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Bajazet30 (Göttingen, Niedersachsen)

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Vivaldi: Ercole sul Termodonte
Vivaldi: Ercole sul Termodonte
Preis: EUR 12,97

50 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Plattenrekord, der nur empfohlen werden kann!, 26. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vivaldi: Ercole sul Termodonte (Audio CD)
Diese Aufnahme dürfte wohl unter Vivaldi-Fans die spannendste Neuerscheinung des Jahres sein: "Ercole sul Termodonte" wurde von Fabio Biondi anhand des Librettos aus größtenteils bekannten Arien Vivaldis, die durch weitere Einlagen ergänzt wurden, rekonstruiert. Seine Zusammenstellung mag philologisch anfechtbar und in Teilen auch spekulativ sein, effektvoll und überzeugend ist sie allemal geraten - und darum geht es ja letztendlich.
Noch erwähnenswerter: Selten war eine Einspielung derart prominent besetzt wie die vorliegende. Die Superstars der Barockszene (Genaux, Basso, Lehtipuu, Jaroussky) treffen auf Superstars der Opernszene.
Am prominentesten (und vermutlich auch um umstrittensten) dürfte dabei Villazon sein, der hier die Rolle des Titelhelden übernimmt. Dies bedeutet allerdings bei Vivaldi nicht, dass ihm dadurch eine exponierte Stellung zuteil wird (im Gegenteil - auf der gesamten ersten CD hat er nur eine Dreiminutenarie). Villazon reiht sich also gleichberechtigt in die Riege von Stars ein, wobei ich seine Leistung insgesamt recht überzeugend finde: Er verkörpert Herkules mit potenter Männlichkeit (d.h. hier opulenter Stimmgewalt) und betont dadurch die physische Stärke des Charakters. Allerdings klingt er stellenweise etwas "veristisch" und mehr wie ein Bariton als ein Tenor. Sicherlich ist Villazon auch kein Barocksänger und Kritiker, die seine Händel-Platte nicht mochten, werden in ihm vermutlich auch hier eine Fehlbesetzung sehen. Ich tue das nicht. Und wenn sein Name dazu beiträgt, den Opernkomponisten Vivaldi bekannter zu machen, ist dies umso erfreulicher.
Das übrige Ensemble ist freilich über jede Kritik erhaben: Ich wüsste nicht, wen ich hier besonders hervorheben würde: DiDonato für ihre wunderschöne Stimmführung, Genaux für ihre Akrobatik, Ciofi für ihre Kultiviertheit, Jaroussky für seine Virtuosität usw.
Perfekter und einheitlicher gab es noch keine Besetzung einer Barockoper.
Auch Fabio Biondi und sein Ensemble müssen nicht mehr extra erwähnt werden und bekommen das Prädikat: "Perfekt wie immer".

Doch genau in dieser Tatsache liegt einer der beiden Wermutstropfen: Die technischen Anforderungen an die Sänger halten sich in "Ercole" insgesamt in relativen Grenzen, was insofern ärgerlich ist, dass ich mir die Traumbesetzung dieser Oper in den wirklich anspruchsvollen Kastratenopern gewünscht hätte. Aber Komponisten wie Jommelli, Terradellas oder Porpora lassen sich nun mal nicht so gut vermarkten wie Vivaldi oder Händel. Erstere werden deshalb meist nur von mittelmäßigen Sängern interpretiert wie z.B. kürzlich die hochvirtuose Serenade "Marc'Antonio E Cleopatra" von Hasse. Schade, dass Biondi die Top-Stars nicht für solche Projekte zusammenführen kann.
Kurzum: Die Sängerbesetzung ist großartig und erfreulich, aber für diese Oper wäre sie nicht unbedingt zwingend vonnöten gewesen, zumal die meisten Arien extrem kurz gehalten sind. Dies ist also anders als bei Biondis erstem Vivaldi-Projekt "Bajazet", welches der Sängerriege absolute Höchstleistung abverlangte.
Der zweite Wermutstropfen betrifft nur die eingefleischten Vivaldi-Fans: Viele der Arien liegen bereits in wirklich guten Einspielungen vor, sodass der Reiz des Neuen ein wenig fehlt.

Fazit:
Trotz der Einschränkungen, die ja grundsätzlicher Natur sind, muss schlussendlich Folgendes konstatiert werden: Hier gibt es einen Plattenrekord in Bezug auf die Besetzungsliste (nur Simone Kermes fehlt!) sowie ein exzellentes Dirigat zu feiern, welche diese CD zu einem absoluten Hörgenuss machen. Daher: absolute Kaufempfehlung!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 9, 2013 6:33 PM MEST


Arie Per Tenore
Arie Per Tenore
Preis: EUR 21,98

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Muss für eingefleischte Vivaldi-Fans!, 22. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arie Per Tenore (Audio CD)
Nun ist es also heraus: Das erste Vivaldi-Recital überhaupt, das ausschließlich Tenor-Arien enthält. Für diese Premiere gibt es auch einen Grund, denn Vivaldi komponierte vorwiegend für Kastraten und Soprane und kaum für Tenöre. In der amazon-Produktbeschreibung wird dies wie folgt erklärt:

"Antonio Vivaldi war nicht nur Komponist und Pädagoge, sondern betätigte sich auch als Musikunternehmer, der Produktionen auf die Bühne brachte und neue Talente entdeckte. So wurde er über die Jahre zu einem gewieften Geschäftsmann, der sich weigerte, der damaligen Mode zu folgen, sämtliche Hauptrollen für Kastratenstimmen zu schreiben. Deren astronomische Gagenforderungen konnten eine Opernunternehmung sehr schnell an den Rand des Ruins bringen."

Dies mag auch erklären, warum die meisten Arien des Recitals recht einfach aufgabaut und kurz gehalten sind. Sie sind sicherlich nicht vergleichbar mit jenen Bravourarien, die Vivaldi für die Stars der Szene schrieb und die von Kermes, Genaux, Jaroussky oder Bartoli so eindrucksvoll eingespielt wurden. Trotzdem finden sich auch hier etliche Perlen, die Vivaldis Musik immer wieder so reizvoll machen wie z.B. das virtuose "Va superbo quel vassallo" oder das wunderbar elegische "Fido amante".
Topi Lehtipuu ist nahezu ein idealer Barocksänger, weil er mit den Läufen und Koloraturen der Arien keine Probleme hat. Außerdem singt er sehr stilsicher (mal sehen, wie Villazon dies in Ercole hinbekommt!). Lehtipuus Problem besteht eher darin, dass seine Stimme kaum charakteristische Klangfarben aufweist. Verbunden mit der hohen Abfolge der 15 Arien führt dies nach einer Weile zu einer gewissen Monotonie. Deshalb ist es nicht unbedingt ratsam, sich das Album in einem Stück anzuhören. Sehr erfreulich ist zumindest, dass ein Concerto und der Schlusschor (Melodie zu den "Vier Jahreszeiten") für etwas Abwechslung sorgen.
Absolut fantastisch ist die Begleitung durch "Il Barocchisti" unter Fasolis: Zügige Tempi und eine akzentuiert-dynamische Herangehensweise, ohne dabei zu überdrehen oder in Klangexzesse a la Spinosi zu verfallen.

Fazit:
Trotz der Einschränkungen gebe ich fünf Sterne, da die angeführten Kritikpunkte in einer alternativen Einspielung vermutlich genauso aufgetreten wären. Editorisch und interpretatorisch kann es hier ohnehin nur die volle Punktzahl geben. Tendenziell ist die Aufnahme aber eher etwas für Spezialisten bzw. eingefleischte Vivaldi-Fans.


Vivaldi: Ottone in villa
Vivaldi: Ottone in villa
Preis: EUR 21,37

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute Einspielung einer insgesamt etwas schematisch angelegten Oper, 14. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Vivaldi: Ottone in villa (Audio CD)
Wie immer habe ich diese Oper bereits bei amazon.fr erworben, weil ich sehr neugierig auf die neuste Produktion aus dem Hause Naive war.

"Ottone in villa" ist Vivaldis erste Oper überhaupt. Sie wurde 1713 für das neu eröffnete Opernhaus in Vincenza komponiert. "Ottone" ist ein relativ kleinformatiges Werk: Es erfordert lediglich fünf Sänger, keinen Chor, keine komplizierten szenischen Effekte und nur ein kleines Orchester (ohne Blechbläser). Außerdem besteht die Oper - abgesehen vom Schlusschor - nur aus der Abfolge von Rezitativen und Arien, die zudem relativ kurz gehalten sind (nur eine Arie dauert länger als fünf Minuten).
Die Handlung ist etwas wirr, aber im Kern einfach: Die neckische Cleonilla hat die Oberhand über den liebestollen Ottone, der durchweg an der Nase herumgeführt wird und eine eher unwürdige Gestalt abgibt.
Alles in allem muss man konstatieren, dass es sowohl musikalisch als auch vom Sujet her sicherlich spannendere und abwechslungsreichere Opern von Vivaldi gibt. Ich würde daher diese Oper nicht unbedingt Einsteigern empfehlen. Trotzdem gibt es natürlich auch hier jene Highlights anzutreffen, die Vivaldis Musik immer wieder so extrem reizvoll machen, wie z.B. eine fantastische Ouvertüre (Sinfonia), eingängige Melodien und tolle Bravourarien (Highlight: Gelosia!).

Interessant macht diese Aufnahme vor allem, dass es bereits eine Einspielung von Rang gibt - eine weitere mit Pace und Cristoffelis ist zu vernachlässigen, die von Brilliant kenne ich (leider noch) nicht! -, die in Konkurrenz zu dieser steht: Hickox nahm "Ottone" 1997 mit einem exquisiten Ensemble auf. Daher war ich neugierig, ob Naive eine interessante Alternative bieten kann. Darauf gibt es nur eine Antwort: ja!
Natürlich bietet Naive eine tolle Sängerriege auf: Prina, Cangemi, Invernizzi und Lehtipuu gehören ja quasi schon zur Stammbesetzung der Vivaldi-Edition. Ihre Leistungen sind wie immer tadellos. Nur einen Neuzugang gibt es: Julia Lezhneva gibt hier ihr Plattendebüt - und was für eins! Kennern ist sie mit ihrer Interpretation von Bravourarien auf youtube durchaus schon ein Begriff. Nun wird sie endlich auch ins Studio eingeladen. Die Sopranistin ist technisch grandios und singt die anspruchsvollste Partie der Oper technisch ohne Fehl und Tadel, wenngleich auch (noch) etwas mechanisch.
Reizvoll ist auch, dass Antonini einen anderen Zugriff auf das Werk als Hickox hat: Er wählt zunächst einmal durchweg zügerige Tempi und ein sehr akzentuiertes Dirigat. Hickox hingegen klingt weicher und samtiger, vielleicht stellenweise auch "schöner". Trotzdem bleibt es Geschmackssache, welchen Zugriff man bevorzugt.

Fazit:
Insgesamt eine wirklich gute Aufnahme, die ich insgesamt der Hickox Einspielung einen Tick vorziehen würde (wegen der etwas besseren Sänger).
Einsteiger in Vivaldis Opernschaffen würde ich aber eher zu einem "Tito Manlio", einer "Griselda" oder der "La fida ninfa" raten.


Rossini: Ermione
Rossini: Ermione
Preis: EUR 39,16

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beste Studioaufnahme, aber mit sängerischen Schwachstellen, 24. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Rossini: Ermione (Audio CD)
"Ermione" wurde von Rossini 1818 komponiert und 1819 in Neapel uraufgeführt. Die Titelpartie wurde von der Starsopranistin Isabella Colbran gesungen, für die Rossini viele seiner weiblichen Hauptrollen kreierte. Zwar fiel die Oper damals beim Publikum durch, was an der etwas verworrenen Handlung gelegen haben mag, doch enthält sie einige der schönsten und anspruchsvollsten Stücke, die Rossini jemals komponiert hat. Obwohl Rossini "Ermione" persönlich sehr schätzte, fristet die Oper in der Rossini-Diskographie bis heute ein relatives Schattendasein. So gibt es nur noch eine Studioeinspielung mit Cecilia Gasdia unter Scimone aus den 80-igern, die sicherlich nicht mehr den heutigen Standards entspricht. Insofern war ich sehr neugierig auf die Opera Rara-Aufnahme - und wurde doch ein wenig enttäuscht. Doch zunächst einmal das Positive: Der Klang der Aufnahme ist voll, schmissig und satt, vielleicht manchmal ein bisschen zu wuchtig, ganz wie man das bei Opera Rara eben kennt, wenn Parry am Pult steht. Auch der Chor ist vorzüglich. Nicht ganz so einheitlich sieht die Sache bei der Besetzung der Rollen aus. Rossinis Opern leben von dem Können der Protagonisten - und die müssen eine ganze Menge können. Und da wären wir auch schon bei den Probleme: Carmen Giannattasio als Ermione kann nicht hundertprozentig überzeugen: Ihre Stimme klingt teilweise wenig klangschön, die Höhen sind forciert und der Brustbereich nur recht dünn ausgebildet. Sie besticht zwar durch Einsatz, wirkt aber insgesamt zu sehr gehetzt und getrieben. Im Vergleich zu Sonia Ganassi (DVD bei Dynamic) schneidet Giannattasio nicht gut ab. Das noch größere Problem ist die Besetzung der ebenfalls sehr anspruchsvollen Rolle der Andromaca, die von Patricia Bardon gesungen wird. Zunächst unterscheidet sich ihre Stimme kaum von der Giannattasios. Auch wenn sie viel riskiert, wird doch deutlich, dass Ihre Stimme für Rossini zu klein ist. Sie hat so gut wie keine Tiefe, klingt oft sehr quäkig, forciert in der Höhe und hat hörbar Mühe sich gegen das Orchester durchzusetzen. Besser sieht es indes bei den Männern auch: Die drei Tenöre (Colin Lee, Paul Nilon und Bülent Bezdüz) sind agil, relativ stilsicher und im Wesentlichen klangschön.
Trotzdem: Es gibt bessere Aufnahmen. Ganassi, Pizzolato, Kunde und Siragusa sind einfach eine Klasse besser und man kann nur hoffen, dass deren Live-Aufnahme auch noch auf CD veröffentlicht wird (vielleicht ja wieder bei Naxos).
Auch ein Live-Mitschnitt aus Pesaro von 1987 mit Caballe, Horne, Blake und Merritt in den Hauptrollen offenbart, dass noch Luft noch oben besteht.

Fazit:
Bisher beste Studio-Aufnahme, allerdings wäre Opera Rara ein noch besseres Sängerensemble zu wünschen gewesen: Didonato, Ganassi, Garanca oder vielleicht sogar eine Fleming wären als Ermione sicherlich die bessere Wahl; ähnliches gilt für eine Tro Santafe, Pizzolato, Custer als Andromaca . Naja, man kann eben nicht alles haben...


Sospiri (Prestige Edition)
Sospiri (Prestige Edition)
Preis: EUR 18,51

60 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Decca will mal wieder Geld verdienen - mit Erfolg, 8. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Sospiri (Prestige Edition) (Audio CD)
Bei der Bewertung dieser CD muss man meines Erachtens differenziert vorgehen: Zunächst handelt es sich bei dieser Platte im Wesentlichen um eine Compilation, d.h. die meisten Stücke sind bereits veröffentlicht worden. So gibt "Sospiri" einen Einblick in die Diskographie der Cecilia Bartoli und enthält einige ihrer beliebtesten Aufnahmen. Dabei handelt es sich um berühmte Melodien von Händel und Mozart über Belcanto-Stücke von Bellini und Rossini bishin zu Faure.
Jenseits aller künstlerischen Qualität, die, abgesehen von den Bellini-Stücken, wirklich sehr hoch ist, bedeutet dieser Umstand für Bartoli-Fans vor allem eines: Das meiste besitzen sie bereits. Daher kam Decca auf eine sehr schlaue Idee: Auf dem Album befinden sich auch zwei Raritäten, die bislang nicht auf Tonträger zu bekommen waren. So singt Bartoli exklusiv für die Prestige-Edition die Welterstaufnahme der Arie "Cervo in bosco" des Barockkomponisten Leonardo Vinci, die einst zu den Lieblingspartien des berühmten Kastraten Farinelli gehört hatte. Außerdem gibt es noch eine Neuaufnahme von Rossinis "Una voce poco fa" zu hören. Und diese beiden Stücke kann man sich NICHT als mp3-Format herunterladen - im Gegensatz den anderen Stücken der CD (übrigens hätte man Vincis Arie auch sehr bequem bereits auf der Zusatz-CD zur Deluxe-Edition des "Sacrificium-Albums" unterbringen können). Sehr geschäftstüchtig also, denn genau aus diesem Grund habe ich die CD gekauft; natürlich sind die Raritäten ausschließlich auf der teureren Prestige-Edition enthalten. Ehrlich gesagt, finde ich diese Art der Geschäftemacherei ein bisschen frech.

Trotzdem:
"Greatest-Hits-Alben" bringen Käufern sowie Produzenten meist ordentlich Profit. Für Einsteiger ist die CD nämlich sehr zu empfehlen, denn sie zeigt eine Art Retrospektive von über 20 Jahren Bartoli, die sich lohnt. Allerdings muss ich Decca zwei Sterne abziehen wegen übertriebener Profitgier...
Kommentar Kommentare (12) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 15, 2013 2:21 AM MEST


Passionen, Weihnachtsoratorium & Kantaten (Limited Edition)
Passionen, Weihnachtsoratorium & Kantaten (Limited Edition)
Preis: EUR 58,38

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartiges Preis-Leistungsverhältnis, 4. September 2010
Einige Kritikpunkte, die von den Vorrezensenten angeführt werden, sind in der Sache zwar grundsätzlich richtig wie z.B. die mangelhafte Qualität des Beihefts, die missverständliche Bezeichnung der Kantaten oder die "billige" Gestaltung der Box. Und auch der Hinweis darauf, dass es von vielen Werken inzwischen bessere oder zumindest gleichwertige Einspielungen gibt, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.
Fakt ist aber auch, dass die Box 22 CDs enthält und zwar zu einem Stückpreis von etwa zwei Euro - und das macht sie mehr als attraktiv. Hinzu kommt, dass hier kein billiger Ramsch recycelt wird (wie z.B. bei einigen Händel- und Bach-Boxen in der letzten Zeit), sondern Interpretationen geboten werden, die lange Referenzcharakter besessen haben und teilweise auch noch besitzen (wie z.B. die h-moll Messe). Und auch die Klang- und Aufnahmequalität ist sehr gut zu nennen. Daher eignet sich die Box wunderbar als Geschenk für Einsteiger in Bachs Vokalwerk. Keine der Einspielungen ist hier als obsolet oder "angestaubt" zu bezeichnen, nur weil man Gardiners Interpretationsansatz vielleicht nicht mag. Gerade die von einigen Rezensenten so häufig monierten schnellen Tempi, die Gardiner fast durchgängig wählt, lassen meines Erachtens die fantastische Leistung des Monteverdi-Chors und der EBS nur noch deutlicher zu Tage treten. Übrigens sind einige von Gardiners Epigonen in ihren Interpretationen noch wesentlich rasanter wie z.B. Goebel ("Weltliche Kantaten"), Jacobs ("Weihnachtsoratorium"), Minkowski ("h-moll Messe") oder McCreesh ("Magnificat").
Musiziert und gesungen wird hier jedenfalls auf sehr hohem Niveau.
Für die meisten Bach-Fans dürfte die Box indes ohnehin uninteressant sein, da sie die einzelnen Aufnahmen sowieso schon besitzen (und einst ein kleines Vermögen dafür bezahlt haben).

Fazit:
Ein guter Einblick in Bachs Vokalwerk, auf hohem Niveau interpretiert und dies zu einem sensationellen Preis.
Daher: absolute Kaufempfehlung!


Händel: Italienische Kantaten Vol.6 - Olinto Pastore (Kantaten HWV 81/82/143)
Händel: Italienische Kantaten Vol.6 - Olinto Pastore (Kantaten HWV 81/82/143)
Preis: EUR 19,62

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bisher beste Einspielung von Bonizzoni, 29. August 2010
Die Werke der sechsten Einspielung von Händels italienischen Kantaten stehen erneut in enger Verbindung mit der römischen "Academia degli Arcadi" und Händels wohl wichtigstem italienischen Förderer, dem Marchese Ruspoli (dem ja eine homoerotische Affinität zu dem jungen Händel nachgesagt wird).
Litten vor allem die Anfangswerke in der Edition noch etwas unter einer mechanischen und sehr zurückhaltenden Herangehensweise, so trifft dies erfreulicherweise auf diese Einspielung nicht mehr zu. Abgesehen von einer hervorragenden Ensembleleistung kann vor allem das "Herzstück" überzeugen. Die Serenata für zwei Soprane, Alt und Orchester "Olinto, pastore arcade", eine Huldigung an Papst Clemens XI., dem eine glorreiche Zeit voraussagt wird, ist meines Erachtens eine der besten Kantaten Händels überhaupt. Erstaunlich, dass sie so unbekannt ist. Händel präsentiert sich hier bereits als ausgereifter Komponist, der die Affekte seiner Charaktere meisterhaft herausarbeiten kann. Auch die Theatralik kommt - trotz formaler Zwänge und einer sparsamen Orchestrierung - nicht zu kurz.
Außerdem ist auf der Platte noch das verhältnismäßig bekannte Duello amoroso für Sopran, Alt und Orchester zu hören.
Fabio Bonizzoni und sein Ensemble, die Sopranistinnen Roberta Invernezzi und Yetzabel Arias Fernández sowie die Altistin Romina Basso singen meisterhaft und mit Verstand. Es ist offensichtlich, dass die Künstler die Startschwierigkeiten abgelegt haben und zu einer in sich schlüssigen Interpretation gelangen, die kaum Wünsche offen lässt.

Fazit: Die bisher beste Einspielung der Edition, die Lust auf mehr macht. Absolute Kaufempfehlung!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 28, 2012 11:48 PM CET


Habanera
Habanera
Preis: EUR 13,97

14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wunderschöne Stimme, tolle Technik, gutes Aussehen - aber (leider) kein spanisches Feuer, 27. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Habanera (Audio CD)
Garanca legt hier ein sehr populäres Klassikalbum vor, welches sicherlich eine noch breitere Käuferschicht anspricht als beispielsweise ihre Belcanto-Platte. Und in der Tat dürfte gerade nicht eingefleischten Klassikfans das hier eingespielte Repertoire sehr entgegenkommen: Romantische, leidenschaftliche - und bisweilen komödiantische - Schmachtfetzen (das ist nicht negativ gemeint), die zum Träumen einladen, und dabei aus aller Herren Länder stammen, wobei der Schwerpunkt stets auf spanischem Kolorit liegt.
Doch Ironie des Schicksals: Aus meiner Sicht weist die Platte fast dieselben Mängel auf wie viele von Garancas Recitals. Garanca ist zwar sympathisch, besitzt eine wunderschöne Stimme und eine tolle Technik, aber viel zu wenig Ausdruck: Es reicht eben doch nicht, zu meinen, Zarzuelas singen zu können, nur weil der Ehemann aus Marokko stammt (vgl. amazon-Produktbeschreibung oben). Ironie des Schicksals: Gerade das von Garanca im Videostream geforderte "spanische Temperament", welches sie als Voraussetzung für eine gute Interpretation selbst einfordert, fehlt ihr bedauerlicherweise völlig. Tut mir leid, aber Temperament kommt von innen und muss authentisch sein und darf nicht so aufgesetzt wirken wie auf dieser Aufnahme (dies gilt auch für das Promotionvideo).
Übrigens ist es sehr interessant, dass die ursprüngliche amazon-Produktbeschreibung exakt dieses Manko angesprochen hat. Inzwischen ist diese aber wieder gelöscht und durch eine positivere ersetzt worden...

Fazit:
Der Verkaufsrang gibt Garanca und ihrer Produktionsfirma Recht - die Platte ist ein (kommerzieller) Erfolg. Interpretatorisch gibt es Besseres. Trotzdem werden viele diese Platte mangels Vergleichsmöglichkeiten mögen - und das ist eigentlich auch gut so, denn die Musik IST einfach toll!

Nachtrag:
Was mich an der Platte wirklich stört, hätte ich vielleicht noch etwas differenzierter bzw. anders darlegen sollen: Es geht um die offensichtliche Marketing-Strategie hinter der Scheibe, die ich als äußerst bedenklich empfinde, aber die leider immer besser funktioniert.
Man nehme:
Spanische Erotik + sexy Frau auf Cover + eingängige und teilweise bekannte Melodien + medienwirksames Marketing
= erfolgreiche Platte
Und ich finde, genau DIESE Strategie merkt man der Platte irgendwie an, die natürlich - das will ich gern zugeben - fantastisch "produziert" wurde. Vermutlich wird sich die nächste Platte Händel oder Vivialdi widmen, die verkaufen sich ja momentan recht gut... Und die Begründung im Booklet, warum gerade diese Musik aufgenommen wird, finde ich deshalb - mit Verlaub - etwas fadenscheinig. Eine Sängerin von dem Format und dem Potential einer Garanca könnte ruhig auch mal was riskieren. Warum singt sie nichts Modernes? Nichts Unbekanntes? Nichts "Hässliches"? Oder lettische Lieder? Bartoli - man mag zu ihr stehen, wie man will - ist da jedenfalls wesentlich mutiger.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 30, 2012 11:47 AM MEST


San Filippo Neri
San Filippo Neri
Preis: EUR 10,98

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gutes Preis-Leistungsverhältnis, 22. August 2010
Rezension bezieht sich auf: San Filippo Neri (Audio CD)
Im Katalog des Billig-Labels Brilliant sind durchaus einige Highlights anzutreffen - allerdings handelt es sich dabei häufig um Wiederaufnahmen von bereits bei anderen Labeln erschienenen Produktionen. Dies ist in diesem Fall anders: "San Filippo Meri" ist eine Eigenproduktion. Das Oratorium, zu welchem der Kardinal Ottoboni - der u.a. auch Händel gefördert hat - das Libretto verfasste, wurde 1705 in Rom uraufgeführt. Inhaltlich orientiert sich das Werk ganz der damals in Rom vorherrschenden Mode, ein theologisches Problem musikalisch zu erörtern. In umfangreichen Dialogen muss sich Filippo Neri (der Erfinder des Oratoriums, 1515-1595) mit den drei christlichen Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung und Liebe auseinandersetzen. Sicherlich ein für das heutige Publikum nur wenig reizvolles Sujet. Um mehr über das Werk zu erfahren, muss die der Produktion beigelegte CD-ROM in den Computer eingelegt werden. Ob die Druckkostenersparnis diese CD-ROM wert ist, ist allerdings fraglich. Trotzdem: Eine 6 Seiten umfassende Einführung in das Werk ist mehr, als die meisten anderen Billig-Labels bieten. Auf eine deutsche Einführung muss der Hörer hierzulande allerdings verzichten.
Daher gilt: Die Musik ist das Entscheidende.

Trotz schöner Melodien und Arien hat mich persönlich die Aufnahme nicht wirklich überzeugen können, was mehrere Ursachen hat: Zum einen empfinde ich das Dirigat als zu wenig akzentuiert, alles klingt etwas breiig, zu wenig zupackend - einfach zu unspannend. Da die Arien allesamt recht kurz sind, kommt doch mit der Zeit ein wenig Langeweile auf.
Hinzu kommt, dass die Sängerinnen und Sänger - abgesehen vielleicht von Manuela Custer - nicht auf höchstem Niveau singen. Insbesondere der Sopranistin Frisani und der Counter Lazzara haben doch hörbare technische Schwierigkeiten bzw. sind wenig klangschön.

Alles in allem stimmt aber das Preis-Leistungsverhältnis hundertprozentig. Allerdings reicht diese Aufnahme nicht ansatzweise an die grandiose Einspielung von La Santissima Trinita" unter Fabio Biondi heran. Für mich die absolute Referenz in Sachen Scarlatti.
Daher: Viel falschmachen kann man hier nicht. Ich wäre allerdings bereit mehr auszugeben, um mehr Qualität zu erhalten.


Die Italienerin in Algier
Die Italienerin in Algier
Preis: EUR 15,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Top-Aufnahme mit (eingeschränktem) Referenzcharakter, 15. Juli 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Italienerin in Algier (Audio CD)
Von Rossinis zweitbekanntester Oper existieren etliche Einspielungen - allerdings ist keine hundertprozentig überzeugend, weil es immer mindestens einen Schwachpunkt zu bemängeln gibt, so auch bei der aus meiner Sicht bisherigen Referenzaufnahme mit Marilyn Horne unter Scimone, die bedauerlicherweise einen inadäquaten Lindoro (Ernesto Palacio) verkraften muss.
Von daher gesehen war ich sehr neugierig auf diese Live-Einspielung aus Bad Wildbad, denn die Besetzungsliste ist äußerst vielversprechend (Pizzolato, Brownlee, Regazzo). Ich würde auch so weit gehen, dieser Aufnahme einen Referenzcharakter zuzubilligen, weil sie als Gesamteinspielung den ausgewogensten Eindruck hinterlässt, selbst wenn andere Aufnahmen in Teilbereichen besser gelungen sind.
Das Hauptverdienst gebührt wohl einmal mehr Altmeister Zedda am Pult, der es schafft, ein relatives Provinzorchester zu Höchstleistungen zu animieren. Er dirigiert flott, mit Esprit und einem ungeheuren Gespür dafür, was die Fähig- und Fertigkeiten seines Ensembles angeht. Er ist für mich persönlich der beste Rossini-Dirigent überhaupt.
König der Aufnahme ist neben Zedda ohne Zweifel der Tenor Lawrence Brownlee, der immer noch ein wenig im Schatten von Florez steht, obwohl seine Sangeskünste mindestens ebenso beeindruckend sind. Was er als Lindoro hier abliefert, ist schlichtweg atemberaubend: Er singt die Koloraturen blitzsauber, in unglaublicher Geschwindigkeit und hat mit der hohen Tessitura seiner Partie nicht die geringsten Probleme. Er ist für mich mit weitem Abstand der beste Lindoro auf einer Gesamtaufnahme. Eine ebenfalls tadellose Leistung liefert Lorenzo Regazzo als Mustafa ab. Er hat ebenfalls keinerlei Schwierigkeiten mit den Tücken der Partie und er besitzt als Italiener das notwendige komödiantische Talent. Allerdings hat seine Stimme nicht ganz so viel Substanz wie die eines Ramey oder Raimondi.
Doch kommen wir nun zur Protagonistin der Oper: Marianna Pizzolato als Isabella. Von ihr war ich leider etwas enttäuscht. Vermutlich lag dies daran, dass ich noch ihre phänomenale Leistung als Malcolm (Naxos "La donna del lago") im Ohr hatte und entsprechende Erwartungen hatte. Freilich hat sie keine nennenswerten Probleme mit den technischen Schwierigkeiten der Partie, doch geht sie mir persönlich zu wenig an ihre Grenzen. Sie klingt fast ein bisschen routiniert und riskiert nichts (keine Auszierungen der Kadenzen, keine Spitzentöne etc.). Auch ein komödiantisches Talent, wie es Horne so eindrucksvoll zelebriert, ist kaum erkennbar. Übrigens tritt dieses Manko bereits auf der Live-Aufnahme aus Pesaro (unter Renzetti) zutage.
Das übrige Ensemble ist ebenfalls recht gut, besonders der Taddeo von De Simone.

Fazit:
Alles in allem würde ich der Aufnahme einen Referenzcharakter zubilligen, weil die Leistung des Ensembles am homogensten unter allen Gesamteinspielungen ist. Hinzu kommt der unschlagbare Preis, sodass man hier auf jeden Fall nichts falsch machen kann.


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