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Rezensionen verfasst von
Christine J. (Lesemomente)

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Vakuum
Vakuum
von Antje Wagner
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fast noch besser als "Unland", wenn das überhaupt möglich ist, 21. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Vakuum (Gebundene Ausgabe)
Man stelle sich folgende Situation vor: Ich befinde mich seit Wochen in einem Lesetief. Bücher, die mich sonst begeistern können, locken mich so überhaupt nicht. Doch dann kommt mit der Post das neue Buch von Antje Wagner hereingeflattert und sieht so einladend und schön aus. Obwohl ich mir sicher bin, auch dieses Buch nach kurzer Zeit wegzulegen, setze ich mich gemütlich mit „Vakuum“ hin. Und lese. Und lese. Und lese.

Wenn man schon nach wenigen Seiten die Welt um sich herum komplett vergessen hat, in der Handlungen versunken ist und meint, die Geschichte durch die Augen der Charaktere zu sehen, hält man ein wirklich gutes Buch in den Händen.

„Was?“, sagte er und seine Stimme kippte in der Mitte der Silbe ab. Er hasste es, wenn er sich so piepsig anhörte, aber die Panik war wie ein Mageninfekt. Ihm war schlecht, hundeübel.
„Ich sagte, bei 110 hebt keiner ab“, wiederholte Alissa. Ihre Stimme klang ruhig und kalt.
„Aber das…“, fing er an, dann knickte seine Stimme wieder um.
Aber das kann nicht sein, hatte er sagen wollen. Bei 110 hebt immer jemand ab. Das war so etwas wie ein Naturgesetz.
(S. 140)

Antje Wagner hat an sich selbst den Anspruch, literarische Jugendbücher zu schreiben, so dass es bei ihren Werken meist mehr als nur die eine offensichtliche Ebene gibt. Liest man ihre Bücher aufmerksam und mit diesem Wissen, lassen sich schnell psychologische Feinheiten ausmachen, die die Bücher eben auch für Erwachsene so spannend machen. „Vakuum“ ist meiner Meinung nach auch ohne diese zweite Ebene durchaus lesenswert. Es ist ein spannendes Jugendbuch mit Tiefgang, der sich dem Leser aber nicht aufdrängt (außer vielleicht ein wenig am Ende).

Das Ende ist bei Antje Wagners Büchern ja immer eine Überraschung. Bei „Unland“ gefiel mir das Ende sehr gut, bei „Schattengesicht“ hatte ich bereits im Voraus zu viel geahnt und war – im Gegensatz zu vielen anderen Lesern – nicht ganz zufrieden.
Wie ist nun das Ende von „Vakuum“? Ich kann nur sagen: grandios! Mir persönlich hat es sehr gut gefallen. Es hat mich fast ein wenig verwirrt zurückgelassen, ich musste die Geschichte noch einmal neu durchdenken und diese Gedanken ordnen. Es ist ein Schluss, der dem Leser definitiv im Kopf bleiben wird. Nebenbei bemerkt liebe ich die kleine Moral, bzw. die kleine Lebensweisheit, die sich mir am Ende aufgetan hat.

Also: Dass Antje Wagner wunderbar bildhaft schreiben kann, war schon lange klar. Dass sie ihre Charaktere vielschichtig, komplex und mitreißend beschreibt, weiß ich seit meinem ersten Buch von ihr. Während des Lesens musste ich lachen, hatte Gänsehaut, war angespannt und habe mit den Charakteren gelitten. Und auch der Schluss hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich wüsste nicht, was ich an „Vakuum“ anders hätte haben wollen. Und so gibt es die volle Punktzahl: 10 von 10 Sternen!


Die Legenden der Albae, Band 3: Dunkle Pfade
Die Legenden der Albae, Band 3: Dunkle Pfade
von Markus Heitz
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewohnt zahme Albae, ein Wiedersehen mit Tungdil und eine spannende Handlung, 21. Oktober 2012
Inhalt:

Viele Jahre (äh, Teile der Unendlichkeit) sind vergangen, seit Caphalor und Sinthoras mit einer gewaltigen Armee aus Albae und Verbündeten in das Geborgene Land zogen, um es zu erobern. In der ehemaligen Hauptstadt Dson Faimon warten die zurückgelassenen Albae immer noch darauf, in das eroberte Land folgen zu können; so auch die drei Geschwister Sisaroth, Tirîgon und Firûsha. Doch als diese zu Unrecht des Mordes beschuldigt werden, werden sie nach Phondrason verbannt – ein Ort, an dem ein Überleben schier unmöglich erscheint. Die Albae begegnen – zunächst getrennt voneinander – den ungewöhnlichsten Feinden und irgendwann auch einem Zwerg namens Tungdil…

Meine Meinung:

Normalerweise fällt mir der Einstieg in die Bücher von Markus Heitz etwas schwer. So gerne ich in die von ihm geschaffenen Welten abtauche, brauche ich immer etwas länger, um wirklich in den Geschichten versinken zu können. Nun spielt dieser dritte Teil der Legenden der Albae viele Jahre nach dem zweiten Band, die gewohnten Charaktere haben keine Bedeutung mehr, selbst die bekannte Welt wird verlassen. Und doch war ich von der ersten Seite an gefesselt.

Vielleicht lag das an den interessanten, teilweise sehr verschiedenen, aber doch verhältnismäßig sympathischen neuen Hauptpersonen? Die Drillinge, die Leser der Zwerge-Reihe schon kennen (ich konnte mich allerdings nicht mehr erinnern), sind anders als Caphalor und vor allem Sinthoras es waren. Sie sind weniger grausam und ergötzen sich nicht so extrem am Leid anderer, was mir persönlich wirklich gut gefallen hat.

Ein wahres Highlight ist natürlich das Wiedersehen mit Tungdil. „Dunkle Pfade“ spielt zwischen dem dritten und vierten Zwerge-Band, so dass der Leser endlich erfährt, was passiert, nachdem Tungdil in die schwarze Schlucht ging. Ich muss gestehen, ich konnte mich an viele Dinge nicht mehr so detailliert erinnern, wie ich es gerne getan hätte. Trotzdem war es einfach ein schönes Wiedersehen, das in mir den Wunsch geweckt hat, auch meine heißgeliebte Zwerge-Reihe nochmals zu lesen.

In einem Nachwort verrät der Autor, dass es noch einen vierten Albae-Band geben wird, der zeitlich nach dem letzten Zwerge-Buch spielen wird. Klingt etwas verworren und ist es sicherlich auch, aber auf eine tolle Art und Weise. Ich mag es, wie der Autor seine Geschichten miteinander verknüpft.

Etwas Kritik habe ich allerdings trotz meiner Begeisterung: Meiner Meinung nach hätte dieses Buch auch etwa 100 Seiten dünner sein können. Für meinen Geschmack zieht sich die Handlung zum Ende hin. Es gibt zwar kaum überflüssige Stellen, trotzdem hätte ich mir manchmal ein etwas schnelleres Voranschreiten gewünscht.

In „Dunkle Pfade“ dürfen wir also eine etwas menschlichere Seite der Albae kennenlernen. Dies mag manche Fans enttäuschen, ich fand es toll. Beim Lesen von diesem Buch ging es mir genau andersherum als sonst: Ich habe extrem schnell einen Zugang zur Geschichte und den Hauptpersonen gefunden, dafür habe ich mich zum Ende hin stellenweise etwas gelangweilt. Das hindert mich aber nicht daran, schon jetzt sehnsüchtig auf den finalen Teil zu warten und mir die Zwischenzeit sicherlich mit dem einen oder anderen Re-Read der „Zwerge“ zu versüßen. Ich vergebe 8 von 10 Sternen.


Ready Player One: Roman
Ready Player One: Roman
von Ernest Cline
  Gebundene Ausgabe

4.0 von 5 Sternen Ein furioses Rennen auf der Suche nach dem Easter-Egg, 7. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Ready Player One: Roman (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:

Im Jahre 2044: Die Welt, wie wir sie kennen droht vollkommen zu verfallen: Umweltkatastrophen, Energiekrisen und Armut. Zum Glück gibt es noch die OASIS ' eine virtuelle Realität, in den sich die Menschheit flüchtet; so auch der 18jährige Wade. Dort ist er, wie viel andere auch, auf der Jagd nach einem besonderen Schatz, dem so genannten Easter Egg, das vom Gründer und Entwickler der OASIS dort versteckt wurde. Als er, fünf Jahre nach Veröffentlichung des Rätsels, als erster einen Hinweis entdeckt, wird Wade plötzlich berühmt. Allerdings bringt ihn das auch in Gefahr, nicht nur in der OASIS, sondern auch in der realen Welt. Ein Wettlauf mit der Zeit - und einem beinahe allmächtigem Gegner - beginnt...

Meine Meinung:

Der Einstieg in die Geschichte um Wade oder Parzival, wie er sich in der OASIS nennt, ist etwas ungewöhnlich. Cline hat ein Setting geschaffen, das auf der einen Seite erschreckend weit entfernt von der heutigen Welt, andererseits aber durchaus vorstellbar ist.

Der Schreibstil des Ich-Erzählers ist auch eher ungewöhnlich. So benutzt er gerade zu Anfang des Buches viele Fußnoten, Klammern und weitere kleine Erläuterungen. Als Leser habe ich mich durch die vielen, unkompliziert eingeschobenen Informationen und Erklärungen aber direkt angesprochen gefühlt. Die Sprache ist manchmal etwas derb, ohne Details zu beschönigen, jugendlich, wirkt aber dennoch nicht künstlich.

Es gibt nur Kleinigkeiten, die mich wirklich gestört haben: so mutiert Wade von einer zur nächsten Seite vom schüchternen Einzelgänger in ein wahres Chat-Flirttalen. Ich bin beim Lesen wirklich drüber gestolpert und das darf meiner Meinung nach nicht sein.

Ansonsten habe ich das Buch wirklich gern gelesen, auch wenn es mich zunächst nicht ganz so wie erwartet gepackt hat, was aber auch an der Tatsache liegen kann, dass ich wenig Zeit und dadurch ein kleines Lesetief hatte.

Besonders für Leser, die in den 80er Jahren groß geworden sind oder zumindest einige Filme, Comics oder Erzählungen aus dieser Zeit kennen, bietet "Ready Player One" ein ganz besonderes Schmankerl: der Mitbegründer der OASIS war nämlich (genauso wie der Autor selber) ein großer Fan der 80er, so dass die gestellten Aufgaben und Rätsel Spiele wie "Pacman", Serien wie "Knight Rider" oder Filme wie "Die Ritter der Kokosnuss" aufgreifen.

Die letzten 200 Seiten ' einem wahren Showdown gleich ' ließen mich mit dem Wunsch zurück, eine Fortsetzung zu dem Buch zu lesen. Ich vermute zwar, dass die Geschichte an sich zuende erzählt ist, aber trotzdem steckt im Schluss und in den Figuren selber Potenzial für eine weitere spannende Story. Ernest Cline ist auf jeden Fall ein Autor, den ich mir merken werde. Ich vergebe 7 von 10 Sternen.


Göttlich verloren
Göttlich verloren
von Josephine Angelini
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4.0 von 5 Sternen Unterhaltsame Jugendfantasy mit einem interessanten Spritzer griechischer Mythologie, 7. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Göttlich verloren (Gebundene Ausgabe)
Lange musste ich auf diesen zweiten Teil warten, nun ist er endlich da: Mit "Göttlich verloren" knüpft Angelini nahtlos an den ersten Band ihrer Göttlich-Trilogie an. Fast ein bisschen zu nahtlos meiner Meinung nach. Zwar werden im Laufe der ersten Kapitel die wichtigsten Fakten wiederholt, aber ich hätte mich gefreut, dies kurz gebündelt auf den ersten Seiten zu lesen. Denn nach einem dreiviertel Jahr Lesepause hatte ich nicht mehr alle Erinnerungen an den ersten Band parat.

Trotzdem war ich an sich schnell wieder in der Geschichte um Helen und die Delos-Familie gefangen. Leider spielen die einzelnen Geschwister von Lucas in diesem Band weniger eine Rolle, als es in "Göttlich verloren" der Fall war. Schade, denn genau das mochte ich am ersten Band so gerne. Statt ihrer wird der junge Orion, dem Helen in der Unterwelt begegnet, immer wichtiger. Ganz ehrlich: Mir wären Hector, Adriane und Jason lieber gewesen, aber es muss wohl mal wieder auf eine Dreiecksliebesgeschichte hinaus laufen.

Trotz dieser Kritikpunkte gefiel mir der zweite Teil im Großen und Ganzen besser als der erste, denn er wirkte auf mich einheitlicher und stimmiger, während ich beim Lesen des ersten Bandes noch oft das Gefühl hatte, die vielen Ideen und Handlungsstränge wurden nicht ausreichend miteinander verknüpft. Auch die zu jugendliche Sprache tritt in 'Göttlich verloren' gar nicht mehr auf, bzw. ist mir während des Lesens überhaupt nicht negativ aufgefallen.

Für mich heißt es jetzt wieder ein dreiviertel Jahr zu warten, denn selbstverständlich möchte ich auch den dritten Teil lesen. Die Göttlich-Trilogie verknüpft geschickt Bausteine aus dem Romantasy-Genre mit interessanten Fakten aus der griechischen Mythologie. Ich vergebe wieder 7 von 10 Sternen (es wären fast 8 geworden) und lasse noch ein bisschen Luft nach oben für den finalen Teil.


Todesmelodie: Julia Durants 12. Fall (Knaur TB)
Todesmelodie: Julia Durants 12. Fall (Knaur TB)
von Andreas Franz
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewohnt spannend und mitreißend, aber auch ziemlich brutal, 7. August 2012
Inhalt:

Nach ihrer Entführung hatte sich Julia Durant ein Jahr Auszeit genommen, um wieder zu Kräften zu kommen. Nun ist sie gerade wieder in den Außendienst berufen worden, als sie und ihr Team eine furchtbar zugerichtete Leiche finden: Ein junges Mädchen wurde mehrfach vergewaltigt, danach schnitt jemand ihre Kehle durch.
Zwei Jahre später - die Täter sind schon längst hinter Gittern - wird das K11 zu einem neuen Tatort gerufen, der erst auf den zweiten Blick erschreckende Parallelen zum Mord an der jungen Studentin aufweist...

Meine Meinung:

Holbe hat es sicherlich nicht leicht: Franz hat etliche Bücher verfasst und die Reihe um die toughe Ermittlerin Julia Durant ist sicherlich nicht nur mein Liebling. Es sind also große Fußstapfen, in die der junge Autor treten muss.

Nach dem Lesen kann ich sagen: bis auf einen kleinen Kritikpunkt ist es Holbe unheimlich gut gelungen, die Reihe fortzusetzen. Die Charaktere von Durant und Hellmer sind unheimlich gut getroffen. Es kommt wieder zu sehr typischen Szenen zwischen diesen beiden Sturköpfen. Mehr als ein Mal hätte ich beide gerne schütteln wollen. Aber genau das sind eben Szenen, die die Bücher von Andreas Franz ausmachen.
Ebenso wie die Hauptermittlerin hat man das Gefühl, zwar eine Zeit weg gewesen zu sein, sich nun aber schnell wieder im K11 heimisch zu fühlen. Besonders schön finde ich, wie ich als Leser an den Ermittlerarbeiten teilhaben kann, obwohl ich oft mehr weiß, als das Team. Ich sehe genauso ihre Notizen vor mir und kann mir ihre Whiteboards gut vorstellen. Das erinnert mich ein wenig an die Thriller von Jeffery Deaver.

Doch nun zur Kritik: Die Bücher von Franz waren schon immer schonungslos ehrlich und nicht für zarte Gemüter gemacht. Doch wenn mir jemand über 'Todesmelodie' sagen würde, er fände das Buch an manchen Stellen unnötig grausam und brutal, würde ich zumindest wissen, was er meint. Ob das nun der Einfluss von Holbe ist oder ob Franz selber die Beschreibungen der Morde und die Thematik an sich so geplant hatte, werden wir Leser wohl eher nicht erfahren. Fakt ist: Dieses Buch sollte niemand lesen, dem bei dem Gedanken an Blut, brutale Vergewaltigungen und erschreckend perverse Abnormitäten übel wird.

Ich persönlich habe "Todesmelodie" unheimlich gerne gelesen und konnte das Buch zwischenzeitlich nicht beiseite legen. Doch obwohl ich eigentlich gerne Thriller lese, bei denen es durchaus auch mal brutal und psychopathisch zugehen darf, haben mich manche Szenen, bzw. viel mehr das hinter den Morden stehende Motiv (ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten) geschockt. So viele und detaillierte Beschreibungen wären nicht immer notwendig gewesen. Trotzdem vergebe ich 7 von 10 Sternen und bin erfreut darüber, dass Holbe auch noch einen weiteren Durant-Krimi verfasst: "Tödlicher Absturz" soll im März 2012 erscheinen.


Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims: Roman
Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims: Roman
von Annabel Pitcher
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbar berührendes Buch, absolut lesenswert!, 7. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Inhalt:

Jamie ist gerade zehn Jahre alt geworden, aber sein Leben ist alles andere als kinderleicht: Nachdem seine Schwester vor einigen Jahren bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen ist, ist seine Familie zerbrochen: Seine Eltern haben sich getrennt und Jamie lebt mit seiner anderen Schwester Jas und seinem Vater alleine. Doch dieser scheint sich kaum noch daran zu erinnern, dass er noch zwei weitere Kinder hat und ertränkt seine Trauer in Alkohol.
Und auch in der neuen Schule wird Jamie von den Mitschülern nur geärgert. Die einzige, die zu ihm hält, ist Sunya. Wäre Sunya nur nicht Muslima, denn wie sagt sein Vater immer: "Muslime haben deine Schwester getötet!"

Meine Meinung:

Manchmal (ganz selten) hat man das Glück, Bücher von fast unschätzbarem Wert in der Hand zu halten. Sie sind so wertvoll, weil sie entweder besonders spannend sind, eine besonders interessante Geschichte erzählen oder ' wie in diesem Buch ' einfach unheimlich bewegend sind und den Leser auf eine ganz besondere Art und Weise berühren.

"Ich denke darüber nach, ob Mum ihre Zugfahrkarte schon gekauft hat. [...] Bestimmt kommt sie, bevor ich in die neue Schule gehe, weil sie mir noch Viel Glück und Sei Brav und diese ganzen Sachen sagen will, die Mütter eben so sagen. Und bestimmt will sie mich unbedingt in meinem neuen T-Shirt sehen. Ich werde es nicht mehr ausziehen, bis sie hier ist, sicherheitshalber. Ich werde es auch nachts anlassen, weil Superhelden nie Feierabend haben und Mum vielleicht wegen einer Zugverspätung oder einem Verkehrsstau erst abends ankommt. Vielleicht noch nicht heute, morgen oder übermorgen, aber wenn Mum schreibt Ganz bald, dann meint sie das auch so. Und dann will ich vorbereitet sein." (S. 30)

Schon auf den ersten Seiten war mir klar, dass 'Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims' ein solches Buch sein würde. Annabell Pitcher verleiht ihrem Ich-Erzähler Jamie eine unglaublich intensive Stimme, die mich von den ersten Sätzen an mitten in die Geschichte gesogen hat. Das Schicksal, was sie ihm zugedacht hat, ist unglaublich schwer, doch durch die Augen eines Zehnjährigen bekommt man als Leser einen ganz neuen Blickwinkel. So schwankte ich beim Lesen zwischen einem leisen Kichern, Tränen in den Augen und einem mitfühlenden Seufzen.

"Zuerst hatten wir Mathe, dann Geografie. Ich schaute kein einziges Mal zu Sunya rüber. Ich war ganz wirr im Kopf, und es kam mir vor, als hätte ich Dad verraten. Obwohl ich weiß Haut habe, ohne ausländischen Akzent spreche und finde, dass man Schwestern anderer Menschen nicht in die Luft sprengen darf, war Sunya irgendwie auf die Idee gekommen, mir muslimischen Schmuck zu schenken." (S. 38)

"Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims" ist das traurig-anrührende Portrait einer Familie, die fast zerbrochen ist; und doch ist es voller Hoffnung. Es ist ein Buch, das ich mit Tränen in den Augen zugeklappt habe. 10 von 10 Sternen!


Kopfschuss
Kopfschuss
von Susan Vaught
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Spannende Suche nach dem "Warum?", 7. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Kopfschuss (Taschenbuch)
Wie muss es wohl sein, zu wissen, dass man versucht hat, sich das Leben zu nehmen, aber sich nicht mehr an die Gründe erinnern kann?

Wenn man anfängt, "Kofschuss" zu lesen, wird schnell klar: Diese Situation ist fürchterlich. Jersey ist verzweifelt auf der Suche nach Antworten. Warum? Warum hat er das getan? Er stellt eine Liste möglicher Gründe auf, versucht diese einzeln auszuschließen. Warum?

Genauso wie Jersey möchte auch der Leser gerne wissen, was den Ich-Erzähler dazu gebracht hat, sich eine Pistole an den Kopf zu halten und abzudrücken? Stand er etwa unter Drogen? War sein Leben einfach nur ätzend? Hatte er etwas Schlimmes getan und wollte seine Schuldgefühle loswerden? Auf der Suche nach dem "Warum?" begleiten wir Jersey in den ersten Monaten nach seiner Krankenhausentlassung.

Die Geschichte ist nicht immer ganz leicht zu lesen, die Gedanken und Gespräche nicht immer leicht zugänglich. Denn Jersey leidet an einer Gehirnverletzung, so dass er seine Sprache nicht steuern kann. Viele Absätze lesen sich also wie "wirres Zeug". Das hat mich anfangs etwas genervt, wurde aber bald zu einem absolut gelungenem Stilmittel. Ich war gezwungen, das zu lesen, was Jersey dachte. Ich habe mit ihm gelitten, wenn er in wichtigen Situationen nichts anderes herausbrachte als "Froschfürze. Schnürsenkel. Froschfürze." Ich konnte mich einfach unheimlich gut mit ihm identifizieren. Manchmal fast etwas zu gut, so dass ich mich zwingen musste, nicht zu tief in dem Buch zu versinken.

So viel Gutes bisher, da muss dann ja auch noch ein bisschen Kritik kommen: Der Schluss!
Wie schreibt man über das Ende einer Geschichte, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel: Anfangs war ich etwas enttäuscht, doch jetzt nach einer kurzen Zeit und nach dem Lesen des Nachtrags vom Verlag erscheint mir dieser Schluss eigentlich genau richtig.

"Kopfschuss" ist zu Recht für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Es ist ein spannendes, fesselndes Buch, das sich mit einem sensiblen Thema auseinander setzt: Wie kommt es dazu, dass jemand versucht, sich das Leben zu nehmen? Wie können Angehörige und Freunde damit umgehen? Wie ist die Rückkehr ins Leben? 7 von 10 Sternen.


Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
von John Green
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungemein berührend: todtraurig und zum gleichzeitig zum lauten Lachen geeignet, 7. August 2012
'Gus drückte meine Hand. '"Das Leben ist schön, Hazel Grace."' (S. 217)

Wie soll ich nur zu diesem Buch eine würdige Rezension verfassen? Wie kann ich das in Worte fassen, was John Green in seinem neuen Roman vermittelt?

Bevor ich das Buch begonnen habe, habe ich nur positive Stimmen dazu gelesen. Normalerweise können dann genau diese Bücher mich nicht vollends überzeugen. Sie bleiben oft hinter ihren Erwartungen zurück. Bei "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" war es anders.

Ich finde, bei einer Rezension zu einem solchen Buch sollte man nicht anfangen, über die Charaktere, die Geschichte oder den Aufbau zu sprechen. Natürlich ist all das wundervoll konzipiert und gelungen auf's Papier gebracht. Viel wichtiger finde ich aber die Stimmung, die John Green transportiert, und was er mit seinen Worten beim Leser auslöst.

Bei mir hat er bewirkt, dass ich die letzten fünfzig Seiten des Buches fast durchgehend geweint habe, unterbrochen von einigen kurzen Lachanfällen, aber auch heftigen Schluchzern. Zwischenzeitlich konnte ich die Buchstaben überhaupt nicht mehr erkennen, weil sie mir vor lauter Tränen vor den Augen verschwommen.

Bücher, die so was können, sind einfach toll!

Die Geschichte um Hazel und Augustus ist gleichzeitig todtraurig und wunderschön. Sie hat mich zum seitenlangen Weinen gebracht und ist zur selben Zeit ein Plädoyer für die Liebe und das Leben. Meiner Meinung nach ist "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" bisher mit Abstand Greens bestes Buch!


Vilja und die Räuber: Roman (Heyne fliegt, Band 1)
Vilja und die Räuber: Roman (Heyne fliegt, Band 1)
von Siri Kolu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbar herzwerwärmendes Kinderbuch im Stil von Astrid Lindgren, 11. Juli 2012
Inhalt:

"'In der zweiten Juniwoche wurde ich geklaut. Das war auch gut so!"' (S. 11)

Die Zehnjährige Vilja wird in den Sommerferien geklaut. Als die Familie Räuberberg das Auto von Viljas Familie überfällt, raubt sie nämlich nicht nur Mamas Lieblingsbikini und Papas Shorts, sondern eben auch Vilja. Zunächst schmiedet diese noch Ausbruchspläne, denn so verhalten sich Entführte nun mal. Doch nicht lange kann sie vor den Räuberbergs verbergen, dass ihr das wilde Räuberleben eigentlich Spaß macht. Denn wo sonst bekommt man so viele Lakritzbonbons, wie man will? Und wo sonst lernt man das Messerwerfen und alle anderen wichtigen Dinge über die Räuberei?

Meine Meinung:

Als ich das Cover von '"Vilja und die Räuber'" gesehen und mir den Klappentext dazu durchgelesen habe, war ich mir total sicher, dass das Buch einfach toll sein würde. Und so war es auch!

Ich könnte meine Rezension nur aus Zitaten bestehen lassen, denn beinahe jedes Kapitel, jede Seite und jeder Satz bergen kleine wunderbare Schätze.

Siri Kolu beschreibt das Räuberleben und vor allem die Mitglieder der Familie Räuberberg mit einer solchen Leichtigkeit und dem liebevollen Auge für das Detail, so dass ich mich am liebsten selbst auf die Straße stellen würde, in der Hoffnung, dass der Räuberbus vorbei fahren und mich rauben würde.

Erwachsene mögen vieles in dieses Buch hineininterpretieren, aber letztendlich bleibt 'Vilja und die Räuber' einfach ein wunderbar herzerwärmendes Kinderbuch und das ist gut so.

Ich könnte jetzt noch lange von den vielen tollen Kleinigkeiten der Geschichte schwärmen, aber ich finde, dass jeder dieses Buch einfach selber lesen sollte. "'Vilja und die Räuber"' ist so schön, dass es kaum in Worte zu fassen ist: 10 von 10 Sternen!


Zweiland - Sternengold und Schattenschwarz
Zweiland - Sternengold und Schattenschwarz
von Patricia Schröder
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Tolle Grundidee, leider hapert es ein wenig an der Umsetzung, 11. Juli 2012
Der Inhalt an sich klingt wirklich spannend: ein Streit zwischen zwei Brüder, der ein ganzes Land spaltete, und drei junge Menschen, die das Schicksal von Zweiland nur gemeinsam zum Guten wenden können.

Die Ausführung dieser Idee wirkt auf mich aber leider ein wenig wie ein nur halb gelungenes Debüt. Doch Patricia Schröder ist alles andere als ein Neuling in der Autorenwelt. Schon 1998 veröffentlichte sie ihr erstes Buch.

'"Zweiland"' liest sich zwar leicht und angenehm, trotzdem ist die Schreibe meiner Meinung nach sehr holprig. Die Geschehnisse wirken konstruiert und überhastet miteinander verknüpft; was schade ist, denn die Geschichte an sich hat doch eindeutig ihren Reiz und hat mich durchaus unterhalten.

Gerade die drei jugendlichen Hauptpersonen hätten das Potenzial dazu gehabt, nicht nur junge Leser zu begeistern. Ich hätte gerne mehr über sie erfahren und mit ihnen erlebt, aber so blieben auch sie wenig tiefgehend.

In '"Zweiland'" gibt es viele gute Ideen, vielleicht sogar ein paar zu viele. Auf mich wirkt die Schreibe der Autorin so, als wollte sie unbedingt so vieles miteinander verknüpfen und hat dabei übersehen, dass ein rundes Ganzes und die notwendige Atmosphäre fehlen. Eine gute Geschichte braucht nun mal auch seine Zeit. Da ich das Buch trotzdem nicht ungern und vor allem in einem Rutsch gelesen habe, vergebe ich 5 von 10 Sternen.


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