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Rezensionen verfasst von
Chrissytina

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Ich, Bakoo
Ich, Bakoo
Preis: EUR 3,99

5.0 von 5 Sternen Ein wirklich gelungener Jugend-Fantasythriller, 31. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Ich, Bakoo (Kindle Edition)
Zum Inhalt:

Bakoo und sein Avoca mit Namen Muunabat sind unzertrennlich. Sein großer Traum ist es, ein berühmter Avoca-Jockey zu werden. Doch seine Eltern pushen seinen Bruder Rango und wollen zu allem Überfluss auch noch Bakoos geliebtes Avoca verkaufen.

Kurz darauf entbrennt ein Konflikt zwischen den Siedlern des Wüstenplaneten Cambrium und den Wüstennomaden. Bakoo ahnt noch nicht, dass er bei der Lösung dieses Konfliktes eine entscheidende Rolle spielen wird...

Meine Meinung:

"Ich, Bakoo" ist ein wirklich gelungenes, kurzweiliges Jugendbuch. Es bietet viel Spannung, bringt einen zum Schmunzeln und Nachdenken.

Das Buch zeichnet sich durch eine ausgesprochen bildhafte Sprache aus. Es packt den Leser schon auf den ersten Seiten und lässt ihn bis zum Ende nicht mehr los.

Hubert Wiest erschafft hier eine Welt, die in sich sehr stimmig ist, die ihre positiven und negativen Seiten hat. Mir haben es die sogenannten Gorgonen besonders angetan. Das sind riesige Tiere, die sich im Sand eingraben, bis sie unsichtbar sind und ständig auf der Lauer nach neuen Opfern - auch Menschen - liegen. Außerdem gibt es noch tolle "Erfindungen" wie die leckeren Dipplibällchen, deren Beschreibung einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Auch Glaskuppeln, fliegende Sofas und vieles mehr gibt es zu entdecken.

Also insgesamt ein rundum empfehlenswertes Buch!

Wer weiß, vielleicht haben die begeisterten Leser Glück, und es wird noch eine Fortsetzung geben?


Ein Jahr in Venedig: Reise in den Alltag (HERDER spektrum)
Ein Jahr in Venedig: Reise in den Alltag (HERDER spektrum)
von Frauke Schlieckau
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Wir sehen uns unterwegs! - "Ci vediamo in giro!", 25. Juli 2014
...dieses Buch macht glücklich und melancholisch...

...es bringt einen dazu, sich sofort eine Fahrkarte nach Venedig kaufen zu wollen um diese wundervolle Stadt endlich mit eigenen Augen sehen zu können...

Fraucke Schlieckau möchte für ein Jahr zum Studieren nach Venedig ziehen. Von ihrem Freund hat sie sich kurz vorher getrennt und so fühlt sie sich wirklich frei und ungebunden, als sie den Nachtzug nach Venedig besteigt.

Ihre erste Bleibe ist ein streng geführtes katholisches Mädchenwohnheim, dassen Beschreibung eher an ein Gefängnis ohne Gitter erinnert als an einen schönen Ort. Daher bleibt sie dort nicht lang, sondern zieht nach einigen Monaten in eine Wohngemeinschaft.

Ihre Universität befindet sich auf einer Insel - wie viele Einrichtungen ist auch sie kurzerhand auf eine Insel ausgelagert worden. Es gibt sogar eine eigene Friedhofsinsel.

Schon bald schließt sie Freundschaft mit einem Kommilitonen - dem quirligen Tim. Auch mit einigen Mädchen freundet sie sich an und außerdem mit den beiden taubstummen Brüdern Mattia und Filippo. Ihre Freunde nehmen sie einige Male mit zu ihren Familien außerhalb Venedigs. So bekommt man einen Einblick in das Familienleben von Italienern im Allgemeinen und venezianischen Gepflogenheiten im Besonderen. Ich wusste vorher beispielsweise nicht, dass Italiener (die ja bekannt für ihr Faible für gutes Essen sind) das Frühstück sehr stiefmütterlich behandeln. Bei ihnen besteht es in der Regel nur aus Keksen und Kaffee. Interessant war auch zu erfahren, wie man eigentlich einen Umzug bewerkstelligt, wenn einem außer Boote kaum andere Transportmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Immer wieder erzählt Frauke Schlieckau von ihren Streifzügen durch Venedig - von den malerischen Häusern, Gassen, Brücken und Kanälen. Es gibt dort etwa 400 Brücken und zahlreiche Kanäle. Auch nach vielen Monaten in Venedig verläuft sich Frauke Schlieckau immer wieder im Gassengewirr, was ich sehr sympathisch fand und was mich sicherlich auch passieren würde. Sie zitiert immer wieder die Worte berühmter Personen wie Thomas Mann zum Thema Venedig, was ich sehr schön fand.

Auf ihrem Venedig-Abenteuer trifft sie auf viele interessante Menschen. Und sie schafft es, sie so darzustellen, dass sie am Ende irgendwie unwirklich und verwunschen wirken. Sie passen hervorragend in die Kulisse dieser märchenhaften Stadt, die im Sommer von Touristen bestaunt und im Winter von dicken Nebelschwaden umgeben ist.

So malerisch die Stadt auch ist, verklärt Frau Schlieckau sie trotz allem nicht, sondern erzählt auch von weniger schönen Seiten. Von der herablassenden Einstellung der Venezianer Touristen gegenüber zum Beispiel. Von der Vernachlässigung des Biennale-Geländes nach Ende der Veranstaltung und von anderen weniger positiven Aspekten. Außerdem erzählt sie ganz offen davon, wie sie von einem Tag auf den anderen der Stadt überdrüssig wurde, wie sie aber nach ihrer Rückkehr ihre Schönheit in noch größerem Umfang erkannte.

Alles in allem ist "Ein Jahr in Venedig" ein ausgesprochen gelungener, atmosphärisch dichter Reisebericht, den ich hiermit ausdrücklich weiterempfehle!


Tel Aviv - Berlin: Geschichten von tausendundeiner Straße
Tel Aviv - Berlin: Geschichten von tausendundeiner Straße
von Fredy Gareis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Inspririerend anders, 10. Juli 2014
Man nehme einen sympathischen "Verrückten", ein Fahrrad und tausendundeine Straße.

Man gebe dem "Verrückten" ein Tagebuch, in dem er seine Eindrücke festhalten kann und man lasse in 5000 km von Israel über Jordanien, Ägypten, den Libanon, die Türkei, Griechenland, Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Ungarn, die Slowakei und Polen nach Berlin fahren (Ich habe eins vergessen, aber komme jetzt nicht drauf, welches es war:)

Was kommt dabei heraus? Der faszinierende Reisebericht "Tel Aviv - Berlin". In diesem Bericht beschreibt der Journalist Fredy Gareis das wahrscheinlich größte Abenteuer seines Lebens.

Ich konnte dieses Buch gar nicht mehr zur Seite legen. Der Schreibstil ist alles: witzig, ironisch, sarkastisch, unkonventionell, sachlich und tiefgründig. Es bildet Fredys jeweilige Stimmung ab und lässt den Leser an seinen Gedanken teilhaben. Das Lesen wurde niemals anstrengend oder langweilig, im Gegenteil. Ich habe selten einen Reisebericht gelesen, der mich so mitgerissen hat. Seit diesem Buch planen wir auch eine ähnliche Reise mit dem Fahrrad, nur nicht durch Krisengebiete. Es ist wirklich inspirierend.

Fredy hat in den vier Monaten auf dem Fahrrad sehr viel erlebt. Er hat verschiedenste Menschen in den unterschiedlichsten Lebensumständen getroffen. Er hat sie nach ihrer Meinung zu bestimmten Dingen gefragt oder einfach ihren Geschichten gelauscht. Von all diesen interessanten Menschen und Orten berichtet er in einer sehr eindringlichen Sprache.

Dadurch, dass er sich fast nie in einem Hotel (Hotels gab es an den meisten Orten ohnehin nicht) eingemietet hat, sondern die Nächte im Zelt, in einem Hauseingang oder bei den Menschen vor Ort verbracht hat, wird der Bericht sehr authentisch. Ich habe dieses Buch wirklich genossen.

Das Buch beinhaltet sehr viele Fotos von seiner Reise, eine Karte, in der seine Reiseroute verzeichnet ist, die komplette Reisestatistik (Abfahrt, Ankunft, Anzahl durchfahrener Länder, Verletzungen, Überfälle, Anzahl der magischen Momente etc. pp.) und sein komplettes Inventar, das für diese Reise notwendig war.

Ein Sternchen ziehe ich ab für's viele Rauchen, Trinken (dass oft ein Türöffner zu den Menschen vor Ort gewesen war) und Fluchen. Okay, es gehört zu Fredy und seiner Reise, aber trotzdem :)


Schwimmen in der Nacht: Roman
Schwimmen in der Nacht: Roman
von Jessica Keener
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4.0 von 5 Sternen Wie heilt man die Wunder der Kindheit?, 28. Juni 2014
Sarah wächst augenscheintlich wohlbehütet auf, in einer "ganz normalen" Familie. Doch das ist nur das, das sich dem Außenstehenden auf den ersten Blick darbietet.

Das Buch wird aus Sarahs Sicht erzählt. Wir erhalten eine Innenschau ihrer Selbst und einen tieferen Einblick in ihre Familie. Es handelt sich um eine jüdische Familie, die ihren Glauben allerdings nur bei besonderen Anlässen zur Schau trägt. In der nichts ist, wie es scheinen möchte. Nach und nach öffnet sich ein dramatischer Abgrund, der jedes Familienmitglied unweigerlich in eine Abwärtsspirale stürtzt.

Der Vater, ein Universitätsprofessor, entpuppt sich als cholerisch und unfähig, die emotionalen Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, vor allem die seiner nächsten Angehörigen. Er regt sich furchtbar auf, dass sein Sohn eine Viertelstunde zu spät zum Abendessen kommt, weil er noch bei einer wichtigen Bandprobe gewesen ist. Er interssiert sich nicht im Geringsten für das, was seinem Sohn wichtig ist. Aber auf dem Konzert, bei dem alle von dem grandiosen Auftritt seines Sohnes begeistert sind, mimt er plötzlich den stolzen Vater. All diese kleinen Falschheiten treten erst nach und nach zutage.

Die Mutter, der ein makelloses Äußeres und auf Hochglanz polierte Möbel wichtiger sind als Beziehungen, geht in dieser Familie langsam zugrunde. Früher war professionelle Geigenspielern gewesen, aber seit der Geburt ihrer Kinder sieht sie sich als Opfer, das von nun an die eigenen Bedürfnisse den Bedürfnissen anderer immer hintenan stellen muss. Sie hat Arthritis, nimmt Schmerztabletten und trinkt zu viel Alkohol. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, die für die Kinder unerreichbar bleibt. Sie ist nicht zu fassen, weder für ihren Mann noch für ihre Kinder.

So kommt es dazu, dass jedes Kind eigene Wege findet, mit dem Dilemma umzugehen - damit, dass sie von ihren eigenen Eltern weder gehört noch richtig wahrgenommen werden.

Der Älteste, Peter, ist in einer Rockband, raucht und nimmt Drogen. Er begehrt gegen seine Eltern auf.

Robert, der Zweitälteste, flüchtet sich in eine Fantasiewelt aus Büchern. Er wird zusehends aggressiv und seine einzigen Freunde scheinen seine sechs Fische zu sein, die in einem Aquarium in seinem Zimmer leben.

Sarah, unsere Hauptprotagonistin, ist ein aufgewecktes und sehr intelligentes Mädchen mit einem vielschichtigen Innenleben. Wie auch ihrem ältesten Bruder, ist ihr die Musik und der Gesang sehr wichtig. Aber auch sie schafft es nicht, sich dem zerstörerischen Einfluss ihrer Familie zu entziehen. Sie geht sexuelle Beziehungen ein, die nichts mit Liebe zu tun haben, denn sie hat es nie gelernt zu lieben. Gleich darauf vergisst sie diese jungen Männer wieder, sie bedeuten ihr nichts. Die einzige, die ihre Probleme wirklich zu erfassen vermag, ist ihre schwarze Haushälterin Dora. Aber auch ihr kann sie sich nicht wirklich anvertrauen. Sie verlässt sich nur auf sich selbst und verliert sich zusehends. Nur die Musik bleibt ihr einziger Halt.

Der Jüngste, Elliot, ist gleichmütig gegenüber fast allem. Die einzigen, mit denen er reden kann, sind seine Plastik-Tierfiguren.

Ich fand diesen Roman wirklich ergreifend. Man taucht nach und nach in das Leben einer längst zerrütteten Familie ein, der es auf erstaunliche Weise gelingt, einen Schein von Erhabenheit aufrecht zu erhalten. Auf einer sehr subtilen Ebene erfährt man von allen Ungereimtheiten, die vor allem an den Kindern nagen und sie zerfressen.

Dieser Roman ist insofern lehrreich, als er zeigt, wie wichtig es ist, echt zu sein, erreichbar für seine Nächsten. Nicht zu viel Wert darauf zu legen, wie man wirkt, sondern darauf, was man ist.

Insgesamt hat er mir ausgesprochen gut gefallen. Ich glaube, dass man einige psychologischen Besonderheiten an der ein oder anderen Stelle noch genauer hätte herausarbeiten und noch deutlicher hätte darstellen können. Aber auch so entfaltet dieser Roman seine eindringliche, durchschlagende Wirkung.


Die Illusion des Getrenntseins
Die Illusion des Getrenntseins
von Simon Van Booy
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderschöner, überaus starker Schreibstil, 16. Mai 2014
Zum Inhalt:

Ein Mann, der nie herausfand, wer seine Eltern sind.

Ein Paar, dass sich unter Tränen verabschiedet, weil der Mann als Soldat in den Krieg ziehen wird.

Ein älterer Herr, dem der halbe Kopf fehlt.

Ein kleiner Junge, der einem alten Mann neuen Lebensmut schenkt.

Ein Baby, das fast verbrannt wäre.

Was haben all diese Personen gemeinsam, zumal sie in verschiedenen Jahrzehnten geboren werden und aufwachsen?

Jedes dieser Leben wird auf eine Weise beschrieben, dass man glaubt, diesen Personen schon einmal begegnet zu sein.

Die Geschichten dieser Leben kreuzen sich im Laufe des Buches, und am Ende schließt sich der Kreis.

Meine Meinung:

Unsere Leben sind viel stärker miteinander verwebt, als wir es glauben mögen. Dieses Buch macht das auf eindrucksvolle Art und Weise bewusst.

Es zeigt, wie Menschlichkeit trotz widrigster Umstände möglich ist, wie wir andere mit wenig Aufwand retten und ihr Leben verändern können. Es macht Mut, ebendies zu tun.

Simon van Booy ist ein Künstler der Worte, das hat er hiermit entgültig bewiesen. Auch wenn das Buch eher ein stilles Buch ist, entfaltet es eine Wortgewalt, die ihresgleichen sucht. Immer wieder musste ich schmunzeln oder eine Träne aus dem Augenwinkel wischen.

Dieses Buch hat durch seine Poesie etwas Verträumtes, etwas, das einem warm ums Herz werden lässt. Es ist auf eine besondere Art und Weise inspirierend.

Ich empfehle es allen, die zu Tagträumen neigen, die fähig sind, das Schöne im Alltäglichen zu entdecken.


Die letzte Jüdin von Würzburg
Die letzte Jüdin von Würzburg
von Roman Rausch
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine berührende Geschichte über das Schicksal eines stetig verfolgten Volkes, 25. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die letzte Jüdin von Würzburg (Taschenbuch)
Zum Inhalt:

Nachdem die junge Jüdin Jaelle die Pogrome in Straßburg 1349 eher zufällig überlebt, flüchtet sie nach Würzburg. Das hatte ihr ihr bereits verstorbener Vater geraten, da dort noch Verwandte der Familie leben und Juden außerdem mit weit größerem Respekt behandelt werden als in vielen anderen Städten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Als Mann verkleidet schafft sie es, sich bis nach Würzburg durchzuschlagen. Schon bald wird sie von Michael de Leone, dem Berater des Bischofs, als Schreiber eingestellt. De Leone, der von allen nur "Der Löwe" genannt wird, ist ein großer Liebhaber der Dichtkunst und findet in der aufgeweckten Jaelle alias "Johan" einen interessierten Gesprächspartner.

Gleichzeitig lernt Jaelle Rabbi Moshe, das Haupt der jüdischen Gemeinde von Würzburg kennen. Dieser beauftragt sie, den Löwen auszuhorchen, um feststellen zu können, ob auch den Juden in Würzburg Gefahr droht. Denn nachdem viele andere Städte ihre Juden nicht geschützt haben und sie von einer wild gewordenen Meute haben ermorden lassen, fühlen sich auch die Juden in Würzburg nicht mehr sicher, obwohl der Bischof immer wieder betont, dass die Juden unter seinem höchstpersönlichen Schutz stünden.

Immer wieder ist den Juden in der damaligen Zeit vorgeworfen worden, sie würden die Brunnen vergiften und damit die Pest verbreiten. Dass auch Juden an dieser schrecklichen Krankheit starben, schien niemand zu bemerken. Die Aussicht, sich durch die Ermordung der Juden bereichern zu können oder Schulden loszuwerden, blendete sehr viele Menschen.

Jaelle lernt - nach wie vor als Johan verkleidet - den jungen jüdischen Arzt David kennen. Später offenbart sie sich und zwischen den beiden wächst eine zarte Liebe heran, die jedoch von dunklen Schatten verhangen wird. Denn es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass auch die Würzburger Bürger von ihrer eigenen Habsucht geblendet werden könnten...

Meine Meinung:

Ich glaube, ich habe einen historischen Roman bisher noch nie in so kurzer Zeit gelesen. Die Seiten flogen nur so dahin und vor meinem geistigen Auge breitete sich eine lebendige, spannende und gleichzeig schockierende Geschichte aus.

Roman Rausch versteht es, den Leser durch seinen Schreibstil und eine nie langatmig werdende Handlung zu fesseln. Die Geschichte der Juden hat mich schon immer interessiert und bewegt. Aber einen Roman über einen der ersten uns bekannten Pogrome zu lesen hat mir diesen Teil der von Schicksalsschlägen durchwirkten Geschichte der Juden noch näher gebracht.

Der Autor schildert die Ereignisse mit der gebotenen Feinfühligkeit, ohne die Grausamkeit zu beschönigen oder unnötig auszuschmücken.

Immer wieder gibt es in diesem Roman Einschübe, die die Geschichte der Juden von Würzburg näher beleuchten.

Ich kann es jedem geschichtlich Interessierten mit gutem Gewissen empfehlen.


Ein Jahr in Madrid: Reise in den Alltag (HERDER spektrum)
Ein Jahr in Madrid: Reise in den Alltag (HERDER spektrum)
von Anne Grüttner
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich möchte nach Madrid. Jetzt., 21. März 2014
Zuerst einmal: Ich finde das Cover wunderschön!

Anne Grüttner erzählt in diesem Erfahrungsbericht davon, wie sie ihren Aufenthalt in Madrid erlebt hat. Nach sieben Jahren in Argentinien ziehen sie und ihr argentinischer Mann, ein Querflötist und Musiklehrer, nach Spanien. Zuvor hatte Anne Grüttner bereits in Peking gelebt. Anne arbeitet in Spanien bei einer Zeitung und ist die Haupternährerin der Familie.

Bei ihrer Ankunft in Spanien ist die Wirtschaftskrise gerade in vollem Gang, die Banken bekommen Geld aus dem Rettungsschirm, viele Menschen sind arbeitslos. Dennoch sind die Menschen zu ihrer großen Verwunderung sehr friedlich, es gibt kaum Proteste oder Bettler. Das führt die Autorin darauf zurück, dass in Spanien die Familie eine sehr große Rolle spielt und die Familienmitglieder einander in Zeiten der Not aushelfen. Ich fand ihre Ausführungen dazu sehr interessant.

Ihre künftige Wohnung sehen die Beiden zum ersten Mal direkt vor Ort. Sie hatten sie vermittelt bekommen. Sie wissen von Anfang an, dass das nicht lange ihre Bleibe sein wird, da sie sich beide unwohl dort fühlen. Auch der große Pool ändert nichts daran. Man bekommt als Leser einen Einblick in madrilenische Gepflogenheiten was das Zusammenleben in Blocks angeht. Vor allem die Beschreibung des typischen Tagesrhythmus eines Durchschnittsmadrileners fand ich toll. Ihr Motto scheint zu sein "Der frühe Vogel kann mich mal!", also eher das Gegenteil von uns Deutschen.

Anne und ihr Mann finden schnell Anschluss in Madrid und genießen es ganz besonders, immer wieder neue Restaurants und Tapas-Bars auszuprobieren. Ihre neuen Freunde schaffen es sogar, Anne dazu zu überreden, zu einem Stierkampf mitzukommen.

In diesem Bericht ist mit sehr positiv aufgefallen, dass unglaublich viel Madrider Kultur, Sehenswürdigkeiten und Geschichte aufgegriffen werden. Es wird ein großes Augenmerk auf die Stadt selbst gelegt und weniger auf das Privatleben der Erzählerin. Man kann aus diesem Bericht wirklich viel lernen. Anne Grüttner verklärt Madrid nicht, sondern sieht alles kritisch-realistisch. Man hat am Ende wirklich den Eindruck, ein umfassendes Bild von Madrid und seinen Menschen erhalten zu haben. Es werden Themen wie der immer mehr um sich greifende Nationalismus in Spanien oder die Veränderung der Arbeitszeiten weg von der typischen "Siesta" behandelt.

Der Schreibstil hat mir auch hier wieder sehr gut gefallen. Sehr schön waren auch die Einschübe "Spanisch für Anfänger" zwischen den Kapiteln. Darin wird immer etwas typisch Madrilenisches bzw. Spanisches erklärt, zum Beispiel über die Puerta del Sol.

Dieses Buch ist neben "Ein Jahr in Lissabon" und "Ein Jahr in Andalusien" definitiv eines meiner Lieblinge in dieser Reihe!


Ein Jahr in Wien: Reise in den Alltag (HERDER spektrum)
Ein Jahr in Wien: Reise in den Alltag (HERDER spektrum)
von Tonja Pölitz
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Deutsche - Lieblingsfeind der Ösis, 28. Februar 2014
Tonja Pölitz wird von ihrem Sender gebeten, für ein Jahr als Korrespondentin nach Wien zu gehen. Sie muss sich sofort entscheiden und nimmt das Angebot an, ohne lange nachzudenken. Ihr langjähriger Freund Max, der erfolgreicher Opfernsänger ist, weigert sich, sie zu begleiten. So packt Tonja ihre Siebensachen und macht sich auf nach Wien. Sie geht davon aus, dass sie sich in Wien schnell einleben wird, da keine Sprachbarriere vorhanden ist und die Österreicher ja schon immer die kleinen Brüder der Deutschen sind.

Tja, da hat sie ihre Rechnung ohne die Österreicher gemacht wie sie bald feststellen darf. Denn die finden es gar nicht lustig, dass wir Deutschen scharenweise in ihr kleines Land einfallen und glauben, einfach weiterhin unser Deutsch sprechen zu können, statt uns anzupassen. So wird Tonja Pölitz von der Kassiererin ausgelacht, als sie an der Kasse eine "Tüte" statt ein "Sackerl" verlangt. In der Bäckerei darf sie nur noch ein "Semmerl" bestellen, wenn sie ein "Brötchen" haben möchte. Und wer in einem Café einen "Kaffee" bestellt, ist sowieso schon unten durch.

Aber was die lieben Österreicher noch viel schlimmer finden als unsere Sprache, ist unsere ungehobelte deutsche Art. Wir sind zu laut, zu direkt und unsere Aussprache ist einfach uncharmant. Wie können wir es wagen, direkt "nein" zu sagen, wenn wir "nein" meinen? Das lässt sich doch viel netter ausdrücken!

Frau Pölitz erzählt in ihrem schönen Bericht von vielen Begegnungen mit den Wienern, denen man ja doch nicht böse sein kann, auch wenn sie uns nicht leiden können. (Wahrscheinlich deswegen, weil wir ihre Aussprache einfach süß finden und durch die Verkleinerungsform alles viel netter klingt, als es gemeint ist.) Wir erfahren auch, wie sie ihre ersten Freundschaften mit Wienern schließt, sich von ihrem Freund trennt und mit dem Gedanken spielt, eine Familie mit einem waschechten Wiener zu gründen.

Außerdem erzählt sie auch über ihre Arbeit als Korrespondentin. Wir lesen nicht nur von einem verpatzten Fernsehauftritt bei der Beerdigung von Peter Alexander (immer diese aufdringlichen Deutschen, die einen nicht einmal während eines Liveauftrittes in Ruhe lassen können!), sondern auch davon, wie sie ihre Begegnung mit Natascha Kampusch erlebt.

Insgesamt liefert Frau Pölitz ein tolles Bild der österreichisch-deutschen-Freund-Feindschaft. Ganz nebenbei lernt man, welche Fettnäpfchen es zu umschiffen gilt.

Das Buch liest sich leicht und flüssig. Für meinen Geschmack hätte ein bisschen mehr Informationen zum Thema Kultur in Wien geben können und dafür hätten es ein paar weniger österreichisch-deutsche Dialoge sein können. Diese waren zwar sehr amüsant, aber ich hätte gern noch ein umfassenderes Bild von Wien bekommen. Nichtsdestotrotz hat mir dieser Erfahrungsbericht sehr gut gefallen und empfehle ihn gerne weiter.


Darum nerven Chinesen: Der ungeschminkte Wahnsinn des chinesischen Alltags
Darum nerven Chinesen: Der ungeschminkte Wahnsinn des chinesischen Alltags
von Heike Barai
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herrlich, selten so viel gelacht, 7. Februar 2014
Mal ehrlich: Was wissen wir schon über Chinesen? Vielleicht, dass sie Arbeitsbienen sind, stets höflich und gefasst. Außerdem sind ihre klitzekleinen Wohnungen stets in perfekt sauberem Zustand. Abends gehen sie in Schlafanzug auf die Straße.

So oder so ähnlich war meine Vorstellung von Chinesen bisher.

Würde man mir nach der Lektüre dieses Buches die gleiche Frage stellen, wüsste ich schon viel mehr zu erzählen. Beispielsweise die Antworten auf folgende Fragen:

- Warum würden die meisten Chinesen einem Unfallopfer nicht helfen?
- Warum haben Chinesen (zumindest laut ihrer Visitenkarte) oft Namen wie Lucy oder James?
- Sind Chinesen wirklich so höflich, wie wir immer glauben mögen?
- Warum sagen Chinesen nie direkt "nein"?
- Warum man als Europäerin in chinesischen Klamottenläden ausgelacht werden könnte
- Warum Ausländer kein Gesicht haben uvm.

Dieses Buch ist wahrhaft eine süß-saure Liebeserklärung an das Land, dessen Menschen in vielen Fragen ganz anders denken als wir. Ich bin zeitweise aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen, weil man das Gefühl bekommt, dass chinesische Hirnwindungen so ganz anders gepolt sind als unsere. Aber im Großen und Ganzen ergibt sich ein stimmiges Bild. Mir persönlich hat dieses Buch Lust darauf gemacht, unbedingt einmal in dieses Land zu reisen und all das Geschilderte selbst zu bestaunen.

Das Buch liest sich leicht und flüssig. Und da so viele Stellen zum Schmunzeln darin vorhanden waren und man so viel Neues erfahren konnte, habe ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollen.

Fazit:
Mit hat es sehr viel Spaß gemacht und mir einen Einblick in eine Welt verschafft, über die hierzulande viel zu wenig gesprochen und berichtet wird. Absolute Leseempfehlung!


Ein Jahr in Lissabon: Reise in den Alltag (HERDER spektrum)
Ein Jahr in Lissabon: Reise in den Alltag (HERDER spektrum)
von Sylvia Roth
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von einer super sympathischen Autorin nach Lissabon entführt..., 8. Dezember 2013
Als ich anfing, dieses Buch zu lesen, dachte ich nach ein paar Seiten: "Ich glaube, es wird mir sehr gefallen."

Als ich noch ein weniger weiter las, dachte ich: "Ich glaube, ich werde dieses Buch lieben."

Zum Schluss dachte ich: "Ich liebe dieses Buch!"

Ich habe selten einen so mitreißenden Reisebericht gelesen. Lissabon wird hier atmosphärisch unglaublich dicht beschrieben. Man meint, die gleichen Gerüche wie die Autorin einzuatmen und sieht die Stadt schon nach wenigen Seiten vor seinem geistigen Auge. Man meint sogar, ihren Lieblingsverkäufer im Laden um die Ecke persönlich zu kennen, genauso wie ihre Kollegen am Arbeitsplatz im Kunstmuseum und ihre anderen Freunde. Wirklich ganz großes Kino.

Sylvia Roth ist eine sehr sympatische Autorin, die trotz anfangs vollkommen fehlender Sprachkenntnisse schnell Anschluss in Portugal findet. Der Schreibstil ist sehr flüssig, bildhaft und auch etwas verspielt. Ich habe jeden Satz genossen.

Auf ca. 190 Seiten schafft sie es, nicht nur Lissabon zu beschreiben, sondern auch die Kultur der Portugiesen im Allgemeinen, ihre Denkweise, ihre Feste und Besonderheiten.Auch die Auswirkungen der Eurokrise werden nicht verschwiegen. Ich bin jedenfalls sehr neugierig auf dieses Land und seine Menschen geworden. Ich geh dann mal Koffer packen...!

Von meiner Seite eine absolute Kaufempfehlung!


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