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Rezensionen verfasst von
Phaidon

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Die Anjou-Plantagenets: Die englischen Könige im Europa des Mittelalters (1100-1500)
Die Anjou-Plantagenets: Die englischen Könige im Europa des Mittelalters (1100-1500)
von Dieter Berg
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zeitstrahl mit Füllsätzen, 21. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Werk tritt mit dem Anspruch an, die bislang in Deutschland angeblich unterbliebene angemessene Würdigung der Anjou- Plantagenets nachzuholen und eine Ereignisgeschichte von Heinrich II. an zu erzählen, sowie inhaltliche Schwerpunkte auf die sozialen und kulturellen Entwicklungen zu legen. Es soll eine Betrachtungsweise gewählt werden, die das Inselreich England weniger isoliert sieht, sondern als Teil der christlichen Reiche im Abendland würdigt. So steht es im Klappentext und im Vorwort. Dies spiegelt vermutlich auch den guten Vorsatz des Verfassers.

Leider ist es dann ausschließlich eine Ereignisgeschichte geworden und zwar in dem Sinne, dass, wie bei einem Zeitstrahl, ein Ereignis an das andere gereiht wird, ohne dass eine Gliederung des Stoffs oder eine Schwerpunktbildung erkennbar wäre. Es wird auch nicht einmal ansatzweise Wichtiges von Unwichtigem unterschieden. Man fragt sich, für wen dieses Buch gedacht sein könnte, denn diejenigen, die mit der Ereignisgeschichte vertraut sind, werden dieses Werk flach und oberflächlich, um nicht zu sagen langweilig finden, während diejenigen, die sich erst mit der Geschichte der Plantagenets vertraut machen wollen, schier überrollt werden von vielen Daten und Fakten. Denn die Hintergründe vieler Ereignisse werden ja gerade nicht aufgezeigt, sondern eben nur die Ereignisse selbst aneinander gereiht.

Es ist nun einmal ein Dilemma, wenn man es mit langen Zeiträumen zu tun hat, über welche man sehr ausführlich berichten will und gleichzeitig ein Buch dabei herauskommen soll, welches nur etwas über 300 Seiten haben soll. Es gibt so viele handelnde Personen und Verwicklungen, die alle irgendwie gewürdigt werden wollen.
Hier gibt es nur zwei Lösungen: entweder man listet die Ereignisse gründlich auf einem Zeitstrahl hintereinander auf und verzichtet auf jegliche Erklärung. Dabei kommen dann vortreffliche historische Hilfsmittel heraus.
Oder man muss gewichten, den Stoff auswählen und auch bei chronologischem Aufbau des Werkes eine Auswahl der näher zu beleuchtenden Umstände treffen, was zur Folge hat, das andere Ereignisse notwendigerweise in den Hintergrund treten.

Der Verfasser des vorliegenden Werkes wollte offenbar einen dritten Weg gehen: alle Ereignisse darstellen und zu allem (irgend-) etwas sagen. Das funktioniert nicht.
Dabei zeigt der Verfasser, dass er durchaus in der Lage ist, gute Sätze zu formulieren. Diese Formulierungskunst in bezug auf den einzelnen Satz nützt hier jedoch gar nichts, denn herausgekommen ist eine wirklich lieblose Aneinanderreihung solcher Sätze.
Seinen eigenen Anspruch hat der Verfasser klar verfehlt, auch wenn ihm eine mühevolle Arbeit an dem Buch nicht abgesprochen werden soll. Schade.


Die Kometenjäger: Roman
Die Kometenjäger: Roman
von Marc Deckert
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Freundschaft und Kosmos, 3. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Kometenjäger: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die äußere Handlung lässt sich ungefähr so beschreiben: zwei junge Männer, Phillip, 28 Jahre alt und Tom, 23 Jahre alt, freunden sich an und verbringen viel Zeit mit gemeinsamen Autofahrten durch die Nacht, um möglichst dunkle Orte für die Himmelsbeobachtung zu entdecken, denn die Lichtverschmutzung führt dazu, dass es um die Sichtbarkeit der Sterne immer schlechter bestellt ist. Tom, dessen Leidenschaft für den Sternenhimmel langsam auf Phillip abfärbt, hat ein Teleskop von seinem Großvater geerbt, welches in mehrfacher Hinsicht einen großen Wert hat: Für Tom ist es ein Mittler zu den Sternen und zu seinem verstorbenen Großvater, jedoch ist der hohe Wert auch im weltlich/ monetären Sinne zu verstehen. Als Toms Vater krank wird, muss das Teleskop verkauft werden. Da es kein beliebiger Gegenstand ist, will Tom sich von den Qualitäten des künftigen Käufers selbst überzeugen und reist mit Phillip in die USA, zunächst nach Los Angeles, später nach Arizona. Dort begegnen sie allen möglichen Leuten, armen, reichen, berühmten oder auch nur idealistisch veranlagten.

Wirklich erfreulich ist, dass es endlich einen Roman gibt, der auf intelligente Weise die Sterne und Kometen zum Thema hat. Alle, die als Kind oder Heranwachsende das Weltall faszinierend fanden, bzw. immer noch finden, werden vertraute Namen und Begebenheiten im neuen Gewand dieser fiktiven Handlung wiederfinden.
Im Roman kommen auch die Themen Freundschaft, Liebe und Generationenkonflikte und der "Sinn der Jagd" nicht zu kurz. Manches wird allerdings nur gestreift und, wie im wahren Leben, muss man sich den Rest selbst hinzudenken.
Neben all den geistigen Komponenten hat das Buch, insbesondere ab dem 2. Teil, der in Amerika spielt, etwas Roadmovie- haftes. Hier begegnen die Helden berühmten Persönlichkeiten (ich vermute, es handelt sich um die Google-Gründer und die Weltraum Touristin Anousheh Ansari, auch wenn im Buch andere Namen verwendet werden, Irrtum ist aber möglich), und sie stoßen an ihre Grenzen.

Der Autor hat ein sehr sorgfältig recherchiertes und mit Hingabe geschriebenes Buch vorgelegt. Die Figuren wirken authentisch und die Geschichte ist glaubhaft erzählt. Man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen, gerade auch deshalb, weil es im Roman viele Situationen gibt, die man selbst so ähnlich erlebt hat. Diese Situationen oder manchmal auch nur Stimmungen werden mit der fiktiven Handlung so verwoben, dass man wirklich in die Geschichte hineingezogen wird. Ein gutes Buch kann so etwas.


Geschichte Luxemburgs
Geschichte Luxemburgs
von Michel Pauly
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen übersichtliche Einführung in die Luxemburger Geschichte, 12. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Geschichte Luxemburgs (Taschenbuch)
Um es vorweg zu nehmen: Der Band aus der Reihe C.H. Beck Wissen bietet eine gute und fundierte, übersichtliche Einführung in die Geschichte Luxemburgs von der Steinzeit bis zur Gegenwart.
Dieser sehr weit gesteckte zeitliche Rahmen ist jedoch auch Anlass für eine kleinere Kritik: die am Beginn des Bandes stehenden Ausführungen von der Alt- zur Jungsteinzeit wirken etwas lieblos, so dass die Vermutung nahe liegt, dass sie nur der Vollständigkeit halber eingefügt wurden. Auch die nachfolgenden Kapitel über die Treverer und die folgenden mittelalterlichen Jahrhunderte wirken ein wenig steril, so dass man den Eindruck gewinnt, es handele sich nicht gerade um die Lieblingsepochen des Autors. Dieses Manko erklärt sich nur zum Teil daraus, das es damals noch nichts spezifisch luxemburgisches in dem geographischen Gebiet des heutigen Großherzogtums gab.

Mit dem "Zeitalter der Luxemburger in Europa" steigert sich der Informationsgehalt und das Lesevergnügen spürbar, auch wenn Kaiser Sigismund, um nur ein Beispiel zu nennen, durchaus etwas mehr Platz hätte gewidmet werden dürfen.
Die Stärken des Buches liegen dann auch folgerichtig in den nachfolgenden Kapiteln, die sich mit dem späten Mittelalter und der Neuzeit befassen, insbesondere mit der Lage Luxemburgs zwischen französischer und deutscher Einflusssphäre. Gerade diese geographische Lage ist es, die Luxemburg politisch, wirtschaftlich und kulturell geprägt hat. Die Zugehörigkeit zur einen wie zur anderen Seite, aber auch die Emanzipationsprozesse von den großen Nachbarn werden gut nachvollziehbar beschrieben.

Die neueren Entwicklungen, wie etwa Globalisierung, Klimawandel und die Abhängigkeit von den Finanzmärkten, sind weltweite Phänomene, die zeigen, dass auch Luxemburg keine Insel der Glückseligen ist, auch wenn ein Blick auf das Entgelt- Niveau und die Anzahl der täglichen Pendler oder auch die dauerhaft in Luxemburg sesshaften Ausländer etwas anderes vermuten lassen.


Mosella: Mit Texten von Symmachus und Venantius Fortunatus. Lat. /Dt.
Mosella: Mit Texten von Symmachus und Venantius Fortunatus. Lat. /Dt.
von Decimus MagnusSchönberger, Otto [Hrsg.] Ausonius
  Taschenbuch

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen heiteres Idyll im spätaniken Römischen Reich, 11. September 2011
In der Mosella beschreibt Ausonius in feierlichem Ton die Mosel und ihre Landschaft.
Nach der einleitenden Reisebeschreibung (iter) von der Nahe an die Mosel, wird diese gepriesen: Bereits die Ankunft im sonnigen und lichtdurchfluteten Moseltal kontrastiert stark zu den zuvor durchreisten dunklen unbesiedelten Wäldern, sowie den unheimlichen Schädelstätten vergangener Schlachten.
Die Klarheit und Reinheit des Wassers, die Vielzahl und die Schönheit der Moselfische werden ebenso beschrieben, wie die Schiffer auf dem Fluss und die Winzer in den Weinbergen. Die idyllische Wirkung wird noch gesteigert durch die Beschreibung von Nymphen und Satyrn, welche sich im Moselwasser vergnügen.
Es werden auch Beschreibungen der Villen am Fluss gegeben, ihr Luxus, der sich mit demjenigen der Villen in Baiae messen kann, ohne jedoch verschwenderisch zu sein, und die Badegewohnheiten der Gäste, welche ein erfrischendes Bad in der Mosel als Abschluss dem Frigidarium glatt vorziehen.
Abschließend wird die Mosel in Bezug zu den anderen Flüssen Galliens gesetzt. Mit Ausnahme der Garonne, dem Heimatfluss des Ausonius, welcher die Mosel lediglich empfohlen wird, müssen alle anderen Flüsse die Oberhoheit der Mosel anerkennen.

Ausonius kennt sich bestens mit der klassischen römischen, aber auch der griechischen Literatur aus, und damit dies auch jeder merkt, werden teils offene, teils versteckte Anleihen bei anderen Dichtern geschickt im eigenen Text platziert. Dies wirkt jedoch keineswegs störend, schafft der Dichter doch damit etwas neues, eigenständiges.
Der Text hat etwas sehr realistisches: auch der heutige Reisende kann den Gegensatz zwischen den rauhen Hunsrück- und Eifelwäldern einerseits, und dem sonnigen südlich wirkenden Moseltal andererseits noch problemlos nacherleben. Andererseits sind durch die vielen Bezüge auf die griechisch/ römische Mythologie auch viele märchenhafte Elemente enthalten.

Der Lobpreis der Mosel erfolgte nicht zufällig: Trier war zur Entstehungszeit (ca. 371 n.Chr.) Residenzstadt. Im Text klingt mehrfach direkt und indirekt die friedenssichernde Politik der Kaiser an und ihre Auswirkungen: das Moseltal und damit ganz Gallien ist vor äußeren Feinden sicher: Festungsbauwerke können von den Bauern als Scheunen benutzt werden.
Ganz so heiter und friedlich, wie der Text suggeriert, war es im spätantiken Römischen Reich jedoch nicht durchgängig: die Krise des dritten Jahrhunderts mit ihren Barbareneinfällen hatte tiefe Spuren hinterlassen, die Einwohner des Reiches hatten drückende Steuern zu ertragen, die Kaiser mussten an allen Fronten das auseinanderbrechende und von äußeren Feinden bedrohte Reich zusammenhalten. Nichtsdestotrotz blühte aber auch in dieser Zeit die Kultur, bauten Winzer ihren Wein an und die Gäste ließen sich raffiniert zubereite Fische an der Tafel servieren. Der Text gewinnt an Brisanz durch die weiteren Frankeneinfälle in den Jahren 407 ff.: einige Jahre nach der Entstehung des Textes war es mit der Idylle vorbei.

Der in der Reclam- Ausgabe im Anhang beigefügte Brief des Symmachus ist übrigens ebenso humorvoll wie aufschlussreich: diesem war die Mosel bis zum Lobpreis des Ausonius wie ein Fluss unter vielen vorgekommen. Außerdem wundert er sich, woher Ausonius die vielen Flussfische habe, die er so schön beschrieben habe. Bei den Gastmählern des Ausonius seien zwar stets viele erlesene Speisen aufgetragen worden, eine derartige Vielfalt von Fischen habe er jedoch dabei nicht gesehen.

Die Mosella ist ein schöner Text, der ein idealisiertes Bild einer untergegangen Welt zeigt, andererseits aber Zeitlosigkeit ausstrahlt.


Die Orangen des Präsidenten: Roman
Die Orangen des Präsidenten: Roman
von Abbas Khider
  Gebundene Ausgabe

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein junger Taubenzüchter im Visier der irakischen Staatsmacht, 15. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Abbas Khider beschreibt in seinem Buch anhand des Schicksals des Mahdi Hamama eindrücklich, wie die Verhältnisse im Irak des Saddam Hussein zu Zeiten des 1. Golfkrieges, also desjenigen des Irak gegen den Iran, und in der Folgezeit, bis hin zur Operation "Desert Storm" , also dem 2. Golfkrieg, waren. Die bedrückende Gegenwart der Hauptfigur im Gefängnis wird durch Rückblenden aufgelockert, so dass Glück und Leid hier oftmals dicht beieinander stehen.
Es brauchte nicht viel, um ins Gefängnis geworfen zu werden. Die Bekanntschaft mit Leuten, welche dem Regime gegenüber kritisch waren, genügte. Man erfährt vom Alltag im Gefängnis, von Angst, Folter, Mangelernährung und der Hoffnung, die die Menschen trotz allem stets bewahren.
Man erfährt auch, dass es durchaus so etwas wie Aufbruchstimmung in der irakischen Bevölkerung gab, als das Regime durch die Angriffe der Alliierten zeitweilig geschwächt war. Im Westen wurde durch den damals bereits so wahrgenommenen Krieg der Medien zwar der augenscheinliche Erfolg, nämlich die Befreiung Kuwaits und auch die Etablierung eines quasi unabhängigen Kurdengebiets im Nordirak publik gemacht, wobei die Flugverbotszonen im Norden und Süden des Irak allerdings eine Reaktion der UNO auf die Fakten war. Bei aller Kritik an der militärischen Intervention konnten doch der Öffentlichkeit damit immerhin auch Erfolge präsentiert werden. Was damals nicht so bekannt gemacht wurde ist die Tatsache, dass es auch in weiten Teilen der irakischen Bevölkerung eine Saddam-Müdigkeit gab, welche möglicherweise zu einer erfolgreichen Reorganisation des Staates von innen heraus geführt hätte- wenn dafür auch alliierte Unterstützung notwendig gewesen wäre. Diese blieb jedoch im entscheidenden Moment aus, mit den hinlänglich bekannten Folgen, dass das Regime Saddam Husseins für weitere 12 Jahre fest im Sattel sitzen konnte.
Der im Buch beschriebene Rückzug der Amerikaner angesichts eines Flüchtlingsstroms erinnert stark an denjenigen aus Vietnam, als dort seinerzeit alles verloren war und man die Bevölkerung sich selbst überließ.

Fazit: Khiders Buch ist sehr empfehlenswert und das nicht nur für die politisch interessierten, denn auch das Einzelschicksal der Hauptfigur Mahdi, der die Tauben liebt, ist als solches sehr einfühlsam und humorvoll beschrieben. Die Biographie des Autors, welcher selbst Gefängnis und Flucht erlebte, macht die Geschichte glaubhaft. Das Buch könnte das Verständnis dafür wecken, dass es unabhängig von den politischen zeitbezogenen Faktoren immer wieder in der Geschichte gute Gründe gibt, welche die Menschen veranlassen, ihre Heimat zu verlassen.
Ein Verständnis, welches nicht überall vorhanden ist.


Fragmente: Lat. /Dt.
Fragmente: Lat. /Dt.
von Otto Schönberger
  Broschiert
Preis: EUR 3,60

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Puzzle mit Lücken, 28. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Fragmente: Lat. /Dt. (Broschiert)
Viel ist es nicht, was vom Werk des Ennius erhalten geblieben ist. Das Wenige, was von anderen Autoren in Form von Ennius-Zitaten in deren eigenen Werken auf uns Heutige herab gekommen ist, ist lediglich ein Bruchteil dessen, was das schöpferische Wirken des Autors ausmachte. Die Fragmente bestehen teilweise nur aus einzelnen Sätzen oder Satzfetzen, manchmal aber auch aus etwas längeren Sinneinheiten.
Dabei ist nicht zuletzt den Ennius- Kennern vom 16. Jh. an bis zur Gegenwart Respekt zu zollen, welche es unternommen haben, die überlieferten Puzzlestücke in die richtige Reihenfolge zu bringen. Herausgekommen ist ein sehr bruchstückhafter Überblick über das Gesamtwerk, welcher aber immerhin ein Gefühl dafür vermittelt, wieviel wir letztlich verloren haben. Ennius hat sich u.a. berufen gefühlt, den Glanz Roms in seinen Annalen zu erhöhen, griechische Tragödien und Komödien ins Lateinische zu übertragen, heroische Epen, Fabeln, Satiren und Mahnreden zu verfassen.
Und noch etwas wird klar: auch Ennius hat das Rad nicht neu erfunden. Er hat im Gegenteil sich oft sehr genau an die griechischen Vorlagen gehalten, welche er übersetzte. Dennoch, oder gerade deswegen, hat er großen Anteil an der Übernahme des griechischen Kulturguts in die lateinische Welt. Wenn auch der Handlungskern von ihm übernommen wurde, so ist die Ausdruckskraft der Sprache seine eigene Leistung. Wäre diese Sprache nicht so wirkmächtig gewesen, wäre Ennius wohl kaum von anderen Autoren so gern zitiert oder auch nachgeahmt worden.


Wächter: Roman
Wächter: Roman
von Stephen Baxter
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der letzte Clarke, 19. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Wächter: Roman (Taschenbuch)
Mehr als 30 Jahre nach dem Sonnensturm setzt sich für einige der Protagonisten aus den ersten beiden Teilen dieser Trilogie (Die Zeit-Odyssee und Sonnensturm) die Geschichte um die Bedrohung der Erde und das Schicksal der Erdkopie "Mir" in einem Parallel- Universum fort.
Die Erstgeborenen wollen wieder einmal die Erde zerstören, diesmal mit einer aus dunkler Materie bestehenden Bombe, gegen die offenbar die Menschheit machtlos ist.
Hilfe könnte jedoch vom Mars kommen. Dafür müssten allerdings erst einmal ein paar Mammuts von Bürgern Chicagos dazu bewegt werden, eine bestimmte Symbolfolge in den zugefrorenen Michigan-See zu graben. Diese Idee liefert Thomas Alva Edison höchstpersönlich. Umgesetzt wird sie dann, nachdem die Weltöffentlichkeit per E-Mail, Blog usw. abgestimmt hat. Dies alles ist möglich, weil im "Mir-Universum" verschiedene Zeitschichten nebeneinander existieren und eine Handy-Verbindung in das reale Universum des Jahres 2070 existiert.
Hauptfigur ist, wie im ersten Teil, Bisesa Dutt. Insbesondere ihre abenteuerlichen Reisen zunächst quer durchs Sonnensystem mit den futuristischsten Transportmethoden und anschließend auf Mir mit den altertümlichsten Mitteln von einem Kontinent zum anderen, zeugt schon von viel Phantasie der Autoren und fesselt den Leser durchweg. Jeder, der als Jugendlicher von Forschung und Technik begeistert war und alles über Raumfahrt verschlungen hat, wird von diesem Buch fasziniert sein. Insbesondere die Beschreibung des Weltraum-Fahrstuhls und seines Prinzips weckt alte Abenteuerlust wieder- entgegen besseren Wissens.

Für dieses Buch scheint Sir Arthur C. Clarke noch einmal alles gegeben zu haben: Altes wird geschickt recycelt und mit neuen Ideen vermischt. Viele Motive erkennt der geneigte Leser mit Leichtigkeit aus früheren Werken wieder. Dies gilt für den bereits erwähnten Fahrstuhl zu den Sternen, Sonnen-Segelschiffe, Weltraum-Stationen, die wie große Räder im All rotieren, empfindsame künstliche Intelligenzen, die Mars-Kolonien usw. Aber auch subtilere Lieblings-Motive des Autors werden wieder aufgegriffen: enge Mutter-Tochter Beziehungen, wie im Rama-Zyklus gibt es hier gleich zweimal; auch ein kurzer Krieg der Erde gegen eine Kolonie, wie in "Um die Macht auf dem Mond" kommt vor, nicht zu vergessen das immer wiederkehrende Thema des Konflikts der Jungen, die zu den Sternen aufbrechen wollen und der Alten, die an der Vergangenheit festhalten wollen und nicht zu letzt das Motiv der einsam und allein auf einer ansonsten ausgestorbenen Welt zurückbleibenden Wesen, welches hier auch mehrfach vorkommt.

Fazit: Man muss zum Verständnis dieses Buches in der Tat die ersten Bände der Trilogie kennen, die zwar an sich gute Unterhaltung bieten, die aber mit der Qualität früherer Clarke-Werke definitiv nicht mithalten können. Das Durchkämpfen der ersten Bände lohnt sich aber: das vorliegende Buch versöhnt einen wieder mit dem oft haarsträubenden Unsinn der ersten Bände. Obwohl oder gerade weil hier vieles vertraut ist, hat man das Gefühl, endlich noch einmal (zum letzten mal) einen richtigen Clarke zu lesen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 22, 2009 1:10 PM MEST


Geheimgeschichte des Kaiserhofs von Byzanz / Anekdota (Sammlung Tusculum)
Geheimgeschichte des Kaiserhofs von Byzanz / Anekdota (Sammlung Tusculum)
von Otto Veh
  Gebundene Ausgabe

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaiserkritik auf höchstem Niveau, 9. Februar 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Prokop wurde um 500 n.Chr. in Caesarea geboren. Sein Todesdatum ist nicht bekannt. Er genoss eine klassische rhetorische Ausbildung und wirkte als Rechtsbeistand im Umfeld des byzantinischen Heermeisters Belisar und nahm auch an dessen Feldzügen teil. Er verfasste neben dem vorliegenden Werk auch die "Bella" (die Kriege), in welchen er in der Tradition der antiken Geschichtsschreiber die Kriege der Byzantiner gegen Perser, Vandalen und Goten beschrieb. In einem weiteren Werk, den "Bauten", lobte er die von Kaiser Iustinian in Auftrag gegebenen Bauten.
Ganz anders ist seine Tonart im vorliegenden Werk: Kaiser Iustinian, sowie dessen Gattin Theodora werden von ihm dämonisiert. Alles Unglück des oströmischen Reiches ist nicht Schicksal, sondern wird von Prokop als bewusste Zugrunderichtung des Volks durch das Kaiserpaar interpretiert. Beide entstammen nicht den Eliten des Reiches und sind damit nicht an deren Verhaltenskodex gebunden. Iustinian folgte als junger Mann seinem Onkel aus der illyrischen Provinz, um in Konstantinopel beim Heer sein Glück zu versuchen. Theodora ist die Tochter eines Bärenhüters und betätigte sich vor ihrer Hochzeit mit Iustinian als Schauspielerin, womit sie gleichsam eine Prostituierte war. Die Herrschaft des Kaiserpaares wird als unberechenbar und grausam gebrandmarkt. Iustinians Erfindungsreichtum im Erschließen neuer Geldquellen wird ebenso ausführlich beschrieben, wie die Intrigen, welche Theodora mit Antonina, der Frau Belisars, spinnt, um diesen ins Unglück zu stürzen. So ist das gesamte Werk eine Aneinanderreihung beispielhafter Episoden und Begebenheiten, die allesamt eines belegen sollen: Iustinian ist der Fürst der Dämonen, dessen einziges Trachten das Verderben des oströmischen Reiches ist.
Ob Prokop die Veröffentlichung der Anekdota zu Lebzeiten Iustinians überlebt hätte, darf bezweifelt werden. Daher erklärt es sich von selbst, warum die Anekdota auch die "unpublizierten Geschichten" genannt werden. Ob man den vielen Episoden nun Glauben schenkt oder nicht: die Anekdota bieten ein buntes Bild des spätantiken oströmischen Reiches und lassen am Leben und Wirken eines der bekanntesten Kaiser der römischen Geschichte teilhaben. Dabei sollte man keineswegs das finstere Portrait, welches Prokop entwirft, unkritisch übernehmen. Man muss berücksichtigen, dass Prokops Sichtweise eine patrizische war. Die Neuerungen des Kaisers waren für ihn bereits deshalb schlecht, weil es eben Neuerungen und somit Abweichungen vom Althergebrachten waren. Für Prokop musste es auch negativ behaftet sein, wenn der Kaiser nun nicht mehr nur wenigen Auserlesenen den Zutritt zu ihm gestattete, sondern alle möglichen Untertanen bei ihm Audienz erhielten, wobei er die Standesunterschiede seiner Besucher ignorierte. Eine gewisse Gleichbehandlung erfuhren sie auch: alle, sogar Männer im Patrizierrang mussten sich vor ihm zu Boden werfen. Bei aller Kritik und -sicherlich teilweise zu Recht- scharf verfassten Polemik gegen den Kaiser, wird man das Gefühl nicht los, dass die Herrschaftszeit Iustinians (527- 565 n. Chr.) nicht die schlechteste Phase der römischen Geschichte darstellt.


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