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Rezensionen verfasst von
spaceboy73 "spaceboy73"

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Mark Hollis
Mark Hollis
Preis: EUR 10,98

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Enigma, 6. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Mark Hollis (Audio CD)
...war ein großartiger Song von Emerson, Lake & Palmer und ein unnötiges Projekt von Michael Cretu.
Aber ein Enigma - ein Rätsel - ist auch das Debutalbum von Mark Hollis.
Selbst wenn man das Spätwerk von Hollis Band Talk Talk kennt, ist man zunächst von der Stille überrascht.
Aber der Schock kam für mich in der spärlichen - ja spartanischen - Instrumentierung des ersten Songs.
Der Name (colour of Spring) war auch der Name eines Talk Talk Albums, aber dieses nur aus Klavier und Gesang bestehende Lied war irgendwo das Gegenteil der üppig, orchestralen Arrangements von Laughing Stock und v.a. Spirit of Eden.Aber dennoch ist die gleiche Melancholie in der Musik da.
Texte und Arrangements lassen nicht vermuten, dass hier ein Familienvater am Werk ist, der das Glück seines Lebens im Privatleben gefunden hat und noch einmal eine abschließende (musikalische) Aussage tätigen möchte.
Kann man Zeilen wie "should have said so much. Makes it harder. The more you love" derartigen Emotionen zuschreiben?
Und doch ist das die vorherrschende Stimmung auf Mark Hollis. "Inside Looking Out" ist eine Mischung aus Erik Satie und einem Requiem.
Und doch kommt auch immer wieder die groove der letzten Talk Talk Alben auf. Wie auf "The gift". Aber wieder die Frage, was uns der Autor des Textes (Mark Hollis) sagen will? Ein Enigma!
Bei "A Life" schafft er es sogar, drei komplett verschiedene "Rythmen" in einen Song zu packen, so dass es Sinn ergiebt. Dazu ein Text aus 14 Wörtern - der Song dauert 8 Minuten.
Vom Stil her erinnert manches an Jazz, aber Mark Hollis legt sich selten fest. Da ist immer noch einiges an Pop drinnen - wenn auch gut versteckt.
Wenn man Mark Hollis auflegt, ist man versucht, schnell wieder abzudrehen - auch aus Angst, berührt zu werden.
Aber bis diese Emotion das Gehirn erreicht, ist es schon zu spät. Man ist Gefangener in der Welt des Mark Hollis und die Platte läßt einen nicht mehr los - bis man am Ende ist. Dann ist man erst einmal erleichtert ob der Tour de Force. Aber schon bald muss man sie noch einmal hören und versucht zu verstehen und versteht nichts. Vielleicht gibt es da auch nichts zu verstehen. Auch in 14 Jahren nicht............


Wrong Way Up
Wrong Way Up
Wird angeboten von jazzfred1975
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen VORSICHT: Pop-Musik (vom Feinsten!), 27. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Wrong Way Up (Audio CD)
Es klingt ja fast, wie der feuchte Bubentraum aller Fans einigermaßen anspruchsvoller Musik: Ein gemeinsames Album von John Cale und Brian Eno!
Nicht dass es die erste Zusammenarbeit der beiden war. Im Gegenteil entstanden doch gerade die klassischen John Cale Alben auf dem Label Island ("Fear", "Slow Dazzle", "Helen of Troy") in Zusammenarbeit mit Eno. Und da alte Liebe nicht rostet haben sich die beiden 1989 für John Cales unterschätztes Werk "Words for the dying" wieder zusammengefunden.

Dennoch ist "Wrong Way Up" eine andere Geschichte. Allein schon die Ausgangssituation. Wer (außer der deklarierte Fan Vaclav Havel, der maßgeblich an der VU Reunion beteiligt war - allein schon dafür möge er in Frieden ruhen) interessierte sich schon 1989/1990 für den Freak, der irgendwann einmal bei Velvet Underground war. Oder diesen Eno, den man wohl eher als Produzent von U2 (The Joshua Tree war noch nicht so lange her) kannte.
Ich war damals 17 und bin gerade auf Velvet Underground gekommen und entdecke im Plattenladen in Österreich ausgerechnet diese Platte. Gekauft hab ich sie v.a. auch wegen des Coverfotos, das zum Namen paßte und ich witzig fand. Und dann leg ich die Platte das erste mal auf. Das erste Lied "Lay my love"

Ein ungewöhnlicher Rythmus, Geigen und ein unbestimmtes Dröhnen im Hintergrund und diese abgehackte Gitarre, die so klang wie die von The Edge und doch genau das Gegenteil war, weil abgehackt und nicht endlos. Und Eno singt mit seiner unverwechselbaren Stimme. Die Einzelteile sind so ungewohnt, aber das ganze klingt so schamlos nach Popmusik, sogar nach Hitparade, dass ich mich fast dafür geschämt habe, als "cooler Teenager" sowas zu hören!
Aber nur bis zur zweiten Nummer "One World", die so zuckersüß daherkommt, dass es schon egal ist, weil man sich dem Bann nicht entziehen kann. Bis ich kapiert habe, dass die Texte alles andere als Happy Sound sind, übersieht man dabei beim ersten Hören.
Das ändert sich bei den Liedern, die aus Cales Feder stammen (In the backroom, Cordoba und Footsteps), diese sind so minimal arrangiert, dass sich der Focus automatisch auf den Text richtet. Die Texte (weder die von Eno noch die von Cale) sind selten eindeutig und oft auch surrealistisch.

Für mich mangelt es auch nicht an Höhepunkten. Es gibt sogar gleich 4 davon und die gleich hintereinander auf der Platte:
Empty Frame beginnt als "Seemannsgeschichte", wie vielleicht Sloop John B. Erst als in den letzten Versen die "leere Hülle der Vernunft" über Bord geworfen wird, weil man Vernunft nicht mehr braucht, weiß man, dass es sich hier um eine abstrakte Metapher handelt. Und wieder diese ungewöhnliche Instrumentierung, die sich aber zu einem konventionellen Ganzen zusammenfügt.
Cordoba zählt zum schönsten und lyrischten, das John Cale jemals geschrieben hat. Ganz im Stil von seiner Arbeit auf "Music for a New Society", aber mit deutlichem Eno Einfluß beim Sound und den Effekten.
Und dann kommt Empty Frame! Ich hätte Brian Eno viel zugetraut, aber nicht, dass er einen vertämten Song wie diesen schreiben kann! Es beginnt mit einem pulsierenden Rythmus auf der Drum Machine, dann diese abgehackte Endlosgitarre (Marke Lanois oder The Edge) und im Hintergrund ein melancholischer Synth. Dann beginnt Eno über einen Abend zu singen, wo er am Berg sitzt und bei Sonnenuntergang zeichnet. Kitschig? JAAA, ABER GUT! Falls jemand die Cover Version vom "The Beach" Soundtrack kennt (die sich um Nähe zum Original bemüht), der wird von dieser Version begeistert sein.
Dann singt wieder Cale. Footsteps beginnt gleich mit einem tollen Vers: "I'm a man of many colours, only yesterday I was blue. Ten days from now, I'll be different and so will you". Das ist John Cale in höchstform.

Fazit: Wenn man sich auf diese vordergründig leichtfüßige Platte einläßt, wird man mehr als nur einen schönen Moment erleben. Eignet sich übrigens auch hervorragend als Einstiegsdroge. Wrong Way Up war die erste Soloplatte von irgendeinem der beiden. In den vergangenen 21 Jahren hat sie viel Nachwuchs bekommen!
Diese Platte ist mehr als die Summe ihrer Zutaten, was sie zum Besten macht, was einer der beiden jemals abgeliefert hat - bis heute.


Low
Low
Preis: EUR 7,99

41 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man stelle sich vor...., 18. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Low (Audio CD)
..es ist 1976/77. Deutschland ist zwischen RAF-Terror und Discomusik (ABBA, Boney M.) hin- und hergerissen. Diese Zeit sucht sich ein Engländer, der die letzten beiden Jahren Soul (Young Americans) und Kokain ("Der Mann der vom Himmel viel", Hitlergruß ans wartende Publikum in London bei seiner Heimkehr) erforscht, um mit seinen neuen Bekannten Iggy Pop und Brian Eno in eine geteilte Stadt (Berlin) zu ziehen.
Und die Kombination aus Drogen(entzug), der Mauer und eben Eno ist auf dieser grenzgenialen Platte unüberhörbar. Aber Vorsicht! Das hier ist uneasy listening! Für Bowie Fans muss es ja fast ein Schock gewesen sein. Der Beginn einer Achterbahnfahrt, die bis heute noch nicht zu Ende ist. Nur 1 Jahr zuvor war der Ohrwurm Young Americans in der Hitparade, aber auf Low war kein Hit weit und breit zu sehen. Überhaupt haben nur 5 von 11 Liedern einen ordentlichen Text.
Die 1. Seite der LP (und so sollte man die Cd programmieren, mit Pause) beginnt mit "Speed of Life", einer rythmischen Instrumentalnummer, die auch auf "Stationtostation" gepasst hätte. Man wiegt sich schon in Sicherheit, aber dann geht's Schlag auf Schlag: "Breaking Glass" deutet eine sehr arge Geschichte an, "What in the world" ist ein Iggy/Bowie Duett, das kaum optimistischer ist. "Sound & Vision" klingt im Vergleich dazu fröhlich, aber "Always crashing the same car" muss ein sehr schlimmer Entzugsalbtraum gewesen sein. Das letzte Stück mit verständlichem Text ist das seltsame "Be my wife", beginnt mit dem Satz "sometimes I get so lonely" und endet mit "Sometimes you get so lonely". Überhaupt ist Einsamkeit die dominierende Stimmung.
Auch auf der "instrumentalen" Seite 2, die eigentlich nicht ganz instrumental ist. Das grandiose "Warszawa" (Joy Division nannten sich nach diesem Lied zunächst Warsaw) und "Subterraneans" sind in einer schönen, aber unverständlichen Fantasiesprache geschrieben, eine Idee von Eno. Überhaupt ist der Einfluß von Eno auf Seite 2 am stärksten zu hören (eben die instrumentalen Nummern). Aber auch sonst hat sich Bowie einiges abgeschaut, was ihn teilweise bis heute begleitet und das ist gut so!
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 10, 2012 12:57 PM MEST


The Name of This Band Is Talking Heads
The Name of This Band Is Talking Heads
Preis: EUR 17,59

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen This ain't no disco..., 4. September 2004
...aber eine Party ist es in jedem Fall. Ich gehöre nicht zu den Glücklichen, die dieses Werk schon vor 22 Jahren auf Vinyl gekauft haben und bin erst sein kurzem so richtiger Talking Heads "Fan" (auch wenn ich das Wort nicht mag).
Mit hohen Erwartungen (nicht zuletzt aufgrund der Rezension hier), hab ich mir dieses Werk gekauft und gleich den Fehler gemacht, es in der U-Bahn in meinen Discman zu tun, denn es hat mich beinahe vom Sitz gehauen.
Live Cd's sind oft ja eine Entäuschung, aber hier: wahnsinnig geiler sound, irre Versionen der songs und ein unbeschreiblicher David Byrne auf Cd 1 und ein ebenso unbeschreiblicher Adrian Belew (Gitarre bei King Crimson, Bowie, etc.) auf Cd 2!
Es werden Konzerte aus 4 Jahren vorgestellt. Zuerst 1977: 6 Nummern vom Album 77 und eine, die voher glaub ich noch nicht veröffentlicht war. Man hört die 4 jungen Talking Heads, die handwerklich grandiose Arbeit abliefern und die Songs in längeren und teilweise freakigeren Versionen (The Book I read) bringen. Höhepunkt hier die Rythmussektion Tina Weymouth und Chris Frantz, sowie das tolle Zusammenspiel der Gitarissten Byrne und Jerry Harrison.
1978 zeigt die Talking Heads von ihrer funkigsten Seite. Höhepunkte gibt's hier nicht, weil alle 5 songs gleich faszinierend sind.
1979 hört man David Byrne, wie er komplett dem Wahnsinn verfallen ist (Mind!)! Mehr kann man dazu nicht sagen.
Für die Remain In Light Tour 1980/81 haben sich die Talking Heads einen haufen Gastmusiker (Adrian Belew, Steve Scales, etc.) und Backgroundsängerinnen geholt. Ein Freund von solchen großen Bands bin ich ja nicht, aber hier funktioniert's prächtig. Die songs werden in sehr erdigen Versionen präsentiert und auch hier find ich besonders toll, wie man den sound der Rythmussektion hingekriegt hat. Man spürt den Bass genau dort, wo man soll.
Diese Platte ist nicht nur für den Fan ein Muss, sondern für jeden der funkige Musik mag, ein absoluter Hörgenuss! Fast schon Tanzmusik, also doch disco ;-)


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