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Rezensionen verfasst von
Dr. Reinhart Clemens "Büchernarr" (Köln)
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Kleine Geschichte Istanbuls
Kleine Geschichte Istanbuls
von Brigitte Moser
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurz, klug, spannend und mit Liebe geschrieben, 18. März 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kleine Geschichte Istanbuls (Broschiert)
Dies Taschenbuch informiert auf nur 169 Seiten in elf Kapiteln über alle wesentlichen Aspekte der Geschichte der Stadt am Bosporus. Besonders wichtige Inhalte werden in gerahmten Themenboxen herausgestellt. Sie fallen beim Durchblättern sofort ins Auge, sind aber auch im Inhaltsverzeichnis durch Kursivschrift sofort auffindbar. Der Text wird durch insgesamt 37 geschickt ausgewählte schwarz- weiße Illustrationen veranschaulicht und ergänzt. Dabei handelt es sich um aktuelle und historische Stadtpläne, um Fotografien, um Bilderhandschriften und Rekonstruktionszeichnungen.

Das Buch ist in vorzüglichem Deutsch geschrieben, und die Autoren legen ein bemerkenswertes erzählerisches Talent an den Tag, sodass die Lektüre von Anfang bis Ende Freude macht.

Die Autoren lassen ein grandioses historisches Panorama der Stadt entstehen. Die Schwerpunkte liegen naturgemäß auf ihrer Zeit als Kaiserstadt des Oströmischen Imperiums (395-1204 bzw. 1453) und auf der nachfolgenden Epoche als Sultanstadt des Osmanischen Reiches (1453-1922). Aber auch das antike Byzantion (660 v.Chr.-395 n.Chr.) und die Türkische Republik (1923 bis heute) werden dem Leser auf wenigen Seiten äußerst anschaulich und einprägsam nahegebracht. Ohne Ausnahme schildert die vorliegende Darstellung wichtige Entwicklungen lebendig und farbig, und ist bestrebt - wo immer möglich - dem Leser deren Ursachen oder Gründe vor Augen führen.

Hinsichtlich des Inhalts kann man nur staunen, dass es möglich ist, aus der so langen und so bedeutenden Geschichte dieser Metropole ein so kurzes, so kluges und zugleich so spannendes Buch zu destillieren. Dies ist nur dadurch möglich, dass die Autoren aufgrund einer fast vollkommenen Durchdringung des riesigen Stoffs die wirklich wichtigen Ereignisse und Zusammenhänge auswählten. Weiterer Pluspunkt: Dies Buch ist nicht nur mit viel Wissen, sondern auch mit viel Liebe geschrieben - Liebe zu dieser Stadt, zu ihrer Kultur und zu ihrer Geschichte.

Das Buch ist zum einen jedem Istanbul-Reisenden ans Herz zu legen, besonders als Lektüre vor der Reise, aber zum andern jedem, der spannende und zugleich anspruchsvolle historische Lektüre schätzt.


Die römische Republik: Von der Gründung bis Caesar
Die römische Republik: Von der Gründung bis Caesar
von Martin Jehne
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Totale Überforderung des Lesers, 6. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch beschreibt, in acht Kapiteln von je zehn bis zwanzig Seiten, die Geschichte der Römischen Republik von der Frühzeit bis zur Ermordung Caesars - oft die römische Legende der Meinung der Historiker gegenüberstellend.

1.Beispiel: Die Beseitigung der Königsherrschaft (509 v.Chr.) hat zum einen das Antlitz der farbigen altrömischen Legende mit Vergewaltigung und öffentlichem Selbstmord und zum andern das der Forschung. Für diese beschreibt die Legende einen politischen Systemwechsel als Folge innerstaatlicher Konflikte. Die Forschung vermutet: Möglicherweise habe ein König für seine politisch-militärische Position eine besondere Beziehung zur Götterwelt reklamiert, eine göttliche Verklärung, die den gutsherrlichen Clanführern so wenig gepasst habe, dass sie sich zur Beseitigung nicht nur dieses Königs, sondern der Institution des Königtums überhaupt genötigt gesehen hätten. Ernüchternd, aber doch plausibel.

2. Beispiel: Die drei Grundstrukturen der Römischen Republik sind: Erstens der Ersatz des Königtums durch das doppelt besetzte Konsulat als höchstes Staatsamt, das durch die einjährige Amtszeit und durch die gegenseitige Kontrolle der beiden Stelleninhaber vor Missbrauch geschützt wurde, zweitens das Appellationsrecht des Bürgers gegen die direkte Strafgewalt von Amtsträgern und drittens die Verpflichtung, keine Rückkehr zur Monarchie zuzulassen.

Diese drei im Laufe der Zeit sich herausbildenden Charakteristika wurden von der Legende allesamt dem Beseitiger des Königtums im Jahre 509 v.Chr., Lucius Brutus, zugeschrieben, wodurch ihm "ewiger Ruhm" zuteil wurde. Er wurde Träger des Gründungsmythos der Römischen Republik.

Dies sei, so die Interpretation der der Forschung, entweder eine rückwärts gewandte Projektion einer späteren Überzeugung, dass die Republik von Anfang an stark gewesen sein müsse, oder Ausdruck der römischen (Un-)Sitte, den Handlungsspielraum einer kleinen Führungsschicht zu verbessern und die Interessen breiter Schichten zu vernachlässigen.

Der Autor schildert äußerst knapp - entsprechend der Vorgabe des Verlages von insgesamt 120 Seiten - die Kriege, Entwicklungen und Leistungen der nachfolgenden Zeiten bis zur Ermordung Cäsars. Die Umfangsbegrenzung wird zur Achillesferse des Buches!

Beispiel dazu: In dem Jahrhundert, innerhalb dessen Rom die Herrschaft über ganz Italien erreichte, handelt der Autor auf insgesamt fünf Seiten ab: Den Krieg gegen die Etruskerstadt Veii (406-396), die vermögensbezogene Steuererhebung, die Niederlage gegen die Kelten an der Allia (386), das Bundesgenossensystems und die drei Samnitenkriege (bis 290). Das alles ist mit vielen an sich wissenswerten Einzelheiten gespickt. Aber der Text wird dadurch überfrachtet mit Namen und Daten. Dem Leser schwirrt der Kopf und behalten kann er nichts! Und das gilt für das ganze Buch!

Das vorliegende Buch bietet punktuell durchaus interessante Sachverhalte, offenbart aber geradezu dramatisch die Schwächen der Beckschen Reihe " Jedes Thema auf 120 Seiten ". Man muss es klar sagen: Das an sich lobenswerte Konzept passt nicht auf jedes Thema. Ein halbes Jahrtausend Römischer Geschichte auf 120 Seiten - das zieht einerseits fast nicht zu bewältigende Schwierigkeiten für den Autor und andererseits eine totale Überforderung des Lesers nach sich.

Summa summarum: Trotz bemerkenswerter intellektueller und sprachlicher Anstrengungen des Autors ist nur ein Kompendium mit überbordender Informationsfülle entstanden. Das Buch steht den Ploetzschen Geschichtszahlen näher als Mommsens Römischer Geschichte!


Die Stasi Akten
Die Stasi Akten
von Joachim Gauck
  Broschiert

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach 1945 geschah wieder Unglaubliches, 30. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Stasi Akten (Broschiert)
Dieses knappe, kaum 140 Seiten umfassende Buch eines innerlich ebenso unabhängigen wie furchtlosen evangelischen Pfarrers - der sicherlich ein imponierender Bundespräsident geworden wäre - lehrt den Leser das Grauen und die Angst zu erahnen, die auf fast jedem Bürger der DDR lasteten. Ursache war die immer mehr Bürger erfassende, wie ein eine metastasierende Krebserkrankung immer mehr die Gesellschaft durchsetzende totalitäre Überwachungstätigkeit der Staatsorgane. Im Jahre 1981 war die Zahl der Mitarbeiter der Stasi (=Staatsicherheit) auf 81500 (!) angestiegen. Die ungeheuren Dimensionen der personenbezogenen Überwachung durch die Stasi lassen sich aber am besten an ihrer Hinterlassenschaft ablesen. Das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) hinterließ nicht weniger als sechs Millionen Personendossiers. Das sind 180 Kilometer (!) Akten! Aus der konkreten und detaillierten Schilderung solcher Akten erschließt sich die gespenstische Arbeitsweise der Stasi, die für fast jedermann eine allgegenwärtige, unheimliche und dabei anonyme Bedrohung darstellte. Auch die Mitarbeiter Stasi selbst und hohe Parteifunktionäre wurden überwacht. Über die persönliche Beobachtung hinaus ordnete die Stasi Post- und Telefonkontrollen sowie heimliche Hausdurchsuchungen an, und scheute auch nicht vor dem direkten Lauschangriff (Wanzen) zurück, um letzte Informationslücken zu schließen. - Über die Maßnahmen der Beobachtung hinaus gab die Stasi detaillierte Anweisungen, um ihre Opfer zu "zersetzen", d.h. zu demoralisieren. So ließ sie etwa einen Menschen als Stasi-Spitzel verdächtigen, um dessen Position in einer bestimmten Gruppe zu erschüttern und benutzte private oder finanzielle Probleme, um eine Person abhängig und erpressbar zu machen. - Diese Herrschaft der Angst hat naturgemäß in jedem DDR-Bürger nur schwer zu löschende Spuren hinterlassen, zumal es ja auch zum Alltag gehörte, dass Personen "abgeholt" wurden - so auch der Vater des Autors, der Arbeitsschutz-Ingenieur für die Seefahrt war, weil er einer Brigade angehörte, aus der sich ein Mitglied in den Westen abgesetzt hatte. Als Beweis für die Schuld von Joachim Gaucks Vater wurde vom Gericht der Besitz einer im Westen erschienenen nautischen Zeitschrift gewertet. Und tatsächlich wurde der Vater zu zweimal 25 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, von denen er allerdings "nur" fünf abdienen musste.-

Das Buch ist äußerst lesenswert wegen der skizzierten, sachlich und gut geordneten sowie sprachlich schön und präzise dargebotenen Inhalte. Die Zeitnähe der Abfassung dieser Schrift (1991) unterstreicht ihre Authentizität, die die Atmosphäre in der ehemaligen DDR fühlbar macht. Dazu kommt das außergewöhnliche persönliche und intellektuelle Format des Verfassers, der als oppositioneller DDR-Bürger eigene Erlebnisse beschreibt, und der nach der Wende damit betraut wurde,als Sonderbeuftragter der Bundesregierung zusammen mit eintausend (!) Mitarbeitern aus diesem Aktenlabyrinth ein funktionierendes Archiv zu machen. Diese Institution wurde nach ihm, dem Leiter, allgemein "Gauck"-Behörde genannt. Es galt, einen Zugang zu diesem Material zu schaffen, um berechtigten und unberechtigten Beschuldigungen nachgehen zu können, aber auch, um einschlägige Täter strafrechtlich zur Verantwortung ziehen zu können.


Nero
Nero
von Jürgen Malitz
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kreuzbrave Fleißarbeit ohne Pfiff, 18. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nero (Taschenbuch)
Wer von Kaiser Nero (54-68) vielleicht nur weiß, dass er seine Mutter Agrippina ermorden ließ, dass er als Schauspieler auftrat, und dass er nach dem großen Brand Roms die Christen verfolgte, der kann dem vorliegenden Bändchen zusätzlich entnehmen, dass Nero sich der Getreideversorgung der römischen Bevölkerung persönlich annahm, dass er den Frieden des Reiches an den kritischen Punkten sicherte, und dass er schließlich auch noch die handelspolitisch wichtige Durchstechung des Isthmus von Korinth in Angriff nahm.

Der Band umfasst zehn Kapitel auf 125 Seiten. Der Text ist trotz hohen Informationsgehalts gut lesbar.
Allerdings gebricht es dem Autor an ausreichender Kraft der Gestaltung, um einen spannenden Text zuwege zu bringen. Zudem fehlt es fast völlig an Eleganz der Darstellung. Bei der Lektüre hatte ich den Eindruck, eine biedere und sehr fleißige, stilistisch aber anspruchslose Seminararbeit vor mir zu haben. Nur an wenigen Stellen finden sich aparte Formulierungen, die mich zum Schmunzeln brachten.

Hingegen stieß ich auf Darlegungen kryptischen Charakters, insbesondere im Zusammenhang mit erotischen Begebenheiten. Diese Ausführungen ließen mich ziemlich ratlos zurück. Was soll bitte der nicht weiter aufgeklärte Leser von der "skurrilen Heiratszeremonie der Messalina mit C.Silius" halten oder weiter hinten im Buch von den "eigenartigen Hochzeitsfeierlichkeiten des Princeps mit dem schönen Pythagoras"? Klartext, der dem Leser des 21. Jahrhunderts auf diesem Gebiet doch zuzumuten ist, wäre hilfreich gewesen und zudem historisch interessant.

Schließlich hat der Autor die Druckfahnen nicht mit höchstmöglicher Sorgfalt durchgesehen. Das zeigt sich u.a. daran, dass er nicht weniger als achtmal die Namen Tigranes und Tiridates verwechselt; der Kenner der Materie weiß, dass der eine gewissermaßen der Antipode des anderen ist.

Kurzum, es handelt sich um ein fleißig erarbeitetes, kreuzbraves, auch informatives, aber doch mit Mängeln behaftetes Opusculum. Daher würde ich das Büchlein gewiss nicht als Lektüre über Nero wählen, sondern nur einen Text, der Satz für Satz schlüssig durchdacht und brillant formuliert ist, sodass er den Leser zugleich erhellt und erfreut - und ihn zu weiterer Beschäftigung mit dem Thema animiert. Ein jüngeres Beispiel für diese Adelsklasse von Publikationen ist meiner Ansicht nach die Nero-Biographie von Gerhard H. Waldherr.


Krankenversicherung - SGB V, Der Gesundheitsfonds: Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V)
Krankenversicherung - SGB V, Der Gesundheitsfonds: Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V)
von Bernhard Schmidbauer
  Taschenbuch

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragender Zugriff auf das SGB V, 13. April 2009
Licht in das Dunkel des neuen SGB V bringt die Neuauflage des "Schmidbauer". Sie enthält den vollständigen Text des gesamten SGB V. Um das Verständnis der neuen Regelungen zu erleichtern, sind im Anschluss an diese jeweils die ihnen zugrunde liegenden Erwägungen des Gesetzgebers abgedruckt. Außerdem werden viele weitere wichtige Vorschriften wiedergegeben wie die Zulassungsverordnungen für Ärzte und Zahnärzte, die Bedarfsplanungs-Richtlinien für Ärzte und Zahnärzte sowie das Psychotherapeutengesetz. Ferner werden die allgemeinen Regelungen für die Krankenversicherungsbeiträge in Tabellenform wiedergegeben (Jahresarbeitsentgeltgrenzen, Beitragsbemessungsgrenzen und die sog. Bezugsgrößen für die Sozialversicherung). Dies alles ist benutzerfreundlich in einer DIN-A-4-Broschüre gestaltet, die nur 17 mm dick ist. - Diese Verbindung von guter Handhabbarkeit und Inhaltsreichtum ist optimal. Dies gilt nicht nur für Ärzte wie den Autor der Rezension, sondern auch für Juristen wie den Bruder des Rezensenten, der als Richter in höchster Instanz (Bundessozialgericht) ständig den "Schmidbauer" benutzt.


Die letzte Partie
Die letzte Partie
von Fabio Stassi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trojanisches Pferd bringt Sieg und Tod, 24. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Die letzte Partie (Gebundene Ausgabe)
Der Roman spielt im Jahre 1941 und handelt von Schachbesessenheit, von Freundschaft und Feindschaft, von einer zynischen Wette um die Gunst einer russischen Adligen, die übrigens beiden Wettern schlecht bekommt, und er handelt von Demütigung und Niedertracht, von Hass und Tod. Held des Romans ist der ehemalige Schachweltmeister Raúl Capablanca, der seit 15 Jahren eine Revanche gegen Alexander Aljechin herbeisehnt, der ihn in dem Turnier von Buenos Aires (1927)entthronte. Die sich befehdenden Schachmeister sind historische Personen.

Der Revanche- und Rachegedanke zerfrisst Capablanca, nimmt ihm immer mehr Kraft und Selbstwertgefühl. Als Ausdruck dessen lässt der Autor ihn einen grotesken und demütigenden Wettkampf - gegen einen namenlosen Amerikaner -ersinnen, der zudem auch noch in einem entlegenen Dorf in den portugiesischen Bergen stattfinden soll. Capablanca fantasiert, dass im Falle seines Sieges Aljechin sich zu der erhofften Revanche herbeilassen werde.

Die Revanche kommt schließlich tatsächlich zustande, wenn auch auf eine abgehobene, ja ganz unglaubliche Weise. Nur soviel sei verraten: Zeit und Wirklichkeit verlieren ihre Bedeutung ebenso wie Lebensalter und spielerische Erfahrung. Aber am Ende siegt Capablanca wirklich über seinen ewigen Rivalen. Letztendlich, wirklich letztendlich.

Das fantasievolle Ende des Buches wird durch ein Symbol, das aber wunderbar leichtfüßig daherkommt, in die Welt des Mythologischen gehoben:
Es erscheint das trojanische Pferd, wenn auch im Miniformat. Aber das trojanische Pferd ist aus Holz, birgt soldatische Helden, die Schmach und Tod bringen - wie es sich gehört.

Das Buch hat 64 Kapitel, eine Metapher des Schachbretts. Die Kapitel sind sehr kurz, was sich aus dem Gesamtumfang von nur 236 Seiten ergibt. - 62 Kapitel schildern in Form von Rückblenden das Leben Capablancas. Wir bekommen Einblick in die frühen Jahre des Schachwunderkindes, das sogar die Schatten von Pflanzen in ein Schachbrett umdeutet, und das die Notenhefte seines Klavierunterrichts mit Schachnotationen füllt. Auch die Familie, das Leben in einem kleinen Ort in der Nähe von Havanna, überhaupt Capablancas Heimat wird uns vertraut. - Die verbleibenden zwei Kapitel sind Aljechin gewidmet.

Freilich bleibt manches im Buch rätselhaft. Wer ist der mehrfach erwähnte Fremde, an den Capablanca das Dorfkind Xavier erinnert? Und welche Rolle spielt Michael Strogoff, der russische Held aus einem von Jules Vernes Romanen, der vom Autor eingeführt wird? Derlei Fragen gibt es noch mehr. Solche Rätsel beflügeln die Phantasie und klingen in der Erinnerung nach.


Nero: Eine Biografie
Nero: Eine Biografie
von Waldherr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk!, 25. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Nero: Eine Biografie (Gebundene Ausgabe)
War Nero eine Geißel der Menschheit, der Brandstifter Roms und der erste Christenverfolger? Der Autor geht diesen Fragen und denen nach Neros Künstlertum und nach seiner Innen- und Außenpolitik mittels kritischer Beleuchtung der Schilderungen der antiken Schriftsteller und unter Wertung von Abbildungen und Inschriften auf Münzen nach.

Man erwartet eine trockne Lektüre.

Aber der Autor schreibt ein farbiges, stilistisch glänzendes, kristallklar geordnetes und so spannendes Buch, dass der Leser meinen könnte, er läse einen meisterhaften historischen Roman.

Das Buch liefert eine fesselnde Beschreibung und eine ebenso behutsame wie überzeugende Deutung des Lebens Neros und seiner vor keinem Verbrechen zurück schreckenden Mutter Agrippina sowie der ferneren iulisch-claudischen Verwandtschaft. Dabei erlebt der Leser gewissermaßen "live" das Leben in Rom im 1. Jahrhundert n. Chr. mit seinen vielfältigen Facetten mit. Es ist, als sei er bei den damals so beliebten Wagenrennen persönlich anwesend und lerne zugleich auch noch deren Regeln. Auch nimmt der Leser teil an kaiserlichen Beratungen und Kabinettssitzungen.

Sogar die für den mit dem iulisch-claudischen Hause nicht so vertrauten Leser etwas mühsamen Abschnitte, die sich mit den Verwandtschaftsbeziehungen Neros befassen, gestaltet der Autor zu einem spannungsreichen, wenn auch düsteren Gemälde. Der Leser lebt sich hinein in die römische Hocharistokratie mit ihrem Machtstreben, ihrem Misstrauen, ihren Verdächtigungen und Verschwörungen, ihren Giftanschlägen und Morden sowie ihren Anklagen, die zu Verbannung oder Hinrichtung führen. Das lässt sich besser kaum machen.

Der Autor benutzt stellenweise eine moderne Sprache. Da ist von Fans und Stars die Rede, aber auch von Schauprozessen, von einer Imagekampagne, und die politische Funktion der Münzen wird als "reichsweites Propagandamedium" bezeichnet. Der Einsatz dieses heutigen Sprachgebrauchs ist sparsam und andererseits jeweils so treffend, dass ich als Leser diese Besonderheit zunächst kaum wahrnahm. Der Autor vermeidet überaus feinfühlig, dass ein der fernen Epoche unangemessener Zungenschlag aufkommt.

Aus den literarischen Quellen (Sueton, Tacitus, Cassius Dio) wählt der Autor lebendige und zugleich informative Stellen aus, die ebenso wie die 27 qualitativ vorbildlichen Schwarzweiß-Abbildungen ideal in seinen eigenen Text passen; dieser gewinnt dadurch sehr an Authentizität.
Der Autor deutet und ergänzt die Quellen durch ebenso umsichtige wie behutsame Überlegungen aus historischer, psychologischer und sozialpsychologischer Sicht. Dabei lässt er nie Zweifel daran, wo die Quelle endet, und wo die eigene Überlegung beginnt.

Ein packendes, ein glänzendes, ja ein fabelhaftes Buch. Jede Seite ein Genuss. Ein Meisterwerk.


Der kleine Beziehungstherapeut: Zu zweit lieben lernen
Der kleine Beziehungstherapeut: Zu zweit lieben lernen
von Patty Howell
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leidlich brauchbarer Inhalt in schlechter Verpackung, 29. Januar 2009
Die Zielgruppe dieses Buches sind Paare, die Schwierigkeiten miteinander vorbeugen oder sie beheben möchten. Auch gleichgeschlechtliche Paare und solche mit Kindern sind angesprochen. Ganz gravierende Probleme werden nicht angeschnitten und sind auch mit den vorgestellten Techniken nicht zu bewältigen.

Die Autoren stellen zunächst die drei Grundhaltungen jeden psychotherapeutischen Handelns vor: Empathie ( = Mitfühlen, Verstehen), Akzeptanz ( = Annehmen, Bejahen) und Echtheit. Ohne diese können spezielle Techniken nicht zum Erfolg führen. Auf den Grundhaltungen aufbauend werden 16 Techniken beschrieben, Basics" genannt, die Probleme bessern sollen. Die Basics" überschneiden sich zum Teil und sind von unterschiedlichem Gewicht. Besonders gewichtige Basics" sind meines Erachtens folgende: 2: Keine Vorwürfe machen, 5: Stärkendes Zuhören einsetzen, 12: Wissen, wann man nachgeben muss und 13: Sich entschuldigen und verzeihen.

Kritisch ist zu sagen, dass die drei Grundhaltungen von beiden Partnern nur ausnahmsweise längerfristig durchgehalten werden können. Weil dies so ist, können auch die Basics" nicht wirksam eingesetzt werden. Wird das Buch allerdings von beiden Partnern und zudem vom assistierenden Therapeuten genutzt, sind Besserungen sehr wohl erzielbar.

Ärgerlich ist, dass potentiell wichtige Techniken, z.B. 8: Lernen, mit heißen Themen umzugehen - Sex, Geld, Schwiegereltern und ähnliches, viel zu abstrakt abgehandelt sind, als dass sie praktisch umgesetzt werden könnten.

Ebenso ärgerlich ist, dass grundsätzliche Probleme verschwiegen werden. Dies gilt beispielsweise für die Behauptung. dass mit den fünf Sinnen wahrnehmbare Verhaltensweisen leichter zu verändern seien als der im Innern verborgene Charakter". Das stimmt für psychisch rundum gesunde, intelligente, warmherzige Personen. Die Erfahrung aus Therapie und Beratung zeigt aber, dass störende Verhaltensweisen, die eine Partnerschaft belasten, oft Ausdruck abnormer Charakterstrukturen sind. Gelingt es, bei solchen Klienten ein einzelnes abnormes Verhalten zu beseitigen, so pflegt sich die strukturelle Abnormität binnen kurzem in anderem störenden Verhalten zu äußern. Die erhoffte Besserung bleibt also aus.

Am ärgerlichsten ist, dass die Geduld des Lesers durch die Langatmigkeit der Texte, durch die unglaubwürdige Banalität vieler Fallbeispiele und durch die Häufigkeit von Wiederholungen strapaziert wird, Merkmale, die wohl eher eine intellektuelle Schwäche als eine didaktische Stärke des Buches belegen. - Ich empfehle stattdessen das pfiffige und auch ohne Therapeuten sehr hilfreiche Buch von Mira Kirshenbaum: Ich will bleiben, aber wie?
Gerade noch zwei Sterne.


Manieren
Manieren
von Asfa-Wossen Asserate
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brillant, geistreich und amüsant, 29. November 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Manieren (Taschenbuch)
Was sind eigentlich Manieren?

Warum stand Immanuel Kant noch als Todkranker auf, um seinen Arzt anständig zu empfangen?
Welche innere Haltung drückte die uralte, früher weit verbreitete Geste des Handkusses aus?
Warum sollen die kleinen Zwischenfälle des Lebens wie eine geplatzte Naht auf dezidierte Weise nicht wahrgenommen werden?

Dass die Frage nach dem Wesen der Manieren nicht ganz einfach zu beantworten ist, merkt der Leser zu seiner Verwunderung im Laufe der Lektüre.

Manieren haben heißt nach Asserate grundsätzlich, dass der Mensch sich von seinem angeborenen Verhalten durch Mäßigung und Glättung entfernen und einen Stil des zwischenmenschlichen Umgangs entwickeln soll, der ästhetisch als schön und moralisch als gut empfunden wird.

Manieren sind die äußere Repräsentation des jeweiligen Bildes vom idealen Menschen. Zu den Manieren gehören Sitten der Kleidung und der Sprache, Zeremonielle der Begrüßung, der Anreden, der Titel und vieles mehr. Dementsprechend ändern sich die Manieren in Abhängigkeit von den Epochen, den Nationen und den unmittelbar prägenden Institutionen.

In Europa die Manieren prägende Institutionen waren an erster Stelle die Familien, dann die Höfe des Adels, die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche, der Jesuitenorden, das preußische Militär, die Universitäten Oxford und Cambridge und die diplomatischen Dienste.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Manieren wechselt: Im vorindustriellen Zeitalter stellte der einzelne durch seine Manieren mehr dar als sich selbst. Er repräsentierte vielmehr in erster Linie seine Familie, seinen Stand, seinen König, sein Land, sein Geschlecht.

Heute sind die Stände abgeschafft, die Könige gestürzt, und in Deutschland herrscht eine klassenlose Gesellschaft ohne verbindliche Regeln.

Heute stellt der Einzelne durch Manieren (fast) nur noch sich selbst dar. Die Manieren sind Ausdruck seines Selbstanspruchs, seines Geschmacks, seines Respekts für andere, seiner Feinfühligkeit und seiner Vornehmheit des Herzens. Daher sind Manieren heute mehr denn je die Visitenkarte eines Menschen.

Die 37 Kapitel des Buches (380 Seiten) liefern glanzvolle Veranschaulichungen von Manieren aus der Geschichte, aus der Literatur und aus der eigenen Beobachtung. Der kulturhistorische Zusammenhang wird gleich mitgeliefert. Jedes Kapitel wurde zu einem in sich geschlossenen kleinen Kunstwerk gefertigt.

Ich habe mich zudem bei der Lektüre bestens unterhalten gefühlt, mich an der geschliffenen Sprache erfreut, und ich habe viel Wichtiges gelernt und Vergnügliches erfahren.

Der Stil dieses Buchs kann gut durch des Autors aus Afrika mitgebrachte Vorstellung von gesellschaftlicher Konversation in Europa charakterisiert werden: "..und nun sprachen sie, als ob sie sich goldene Kugeln zuwarfen, schnell sicher, immer exakt ...". Dies Buch ist wunderschön, leicht und formvollendet und zudem von großer Humanität getragen.

Kaum jemand wird dies Buch ohne inneren Gewinn und auch nicht ohne Schmunzeln aus der Hand legen.


Agent in eigener Sache
Agent in eigener Sache
von John le Carré
  Taschenbuch

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial !, 26. März 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Agent in eigener Sache (Taschenbuch)
Der frühere Chef des britischen Geheimdienstes George Smiley befindet sich bereits im Ruhestand. Anlässlich der Ermordung des Top-Agenten W. wird er reaktiviert. Dadurch bekommt er die unerwartete Chance, sein Lebenswerk durch den Sieg über seinen sowjetischen Gegenspieler Karla zu krönen.
Agent W. hinterlässt einige scheinbar unbedeutende Gegenstände, die von der Polizei nicht gewürdigt werden, die aber Smiley zu intensiven Nachforschungen veranlassen. Andere von Smiley erwartete Objekte fehlen, woraus er weit reichende Schlüsse zieht. Zudem hatte der Ermordete Sätze geäußert, an die Smiley immer wieder denken muß. Zwei besonders wichtige lauten: Sagen Sie Max, es betrifft den Sandmann" und Der Sandmann baut eine Legende für ein Mädchen". Diese Sätze sind auch für Smiley zumindest anfangs unbestimmt und für den Leser vollkommen rätselhaft. Sie weisen jedoch immer wieder auf die von Smiley real und auf die vom Leser geistig zu lösenden Aufgaben - und damit auf den Kern des Buches.

Das Buch ist in 27 Kapitel ohne Überschriften unterteilt. Jedes enthält eine eigene Geschichte, die meist eine oder mehrere rätselhafte Mitteilungen aufweist. Dadurch stellen sich bei der Lektüre viele Fragen, die ohne Kenntnis des weiteren Fortgangs oder auch des schon Geschehenen nicht beantwortet werden können. Die weit über den ganzen Roman verstreuten Anspielungen und Einzelheiten zu den denselben Personen und Ereignissen lassen jedoch immer wieder Zusammenhänge erahnen.

Vollkommen durchsichtig werden alle Zusammenhänge beim ersten Durchlesen wohl nur für Gedächtnis- und Kombinationsgenies. Für weniger Begnadete erschließen sie sich mehrheitlich erst durch zweimaliges Lesen - mit häufigem Vor- und Zurückblättern! Dies ist aber kein Nachteil. Vielmehr wird der im Dämmer tappende Leser später durch das Erlebnis kristallener Klarheit für seine Mühe belohnt. Davon sei nur soviel verraten: Alle wichtigen Personen der Handlung - mit Ausnahme von Smiley selbst - kommen bereits im so arglos scheinenden ersten Kapitel vor. - Es sei aber betont: Auch die einmalige Lektüre des Romans ohne großes Rätsellösen ist spannend und macht Freude!

Ich habe das rund 450 Seiten starke Buch schon beim ersten Mal mit großer Spannung gelesen. Aber am Ende habe ich mich doch gefragt, wie denn eigentlich die Folge der Schritte war, die zu dem zwar erwarteten, aber in seinen Einzelheiten überraschenden Finale führte, und wie die einzelnen Rätsel aufzulösen sind, die sich während der Lektüre ergaben. Deswegen las ich das Buch sofort ein zweites Mal und konnte nun die allermeisten größeren und kleineren Puzzles zusammensetzen und die wichtigsten aufgetretenen Fragen beantworten. Das war befriedigend und ermöglichte zudem ein Verstehen auf einer ganz neuen Ebene. Sehr wahrscheinlich werde ich das Buch noch ein drittes Mal lesen - nur so, zum Genuss!

Ein spannender, raffiniert konstruierter, ja genialer Spionageroman! Daß er in der Zeit des kalten Krieges spielt, tut seiner Frische keinen Abbruch. Unbedingt lesen! - Eindeutig fünf Sterne!


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