlichen Stimmführung zeigt hier Genaux, dass sie auch zarte Emotionen ausdrücken kann.
Auch Fabio Biondi und sein Ensemble müssen positiv erwähnt werden: Ihre Begleitung ist ähnlich souverän und virtuos wie der Gesang der Sängerin.

In gewisser Weise entwirft Genaux hier also das programmatische Gegenstück zu Kozenas Vivaldi-Album: Während die Amerikanerin ganz auf Virtuosität, Furor und Tempo setzt, betont die Tschechin den meditativen und ruhigen Vivaldi. Dies spiegelt sich übrigens auch in der Covergestaltung wider: rot, sinnlich, feurig vs. schwarz-weiß, kontemplativ, ruhig.

Fazit: Für mich persönlich das bisher beste Vivaldi-Album auf dem Markt. Endlich erhält Genaux den Rahmen, den sie braucht, um ihre einzigartige Musikalität und Virtuosität unter Beweis stellen zu können. Hoffentlich verkauft sich die Scheibe gut, damit in Zukunft möglicherweise auch ein "Sacrificium" mit Genaux produziert wird...
Kleiner Tipp für die ungeduldigen Fans: In GB wurde das Album bereits veröffentlich!


Italia 1600 Argentina 1900
Italia 1600 Argentina 1900
Preis: EUR 19,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Trotz einiger Highlights kein hundertprozentiger Volltreffer..., 6. November 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Italia 1600 Argentina 1900 (Audio CD)
Auf ihrem ersten Recital präsentiert die argentinische Sopranistin ein sehr bunt gemischtes Programm, welches vom Frühbarock (Monteverdi, Caccini) bis hin zu zeitgenössischer Musik (Guastavino, gest. 2000) reicht. Es wird also ein musikalischer Zeiraum von gut 400 Jahren abgedeckt. Und damit wären wir auch schon beim ersten Kritikpunkt: der Programmatik. Ich habe jedenfalls bei der Auswahl der Stücke keinen roten Faden erkennen können und finde es recht unpassend, nach Monteverdi die moderne, gitarrenlastige Musik von Astor Piazzolla hören zu müssen. Nur weil Cangemi beides irgendwann mal im Laufe ihrer Karriere gesungen hat, muss man es ja noch nicht gleich auf ein und dieselbe CD pressen.
Der Schwerpunkt des Programms liegt allerdings - zum Glück - eindeutig auf der italienischen Barockmusik: Hier gibt es neben Monteverdi und Caccini, die spätbarocke Musik von Händel, Porpora, Broschi und Vivaldi zu hören. Und hier lassen sich dann auch einige Schätze finden, so z.B. Porporas "Son fra l'onde", Vivaldis "Come in vane" aus Catone in Utica oder die fantastische Farinelli-Bravourarie "Son qual nave". Doch um es gleich vorweg zu sagen: Trotz einiger netter Auszierungen der Dacapo-Teile kann Cangemis Darbietung alles in allem nicht restlos überzeugen. Ihre Stimme wirkt doch auf Dauer arg substanzlos und weist kaum charakteristische Klangfarben auf. Auch die Koloraturen werden nicht immer ganz sauber gesungen und es kommt zu einigen Brüchen bei den Läufen in der hohen Lage.
Hier kann sie in direkter Konkurrenz zu Bartoli, die auf ihrem grandiosen Sacrificium-Album die Broschi-Arie ebenfalls singt, sicherlich nicht bestehen.

Fazit: Trotz einiger Highlights eine nur bedingt empfehlenswerte Aufnahme. Eine nicht immer überzeugende sängerische Darbietung sowie eine abstruse programmatische Zusammenstellung trüben den Hörgenuss doch ein wenig.


Colbran the Muse
Colbran the Muse
Preis: EUR 11,99

28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sensationelle Rossini-Platte!, 1. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Colbran the Muse (Audio CD)
Nach ihrer hervorragenden Naxos-Cenerentola und ihren spektakulären Bühnenerfolgen in dieser Partie war es nur eine Frage der Zeit, bis Joyce DiDonato auch ein Rossini-Recital aufnehmen würde. Nun liegt es vor: Programmatisch widmet sich die Platte der Starsängerin Isabelle Colbran, welche zunächst Rossinis Geliebte war und später seine Ehefrau wurde. Für sie komponierte Rossini viele (Titel-)Rollen seiner "ernsten Opern". Damit wendet sich DiDonato ein wenig von ihrem Bühnenrepertoire ab, welches bisher vor allem dem komödiantischen Rossini (Cenerentola, Barbier) gewidmet war.

Auf dieser Platte befinden sich nun Szenen und Arien aus Armida, Elisabetta, La donna Lago, Semiramide, Maometto II und Otello. Die Auswahl der Stücke erscheint mir zunächst sehr sinnvoll, denn es handelt sich ausschließlich um Frauenrollen. DiDonato macht hier also aus meiner Sicht nicht den Fehler ihrer Kollegin Elina Garanca und übernimmt Hosenrollen, für welche ihre Stimme viel zu feminin klingen würde.
DiDonatos sängerische Leistung ist - ich möchte fast sagen: selbstverständlich - phänomenal: Sie verfügt über einen wunderschönen, vollen, sehr samtigen und relativ hoch liegenden Mezzosopran, der mit seinen unterschiedlichen Klangfarben vor allem in ruhigen Passagen zu berühren weiß. Noch besser sind jedoch die schnellen Passagen: Ihre Technik ist hier geradezu sensationell. Sie kann Koloraturläufe in atemberaubender Geschwindigkeit singen, wobei es zu keinerlei Brüchen im Register kommt. Die Stimme ist immer perfekt moduliert und wirkt nie überstrapaziert. Atemprobleme treten auch bei den schwersten Läufen und Sprüngen nicht zutage. Außerdem sorgt DiDonato für die eine oder andere interessante Variation bei der Ausgestaltung der Arien (und zwar nicht nur im dacapo-Teil!). Lassen Sie sich also überraschen!

Trotzdem muss gesagt werden, dass viele der eingespielten Arien von den größten und berühmtesten Sängerinnen der Welt (u.a. Callas, Sutherland, Horne, Caballe, Larmore, Bartoli) aufgenommen wurden, sodass es natürlich etliche Vergleichsmöglichkeiten gibt. Hinzu kommt, dass nicht sicher gesagt werden kann, wie die Colbran tatsächlich geklungen haben mag. So wurden ihre Rollen sowohl von Sopranen als auch Mezzosopranen aufgenommen. Und hier ist es sicherlich Geschmackssache, welcher Interpretation bzw. Stimmlage man im Einzelfall den Vorzug gibt.
So gefällt mir beispielsweise - trotz einer sängerisch einwandfreien Leistung DiDonatos - der dramatische Sopran einer Callas oder Fleming in der Rolle der Armida einfach besser. Gleiches gilt für "Bel raggio" aus Semiramide: Hier finde ich die Sopran-Version (z.B. von Sutherland) einfach passender (vor allem in Abgrenzung zur Hosenrolle des Arsace).
Hingegen habe ich das "Tanti affetti" aus La donna del lago noch niemals so furios gehört. Daher ist es besonders erfreulich, dass DiDonato in der Partie der Elena demnächst in Genf debütieren wird. Auch die Elisabetta und Desdemonda sind fantastisch gesungen.

Besonders bedauerlich ist allerdings, dass keine Doppel-CD produziert wurde: Denn etliche weitere tolle - und seltener eingespielte - Colbran-Arien (u.a. aus Zelmira, Ermione, Mose und Riccardo e Zoraide) hätten von DiDonato sicherlich sensationell interpretiert werden können.

Kurzum: Trotz der genannten minimalen Einschränkungen ist das Album insgesamt sensationell und zeigt, dass DiDonato zu den besten Rossini-Sängerinnen der letzten 50 Jahre gezählt werden muss. Daher: absolute Kaufempfehlung!!
P.S.: Wer nicht bis zum 4. Dezember, warten will, um die Platte zu erwerben, sollte sich mal bei amazon.com umsehen...


Gloria
Gloria
Preis: EUR 19,99

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einmal "noch gut" und einmal "sehr gut" - insgesamt empfehlenswert - vor allem für Mingardo-Fans, 23. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Gloria (Audio CD)
Das bekannte "Gloria" (RV 642) von Vivaldi liegt schon in etlichen Einspielungen vor - meist zusammen mit Bachs "Magnificat". Auch Alessandrini hat dieses Werk im Jahr 2000 mit seinem Concerto Italiano eingespielt (bei Opus 111). Auch bei dieser Einspielung hat Sara Mingardo die Altpartie übernommen. Es liegt also der Verdacht nahe, dass das Label Naive einfach die alte Einspielung von 2000 in seine Edition aufgenommen hat, wie dies kürzlich bereits ärgerlicherweise mit der Oper "Farnace" geschehen ist. Dem ist aber nicht so: Bei dem "Gloria" auf dieser CD handelt es sich um eine Neueinspielung von 2009 mit anderen Sopranstimmen. Allerdings kann man die Neueinspielung durchaus etwas kritisch hinterfragen, denn von der Interpretation her sind im Vergleich zur 2000er-Aufnahme keine signifikanten Unterschiede festzustellen: Allessandrini geht extrem forsch an das Werk heran, denn die Tempi sind durchweg sehr zügig gewählt (was ihm bereits 2000 ziemliche Kritik eingebracht hat). Ich würde sogar sagen, dass der erste Sopran (Deborah York) 2000 besser war als Anna Simboli von 2009.
Interessanter ist ohnehin das zweite und weniger bekannte "Gloria" (RV 588), welchem eine zweisätzige, aus Arie und Rezitativ bestehende Einleitung (RV 639) vorausgeht. Die Abfolge sieht wie folgt aus:

Introduzione (RV 639): Aria "Jubilate o amoeni cori" (Alt)
Recitative "In tam solemni pompa" (Alt)
Aria "Sonoro Modulamine" (Alt) -- Gloria in excelsis Deo RV 588 (Chor)
Et in terra pax (Chor)
Laudamus te (Sopran I und II)
Gratias agimus tibi (Chor)
Domine Deus (Tenor)
Domine, Fili unigenite (Chor)
Domine Deus, Agnus Dei (Sopran)
Qui tollis peccata mundi (Chor)
Qui sedes ad dexteram Patris (Alt)
Quoniam tu solus sanctus (Sopran)
Cum Sancto Spiritu (Chor)

Erfreulicherweise wird die verhältnismäßig umfangreiche Altpartie auch hier von Sara Mingardo gesungen, um die es ja in letzter Zeit leider etwas stiller geworden ist. Auch wenn ich ein großer Fan von ihr bin, so muss ich dennoch sagen, dass sie in den schnellen Arien nicht mehr so souverän, voll und sicher klingt, wie dies in den Aufnahmen vor einigen Jahren noch der Fall war. Insbesondere produziert sie kaum noch ihre fantastischen Brusttöne (eine Tendenz, die mir schon auf der kürzlich erschienen Duett-Platte mit Piau etwas negativ aufgestoßen ist). Das ist ein kleiner Wermutstropfen! Allerdings singt sie ihr Largo "Qui sedes ad dexteram Patris" so berückend schön, dass sich allein schon deshalb die Anschaffung der Platte lohnt. Die anderen Solisten leisten in ihren kurzen Auftritten ordentliche Arbeit, allerdings ohne zu brillieren.
Auch dem ersten Gloria wird die Kantate "Ostra picta" vorangestellt. Diese wird solide von Monica Piccinini vorgetragen und ist eine gelungene Einstimmung auf das "Gloria".

Fazit:
Für Mingardo-Fans - trotz der genannten Einschränkungen - ohnehin ein Muss. Auch das zweite Gloria liegt in einer exemplarischen Interpretation vor. Ansonsten hätte ich mir in Bezug auf das erste Gloria eine von der 2000er-Version mehr differierende Interpretation gewünscht - alles in allem 4,5 Sterne.


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