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verdoux

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Un loco maravilloso (A Fine Madness) (1966) [Spanien Import]
Un loco maravilloso (A Fine Madness) (1966) [Spanien Import]
DVD ~ Jean Seberg
Wird angeboten von Besten-Preise
Preis: EUR 21,23

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen James Bond flog über's Kuckucksnest..., 16. August 2012
Meine Rezension betieht sich auf die deutsche Fassung auf VHS, da der Streifen auf DVD hierzulande nie in den Vertrieb gegangen ist. es handelt sich um ein unbekanntes Frühwerk mit Sean Connery in der Hauptrolle als impulsivem und zu Grenzüberschreitungen neigendem Poeten Simson. Für die biederen Sechziger Jahre erstaunlich frech und "umstürzlerisch" kommt der in den USA spielende Streifen daher: Simson ist ständig in Geldnöten, wird von diversen Inkassounternehmen verfolgt, weil er die Alimente schuldig bleibt, lässt dabei keine Frau aus, die sich von seinem groben Wesen nicht abschrecken lässt und stellt die Geduld seiner aktuellen Lebensgefährtin (gespielt von Joanne Woodward, der Frau Paul Newmans) permanent auf die Probe. Als sie von der Psychoanalyse als einer Methode erfährt, die Schreibblockaden aufzulösen imstande ist, meldet sie ihren Mann ohne dessen Wissen zur Therapie an. Simson gerät in die Mühlen der Psychiatrie und wird eingewiesen, ist so aber auch dem Zugriff seiner Gläubiger entzogen. Ein Seitensprung mit der Frau des behandelnden Arztes führt nach diversen Verwicklungen und impulsiven Ausbrüchen zu einer Schicksalsfrage: ob der Patient nicht durch eine Lobotomie von seinen "Problemen" kuriert werden kann und zu einem angepassten Mitglied der Gesellschaft werden...
Der Film hatte (zumindest in Deutschland) keine Jugendfreigabe, denn er spielt recht frei (und "erwachsen" für die Zeit in der er entstand) mit einigen Themen, mit denen seinerzeit nicht zu spassen war. Dabei wäre der komödienhafte Ton bei der Hirnchirurgie wohl noch eher erträglich gewesen als die Leichtigkeit, mit der hier Ehebrüche ganz nebenbei vollzogen werden. Der Film dürfte ganz haarscharf an der Zensur vorbei geschrammt sein, denn grade in der Mitte der 60er begann sich der Massstab zu verändern, nach welchem die Zensur entschied, was ging und was nicht (anderes Beispiel aus der Zeit: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?). Bemerkenswert ist die unübliche Rolle des Freiheitspropheten, den oo7 Connery hier gibt und seine virile Energie (auch ganz ohne "Auftrag Ihrer Majestät"). Dass einiges der Thematik vorweg genommen wurde, was zehn Jahre später im "Kuckucksnest" gesellschaftliches Thema war, war für mich überraschend. Der Film ist kraftvoll in seiner Struktur, kann sich dabei aber nie so ganz entscheiden, ob er nun Stellung beziehen will oder nur Komödie bleiben. Das Ende hat eine großartig respektlose (und politisch unkorrekte) Szene zu bieten - denn dem Helden kann auch eine Lobotomie nichts anhaben...
Unter anderem ist übrigens der deutsche Schauspieler Werner Peters zu sehen (bekannt aus der "Der Untertan") sowie Jean Seberg (mit dunkler Haarpracht). Ein für den Kenner interessantes Stück Film mit vielerlei Schauwerten. Man fragt sich, ob es Methode hat(te), dass dieser Streifen derartig stiefmütterlich behandelt wurde (und wird). Vielleicht passte das unartige Werk einfach nicht in das gewünschte Image des Stars. Zur Filmografie Connerys auf jeden Fall ein höchst interessanter Beitrag.


1000 Milliarden Dollar
1000 Milliarden Dollar
VHS

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 30 Jahre alt - visionärer Wirtschaftsthriller mit Patrick Dewaere, 8. April 2012
Rezension bezieht sich auf: 1000 Milliarden Dollar (Videokassette)
Anfang der 80er Jahre entstand dieser Wirtschaftskrimi, in dem ein Journalist (Patrick Dewaere in seiner letzten Rolle) die Machenschaften eines multinational agierenden Großkonzerns aufzudecken versucht - der Filmtitel bezieht sich auf den Jahresumsatz. Aus heutiger Perspektive erscheint der Film für seine Zeit prophetisch. Die Mechanismen globalisierten Handelns werden hier dem Zuschauer in recht einfachen und nachvollziehbaren Erläuterungen ansatzweise vermittelt. Der Film ist heute weitgehend vergessen, lohnt aber einen (nostalgischen?) Blick auf eine Zeit, da Wirtschaftsnachrichten und Kursschwankungen noch nicht Nachrichten und Tagesgeschehen beherrschten. Aus heutiger Sicht gewiss naiv wirkend in einigen Details (der einsame Killer des Konzerns, die redseligen Informanten, das Klischee der verletzten Ehefrau des Großindustriellen, die "Hightech" Großleinwand mit TV-Fernbedienung :), schließlich die "Lösung" aller Probleme durch Abdruck eines Artikels in der Tagespresse...) nimmt sich der Film eines Themas an, das schwer in einem Unterhaltungsfilm unterzubringen war und ist. Wenn man die Zeitreise ins Jahr 1982 zu unternehmen bereit ist, gibt es Auftritte von Jeanne Moreau, Mel Ferrer und Michel Auclair. Regie führte Henry Verneuil - wie schon in "I wie Ikarus" mit Yves Montant.


Kroko
Kroko
DVD ~ Franziska Jünger
Wird angeboten von Good!Movies
Preis: EUR 15,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die "Spastis" und die coole Braut... überraschend fesselnd, 13. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Kroko (DVD)
Ich habe in den Streifen mal zufällig im Spätprogramm reingezappt und bin hängengeblieben, weil er irgendwie eine Dynamik hatte, die ihn für meinen Geschmack positiv vom üblichen TV-Stoff unterschied.
Die Story von "Kroko" und ihrer Gang spielt in Berlin. Der auf dem Cover abgebildete Gesichtsausdruck der Hauptdarstellerin scheint zunächst over-acted und übertrieben, aber das bis zur Karikatur ausgereizte Coolsein überzeugt dann doch irgendwann - es dauert auch nicht lange, bis die Maske zu bröckeln beginnt. Die Aktivitäten der kleinen Gruppe, der Kroko als ranghöchstes Weibchen vorsteht, sind nicht immer legal und so wird sie zu Sozialstunden verurteilt, die in einer Einrichtung für Behinderte abzuleisten sind. Ist die Hauptfigur zunächst nicht sympathisch, so macht ihre Reaktion auf diese "Zumutung" das Zusehen umso spannender. Die Oberzicke kommt rasch an ihre Grenzen und kann mit dem Verlust an Status gar nicht gut umgehen, der mit ihrem neuen Job einhergeht. Mit einer gewissen Schadenfreude begleitet der Zuschauer Krokos Weg durch ihre Strafstunden, die Pampigkeit, mit der sie sich gewöhnlich ihre Umwelt vom Leib hält, bringt sie hier nicht weiter. Sie spürt instinktiv, daß es kein Sieg ist, den die "Spastis" überlegen zu sein. An diesem Punkt wird die Handlung komplexer, weil sich ein Wertesystem zu verschieben beginnt und Kroko sich dabei ertappt, von den "Krüppeln" mehr angesprochen zu sein, als ihr lieb ist. Die Herausforderung, einmal verantwortlich zu sein und sich davor nicht drücken zu können, verändert vieles. Als ihr Freund fremdgeht und sie sich von ihm trennt, ist die Brücke in die alten Gewohnheiten vollends abgebrochen und wir beobachten, wie sich eine neue Persönlichkeit entwickelt, die nicht mehr den Gesetzen der Hackordnung unterworfen ist. Das klingt pädagogisch wertvoll (und ist es vielleicht auch), doch es hat mich als Zuschauer überzeugt. Man merkt die "Absicht" nicht (wie oft in solchen Streifen) und ist verstimmt, sondern beobachtet den Fluss der Geschichte, die teilweise eher wie eine Doku daherkommt, Handkamera und recht authentisch, bis man realisiert, was da passiert und daß hier eine Entwicklungsgeschichte erzählt wird. Ohne Kitsch und ohne Pose (der political correctness) und das macht den Unterschied aus. Von daher meines Erachtens ein guter Film auch für die Arbeit mit Jugendlichen. Und weil hier bisher keine Besprechung existiert hat, habe ich ein wenig geworben (hoffe ich) für diesen Geheimtip.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2013 3:08 AM CET


Vorhof zum Paradies
Vorhof zum Paradies
DVD ~ Sylvester Stallone
Wird angeboten von Online-Versand-Grafenau GmbH
Preis: EUR 8,59

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was verbindet Tom waits mit Sylvester Stallone - beide singen im selben Film, 31. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Vorhof zum Paradies (DVD)
Sylvester Stallone war einmal... ein Hoffnungsträger Hollywoods. Kurze Zeit (nach den Oscars für ROCKY) wurde er als Wunderkind gehandelt. Zu diesem Streifen schrieb er das Buch, spielte eine Hauptrolle (Merke: nicht DIE Hauptrolle - wie danach nur noch) und führte Regie. Herausgekommen ist eine mit viel Liebe gezeichnete Milieustudie über drei ungleiche Brüder, die 1946 in New York ihren Ausstieg aus der Armut mit Ringkämpfen versuchen. Der jüngste (aber nicht kleine) Bruder des Teams ist von seiner Mentalität kaum fürs Ringen geschaffen, da er völlig aggressionslos und im Einklang mit den Dingen lebt (ein kleines Plädoyer des Autors für die entwaffnenden Kräfte der Einfalt - Rocky hat als Figur ähnliche Züge, was ihn mal sympathisch gemacht hat / Teil 1&2...). Cosmo (gespielt von Stallone) ist der kommunikative Typ des Teams, ein redseliger Angeber mit einigem Humor aber auch getrieben von Ehrgeiz, Geld und Achtung zu erringen. Armand Assante spielt den kriegsversehrten dritten Bruder, das intellektuelle Oberhaupt der drei...
Vielleicht hat es Stallone manchmal zu gut gemeint mit den vielen Handlungssträngen (das an "Casablanca" erinnernde Paar, das sich wieder zusammenrauft wie auch die etwas flach geratene Darstellung von Cosmos blonder Freundin), insgesamt aber lässt sich staunen, wieviel Kreativität und Bilderreichtum in diesen knapp zwei Stunden enthalten sind. Einiges, was später noch Thema werden sollte bei Stallone (Armdrücken, Kämpfe über viele Runde montiert als Taumel der Bilder...) wird hier schon angedeutet. Da der Film in den USA floppte, hat es Stallone ab 1978 leider vermieden, irgendwelche wirtschaftliche Risiken für die Kunst einzugehen und seine Filme wurden - spätestens nach Rocky 2 immer stumpfer und gewaltverherrlichender. Statt einer (in ihrer Naivität sympathischen) Studie über das Miteinander von Menschen (und das Wechselspiel aus Gewinnen und Verlieren, wobei auch das Verlieren nicht die Würde kosten muss wenn es noch andere Werte gibt als Stärke) hat sich der spätere Hard-body-hero ab den 80er Jahren nur noch der Geschichte von Gewalt und Rache gewidmet - der Humor und die Milde, die die früheren Filme auszeichneten, waren seither vergessen. Daß das mal anders gewesen ist, ist wohl nur für wenige interessant, aber für diejenigen ist "Vorhof zum Paradies" einen Abstecher wert. Ach ja: Stallone singt auch den Titelsong selbst und es gibt neben Soundtrackbeiträgen auch einen Miniauftritt von Tom Waits (als "Mumbles").
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 25, 2012 11:55 PM CET


Mister Universum
Mister Universum
DVD ~ Arnold Schwarzenegger
Wird angeboten von Filmwelt
Preis: EUR 9,68

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur bedingt Fan-tauglich: Lebenskluger und Fiedelspielender Schwarzenegger in kultigem 70er Jahre Streifen, 31. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Mister Universum (DVD)
Ohne die Bereitschaft zu einer kleinen Zeitreise wird man diesem Streifen wohl nichts abgewinnen können. Fans des als wortkargem Cyborg berühmt gewordenen Österreichers werden eher irritiert sein, denn "Arnie" ist hier mehr ein ganz anderer Typ. Dem Regisseur ging es um die Thematisierung von Widersprüchen jenseits der Klischees und darum wie niederträchtig und destruktiv Menschen werden, wenn sie nicht bereit sind offen aufeinander zuzugehen. Jeff Bridges spielt einen verwöhntes Wohlstandskind, einen Südstaatler aus altem Adel, das nach dem Tod seiner Eltern versucht, ein eigenes Geschäft aufzubauen und mit einer dubiosen Gruppe von Geschäftsleuten in einen Immobiliendeal eingestiegen ist. Unerfahren wie er ist und daran gewöhnt alles was er anfasst mit der Neugier eines großen (und reichen) Kindes anzugehen, fühlen sich seine Partner bald verprellt, als er statt den Kauf eines heruntergewirtschafteten Bodybuilderstudios festzuklopfen beginnt, dort Freundschaften zu schließen und sich verliebt...
Vom äußeren Handlungsfaden her ist diese Story eine Entwicklunggeschichte, in der Arnold Schwarzenegger die Rolle eines lebensklugen Individualisten und Ausnahmecharakters spielt, den österreichischen "Mr. Universum"-Titelträger Joe Santos, eine charismatische Figur, die dem nach Sinn und Struktur suchenden jüngeren Blake (Jeff Bridges) Hilfestellungen und Orientierung gibt. Die von Sally Field gespielte Freundin Santos' wird zu Blakes Geliebter und der Muskelmann begleitet diese Entwicklung eher wie ein großer Bruder oder ein Guru, der für seine Freunde das für sie Beste im Auge hat und dabei bereit ist, zurückzutreten und allen zu erwartenden Rollenklischees aus dem Wege zu gehen.
Je mehr die Charaktere in diesem Film festgelegt sind, je sicherer die Menschen ihrer Urteile und Vorurteile zu sein scheinen, desto unsympatischer erscheinen sie. Der arrogante und blasierte Umgang der sogenannten besseren Kreise Blakes' mit dem vermeinlich primitiven Santos bei einer Upper-Class-Party, der sich dieser Behandlung mit stiller Würde entzieht (statt mit großer Rache, wie es Arnies Fans wohl erwarten würden) ist ein Plädoyer für die Freiheit, das Leben stets neu und mit offenen Augen zu betrachten. Ausgerechnet den späteren "Terminator" in einer Charakterrolle zu sehen, deren herausragenste Eigenschaft Achtsamkeit und Milde im Umgang mit sich und anderen ist, das ist die eigentliche Überraschung des Filmes, jedoch nicht die einzige... Regisseur Bob Rafaelson läßt die Handlung gegen Ende hin deutlich an Fahrt gewinnen und die einprägsamste Szene ist wohl die, in der 20 Bodybuilder in knappen Shorts und eingeölt aus dem Wettbewerb auf die Hauptstraße laufen und zwischen Passanten und Pkws ihre Posen einnehmen... Surreal und genial. Das ist Ironie und Filmkunst, wie sie dem späteren Megastar nie wieder derartig nahe kommen sollten. Zu erwähnen ist für die Kinofreaks auch noch, daß der spätere "Freddy Krueger"_Darsteller Robert Englund eine kleine Charakterrolle hat.
Weniger als ums Gewinnen - um jeden Preis - geht es darum, Lebendigkeit und Freiheit zu erhalten. Obwohl (wohl wegen einer Sequenz in der Drogen und Sex eine ungute Mischung abgeben und auch Vergewaltigung Thema wird) der Film mal keine Jugendfreigabe hatte (FSK 18!), ist das der friedlichste und sympatischste "Arnie" in diesem Streifen, den es je auf der Leinwand gab (der spätere Cyborg spielt sogar in zwei Szenen mit ein paar Einheimischen Bayoubewohnern zusammen Geige - ungedoubelt!) Ein Geheimtip für diejenigen, die das Unvorhersehbare dem Absehbaren vorziehen.


Im Angesicht des Verbrechens - Die komplette Mini-Serie (4 DVDs)
Im Angesicht des Verbrechens - Die komplette Mini-Serie (4 DVDs)
DVD ~ Max Riemelt
Preis: EUR 14,99

26 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deutsche Fernsehproduktion mit internationalem (Kino-) Niveau, 5. November 2010
Angenehm, wie es Dominik Graf gelingt, sich von den hiesigen Fernsehkonventionen zu lösen und in seiner großformatigen Serie beweist, wie "kino-like" sich Krimistoffe auf den Fernsehschirm bringen lassen. Abseits von den eher provinziell wirkenden Tatort-Koordinaten führt die Handlung vielschichtig und abwechslungsreich durch die Milieus der Großstadt (Russenmafia einerseits, andererseits auch die ernüchternde Alltagswelt der Polizeiprotagonisten, die ihren Alltagsfrust nach Schichtende über Alkohol oder Gelegenheitssex zu beherrschen suchen), dabei sind die korrupten Cops nicht so viel anders als die "Aufrechten". Einige Vertreter des "Verbrechens" verfügen ihrerseits über erstaunliche Moralbegriffe, jenseits der gesellschaftlichen Normen zwar, aber tiefer gehend als diese, im Sinne einer "Kameradschaft" angesichts einer Umwelt, die nie anders als feindlich erfahren wurde. Andere der bösen Jungs haben keine Ideale und agieren nur nach den Gesetzen des Marktes, sind auf obszöne Weise als deren Spiegelungen zu verstehen, diese "andere Seite der Wirtschaft" ist kaum zu unterscheiden vom freigelassenen Kapitalismus und vielleicht dessen logische Weiterentwicklung - ungetrübt von den jeweiligen Normen des Staates angesichts globalisierter Märkte...
"Angesichts des Verbrechens" ist trotz der Liebeleien und einiger interessanter Frauenfiguren eher eine "Männerserie", denn es sind die Rituale des Revierverhaltens, des Siegens oder Unterliegens und der teilweise unreflektierten Beharrlichkeit, mit der die "guten Jungs" die Bösen jagen und dingfest zu machen versuchen, die hier die heimliche Hauptrolle spielen. Die Sturheit, zuweilen im Witz offenbart, scheint oft nichts anderes als eine Übersprungreaktion der Polizisten auf die schwelende Frage zu sein, zu was ihr Kampf eigentlich gut sei und ob er einen Sinn hat im allgemeinen Chaos der Welt.
Der Widerstand gegen das Fremdbestimmtsein ersetzt die Freiheit, die es nicht geben kann, und charakterisiert die Polizisten wie deren Gegenspieler. Illusionslos in seiner Analyse der Welt scheint uns der Regisseur sagen zu wollen: die ganz schlechten Menschen sind so selten wie die ganz guten, meist bewegen sich Menschen in den Zwischenräumen, und Gutes wie Böses ist aus Quellen gespeist, die aus der Distanz eher banal sind (Rache, Wiedergutmachung, Gier, Überlebenswille, Dummheit, Trotz). Ein Filmwerk in der gefühlten Tradition des grossen Kinos (z.B. des französischen Krimis von Ventura, Gabin und Delon) und seiner Fragen nach Moral und den Grenzen von Loyalität einerseits, aber heruntergebrochen in ein "hier und heute", in eine Welt, in der die Fronten nicht mehr so einfach darstellbar sind wie in den Klassikern. Das reife Werk eines reifen Regisseurs, dem es - zum Glück derer, die es schätzen können - gelungen ist, diese "altmodischen" Themen des Kinos (und des Lebens) in einer vitalen Handlung zu formulieren und in einem rasanten Look zu verpacken, ohne daß es jemals lächerlich oder öde wird - wie es im deutschen Kino schon oft lächerlich wurde, wenn ein Krimi versuchte, das häufig anhaftende provinzielle Image "international" erscheinen zu lassen. Das ist das wirklich gelungenste Prädikat, das ich der Serie geben würde: exportfähiges (TV-) Kino mit internationaler Klasse.


Ohne mich fehlt mir was: Dichterlesung. Live-Mitschnitt aus dem Kulturzentrum der Aktion Lebensqualität, München
Ohne mich fehlt mir was: Dichterlesung. Live-Mitschnitt aus dem Kulturzentrum der Aktion Lebensqualität, München
von Holger Franke
  Audio CD

4.0 von 5 Sternen Flower Power Theatermensch erinnert sich an seine Anfänge..., 8. November 2009
Das "Theater Rote Grütze" machte in den 70er und 80er Jahren Jugendtheater, bearbeitete Themen wie Sexualität und Gewalt mit genauer Beobachtung, mit verschmitztem Humor und großem Engagement für gesellschaftliche Zusammenhänge bis hinein ins Private. Leider sind die seinerzeit entstandenen TV Aufzeichnungen nicht zu erwerben, die Theatergruppe hat sich schon lange getrennt. Holger Franke war Mitbegründer dieser Theatergruppe. In seiner Lesung, die hier auf CD zu beziehen ist, liest er aus seinen persönlichen Erinnerungen, seiner Jugend, Kindheit und für ihn und seinen Weg als Schauspieler und Theatermacher wichtige Begegnungen mit Menschen dieser Zeit. Aufgewachsen in den Jahren der Nachkriegszeit spielt die sture Haltung des Vaters zur Vergangenheit eine wichtige Rolle im Leben des heranwachsenden Jungen, der mit den Idealen von Härte und Treue um jeden Preis nicht klarkam. Das gesellschaftliche Klima auf dem Dorf begünstigte in dem Jungen den Wunsch nach einer Wirklichkeit, in der andere Werte zählen sollten, und insofern behandeln die Texte auch den Aufbruch in die 68er Generation und den verbundenen Bewußtseinswechsel jener Zeit. Amüsant zu hören lernt man auf der CD einen in die Jahre gekommenen Schalk kennen, der neben der Unterhaltung auch ein Bekenntnis zu Werten ablegt, die heute so nicht mehr thematisiert werden, eine kleine Zeitreise in die 50er Jahre ist inbegriffen. Empfehlenswert.


Charms Zwischenfälle
Charms Zwischenfälle
DVD ~ Der Österreichische Film / Edition Der Standard
Preis: EUR 11,99

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schräges Stück Film nicht für jedermann..., 15. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Charms Zwischenfälle (DVD)
Bin durch Zufall an die DVD gekommen und habe mal reingeschaut. Die kaum nennbaren Erwartungen wurden belohnt. Eine skurrile Folge von Seltsamkeiten machen die "Geschichte" aus. Absurditäten und Surreales, ein wenig wie Monty Python als depressive Episode, das Ganze mit österreicherischem "Charme"(?) und etwas Alptraum von Kafka in den 80er Jahren. Zwischendrin moderiert Ulrich Tukur das Unsagbare... Ein Glücksgriff für Leute mit seltsamem Geschmack, vielleicht auch nur eine angenehme Abwechslung von Zweck- und Sinnbetonten, das gewöhnlich als Leitplanke fungiert, wenn einer Drehbücher schreibt und Geschichten erzählen will. Viel Geld dürfte dieser Film übrigens weder gekostet, noch gebracht haben. Dafür hat er Kultfilmpotential für Leute, die einen anderen Blickwinkel zu schätzen wissen und die Komik im Absurden zu sehen vermögen.


Becket
Becket
DVD ~ Richard Burton
Preis: EUR 11,35

5 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas angestaubt, aber noch ansehbar., 15. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Becket (DVD)
Richard Burton, Peter O'Toole... okay. Die beiden (Theater-) Mimen tragen bis heute diesen doch recht angestaubten Historienschinken. Ich wurde den Gedanken nicht los, das Ganze wäre besser als Theaterstück oder eher kammerspielartig inszeniert worden, Stoff und Besetzung schreien geradezu: THEATER! Die Dialoge sind demgemäß präzise und illustrieren das Thema einer außergewöhnlichen Freundschaft zweier Männer in angemessener Weise. Ob in der Geschichte eine latente homoerotische Note mitschwingt, muß jeder Zuschauer wohl selbst entscheiden. Die Leidenschaft, die den vom Freund zurückgewiesenen König zur wahnhaften Rache treibt, entspringt jedenfalls einer Quelle, die diese Lesart unterstreicht. Überhaupt gibt es neben dem historischen Thema einiges zu den Bedingungen zu diagnostizieren, unter denen in den Sechzigern "großes" (aber braves) "Kino" entstanden ist. Der Wille, Dinge beim Namen zu nennen, ist fühlbar, aber letzten Endes muß sehr viel verschlüsselt bleiben, um das eher prüde Publikum nicht zu provozieren (amüsant ist z.B. die Szene, in der die Männer über "Ästhetik" raisonnieren und der schamlose (?) Blaubart zur Veranschaulichung seiner Gedankens aber nicht mehr sehen läßt als ein Stück Schenkel der neben ihm im Bett liegenden nackten Schönheit). In der Filmografie der beiden Stars ist der Film einer von den ansehbaren, aber kein Muss. Endlose Passagen von Kirchenritualen und Siegeszügen mit großer Statisterie besitzen heute kaum noch Schauwert und reizen zum Vorspulen zum nächsten Dialog - was manchmal dauern kann. Die Musik ist platt und mit "Täterätä, der König reitet" - Elementen eher nervig. Vieles der Studioatmosphäre ist unangenehm deutlich, putzige Masken und nach Nicki-Stoff aussehende Kostüme laden zu manch belustigendem Kommentar ein. Der bildungsbürgerliche "Auftrag" eines solchen Filmes, der seinerzeit viele Oscarnominierungen erhielt, gibt dem ganzen heute ein schales Geschmäckle. Einzig die unsterblichen Darsteller rechtfertigen heute noch eine DVD-Präsentation dieses lange Zeit vergriffenen Films. Kann man gucken, muss man aber nicht.


Das Gesetz der Gewalt / American Me / Sans Rémission (Import, deutscher Ton)
Das Gesetz der Gewalt / American Me / Sans Rémission (Import, deutscher Ton)

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Regie und Hauptrolle: Edward James Olmos, 15. August 2009
Der hierzulande leider zu Unrecht kaum bekannte Edward James Olmos ist den meisten Filmfreunden nur bekannt aus dem "Blade Runner", wo er den etwas zwielichtigen Begleiter des Helden spielt, ansonsten kennen manche sein Gesicht aus dem Öko-Horror-Streifen "Wolfen", dort gibt er einen charismatischen Indianer. Daß Olmos auch ein starkes soziales Engagement treibt, belegen seine Regiearbeiten "Stand and deliver" (dort spielt er einen Mathematiklehrer aus Leidenschaft, der im Ghetto die Kids zu Bildung und Vernunft anzuhalten versucht)und "Das Gesetz der Gewalt", letzterer ist leider nur als Import, dafür aber mit dt. Tonspur erhältlich.
Vom Budget eher einfach gehalten, gelingt es Olmos, die Zerrissenheit zu vermitteln zwischen dem harten Kerl und Bandenchef hinter Gittern einerseits, und dem zum Scheitern verurteilten Idealisten andererseits, der an jenen Gesetzen scheitert, die er selbst ein Leben lang vertreten und zum eigenen Überleben genutzt hat. Nach 20 Jahren Haft begegnet er zum ersten Mal einer anderen Welt, verkörpert von einer selbstbewußten Mexikanerin, die seinen weltanschaulichen Stillstand ins Wanken bringt. Die schlussendliche Erkenntnis der Auswegslosigkeit des Versuches, mit den Gesetzen der Machterhaltung zu brechen, bildet den Schlußstein des Filmes, zuletzt tritt der "Held" seiner Hinrichtung entgegen als jemand, der alle Illusionen verloren hat und dennoch eine (ethische) Alternative wählt zum Stillstand, zum System von Gewalt, Zwang und Mord.
Tradition und Opfer sind wichtige Begriffe der Geschichte, Loyalität zur Gang, zur Hautfarbe zum althergebrachten Umgang mit einer Umwelt, in der einzig den Verzicht auf Individualität - zugunsten der "Familie" oder Bande - einen Schutz für Leib und Leben zu bieten imstande ist. Man denkt beim Zuschauen nicht selten an große Vorbilder wie Scorsese oder Coppolas Patentrilogie, wobei es Olmos' Film gelingt, die Gewalt stets so häßlich und gemein aussehen zu lassen, daß sie niemals Reiz oder Faszination ausstrahlt. In diesem Sinne ist der Film "pädagogisch wertvoller" als die genannten Klassiker, die den Aspekt des (Gewalt-)Rausches, der Macht, des Triumphes oft so schildern, daß die Gewalt (für entsprechend einfache Gemüter) durchaus als ein Mittel der Wahl erscheinen mag. In Olmos' Streifen ruft jede Gewalt sogleich wieder neue hervor, objektiv und scharf beobachtet, knapp erzählt und ohne dabei moralisierend zu sein. Alle Täter sind gewesene Opfer und zugleich ewig Getriebene. Der Film geht in drastischen Bildern (die sexuelle Gewalt unter den Häftlingen) so weit wie kein Hollywoodfilm das jemals tat und stellt damit die Frage nach der "Freiheit einer Wahl" in schon fast philosophischer Dimension. Indem sein "Held" trotz seines Todes in seinem Opfer die verlorene Würde wiederfindet, gibt Olmos eine Antwort auf die Frage nach der Unausweichlichkeit. Gleichzeitig ist das Ende kein optimistisches, denn die Muster der Gewalt beherrschen nach wie vor wie ein Fluch das Universum, in dem die Beiteiligten leben müssen und daß ohne Alternative ist...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2013 8:08 AM CET


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