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Beiträge von Andreas Gryphius
Top-Rezensenten Rang: 3.399
Hilfreiche Bewertungen: 1299
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Rezensionen verfasst von Andreas Gryphius
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Efeu für einen Jüngling, 4. April 2009
Bernhard Koller wäre heute ein betagter Mann, wenn er sich nicht 1955 in einem Hotelzimmer das Leben genommen hätte. Damals war er gerade zwanzig Jahre alt. Die hier versammelten 130 Gedichte sind in den Jahren 1954 und 1955 entstanden. Bernhard Koller hatte sie kurz vor seinem Tod (zusammen mit dem Tagebuch) einem Lehrer aus der Gymnasialzeit übergeben. 1960 erschienen die Gedichte in der Salzburger Stifterbibliothek. Carl Amery würdigte den Autor in einer Radiosendung und fünf Jahre später in einem Fernsehbeitrag. Danach wurde es still. Der Dichter Norbert Lange hat den Band aus dem Jahre 1960 in einem Antiquariat entdeckt und 2008 in der Reihe "Lyrik Edition 2000" mit den Tagebucheinträgen der Jahre 1954 und 1955 neu herausgegeben. Beim ersten Lesen wird man an die morbiden Stimmungen von Georg Trakl erinnert, doch fehlt es Bernhard Koller an der Endgültigkeit, wenn man einmal von den letzten Gedichten absieht - die Koinzidenz des Todes spiegelt sich aber sehr "schön" in den Tagebucheinträgen des Monats Mai 1955: "ich kann nicht mehr dazu tun; wenn es dann auch zu wenig war. (...) ich werde nicht mehr viel schreiben (...) ich halte es nicht aus, dass mir die Welt vorenthalten wird." - Das Tagebuch ist es denn auch, das einem die Person Bernhard Koller ein wenig näher bringt, denn gemäss Nachwort des Herausgebers lief die biographische Recherche ins Leere. - Dem Dichter ging es letztlich um Erkenntnis aus der Empfindung heraus und zwar in einem allgemeingültigen Sinn, er war der Tradition des blinden und willenlosen Sehers verpflichtet, der einer transzendenten Inspiration die Stimme gibt. Kollers Gedichte bündeln eine Unzahl von Wahrnehmungen auf kleinem Raum, meist in Münchner Cafés zu Papier gebracht. Die Poeme sind kaum je länger als drei Strophen. Auffällig sind - neben der absoluten Kleinschreibung im Korsett klassischer Interpunktion - die vielen sehnsüchtigen Anrufungen der Liebe. Bei der Durchsicht der Tagebucheinträge stösst man auf etliche Hinweise, die den Gedanken nahelegen, dass Bernhard Koller eine Frau fehlte. - Auch wenn Bernhard Koller nicht die Abgeklärtheit von Gottfried Benn oder die ewige Trauer eines Trakls hatte, so ist es erfreulich, dass Norbert Lange sich dem schmalen Erbe dieses Dichters annahm, der mit zwanzig Jahren über eine erstaunliche Reife verfügte.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
wunderbar, 15. März 2009
Es gibt nicht viele Bücher, die mich beim kursiven Durchblättern gleich in den Bann ziehen, aber "Kleine Erinnerungen" ist eines davon. Zwar kann man den Lebenserinnerungen des 1922 geborenen Portugiesen und Nobelpreisträgers (1998) beim Lesen anfänglich auch eine gewisse Schwülstigkeit anheften und das Pathos eines alten Mannes, der seinen Erfolg in der Rückschau verklärt - ist doch aus dem in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Landarbeitersohn auf wundersame Weise ein Star geworden. Das Wunder dieser (so will es scheinen) aus dem Handgelenk geschaffenen Erinnerungen liegt in seiner Einfachheit und seiner Komplexität zugleich. - José Saramago ist in einem kleinen Provinznest geboren, zu einer Zeit, als man noch barfuss ging und Angeln, gleich wie das Zum-Tanze-Auffordern der schönen Nachbarstochter, Höhepunkte einer Jugend darstellten. Mit zwei Jahren zog die Familie nach Lissabon um, wo der Vater als Polizist Arbeit fand. José Saramago verbrachte aber seine Ferien jedes Jahr in dem Dorf seiner Geburt und kehrte auch später immer wieder an diesen Ort zurück. Aus diesem Gegensatz bezieht "Kleine Erinnerungen" einen Teil seiner Spannung. Die andere Faszination, die der schmale Band auf mich ausübt, liegt im Umstand, dass die vielen kleinen Kapitel, die nur ausnahmsweise mehr als zwei Seiten ausmachen (und bis etwa Seite 30 den Verdacht der Zufälligkeit nähren), ein ganzes Leben darstellen, das immer auch an die eigene Jugend erinnert - kaum ein Thema ist ausgelassen: Eltern, Freunde, Nachbarn, Verwandte - Geburt, Schule, Liebe, Arbeit, Kirche, Tod. - Ein wunderbares Buch, nicht zuletzt, weil sich das Schwülstige in Saramagos Sprache schnell verliert und einem lausbübischen Witz Platz macht.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Grandioses Poem - ausgezeichnete Neuübersetzung, 8. März 2009
T.S. Eliot (1888 - 1965) schrieb dieses wohl berühmteste Gedicht des zwanzigsten Jahrhunderts während eines Kuraufenthalts, den er 1921 mit seiner Frau Vivien in Kent verbrachte. Damals arbeitete Eliot noch als Bankbeamter und litt an nervösen Erschöpfungszuständen. Im Januar 1922 reiste Eliot nach Paris, um die rund 800 Zeilen Ezra Pound zu zeigen. Der war begeistert, setze aber Streichungen durch, die das Poem auf rund die Hälfte schrumpfen liessen. Das Original tauchte 1968 in einer New Yorker Bibliothek auf. - Man hat "The Waste Land" wegen seines desperaten Tones oft als Gesellschaftskritik verstanden, doch genau gleich wie Joyces "Ulysses", so gelingt auch Eliots Gedicht der sinnstiftende Durchgriff vom Chaos der Gegenwart zur geistigen Tradition der Vergangenheit, ja im Unterschied zu "Ulysses" geht Eliot mit Hilfe von Mythologie, Religion und psychoanalytischer Symbolforschung sogar auf archaische Muster zurück. Das Zeitlose und das Zeitgebundene in ihrer Durchdringung, offen sichtbar durch die Unmenge von Zitaten, die Eliot in den Anmerkungen selbst nachweist: Die Bibel, Wagner, Shakespeare, Dante, Augustinus, Ovid, Vergil, Spenser und Milton, um nur einige wenige zu nennen. Unter diesem Gesichtspunkt ist es ein Ding der Unmöglichkeit, die 400 Zeilen der Intention des Dichters gemäss zu verstehen, ja man müsste alle Werke, die Eliot anführt, zum selben Zeitpunkt wie er gelesen haben und darüber hinaus noch dieselben Schlussfolgerungen machen. Das wäre Unsinn und führt zu zwei anderen Aspekten moderner Dichtung: Sie steht auch für sich selbst und kann jedem bei der Lektüre eigene und immer wieder neue Bilder schaffen. Zweitens, und das scheint mir für die Neuübersetzung wesentlich zu sein, bei derart verkürzten Bildern wird es nie eine gültige Übersetzung geben und jeder Anlauf ist ein Kind seiner Zeit. "The Waste Land" ist im Original ohnehin nicht so schwierig zu verstehen (i.e. der primäre Wortsinn auf Oberfläche), so dass die deutsche Fassung assistiert, Lesehilfe ist und einem mit dem Blick nach links auf die Sprünge hilft. Ich habe die Übersetzung von Norbert Hummelt mit der von Ernst Robert Curtius (1951) und Eva Hesse (1973) verglichen und bin mehr als zufrieden, denn im Unterschied zu Curtius ist Hummelt aktuell und gegenwärtig, ohne in eine zu einfache Alltagssprache zu fallen, ferner ist er - und das erstaunt mich wirklich - an manchen Stellen näher am Original. Hut ab! Nur das um 25 Jahre ältere Vorwort von Hans Egon Holthusen in der Curtius-Version überzeugt mehr als das Nachwort von Hummelt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ganze Leben in Gedichten, 22. Februar 2009
Tomas Venclova wurde 1937 im litauischen Klaipeda geboren. Die Stadt (zu Deutsch Memel) wurde 1939 unter nationalsozialistischem Druck an Deutschland zurückgegeben. Venclova floh mit seinen Eltern nach Kaunas. 1944 marschierte die Sowjetarmee ein und beendete den Traum von einem unabhängigen Litauen für die nächsten 46 Jahre. Venclovas Vater war lange Zeit Kulturminister des sozialistischen Satellitenstaats und im Unterschied zu seinem Sohn ein uneingeschränkter Befürworter der Sowjetunion. Von Antanas Venclova stammt auch der Text der Nationalhymne. Tomas Venclova studierte in Vilnius und es waren die Begegnungen mit Anna Achmatowa und Boris Pasternak, die ihm die Poesie als selbständigen Spielraum in einer sonst so totalitär überwachten und bestimmten Welt eröffneten. Der Ungarnaufstand und die Niederwalzung haben Venclova 1956 in den geistigen Widerstand getrieben, wohl auch seine Freundschaft zu den beiden Nobelpreisträgern Czeslaw Milosz (1911-2004) und Joseph Brodsky (1940-1996). Während eines Lehrauftrags in den USA wurde ihm 1977 die Staatsbürgerschaft aberkannt. Seit 1980 unterrichtet Tomas Venclova an der Yale University. Er ist Professor für russische und osteuropäische Literatur. - Venclovas Lyrik kommt unscheinbar und vordergründig in einem klassischen Gewand daher. Die lakonische Atmosphäre gibt sich reserviert gegenüber dem Tagesgeschehen. Es zeigt sich hier sehr schön, dass die Kunstfertigkeit, in wenigen Strichen eine mehrdeutige Welt entstehen zu lassen, zu den Rückzugsmöglichkeiten des Intellektuellen in sozialistischen Staaten gehört hat. Umso klassischer und bewahrender ist Venclovas Dichtung im Grunde genommen. Die vornehme Zurückhaltung, der gedämpfte Ton und der Versuch, "Zeugnis abzulegen vom Verschwinden des Einzelnen im Grau einer versiegelten Zeit" (Durs Grünbein im teilweise etwas gestelzt wirkenden Nachwort), bringen einem den Dichter näher in seiner Intention. Das Buch bietet einen Querschnitt durch Venclovas Schaffen von 1956 bis 2003, ist neben dem erwähnten Nachwort auch mit Kommentaren zu den einzelnen Gedichten angereichert und ich kann es Interessierten, die Lyrik gerne auch biographisch und im geschichtlichen Kontext lesen, ohne Vorbehalte empfehlen. ... im dunkel im dunkel im dunkel im dunkel im dunkel wird unsre luft dünner und unsre materie zerstreut sich ist alles bereit für den tod wenn eine silbe hervorbricht und schwarz schimmern lettern auf nicht existentem papier hier in diesem dunkel hier in dieser blindheit hier (aus: im feuer, 1980)
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Grandios, 22. Februar 2009
Rusconi ist ein Jazz-Klaviertrio aus der Schweiz, das unter dem Namen Rusconi Trio schon 2004 und 2006 Aufnahmen veröffentlicht hat. Klaviertrios gibt es bekanntlich wie Sand am Meer; viele beschränken sich darauf Standards zu spielen, nicht so Stefan Rusconi (*1979, Klavier), Fabian Gisler (*1977, Kontrabass) und Claudio Strüby (*1980, Schlagzeug). Die liefern auf der neuen CD "One Up Down Left Right" grandiose Musik ab, da kann es niemand wundern, dass sie nun bei Sony unter Vertrag sind. Neu ist die songhafte Dichte und die teilweise Nähe zur Pop- und Rockmusik, vor allem durch die Verwendung von deren Rhythmen (vgl. das laid-back gespielte Schlagzeug auf "Point of no return"). Dass die drei durch und durch Jazzer sind, beweisen sie aber immer wieder durch ihre rhythmischen Soli (z.B. durch den Bass im oben erwähnten Stück). Etliche Passagen erinnern auch an "Minimal Music" oder "Easy Listening" (z.B. das Titelstück "One Up Down Left Right"). Ich bin überzeugt, Bill Evans, der die kollektive Improvisation im Trio-Jazz so markant erweiterte, hätte seine helle Freude an Rusconi gehabt. Unter dem Strich strotzt die CD nur so von Spielfreude, sie ist abwechslungsreich und spannend, fröhlich, aber nie in einem simplen oder seichten Sinn und es gibt etliche Stellen, die mir eine Gänsehaut verschaffen. Ich kann die Aufnahme vorbehaltlos empfehlen. Ich hoffe, dass man von den Jungs noch viel hören wird!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Präziser Blick aus der Vergangenheit, 8. Februar 2009
Das Buch (das ohne Gattungsbezeichnung Roman auskommt) wurde 1965 veröffentlicht und thematisiert im Wesentlichen eine Flucht aus der DDR, die einen biografischen Hintergrund von Uwe Johnson (1934 - 1984) birgt. Allein schon das ist ein bemerkenswerter Umstand, mit dem sich der Autor vor über vierzig Jahren alleine auf weiter Flur fand. Das Buch ist aber mehr. Zunächst auffällig ist die kantige, aber äusserst präzise und deskriptive Prosa von Johnson, vor allem sein Satzbau und die häufige Verwendung des Verbs, nicht am Schluss (gleich wie die Nebensatzreihungen im Englischen). Beispiel: "Leider war das Geschäft erst zustande gekommen, nachdem B. verzichtet hatte auf einige Bilder,..." oder "So machte es ihm nichts aus, den alten Schlitten zu verschenken an ein Mädchen,...". - Interessant (für diese Zeit) ist auch, dass Johnson die direkte Rede in das Erzählte einbaut und keine Anführungs- und Schlussstriche verwendet. Inhaltlich erinnert mich das Buch an Walsers "Ehen in Philippsburg", weil auch hier die junge Bundesrepublik in ihrem von Traditionen und verkrustetem Verhalten befreiten Wirtschaftwunderwachstum mit all seinen (unbegrenzten) Möglichkeiten hervorlugt, beispielsweise, als B. in Berlin zu viel trinkt und am nächsten Morgen in der Wohnung der Wirtin aufwacht. Singuläres Exempel für diese Blüte ist hier natürlich der rote Sportwagen, der mit Hilfe von fünf Jahren Erspartem zum Auftakt angeschafft wird. Faszinierend (was eine genaue[re] Lektüre im Sinn der vorangegangenen Rezension in der Tat notwendig macht) sind die komprimierten Ansichten des Autors über Beziehungen im Allgemeinen, Politik und die Wechselwirkung der letzteren auf erstere, speziell im geteilten Deutschland. Sätze wie "...sie hatte gelernt, sich für eine andere auszugeben bei Leuten, die der Macht und Gewalt des Staates verwandt waren,..." haben geradezu visionären Charakter. Dass das Buch heute keine weitere Verbreitung mehr findet, liegt wohl neben der zunehmenden Leseschwäche junger Menschen auch am Umstand, dass die DDR eine relativ kurze Episode in der deutschen Geschichte war und man heute den diktatorischen Elementen wie auch der Überheblichkeit im Westen nicht mehr richtig nachfühlen kann. Ich habe vor kurzer Zeit eine Philologiestudentin in Rostock nach Uwe Johnson befragt. Ja, sie kennt den Autor, aber gelesen hat sie von ihm noch nichts.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
Unterdurchschnittlich, 8. Februar 2009
Die 1932 geborene, in Wien lebende Autorin wurde für ihre Bücher vielfach ausgezeichnet, so erhielt sie unter anderem 1999 den Salzburger Georg-Trakl-Preis und im selben Jahr auf Vorschlag ihrer Namensvetterin Elfriede Jelinek den Wiener Erich-Fried-Preis. - Dieses Buch stammt aus dem Jahre 2006 und ist ein chronologisches Sammelsurium, dessen Sinn sich mir nicht erschliessen will. So folgt im Kapitel "aufwachgedichte" (Gerstl schreibt konsequent klein) auf das im Jahr 2004 geschriebene "entenrede wimmerwärts" das fünfzig Jahre zuvor geschaffene "freiheit und schuld" - formal und inhaltlich etwas völlig anders. Gerstls Lyrik kommt mir ähnlich sprunghaft vor: Da gibt es diese kurzen Sprachspiele, die an Kalendersprüche erinnern: "was weiss man schon / was man glaubt / was glaubt man schon / was man weiss". Dann wird im Dialekt gereimt: "a bissal gfiacht / a bissal gfreid / hauptsach ausn kölla / aussegräud" (april 1945). Spassiges darf auch nicht fehlen: "ladet jupp zu einem joint / ist das sicher gut gemeint / kauft sich hannes eine flasche / hat er geld in seiner tasche ..." (berliner alltag 1968). - Das ist keine grosse Kunst. Leider sind auch die ernsthafteren Gedichte von Elfriede Gerstl nicht besser, so macht sich in "es wird licht - es wird ostern" eine banale Hoffnung breit, wenn sie schreibt: "ES WERDE MÄRZ / und vielleicht kommt er aus gewohnheit / von alleine / ich glaube fest daran / dass es auch april wird". Oder "in mein himmel": "himmel ist das festgeknüpfte netz / ähnlich denkender und fühlender / und das glück / ihm anzugehören". Ähnlich hilflos wirkt z.B. "das prinzip schmolch", wo das Wort - wie in einer Schablone - in jedem Satz eine gültige Aussage macht, ohne dass man am Ende schlauer ist ("schmolch ist die lösung / für dieses und jenes / wer sein schmolch hat / hat schon gewonnen ..."). - Elfriede Gerstl ist zwar wie Reinhard Priessnitz Gründungsmitglied des 1973 gegründeten GAV (Grazer Autorenversammlung), aber einen weitergehenden Einfluss des Schalks und Avantgardisten (von der Kleinschreibung abgesehen) kann ich nicht ausmachen; es scheint so, als ob Elfriede Gerstl eine singuläre Erscheinung ist.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Rauschender Mitschnitt, 5. Februar 2009
Das Konzert fand am 26. November 1979 in Paris, in der Espace Cardin statt, ein recht grosses Theater mit zwei Balkonreihen (man hört es am Klatschen). Der Live-Mitschnitt wurde 1983 in Auszügen veröffentlicht und 2001 digitalisiert, leider mit gewöhnungsbedürftigem Rauschen. Daran hat sich bis heute nichts geändert; eine Box mit dem ganzen Konzert in chronologischer Reihenfolge sucht man vergebens. Im Unterschied zu der zweiten CD spielt Evans hier ausschliesslich Fremdkompositionen, mal in wuchtigen, kräftigen Bögen und beinahe ohne Begleitung (z.B. "My Romance"), dann wieder äusserst perlend und intim (z.B. "Quiet Now"). Bill Evans hatte ein Jahr vor seinem Tod das Gefühl mit Marc Johnson (*1953, Bass) und Joe LaBarbera (*1948, Schlagzeug) wieder an seinem ersten Trio (mit Scott LaFaro und Paul Motian) anzuknüpfen, doch von den beiden hört man hier nichts oder wenig, mit Ausnahme der Soli auf "My Romance".
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Der Klassiker, 5. Februar 2009
Diese CD gehört in jede halbwegs ernsthafte Sammlung. Im Herbst 1978 auf Vinyl herausgekommen, kommerziell aber wenig erfolgreich. Die LP landete schliesslich auf Platz 6 in Grossbritannien und auf Platz 23 in den USA. Für mich ist es aber nach wie vor das fröhlichste, interessanteste und druckvollste Album der Band, irgendwo zwischen Post-Punk, New Wave, Reggae, Ska und knackigem Trio-Rock. Stücke wie "Roxanne" und "Can't Stand Losing You" sind heute Evergreens. Erstaunlich ist für mich, dass mir diese Scheibe nach 30 Jahren noch kein bisschen langweilig geworden ist, wahrscheinlich liegt es an der ausgewogenen Mischung zwischen interessanten Texten (z.B. die Gummipuppen-Nummer "Be My Girl - Sally"), knackigen Rockern ("Truth Hits Everybody") und experimentelleren Stücken wie "Masoko Tango". Einzig "Born In The 50's" macht ein wenig den Eindruck einer Verlegenheitsnummer. Der Vollständigkeit halber seien die exzellenten musikalischen Fähigkeiten der Herren Sumner, Summers und Copeland erwähnt. Sting hat mit Hilfe seiner Kopfstimme einen hohen Wiedererkennungswert und er ist mehr als nur ein passabler Bassist. Andy Summers beherrscht auf der E-Gitarre nicht nur kernigen Rock und Stewart Copeland ist ein äusserst präziser und energischer Drummer mit einer klassischen (militärischen) Stockhaltung. Ich finde es gut, dass die Band 1983 fünf Alben aufgehört und ihren Erfolg nicht bis zum Geht-nicht-Mehr gestreckt hat. Für Romantiker gibt es die sporadischen Reunion-Konzerte.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Unglaubwürdig, 26. Januar 2009
Uzodinma Iweala wurde 1982 in den USA geboren. Er hat in Harvard Literatur studiert und Schreibkurse belegt. Sein Vater ist Chirurg; die Mutter war Vizepräsidentin der Weltbank und danach Aussen- und Finanzministerin von Nigeria. Iweala kennt das Thema der Kindersoldaten daher nicht aus eigener Anschauung, was man dem Buch anmerkt. Die Geschichte folgt der amerikanischen Tradition der gut erzählten Geschichte und versucht mit einer Art Kindersprache ("Ich bin nicht böser Junge") Authentizität zu gewinnen, was leider in der deutschen Übersetzung ein wenig hilflos und unglaubwürdig wirkt, zumal der neunjährige Agu schon beim Schuleintritt die Bibel lesen konnte. Es kommt mir ein bisschen so vor, als ob ein Einheimischer mit einem Ausländer absichtlich falsches Deutsch spricht, in der irrigen Meinung, letzterer würde ihn dadurch besser verstehen. Bis zum Happy End nach hundertfünfzig Seiten ist man den Vorstellungen des Autors ausgeliefert, die trotz aller Brutalität ähnlich blutarm daher kommen wie schriftstellerische Versuche nicht dabei Gewesener, nach dem Zweiten Weltkrieg die Schrecken des Holocausts herbei schreiben wollend. Mir persönlich haben die beklemmenden Schilderungen von Kindersoldaten, die sich im Radio ganz ohne reisserische Blutrünstigkeit (aber mit umso mehr seelischer Pein) über ihre Traumata äusserten, besser gefallen, genau gleich wie die Ansätze eines Primo Levi oder Aharon Appelfeld, die dem Unaussprechlichen auf Umwegen zu begegnen versuchten.
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